Samstag, 1. August 2026

1. August 2026 - Der Lebensweg





Der  Lebensweg

... eines jeden Menschen kennt Wege, die gerade  und solche, die Umwege oder Sackgassen sind, und vielleicht ist für viele

der Weg durch ein Sackgasse gar nicht mal der verkehrte. Man geht auf und ab und kennt jeden Zentimeter des Weges. Manche lieben dieses ewig Vertraute - so dass sie sich nicht erlauben, abseits der Wege nachzuforschen, was es sonst noch alles gibt.

Aber auch die Wege aller anderen können erst einmal völlig unspektakulär sein - und trotzdem dem Leben eine völlig andere, neue Richtung geben. So, wie sich am Ende einer Sackgasse auch etwas Ungeplantes auftun kann.

An irgendeinem Tag, an dessen Datum ich mich nicht erinnere, habe ich einen wirklich nicht bemerkenswerten Abstecher ins Karstadt Kaufhaus gemacht -

und doch hat dieser Abstecher alles verändert. Nicht sofort, aber im Laufe der darauf folgenden Jahre.


Ohne diesen Abstecher würde ich vielleicht heute noch in Dortmund leben ... oder in Iserlohn oder sonstwo auf der Welt. Dies bleibt ewig im Dunkeln,

denn ohne diesen kleinen Umweg über ein Kaufhaus, mit dem mich persönlich nicht mehr verbindet,

als dass ich es bereits in Kindertagen gekannt habe,

wäre alles, alles anders verlaufen.

Auf allen Wegen wäre ich natürlich immer die Person geblieben, die ich bin. Aber dieser hat mein Leben trotzdem in eine ungeplante Bahn gelenkt. Doch vielleicht führen die meisten Wege sowieso ins Ungeplante.

Zum Beispiel wollte ich nie heiraten oder Kinder bekommen. Das Zweitere habe ich steuern können. Ich habe keine Kinder.

Das Erstere hat sich eher so ergeben, jedenfalls aus meiner Sicht. Und seinen Anfang hat es bei Karstadt in Dortmund genommen.

Aber wer jetzt denkt, dass ich meinen Mann an jenem Tag dort kennengelernt habe - der denkt vorschnell. Ihn habe ich erst einige Jahre später kennengelernt,

und trotzdem hängt es mit eben jenem Abstecher in ein Kaufhaus direkt zusammen.

Manche Weggabelungen, für die wir uns entscheiden, obwohl andere Wege möglich wären,  können Veränderungen bewirken. Und es muss vordergründig gar kein besonderer Weg sein, der für die Zukunft alles ändert.

Es muss nicht einmal ein wirklicher, sondern kann auch ein symbolischer Weg sein!


Manchmal frage ich mich, ob ich heute vielleicht doch in Iserlohn wäre, wenn ich einen anderen Weg gewählt hätte. Und unverheiratet,

wie geplant. 

Sicherlich bin ich nicht die beste aller Ehefrauen, denn ich bin für mein Leben gern allein. Und das so oft wie möglich. Ich empfinde keine Langeweile, wenn ich mit mir allein bin.

Doch meine damaligen Schritte hatten wohl anderes mit mir vor. Schicksal will ich das nicht nennen, denn ich hätte

unverheiratet geblieben sein können. Und: nach diesem einen einschneidenden Weg hat es natürlich noch viele, viele

mögliche Abbiegungen gegeben.



Wir Menschen sind eben die typischen Zufalls-Kandidaten.

Der Zufall beginnt bereits mit unserer Zeugung, wenn entschieden wird, welche Eizelle gerade reif ist und welches von etwa 200 bis 500 Millionen Spermien die Eizelle befruchten darf.


Guten Tag, Gruß Silvia


31. Juli 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Koblenz bei Jenny


"Spanien trifft Westerwald"
Vorspeise: Auftakt auf Spanisch - Tortilla / Champignons / Tomate
Hauptgang: Geschmort mit spanischem Feuer - Carne / Rotwein / Patatas
Nachtisch: Süßer Süden - Zitrus / Apfel und Pflaume / Butter



Auf dem Holzweg treffen sich die Besserwisser.
© Erhard Horst Bellermann (*1937)

Und der Holzweg besteht aus schwankenden Planken, auf denen sich der Besserwisser am Ende nur schwer halten kann - bevor er endgültig und über seine eigenen Worte stolpert.

