Donnerstag, 17. September 2026

16. September 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch im Münsterland bei Johanna



"Ein Tag im Orient"
Vorspeise: Türkischer Morgen - Türkische Linsensuppe / Acili Ezme / Fladenbrot
Hauptgang: Mittag in Syrien - Tabakh Roho / syrischer Reis / Taboulé - Rind / Reis / Petersilie
Nachtisch: Shabiyat / Layali Lubnan - Teig / Pudding


Geh langsam, du kommst doch immer wieder nur zu dir selbst
- Spruch aus dem Orient

Ganz langsam und verbunden mit viel Arbeit fürs Dinner geht Johanna in ihr neues Lebensjahrzehnt: sie begrüßt ihre Gäste als 29jährige und wird am Ende von ihnen als 30jährige gefeiert. Die 30er Schwelle ist ein Meilenstein im Leben,

und die Teilnahme an dieser Sendereihe wird sie ebenfalls nie vergessen: dass es ihr nicht ums Gewinnen geht, sondern ums Dabeisein - nehme ich ihr ab. Den großen Gewinn hat sie bereits erlebt, und den kann kein noch so schönes Erlebnis toppen:

ein Jahr zuvor hat sie einen Schlaganfall überlebt.

Beruflich ist sie Polizeibeamtin und arbeitet nach ihrer Tätigkeit im Streifendienst nun als

Kontaktbeamtin für interkulturelle und religiöse Angelegenheiten (KIA, gibt es offenbar erst seit 2023).

Mit ihrer durchgehenden Freundlichkeit ist sie vermutlich geradezu prädestiniert für diese Tätigkeit. Ich kann mir zum Beispiel kaum vorstellen,

dass sie jemals ihr Lächeln verliert - oder zumindest nicht sehr schnell. An den letzten Tagen und heute kann man ihre Freude am Leben und auch am Miteinander mit den anderen Kandidaten deutlich erkennen. Dass die

heutige Bewertung des Dinners nicht ganz so berauschend ausfällt ... wird sie vermutlich gut verkraften. Sie weiß ohnehin, dass ihr Menü ein Wagnis ist, will jedoch etwas anderes servieren als das

ewig Bekannte dieser Sendereihe.


Das Menü

Es beginnt mit einer türkischen Vorspeise: Linsensuppe. Eher geht die als Brei durch, aber eine Suppe ist auch in der Türkei eine Suppe. Hervorragend schmeckt den Gästen die dazugehörige Gemüsepaste.

Weiter geht es mit einer syrischen Hauptspeise, einem Schmorgericht aus Tafelspitz. Vielleicht ist sie zu vorsichtig mit den entsprechenden Gewürzen, die dieses Gericht von einem ähnlichem deutschen unterscheiden? Das kann ich natürlich nicht beurteilen.

Zum Abschluss wagt sie sich an einen libanesischen Nachtisch: mit Pudding gefüllte Teigtaschen nach Baklava-Art und Schichtpudding aus Grieß- und Milch-Pudding.

"Krass süß", sagt jemand. Selbst Johanna schafft es nicht, die Nachspeise aufzuessen. Zu süß findet auch sie die!



Fazit

Und am Ende dieser Sendung hat sie den liebevoll von ihren Gästen begleiteten Sprung vom 29. ins 30. Lebensjahr geschafft. Ein paar Hütchen wie zu Silvester, eine Art Krönchen

für Johanna ... machen ihr offensichtlich Freude.

Aber ich ahne, was vielen Zuschauern wohl keine große Freude bereiten wird: je 7 Punkte geben Vicky, Axel, Bastian und Christina,

so dass Johanna am 3. Tag mit 28 Zählern auf dem vorläufig letzten Platz landet.

Johannas Motivation, an dieser Sendereihe teilzunehmen, war ihr Gang heraus aus der Komfortzone und vor allem das Erlebnis an und für sich. Das wird auch durch dieses Ergebnis nicht geschmälert.

