Mittwoch, 3. Juni 2026

2. Juni 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Kassel bei Elina



"Eine Reise durch Bulgarien - Vom Norden über das Schwarze Meer bis zum Südgebirge"
Vorspeise: Raki mit Bulgur / Shopska-Salat mit Pita / Katak mit Paprika
Hauptgang: Im Tontopf gebackenes Lamm mit Kartoffel-Sesam-Püree, dazu Brechbohnen
Nachtisch: Garash-Torte mit Orangen-Eis


Full House

oder auch Raum ist in der kleinsten Hütte, denn wir sind hier nicht in irgendeinem Kartenspiel, in dem eine besondere Kombination den Weg zum Sieg eröffnet,

sondern in einer Koch-Show, in der die Show einfach an erster Stelle, aber das Kochen auch nicht im Hintergrund steht.

Heute fehlt sowohl die Show als auch gutes Kochen. Übrig bleibt eine holprige Ausgabe der Sendereihe, und das liegt ganz sicher nicht daran,

dass Elina in einer kleinen Wohnung lebt. Damit kommt die Crew schon klar, denn mit Problemen an Arbeitsplätzen ist immer zu rechnen - und nur in Villen und riesigen Häusern zu drehen, ist schließlich auch keine wirkliche Herausforderung.

Richtig eng mit all den vielen Personen um sich herum wird es jedoch für Elina in der winzigen Küche sein, und das könnte ihr Nervenkostüm strapazieren. Vielleicht

wäre es mal eine nette Idee, ein Making of des "perfekten Dinners" zu drehen ... mich würde das sehr interessieren,


Elina

Die 43jährige Rumänin Elina ist Teamleiterin in einer Bäckerei.

Da fällt mir mein morgendlicher Gang zur persönlichen Lieblingsbäckerei ein: der Blick in die dortige Küche zeigt, dass sie noch winziger ist als die von Elina,

aber dort werden auch nur Brötchen geschmiert.

Erwartungsfroh sind die Gäste, denn sie freuen sich auf einen Einblick in die bulgarische Küche ... so viel Vorfreude ist leicht zu enttäuschen ...

Ich erwarte nichts, denn besonders interessiert bin ich nicht an der "bulgarischen Küche", und ob die heute authentisch ist oder nicht: keine Ahnung.

Bulgarien hatte ich nie als Urlaubsziel auf meinem Plan. Nicht mal im Entferntesten. Nicht mal als Ersatz für einen Ersatz.



Das Menü

Es macht Sinn, dass Elinas Schnibbelhilfe Diana sich nicht vor Kälte fürchtet und in voller Wintermontur auf den Balkon ausweicht,

um dort in einer Art heißem Topf Paprika zu backen ... jeweils drei passen in den Topf. In den Backofen hätten alle auf einmal reingepasst ...

Raki - ist in diesem Fall kein Schnaps, sondern es sind einfach Paprika: zusammengewürfelt ergibt es mit anderen Zutaten einen Salat, während die Paprikaschoten gefüllt werden. Kleckse von Joghurt und Brot vollenden den

1. Gang.

Das Fleisch ist in einem Tontopf gebacken und einladend sieht anders aus, aber vielleicht muss es genau so aussehen um in Bulgarien einen Blumentopf zu gewinnen. Dass ein Kartoffel-Püree

von Butter "lebt", fällt hier flach: sie packt Margarine rein. Das ist etwa so, als würde ein Juwelier einen Diamanten in eine Blechfassung schummeln ...

Die Nachtisch-Torte ist mächtig und soll einer Sacher-Torte ähnlich sein ... kann ich der reinen Ansicht nach leider nicht bestätigen. Zumindest ist viel Schokolade drin - und ich meine, Blockschoko zu sehen,

obwohl ... es gibt auch hochwertigeres dunkles Glück.



Fazit

Elina gibt sich Mühe, doch die allein reicht eben nicht.

Die Punkte: 8 gibt Kei, 7 Alex und je 6 geben Tim und Madeleine.

Es sammeln sich 27 Zähler, die nicht viel Platz brauchen, aber dem Menü mehr als gerecht werden.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Dienstag, 2. Juni 2026

1. Juni 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Kassel bei Tim



Vorspeise
: Maronensuppe mit rustikalem Baguette

Hauptspeise: Sikahirsch-Rücken mit Kürbispüree, Kräuterseitlingen und dunkler Jus
Nachspeise: Topfensoufflé mit Pflaumen-Rotwein-Kompott



Flashback!

