Freitag, 9. Oktober 2026

9. Oktober 2026 - Politisches Farbenspiel beim Friseur




Politisches Farbenspiel beim Friseur


Ob Blond, ob Rot, ob Braun, Kopp in den Nacken für den Haarwaschvorgang ... die Halswirbel knacken, und das ist wesentlich unangenehmer, als ein paar eigene Ansichten zum Besten zu geben: auch dann, wenn davon niemand beeindruckt ist.

Smalltalk war gestern - heute ist Politik-Talk in den Schnitt- und Färbevorgang inbegriffen.

Sie, die ihre Haare grünfärben lassen will, erzählt, dass sie die "Linken" liebt. Die sind so originell, meint sie - und so unkonventionell, weil sie keinerlei Berührungsängste haben. Nicht einmal mit Clan-Chefs, denn die sind die wahren Familienmenschen,

von denen sich andere ein Scheibchen abschneiden können, denn Familien sind die Grundmauern unseres Landes. Meint Grüni! Als sie nach dem Färben in den Spiegel schaut, entdeckt sie, dass hier ein explosiver

Farbfehler passiert ist. Die Friseurin hat ihre Haare versehentlich blau gefärbt. Das gibt Ärger! Und nicht nur Abzug an der Kasse, sondern Runterpunkten

beim Bewerten des Salons.

Die blonde Frau vorm anderen Spiegel möchte ihre Haare zwar nicht blau färben lassen, aber sie verweist auf Hape Kerkeling, der über Blau referieren kann, als wäre er auf einem ganz neuen Pilgerweg, auf dem es verboten sein soll, Blau zu wählen. Nicht bei Wanderschuhen. Nicht beim Friseur, nicht an der Wahl-Urne.

Schon sein Großvater hätte unter den Na... gelitten ... und da greift die Frau, die sich Dauerwellen wünscht, wissend ein ... dass dieser Großvater eine andere Vita hat, als die, die Hape zu Protokoll gegeben hat. Man suche bei Google,

meint eine der Friseurinnen, und man wird fündig werden, dass dieser Großvater ein Krimineller gewesen ist.

"Das kann nicht sein, das sind böse Alternative Fakten", wirft die Frau ein, die blonde Strähnen aus dem Angebot gebucht hat, "und er ist der neue Liebling von Steinmeier und Genossen." Ohnehin wähle sie

ausschließlich die SPD - und wenn es sonst niemand mehr tut, sie stellt als Letzte den Strom ab, falls sich niemand findet, der das dann mental noch stemmen kann. Sie ist einfach nur lieb.

Im nahen Wartebereich sitzt die alte Frau, die ihre grauen Locken aufgehübscht haben möchte - und da sie schüchtern ist, klingt ihre Stimme nur ganz leise. Sie meint, dass man niemals

undemokratisch wählen dürfe - und die CDU sei ihr auch ein nächstes Kreuzchen wert. Selbst ihr Seelsorger meint, dass man damit nichts verkehrt machen könnte. 

Einer rothaarigen Frau in ihren Vierzigern, die nur zum Spitzen-Schneiden vorbeigekommen ist, platzt der Kragen bei so viel Politik-Romantik in jeglicher Farbnuance:

sie leidet seit dem Wirrwarr unter psychischen Problemen und merkt,

dass die beim Friseur nur noch größer werden.

Links, Rechts. Geradeaus, Halblinks, Halbrechts, Untendurch:

Falsch auf jeden Fall - trifft sie den Kern der Friseur-Philosophie.

Am Ende brennen Meinungen andere Meinungen nieder, und schwarze Farbe überdeckt versehentlich die rote, während die blaue kein grün werden will, und

sowieso ist alles Quatsch in diesem Salon. Wenn auch authentischer.

Und die Preise sind  zum Schwindeligwerden.

"Es ist nicht mehr lustig, zum Friseur zu gehen", sagt die Frau mit dem Durchschnitts-Haarschnitt, die seit Jahrzehnten wöchentlich diesen Salon finanziell unterstützt. Sie wirft ihre rosa Brille nun in den Müll.