Niemand mag sie, diese Leute, die alles besser wissen wollen, alles besser gemacht hätten und die von sich ohnehin annehmen, dass sie die Allerbesten sind. Nicht einmal die Besserwisser untereinander mögen sich - daher haben sie auch noch nie einen Verein gegründet.

Man ändert die Menschen nicht, denn nur sie selber können sich ändern. Falls sie das wollen.

Vielleicht lernt Jenny sich via TV-Sendung selber noch einmal ganz neu kennen - und hinterfragt sich?
Aber am Ende und der Einfachheit halber liegt es für von Zuschauern kritisierte Kandidaten immer am Schnitt, der ihnen nicht gehuldigt hat, sondern sie völlig falsch darstellt.

Die 42jährige Vorstandsreferentin Jenny hat sich in den vergangenen vier Tagen nur dadurch hervorgetan, dass sie ein nicht sehr freundliches Mundwerk hat, aus dem stetig Kritik aufploppt, als gäbe es über den Wasserhahn nur kaltes und überhaupt kein warmes Wasser.

Danach gefragt, warum sie in dieser Woche ziemlich wenige Punkte vergeben hat (7, 6, 4 und immerhin 8 am Donnerstag), antwortet sie, dass ihr

ganz oft die Optik gefehlt hat. - Also: Optik war vorhanden, ganz sicher, definitiv! Aber vielleicht drückt sie sich auch nur genau so unglücklich aus - wie es ihre Bewertungen gewesen sind.

Und ... sie engagiert sich in der evangelischen Kirchengemeinde. Sie sollte mal über den Sinn des Christlichen nachdenken, so ein bisschen zumindest.


Das Menü

Zur Vorspeise reicht sie Tapas, die sehr nett in drei Schälchen angerichtet sind. Zur Deko sieht man auf den Holzbrettchen je 2 Gänseblümchen -

gut, immerhin mehr, als Kevin auf seinem schicken Holzbrett gehabt hat. Ob ihre eigene Deko überhaupt ihrem Sinn für die Optik entspricht?

Die Gästemeinung zur Vorspeise: mäßig, sie hatten mehr erwartet.

Rinderbraten im Dutch Oven gegart: Fertigfond vom Metzger - die Punkte für die Soße bitte an den Metzger. Er hätte vermutlich nicht die Wurststücke in der Soße belassen, sondern sie durchgesiebt.

Für Jenny gilt: der eigene Anspruch stirbt an der Realität.

Möhren aus dem allgemeinen Möhrenüberfluss oder: schon wieder Möhren. Dazu Paprika. Gestern hat sie erwartet, dass Julia nicht zwei Gemüsesorten verarbeitet, sondern sich für eine hätte entscheiden sollen.

Was aber interessiert Jenny schon ihre Meinung von gestern? Immerhin war es gestern vermutlich ihre einzige Rechtfertigung für 8 Punkte - denn selbst ihr fehlten trotz Einfallsreichtum die kritischen Worte.

Gäste-Fazit: Der Braten soll trocken sein. Chorizo hat Jockel definitiv den Spaß an der Soße verdorben. Kann man sich gut vorstellen.



Fazit

Ein Krimi beginnt mit einem Mord, hier endet ein Dinner-Krimi-Abend mit einem

symbolischen "Königinnen-Mord".

Jenny, die Königin und laut eigener Aussage eine begnadete Köchin, liebt immerhin das Risiko, das vor allem auf ihrem Mundwerk basiert: die Quittung folgt auf dem Fuß, und ich glaube sogar, dass

die wenigen Zähler n i c h t nur ihrem Wesen, sondern auch ihrem Menü gelten:

8 gibt Julia, 6 gibt Jockel, 5 gibt Michelle, 4 Kevin.