Sie hat sich ein etwas anderes Menü zugetraut, und dass es nicht ganz den Anklang gefunden hat, wie sie vielleicht gehofft hat - wird sie hoffentlich weniger krumm nehmen als mancher Zuschauer.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Mittwoch, 16. September 2026

15. September 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag im Münsterland bei Vicky



"Bella Italia bi us"
Vorspeise: Bruschette³ - Tomate / Zwiebel & Ziege / Schinken & Basilikum
Hauptgang: Ravioli / Spinat / Parmesan
Nachtisch: Sahne / Himbeeren / weiße Schokolade


Gerechtigkeit ist eine Illusion

Bevor Christina vielleicht die ganze Welt rettet, möchte sie zunächst die Regeln des "perfekten Dinners" ändern. Kurz gesagt, würde sie die Bewertungen am Ende der

Woche allen Kocherlebnissen anpassen: der eine hat vielleicht zu wenig, der andere zu viele Punkte bekommen. Daher wünscht sie sich von jedem Kandidaten am letzten Tag eine Reflektion.

Somit kann man die eigenen Meinungen der vorherigen Tage in den Wind schießen, um sich eine neue zurechtzuzimmern. Und da

Gerechtigkeit nur eine Illusion ist, könnten Absprachen das Resultat verändern - und Sympathie- oder Antipathie-Werte.

Allerdings ist das Format gut so wie es ist: jeder Kandidat muss sich am Ende eines jeden Abends ein Urteil bilden. Und dafür gibt es nun mal keine Berufung für einen anderen Ausgang der Geschichte.



Vicky

hat erst eine Woche vor dieser Veranstaltung ihren 30. Geburtstag gefeiert. Mit 180 Gästen! Wie gemütlich kann diese Feier sein?

Persönlich würde ich mich vor solch einer Einladung drücken, aber ich bin ja auch in keinem Schützenverein wie Vicky - Schützenkönigin wie sie war ich auch noch nie, und überhaupt fühle ich mich von Vereinen insgesamt gar nicht angesprochen. Und ein Geburtstag in dieser Dimension ... turnt mich ab. Gut, es war ihr runder Geburtstag. Und natürlich kann sie feiern wie sie will, und mich geht das gar nichts an.

Bastian erklärt "Vicky ist laut, aber nicht störend laut."

Und wie ist ihr Menü? - Leise, sehr leise!

Christina hat allerdings hohe Erwartungen an die Woche, die sie auch heute bereits erfüllt sieht - noch bevor sie überhaupt die Speisekarte zu Gesicht bekommt.


Das Menü

Mehr oder weniger regelmäßig lernen Vicky und ihre Schwester Sophia durch ihre Mutter, wie man im Münsterland kocht ... z. B. gab es bereits Kohlrouladen.

Vielleicht wären die heute sogar die bessere Wahl gewesen, z. B. als kleine Vorspeise in appetitlichen Häppchen plus einer Beilage -

aber es gibt je drei belegte Brote, die selbst mit ihrem italienischen Namen eigentlich nicht punkten dürften. Zumindest backt sie das Brot selber,

und damit überzeugt sie Bastian, der sich nicht vorstellen kann, jemals Brot zu backen. S o schwierig ist das nun auch nicht.

Je vier mit Spinat und Ricotta gefüllte Ravioli bekommt jeder Gast zur Hauptspeise. Ein bisschen Parmesan-Soße und obendrüber etwas Rucola-Gestrüpp. Nicht jeder wird satt, aber es gibt

kaltgewordenen Nachschlag.

Panna Cotta mit ein paar Früchten als Beilage: nur nicht zu viel, das könnte überladen wirken, denkt Vicky vielleicht über ihren Nachtisch - und verzichtet auf die bereitgelegten Erdbeeren. Man soll schließlich nicht übertreiben!


