Freitag, 16. Oktober 2026

15. Oktober 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Dresden bei Susu



"Gemma nauffi"

Vorspeise: Meer und Mehrweh - Plazki / Thunfisch und Lachs / Dips
Hauptgang: Wald und Wanderliebe - Reh / Kartoffel / Möhre
Nachtisch: Gletscher und Gipfelglück - Stanitzel / Zitrone / Beeren



Meditation: Parkverbot für Alltags-Stress.
© KarlHeinz Karius (*1935)

Man muss nicht unbedingt meditieren, um einigermaßen stressfrei zu leben. Im Gegensatz zu Sarah, die mehr als nur gestresst gewesen ist, prallt dieses Gefühl an Susu völlig ab. Ob das etwas mit ihrem Beruf als Laborantin in der Forschung zu tun hat? Darin geht es u. a. um Analysen von Stresshormonen.

Warum sich jedoch Leute, die stressanfällig sind und obendrein nicht wirklich gut kochen können - wie gestern bei Sarah erlebt - für diese Sendereihe bewerben ... bleibt ein Rätsel und das Geheimnis dieser Leute. Wer bereits bei kleineren Aufregungen auf dem Zahnfleisch geht, sollte sich nicht in einem TV-Format sehen wollen. Die Aufzeichnungen sind sicherlich aufregend genug - aber noch aufregender könnten die Ausstrahlungen sein ... da sieht sich ein jeder Teilnehmer mit sich selber konfrontiert, wenn er in die Zuschauermeinungen guckt, die oft genug gar nicht zimperlich sind.

Susu strahlt Ruhe aus. Obwohl ihr die auch manchmal abhanden kommt: sie begleitet ihren Mann Martin nicht mehr zur Jagd, denn 2 Stunden stillzusitzen ist nicht ihr Ding ... ich hätte eher darauf getippt, dass es hart ist, dem Töten eines Tieres zusehen zu müssen. Aber lange stillsitzen ist natürlich viel dramatischer.

Im übrigen leiden auch Wildtiere unter Stress, vor allem in privaten Revieren, in denen ganzjährig - außer natürlich und hoffentlich nicht in den Schonzeiten - geschossen wird. Das registrieren die Tiere durchaus.

Der ehemalige Förster Martin hat das Jagen beibehalten - und zum Aperitif gibt er ein paar Klänge aus seinem Jagdhorn zum Besten.


Das Menü

Zur Vorspeise serviert Susu Lachs- und Thunfischtatar auf je einem Reibekuchen. Sie nennt die Plazki, weil das polnisch ist - und ihr Mann Martin einen polnischen Vater hat. Ob es Unterschiede in der Zubereitungsart gibt, sehe ich nicht.

Sarah mag keinen Fisch und merkt als etwa 1.283ste Dinnerteilnehmerin, dass der Fisch gar nicht nach Fisch schmeckt. Das ist gut für Sarah und die anderen 1.282 Kandidaten, aber schlecht für den Fisch.

Das Reh für den Hauptgang hat Martin geschossen. Ihm ist es nicht zu langweilig, zwei Stunden auf einen Abschuss zu warten.

Die Möhren stammen offenbar aus der Schwemme, mit der Deutschland seit langem überflutet wird. Man nennt sie bereits Tsunami-Möhren.

Hauptgang und Vorspeise sehen sehr gut aus und erfreuen die Gäste,

während die mit Sahne gefüllten Waffeln zum Dessert als der schwächste Gang bezeichnet werden.


Fazit

Nach dem Koch-Stress kommt offenbar die schlechte Laune, denn Sarah scheint heute irgendeine Laus über die Leber zu laufen. Apropos Leber: das Rehfleisch schmeckt für sie wie diese Innerei. Ich kann dem natürlich weder zustimmen noch es leugnen, ich weiß es einfach nicht.

Zur Einheit findet dann auch Sarah zurück, denn sie möchte nach dem eigenen Stress am Herd sicherlich keinen Stress durch die Zuschauer erfahren. In Zuschauerkreisen werden die Punkte (oft) erst ab einer 8 einigermaßen akzeptiert. Aber manchmal reicht auch die 8 nicht ... und das, obwohl nicht ein einziger Zuschauer überhaupt etwas probieren kann.