Doch bei der nächsten Bundestagswahl will sie eigenhändig "Helmut Schmidt" auf den Wahlzettel schreiben - obwohl sie natürlich weiß, dass der dadurch ungültig wird.

Ungültig ist ja in diesem Dilemma nicht schlimmer als gültig sein kann.


Guten Tag, Gruß Silvia



8. Oktober 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Freiburg bei Olivia


Foto: S. B.


"Gold & Purple - mit Leichtigkeit"
Vorspeise: Karotte / Dattel / Lamm / Zatar / Focaccia
Hauptgang: Skrei / violette Kartoffel / Salicornes / gepickelter Blumenkohl
Nachtisch: Baiser & Biskuit / Sauerrahm / Blutorange & Safran / Buchweizen



Beim Wein geht die Zunge auf Stelzen
- Deutsches Sprichwort

In der Vergangenheit habe ich einige Weingüter an der Mosel besucht, die bereits vom rein Äußerlichen verführt haben, einzutreten, sich wohlzufühlen und einen kühlen weißen Wein zu genießen. Zum Wein passen alte Mauern, die Gemütlichkeit, Atmosphäre und Wärme ausstrahlen - und in denen es im Hochsommer angenehm kühl ist.

Heute geht es zu dem Weingut von Olivia und ihrem Mann Andreas irgendwo in der Nähe von Freiburg. Sie leben in einem modernen Haus und verwalten gemeinsam das Geschäft rund um ihre selbst produzierten Weine. Im Laufe der Zeit ändert sich schließlich vieles (selbst nostalgische Vorstellungen sterben) , und der 44jährige Andreas hat das Weingut mit 21 Jahren übernommen oder gegründet, ich habe es vergessen. Etwas später ist seine jetzt 40jährige Frau Olivia hinzugekommen.

Olivia zeigt einen kleinen Teil vom Haus und natürlich die gesamte Küche, und alles ist wunderbar, clean, da gibt es keine Beanstandungen. Draußen im großen Garten wird es jedoch

trostlos: während sie den Blick bis hinein nach Straßburg über den grünen Klee lobt, wächst in diesem Garten so gut wie gar nichts. Umgeben ist er zudem von einem hässlichen Zaun, der wohl das gesamte Grundstück eingrenzt: wenn ich spekulieren darf, warum der so undekorativ in der Gegend herumsteht,

fällt mir nur ein, dass hier die beiden Labrador-Mischlinge ihren Spazierweg haben. Der soll natürlich ausbruchsicher sein.

Beinahe wird mir kalt ... ganz ohne alte Gemäuer, einfach, weil mich diese Ausgabe vom "perfekten Dinner" kein bisschen berührt, weil nur der perfekte Anschein die Regie führt.


In der schicken Küche

findet eine Familienparty statt: Olivias 16jährige Tochter übernimmt wichtige Schnibbeltätigkeiten, die so eingeübt sind

wie es sich für das Glück einer Sonnenscheinfamilie gehört.

Andreas hat im Jahr 2025 an dieser Sendereihe teilgenommen und mit 37 Zählern wohl auch gewonnen. Die Szene über diese Siegerehrung verschwindet so schnell, dass es auch sein kann, dass ein anderer Kandidat die gleiche Punktzahl gehabt hat.

Bei mir "klingelt" überhaupt nichts, als ich ihn sehe. Ich erinnere mich kein bisschen. Aber das besagt natürlich rein gar nichts.

Der 10jährige Sohn Matti muss ebenfalls zum "Küchendienst" antreten, der in seinem und Andreas' Fall eher aus dem bloßen Herumstehen besteht. An der Stelle,

als Matti aus vollem Herzen froh ist, dass er sich endlich verabschieden darf, freue ich mich erstmals an diesem Abend. Leider muss er später

noch einmal zurückkehren, damit das Kleeblatt vollständig in die Kameras lächeln kann.

Das Menü ist ... wie in der obigen Karte beschrieben.