Das ergibt die Summe von 23 Umdrehungen. Somit ist sie gleichauf mit Kevin auf dem letzten Platz. Den kann sie sich nicht schönreden. - Mit einem Augenzwinkern

vermute ich, dass jemand von der Crew sein Schweigen gebrochen hat - und Kevin von der Bewertung erzählt hat, die Julia für seinen Abend gegeben hat. Es waren 4!

Ein schicker und - wie ich finde - erfreulicher Abschied von dieser Runde.

Ihr Mann Steffen liebt sie sicherlich. Das muss reichen. Ein bisschen mehr Demut würde Jenny allerdings nicht schlecht zu Gesicht stehen.

Es gewinnt Julia. Verdient.

Mir bleibt, allen Lesern ein schönes Wochenende zu wünschen. Wir erwarten hier bei 15 Sonnenstunden maximal 25 Grad. - So geht Sommer auch, Petrus!


Guten Morgen, Gruß Silvia


Freitag, 31. Juli 2026

31. Juli 2026 - Flocki und ich ... und Parallelen - Neuveröffentlichung aus 2018





Flocki und ich  ... und Parallelen


Wie könnte ich jemals den süßesten Pudel aller Zeiten vergessen, der Flocki hieß und intelligent und integer und mutig und alles war, was man Pudeln nachsagt, ohne dass 

viele ihrer menschlichen Freunde

dies jemals verstehen werden. Denn sie bereiten diesen superschlauen Tieren eine "Couch fürs Leben" - und damit hat es sich dann.

Gabi, eine Freundin meiner Mutter, sagte sich vor vielen Jahren: "Probiere ich es mal mit einem Hund" - und hat sich einen für den Schoß  gekauft, den sie Flocki nannte.

Doch Gabi, derart belagert von Flocki mangels anderer Aktivitäten, fühlte sich schnell gestresst von ihm -

und er kam zu seiner Wurf-Schwester Panni, die meiner Mutter gehörte.

Dort hatte Panni bereits den Status "Couch-Potatoe" derart verinnerlicht, dass für Flocki kein Platz blieb. Falls er es einmal auf den Schoß meiner Mutter geschafft hatte, drängte die clevere Panni ihn beiseite und

übernahm die Regentschaft über Frauchen, Leben und - wenn man so will, auch über die Langeweile.

Bei aller Liebe für Panni entwickelte meine Mutter keine wirkliche für Flocki. Sie versorgte ihn, er hatte ein warmes Zuhause, genug zu Fressen - aber wenig Zuwendung ...

geschweige denn viele Alternativen zum Couch-Leben. Immerhin hatte er seinen Garten ... 

Kam ich  zu Besuch - damals noch ohne einen eigenen Hund - unternahm ich  mit Flocki lange Spaziergänge - und wenn ich wieder nach Hause fahren wollte,

sprang er einfach ins Auto:

Es war klar, er wollte mitfahren, er wollte mehr Action in seinem Leben haben, und die hoffte er, bei mir zu finden.

Jedes Mal brach mein Herz, denn abgeben wollte meine Mutter Flocki absolut nicht ...


Parallelen

Natürlich wollte meine Mutter auch mich niemals "abgeben", doch, wenn ich Glück hatte (was ich niemals so genau überprüfen konnte), so war ich lediglich ihre Nummer 2 oder hinter meinem Vater die Nummer 3. Nummer 1 war definitiv mein Bruder,

der sich zum Glück niemals darauf berufen oder sich gar etwas drauf eingebildet hat.

Vielleicht - und da kommt die Vorgeschichte meiner Mutter als "ostpreußische Prinzessin" ins Spiel (die in diesem Beitrag keine Rolle spielt, aber in ihrem Leben stets präsent war) - war ich auch nur die Nummer Irgendwas,

doch ganz gewiss blieb Heinz ihr Herzensmensch. Er war lustig, er brachte sie täglich zum Lachen, während sie mich als

zu ernst und humorlos eingestuft hat.