Die Punkte für Susu: je 9 geben Sarah, Patrick, Linda und Dorit.

Mit insgesamt 36 Zählern liegt sie somit - verdient, denke ich - am 4. Tag auf dem bislang 1. Platz.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Donnerstag, 15. Oktober 2026

14. Oktober 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Dresden bei Sarah



"Drei Weltcup-Stationen, drei Gänge, ein Ziel: möglichst elegant durchkommen und treffsicher landen"

Vorspeise: Das Antholzer Tal im Sonnenschein - Salatvariationen, Brotauswahl und Südtiroler Aufstriche
Hauptgang: Oberhofer Hexenkessel - Herzhaftes aus dem Dutch Oven, Klöße und Rotkraut
Nachtisch: Volltreffer in Le Grand-Bornand - Mousse au Chocolat in zwei Farben


Traurige Grüße von der Orthographie

... denn sie fühlt sich überrumpelt und schmollt, wenn jeder sie nach Belieben oder fehlendem Feingefühl dehnt.

Sarah kennt Improvisationen, sie sind sozusagen ihre Partner, auf die sie sich verlassen kann, wenn Plan A nicht funktioniert. Und dann kommt Vox um die Ecke und filmt ihre schriftliche Erinnerung an diese Fähigkeit

mindestens fünfmal ab, bis sie im Auge hängenbleibt ... der erste Wortteil ist noch fehlerfrei, während sie den zweiten sehr, sehr kreativ gestaltet hat. Am Ende kommt sozusagen ein völlig neues Wort zum Vorschein.

Böser Sender! Beleidigte Orthographie!

Die 54jährige Vermessungstechnikerin Sarah ist verheiratet, präsentiert ihren Gästen all die liebgewordenen Erinnerungen an eine gute Ehe und lässt sich in der Küche von ihrer Tochter helfen. Bei deren Namen bin ich mir nicht sicher, denn es werden verschiedene genannt: mir bleibt Lieschen in Erinnerung. Vermutlich die Erweiterung von Lisa - aber sie könnte auch völlig anders heißen.

Sarah ist nervös und hektisch. Man möchte sie entweder trösten oder ihr zurufen "reiß dich mal zusammen".


Das Menü

Lieschen ist wesentlich ruhiger als ihre Mutter und hilft mehr, als es eine Schnibbelhilfe eigentlich sollte. Der Crumble für den Nachtisch z. B. ist ihr alleiniges Werk.

Sarah scheint besonders das Brotbacken zu liegen: somit backt sie gleich drei verschiedene für die

üppige Vorspeise, die eher an ein Abendbrot erinnert, nach dem man das Essen einstellt und sich noch gemütlich zusammensetzt.

Diverse Aufstriche und mindestens drei Scheiben Brot (wenn man jedes probieren möchte) - ich wäre satt bis zum nächsten Morgen.

Doch natürlich war das nur der Auftakt - Rind- und Schweine-Gulasch folgen.

Jemand meint, das Fleisch sei teilweise angebrannt - während es überdies trocken sein soll. Es ist vielleicht nicht einfach, den Dutch Oven zu regulieren - aber Sarah findet genau dieses Teil

für die Show passend. Gut unterhalten fühle ich mich allerdings nicht.

Den Nachtisch empfinden die Gäste als wirklichen "Volltreffer" - also genau so, wie es die Menü-Karte orakelt.


Fazit

Die Menükarte beschreibt überdies deutlich Sarahs Leidenschaft: Biathlon. Das ist nett. Aber ist sie möglichst elegant durchgekommen und treffsicher gelandet, wenn es sich nicht um eine sportliche, sondern kulinarische Veranstaltung handelt?

Die Gäste sind mächtig freundlich oder einfach nur pappsatt: je 8 Punkte geben Patrick, Linda und Dorit, 9 gibt Susu.

Mit 33 Zählern liegt sie am 3. Tag gemeinsam mit Patrick auf dem bislang 2. Platz.

Dürfen wir uns in dieser Woche noch auf ein perfektes Dinner freuen? Zumindest auf ein annähernd perfektes?


