Samstag, 11. April 2026

10. April 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Bremen bei Annett



"La Dolce Vita"

Vorspeise: Nudeln machen glücklich - Pilzravioli an Champignonmousse
Hauptgang: Edelfisch mit Leichtigkeit - Wolfsbarschfilet und karamellisierte Karotten auf einer Karotten-Majoran-Sauce mit einem aufgespritzten Kartoffelpüree
Nachtisch: Tipi di dolce - Geeister Cappuccino und Tiramisu, dazu beschwipster Cantuccino


"Etwas Besseres als den Tod findest du überall"
- Jacob u. Wilhelm Grimm (Die Bremer Stadtmusikanten)

Damals ging es um Freiheit, eingeschränkt durch eine menschenunwürdige Mauer, als viele über die Deutsche Botschaft in Prag aus der damaligen DDR geflüchtet sind. Es war der 30. September 1989, als dort der deutsche Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher verkündete, dass die Ausreise von tausenden DDR-Bürgern genehmigt worden war - und dies

das Bröckeln der Mauer schließlich in Gang gesetzt hat, bis sie kurz darauf gefallen ist.

Die 62jährige Annett aus Magdeburg kam 1989 auf diesem Wege mit ihrer damals 5jährigen Tochter nach West-Deutschland. Sie sei kein Wirtschaftsflüchtling gewesen, betont sie, denn sie hatte einen guten Job dort -

erzählt aber gleichzeitig: "Ich wollte nicht so wie die Funktionäre wollten - und da haben die mich abgesägt."

C u t!

Dass sie gerne über Grenzen geht und sich deshalb fürs "Dinner" beworben hat, passt zu ihrem damaligen wirklichen Grenzübertritt - von dem ihre Mutter nichts gewusst hat und Annett Sorge hatte, wann sie sie und andere Verwandte je wiedersieht. Es hätte alles auch anders ausgehen können ... und sie hätte sie wirklich nie wiedergesehen.

Heute erleben wir den letzten Abend dieser eher unerfreulichen Ausgabe der Sendereihe, und Annett kann zeigen, ob ihr annähernd das gelingt, was die Zuschauer von einem "perfekten Dinner" erwarten.

Immerhin legt sie das beste Dinner dieser Woche hin.

Unterdes spricht Hülya von einer anfangs schwierigen Anastasia, die sich jedoch langsam an die Gruppe angepasst habe.

Lustig oder auch nicht ist es, dass niemand von Annetts Mitstreiterinnen etwas mit dem Begriff "La Dolce Vita" anfangen kann - obwohl der bereits zum deutschen Sprachgebrauch gehört wie "Mamma Mia" - und natürlich "das süße Leben" bedeutet.

Wird Anastasia ohnehin sofort wieder vergessen ... diese kühle Frau aus dem kalten Sibirien. An Läuterung glaube ich nicht, eher an ein "Ich gebe auf, ich will mich schließlich als Ernährungs-Coach etablieren - und keine Freundinnen finden."

Im eigenen Interesse kriegt sie die Kurve ... wie sie schon selber sinngemäß erwähnt hat: Anastasia first!


Das Menü

Ravioli mit Steinpilzfüllung werden von einer Champignon-Mousse begleitet, die zwar aussieht wie ein Pflasterstein in einem Vorgarten des Grauens ... aber durchaus schmecken kann. Besonders Mette-Lina lobt den 1. Gang, während

Hülya die Bissfestigkeit der Ravioli bemängelt - und Anastasia dies nickend (und freudig?) bestätigt.

Wolfsbarsch mit Soße und Kartoffelpüree. Kein Hexenwerk, aber nett.

Das Tiramisu ... ein beliebter Nachtisch, wobei die nicht so beliebte Anastasia das einfach nicht mag. Da machste nix, das ist schon seit

Dienstag nicht anders.


Fazit

Wer in dieser Woche große Kochkunst gesucht hat, wird vielleicht in der nächsten Woche oder der übernächsten oder erst in 10 Wochen fündig ... oder muss selber den Herd anwerfen.

Die Punkte für Annett: je 8 von Mette-Lina und Hülya, 7 von Anastasia.

Mit 23 von 30 möglichen Zählern kann sie leider nicht gewinnen.

Mette-Lina gewinnt, und von den 3.000 Euro Siegprämie kann sie so einige Konzert-Eintrittskarten kaufen - Konzerte, auf die sie meistens allein geht, wie sie erzählt hat.