Ich ging durch die harte Schule ihres Sarkasmus - gelernt habe ich daraus durchaus. Zwar keinen Sarkasmus, aber eine leichte Tendenz, alles ironisch zu betrachten und mich selber nicht wichtiger zu nehmen als ich bin.

Mitleid muss nun auch bitte niemand haben, denn auch sie war nicht meine Nummer 1,

was einen Ausgleich schaffte, den es in den meisten Leben gibt. Und: ich war der Liebling meines Vaters, meiner Oma und des einzigen Bruders meines Vaters. Mehr nähere Verwandte gab es nicht.

An Flocki jedoch habe ich erkannt, wie menschlich meine Mutter agierte:

Sie klassifizierte!

Der eine hat mehr Liebe verdient, der andere weniger!

Das tat mir weh und leid für den anhänglichen Flocki, dem am Ende nichts blieb als ein umsorgtes, aber liebloses Leben -

verstoßen von Gabi, aufgenommen von meiner Mutter - verantwortungsvoll, aber ohne großartige Zuneigung.


Zueinander finden ...

haben meine Mutter und ich  kurz vor ihrem Tod gelernt. In 2010 - als sie mir das Wertvollste in vollem Vertrauen auf mich anvertraute, das sie besaß:

Ihre Malteser-Hündin Bienchen.

Für Flocki war es leider zu spät, er ist bereits Ende der 1990er Jahre über den Regenbogen gegangen.





Guten Tag, Gruß Silvia



30. Juli 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Koblenz bei Julia



"Aus Wasser, Wald und Wiese"
Vorspeise: Zander / Lauch / Miso / Feta
Hauptgang: Hirsch / Kartoffel / Trüffel / Rosenkohl / Karotte
Nachtisch: Haselnuss / Birne / Tonkabohne


Ich glaube, ich sehe doppelt ...

und das passiert sicher den meisten Zuschauern. Die TV-Crew klingelt bei Julia, und es öffnen zwei Frauen, die sich wie Zwillinge zum Verwechseln ähnlich sehen. Sogar so wie kleine Zwillingsmädchen, die von den Eltern identisch angezogen wurden plus der gleichen hochgesteckten Lockenfrisur. Gleichgroß sind sie im übrigen auch.

Nutzt Vox hier die KI und verdoppelt Julia einfach mal? Nur so zum Spaß für die Zuschauer?
Denn an Spaß hat es in den letzten Tagen definitiv gefehlt.

Schnell klärt sich die Sachlage: die 34jährige Industriedesignerin Julia (im Bereich Fahrräder) stellt ihre 32jährige Schwester Verena vor. Und natürlich sind die Schwestern

höchstens "Zwillinge im Herzen". Selbstverständlich gehört diese kleine Verwirrung zu ihrem Plan: einem Plan, dem

ein anderer direkt folgt, denn Julia kann nicht nur kochen, sondern auch anrichten - und die Zeit behält sie ebenfalls im Blick.

Rein punktemäßig wuppt sie beinahe ein "perfektes Dinner".


Das Menü

Jede Hektik bleibt draußen, während Julia kocht und Verena schnibbelt. Es läuft ab wie präzise Schreinerarbeiten nun einmal ablaufen: am Ende passt alles, hat seinen Sinn und gefällt vielen.

Kurzzeitig ist Julia enttäuscht, als Verena aus einem Laden anruft, dem der angekündigte Zander nicht geliefert worden ist. Schnell muss sie sich für eine andere Fischsorte entscheiden ... und nimmt Wolfsbarsch.

Umsichtig bringt Verena nicht nur den Wolfsbarsch, sondern auch Schellfisch mit, der es nach Prüfung auf die Teller schafft.

Teller, die sehr hübsch aussehen.

Für Möhren gibt es natürlich keinen Lieferengpass: sie sind verlässlich, ecken nirgendwo an, schmecken offenbar jedem und lösen keinerlei Allergien aus. Sie

liegen neben Rosenkohl und Püree als Beilage zum Hirsch auf den Tellern.

Der Haselnusskuchen zum Nachtisch sieht sehr saftig aus, und dem Eis sieht man seine Cremigkeit an.