Guten Morgen, Gruß Silvia


Mittwoch, 14. Oktober 2026

13. Oktober 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Dresden bei Patrick




Vorspeise: Pizza Bianca - Spargel / Guanciale / Ei

Hauptgang: Short Ribs - Rotweinsauce / Kartoffel-Sellerie-Püree / glasierte Möhren
Nachtisch: Tiramisu - Nüsse / Karamell / Beeren


Für Klaus - Ruhe in Frieden

Es hat mitten ins Herz getroffen, als ich heute die Nachricht erhalten habe, dass Klaus Koch am gestrigen Abend verstorben ist. Ich wusste, dass er krank war, weil wir fast täglich einmal schriftlichen Kontakt gehabt haben. Aber wie selbstverständlich war ich davon ausgegangen, dass er wieder gesund wird ...

Klaus mochte die Sendung "Das perfekte Dinner" sehr - und hat täglich seine Meinung dazu in einem Kommentar auf meiner Facebook-Seite geschrieben. Oft hat er Dinner-Kandidaten besonders in sein Herz geschlossen - und stets launig die Kochleistungen kommentiert.

Er wird fehlen.

Eigentlich ist eine "Dinner"-Welt ohne Klaus für mich undenkbar, ich kannte ihn (online) seit vielen, vielen Jahren.



Patrick

heißt der heutige Kandidat, der sich dampfplaudernd in einer gleichbleibenden, langweiligen Tonlage, ohne viel berichten zu können, durch die Sendung schlängelt, während ich mir sage:

Nur nicht auf die Uhr schauen, sonst vergeht die Zeit überhaupt nicht! Denn beim Hinsehen schleichen sogar die Sekundenzeiger.

Der 30jährige Ingenieur Patrick ist seit einem Jahr verheiratet mit Johanna, die auf einen Kuss vorbeikommt und schnell wieder abrauscht. Beider

Australian Shepherd "Moule" ist ein Jahr alt, wunderschön mit blauen Augen ... aber er ist auch ein anspruchsvoller Hütehund, der eigentlich eine sinnvolle Lebensaufgabe braucht.


Das Menü

Über die Ansprüche, die Patrick an sein Dinner hat, entscheidet er natürlich selber - und so verfügt er, dass gekaufte Fonds fast genau so gut sind wie selbst hergestellte - wenn man entsprechend gute kauft und keine gekörnte Brühe benutzt. Die Leute neigen dazu, sich selber Dinge zu genehmigen ... die sie dann großzügig auch anderen erlauben würden. Vielleicht!

Trotzdem ist "das perfekte Dinner" ein Wettkampf, und eine Brühe zu köcheln ist kein Hexenwerk und macht eine Soße rund.

Die Vorspeise ist üppig und sättigend: zwar ist es nur je Gast eine kleine Pizza, aber eine mit Sahnesoße. Und Spargel und Schinken.

Gut durchgegarte Rindfleisch-Rippchen zerquetschen das darunterliegende Püree aus Kartoffeln und Sellerie fast vollständig. "Für die Frische" reicht er Möhren ... die liegen wie müde gewordene Buckingham-Palast-Wachablösungen schlaff am Tellerrand. Frisch?

Fürs Tiramisu backt er einen Biskuit-Teig - ich gehe hier mit Linda konform, die lieber Löffel-Biskuits für diese traditionelle Nachspeise hätte. Patricks Tiramisu ist ... eher ein Kuchen.


Fazit

Linda und Susu trinken ihr Bier gern direkt aus der Flasche. Mir ist das völlig egal, denn Zeiten ändern sich - und was gestern vielleicht als unfein gegolten hat, ist heute durchaus akzeptabel. Doch

Susu befürchtet deswegen einen Shitstorm auf Facebook.

Ein anderer Gast ist nicht über Bier-direkt-aus-der-Flasche empört, sondern darüber, dass Susu sich auf Facebook tummelt ... als handele es sich um einen Verein, dem man nur noch ab einem gewissen höherem Lebensalter und in ausgelatschten Pantoffeln beitreten darf.

Die Punkte: je 8 geben Linda, Sarah und Susu, 9 gibt Dorit.