Für sie war es mutig, sich dieser Herausforderung zu stellen. Für manch einen Zuschauer auch. Doch selbstverständlich macht das jeder einzelne freiwillig, ohne Zwang und immer mit der Fernbedienung in der nächsten Nähe als Ausgangstür.

Mir bleibt, allen Lesern ein schönes Wochenende zu wünschen. Wir erwarten heute bis zu 19 Grad bei 6 Sonnenstunden.



Guten Morgen, Gruß Silvia


Freitag, 10. April 2026

9. April 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Bremen bei Mette-Lina



"Kulinarische Versuchsanordnung"

Vorspeise: Knusprig weich - Jona / Sellerie / Burrata / Miso
Hauptgang: Butter, Blattwerk & Luxus - Brioche / Caesar / Meer
Nachtisch: Zucker, Zucker, Rosmarin - Suzette / Krüllkuchen / Creme


Dem Fernsehen verdanken wir, dass aus dem Kulturgut Speisenzubereitung eine kulinarische Peep-Show geworden ist.
© Fritz-J. Schaarschuh (*1935)

Auf allen Kanälen wird gekocht, gebacken, geliefert, gelacht und vielleicht auch mal geweint, aber nur in dieser Sendereihe bekommt der Zuschauer das volle Programm eines Miteinanders, Durcheinanders oder auch Gegeneinanders. Es kochen Könner und Stümper und Sonntagskocher gegeneinander, und am Ende zählen nicht nur die Kochleistungen, sondern die Unterhaltungswerte. Neben Freude macht sich manchmal Fremdschämen breit, während die Zuschauer dem einen Kandidaten mehr Zuneigung entgegenbringen - und einem anderen eher keine.

Heute spendiert die sympathische Hülya der polarisierenden Kandidatin Anastasia zu Beginn der Sendung und sozusagen unter vier Augen ein paar ehrliche Worte über ihr Verhalten. Sie spricht von den Mühen, die sich alle bei der Essenszubereitung geben ... und dass man das anerkennen sollte.

Anastasia spricht lieber von sich selber als First-Person: "Aber ich bin einfach für mich an 1. Stelle." So klingt keine Entschuldigung, sondern eine Rechtfertigung für ablehnendes Verhalten gegenüber dem Menü von Hülya, denn

in Moment der kleinen Aussprache hat sie noch nicht Mette-Linas Gerichte probiert, aber ihr eigenes durchaus für siegeswert gehalten.


Mette-Lina

ist 21 Jahre alt und lebt in ihrer eigenen Welt, in der sie durchaus berechtigt kritisch ihre bisher zwei genossenen Abendessen bewertet hat.

Man spürt, dass Mette-Lina absolut Lust auf dieses Format und sich viele Gedanken darüber gemacht hat, und sie kocht mit der Zutat, die man Herzblut nennt. Es fehlen Hintergedanken, denn ihr einziges Motiv ist es augenscheinlich, anderen zu zeigen, dass sie kochen und gastgeben kann.


Das Menü

Äpfel, Sellerie, Datteln, Pistazien und Walnüsse - fein geschnitten von ihrer Freundin Leonie - mischt und schmort sie in der Pfanne. Eine Orangenvinaigrette samt Honig und Misopaste vervollständigt neben Burrata den 1. Gang.

Dass kein reiner Zucker daran ist, erfreut vielleicht Anastasia, die sich vor Zucker fürchtet wie der Prüfling vorm Prüfer. Sogar das Popcorn verachtet sie in keiner Weise, obwohl sie das - oh Wunder - ansonsten gar nicht mag.

Nach viel Lob, das Mette-Lina sichtlich glücklich macht, finalisiert sie den Hauptgang - und macht aus Langustenschwänzen und selber hergestellten Brioches eine

undefinierbare Masse. Sie schneidet alles kurz und klein, so dass es weder schön aussieht noch als Fahndungsbild der Polizei erfolgversprechend sein würde. Man erkennt einfach nicht, was hier Sache ist.

Der Caesars-Salad macht es nicht besser, sondern verschlimmert die Angelegenheit. Er wäre sicherlich und völlig auf sich allein gestellt eine gute Vorspeise gewesen.

Die Crepes Suzette und die Krüllkuchen-Waffeln sehen gelungen aus, während mich eine Zutat der Schokoladencreme besonders schaudern lässt: neben 100 g Schokolade bewirken 70 g gezuckerte Kondensmilch die Süße!


