Mittwoch, 14. Oktober 2026

13. Oktober 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Dresden bei Patrick




Vorspeise: Pizza Bianca - Spargel / Guanciale / Ei

Hauptgang: Short Ribs - Rotweinsauce / Kartoffel-Sellerie-Püree / glasierte Möhren
Nachtisch: Tiramisu - Nüsse / Karamell / Beeren


Für Klaus - Ruhe in Frieden

Es hat mitten ins Herz getroffen, als ich heute die Nachricht erhalten habe, dass Klaus Koch am gestrigen Abend verstorben ist. Ich wusste, dass er krank war, weil wir fast täglich einmal schriftlichen Kontakt gehabt haben. Aber wie selbstverständlich war ich davon ausgegangen, dass er wieder gesund wird ...

Klaus mochte die Sendung "Das perfekte Dinner" sehr - und hat täglich seine Meinung dazu in einem Kommentar auf meiner Facebook-Seite geschrieben. Oft hat er Dinner-Kandidaten besonders in sein Herz geschlossen - und stets launig die Kochleistungen kommentiert.

Er wird fehlen.

Eigentlich ist eine "Dinner"-Welt ohne Klaus für mich undenkbar, ich kannte ihn (online) seit vielen, vielen Jahren.



Patrick

heißt der heutige Kandidat, der sich dampfplaudernd in einer gleichbleibenden, langweiligen Tonlage, ohne viel berichten zu können, durch die Sendung schlängelt, während ich mir sage:

Nur nicht auf die Uhr schauen, sonst vergeht die Zeit überhaupt nicht! Denn beim Hinsehen schleichen sogar die Sekundenzeiger.

Der 30jährige Ingenieur Patrick ist seit einem Jahr verheiratet mit Johanna, die auf einen Kuss vorbeikommt und schnell wieder abrauscht. Beider

Australian Shepherd "Moule" ist ein Jahr alt, wunderschön mit blauen Augen ... aber er ist auch ein anspruchsvoller Hütehund, der eigentlich eine sinnvolle Lebensaufgabe braucht.


Das Menü

Über die Ansprüche, die Patrick an sein Dinner hat, entscheidet er natürlich selber - und so verfügt er, dass gekaufte Fonds fast genau so gut sind wie selbst hergestellte - wenn man entsprechend gute kauft und keine gekörnte Brühe benutzt. Die Leute neigen dazu, sich selber Dinge zu genehmigen ... die sie dann großzügig auch anderen erlauben würden. Vielleicht!

Trotzdem ist "das perfekte Dinner" ein Wettkampf, und eine Brühe zu köcheln ist kein Hexenwerk und macht eine Soße rund.

Die Vorspeise ist üppig und sättigend: zwar ist es nur je Gast eine kleine Pizza, aber eine mit Sahnesoße. Und Spargel und Schinken.

Gut durchgegarte Rindfleisch-Rippchen zerquetschen das darunterliegende Püree aus Kartoffeln und Sellerie fast vollständig. "Für die Frische" reicht er Möhren ... die liegen wie müde gewordene Buckingham-Palast-Wachablösungen schlaff am Tellerrand. Frisch?

Fürs Tiramisu backt er einen Biskuit-Teig - ich gehe hier mit Linda konform, die lieber Löffel-Biskuits für diese traditionelle Nachspeise hätte. Patricks Tiramisu ist ... eher ein Kuchen.


Fazit

Linda und Susu trinken ihr Bier gern direkt aus der Flasche. Mir ist das völlig egal, denn Zeiten ändern sich - und was gestern vielleicht als unfein gegolten hat, ist heute durchaus akzeptabel. Doch

Susu befürchtet deswegen einen Shitstorm auf Facebook.

Ein anderer Gast ist nicht über Bier-direkt-aus-der-Flasche empört, sondern darüber, dass Susu sich auf Facebook tummelt ... als handele es sich um einen Verein, dem man nur noch ab einem gewissen höherem Lebensalter und in ausgelatschten Pantoffeln beitreten darf.

Die Punkte: je 8 geben Linda, Sarah und Susu, 9 gibt Dorit.