Fazit

Eine Wiederholung kann ich nicht lassen: diese Sendereihe sollte um mindestens 15 Minuten gekürzt werden! Es hat zum Beispiel

heute wenig Sinn gemacht, ihr beim "Kochen" zuzusehen. Dagegen ist das Lesen in einem Kochbuch geradezu inspirierend und zeitvertreibend. Alternativ kann man auch Löcher in die Luft starren, das entspannt so schön.

Die Punkte: 9 gib Christina, je 8 Johanna und Bastian, 7 Axel.

Insgesamt ergibt das die Summe von 32 Zählern. Somit kommen beinahe mehr Punkte als Menü-Bestandteile zustande. Es könnte ein Abend sein, nach dem die Gäste noch an der

nächsten Pommes Bude einen Halt einlegen.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Dienstag, 15. September 2026

14. September 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag im Münsterland bei Axel

Foto: S. B./Münsterländer Bier


"Münsterland-Italien-Fusion"
Vorspeise: Münsterländische Bruschette - Auberginen-Carpaccio auf Klosterbrot mit Mozzarella, Kräuterpesto und Cranberrys
Hauptgang: Münsterländer Colorato - Rinderfilet mit Rotwein-Schalotten-Sauce, grünem Spargel und Rote-Bete-Parmesan-Stampf
Nachtisch: Münsterländer Classicos - Herrencreme mit Rum und Schokosplittern, Bomba-Allo-Joghurt


"Ich koche mit dem Kopf in den Wolken"
- Axel über Axel

Da formuliert Axel einen schönen Satz über sich selber und man denkt, bald spüren die Zungen der Gäste, wie Wolken schmecken ... Oder ein bisschen wie Engels-Pipi in magischer Art? Als Poesie aus den Kochtöpfen direkt auf den Tisch?

Was ich sehe, ist ein bodenständiges Menü - und in die Wolken schießen am Ende nur die Bewertungen der Kontrahenten.

Der 47jährige Axel ist IT-Betrater, und in seinem Haus lebt er mit seiner Freundin und seinem Vater. Ob seine 17jährige Tochter Kim ebenfalls dort lebt, erfahre ich nicht,

aber er unternimmt sehr viel mit seiner Tochter. Geht auf Reisen nach New York und Disney World in Florida oder nach Ägypten.

Und natürlich darf Kim heute bei den Vorbereitungen zum Dinner helfen, obwohl der Vater hofft, dass beim Schälen der Kartoffeln noch etwas von den Knollen übrigbleibt. Nicht für jede ist die Küche der liebste Tummelplatz ...


Das Menü

Bereits im Aperitif legt er die flüssige Begleitung des Abends fest: Bier! Immerhin gibt es im Münsterland eine Vielzahl von Brauereien. Zu

Axels Glück freuen sich die Gäste über neue oder ihnen bereits bekannte Biersorten.

Für die Vorspeise zaubert er ein Sauerteigbrot, das mit dem Titel "Klosterbrot" geadelt wird. Das Brot sieht wirklich gelungen aus. Belegt mit Auberginen-"Carpaccio" und Mozzarella ist es trotzdem insgesamt kein Hexenwerk aus einer Wolkenfabrik.

Das Rinderfilet schickt er zum Schwimmen ins Sous-vide-Becken. Grünen Spargel und Kartoffel-Rote Bete-Stampf sind die Beilagen.

Vielleicht erinnert Axel die bekannte Münsterländer "Herrencreme" an Wolken ... ich weiß es nicht. Beliebt ist sie in dieser Region allemal.


Fazit

Ein Blick im Vorabinterview zwischen Vicky und Johanna reicht, um einander sympathisch zu finden. Ich glaube, es ist Vicky, die kurz nach dem Kennenlernen bereits verkündet, dass sie

alle anderen einmal wiedersehen möchte. Diese Turbo-Verbrüderungen sind wir Zuschauer gewöhnt.