Jeder Gang ist sehr, sehr hübsch angerichtet, aber auch extrem überschaubar. Der reinen Ansicht nach sind die Nachtisch-Portionen insgesamt größer als die der Vorspeise oder des Hauptganges.


Fazit

Jonathan spricht von einem Stimmungstief ... und meint damit, dass bereits drei anstrengende Tage hinter ihnen liegen. Am 4. sehe ich persönlich mehr Kalkül als Authentizität - nur Matti sagt in einem Satz, was er wirklich denkt.

David wird von den beiden Hunden unterm Tisch belagert und ganz verzückt streichelt er sie. Das sind die vielleicht innigsten Momente dieses Tages ... alles andere läuft ab wie ein perfektes Uhrwerk.

Die Punkte für Olivia: 10 gibt Harry, je 9 Jonathan, Elise und David.

Das ergibt sie Summe von 37 Zählern, die jedoch an den 39 für Jonathan nicht kratzen können.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Donnerstag, 8. Oktober 2026

7. Oktober 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Freiburg bei Jonathan



"Spezerei - vom Schwarzwald bis zur Adria"

Vorspeise: Pulpo und Polenta
Hauptgang: Kalb trifft Rind - Pommes Anna / Sellerie / grüner Spargel
Nachtisch: Schokolade / Birne / Vanille


Kinder lassen sich nicht so leicht von der Oma abnabeln
- Manfred Hinrich (1926 bis 2015), Dr. phil.

Nach Regen folgt immer Sonnenschein, da beißt die Maus keinen Faden ab. Und nachdem Harry am Vortag gründlich bewiesen hat, dass er keine Ahnung vom Kochen hat, sondern nur ein geschäftstüchtiger Comic-Zeichner ist,

kommen wir heute auf die kulinarische Sonnenseite zurück. Das geht manchmal so ruckzuck, als wären es am frühen Morgen minus und am Nachmittag plus 20 Grad.

Der 31jährige Jonathan mit den kroatischen Wurzeln ist Offizier bei der Bundeswehr - und entspricht rein äußerlich durchaus dem Klischee eines Soldaten. Man könnte ihn glatt als Model für eine Bundeswehr-Werbekampagne auf Plakaten verewigen.

Seine 81jährige Oma Danica würde auch das stolz machen. Aber vermutlich bedeutet ihr diese Dinner-Teilnahme ihres Enkels viel mehr, denn sie ist seit 20 Jahren Fan der Reihe. Und nun darf sie einmal eine Rolle mittendrin spielen - so dass das meistgefallene Wort in den Kommentarspalten

Oma

lauten wird. Anders kann es gar nicht sein.

Harry hat erwähnt, dass er das Kochen u. a. von Oma "erlernt" habe: Worthülsen und das bewiesene Gegenteil! Ich erinnere mich zwar nicht, dass Jonathan seine Oma als Ursprung seiner Kochleidenschaft erwähnt - aber

unter den Augen eben dieser macht man keinen Quatsch, blamiert sich nicht und zeigt lieber sein Können.

Und Danicas Augen strahlen.


Das Menü

Den Tintenfisch gart er ebenso sous-vide wie das Kalbsfilet. Später wird beides in der Pfanne finalisiert.

Die neben dem Pulpo zur Vorspeise gehörende Polenta sieht sehr cremig aus - und überzeugt selbst die Gegner Elise und Harry. Zwar hat Harry Polenta zunächst für Hähnchen gehalten, aber nach kurzer Aufklärung kennt er es natürlich.

Und nein, ich habe nichts gegen Harry, gar nichts.

Neben Kalbsfilet serviert Jonathan zum Hauptgang Rinderbäckchen ... und ... Möhren: insgesamt tummelt sich ziemlich viel auf den Tellern, vielleicht zu viel. Interessant sind die Pommes Anna, aber irgendwie verpasse ich die Zubereitungsart.

Auch der Nachtisch lässt Augen strahlen. Die Birnen sind ebenfalls sous-vide weichgegart.