Das ergibt die Summe von 33 Punkten. Mir wäre es lieber, diese Sendung wäre um

33 Minuten gekürzt worden.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Dienstag, 13. Oktober 2026

13. Oktober 2026 - Miss You, Bienenbienchen.


Bienchen: 13. Oktober 2003 bis 25. Januar 2021

Heute vor 23 Jahren wurde Bienchen geboren. Rein namentlich lebt sie in meinem Blog weiter, denn nach ihrem Spitznamen habe ich ihn benannt ...

aber mehr noch ist sie in meinen täglichen Gedanken an unsere wunderbaren gemeinsamen Jahre.

Miss You, Bienenbienchen.

Das Video ist vom 22. März 2020.


Silvia



12. Oktober 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Dresden bei Linda



"Herzensweg"
Vorspeise: Schwäbisch-sächsische Tapas - Maultaschen / sächsisches Würzfleisch / Brot
Hauptgang: Amore - Ragù bianco e rosso
Nachtisch: Lieblingsobst Erdbeere - Kuchen / Eis / Espuma



Ich höre einen Vogel fortwährend ›Chi–rur–gie‹ flöten.
- Christian Morgenstern (1871 - 1914)

Der kleine Spaß-Titel passt zur Strahlefrau Linda, die dem Morgenstern-Vögelchen etwas über Chirurgie zwitschern könnte,

während mein Foto das Motto des Menüs widerspiegelt. Aber der berufliche Weg der 30jährigen wird sie nicht in die Herz-, sondern in die

Viszeralchirurgie führen. Das ist der "Ort", an dem auch die Bauchgefühle zuhause sind. Nach 6 Jahren Medizin-Studium befindet sie sich mittlerweile im 4. Jahr ihrer Facharztausbildung - und 2 Jahre liegen noch vor ihr. Manch ein Kind schnuppert Küchenduft und will später beruflich kochen, ein anderes liebt Züge - und will irgendwann dazu beitragen, dass die Bahn endlich reibungslos läuft. Vielleicht ist es sogar

einfacher und vor allem erfolgreicher, Chirurgin zu werden - bereits in Kindertagen hat ihre Mutter sie oft mit an ihren Arbeitsplatz als Krankenschwester genommen. Andere Kinder würden sich dort eher mit Angst konfrontiert fühlen ... aber Linda ist nach einem langen Weg nun ihrem Ziel sehr nahe.

Die gebürtige Schwäbin lebt in Dresden gemeinsam mit ihrer Freundin Emmi, die als Krankenschwester arbeitet. Beide sprechen von Liebe auf den 1. Blick. Und da macht es durchaus Sinn, das Menü "Herzensweg" zu nennen.


Das Menü

Als Schnibbelhilfe eilt Petra herbei, die leibliche Oma von Emmi - und Lindas Schwiegeroma. Petra kennt sich aus mit Schnibbeln und Küchenarbeiten, denn sie hatte jahrelang einen Imbiss.

Linda schlägt eine Brücke zwischen Schwaben und Sachsen und serviert zur Vorspeise das offenbar in Sachsen beliebte Würzfleisch neben den bekannten Maultaschen aus Schwaben. Sie macht sich viel Arbeit, denn den Teig stellt sie selber her ...

ebenso den für die Tagliatelle zum Hauptgang: neben den Nudeln bietet sie eine Bolognese an und ein Kalbsragout.

Patrick meint, wenn sie nur das Kalbsragout serviert hätte ... wäre das eine hohe Hausnummer wert, aber die Bolognese würde sie nach unten ziehen ... weil: zu einfach.

Viel hilft also nicht immer viel! Meine Bewertung ist zwar nicht gefragt, aber ich hätte die Bolognese ersatzlos gestrichen.

Jede Menge Begeisterung erntet das Vanille-Eis zum Nachtisch. Der Kuchen kann nicht mithalten.


Fazit

Linda würde sich für ihr Menü 9 Punkte - und nach kurzem Nachdenken, ob das jetzt zu viel Eigenlob sei, 8 bis 9 geben. Eine 10 wäre es ihrer Meinung nach nicht, da es kein "fine dining" sei.

Doch jede Bewertung ist auch ein wenig vom Glück abhängig und einer eventuellen spontanen Sympathie-Bekundung über die von jedem Dinner-Kandidaten gleichzeitig gemochten und gefürchteten Punkte-Tafeln.

Je 8 geben Patrick und Dorit, 9 Sarah und Susu.