Fazit:

Bemerkenswert ist heute eine Dreieinigkeit, denn drei Gäste schwärmen neidlos in den höchsten Tönen,

während Jenny krampfhaft auf die Suche nach Kritikpunkten geht.

Schließlich findet sie etwas, das so an den Haaren herbeigezogen ist, dass es nicht nur lächerlich ist, sondern offenbar für ihr eigenes Dinner keine Rolle spielt:

Ihr gefällt es nicht, dass es zweierlei Gemüse zum Hauptgang gibt, denn sie ist der Meinung, man sollte sich für eines entscheiden ...

Natürlich fällt dieser Widerspruch auch Vox auf und es wird untertitelt: "Bei ihr gibt es 3 Gemüsesorten"

Manchmal kann man sich als Zuschauerin nur ratlos vor die Stirn klopfen und fragen, was in manchen Köpfen vor sich geht.

Bereits vor der Ausstrahlung habe ich mein obiges Foto von den "3 Haselnüssen ..." vorbereitend für meinen Blog-Beitrag ausgewählt,

denn ich habe mir gewünscht, dass Julia gewinnen wird - frei nach Aschenputtel. Das ist natürlich final noch nicht ganz klar, denn Jenny könnte sie rein theoretisch schlagen. Allerdings halte ich das nicht für sehr wahrscheinlich,

weil alle anderen Kandidaten Jennys (neidische?) Nickeligkeit durchaus mitbekommen haben und hohe, sehr hohe Ansprüche an ihre Kochkunst stellen werden. Hoffentlich!

Die Punkte: je 10 geben Kevin, Michelle und Jockel, Jenny gibt 8 (weil Julia sich nicht für eine einzige Gemüsebeilage zum Hauptgang entscheiden konnte?).

Mit 38 Zählern, die aus neidlosen dreimal 10 bestehen, ist Julia am 4. Tag auf dem bislang 1. Platz.


Guten Morgen, Gruß Silvia



Donnerstag, 30. Juli 2026

29. Juli 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Koblenz bei Kevin




Foto: S. B.


"American Diner in Pieresch Scheier"
Vorspeise: Kartoffeltornados mit dreierlei Dips - scharf / erfrischend / herzhaft
Hauptgang: Burger vom Land und Krautsalat
Nachtisch: Lemon Cheesecake


Glückliche Verlierer sind die eigentlichen Sieger.
© Rupert Schützbach (*1933)

Das ist leicht dahingesagt, weil es eigentlich schwer ist, nicht nur zu verlieren, sondern auch noch mit Pauken und Trompeten.

Der 35jährige Haustechniker Kevin über sich: "Ich bin ehrgeizig, mich gibt es nur ganz oder gar nicht, ich will definitiv gewinnen."

Natürlich ist er ganz und nicht gar nicht anwesend, und er gibt sich viel Mühe, den anderen Kandidaten der Sendereihe etwas zu servieren, was es nicht alle Tage gibt. Am Ende wird er feststellen müssen, dass sein Ausflug in den Fast-Food-Bereich ihm keine Lorbeeren einbringt, sondern

mickrige 23 von 40 möglichen Punkten. Träumt er anfangs noch von einer Bewertung, die etwa in der Mitte von 30 liegt, so wünscht er sich am Ende nur noch 30. Beides erfüllt sich nicht, denn besonders zwei Kandidatinnen grätschen in seine Träume.

Dabei macht Kevin nicht alles falsch: zum Beispiel gefällt es mir sehr, dass er seinem 10jährigen Sohn nicht erlaubt, vor die Kameras zu treten - obwohl dieser das liebend gern gewollt hätte. Diese Entscheidung ist am Ende vorausschauend, denn so muss Kevins Kind die "Schande" nicht mittragen. Natürlich ist das keine wirkliche Schande, hier zu verlieren. Und ich bin sicher, dass Kevin irgendwann auch richtig darüber lachen kann ...

Noch am Vortag hat er Michelle die Höchstpunktzahl gegeben, weil ... "sie ein so herzlicher Mensch ist, unverstellt, ganz sie selber. Ihr würde ich den Sieg auch gönnen."

