Donnerstag, 25. September 2014

24. September 2014 - Vox - Das perfekte Dinner - 100% Regional - Mittwoch in Leonberg bei Anja

Aperitif: Sommer-Bowle mit Himbeeren
Vorspeise: Warmer Einkorn-Salat mit Rosenblüten
Hauptspeise: Schweinefilet auf Wurzelgemüse und Petersilienkartoffeln in brauner Butter geschwenkt
Nachspeise: Himbeer-Rosmarin-Eis mit Mini-Gugelhupf


Landleben - Von einer, die raus zog

Anja tat es vor vier Jahren aus persönlichen nicht näher erläuterten Gründen. Und sie fühlt sich sauwohl auf dem Bauernhof, den ihre Vermieter betreiben.

Obwohl die gar keine Schweine halten. Auch Sarah Wiener hält vermutlich keine. Die intelligenten Tiere aus den Qualzuchten mag sie nicht essen.

Aber Ziegen leben auf Anjas Traumhof. Als erquickender Anblick für vorbei ziehende Kinder.

Weniger erbaulich ist die Trennung der Kälbchen von den Müttern. Die können höchstens noch durch Schreie miteinander kommunizieren.

Da Sarah Wiener hierzu keine Anmerkung los lässt, weiß ich nun nicht, wie diese Tiere vielleicht leiden. Oder ob es ihnen egal ist, weil sie robust sind. Da klaffen doch in der Tat ein paar Lücken in der belehrungsreichen Woche mit Mamsell Wiener.

Gabriele könnte so einsam und fernab nicht leben, weil sie eine Schissbüxe ist. Nun, das schaffen doch sogar die süßen Kälbchen!

Besonders stolz ist Anja auf ihr selbst gemachtes Ketchup.

Während Sarah Wiener eher stolz auf selbst Geschlachtetes zu sein scheint: "Wer Tiere essen will, muss sie töten."

Wo kommen wir denn da hin, wenn jeder Laien-Mörder sich mal eben an einem Lebewesen ausprobiert?

Hoffentlich nicht in eine Schlachter-Casting-Show von RTL. Die suchen schon lange nach einem lebenserhaltenden Rezept.

Wenn das so weiter geht, verzichte ich bald völlig auf Fleisch. Nur so macht das dann noch Sinn.

Anjas Vorspeise gibt ein wenig mehr her, aber wirklich nur ein wenig, als die vom Vortag: Es gibt zusätzlich zum Grünzeug mit Blütenschnippseln eine Einkorn-Einlage. Mit Einhorn-Einlage gliche die Speise einem Märchen. So ist es nur Mittelmaß.

Die Hauptspeise ist die bislang beste von dreien in dieser Woche. Und die intelligenteste.

Nach dem Dessert holt Leon tief Luft und verkündet große Worte über die Einfachheit von Anjas Menü. Er hatte jetzt aber nicht auch noch Schiss in der Büx, dass Anja ihn punktemässig überholen könnte?

Jugendlicher Übermut trifft juvenile Unbedarftheit und innovative Ideen gehen Hand in Hand mit frecher Kritikbereitschaft. Und ihn hatte sicher niemand von seiner Mutter getrennt.

Sarah Wiener ist nicht mehr ganz so jugendlich, aber wenn sie ins Fernsehen darf, sind ihrer Begeisterungsfähigkeit allem gegenüber, was grün, würzig, fleischig und lecker regional ist, keine Grenzen gesetzt.

Außerdem arbeitet sie den Kleinbauern zu, die dringend auf kompetente Unterstützung gewartet haben müssen. Jetzt erst ist vollkommen klar: Regional unterstützt auch Landwirte.

So viele neue Erkenntnisse müssen erst einmal verarbeitet werden. Darum schleich ich mich und fange damit an.