34 Zähler sind es für die gutgelaunte Linda.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Samstag, 10. Oktober 2026

10. Oktober 2026 - Das große Briefesterben ...




Das große Briefesterben

Gab es nicht einmal einen Deutsche- Post-Slogan, der "Schreib mal wieder" gelautet hat? Das muss zu einer Zeit gewesen sein, als sich manche Menschen noch an ihre Schreibtische gesetzt und handschriftlich ein paar oder auch sehr viele Zeilen an einen lieben Menschen verfasst haben - und die Post weitere Leute dazu veranlassen wollte, es ihnen gleichzutun. Was gab es Schöneres, als einen Brief in den Händen zu halten, auf den man lange gewartet hat?

Ich erinnere mich an die etwa 30 Briefe, die mir ein damaliger leicht verrückter und zu der Zeit bereits Ex-Freund geschrieben hat, der den Werbespruch besonders ernst genommen hat. Seitdem ist es ziemlich mau mit persönlichen Briefen geworden. Hin und wieder bekomme ich einen Geburtstagsgruß und weniger häufig einen Brief, in dem mir jemand "Frohe Weihnachten" wünscht. Auch aufgrund meines Blogs gab es einige persönlich verfasste Briefe, die mich besonders gefreut haben, weil sie recht überraschend waren. Danke dafür!

Überraschend ist jeder Brief heute sowieso, denn für manchen Schreibwilligen mangelt es nicht an Papier, sondern an

Briefkästen. Man findet sie nur noch mit detektivischer Suche. Neulich fragte mich eine Frau auf unserer Einkaufsstraße nach einem gelben Häuschen für Briefe - ich konnte ihr leider nicht weiterhelfen. Und ich bin viel unterwegs, sehr viel. Rein zufällig habe ich ein paar Wochen später endlich einen Briefkasten gefunden, der noch nicht stillgelegt war. Da fiel mir sofort diese ratlose Frau ein - ob sie in der Zwischenzeit auch einen gefunden hat?

Wann das große Briefsterben eingesetzt hat, kann ich nicht genau beziffern, aber es muss mit dem Vormarsch der sozialen Medien passiert sein. Geschrieben wird schließlich noch: in Kurznachrichten mit ein paar Smileys, als würden diese liebe Worte wirklich ersetzen können. Begonnen hat es vermutlich mit SMSs.

Natürlich liefert die Post noch Post, aber das sind eher Briefe, die niemand gern bekommt: Rechnungen, Mahnungen, Werbesendungen ... wenn Letztere nicht wären, wäre mein Briefkasten wie ein verlassener, unbewohnter Planet, der genauso

ungenutzt ist wie die Blinker an den meisten Autos.

Es wird der Tag kommen, an dem wir keine persönliche und unverwechselbare Handschrift mehr vorweisen können - oder die sich auf eine hin und wieder nicht vermeidbare Unterschrift beschränkt. Als Gegenwert können alle rasant in die Tasten tippen, was immer sie der Welt mitzuteilen haben - meistens interessiert es die Welt überhaupt nicht.

Im Gegensatz zu den früheren Briefeempfängern, die sehnsüchtig auf die Zeilen gewartet haben ... die nun auf immer ausbleiben werden.

Schreibt mal wieder! Und wenn es nur ist, damit ihr nicht aus der Übung kommt und ihr euch an eure Handschrift erinnert. Schreibt mal wieder! Nutzt eure Stimme für einen schönen Brief an einen lieben Menschen.

Das sage ich, obwohl ich seit jeher immer viel geschrieben habe, aber eine ausgesprochen faule Briefeschreiberin gewesen bin. Und noch immer bin.


Guten Tag, Gruß Silvia



9. Oktober 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Freiburg bei David



"Frühling zum Anbeißen"
Vorspeise: Kohlrabi mit Salat
Hauptgang: Nudeln mit Pesto
Nachtisch: Schokolade mit Kräutern



Brotloseste der Künste: Poesie
- Heinrich Heine (1797 bis 1856)

Heinrich Heine musste es wissen ,denn er hat schließlich von seinen Künsten gelebt, indem er Gedanken in Reime und Umlauf gebracht hat. Nur ganz nebenbei ist er mein Lieblingsdichter - und eine Sendung wie das "perfekte Dinner" hat er natürlich nicht gekannt - zu seiner Zeit gab es schließlich nicht einmal Radio oder Fernsehen.

