... eines jeden Menschen kennt Wege, die gerade und solche, die Umwege oder Sackgassen sind, und vielleicht ist für viele
der Weg durch ein Sackgasse gar nicht mal der verkehrte. Man geht auf und ab und kennt jeden Zentimeter des Weges. Manche lieben dieses ewig Vertraute - so dass sie sich nicht erlauben, abseits der Wege nachzuforschen, was es sonst noch alles gibt.
Aber auch die Wege aller anderen können erst einmal völlig unspektakulär sein - und trotzdem dem Leben eine völlig andere, neue Richtung geben. So, wie sich am Ende einer Sackgasse auch etwas Ungeplantes auftun kann.
An irgendeinem Tag, an dessen Datum ich mich nicht erinnere, habe ich einen wirklich nicht bemerkenswerten Abstecher ins Karstadt Kaufhaus gemacht -
und doch hat dieser Abstecher alles verändert. Nicht sofort, aber im Laufe der darauf folgenden Jahre.
Ohne diesen Abstecher würde ich vielleicht heute noch in Dortmund leben ... oder in Iserlohn oder sonstwo auf der Welt. Dies bleibt ewig im Dunkeln,
denn ohne diesen kleinen Umweg über ein Kaufhaus, mit dem mich persönlich nicht mehr verbindet,
als dass ich es bereits in Kindertagen gekannt habe,
wäre alles, alles anders verlaufen.
Auf allen Wegen wäre ich natürlich immer die Person geblieben, die ich bin. Aber dieser hat mein Leben trotzdem in eine ungeplante Bahn gelenkt. Doch vielleicht führen die meisten Wege sowieso ins Ungeplante.
Zum Beispiel wollte ich nie heiraten oder Kinder bekommen. Das Zweitere habe ich steuern können. Ich habe keine Kinder.
Das Erstere hat sich eher so ergeben, jedenfalls aus meiner Sicht. Und seinen Anfang hat es bei Karstadt in Dortmund genommen.
Aber wer jetzt denkt, dass ich meinen Mann an jenem Tag dort kennengelernt habe - der denkt vorschnell. Ihn habe ich erst einige Jahre später kennengelernt,
und trotzdem hängt es mit eben jenem Abstecher in ein Kaufhaus direkt zusammen.
Manche Weggabelungen, für die wir uns entscheiden, obwohl andere Wege möglich wären, können Veränderungen bewirken. Und es muss vordergründig gar kein besonderer Weg sein, der für die Zukunft alles ändert.
Es muss nicht einmal ein wirklicher, sondern kann auch ein symbolischer Weg sein!
Manchmal frage ich mich, ob ich heute vielleicht doch in Iserlohn wäre, wenn ich einen anderen Weg gewählt hätte. Und unverheiratet,
wie geplant.
Sicherlich bin ich nicht die beste aller Ehefrauen, denn ich bin für mein Leben gern allein. Und das so oft wie möglich. Ich empfinde keine Langeweile, wenn ich mit mir allein bin.
Doch meine damaligen Schritte hatten wohl anderes mit mir vor. Schicksal will ich das nicht nennen, denn ich hätte
unverheiratet geblieben sein können. Und: nach diesem einen einschneidenden Weg hat es natürlich noch viele, viele
mögliche Abbiegungen gegeben.
Wir Menschen sind eben die typischen Zufalls-Kandidaten.
Der Zufall beginnt bereits mit unserer Zeugung, wenn entschieden wird, welche Eizelle gerade reif ist und welches von etwa 200 bis 500 Millionen Spermien die Eizelle befruchten darf.
Guten Tag, Gruß Silvia