Aus seinen Worten klingt heraus, dass er Michelle die 10 Punkte nicht allein für ihr Menü gegeben hat, sondern für die menschlichen Vorzüge, die er in ihr sieht ...

Bei Michelle klingen die Worte ähnlich, aber die daraufhin folgende Tat ist kalt: "Kevin ist eine herzensgute Seele."


Das Menü

Zum Aperitif serviert er Cocktails mit je einem Schlückchen Gin. Dann ist Schluss mit Alkohol ... und zwei selbst hergestellte Säfte dürfen die Gäste aus großen Behältern zapfen. Natürlich gibt es auch noch Wasser.

Und selbstverständlich ist ein alkoholfreier Tag inmitten von fünfen eine sehr gute Idee - aber diese Entscheidung sollte jeder für sich selber treffen. Zu einem Dinner,

das zumindest im Namen "perfekt" genannt wird, gehört ein wenig Alkohol. Hier und heute hätte ich ihn sogar Stimulanz

genannt. Oder versuchte Bestechung durch ein bisschen bessere Laune der Gäste, besonders der von Michelle und Jenny.

Kartoffelspiralen am Spieß mit ein paar Dips bilden den 1. Gang. Solche Spiralen gibt es zum Beispiel auf Weihnachtsmärkten.

Kevin serviert jede auf einem großen Holzbrett. Jenny fehlt Dekoration ... ich sehe das Brett als solche. Aber generell hat sie recht.

Einen Burger vor Kameras zu essen ist schon für sich allein eine große Herausforderung, bei der dem einen oder der anderen leicht die Gesichtszüge entgleiten können - oder sich Zutaten in Gesichtern oder auf Kleidung verteilen.

Niemand möchte im TV blöd aussehen!

Der Käsekuchen im Glas reißt am Ende nichts raus, sondern reiht sich in das von den Gästen zu Kritisierende ein.


Fazit

Die Spitzenkritikerin in dieser Runde ist Jenny, denn es gibt beinahe nichts, dass sie nicht anders, besser oder überhaupt nicht servieren würde. Sobald die Kamera auf sie gerichtet ist, legt sie los. Wenn sie wenigstens das

Mini-Aquarium, das in einem alten TV-Gerät schlummert, bemängeln würde! Macht sie aber nicht und auch niemand sonst. Falls da wirklich Fische drin sein sollten, ist es absolut zu klein. Nur für gar nicht mal so hübsche Dekorationszwecke lässt man keine Fische leiden. Sehr sauber sieht es auch nicht aus.

Aber ich habe auch ein wenig Mitleid mit Kevin, denn er hat sich viel Mühe gegeben. Doch der "herzliche Mensch" Michelle

empfindet kein Gefühl von Nachsichtigkeit und

gibt Kevin 5 Punkte, die Jenny mit 4 unterbietet oder übertrumpft, je nachdem, von welcher Seite man es betrachtet. Sie hätten auch so freundlich sein dürfen wie Jockel und Julia, die je 7 geben.

Das ergibt die Summe von insgesamt 23 Zählern.

Prädikate wie "herzensgut" oder "ein herzlicher Mensch" stoßen mir sauer auf.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Mittwoch, 29. Juli 2026

28. Juli 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Koblenz bei Michelle



"Von knusprig bis cremig - ein Abend voller Lieblingsaromen"

Vorspeise: Bruschetta Tricolore - Tomate und Trüffel / Pilz und Avocado / Zucchini und Parmesan
Hauptgang: Beef Wellington mit Kartoffel-Kürbis-Stampf, karamellisierten Möhren und Salbeibutter
Nachtisch: Hefezopf gefüllt mit Vanillepudding und Schokolade, dazu eine leichte Creme und Früchte der Saison


Ein Tollpatsch lädt zum Dinner ein ...

und dieser Begriff ist die liebevolle Umschreibung, die Michelle für sich selber findet. Ich sehe sie eher als unorganisiert.