Fazit

Man erkennt die Mühe, die sie sich gemacht hat, und Annett lobt in diesem Zusammenhang ihr junges Alter. Hülya scheint gar Muttergefühle für Mette-Lina zu entdecken ... aber auch mit 21 Jahren weiß man eigentlich, wo der Hase langläuft und bewirbt sich nicht blauäugig für solch ein Format.

Die meisten Köche sind in diesem Alter ausgelernt - und manche sogar auf dem Weg zu den Sternen.

Natürlich beansprucht sie für sich nicht, es gelernten Köchen gleichtun zu können - aber das Alter allein darf keine Rolle bei einer Beurteilung spielen.

Die Punkte: Hülya gibt 9, je 8 geben Annett und Anastasia.

Mi 25 von 30 möglichen Zählern liegt Mette-Lina am 3. Tag auf dem bislang 1. Platz.

Vielleicht ist die Bewertung im Hinblick auf Anastasias Dinner gerechtfertigt, aber insgesamt ist sie viel zu hoch.

Die Messe findet heute woanders statt, da man die Kirche einfach nicht in ihrem Dorf lassen konnte.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Donnerstag, 9. April 2026

8. April 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Bremen bei Anastasia



"Balance der Aromen"

Vorspeise: Rote-Bete-Carpaccio mit Burrata, Avocado-Limetten-Creme, Granatapfel und Kakao-Salz
Hauptgang: Zitronen-Thymian-Lachs auf Süßkartoffel-Kokos-Püree mit Vanille-Karotten in Mandelkruste
Nachtisch: Avocado-Schoko-Mousse mit Himbeer-Sorbet, Chili und Meersalz-Crunch


Auch Atmen soll gesund sein ...

Also bitte tief durchatmen für die Nachlese zur Anastasia-"Show", auch, wenn man das Gefühl hat, über ihrem gesamten Dinner-Tag läge ein eisiger Wind, der direkt aus Sibirien hereinfegt - und alles wegbläst, was irgendwie auch nur schön aussieht oder Wärme vermittelt.

In Sibirien ist die heute 39jährige Anastasia geboren, und ihre Eltern kamen mit ihr nach Deutschland, als sie 11 Jahre alt war. Von etlichen Geschwistern erzählt sie - ein Teil sei in Sibirien geblieben, ein Teil mit nach Deutschland gekommen. Jetzt lebt sie mit ihrem Mann Dennys in einer Wohnung, die sie als

sehr klein bezeichnet: seltsam ist nur, dass in dieser Mini-Wohnung ein ganzer Raum für ihre vielen Klamotten reserviert ist, während alle Wände so kahl und weiß sind wie Sibirien in langen Wintern.

Ach nein, es gibt etwas Lebendiges: den affektiert frisierten Yorkshire-Terrier. Und wen wundert es, dass das Wesen "Gucci" heißt?

Ich war bis zum 6. September 2019 die glückliche Hundemama meines Yorkshire-Terriers Robin, der ein ganzer Hundekerl mit einer feschen Jungs-Frisur war - und der seine Rute stets hocherhoben getragen hat und im übrigen ein richtiger Draufgänger war. Man kann den angeborenen Charakter fördern - oder eben bremsen.

Anastasia, die gelernte Kosmetikerin, die heute als Ernährungsberaterin und Fitnesscoach tätig ist, ist nicht einmal beim Eindecken ihres Tisches draufgängerisch: es steht nur drauf, was unbedingt benötigt wird: schmucklos, uninspiriert, und offenbar uninteressiert,

einem faden Essen ein paar Farben an die Seite zu geben.

Stattdessen predigt sie ohne Unterlass vom gesunden Essen und vom großen Spaß daran ... der heute allerdings ausfällt.


Das Essen

Sie preist ihr Essen als ausgewogen und gesund an.

Und sie kocht die Rote Bete sogar selber anstatt die vorgekochten, verpackten zu kaufen. Halleluja, das ist mal ein Lob wert. Selber erzählt sie von einer aufwendigen Arbeit, als sie die Bete in dünne Scheiben fürs Carpaccio schneidet.

Das Ganze mit Tüpfelchen von Avocado landet völlig ungewürzt auf die Teller - aber sie verkauft das als Philosophie. Hier balancieren bereits kaum noch Aromen.