Fazit

Viel später, irgendwann im Leben ... hätte Jonathan gern ein kleines Haus am Meer in Kroatien ... mit einem Bistro ... Das entspricht dem Traum von einem idyllischen Leben bei Sonne, Wind, Meer und Möwen. Schön.

Harry seinerseits wird in dieser Nacht von dem Menü träumen, so sehr schwärmt er und gibt

ebenso 10 Punkte wie Elise und David, 9 gibt Olivia.

Es sammeln sich herausragende 39 Zähler auf Jonathans Konto. Schwer zu toppen.


Guten Morgen, Gruß Silvia



Mittwoch, 7. Oktober 2026

6. Oktober 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Freiburg bei Harry



"Badisch, friesisch, gut!"

Vorspeise: e nudelsupp - Badische Nudelsuppe
Hauptgang: Nord trifft Süd - Badisches Schäufele mit Grünkohl, Knusper-Kartoffeln und grober Kochwurst
Nachtisch: Ausgezeichneter Schluss - Pfannkuchen mit Apfel-Mango-Mus


Der Comic-Entertainer

Wenn Vox nicht aufpasst, verschwindet gutes Kochen eines Tages komplett aus dieser Sendereihe. Für die heutige Ausgabe ist der Begriff "perfekt" im Sinne eines auch nur ansatzweise guten Dinners ad absurdum geführt - und könnte durch "komisch" ersetzt werden.

Ich setze dann mal einen fotografischen Comic den gezeichneten von Harry entgegen: die 10 ist selbstverständlich so absurd, dass sie schreit, man solle diese Freiburger Ausgabe um Himmels willen nicht ernst nehmen.

Harry will doch nur ins Fernsehen, und es ist nicht sein Problem, wenn der Sender ihm dafür eine Bühne bereitet. Als wunderbare

Gegenleistung hat Harry ein denkmalgeschütztes Haus von 1581 zu bieten. Was will Vox mehr, was will das Publikum mehr? Für die Augen gibt es auf jeden Fall jede Menge zu sehen,

und für den Quatsch-Teil des Programms ist Harry zuverlässig zuständig.

Der 54jährige Harry ist Comic-Zeichner - nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern auf z. B. den Bühnen von Kreuzfahrtschiffen. Er will die Leute bespaßen - und hat daran selber den größten Spaß.

"Angemeldet" wurde er angeblich von seiner Tochter Lina, die sein gutes Kochen schätzt ... aber für den normalen Hausgebrauch hat Harry sicher eine Ghost-Köchin. Seine Frau Dagmar hält auch das 300qm-Haus in Ordnung, wie er selber erzählt ... immerhin

zeichnet und entertaint er schließlich das Geld nach Hause.

Ich lehne mich zurück, lasse mich berieseln und bin sicher, dass der Spuk nach 75 Minuten vorbei ist ...


Das Essen

Lina schnibbelt Äpfel und Mangos auf einheitliche Größen - und der Thermomix freut sich, dass er weniger zu verkleinern hat ... ansonsten verklickert das Gerät Harry, wie viel Zucker und was er sonst noch hinzugeben muss, damit aus dem Kladderadatsch eine Mus wird.

Neben dem TM als Produzenten dieses Essens wirken ein Airfryer und ein Pfannkuchen-Maker mit.

Und natürlich der vermutliche Online-Handel, der eine Packung Schäufele beiträgt, die Harry nur erwärmen muss.

Das komödiantische Highlight sind die mit zweierlei Teigen, hell und dunkel, (gute Leistung, TM!) bebilderten Pfannkuchen.

Kinder vor den Bildschirmen quälen ihre Eltern nun damit, dass sie Harry bitte einladen sollen ... also eher die noch sehr kleinen Kinder ...


Fazit

Harry nutzt seine Chance, wo er sie sieht - und die ist nicht im Kochbereich. Das kann man ihm nicht verübeln.