Das ergibt die Summe von 33 Punkten. Mir wäre es lieber, diese Sendung wäre um

33 Minuten gekürzt worden.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Dienstag, 13. Oktober 2026

13. Oktober 2026 - Miss You, Bienenbienchen.


Bienchen: 13. Oktober 2003 bis 25. Januar 2021

Heute vor 23 Jahren wurde Bienchen geboren. Rein namentlich lebt sie in meinem Blog weiter, denn nach ihrem Spitznamen habe ich ihn benannt ...

aber mehr noch ist sie in meinen täglichen Gedanken an unsere wunderbaren gemeinsamen Jahre.

Miss You, Bienenbienchen.

Das Video ist vom 22. März 2020.


Silvia



12. Oktober 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Dresden bei Linda



"Herzensweg"
Vorspeise: Schwäbisch-sächsische Tapas - Maultaschen / sächsisches Würzfleisch / Brot
Hauptgang: Amore - Ragù bianco e rosso
Nachtisch: Lieblingsobst Erdbeere - Kuchen / Eis / Espuma



Ich höre einen Vogel fortwährend ›Chi–rur–gie‹ flöten.
- Christian Morgenstern (1871 - 1914)

Der kleine Spaß-Titel passt zur Strahlefrau Linda, die dem Morgenstern-Vögelchen etwas über Chirurgie zwitschern könnte,

während mein Foto das Motto des Menüs widerspiegelt. Aber der berufliche Weg der 30jährigen wird sie nicht in die Herz-, sondern in die

Viszeralchirurgie führen. Das ist der "Ort", an dem auch die Bauchgefühle zuhause sind. Nach 6 Jahren Medizin-Studium befindet sie sich mittlerweile im 4. Jahr ihrer Facharztausbildung - und 2 Jahre liegen noch vor ihr. Manch ein Kind schnuppert Küchenduft und will später beruflich kochen, ein anderes liebt Züge - und will irgendwann dazu beitragen, dass die Bahn endlich reibungslos läuft. Vielleicht ist es sogar

einfacher und vor allem erfolgreicher, Chirurgin zu werden - bereits in Kindertagen hat ihre Mutter sie oft mit an ihren Arbeitsplatz als Krankenschwester genommen. Andere Kinder würden sich dort eher mit Angst konfrontiert fühlen ... aber Linda ist nach einem langen Weg nun ihrem Ziel sehr nahe.

Die gebürtige Schwäbin lebt in Dresden gemeinsam mit ihrer Freundin Emmi, die als Krankenschwester arbeitet. Beide sprechen von Liebe auf den 1. Blick. Und da macht es durchaus Sinn, das Menü "Herzensweg" zu nennen.


Das Menü

Als Schnibbelhilfe eilt Petra herbei, die leibliche Oma von Emmi - und Lindas Schwiegeroma. Petra kennt sich aus mit Schnibbeln und Küchenarbeiten, denn sie hatte jahrelang einen Imbiss.

Linda schlägt eine Brücke zwischen Schwaben und Sachsen und serviert zur Vorspeise das offenbar in Sachsen beliebte Würzfleisch neben den bekannten Maultaschen aus Schwaben. Sie macht sich viel Arbeit, denn den Teig stellt sie selber her ...

ebenso den für die Tagliatelle zum Hauptgang: neben den Nudeln bietet sie eine Bolognese an und ein Kalbsragout.

Patrick meint, wenn sie nur das Kalbsragout serviert hätte ... wäre das eine hohe Hausnummer wert, aber die Bolognese würde sie nach unten ziehen ... weil: zu einfach.

Viel hilft also nicht immer viel! Meine Bewertung ist zwar nicht gefragt, aber ich hätte die Bolognese ersatzlos gestrichen.

Jede Menge Begeisterung erntet das Vanille-Eis zum Nachtisch. Der Kuchen kann nicht mithalten.


Fazit

Linda würde sich für ihr Menü 9 Punkte - und nach kurzem Nachdenken, ob das jetzt zu viel Eigenlob sei, 8 bis 9 geben. Eine 10 wäre es ihrer Meinung nach nicht, da es kein "fine dining" sei.

Doch jede Bewertung ist auch ein wenig vom Glück abhängig und einer eventuellen spontanen Sympathie-Bekundung über die von jedem Dinner-Kandidaten gleichzeitig gemochten und gefürchteten Punkte-Tafeln.