Was ich sehe, ist die Freude aller, an dieser Sendereihe teilnehmen zu dürfen: da wird der eine oder die andere vielleicht leicht(sinnig) etwas überschwänglich ... für Weiteres fehlt mir noch mehr als nur ein bisschen Durchblick.

Die Punkte für Axel: 10 gibt Johanna, je 9 Vicky, Bastian und Christina.

Eigentlich könnten die anderen bereits das Handtuch werfen ... bei dieser Vorlage von 37 Zählern. Aber sie haben natürlich noch keine Ahnung von der tatsächlichen Höhe der heutigen Bewertung.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Samstag, 12. September 2026

12. September 2026 - Der umgeschulte Künstlich Intelligente - Neuveröffentlichung aus 2019



KI 4711 - der Umgeschulte

KI 4711 heißt auf eigenen Wunsch nach dem Duft von Köln, wenn dieser auch ziemlich altmodisch ist, aber so findet etwas absolut Neues zu einem veralteten Produkt: KI ist ein Roboter, KI bedeutet "künstliche Intelligenz".

KI 4711 hat bereits ein paar Jahre auf dem Gehäuse, und hier und da mussten Drähte neu verlegt werden und Module zur Reparatur - aber er fühlt sich topfit, um seinen Dienst als Assistenzarzt mit der Option auf einen schnellen Chefarztposten in einer Klinik zu verrichten. Natürlich ist ihm klar, dass er nicht von allen Kollegen gleichermaßen freundlich begrüßt wird - manche fürchten ihn nicht zu unrecht als immense Konkurrenz. Schließlich ist er kein Einzelexemplar seiner Rasse, denn

es gibt viele seiner Art, die dringend benötigte Lücken schließen sollen - und am Ende fehlen jene Lücken, um Menschen Arbeit zu geben.

Doch KI 4711 gibt sich erst einmal freundlich und eine Runde Sekt aus, obwohl er selber nicht trinkt. Sein Hersteller hat bei der Programmierung nicht vergessen, eine gewisse Liebenswürdigkeit einzubauen, die aber eher in Verbindung mit den bekannten Vorlieben von Kollegen steht, mit denen man sich gut stellen möchte. Die Freundlichkeit kann KI 4711 derart automatisch abrufen, dass es ihm ins Metall übergegangen ist und nicht viel Strom verbraucht.

Zudem ist er der geborene Diplomat, spielt sich niemals in den Vordergrund (dort steht er schließlich irgendwann sowieso) und macht auch dann nicht schlapp, wenn alle anderen vor Müdigkeit aus den Latschen kippen. In diesen Fällen übernimmt KI 4711 gerne deren Aufgaben.

Weder hat KI 4711 Hunger noch Durst oder sonstige Bedürfnisse, die ohnehin nur vom Wesentlichen ablenken würden.

Doch ... manchmal ... geht alles schief:

Die Klinikleitung setzt den neuen "Kollegen" in der Notfall-Ambulanz ein, denn so gewinnt sie schnell einen Überblick darüber, ob ihm manche Gebiete der Medizin mehr und andere weniger liegen oder ob es für diesen KI egal ist, mit welcher Krankheit er konfrontiert wird.

Nach zwei Wochen liegen die Nerven der Klinikleitung und der menschlichen Kollegen von KI 4711 blank:

Der Roboter kümmert sich rührend um alle Patienten, soviel ist sicher. Aber er macht das auf eine Art, die man nicht erwartet hat:

Mit salbungsgeschwängerten Worten beruhigt er die Patienten, die er eigentlich behandeln, aber nicht volllabern sollte, und hier und da redet er auch mal einen ins unerwartete Koma. Ausgekicktes Bewusstsein vor lauter Patienten-Verzweiflung!

Sein Standardtrost ist:

"Sie schaffen das! Alles wird gut! Das Leben geht auch nach einer Krankheit weiter! Manchmal sogar mit ihr! Wir lösen für Sie jeden Konflikt, den sie mit Ihrem Körper haben! Nur Mut, Sie können sich uns anvertrauen ..."