Die Gäste haben es nicht leicht an diesem Abend und greifen zu eher diplomatischen Bewertungen. Die sind einerseits zu hoch, aber andererseits will man das Publikum nicht verärgern ... schließlich weiß niemand, wie diese unbekannte Größe "Publikum" reagiert.

Je 7 geben Elise, Jonathan und Olivia, 6 gibt David.

Summe: 27 Punkte. - Und Feierabend!


Guten Morgen, Gruß Silvia




Dienstag, 6. Oktober 2026

5. Oktober 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Freiburg bei Elise


Foto: Marianne Mossel



"À table!“

Vorspeise: Gutedelsuppe mit flambierten Garnelen
Hauptgang: Bœuf Bourguignon mit Kartoffelpüree à la Bocuse
Nachtisch: Café gourmand - Schokolade / Himbeere und Pistazie / rote Beeren


Ballade pour Adeline Elise

Dieser Titel hat nichts oder zumindest nicht wirklich viel mit Elise zu tun, außer, dass das Klavierstück ebenfalls aus Frankreich stammt - wie die heutige Gastgeberin. Und vielleicht hat der Titel sogar mehr mit mir als mit ihr zu tun, denn mir kam einfach keine zündende Idee für eine andere Überschrift in den Sinn.

Die 34jährige Heilpädagogin Elise meint ohnehin, dass sich in französischer Sprache alles besser anhört - eine oft gehörte Aussage, die vielleicht darauf zurückzuführen ist, dass Französisch melodischer klingt. Mir ist das präzise Deutsch deutlich lieber. Selbst vom Klang her.

Auch Elise scheint an dem deutschen Wort "Scheiße" mehr Gefallen zu finden als an dem französischen "Merde". Hin und wieder wirft sie es zwischen Kühlschrank und Herd und großer Nervosität in die Luft, um schnell den nächsten Grund für eine "Scheiße"-Attacke zu suchen. Und zu finden ...

Im Gegensatz zu dem abwertenden Begriff für küchentechnische Probleme - geht Elise bei zwischenmenschlichen Begegnungen gleich aufs Ganze. Man kennt sich noch kein bisschen ... aber sie umarmt jeden Gast, jeden Konkurrenten, als wäre es der Beginn einer riesigen Leidenschaft füreinander.

Und auf Gedeih und Verderb ... wollen sich alle untereinander total toll finden.


Das Menü

Fürs Schnibbeln ist Elises Ehefrau Madita zuständig, und sie macht einen wesentlich ruhigeren und gelassenen Eindruck als die Gastgeberin des 1. Tages selber.

Der Weinsuppe für die Vorspeise verabreicht Elise Gemüsebrühe ... so erzählt es Daniel Werner dem Publikum, während die Kamera diesen Vorgang nicht begleitet. Weshalb werden die Kochvorbereitungen so ausführlich gezeigt, wenn man dann doch Wichtiges unter den alles verdeckenden Tisch fallen lässt?

Der Hauptgang ist ein Schmorgericht, zu dem sie Möhren reicht, die so wabbelig sind, dass man sie sicher zu einem Ring formen könnte. Etwas angebrannt sehen sie auch aus.

Das Kartoffelpüree nach Bocuse ... sieht nach nichts Besonderem aus. Doch den Gästen mundet es mehr als das Fleisch ...

Dabei bezeichnet sie das Boeuf Bourguignon als ihr "Signature-Dish" - wie es in der Regel Chefköche tun, wenn ein Gericht ihre persönliche Handschrift trägt. Somit sind wir in der englischen Sprache gelandet ...

Gefrorene Himbeeren taut sie im Backofen auf: kann man vielleicht machen, aber ich taue Gefrorenes schonend im Kühlschrank auf. Die Himbeermousse misslingt und wird bis auf einen Esslöffel für die Sahne ersatzlos gestrichen.

Vom reinen Ansehen macht der restliche Teil des Nachtisches einen guten Eindruck.