Je 8 geben Patrick und Dorit, 9 Sarah und Susu.

34 Zähler sind es für die gutgelaunte Linda.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Samstag, 10. Oktober 2026

10. Oktober 2026 - Das große Briefesterben ...




Das große Briefesterben

Gab es nicht einmal einen Deutsche- Post-Slogan, der "Schreib mal wieder" gelautet hat? Das muss zu einer Zeit gewesen sein, als sich manche Menschen noch an ihre Schreibtische gesetzt und handschriftlich ein paar oder auch sehr viele Zeilen an einen lieben Menschen verfasst haben - und die Post weitere Leute dazu veranlassen wollte, es ihnen gleichzutun. Was gab es Schöneres, als einen Brief in den Händen zu halten, auf den man lange gewartet hat?

Ich erinnere mich an die etwa 30 Briefe, die mir ein damaliger leicht verrückter und zu der Zeit bereits Ex-Freund geschrieben hat, der den Werbespruch besonders ernst genommen hat. Seitdem ist es ziemlich mau mit persönlichen Briefen geworden. Hin und wieder bekomme ich einen Geburtstagsgruß und weniger häufig einen Brief, in dem mir jemand "Frohe Weihnachten" wünscht. Auch aufgrund meines Blogs gab es einige persönlich verfasste Briefe, die mich besonders gefreut haben, weil sie recht überraschend waren. Danke dafür!

Überraschend ist jeder Brief heute sowieso, denn für manchen Schreibwilligen mangelt es nicht an Papier, sondern an

Briefkästen. Man findet sie nur noch mit detektivischer Suche. Neulich fragte mich eine Frau auf unserer Einkaufsstraße nach einem gelben Häuschen für Briefe - ich konnte ihr leider nicht weiterhelfen. Und ich bin viel unterwegs, sehr viel. Rein zufällig habe ich ein paar Wochen später endlich einen Briefkasten gefunden, der noch nicht stillgelegt war. Da fiel mir sofort diese ratlose Frau ein - ob sie in der Zwischenzeit auch einen gefunden hat?

Wann das große Briefsterben eingesetzt hat, kann ich nicht genau beziffern, aber es muss mit dem Vormarsch der sozialen Medien passiert sein. Geschrieben wird schließlich noch: in Kurznachrichten mit ein paar Smileys, als würden diese liebe Worte wirklich ersetzen können. Begonnen hat es vermutlich mit SMSs.

Natürlich liefert die Post noch Post, aber das sind eher Briefe, die niemand gern bekommt: Rechnungen, Mahnungen, Werbesendungen ... wenn Letztere nicht wären, wäre mein Briefkasten wie ein verlassener, unbewohnter Planet, der genauso

ungenutzt ist wie die Blinker an den meisten Autos.

Es wird der Tag kommen, an dem wir keine persönliche und unverwechselbare Handschrift mehr vorweisen können - oder die sich auf eine hin und wieder nicht vermeidbare Unterschrift beschränkt. Als Gegenwert können alle rasant in die Tasten tippen, was immer sie der Welt mitzuteilen haben - meistens interessiert es die Welt überhaupt nicht.

Im Gegensatz zu den früheren Briefeempfängern, die sehnsüchtig auf die Zeilen gewartet haben ... die nun auf immer ausbleiben werden.

Schreibt mal wieder! Und wenn es nur ist, damit ihr nicht aus der Übung kommt und ihr euch an eure Handschrift erinnert. Schreibt mal wieder! Nutzt eure Stimme für einen schönen Brief an einen lieben Menschen.

Das sage ich, obwohl ich seit jeher immer viel geschrieben habe, aber eine ausgesprochen faule Briefeschreiberin gewesen bin. Und noch immer bin.


Guten Tag, Gruß Silvia



9. Oktober 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Freiburg bei David



"Frühling zum Anbeißen"
Vorspeise: Kohlrabi mit Salat
Hauptgang: Nudeln mit Pesto
Nachtisch: Schokolade mit Kräutern



Brotloseste der Künste: Poesie
- Heinrich Heine (1797 bis 1856)

Heinrich Heine musste es wissen ,denn er hat schließlich von seinen Künsten gelebt, indem er Gedanken in Reime und Umlauf gebracht hat. Nur ganz nebenbei ist er mein Lieblingsdichter - und eine Sendung wie das "perfekte Dinner" hat er natürlich nicht gekannt - zu seiner Zeit gab es schließlich nicht einmal Radio oder Fernsehen.

