Mein "First Date" ... mitten in der Nacht
Es muss sehr spät am Abend oder vielleicht sogar mitten in der Nacht sein, als ich dieses vom Fernsehen bekannte Restaurant betrete, in dem
neben Salaten, Fleischgerichten und Pastaglück
Verkupplungen auf der Speisekarte stehen.
Ich taste mich vorsichtig vor, um bei Bedarf ganz schnell den Ausgang wiederzufinden, als ich auch schon von einem
Mann, den ich aus dem TV als Koch kenne, begrüßt werde. Er sieht mich abschätzend von oben bis unten und wieder aufsteigend an, und ich frage mich, ob ich
richtig angezogen bin für dieses Event-Lokal?
Da wirft er mir auch schon einen Mantel über, den er rasch von einem Haken genommen hat - egal, wem der gehört, er passt mir - und verdeckt den Ort, von dem ich komme ...
und das sind mein Bett und die Träume, die es mir allnächtlich beschert. - Heute reklamiere ich:
diesen Traum will ich nicht!
Viel lieber wäre ich, wenn sich ein Traum denn schon unbedingt um eine TV-Sendung drehen muss
in "Midsomer"
und würde mit Chief Inspector Barnaby Mordfälle lösen.
Oder in "Death in Paradise" - wo das azurblaue Meer über tragische Morde hinwegtröstet.
Aber ich sitze nur in Köln in einem Fernseh-Restaurant und lerne einen Mann kennen,
der in einem meiner Träume gar nichts verloren hat.
Das Essen befriedigt nicht, der Wein beschwingt nicht - denn Essen und Trinken verlieren in nächtlichen zu Bildern mutierten Träumen ihren Sinn und ihre Wirkung.
Schnell möchte ich aufwachen, kneife mich und keife den Mann an - der am Ende auch noch die Rechnung bezahlen will.
Mit dem letzten Quantum von Selbstbewusstsein will ich meine Rechnung selber zahlen -
aber in
meinen Traum-Taschen ist überhaupt kein Geld.
Restlos verloren fühle ich mich ...
so wie viele, die sich traumtänzerisch ins TV wagen ...
Ich aber habe Glück - bevor er die Rechnung übernimmt, wache ich auf ...
und bin nicht nur in Sicherheit,
sondern dämmere einem besseren Traum entgegen. Hoffe ich zumindest! Denn
im RTL-Dschungel weiterzuspinnen wäre keine Lösung.
Guten Tag, Gruß Silvia