Es gibt Familien-Geschichten, die bei jeder Feier und sonstiger Zusammenkunft immer wieder auf den Tisch kommen,

und zwar so lange, bis auch das "Opfer" darüber lachen kann.

Als 5jahrigen hat seine heute 63 Jahre alte Mutter Kornelia ihren heute 45jährigen Sohn zu Hause "vergessen", als sie sich auf den Weg zu einer Konfirmation gemacht hat.

Auch vor der voxschen Kamera wird dies erzählt, und inzwischen kann Tim drüber lachen - aber wie sah das wohl damals für den Fünfjährigen aus? Und ist seiner zu der Zeit noch sehr jungen Mutter nirgendwo auf dem Weg zur Feier oder spätestens während der Feier nicht aufgefallen, dass ihr Kind fehlte?

Vielleicht wurde Tim erst danach zu dem Jungen, den seine Mutter als ängstlich und schüchtern beschreibt?

Ein ganz anderer Flashback hat vermutlich den Regisseur erwischt, der das Geschlechtsteil des "Herkules" von Kassel verpixelt hat. Vielleicht hatte der Sender schon mal Ärger mit Nacktaufnahmen? Allerdings machen Statuen keinen Ärger, und schon gar nicht, wenn sie in aller Öffentlichkeit stehen. Vielleicht wollte er auch nur, dass jeder auf den Herkules nicht nur guckt, sondern sich auch an ihn erinnert ... Pixel können Bilder interessanter machen ...


Tim

ist Vertriebsleiter beim TÜV Hessen und lebt in einer rotierenden Elternschaft mit seinem 14jährigen Sohn Luke zusammen. Lukes Mama lebt ganz in der Nähe, so dass er sein schulisches und persönliches Umfeld nie vermissen muss.

Eine gute Lösung nach einer Scheidung, in die Luke sicher auch selber eingebunden war. Er macht einen sehr selbstbewussten Eindruck.

Tim hingegen sehe ich als nervös und ziemlich unter Strom stehend an. Es ist eben nicht einfach, vor Kameras zu kochen und sich obendrein einem Wettbewerb zu stellen.



Das Menü

Die Maronensuppe sieht gelungen und nicht - wie oft bei anderen Kandidaten - wie Brei aus. Das selbstgebackene Baguette erhöht hier ein wenig den Schwierigkeitsgrad des 1. Ganges.

Der Jäger selber bringt den Sika-Hirschrücken ins Haus - und erklärt, dass diese Hirschart vor über 100 Jahren eingewandert sei. Hoffentlich wird die Spezies nicht versehentlich irgendwann ausgerottet.

Das Kürbis-Kartoffel-Püree hätte lt. Elina mehr Kürbis beinhalten dürfen - während ihr die Soße zu süß ist.

Den anderen gefällt der Hauptgang.

Ich gehe mit Alex konform, der nicht gern Geschirr auf Geschirr stehen sieht: das wackelt hin und her und macht unschöne Geräusche,

allerdings sehen die Quark-Soufflés gelungen aus.



Fazit

Alex verleiht der Poesie Flügel: "... Vehikel für Geschmacksprofile ..." oder "Dessert geht niemals durch den Magen, sondern durchs Herz."

Ich kann einpacken mit meiner Sachlichkeit.

Die Punkte für Tim: je 8 geben Elina, Alex und Madeleine, 9 gibt Kei

(ja, sein Name schreibt sich genau so: er stammt aus Japan und kann unterschiedliche Bedeutungen haben: der Glückliche, der Geliebte, der Ehrliche oder auch der Reine - und ist sowohl männlich als auch weiblich). - Natürlich musste ich "Kei" googeln, denn ich war vorher davon ausgegangen, dass seine Eltern einfach nur die falsche Schreibweise gewählt haben.