Manch ein Patient verliert beinahe den Kampf um sein Leben, während KI 4711 noch immer auf ihn einredet, als könnten Worte heilen.

Die Klinikleitung ist nicht nur genervt, sondern ratlos. Was ist mit dieser Künstlichen Intelligenz los, warum verfolgt der Roboter nicht die Ziele, die ihm programmiert worden sind?

Die Verwaltungschefin ist letztendlich so clever und guckt erstmals in die Personalakte von KI 4711. Das hatte sie zuvor nicht für nötig gehalten, weil solch ein Roboter keine menschliche Schwächen haben dürfte, und sie vollends auf sein funktionierendes System gebaut hatte.

Ein Ergebnis

bekommt sie schnell. KI 4711 war nicht ursprünglich auf "Arzt/Medizin" programmiert, sondern hat eine Umschulung hinter sich. In der muss einiges schief gelaufen sein, oder ist es einfach so, dass, wer

einmal Politiker ist, und sei er auch ein Roboter,

dies nicht sein lassen kann?

Jahrelang hat KI 4711 als Ausreden-Berater in der Politik verbracht - und seinem Programmierer ist es nicht gelungen, diese Erfahrungen zugunsten eines anderen Tätigkeitsfeldes zu löschen.

Somit wird KI 4711 von der Klinik verbannt und in die Politik zurückgeschubst: Er kann eben besser reden als handeln -

und das ist in einem Krankenhaus nun mal nicht sehr gefragt, während es in der Politik an allererster Stelle steht.


Guten Tag, Gruß Silvia



11. September 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Zürich bei Elena



"Honig & Zimt - Eine kulinarische Reise durch die Seele Griechenlands"
Vorspeise: Fein verborgen - Feta Saganaki mit Honig, dazu geröstete Feigen, Pitabrot und Skordalia
Hauptgang: Fruchtig-würzig eingebettet - Smirneika-Souzoukakia-Röllchen mit Petersilienreis und Zitronenjoghurt
Nachtisch: Süß aufgespießt - Loukoumades-Bällchen mit Honig und Zimt, Griechischer-Joghurt-Eis


Sechs Menschen an einem Tisch

Neben vier Gästen und der Gastgeberin Elena sitzt unsichtbar, aber mental anwesend, Elenas griechische Mama Maritsa am schweizerischen Esstisch. Sie steht gefühlt auch hinter ihrer Tochter in der Küche und guckt ihr beim Kochen über die Schulter. Denn von ihr hat Elena alles übers Kochen gelernt.

Maritsa

stammt aus Smyrna, das schon lange Izmir heißt. Bis 1922 war Smyrna hauptsächlich von Griechen bewohnt, die überwiegend christlich oder armenisch waren. Daher nannten die Türken diese Stadt "Gavur Izmir" (ungläubiges Smyrna).

Elenas Mama und ihr Vater waren Griechen. Ihr Vater bleibt ansonsten unerwähnt, und auch Elenas

Tochter Melina schwärmt nur von ihrer Oma

"Oma ist immer dabei: im Herzen, im Kopf und in der Atmosphäre."

Und Elena ergänzt an anderer Stelle: "Ohne Ouzo ging gar nichts bei meiner Mutter." Daher steht der Schnaps auch als Aperitif zur Wahl - neben Champagner.

Auf dem schön eingedeckten Tisch steht - natürlich - ein Foto von Maritsa, denn Elenas Menü ist ihr allein gewidmet.

Vox - immer auf der Spur des Zuschauer-Kurzzeitgedächtnisses: ich zumindest habe es, denn noch bevor das Wochenende vorbei ist, habe ich die Schweizer Runde auch schon wieder vergessen.

Und am Ende dieser Woche soll ja vor allem

das Kochergebnis überzeugen und nicht eine liebevolle, etwas überstrapazierte Erinnerung.


Das Menü

siehe oben zur Vorspeise: Skordalia ist ein Knoblauch-Dip.