Trotzdem ist mir genau Heinrich Heine zum heutigen "Dinner" bei David eingefallen. Der 21jährige ist gelernter Zimmermann und studiert nun Umweltnaturwissenschaften.

U. a. kümmert sich ein Inhalt des Studienganges um das Umsiedeln von Fledermäusen. Seine gestrige Zugewandtheit zu den beiden Hunden von Olivia ist also eine Art von Lebensprogramm. Super!

Wie viele Studenten lebt er in einer Wohngemeinschaft, und die hat einen neuzeitlichen, sehr neuzeitlichen Dichter:

"Ihr seid eine so kaputte WG" steht auf einem großen Bettlaken?-Banner in der Küche, als sei es wichtig und notwendig, dies alle Welt wissen zu lassen. Doch manche Negativ-Gedanken sollen durchaus zum Protest herausfordern.

Negatives sehe ich in dieser WG überhaupt nicht - mit den 5 anderen Bewohnern will er bald den portugiesischen Jakobsweg durchwandern. Ein schöner Plan.



Das Menü

Und nun kommen wir zu der Poesie des heutigen Tages, und die hat absolut etwas mit Davids hübscher Anrichteweise der Speisen zu tun - und nicht mit dem Provo-Küchen-Spruch.

Elisa staunt: "Das ist wirklich poetisch!" Und Harry, immer froh und glücklich, wenn er sein eigenes Essen hinter sich lassen kann: "Das ist wirklich Poesie!"

Ich stimme zu, obwohl hier die Poesie keineswegs brotlos ist. Denn es gibt Brot zur Vorspeise.

Der Geschmack der Gerichte trifft nicht jeden Gast ins Herz, aber von Herzen würde ich David den Gewinn gönnen. Sogar den Jakobs-Weg zu gehen ist schließlich mit Kosten verbunden.



Fazit

Jonathans Pluspunkt war seine anwesende Oma - neben seinen definitiv vorhandenen Kochkünsten

Olivia hat ihre Familie dagegengesetzt. Gemeinsam sind sie der Lindt-Familie nicht unähnlich, von denen es jährlich 2 Prospekt-Ausgaben gibt (zu Ostern und zu Weihnachten; ich schreibe meistens zeitnah darüber): gestylt, freundlich - aber leider so langweilig wie das nichtssagende Foto von ein paar hübschen Menschen, die dem Gedächtnis schnell entschwinden.

Harry ist Harry und kann eher genießen als kochen. Definitiv gehört er zu jenen, die anderen ihren Erfolg gönnen können. Er hat schließlich ein völlig anderes Talent als das Kochen, nämlich das Zeichnen.

Elise lacht unheimlich gern. Mehr weiß ich über sie nicht.

Dann greift das "Riesenbaby" David - er ist sicher über 2 Meter lang - zu einem niedlichen kleinen Instrument, der Ukulele. Das passt wie ein

großer Mann zu einem Chihuahua. Ein immer schöner und auch lustiger Anblick, wenn mir solch eine Zweier-Gesellschaft draußen begegnet.

"Denk ich an Deutschland in der Nacht " - auch von Heinrich Heine - so denke ich auch an einen Lichtblick wie David. und nicht daran, wie Heinrich das gemeint hat - und damit auch heute noch vielen Menschen aus dem Herzen spricht. Oder besonders heute.

Die Punkte für David: je 8 geben Olivia, Jonathan und Elise, 9 gibt Harry.

Das ergibt sie Summe von 33 Zählern.

Es gewinnt Jonathan den Jackpot, und ich freue mich, dass seine Oma sich bestimmt darüber freut.

Mir bleibt, allen ein schönes Wochenende zu wünschen. Wir erwarten heute wechselhaftes Wetter mit maximal 14 Grad - und immerhin 8 Sonnenstunden.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Freitag, 9. Oktober 2026

9. Oktober 2026 - Politisches Farbenspiel beim Friseur




Politisches Farbenspiel beim Friseur


Ob Blond, ob Rot, ob Braun, Kopp in den Nacken für den Haarwaschvorgang ... die Halswirbel knacken, und das ist wesentlich unangenehmer, als ein paar eigene Ansichten zum Besten zu geben: auch dann, wenn davon niemand beeindruckt ist.