Mit insgesamt 33 Punkten darf Tim sich nun - wie gewünscht - für den Rest der Woche zurücklehnen und alles auf sich zukommen lassen.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Samstag, 30. Mai 2026

30. Mai 2026 - Es war so schön ...


Es war so schön,

dass es manchmal schmerzt, daran zurückzudenken: nach einem langen Spaziergang mit Robin in einem Cafe zu sitzen, die Sonne auf sich strahlen zu lassen, als hätte sie heute nichts Besseres vor.
Es war so schön, ein Kind zu sein und sorglos penetrant reagieren zu dürfen, ohne zurechtgewiesen zu werden.
Es war so schön, im großen Garten meiner Familie Gänseblümchen zu pflücken, um zu lernen, wie man aus
ihnen eine Haar-Krone zaubert. Plötzlich war ich die Prinzessin von Dortmund-Schüren.
Es war so schön, mit meinem Onkel Franz, dem Bruder meines Vaters, in Dortmund-Aplerbeck über den Markt zu schlendern
und mit Kirschen geschmückt zu werden, die dann um meine Ohrmuscheln baumelten als seien sie kostbarer als Diamanten.
Es war so schön, mit den Füßen aufzustapfen, um damit lediglich zu beweisen, dass ich es konnte - und alle
Erwachsenen stramm standen. Vielleicht nur, um ihre Ruhe zu haben.
Es war allerdings am Schönsten, als ich erfahren habe, dass die Welt sich nicht nur um mich dreht,
auch, wenn man mich lange in diesem Glauben gelassen hat.
Aber die Kirschen und die Gänseblümchen-Krone vermisse ich trotzdem ... und Robin. Ihn vor allem.



Guten Tag, Gruß Silvia


30. Mai 2026 - Ich bin ein Tierschutz-Hund

Beispiel-Foto: mein Yorki Robin mit einem fremden Hund an dessen Gartentor




Ich bin ein Tierschutz-Hund

dem man hier im Heim der Gestrandeten den Namen "Bonbon" gegeben hat. Bonbon hört sich süß an, entspricht aber so gar nicht meinem Schicksal, sondern ist ziemlich kontrovers dazu.

Man hätte mich Wanderpokal nennen können, ohne dass ich das beanstandet hätte - und kluge Leute mit dem richtigen Handling und viel Herz dürften mich durchaus genau so rufen,

und ich würde ihnen nach einer Eingewöhnungszeit stolz folgen, als hieße ich King Charles. Da könnt ihr sicher sein!

In meinem früheren Leben war ich jedoch vor gar nichts sicher, denn den Begriff "Wanderpokal" dürft ihr ruhig wörtlich nehmen:

kaum ein Jahr alt bin ich bereits durch fünf Hände gegangen. Hände, in denen ich gelesen habe,

dass ich ihnen nicht genügt habe. Ich war zu laut,

unverstanden, zu verhaltens-auffällig, zu wenig kinderlieb, zu Wenig eben von Allem, was man sich vorstellen wollte. Schnell lästig geworden in jedem der 5  Fälle auf jeden Fall.

Mein letzter Besitzer hat mich glatt verhökern wollen

(dieser Aussage liegt eine wahre Geschichte zugrunde und ist nur ein wenig ausgeschmückt und geändert),

als wäre ich der Joker in dem Spiel, der am Ende feststellen muss, dass

er die ärmste Wurst auf der ganzen weiten Welt ist.

Eine Pokerrunde hat sich wöchentlich getroffen und um viel Geld gezockt, denn Geld

tröstet mehr als eine liebevoll anstupsende Hundenase oder die eigene Nase in das Fell eines Hundes zu halten.

Der 5. Kandidat mit einem Anspruch, mich zu besitzen, setzte anstelle einer Geldsumme mich als Gewinn ein:

Ergebnis? 

Alle wollten verlieren! Aber so funktionierte das nicht in diesem

Rat-Pack!

Und so wurde ich dem Besoffensten von allen einstimmig zugesprochen - in Schlangenlinien führte er mich in ein Zuhause, in das ich nicht wollte. Was

hatte ich verbrochen, um zum 6. Mal einen derartigen Tritt in den Hintern zu bekommen und psychisch am Boden rumzukriechen?

Langsam wurde ich wirklich nach und nach und verlässlich bissig ... jeder schräge Blick und jedes Wort triggerte mich.

Ich setzte mich zur Wehr und der Besoffene verlor die Leine aus der Hand, so dass ich flüchten konnte.

Tagelang irrte ich durch die Gegend, immer hungrig: getrunken habe ich aus Pfützen, was mich am Leben erhalten hat.

Denn trotz allem hing ich an meinem Leben. Seltsam? Nein, denn auch der Ärmste hängt an seinem kleinen Leben. Das ist ein Gesetz des Lebens!


Das Tierheim

ist sozusagen die 7. Hand und die 1., die mich hält, Hund sein lässt und mit mir gemeinsam an meinen Defiziten arbeitet, die ich

den Menschen verdanke.

Wenn die 8. Hand nicht die endlich richtige und liebevollste ist, dann weiß ich nicht weiter ...