Generell, sagt Elena, zeichnet sich die griechische Küche mit dem Verwenden von Zimt aus. Den fügt sie hier zu, den fügt sie dort zu. Ich verliere die Lust an

diesem Menü.

Denn der Hauptgang besteht aus Hackfleisch in Tomatensoße mit Petersilien-Reis. Das kann sicherlich gut schmecken, ist aber eben nur Hackfleisch in Tomatensoße. Alltagsküche ... ob griechisch oder türkisch, Alltagsküche. - Zimtlastig, bemängelt Patrizia - und ich denke, das stimmt.

Ein Hauch von Zimt ist gut (selber schon an Hackfleisch getestet), eine Überdosis passt nicht. Wie es mit allen Arten von Überdosen ist.


Fazit

Und ... endlich ... ist das Ende der Sendung gekommen: Elena streckt ihre Arme weit über sich in Richtung Himmel

und grüßt ihre Mutter: "Danke, Mama".

Das alles ist verständlich, und vielleicht auch der tiefe Sinn dieser Sendung, der darauf ausgerichtet ist, dass Menschen sich öffnen. Jeder hat eine Mama, und die meisten werden geliebt, aber nicht jeder trägt

die Beziehung ins TV. Und viele Teilnehmer haben ihre Mütter bereits verloren, wenn sie vor TV-Publikum kochen.

Die Punkte für Mama Maritsa sind so freundlich wie eben Bewertungen für geliebte Mamas sind:

je 9 geben Riccardo und Michelle, 8 gibt Kilian, 7 Patrizia = 33 Zähler.


Es gewinnt Michelle.

Mir bleibt, allen Lesern ein schönes Wochenende zu wünschen. Wir erwarten hier wechselhaftes Wetter, drei Sonnenstunden und maximal 21 Grad.


Guten Morgen, Gruß Silvia





Freitag, 11. September 2026

11. September 2026 - Nine Eleven



Trauer ist der Phantomschmerz des Herzens
- Helga Schäferling (*1957)


Der 11. Tag im September 2001

Es war ein angenehmer sonniger Tag, und ich war auf Zeeland in Holland. Es war ein Dienstag, und während ich mich dort den faulen Zeiten widmen konnte, war mein Mann am Sonntag zuvor abgereist, weil er arbeiten musste. Er kam erst am darauffolgenden Freitagabend zurück. Zum Glück hatten wir schon lange Zeit unsere Handys, so dass man nicht erst umständlich von irgendwo telefonieren und sich nicht noch an Telefonzellen anstellen musste, um sich über das, was an diesem Tag passierte, austauschen zu müssen.

Denn ab der Mitte des Tages war ein Austausch dringend nötig.

Ich war am Strand spazieren gegangen, und im Anschluss daran schaltete ich in meinem Urlaubs-Domizil den Fernseher an, um Nachrichten zu gucken. Ich weiß noch genau, was ich dachte, denn mir war ein wenig langweilig: hoffentlich ist irgendetwas Interessantes passiert, das ich dann am Abend in vielleicht einer Sondersendung verfolgen könnte.

Wohlgemerkt dachte ich an etwas harmlos Amüsantes, das dennoch interessant genug war, darüber mehr zu erfahren. Es war auch nur ein kleiner Gedanke, den ich nicht weiter wichtig nahm.

Ich hatte ein paar Kontakte zu anderen Urlaubern, und manchmal traf man sich auf einen Drink im nächsten Pub.


Doch plötzlich stand

die Welt still.


In den Nachrichten wurde ein Flugzeug gezeigt, das in einen der Twin-Towers flog. Auf meinem Bildschirm sah es aus wie eine kleine Hobby-Flieger-Maschine - und wie ein Unfall. Die Nachrichten endeten, und irgendeine nachfolgende Sendung fing an ...

ich wollte gerade den Fernseher ausschalten, als die laufende Sendung zugunsten weiterer Nachrichten unterbrochen wurde.