Fazit

Nach einer Wiederholungswoche merke ich anhand dieser ersten neuen Folge ... wieder einmal ... dass die Sendung einfach zu lang ist. Eine Kürzung um 15 Minuten würde schon reichen, um den meisten Auftritten der "Hobby-Köche" mehr Power zu verleihen. Man sollte nicht vergessen, dass die "Würze oft in der Kürze" zu Hause ist.

Die Punkte für Elise: je 8 geben Harry, Jonathan, Olivia und David.

Das ergibt die Summe von 32 Zählern. Nett! Im Sinne von freundlich.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Samstag, 3. Oktober 2026

3. Oktober 2026 - Renate - sie wurde nur 19 Jahre alt



Renate - sie wurde nur 19 Jahre alt

Ich weiß noch, wie das Haus aussieht, in dem sie gewohnt hat - und an den Garten dahinter erinnere ich mich auch. Was mir nicht mehr als Erinnerung angezeigt wird, ist ihr Gesicht, umrahmt von halblangen braunen Haaren, aber ohne einen Blick auf ihre Augenfarbe. Ich entsinne mich, dass sie schlank gewesen ist und nett im Sinne von sympathisch war.

Wir kannten uns bereits als Kinder einer Nachbarschaft in Dortmund-Barop. Befreundet waren wir nie, denn als sie mit 19 Jahren gestorben ist, war ich erst 15 oder höchstens 16 Jahre alt. Jahre, die trennend wirken, weil die Interessen der einen nicht die der anderen sein können. Das mag heute anders sein, aber damals spielte die Altersdifferenz in jungen Jahren eine Rolle. Später im Leben fallen diese wenigen Jahre nicht mehr ins Gewicht.

Renate war dennoch immer irgendwie da, in der Nähe, präsent, und sie gehörte zum unbedingten Bild unserer Nachbarschaft.

Doch dann kam der Tag, an dem alles anders wurde:

Eine fehlte plötzlich, als hätte man von einem Foto den Teil abgerissen, der später in den Erinnerungen wie eine riesige Lücke klafft:

Renate war ganz plötzlich gestorben - mit nur 19 Jahren ... bei der Geburt ihres Kindes.

Hatten sich vielleicht zuvor noch ein paar Leute die Mäuler darüber zerrissen, wie man schon so früh Mutter werden konnte - war für Renate die natürlichste "Sache" der Welt letal ausgegangen.

Die Trauer - auch in der Nachbarschaft - war groß. In ihre Familie hatte sie ein tiefes Loch gerissen, und sicherlich trauern ihre zwei Brüder noch heute um ihre auf immer vermisste große Schwester, während ihre Eltern inzwischen vermutlich längst selber verstorben sind.

Ich denke einerseits nicht mehr oft an Renate, aber andererseits habe ich sie auch nie vergessen. Manchmal kommt sie mir unvermittelt in den Sinn. - Und ganz vielleicht hat ihr Tod bei mir sehr persönliche Spuren hinterlassen, denn so unbeteiligt war ihr Schicksal eventuell nicht an meiner Entscheidung, nie Kinder haben zu wollen. Wenn ich bei meinem Unterbewusstsein angeklingelt habe, hat es zumindest mit dieser möglichen Begründung aufgewartet.

Gestern habe ich den Film "Blackbird" gesehen: in diesem trauert ein 16jähriger um seinen an Krebs verstorbenen gleichaltrigen besten Freund. Er trauert auf seine sehr eigene Art und Weise: laut, leise, sprachlos, auch mit schlechtem Gewissen.


Das war wieder einer der Momente, in denen mir Renate als Unvergessene in den Sinn gekommen ist, diesmal nicht unvermittelt, sondern mit der Hilfe eines Films.

Welch ein Leben hätte sie vor sich gehabt? 
Es ist ungelebt geblieben!


Guten Tag, Gruß Silvia



Freitag, 2. Oktober 2026

2. Oktober 2026 - "Sei der Mensch, den dein Hund in dir sieht" - Zitat




"Sei der Mensch, den dein Hund in dir sieht" - Zitat


Natürlich wäre so mancher baff erstaunt, dass sein Hund in ihm ein leicht manipulierbares Wesen sieht: kaum rollt Hund mit seinen Kulleraugen, fliegen ihm auch bereits die Leckerchen ins Mäulchen.