Anja bekommt zweiunddreißig Punkte. Aber Leon ist noch so jung, er braucht dringend eine Finanz-Spritze, damit er sich neuen Samen kaufen kann. Und vielleicht auch mal ein regionales Putzmittel und ein Schild mit dem Text: Finger raus aus Töpfen, Pfannen und Sowieso.

Danke für eine weitere Schulstunde, Gruß Biene

7 Kommentare:

  1. So, jetzt ist`s geschafft: Die pädagogische Dauerkeule ist sooft auf meinen armen Schädel niedergeknallt, dass ich überlege, aus Selbstschutz abzuschalten. Und das, obwohl ich der Sarah wohlgesonnen bin. Aber diese schlichten Weisheiten in ewiger Wiederholung: Da hält einen wohl jemand für richtig blöde, oder?

    Das Menue selbst bescherte mir einige ungute Flashbacks in vergangene Traumata:
    Die Vorspeise, da mußte ich schlagartig an die Zeit zurückdenken als ich den Schreibtisch mit einer stets mißgelaunten Kollegin teilte, die sich aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen täglich über`s Essen selbst bestrafen musste und zu der Zeit gerade streng makrobiotisch lebte. Jeden Tag zur Mittagsstunde öffnete sie einen Thermobehälter (als ich den "Henkelmann" nannt sprach sie zwei Tage nicht mit mir) und löffelt daraus einen geqollenen Getreidebrei, dessen Geruch mich augenblicklich an Stützstrümpfe denken ließ (keine Ahnung warum).
    Sie kaute jeden Bissen 25 millionenmal schaukelnd durch. Nach 5 Tagen wurde ich zur Kantinenflüchterin.
    "Merle" schoss es mir deshalb gestern durch den Kopf, als ich den Einkornbrei sah, welche olfaktorischen Genüsse meine Nase mir bescherte, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht weiter breit zu treten ...

    Gut, für meine biografischen Schicksalschläge kann die arme Anja nichts, aber wohl für ihre sonderbare Entscheidung, diese Pampe (ja, das scheint die Pampe-Woche zu sein) als Entree zu reichen, und dann noch als Salat, und dann noch Rosen obendruff, was mich sowieso immer eher Schaumbad assoziieren lässt, neee keine gute Idee...

    Und dann die Hauptspeise, Sonntagsspeise meiner Schwiegermutter, Gotthabsieselig, die stolz darauf war, dass in ihrer Küche nur Pfeffer und Salz verwendet wurde und für die jedes Sonntagsmahl aus Schweinemedaillions bestand, die immer, immer, immer furztrocken waren.
    Genaus sahen die von Anja auch aus, und im Rezept nachzulesen: 3cm, dick, von jeder Seite 3 Minuten braten, klar dann ist so ein armes Schwein gleich doppelt tot.
    Und diese angedickte Gemüsebrühe-Sahne-Sosse, genau wie bei Schwiemu, ob man den einmal durchgeschossenen und wieder entfernten Ingwer und Knoblauch rausgeschmeckt hat, wage ich zu bezweifeln. Aber da stiegen schlagartig die langweiligen Besuchsnachmittage wieder auf und das schläfrige Gefühl, ständig mußte man ein Gähnen unterdrücken...
    Abgerundet wurde der Schwiegermutterflashback dann noch durch den staubtrockenen Kuchen: Man lese sich auch hier das Rezept durch und vergegenwärtige sich die Mengenverhältnisse der Zutaten: 1 (!) Ei auf 250 g Mehl!

    Ganz davon abgesehen verstehe ich die Kombination von Eis und Guglhupf eh nicht so ganz, zum bestimmt leckeren Eis wäre doch ein leichtes zartes Gebäck oder ein Palatschinke/Crepe schön gewesen, aber doch nicht so ein Geschoss zum Fenstereinwerfen. Da waren sie dann bei mir auch wieder die seligen Erinnerungen an staubtrockene Puffer zu Blümchenkaffee...