Und dann rissen die Nachrichten überhaupt nicht mehr ab, denn es waren zwei Passagiermaschinen, die inmitten der Twin-Towers zum Absturz gebracht wurden. Schnell war klar: es handelte sich um einen terroristischen Anschlag. Dann wurde noch eines deutlich:

vier gleichzeitig entführte Maschinen mit Selbstmord-Attentätern an Bord drangen in das Herz der freien westlichen Welt ein:

American-Airlines-Flug 11: Terror auf den Nordturm des World-Trade-Centers, 8.46 Uhr (Ortszeit NY).

United Airline Flug 175 zerstörte in Terror-Absicht den Südturm der Twin-Towers, 9.03 Uhr.

American-Airlines-Flug 77: Terrorflug ins Pentagon, Washington D.C., 9.37 Uhr.

United-Airline-Flug 93: Verfehlte nach Kämpfen der Passagiere gegen die entführenden Terroristen als einziges Flugzeug sein anvisiertes Ziel, Absturz in Shanksville, Pennsylvania, 10.03 Uhr.

Der terroristische Massenmord forderte 2.996 Menschenleben aus 92 Ländern. Unter den Opfern waren elf deutsche Bundesbürger und zwei Schweizer.


Der Tag, an dem auch die Unschuld starb

Meine damaligen Gefühle sind nur schwer in Worte zu fassen, vielleicht überwog der Schock, dass ein solcher terroristischer Anschlag und Albtraum überhaupt möglich war. Ich habe mich kaum noch vom Fernseher wegbewegt, und fühlte mich zwischendurch furchtbar elend, dass ich dort auf Zeeland in Sicherheit war. Aber was ist Sicherheit? Sie für diesen 11. September bewerten kann ich auch nur im Nachhinein ... 

In den USA an verschiedenen Orten, die dann vom Terror heimgesucht worden, gingen die Menschen morgens zur Arbeit. Manche schleppten sich vielleicht dorthin, obwohl sie krank waren ... dann sah man,

was kranke und verblendete Gehirne verursachen können:

Menschen stürzten aus den brennenden Twin-Towers. Sie wollten lieber sofort sterben als elendig im Gebäude zu verbrennen oder von den Trümmern erschlagen zu werden.

Irgendwann fielen die beiden Gebäude in sich zusammen.

Ich hatte das Gefühl, die Staubwolke wehte bis an den Ort hinüber, an dem ich mich befand ... ich konnte sie spüren ... sie roch unangenehm ...

Schnell war klar, wer verantwortlich für diesen Terror ganz neuen Ausmaßes war: Al Qaida. Ein Name prägte sich ab diesem Tag besonders ein: Osama bin Laden.

Unmittelbar nach den Anschlägen rief Präsident Bush den "War on Terror" aus.

Am 7. Oktober 2001 begann mit "Enduring Freedom" der Krieg gegen Afghanistan. Das Ziel war, die dort seit 1996 herrschende Taliban-Regierung zu stürzen und Al Qaida zu bekämpfen.

Eine US-Spezial-Einheit liquidierte am 2. Mai 2011 Osama bin Laden (Operation Neptune Spear).


Die Welt bleibt unsicher

für uns alle.

Heute denke ich besonders an die vielen sinnlosen Todesopfer des 11. Septembers 2001.

Und zudem an die unzähligen Opfer, die bis heute unter posttraumatischen Belastungs-Störungen leiden. Aber es gibt auch Opfer, die später an Krebs-Erkrankungen durch die Auswirkungen der herabfallenden Trümmer und dem Staub starben.