Smalltalk war gestern - heute ist Politik-Talk in den Schnitt- und Färbevorgang inbegriffen.

Sie, die ihre Haare grünfärben lassen will, erzählt, dass sie die "Linken" liebt. Die sind so originell, meint sie - und so unkonventionell, weil sie keinerlei Berührungsängste haben. Nicht einmal mit Clan-Chefs, denn die sind die wahren Familienmenschen,

von denen sich andere ein Scheibchen abschneiden können, denn Familien sind die Grundmauern unseres Landes. Meint Grüni! Als sie nach dem Färben in den Spiegel schaut, entdeckt sie, dass hier ein explosiver

Farbfehler passiert ist. Die Friseurin hat ihre Haare versehentlich blau gefärbt. Das gibt Ärger! Und nicht nur Abzug an der Kasse, sondern Runterpunkten

beim Bewerten des Salons.

Die blonde Frau vorm anderen Spiegel möchte ihre Haare zwar nicht blau färben lassen, aber sie verweist auf Hape Kerkeling, der über Blau referieren kann, als wäre er auf einem ganz neuen Pilgerweg, auf dem es verboten sein soll, Blau zu wählen. Nicht bei Wanderschuhen. Nicht beim Friseur, nicht an der Wahl-Urne.

Schon sein Großvater hätte unter den Na... gelitten ... und da greift die Frau, die sich Dauerwellen wünscht, wissend ein ... dass dieser Großvater eine andere Vita hat, als die, die Hape zu Protokoll gegeben hat. Man suche bei Google,

meint eine der Friseurinnen, und man wird fündig werden, dass dieser Großvater ein Krimineller gewesen ist.

"Das kann nicht sein, das sind böse Alternative Fakten", wirft die Frau ein, die blonde Strähnen aus dem Angebot gebucht hat, "und er ist der neue Liebling von Steinmeier und Genossen." Ohnehin wähle sie

ausschließlich die SPD - und wenn es sonst niemand mehr tut, sie stellt als Letzte den Strom ab, falls sich niemand findet, der das dann mental noch stemmen kann. Sie ist einfach nur lieb.

Im nahen Wartebereich sitzt die alte Frau, die ihre grauen Locken aufgehübscht haben möchte - und da sie schüchtern ist, klingt ihre Stimme nur ganz leise. Sie meint, dass man niemals

undemokratisch wählen dürfe - und die CDU sei ihr auch ein nächstes Kreuzchen wert. Selbst ihr Seelsorger meint, dass man damit nichts verkehrt machen könnte. 

Einer rothaarigen Frau in ihren Vierzigern, die nur zum Spitzen-Schneiden vorbeigekommen ist, platzt der Kragen bei so viel Politik-Romantik in jeglicher Farbnuance:

sie leidet seit dem Wirrwarr unter psychischen Problemen und merkt,

dass die beim Friseur nur noch größer werden.

Links, Rechts. Geradeaus, Halblinks, Halbrechts, Untendurch:

Falsch auf jeden Fall - trifft sie den Kern der Friseur-Philosophie.

Am Ende brennen Meinungen andere Meinungen nieder, und schwarze Farbe überdeckt versehentlich die rote, während die blaue kein grün werden will, und

sowieso ist alles Quatsch in diesem Salon. Wenn auch authentischer.

Und die Preise sind  zum Schwindeligwerden.

"Es ist nicht mehr lustig, zum Friseur zu gehen", sagt die Frau mit dem Durchschnitts-Haarschnitt, die seit Jahrzehnten wöchentlich diesen Salon finanziell unterstützt. Sie wirft ihre rosa Brille nun in den Müll.

Doch bei der nächsten Bundestagswahl will sie eigenhändig "Helmut Schmidt" auf den Wahlzettel schreiben - obwohl sie natürlich weiß, dass der dadurch ungültig wird.

Ungültig ist ja in diesem Dilemma nicht schlimmer als gültig sein kann.


Guten Tag, Gruß Silvia



8. Oktober 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Freiburg bei Olivia


Foto: S. B.