Bei von manchen Hundetrainern empfohlenem (5 Hundetrainer = 6 Meinungen) häufigen Richtungswechsel, in dem Hund und Halter drei Meter laufen, dann genau diese drei Meter zurücklaufen - und dies in Dauerschleife - denkt der Hund vermutlich,

sein Halter sei ein unentschlossener Charakter. Oder leide gar an Schlimmerem. Aber er lässt sich nichts anmerken, denn angeleint kann er das schließlich nur noch beeinflussen, indem er die Füße in die Erde stampft und hofft, so auch das Karussell in seinem Kopf zu stoppen. - Doch der Hund verzeiht Vieles

und liebt sein Herrchen oder Frauchen trotzdem. Die bezeichnen sich selber jedoch meist als Mama oder Papa, so dass den meisten treuen Vierbeinern diese Begriffe geläufiger sind. Und: Mama und Papa kann man gut gegeneinander ausspielen. Der eine erlaubt, was die andere verbietet - und das vierbeinige Kind weiß genau, wann es sich besser an den einen oder die andere hält. So kann es

durchaus sein, dass manch ein Hund sich für wesentlich schlauer hält als seine zweibeinigen Begleiter.

Wenn er denn in unseren Kategorien denken würde ...

Vermutlich denkt er eher visuell, instinktiv und gemäß seinen Erfahrungen  - im Auto und auf dem Weg zum Wald kennt er genau die letzte Kurve, die ihn an sein Ziel bringt. Und sieht er seiner

Mama und seinem Papa tief in die Augen, leuchtet auch in seinen die Liebe. Und vielleicht ein bisschen Bewunderung - zum Beispiel dafür, dass wir auf zwei Beinen laufen können, während sie vier benötigen. Oder dass wir nicht nur den Kühlschrank, sondern auch Futter-Dosen öffnen können. Oder sie bewundern uns einfach nur dafür, dass wir ihnen die schönsten Spazierwege zeigen und immer für sie da sind. Selbst Tierarzt-Besuche verübeln sie uns nicht, zumindest nicht im Nachhinein, wenn es endlich wieder raus auf die Straße geht ...

Mein Bienchen (13. Oktober 2003 bis 25. Januar 2021) musste ebenso wie Robin (13. Januar 2004 bis 6. September 2019) ab einem gewissen Alter einmal jährlich die Zähne saniert bekommen.

Robin hat sich stets gegen die einleitende Narkose gewehrt - und gar nicht auf mich geachtet. Er war mit dem Krieg gegen das Medikament mehr als beschäftigt.

Bienchen hingegen ... guckte mich in diesen letzten Momenten, bevor sie vorübergehend tief eingeschlafen ist, an, als sei ich nicht nur ihr Liebstes auf der Welt, sondern so etwas wie eine überirdische göttliche Instanz. Diese Blicke (unter Medikamenten) werde ich niemals vergessen - so außergewöhnlich innig waren sie.

Natürlich konnte ich diesem Blick nie entsprechen oder gar der Mensch sein, den sie in diesen Momenten in mir gesehen hat - aber ich habe damals und gebe heute stets mein Bestes, um eine

gute Hundemutter zu sein, die diese Liebe verdient.

Charlie (gest. am 12. Dezember 2022), der im Tierheim ununterbrochen geweint hat - hat nach ein oder zwei Stunden in seinem neuen Zuhause bei mir bis zu seinem Lebensende damit aufgehört.

Und Momo ist heute mein großes Glück - und ich wäre gern so, wie sie mich sieht: sicher nicht so verklärt wie es Bienchen getan hat, eher realistisch, bestimmt auch mit einer Portion Nachsicht, aber großer Anhänglichkeit.

Für seinen Hund ist es so leicht, der Mensch zu sein, den er in uns sieht. Alles andere ist eine andere Sache ...


Guten Tag, Gruß Silvia