Krieg, historischer Rückwärtsgang!
- Manfred Hinrich (1926 - 2015)

Der Krieg ernährt den Krieg.
- Friedrich von Schiller (1759 - 1805)


Guten Tag, Gruß Silvia




10. September 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Zürich bei Kilian



"Chrüsi Müsi - von der EU nach Amerika zurück in die Schweiz"

Vorspeise: Französische Rohkost - dekadent mit Toast
Hauptgang: Deutsche Schweineküche - kombiniert mit Reis und Gemüse
Nachtisch: Über Amerika zurück in die Schweiz - Blueberry Cheesecake / Schoki-Mousse


Herzlich willkommen
wäre übertrieben - Spruch auf Kilians Fußmatte

Eingeladen hat Kilian das TV-Team dieser Sendereihe, die er schon seit Anbeginn guckt - in Kauf nehmen muss er zusätzlich vier Mitstreiter. Und wie es bestimmt auch hier so ist, ist einem nicht jeder gleichermaßen sympathisch. Das ist völlig normal, aber eintreten dürfen alle, denn für Kilian erfüllt sich der Traum, beim "perfekten Dinner" mitzuwirken. Das ist Euphorie genug ...

wenn er die auch nur sehr verhalten rüber bringen kann. Er hat die Ruhe verinnerlicht, und vermutlich gibt er sie für nichts auf der Welt ab. Auch die sprichwörtliche Langsamkeit der Schweizer kommt zum Vorschein, und das

auf eine sehr positive Art. Die heutige Sendung ist nicht langweilig, obwohl die Kochergebnisse eher bescheiden sind - und auch sonst nicht viel passiert. Kilian steht vor den Kameras und bleibt augenscheinlich er selbst, weil es eigentlich auch sonst kaum jemand nötig hat, irgendeine Rolle zu spielen.

Der 31jährige Kilian lebt seit 4 Jahren mit seinem Freund Kai zusammen. Als Pflegefachmann arbeitet er in einem Hospital in der Kinderpsychiatrie. Dazu braucht man kein aufgedrehtes Wesen, sondern muss Ruhe und Sicherheit vermitteln.

Einen Ausgleich findet er im von ihm geliebten Trash-TV: da soll es oft heftig zur Sache gehen, und hier und da lässt sich sicher auch die eine oder andere Persönlichkeitsstörung vorm TV diagnostizieren.

Wie gut, dass "das perfekte Dinner" n i c h t dem Trash-TV zugeordnet werden kann.


Das Menü

Hätte Kilian am Montag gekocht, wäre er vermutlich zuversichtlicher gewesen, was seine Kochkünste anbelangt. Nun ist ihm klar,

dass die Vorlagen der anderen seine in den Schatten stellen werden.

Positiv ist sein selbstgebackenes Toastbrot hervorzuheben: das sieht wirklich gelungen aus.

Auch der Blaubeer-Käsekuchen und die Toblerone-Schoko-Mousse machen einen guten Eindruck - und begeistern seine Gäste.

Vielleicht sind sie froh um jeden Bestandteil, der das Voting-Level nach oben treibt. Niemand möchte diesen sympathischen Mann verletzen ...


Essen im Schichtbetrieb

... ist eine völlig neue Szene beim Dinner. Und das heißt, dass zuerst zwei Gäste ihren Hauptgang bekommen - und während die

anderen beiden ihnen beim Kauen auf den Mund gucken, müssen sie noch warten.

Eine eher unangenehme Situation, doch sogar die laute Patrizia zeigt Verständnis.

In einer vollgestellten Küche ist es eben schwierig, fünf Teller möglichst zeitgleich zu füllen, ohne dass sie von der Arbeitsplatte purzeln.


Fazit

Kilian erkennt es selber: "Ich bin froh, dass es trotz Planlosigkeit gut lief."

Dabei hatte er ursprünglich sogar den einen oder anderen Plan, der vor allem auf die Erfahrung seines Papas basierte ... geholfen hat eher sein sympathisches Naturell.

Die Punkte: 7 gibt Riccardo, je 8 Michelle und Elena, 9 Patrizia.

Die meisten der 32 Zähler klingen irgendwie nach Gastgeschenk ...


Guten Morgen, Gruß Silvia