Aber die Tierheim-Freunde und -Freundinnen werden klug darauf achten, dass 

ich endlich das Leben führen darf, das mir zusteht:

aber ich empfinde nicht mehr, dass die Hoffnung zuletzt stirbt,

sondern dass sie bereits gestorben ist.

Euer Bonbon oder treffender Euer Wanderpokal


Guten Tag, Gruß Silvia



29. Mai 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Karlsruhe bei Katja




„Schön, dass ihr da seid!“

Vorspeise: Lachstatar auf Pumpernickeltaler mit Zitronencreme und Gorgonzola-Birne auf einem Salatbett
Hauptgang: Camembert-Braten mit Champignons platziert an der Seite eines Kartoffelstampfs, nebst kandierten Möhrchen
Nachtisch: Cantuccini-Schichterei mit Erdbeeren, begleitet von einem Gâteau au chocolat auf einem Himbeerspiegel


Die Ungeschickten schimpfen immer aufs Werkzeug
- Aus Russland

Zumindest für Katjas drei Gäste ist diese Ungeschicklichkeit ab heute Geschichte, denn als Gastgebergeschenk finden sie noch vor dem Dinner

je ein perfektes Tagebuch an ihren Plätzen vor. "Für den eigenen inneren Werkzeugkoffer", erklärt die 58jährige Katja, die aus Duisburg stammt

und Heilpraktikerin für Psychotherapie ist.

Subjektiv gesehen ist Katjas Altbauwohnung für viele mit den meist alten Möbeln sicherlich wunderschön - meine Seele würde dort jedoch laut nach einem inneren Werkzeugkoffer rufen ... oder gleich in große Traurigkeit verfallen.

Aber Katja könnte schließlich meine Seele helfend unterstützen ... doch falls ich je einen Psychiater benötigen würde, so kommt für mich nur ein richtiger Mediziner oder eine richtige Medizinerin infrage. Es gibt Dinge, da macht man weder Kompromisse noch startet man Versuche, sondern verlässt sich lieber auf wirkliche Experten.

Da hat jedoch sicher jeder seine eigene Meinung, die ich niemandem nehmen möchte oder ihnen gar meine überstülpen will. Es gibt vielleicht sogar Menschen, die in Katjas Wohnung aufleben würden - ich allerdings nicht. Und ich beziehe mich

selten so ausführlich auf reine Äußerlichkeiten, aber diese wirkt ziemlich bedrückend und trostlos auf mich.

Mir fehlen die Leichtigkeit und meinetwegen sogar die Oberflächlichkeit, die hinter einer Schranke aus Katjas Wichtigkeit völlig verschwindet.

Anfangs geht es Katja gesundheitlich nicht sehr gut und sie umschreibt ihre Umstände mit: "Der Kreislauf muss noch ein bisschen nachrutschen."

Eine Antwort wie aus dem Lehrbuch für Heilpraktiker ...


Das Menü

Aktuell tobt über uns ein Gewitter - ein Desaster für meine Satelliten-Schüssel, die zeitweise streikt, als würde sie den letzten Abend dieser Woche gern ignorieren:

Lachs mit Birne - eine schräge Idee, die zu keiner Harmonie führt. Ein Psychiater würde sowohl zum Lachs als auch zur Birne sagen: Werdet getrennt glücklich.

Schweinenacken-Braten mit jeder Menge Champignons sollen den Gästen schmecken. An die Pilze rührt sie

die bekannte Thomy-Hollandaise.

Ich finde sogar, dass die im Gegensatz zu anderen Fertigprodukten gleicher Art schmeckt - aber hier geht es um ein möglichst perfektes Dinner. Da ist sie so fehl am Platze als würde man sich für die

Nachtruhe dick Lippenstift auftragen.

Ins Erdbeer-Schichtdessert kippt sie Zitrone aus der Flasche - obwohl es nicht mehr Mühe macht, frische Zitrone zu nehmen.



Fazit

Inzwischen habe ich auf der Vox-Seite viele Kommentare zu Katja gelesen - und ich hoffe, ich töne nicht versehentlich ins gleiche Horn,

weil mir ihre Wohnung so überhaupt nicht gefällt - und mir ihr Beruf als ein überflüssiger erscheint, den nur Profis beherrschen, die lange dafür studieren müssen. Die Psyche des Menschen ist nämlich eine hohe Herausforderung.

Es ist allerdings schwierig, jedem gerecht zu werden, denn man kennt niemanden der Kandidaten wirklich.