    Aber was solls, immerhin war Anja wacher und präsenter als der junge Agrarfreak, kann ja alles nur besser werden. Na ja, bis auf Sahra (huch) die heisst ja Sarah, wieso fällt mir jetzt bloß die Wagenknecht ein? Ich sage nur: Posttraumatische Belastungsstörung, wo ist mein Valium?

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  2. Hier gibt es kein Valium. Wir müssen alle hellwach bleiben! - Super, Susi! Ungewollte Alliteration.

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  3. Aperitif:
    Ich glaube, ich habe es schon mal geschrieben: Bowle ist kein Aperitif, sondern ein Getränk für schöne Sommerabende auf der Terrasse.

    Vorspeise:
    Eisbergsalat! Keine Konsistenz und kein Geschmack. Darauf ein paar warme Körnchen mit einem ominösen Dressing und ein paar Rosenblätter aus dem Nachbargarten. Allein schon wegen des verwendeten Eisbergsalats kein wirklicher Bringer.

    Hauptspeise:
    Das Schweinefilet in dünnen Scheiben durchgegart mit Wurzelgemüse in einer undefinierbaren Sauce, dazu Bratkartoffeln mit ein wenig Petersilie. Was soll man dazu sagen? Der Versuch eines Mittagessens.

    Nachspeise:
    Rosmarin mit Himbeereis zu kombinieren, ist mal eine Idee. Ich weiß nicht, ob es die Beste ist. Müsste man probieren. Diese Silikonförmchen für Minigugelhupf habe ich auch. Nach die Zubereitung wurde nicht gezeigt.

    Fazit:
    Durchschnitt! Besser als gestern auf jeden Fall. Aber eben nur Durchschnitt.

    Ich wünsche euch einen weniger langweiligen Tag

    Manne

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  4. Bei mir gibts auch kein Valium ! Ich habe diese Woche meine verkehrsberuhigte Fernsehzone von meinem Enkel besetzt und da ist Leben, Hausaufgaben, Hunger nachm Radball, Nachschlag und quatschen.... ! Also konnte ich nur mit einem Auge beim pD sein, aber es macht Spaß hier dann eure Eindrücke nachzulesen :-) Danke dafür !

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  5. Manne, ich nehme lieber anderes Eis als Himbeereis und ohne Rosmarin. Ich glaube, ich muss das gar nicht ausprobieren. Gäbe es das in der Eisdiele, würde ich es probieren. Aber sonst?

    Viel Spaß mit dem Enkel, Petra Silie.

    Das wünsche ich auch allen: keinen langweiligen Tag.

    Aber wehe, es kommt die Dinnerzeit. -lol

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  6. Moin @ zusammen.

    Auf nach Leonberg in Baden-Württemberg, zu Anja.
    Anja wohnt auf einem Bauernhof, ein Milchhofbetrieb mit allerhand anderen Tieren, zur Miete. Dort kann sie mehr oder weniger Eier und Gemüse bekommen und was dort nicht vorhanden ist, bekommt sie vom Nachbarhof. Ihre Kräuter kann sie dort auch anbauen. Das Colakraut, auch Eberraute genannt, fand ich interessant. Aber es ist recht einsam dort. Gabriele möchte nicht so einsam wohnen. Als das Drehteam eintraf mähte sie gerade Rasen. Daniel: „Ich muss nie Ra-senmähen, dafür gibt es Personal.“ Wir werden es ja noch sehen, wie verwöhnt Daniel wird. Anja macht so einiges selber, wie z.B. Ketchup, Zitronen Pickle und braune Butter. Ihre Schwester Eva kam zur Hilfe. Nach der Deko ging sie aber wieder.

    Deko: den Glastisch hat sie mit Kuhleder überzogen, wodurch er an Wert gewinnt. Die Deko war sachlich und einfach, passte.