Trotzdem ist mir genau Heinrich Heine zum heutigen "Dinner" bei David eingefallen. Der 21jährige ist gelernter Zimmermann und studiert nun Umweltnaturwissenschaften.

U. a. kümmert sich ein Inhalt des Studienganges um das Umsiedeln von Fledermäusen. Seine gestrige Zugewandtheit zu den beiden Hunden von Olivia ist also eine Art von Lebensprogramm. Super!

Wie viele Studenten lebt er in einer Wohngemeinschaft, und die hat einen neuzeitlichen, sehr neuzeitlichen Dichter:

"Ihr seid eine so kaputte WG" steht auf einem großen Bettlaken?-Banner in der Küche, als sei es wichtig und notwendig, dies alle Welt wissen zu lassen. Doch manche Negativ-Gedanken sollen durchaus zum Protest herausfordern.

Negatives sehe ich in dieser WG überhaupt nicht - mit den 5 anderen Bewohnern will er bald den portugiesischen Jakobsweg durchwandern. Ein schöner Plan.



Das Menü

Und nun kommen wir zu der Poesie des heutigen Tages, und die hat absolut etwas mit Davids hübscher Anrichteweise der Speisen zu tun - und nicht mit dem Provo-Küchen-Spruch.

Elisa staunt: "Das ist wirklich poetisch!" Und Harry, immer froh und glücklich, wenn er sein eigenes Essen hinter sich lassen kann: "Das ist wirklich Poesie!"

Ich stimme zu, obwohl hier die Poesie keineswegs brotlos ist. Denn es gibt Brot zur Vorspeise.

Der Geschmack der Gerichte trifft nicht jeden Gast ins Herz, aber von Herzen würde ich David den Gewinn gönnen. Sogar den Jakobs-Weg zu gehen ist schließlich mit Kosten verbunden.



Fazit

Jonathans Pluspunkt war seine anwesende Oma - neben seinen definitiv vorhandenen Kochkünsten

Olivia hat ihre Familie dagegengesetzt. Gemeinsam sind sie der Lindt-Familie nicht unähnlich, von denen es jährlich 2 Prospekt-Ausgaben gibt (zu Ostern und zu Weihnachten; ich schreibe meistens zeitnah darüber): gestylt, freundlich - aber leider so langweilig wie das nichtssagende Foto von ein paar hübschen Menschen, die dem Gedächtnis schnell entschwinden.

Harry ist Harry und kann eher genießen als kochen. Definitiv gehört er zu jenen, die anderen ihren Erfolg gönnen können. Er hat schließlich ein völlig anderes Talent als das Kochen, nämlich das Zeichnen.

Elise lacht unheimlich gern. Mehr weiß ich über sie nicht.

Dann greift das "Riesenbaby" David - er ist sicher über 2 Meter lang - zu einem niedlichen kleinen Instrument, der Ukulele. Das passt wie ein

großer Mann zu einem Chihuahua. Ein immer schöner und auch lustiger Anblick, wenn mir solch eine Zweier-Gesellschaft draußen begegnet.

"Denk ich an Deutschland in der Nacht " - auch von Heinrich Heine - so denke ich auch an einen Lichtblick wie David. und nicht daran, wie Heinrich das gemeint hat - und damit auch heute noch vielen Menschen aus dem Herzen spricht. Oder besonders heute.

Die Punkte für David: je 8 geben Olivia, Jonathan und Elise, 9 gibt Harry.

Das ergibt sie Summe von 33 Zählern.

Es gewinnt Jonathan den Jackpot, und ich freue mich, dass seine Oma sich bestimmt darüber freut.

Mir bleibt, allen ein schönes Wochenende zu wünschen. Wir erwarten heute wechselhaftes Wetter mit maximal 14 Grad - und immerhin 8 Sonnenstunden.


Guten Morgen, Gruß Silvia