Liebevoll hat Freddy eine Kurz- und Knapp-Beschreibung für Katja: "Ein verrückter Vogel."

Die Punkte für Katja: 9 von Freddy, je 7 von Anna und Aron.

Mit 23 Zählern geht sie aus dieser Woche hinaus und wieder in ihre Welt.

Es teilen sich Anna und Freddy den Gewinn von 3.000 Euro.

Und wenn es Anna noch gut geht, lächelt sie heute wieder und morgen und übermorgen und an jedem Tag, an dem sie nicht gerade weint,

denn inzwischen habe ich auf ihrer Insta-Seite einige ihrer Tränen-Videos gesehen. Tränen, die wie aufgemalte Wachsperlchen aus der Filmbranche auf mich gewirkt haben ...


Guten Morgen, Gruß Silvia


Freitag, 29. Mai 2026

29. Mai 2026 - Die Kopflosen für Oma ...




Die Kopflosen für Oma


Oma

Das Beste auf der Welt sind Omas - in meinem Fall trifft das absolut zu. Sie hieß Josefine, und sie hat mir locker die fehlenden drei zur Zeit meiner Geburt bereits verstorbenen Großelternteile ersetzt. Oma

konnte so viel geben wie die Eltern, aber weglassen, was Eltern unter Erziehung verstehen. Meine Oma hat die Erziehung lediglich ein wenig gedehnt und

V e r ziehung daraus gemacht.

Immerhin hatte ich als Mädchen die beste Ausgangsposition, denn meine Oma war Mutter von drei Jungen, und dann endlich kam ein blondgelocktes Kind auf die Welt, das ihre Mütterlichkeit komplett gemacht hat.

Jung Witwe geworden, gab es vor meiner Geburt einen Mann, der sich für sie und sie sich für ihn interessiert hat - aber 

gerade auf die Welt gekommen, hatte ich meinen ersten Konkurrenten bereits geschlagen. Er hatte keine Chance ... und ich schwöre, dass ich selber zwar der Grund dafür war, aber keine Schuld daran getragen habe.

Ich war der Fixstern, um den sie sich bis zu ihrem Lebensende gedreht hat. - Viel Verantwortung für ein kleines Mädchen ... bis zur Arschloch-Egoistin ist der Grad schmal, vielleicht sogar der zur Egozentrikerin.

Doch es gab einen Grund, warum ich weder egoistisch noch egozentrisch geworden bin: das Leben, das meine Oma mir vorgelebt hat. 

Sie war bodenständig, bescheiden, gutmütig, menschenfreundlich, loyal, treu und vereinte viele weitere gute Eigenschaften in ihrer Person.

Natürlich habe ich nicht all ihre Eigenschaften 1 : 1 übernommen - denn einige negative Überraschungspakete hat auch jemand mit dem besten Vorbild in seinem Gepäck. Schließlich lebe und habe ich nie

ausschließlich in dieser Glückseligkeits-Blase des Verwöhntwerdens gelebt. 

Aus mir wurde ein Mensch mit Fehlern, Schwächen und Vorzügen.

Egoismus und Egozentrik gehören  n i c h t  zu meinen Schwächen.


Die Kopflosen für Oma

Oma kaufte mir - sobald ich lesen konnte - regelmäßig die "Bravo", die meine Eltern eher ablehnten - und die ich somit nicht heimlich vom Taschengeld hätte kaufen müssen.

Auch kulinarisch hatten Oma und ich keine Probleme: von Brötchen habe ich immer nur die obere Hälfte gegessen, so dass ich bei meinem üblichen Frühstückshunger von einem Brötchen zwei "bessere Hälften" hatte.

Sie meinte einfach, sie esse die untere sowieso lieber, um mich nicht unnötig zu stressen.

Zwar dachte ich später, dass sie einfach gelogen hatte, um mir etwas Gutes zu tun, aber:

seit ein paar Jahren esse auch ich wirklich lieber die unteren Hälften.

Sie führte mich ans Spargelessen: Was mich heute sehr erfreut, war für mich als Kind durchaus eine Herausforderung. Spargel hat nicht viel Eigengeschmack und ist faserig und wässrig. Anfangs habe ich dieses Gemüse nur ihretwegen mit gespitzem Kinder-Mäulchen gegessen ...

Doch schnell hatte ich raus, was mir bereits damals am Spargel schmeckte, und das sind die Köpfe. Ich glaube,

ich brauche nicht erwähnen, dass sich fortan von allen Stangen die Köpfe bekam,

während meine Oma die Kopflosen ganz für sich allein hatte.