Seit 17 Monaten ist die 29jährige Mama von einem kleinen Jungen, den sie nun wegen der Dreharbeiten nicht mehr 24 Stunden am Tag umtüddeln kann - und er fehlt ihr. Obwohl sie ihren Ehemann Yannick als "Herzenspapa" beschreibt und ihn in seiner Gegenwart geborgen und sicher weiß.

Da ist es beinahe heroisch, dass sie sich für diese Sendereihe beworben hat: denn die Abende sind manchmal lang und länger, während ihre Sehnsucht nach dem Kleinen sicherlich stetig steigt.

Ist sie also einfach nur gedankenverloren, als sie in kurzer Zeit ihre Küche in einen unüberschaubaren Haufen von Gegenständen, Lebensmitteln und mehr verwandelt?

Im Moment ist sie in Elternzeit. Was macht sie nur, wenn diese endet? Aber das ist natürlich nicht mein Problem.


Das Menü

Zur Vorspeise sage ich mal flapsig, dass es je drei verschieden belegte Brot-Scheiben für die Gäste gibt. Näheres über die Beläge steht in der obigen Speisekarte.

"Keine große Schwierigkeit", nennt Jenny den 1. Gang.

Aber Hallo! Das sehe ich völlig anders: immerhin kämpft sie bei der Zubereitung gegen ein Chaos an, vor dem manch ein anderer sofort flüchten würde. Oder die Tür hinter sich schließen, um einen Lieferdienst anzurufen.

Die meiste Aufmerksamkeit legt sie natürlich ins Beef-Wellington: das kostet Zeit. Getrieben fühlt sie sich nicht, denn sie kennt sich ja ... ich kenne sie natürlich nicht

und fühle mich, als sollte ich ein Wimmelbild in seine Einzelheiten zerlegen, um diese zu identifizieren. Gelingt mir nicht. Ist auch egal.

Das Kochwasser fürs Kartoffel-Kürbis-Pü gießt sie nach einem Tipp vom Team im Badezimmer ab, direkt ins Waschbecken neben der Kloschüssel. Es geht eben nicht anders, denn auch die Spüle in der Küche ist heillos überfüllt.

Möhrchen gibt es noch - kein Running-Gag oder doch? - ... ich habe das Gerücht gehört, dass diese in Deutschland bald zur Mangelware erklärt werden.

Zum Nachtisch gibt es einen mit Dr. Oetker-Hilfe-Pudding und Schokoladenstreuseln gefüllten Hefezopf.

Das Auge, das mitisst, mag diesen Hefezopf überhaupt nicht. Auch nicht die Augen vieler, die nur vorm TV zusehen.

Mir fällt dazu nur Ostern ein ... ein wunderbarer Hefezopf ohne jede Füllung als Mittelpunkt auf dem Frühstückstisch ...


Fazit

Wer möchte am Ende eines Abends eine solch vergewaltigte Küche aufräumen? Besser ist es, immer alles sofort wegzuräumen, was nicht mehr gebraucht wird, also System ins Geschehen zu bringen.

Die Punkte sind recht unterschiedlich, obwohl die Gäste sich während längerer Wartezeiten miteinander gelangweilt haben. Das sah zumindest so aus.

10 gibt Kevin, 9 Julia, 8 Jockel und 6 spendiert Jenny.

Sind die 33 Zähler allein dem Beef-Wellington geschuldet? Ich habe dazu keinen Plan, keine Idee - und daher auch keinerlei

Ansichts-Punkte zu vergeben. Denn probieren konnte ich schließlich gar nichts, obwohl meine "Augen" auch gar keine Freude am Testen gehabt hätten.

Am Ende hilft ein Lachen: aber kein Anlachen, sondern ein Auslachen.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Dienstag, 28. Juli 2026

27. Juli 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Koblenz bei Jockel



"Willkommen beim Riehkopp"

Vorspeise: Maronen-Whisky-Süppchen mit „Pilz-Nuss-Gremolata“ und frischem Dattelbrot
Hauptgang: Reh aus heimischem Wald, Breznserviettenknödel und speckige Beilagen
Nachtisch: Mousse au Chocolat und Panna cotta mit Himbeersauce


" ... Tiere und Bäume
sind sinnvoll verschwistert,
teilen des Waldes Geheimnis."

