Video vom heutigen Samstagmorgen: A 3, Höhe Kaiserberg
Reisefieber
In NRW war gestern der letzte Schultag vor den Sommerferien. Schon sind die Autobahnen verstopft, die Flughäfen kollabieren,
aber jeder möchte nur eines: So schnell wie möglich weg!
Halt! Eines muss im Vorfeld noch erledigt werden:
Der Hund muss ausgesetzt werden! Der stört im Urlaub!
Er musste zwar gechipt werden, aber vorausschauend hat man ihn nicht registrieren lassen. Oder man war vorsichtshalber mit ihm nie bei einem Tierarzt, so dass er überhaupt nicht gekennzeichnet ist.
Für den Fall eines schlechten Gewissens sind ein paar Beruhigungspillen in der Reiseapotheke. Aber die benötigt niemand.
An einer Raststätte setzt man ihn aus und hofft insgeheim, dass er zur Autobahn rennt und einen schnellen Tod unter quietschenden Autoreifen findet. Dass dabei auch Menschen gefährdet werden könnten, dringt nicht bis in ihr schlichtes Gemüt.
Aber dann erst mal durch den nächsten Stau, und schon ist der Ärger darüber größer als jeder Gedanke an den armen Hund.
Wie konnten auch alle Leute gleichzeitig auf die Idee kommen, sofort die Düse zu machen? Ziemlich dumm, diese Leute! Bis sie merken, dass sie selber zu den Dummen gehören.
Egal, in den Städten finden die Leute endlich wieder mühelos freie Parkplätze!
Nach stressigen Stunden mit quengelnden Kindern im Auto ist endlich der Zielort erreicht, und wer bis vor zwei Tagen noch keinen Urlaub benötigt hat,
der hat ihn jetzt aber bitter nötig.
Einen Tag später bereits werden erste Durchfall- oder Verstopfungskrankheiten registriert. Aber sie haben ja alles griffbereit in ihrer Reiseapotheke.
An Flughäfen verlieren Reisewillige in den Schlangen die Nerven. Dennoch ist das nichts gegen die Ankunft am Ziel-Hafen, denn dort gehen Koffer verloren.
Jetzt brauchen sie Valium und neue Unterwäsche.
Die Strände sind überfüllt, und manch einer bedauert, auf die Sommerferien angewiesen zu sein. Eltern wollen sich in der neu gegründeten Gruppe
Freedom for Holidays
zusammen tun und erwirken, ihre Kinder vorzeitig aus den Schulen nehmen zu dürfen, um so dem allgemeinen Rummel entgehen zu können.
Manche haben es sogar - ohne Erlaubnis - getan - ihnen droht nun ein Bußgeld. Schöner Mist, wenn man nach Hause kommt - und der Briefkasten enthält böse Nachrichten.
Kaum nach Hause zurück gekehrt, sehnen sich manche - nicht nach ihrem alten Hund, den kannten sie ja bereits, der langweilte sie - nach einem neuen Hund aus dem Tierheim.
Da bellt ihnen der ausgesetzte und in Lebensgefahr gebrachte Hund aus seinem Zwinger hoffnungsfroh entgegen, denn er wurde entgegen der Absicht ihrer Halter gerettet - und denkt nun:
Es war alles nur ein Versehen! Da sind sie ja wieder!

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