Lachs aus Supermarkt-Verpackungen ist der Star des Hauptganges, und natürlich lobt sie den als gesund. - Wirklich gesünder soll Wildlachs sein, der auch weniger mit Schadstoffen belastet ist.

Die Schoko-Mousse entthront dann das gesamte Abendessen: sie besteht beinahe komplett aus Avocados, nur der Farbe wegen mit Kakao aufgepimpt.

Die Gäste und sie prosten sich am Ende mit Wasser in den Gläsern zu. Ein trauriger Abend.


Fazit

Der Nachbar rutscht auf einer Schneedecke aus, und man möchte gar nicht hinsehen, kann aber nicht anders: bevor man ihm auf die Beine hilft oder einen Krankenwagen ruft,

steht man gaffend da und freut sich klammheimlich, denn er ist einem nicht der liebste Nachbar.

So oder ähnlich lauft Anastasias Spiel vor meinen Augen ab, während die Punktevergabe nur noch der Höflichkeit geschuldet ist:

je 6 geben Hülya und Annett, 5 Mette-Lina.

Gut, dass sie am 2. Tag mit 17 von 30 möglichen Zählern hinter Hülya aufschlägt und keine Chance auf das Krönchen hat.

"Das perfekte Dinner" erleidet einen deutlichen Tiefpunkt. Man lege es zur Genesung ins Krankenbett.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Mittwoch, 8. April 2026

7. April 2026 - Vox - Das perfekte Dinner: - Dienstag in Bremen bei Hülja



"Genussreise durch Gaumenwelten"

Vorspeise: Türkischer Joghurt-Karotten-Salat / Ezme / Hummus / Kizartma / Sarma / Teigballon
Hauptgang: Teigtopf gefüllt mit Paprika, Champignon, Zwiebel, Käse und Sahnesauce, dazu Joghurt-Knoblauch-Creme und Krautsalat
Nachtisch: Fadennudeln / Milchpudding / dazu karamellisierte Äpfel



Bittere Pillen muss man in Zucker hüllen.
- Deutsches Sprichwort

Es gibt die Möglichkeit, anstatt sich zu ärgern, laut zu lachen - oder zumindest hinter vorgehaltener Hand zu grinsen. Oder nur schmunzeln und sich freuen, dass man selber nicht in dieser Runde sitzt. Ich entscheide mich zudem für etwas Zuckerhaltiges zum Gerne-Sündigen am frühen Abend, denn der Osterkorb ist noch nicht geleert

und schreit nach Beachtung. Dem gerade vergangenen Ostern gilt auch mein Titelfoto, denn das dick überm Hasen aufploppende Wort trifft nicht den Kern der Sache, sondern wäre maximal ironisch zu verstehen.

Und das, obwohl sich die 50jährige türkischstämmige Hülya jede Menge Mühe gibt, die am Ende sowas von auf Widerstand prallt: sogar ihre Freundin

Annika wird in die Chose involviert, denn sie hat ein Händchen für Tisch-Deko. Für sehr viel Deko. Vielleicht, damit auch die Augen etwas zum Mitessen haben?

Damit das Wasser nicht ausgeht, rauscht mit frischgelockten langen Haaren Hülyas Tochter Defne ins Haus, 2 Wasserflaschen in den Händen. Nichts ist schließlich schlimmer als Verdursten.


Das Menü

ist vegetarisch und türkisch. Teils sieht es nett aus, aber der Karottensalat der Vorspeise versinkt im Dressing.

Mit vegetarischem Gemüse gefüllter Hefeteig gibt einhellige Meinungen wider: die Füllung sei köstlich, der Teigmantel fad.

Engelshaar gemischt mit Milchpudding - dessen Zubereitung nicht gezeigt wird - beendet das Dinner.

Das Beste daran ist, dass es keine Auberginen und kein Hackfleisch gibt. Man muss sich die positiven "Rosinen" rauspicken ... wenn man kann ...

Ergebnis: zwei Gäste können das eher nicht!


Fazit

Es zieht sogar sibirische Kälte ein, und zwar mit Anastasia, von der man glaubt, sie würde am Nachtisch sterben, denn sie

verachtet Zucker aufs Tiefste.

Sie ist Ernährungsberaterin mit der starken Tendenz, anderen eine erhofft schöne Zeit mal so richtig zu verderben.

Laut verkündet sie, dass sie auch keine Fette und weiße Mehle oder Fleisch essen möchte, und Alkohol soll ihr ebenfalls nicht durch die Kehle rinnen.