- Francisca Stoecklin (1894 - 1931)

Jockel heißt eigentlich Joachim, aber offenbar nennen ihn die anderen nur dann bei seinem richtigen Vornamen, wenn sie etwas an ihm auszusetzen haben - daher bleibe auch ich bei Jockel, obwohl ich, wenn möglich und mir bekannt, stets die wirklichen Namen der Kandidaten benutze und keine Spitznamen.

Eine Art "Titel" trägt er gemeinsam mit allen Bürgern seines Wohnortes Niederbreitbach im Westerwald, den Riehkoppern.

Riehkopp ist ein altdeutscher Familienname, den man besonders im Norden der Republik findet. Zum anderen wird Riehkopp

auch als Schimpfwort verwendet. Mir ist das noch nie als Familienname begegnet, geschweige denn als Schimpfwort.

Vielleicht gibt es in Niederbreitbach besonders viele Jäger?

Die liebste Riehkopperin an Jockels Seite heißt Ute - und beide sind ein Paar, seitdem Ute 14 und er 15 oder 16 Jahre alt waren. Sie wirken sehr

harmonisch, eingespielt und liebevoll miteinander.



Das Menü

"Ich schieß dir das Reh", hatte der befreundete Jäger zu Jockel gesagt. Denn, so ergänzt der heutige Dinner-Gastgeber, es sei gerade Schonzeit ...

Diesen Inhalt verstehe ich nicht, er widerspricht sich. Hört sich an, als dürfte dieser Jäger auch in Schonzeiten schießen ... Manche tun es wirklich, aber dann ist das natürlich illegal und strafrechtlich relevant.

Zack, zack, streift Jockel weiter durch seine Vorbereitungen, und jeder Handgriff sitzt, die gekonnten ebenso wie die zu den Fertigzutaten wie Industriebrühe und sogar Soßenbinder. Das hätte er gar nicht nötig.

Die Vorspeisensuppe enthält neben Gemüse natürlich Maronen und 2 Esslöffel rauchigen Whisky: Kevin mag weder Maronen noch trinkt er Alkohol. Dennoch schmeckt ihm die Suppe,

während eine der Damen bemängelt, dass es nur eine Suppe ist ... einer anderen ist sie zu dickflüssig.

Überhaupt wird heute ziemlich gequengelt.

Denn der Rehrücken soll kalt oder nicht mehr warm genug sein.,

während die Schoko-Mousse nicht fluffig genug ist - oder sogar nach Schokolade schmeckt.

Wer kann denn ahnen, dass - ich glaube, es ist Jenny - keine Schokolade mag. Sie soll auch nicht bewerten, ob sie etwas mag oder nicht - sondern, ob es gut zubereitet und präsentiert ist.

Da träumen manche jahrelang von einer Teilnahme an dieser Sendereihe - und wissen nicht einmal, an welcher Stelle sie die Glocke läuten sollen ...


Fazit

Jockel freut sich derweil seines Lebens und hofft auf viele Punkte, denn für sich selber gesehen hat er das perfekte Dinner abgeliefert - und kokettiert sogar mit der Höchstbewertungszahl.

Und dieses Statement zur eigenen Leistung klingt trotz hoher Erwartungen überhaupt nicht arrogant, sondern nach Augenzwinkern - und einer leisen Hoffnung..

Ich befürchte, es wird keine einfache Woche, sondern eher eine, in der ich Aversionen gegen den einen oder die andere noch weiter ausbauen werde ... obwohl ich lieber völlig neutral bleibe.

Die Punkte: je 7 geben Michell, Kevin und Jenny, 9 gibt Julia.

Das ergibt die Summe von 30 Zählern.

Ich bin enttäuscht - obwohl Reh nie auf meiner Speisekarte steht - aber Jockel das Dinner freundlich, gekonnt, ansprechend und auch in einem guten Zeitrahmen

auf den Tisch gebracht hat.


Guten Morgen, Gruß Silvia