    Aperitif/Empfang: Eine Bowle von selbstgepflückten Himbeeren im Freien. Gegenüber dem mal gereichten Minzetee war es aber eine Steigerung, nur wieder kein Aperitif. Als Gastgeschenk bekommt jeder ein Glas selbstgemachten Ketchup. Leon und Daniel probieren ihn sofort, natürlich mit den Fingern. Daniel, ganz Hesse, probiert natürlich mit aus dem Glas von Leon.

    VS: Einkorn ist eines der ältesten Getreidesorten, stammt aber nicht aus der Region Deutschland. Es ist resistenter gegen div. Schädlinge und Krankheiten als die modernen Weizensorten. Leider ist der Ertrag recht bescheiden. Trotzdem wird es inzwischen hier angebaut. Wie das Einkorn schmeckt weiß ich nicht. Den Salat hatte Anja gut durchgemischt, endlich mal wieder und reichte selbstgemachte Brioche dazu. Leider hatte Anja unrecht, nicht jede Blume ist essbar. Der Salat sah etwas sehr einfach aus. Aber er kam geschmacklich gut an.

    Teil 2

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  7. Teil 2

    HG: Statt den üblichen Petersilienkartoffeln gab es Bratkartoffeln mit Petersilie. Holger hätte aber lieber Spätzle. Nein Holger, du bist hier nicht bei Mama. – lol – Natürlich passt Schweinefleisch zu einem pD. Allein die Frage fand ich albern. Petersilienwurzeln und Urkarotten als Gemüse. Das Schweinefleisch hat sie in Kokosfett (Region?) gebraten. Holger bekam eine Scheibe Fleisch mehr, bestimmt damit er mehr Kraft für Kritik hat. Im Ganzen sah der Gang na ja gut aus, allerdings war das Fleisch zu trocken und die Soße zu pampig. Gabriele haderte mit den Petersilienkartoffeln, aber es schmeckte ihr alles gut. Holger hätte die Kartoffelstücke größer als die Gemüsestücke und die Fleischscheibe dicker gehabt, weil die dünnen Scheiben schnell trocken werden. Der dazu gereichte Wein war keine besondere Marke, aber aus der Region. Holger betitelte ihn als Bauernwein, den man gut trinken kann. Nun sagt das ja nicht viel aus, wie das meiste von Holger, denn Bauernwein kann aus verschiedenen Ländern, oder gar vom Weingut Bauer kommen. Holger sollte essen und Kritik Köchen überlassen.

    DS: Anfang und Ende machten also die Himbeeren. Anja muss ja allerhand gepflückt haben. Aber mal ehrlich, alles kann nicht aus der Region kommen. Das Himbeereis hat sie natürlich mittels einer Eismaschine selber gemacht. Angerichtet auf einem Himbeerspiegel sah es gut aus. Die Sahne hat sie nicht selber gemacht, nur selber geschlagen. Der Mini-Gugelhupf war aber allen zu trocken, das war eher ein Briefbeschwerer. Am besten kam der Brombeerlikör an.

    Fazit: Anja war zufrieden mit ihrer Leistung. Ich fand, Anja war eine fast gute Durchschnitts-Köchin und hätte als GGin weniger erzählen sollen. Mag ja sein, dass sie viel Zeit hat und dadurch vieles selber erstellen kann, aber es war etwas viel Eigenlob dabei. Das war kochen, wenn auch nicht ganz gelungen und nicht wie bei Leon nur ein Auflegen von Kräutern.

    Die Wertungen von 32 Punkten verstehe wer will, ich nicht, ich meine im Vergleich.
    Bei Leon müssen die doch was genommen haben.
    Für mich der Brüller des Abend kam von Leon: „Das Essen war zu einfach.“
    Warum Leon gerne Kräuter mag ist ja auch kein Geheimnis, die wäscht man nicht.

    Holger war heute etwas gesprächiger, er suchte laufend nach Worten. Was er fand war aber nicht der Rede wert. Seine Kritiken waren an den Haaren herbei gezogen und ihnen fehlte der sachliche Hintergrund. Nun ja, wo sollte es auch herkommen.

    LG rudi

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