Ganz nebenbei und als sei es die Wahrheit und nichts als die Wahrheit spricht die eine oder andere von

einer guten Gruppe. Vermutlich ist dieses Statement nur ein Wunsch, während sie alle noch mit Scheuklappen herumlaufen ...

Die Punkte: 8 gibt Annett, 6 Mette-Lina und 5 Anastasia.

19 von 30 möglichen Punkten sind eine magere Ausbeute.

Das kann ja noch "lecker" werden in dieser kurzen Woche, womit ich nicht das Essen meine.

Mir fällt der Schneematsch ein, den die drei Damen durchwaten mussten, um zu Hülyas Haus zu gelangen ... es wäre besser gewesen, eine hätte sich auf den Hintern gesetzt und wäre, ohne schwer verletzt gewesen zu sein, am Weiterdrehen gehindert worden. Steißbein-Pein zum Beispiel. Der richtige kleine Schicksalsschlag zur richtigen Zeit

kann so viel verhindern.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Montag, 6. April 2026

6. April 2026 - Das Traumschiff




Dem ZDF-Traumschiff zuzusehen gleicht einer Erinnerungs-Fahrt auf der Titanic, denn die Frage ist, wann kooperiert die fußhohe  Handlung mit seichten Gewässern - und lässt den Traum auf Grund fahren?

Zwar behindert kein Eisberg die Fahrt auf den Grund, weil heiße, verschwenderische Gefühlsduseleien mit platten Dialogen gleichgestellt sind - und man unwillkürlich nach der Absicht sucht, die hinter solch einer Reise lauert:

Urlaub für die Schauspieler könnte einer sein, für besonders verdiente im ZDF-Sinn natürlich.

Müde von den Feiertagen, die doch erst heute mit dem Ostermontag zu Ende gehen, wollte ich mich berieseln lassen - einfach nur ein paar schöne Bilder sehen und die Seele müden Hauptes baumeln lassen. Stattdessen habe ich mich amüsiert geärgert. Geht das? Ärger plus Amüsement? Beim "Traumschiff"-Ansehen immer ... 

In der Tat waren schöne Aufnahmen von Island zu sehen, die teilweise einen majestätischen Eindruck hinterlassen haben. Was ich von

den Schauspielern und Schauspieler-Darstellern nicht behaupten kann.

Die Geschichten sind mit der "heißen Nadel gestrickt" worden, und auch ein lesbischer Kuss macht die Überraschung keineswegs perfekt:

an jeder Tankstelle hält dieser Moment, in dem man vorsichtig auf die Anzeigentafel mit den aktuellen Preisen guckt,

mehr Knalleffekte bereit.

Einen Vorteil gegenüber den Spritpreisen hat das "Traumschiff" - das Zuschauen tut nicht weh und hinterlässt keine bleibenden Schäden.

Mein nächstes Traumschiff-Date werde ich in etwa 5 Jahren haben - und mich dann nicht wundern, dass Saskia Vester

fürs Fernsehen noch immer unersätzlich ist.



Guten Morgen, Gruß Silvia



Samstag, 4. April 2026

4. April 2026 - Shop-Apotheke ......



Die Shop-Apotheke hat ein neues Werbegesicht

Die bislang dominanten Werbegesichter sind nicht etwa alt oder gar medikamentenabhängig geworden, dennoch musste sich die Shop-Apotheke von ihnen trennen - und die Spots nun im "Giftschrank" versteckt halten.

Offenbar hält man Menschen für ein unkalkulierbares Risiko ... gebellt eingefordertes Vertrauen ist ehrlicher.

So schnell möchten sie also nicht wieder mit Menschen drehen, denn Menschen kann man kaum noch trauen - so hübsch sie auch aussehen, man kann ihnen nur vor und nicht in den Kopf gucken.

Rasch ist für Abhilfe gesorgt,

denn nun übernimmt ein heller, fröhlich aussehender Pudel die Aufgabe, Pülverchen und Pillen an die Leute zu bringen, die offenbar jedes Vertrauen in die Apotheken verloren haben, die bei ihnen um die Ecke liegen. Aber es ist auch ein Beweis dafür, dass man die Werbebotschaft lieber aus einem Fell als aus einem Gesicht liest.


Ein heller Hund musste her - denn ein weißer hätte willige Patienten zu sehr an ein steriles Krankenhaus erinnert, während ein schwarzer ebenso kontraproduktiv gewesen wäre, denn schwarz lässt die Leute

an Tod, Vergänglichkeit und Bedrohung denken.