"Gold & Purple - mit Leichtigkeit"
Vorspeise: Karotte / Dattel / Lamm / Zatar / Focaccia
Hauptgang: Skrei / violette Kartoffel / Salicornes / gepickelter Blumenkohl
Nachtisch: Baiser & Biskuit / Sauerrahm / Blutorange & Safran / Buchweizen



Beim Wein geht die Zunge auf Stelzen
- Deutsches Sprichwort

In der Vergangenheit habe ich einige Weingüter an der Mosel besucht, die bereits vom rein Äußerlichen verführt haben, einzutreten, sich wohlzufühlen und einen kühlen weißen Wein zu genießen. Zum Wein passen alte Mauern, die Gemütlichkeit, Atmosphäre und Wärme ausstrahlen - und in denen es im Hochsommer angenehm kühl ist.

Heute geht es zu dem Weingut von Olivia und ihrem Mann Andreas irgendwo in der Nähe von Freiburg. Sie leben in einem modernen Haus und verwalten gemeinsam das Geschäft rund um ihre selbst produzierten Weine. Im Laufe der Zeit ändert sich schließlich vieles (selbst nostalgische Vorstellungen sterben) , und der 44jährige Andreas hat das Weingut mit 21 Jahren übernommen oder gegründet, ich habe es vergessen. Etwas später ist seine jetzt 40jährige Frau Olivia hinzugekommen.

Olivia zeigt einen kleinen Teil vom Haus und natürlich die gesamte Küche, und alles ist wunderbar, clean, da gibt es keine Beanstandungen. Draußen im großen Garten wird es jedoch

trostlos: während sie den Blick bis hinein nach Straßburg über den grünen Klee lobt, wächst in diesem Garten so gut wie gar nichts. Umgeben ist er zudem von einem hässlichen Zaun, der wohl das gesamte Grundstück eingrenzt: wenn ich spekulieren darf, warum der so undekorativ in der Gegend herumsteht,

fällt mir nur ein, dass hier die beiden Labrador-Mischlinge ihren Spazierweg haben. Der soll natürlich ausbruchsicher sein.

Beinahe wird mir kalt ... ganz ohne alte Gemäuer, einfach, weil mich diese Ausgabe vom "perfekten Dinner" kein bisschen berührt, weil nur der perfekte Anschein die Regie führt.


In der schicken Küche

findet eine Familienparty statt: Olivias 16jährige Tochter übernimmt wichtige Schnibbeltätigkeiten, die so eingeübt sind

wie es sich für das Glück einer Sonnenscheinfamilie gehört.

Andreas hat im Jahr 2025 an dieser Sendereihe teilgenommen und mit 37 Zählern wohl auch gewonnen. Die Szene über diese Siegerehrung verschwindet so schnell, dass es auch sein kann, dass ein anderer Kandidat die gleiche Punktzahl gehabt hat.

Bei mir "klingelt" überhaupt nichts, als ich ihn sehe. Ich erinnere mich kein bisschen. Aber das besagt natürlich rein gar nichts.

Der 10jährige Sohn Matti muss ebenfalls zum "Küchendienst" antreten, der in seinem und Andreas' Fall eher aus dem bloßen Herumstehen besteht. An der Stelle,

als Matti aus vollem Herzen froh ist, dass er sich endlich verabschieden darf, freue ich mich erstmals an diesem Abend. Leider muss er später

noch einmal zurückkehren, damit das Kleeblatt vollständig in die Kameras lächeln kann.

Das Menü ist ... wie in der obigen Karte beschrieben.

Jeder Gang ist sehr, sehr hübsch angerichtet, aber auch extrem überschaubar. Der reinen Ansicht nach sind die Nachtisch-Portionen insgesamt größer als die der Vorspeise oder des Hauptganges.


Fazit

Jonathan spricht von einem Stimmungstief ... und meint damit, dass bereits drei anstrengende Tage hinter ihnen liegen. Am 4. sehe ich persönlich mehr Kalkül als Authentizität - nur Matti sagt in einem Satz, was er wirklich denkt.

David wird von den beiden Hunden unterm Tisch belagert und ganz verzückt streichelt er sie. Das sind die vielleicht innigsten Momente dieses Tages ... alles andere läuft ab wie ein perfektes Uhrwerk.

Die Punkte für Olivia: 10 gibt Harry, je 9 Jonathan, Elise und David.

Das ergibt sie Summe von 37 Zählern, die jedoch an den 39 für Jonathan nicht kratzen können.


Guten Morgen, Gruß Silvia