Vorspeise: Mirza Ghasemi - Gegrillte Auberginen mit Tomaten, Knoblauch und Ei
Hauptgang: Zereshk Polo - Geschmortes Safran-Hähnchen, dazu Safran-Reis mit karamellisierten Berberitzen und Pistazien
Nachtisch: Sholeh Zard - Safran-Reispudding mit Mandeln und Rosenwasser
Gaumen, der: Die empfindsame Seele des Feinschmeckers.
© Karsten Mekelburg (*1962)
© Karsten Mekelburg (*1962)
Vertraue niemals blind den Gaumen anderer Leute, muss ich heute feststellen, denn eine bessere Bewertung als jene, die dem Essenfassen folgt, ist nicht möglich: bei einer 10 endet die Skala, selbst dann, wenn die Gefühle für den gesamten Abend und in Summe im 7. Himmel schweben. Selten sind die Lobreden fürs Essen einhelliger als heute.
Thomas stellt bereits nach der Vorspeise fest, dass es in vielen anderen Ländern geileres Essen als in Deutschland gibt. Es ist sein gutes Recht, dies zu glauben und auch zu äußern, aber ein wirklich
tolles Essen sehe ich heute nicht: eher ist es iranische Hausmannskost, sehr reishaltig, sehr einfach und vielleicht weitgehend schmackhaft,
aber weit entfernt von einem "perfekten Dinner".
Das Geheimnis dieses Erfolges ist sicherlich die Gastgeberin:
Die 40jährige Apameh ist in Teheran geboren und wohnt seit ihrem 6. Lebensjahr in Deutschland. Nach einem Architekturstudium arbeitet sie als
Innenarchitektin - und in dieser Funktion für die Vox-Sendung "Die Deko-Profis".
Miss Germany
Im Jahr 2024 hat Apameh diesen Titel errungen - was nicht völlig kritiklos blieb:
lt. Wikipedia gab es den Vorwurf, ihre Wahl basiere auf Schummelei, weil sie im gleichen Coworking-Space arbeite wie der Veranstalter der Misswahl. Angeblich habe sie auch eine Auftragsarbeit für die Ausstattung der Wahl-Location durchgeführt.
Apameh erzählt, dass sie nach ihrer Wahl einem Shitstorm ausgesetzt gewesen ist ... worauf der basierte, weiß ich nicht, aber es ist generell nicht schwer, einen zu ernten - egal, um was es geht.
Tanzen, Lachen, ernste Gespräche
und alles irgendwie gleichzeitig. Die Show läuft in Apamehs Zuhause wie am Schnürchen. Alle Kandidaten sind einander zugewandt und verlieren endgültig ihr Herz an Apameh.
Sie selber engagiert sich im Netzwerk "Shirzan" (Löwenfrau), das sich für benachteiligte und unterdrückte Frauen einsetzt. Sie bewundert die Frauen, die im Iran ohne Kopftücher auf die Straßen gehen und gegen das Regime demonstrieren ...
(die TV-Aufnahmen fürs "Dinner" fanden vor dem Krieg statt).
Das Menü
Auberginen-Mus mit Ei und Tomaten gemischt ist der Hauptbestandteil der Vorspeise. Auberginen sind nicht nur ein Mus, sondern ein Muss in der orientalischen Küche. Aber muss es wirklich mit Eiern vermengt werden? Und was bewirken Wachtel-Spiegeleier, die obendrüber mehr geklatscht als dekomäßig wie gemalt liegen?
Ein spezieller Reis mit Berberitzen wird zum Safran-Hähnchen gereicht.
Und der Nachtisch ist ein Reispudding mit Mandeln und Rosenwasser. Thomas, nach den ersten Bissen noch skeptisch, zeigt sich dann jedoch hochauf begeistert, als hätte er sein Leben lang auf diesen Genuss gewartet.
Serviere mal als Alternative einen simplen Milchreis zum Dessert - die freudige Erregung wird sicherlich ausbleiben ... außer, es handelt sich um eine Gruppe wie diese.
Fazit
Die fünf Kandidaten kennen sich, mögen sich offenbar und schätzen sich: das trübt nicht nur den Blick für die Realität, sondern vergrößert auch die
Hemmungen, etwas fair zu bewerten. Also lieber eine Schaufel Lob obendrauf legen als sich am Ende als quengelig oder pingelig bezeichnen zu lassen.
Darum kann man diese Woche nicht mit anderen vergleichen.
Es wird in den nächsten Tagen noch mehr Lobeshymnen regnen, und trotzdem wird niemand nass gemacht werden. Davon bin ich überzeugt.
Die Punkte: je 10 von Thomas, Christin, Rolf und Eric.
Summe = 40 Zähler.
Wenn die Gäste dies wirklich als ein perfektes Menü bezeichnen, dann möchte ich nicht wissen, was sie sonst so essen ...
Die Sendung war für mich unterhaltsam, und mehr erwarte ich gar nicht.
Guten Morgen, Gruß Silvia