Das Kulinarische ließe sich ebenso endlos weiterführen wie alles andere zwischen uns, aber für heute reichen Spargel und Brötchen. Und die "Skandal-Bravo".



Guten Tag, Gruß Silvia



28. Mai 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Karlsruhe bei Freddy



"Aller guten Dinge sind drei"

Vorspeise: Surf & Turf - Rind / Kalb / Garnele
Hauptgang: Aus Omas Küche - Falsches Filet / Spätzle / Knödel
Nachtisch: Süßes Dreierlei - Pistazie / Schoko / Vanille


Ideen haben Feuer oder Qualm
© Manfred Hinrich (1926 - 2015), Dr. phil.

Während es am Dienstag und Mittwoch nur ein bisschen gequalmt hat und die Zuschauer wohl keinen Run auf die bei Chefkoch hinterlegten Rezepte unternehmen werden,

hat heute - im Gegensatz zu gestern bei Anna - sogar der Herd jede Menge Feuer versprüht. Freddys Herd weiß eben, wofür er gebaut wurde - und zwar nicht nur zur Vervollständigung des Gesamtbildes einer Küche, sondern als Herzstück.

Freddy drückt es so aus: "Wenn in einer Küche alles vom Feinsten ist ... und keiner kann kochen ..."

Natürlich brauchen auch die Leute Küchen, die nicht gut kochen können - oder sich nur ums Heißmachen bemühen - aber

unnötig ist es, wenn sich Heißmacher in eine Kochshow drängen.

Aron kann immerhin einen Pizzateig auf die italienische Art in die Luft werfen, wieder auffangen - und bekommt dafür Applaus von seinen Mitstreitern.

Anna beherrscht ihren Thermo-Mix wie Richard Clayderman sein Klavier - doch vor allem glänzt sie mit einem

festgefrorenem Lächeln ... das durch die Dauernutzung irgendwie kalt wirkt.

Der 46jährige Freddy hingegen kennt sich mit Feuer gut aus: er ist staatlich anerkannter Pyrotechniker, der auch gern für Feste engagiert wird.

Beruflich arbeitet er als Feinwerkmechanikermeister.


Das Menü

Während Freddys Beruf aus vielen, vielen Buchstaben besteht - bleibt er in seinem Menü der Vielfalt treu. Niemand wird heute hungrig nach Hause gehen ...

Zur Vorspeise gibt es gleich zweimal Roastbeef - einmal perfekt gegart, einmal ein wenig drüber. Ein Vitello Tonnato samt Fruchtsalat plus Garnelen gibt dem Titel "Surf & Turf" seinen Sinn.

Ein Sauerbraten ist eigentlich ein einfaches Schmorgericht - doch unter Freddys Händen wird er perfekt: eigenhändig für 12 Tage eingelegt, die Beilagen selber hergestellt ...

obwohl Knödel u n d Spätzle gutgemeint, aber zu viel des Guten sind. Rotkohl anstatt Knödel o d e r Spätzle wäre eine bessere Wahl gewesen.

Das Pistazien-Eis im Dessert sieht farblich besser aus als das P-Eis, das Aron zubereitet hat. Katja meint dazu, dass ihr Arons besser gefallen hat, weil es leichter war als dieses.

Schokoküchlein mit flüssigem Kern ... Ist das wirklich noch immer nicht aus der Mode?



Fazit

Von einem eventuellen Gewinn würde Freddy (der eigentlich Frederic heißt) 10 Prozent an "Sternenkinder" spenden: "Die armen kranken Kinder", schluchzt er. Ob er über seine eigene Mildtätigkeit ein paar Tränchen vergießt oder

über die totgeborenen oder im frühen Säuglingsalter verstorbenen Kinder oder einfach über beides, kann ich natürlich nicht beurteilen. - Auf jeden Fall wäre es eine Spende für einen guten Zweck.

Und eventuell darf sich die Organisation bereits auf eine Zuwendung freuen - wenn auch in kleinerem Umfang,

denn mit 26 von 30 möglichen Zählern liegt er gleichauf mit Anna - und der mögliche Gewinn müsste geteilt werden.

Die Punkte: je 9 von Anna und Katja, 8 von Aron.

Leider leider hat der angenehme Freddy Anna nicht überholt ... sonst hätte ich mein Anna-Lächeln rausgeholt.


Guten Morgen, Gruß Silvia