Viele Menschen mögen Hunde - und nehmen ihnen fragwürdige Werbeaufgaben auch keinesfalls krumm, denn die Verantwortung trägt hier nicht das Tier ... dessen Gage besteht aus ein paar Leckerchen und vielen motivierenden Streicheleinheiten. Und der finalen Versicherung, dass für die Reklame kein Tier zu Schaden gekommen ist.

Überdies hat ein Hund keinen Internet-Zugang, schreibt keine Kommentare, veröffentlicht nie selber Fotos und ist niemals ein Internet-Troll ... rein privat ist er mehr am Spazierengehen, Schnüffeln, Spielen und Fressen interessiert.

Bleibt nur die Hoffnung, dass der Hund einen einwandfreien Leumund hat - und nicht bereits wegen Beißereien dem Veterinäramt bekannt ist  ... 

Auch nicht gut wäre es, wenn publik wird, dass der Pudel erledigt, wofür er einst gezüchtet worden ist - süße gerade totgeschossene Enten aus der Mitte eines Sees zu apportieren,

um sein jagendes Herrchen tatkräftig zu unterstützen.

Werbung ist ein hartes Geschäft - und nur etwas für ganz robuste Hunde.

Ein Pudel als Werbegesicht ist am Ende nur konsequent:

Wenn man Vertrauen nicht mehr anders reklamieren kann, lässt man es eben bellen. Der Pudel widerspricht nicht, verursacht in der Regel keine Skandale und verkauft trotzdem alles.


Guten Tag, Gruß Silvia


Freitag, 3. April 2026

3. April 2026 - Karfreitag - Der letzte Film - „Das Leben wird vorwärts gelebt, aber rückwärts verstanden“ - Søren Kierkegaard (1813 bis 1855)



Der letzte Film

„Das Leben wird vorwärts gelebt, aber rückwärts verstanden“
- Søren Kierkegaard (1813 bis 1855)


Niemand weiß genau, ob es diesen Film überhaupt gibt: einer, der vor dem inneren Auge als letzter ablaufen soll und in rasanter Geschwindigkeit das nun zu Ende gehende Leben Revue und Wahrheit passieren lässt. Vielleicht dauert dieser Film auch viel länger

als gedacht, und man muss sein gesamtes Leben in genau der gedauerten Länge noch einmal sehen. Für manche wird es die schwerste Kost werden, für andere eine überwiegend leichtere. Lachen und Weinen und andere Gefühlsregungen könnten sich abwechseln,

denn wer erinnert sich überhaupt an seine Zeit als Baby? Wer erinnert sich an die ersten drei Lebensjahre und an mehr als nur unbewiesene Bruchstücke davon? Wird diese Lücke durch den letzten Film geschlossen werden?

Und wie sehen die einzelnen Lebens-Szenen aus: werden sie nach Belanglosigkeiten oder tollkühnen Abenteuern getrennt sortiert? Werden Fehler

vor den guten Taten thematisiert oder ist es umgekehrt? Zeigt der Film uns den schlimmsten Tag, den wir je erlebt haben, in Dauerschleife - oder übergeht er ihn gnädig und lässt ihn dem Schnitt zum Opfer fallen?

Kann man Szenen, die einem gefallen, auf Slow-Motion einstellen - und tollkühn andere einfach überspringen?

Werden wir noch einmal alle begangenen Dummheiten sehen? Und können wir dann wirklich darüber lachen? Werden wir die kleinen und großen "Heldentaten"

in einem besonderen Licht sehen?

Wäre ein letzter Film für andere ein Hit - oder eher ein totaler Flop - oder geht er andere Menschen rein gar nichts an? Würde man ihn einem anderen Menschen  zu Lebzeiten

überhaupt in dem ganzen Ausmaß je vor dem eigenen Tod erzählt haben?

Und wie fühlt man sich, diesen Film zwangsweise ansehen zu müssen? Ängstlich? Zufrieden? Gleichgültig? Erwartungsfroh?

Jeder ist der Regisseur seines eigenen Lebens, aber das fertige Werk zu sehen, könnte manchen überfordern.

Karfreitags-Gedanken. Es könnte sein. Es muss nicht sein. Schreibt eine Agnostikerin.

Ich wünsche euch einen schönen Karfreitag.


Guten Tag, Gruß Silvia