Donnerstag, 10. September 2026

9. September 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Zürich bei Riccardo



"Italienische Tradition"
Vorspeise: Ravioli di Mugello - Kartoffel / Pecorino / Blumenkohl
Hauptgang: Geschmorte Ochsenbäckchen mit Polenta & Gemüse
Nachtisch: Schokoladentraum mit hausgemachtem Gelato fiordilatte & Beeren



Au Backe!

Da gastiert das voxsche "Theater on Tour" in Zürich, und es ist nicht weit hergeholt, wenn Zuschauer nun ein paar typische Gerichte sehen möchte, die in der Schweiz beliebt sind - und die gern den kurzen Sprung über die Grenze machen würden. Und die oft so niedliche Namen haben wie z. B.

Älplermagronen, Riz Casimir, Schlangenbrot oder Käse-Zwiebel-Wähe. Nicht zu vergessen das Zürcher Geschnetzelte.

Aber es kommt anders, weil es schließlich immer anders kommt als man denkt. Am

dritten Tag gibt es zum dritten Mal Bäckchen im Hauptgericht. Das ist langweiliger als ein schmerzlos überstandener Zahnarztbesuch, nach dem einem ein erleichtertes

Au Backe

rausrutscht.

Die Kandidaten tragen an der Drillings-Ausgabe natürlich keine Schuld: sie bewerben sich bei Vox, reichen - ich glaube - drei verschiedene Menüvorschläge ein - und der Sender entscheidet, welches Menü genommen werden soll. Natürlich kann der Sender obendrein trotzdem noch mit seinen Kandidaten über die Menüs verhandeln.

Vielleicht haben sich die Programmverantwortlichen an die typische Schweizer Zurückhaltung erinnert, der sie unbedingt ein bisschen Zuschauer-Aufregung entgegensetzen wollten. Sie wussten schließlich im Vorfeld nicht, dass eine Kandidatin für genug Aufmerksamkeit sorgen würde ...


Riccardo

ist 32 Jahre alt, Projektleiter im Bereich Maschinenbau und mit Angelina verheiratet, die die Tischdekoration und ein paar Schnibbelarbeiten übernimmt.

Seine gastrosexuellen Neigungen hat er im Keller untergebracht, denn all die Geräte, all das für einen Hobbykoch nötige bis exzentrische Equipment würden das Küchenbild unnötig stören und unruhig machen. Und Ordnung lieben die Schweizer ... zumindest lt. der offiziellen Mentalitätsbeschreibung.

Riccardo ist bereits ein Kochshow-Profi, denn "das perfekte Dinner" ist seine 4. Teilnahme an einer Sendung dieser Art.

Für den einen oder die anderen Mitstreiter liegt er somit bereits im TV-Profibereich - und sie erwarten sehr viel von ihm. Vielleicht hätte er das bis zum letzten Abend einfach verschweigen sollen ...


Das Menü

Auch Ravioli gibt es zum bereits 3. Mal und am 3. Tag in dieser Woche. Ihm geht die Arbeit dafür leicht von der Hand, und der reinen Ansicht nach sind sie die bisher besten.

Es gefällt Riccardo selber nicht, dass er in die Bäckchen-Challenge einsteigen muss - aber sie sehen gelungen aus.

Tief senkt Elena ihren Kopf zum Teller hinunter und stößt mit der Nase beinahe in die Soße. Es erinnert stark an das manchmal aufdringliche Schnuppern von Hunden ...

Schokokuchen, und das Eis dazu passt.


Fazit

Zur Pausen-Erheiterung gibt es

statt einer Pisa eine Toskana-Studie: Riccardos Vater stammt aus der Toskana, und weil auch sein Menü toskanisch ist, hat er 10 Fragen vorbereitet, die vielleicht jeder über diesen italienischen Landstrich beantworten könnte.

Zwar schiebt Patrizia Da Vinci den biblischen "David" in die Schuhe - aber wer kennt schon eine der berühmtesten Statuen der Welt und weiß obendrein, dass sein Schöpfer Michelangelo gewesen ist.

Je 5 Punkte holen bei diesem Quiz Patrizia und Kilian und dürfen sich die Belohnung teilen.

Die Punkte für Riccardo: 9 gibt Michelle, je 8 Patrizia, Kilian und Elena.

Mit 33 Punkten ist er am 3. Tag auf dem bislang 2. Platz.


Guten Morgen, Gruß Silvia

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Mittwoch, 9. September 2026

8. September 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Zürich bei Michelle



"From sea to land"
Vorspeise: Hummer - Bisque - Ravioli
Hauptgang: Iberico - Erbse - Rüebli - Polenta - Beeren
Nachtisch: Tarte Tatin - Sauerampfer - Crumble



"Ich sehe, nichts ist ohne Rücksicht gut."
- William Shakespeare (1564 - 1616)

Weil der Sender Rücksicht auf die Nerven seiner Zuschauer nimmt, fällt heute der Programmpunkt "Patrizia" weitgehend flach. Das verbessert die

Sicht auf die Kandidatin Michelle, die sich in die Herzen ihrer Konkurrenten kocht.

Die 30jährige Marketingleiterin Michelle kocht, während ihr Verlobter Flavio schnibbelt und beide den Beweis antreten, dass man bei "Tinder" den Partner fürs Leben finden kann. Schon 6 Jahre sind sie zusammen, und im nächsten Jahr möchten sie in Italien heiraten.

Als Hochzeitscrasherin könnten sie natürlich Patrizia einladen, aber dazu benötigt es sicherlich einen außergewöhnlich masochistischen Humor - oder man möchte sich einen Alleinunterhalter sparen, der alle Gäste frühzeitig ermüdet.

Patrizia entschuldigt sich öffentlich bei allen Leuten, die sie schon mal "totgelabert" hat. Und dass sie sich dabei nicht auch noch auf die Schenkel klopft, fehlt. Mit der

Zigarette im lauten Mundwerk erzählt sie von ihrem Dinner-Tag, und das meiste davon spult Vox im schnellen Vorlauf ab, aber es bleibt:

"... nachdem ich alle rausgekegelt habe ..."

Menschen sind allerdings keine Figuren, die man auf einem Spielfeld rauskegelt. Es kommt mir in den Sinn, dass vielleicht nicht die

Schweizer in einem völlig anderen Kulturkreis leben, wie Patrizia gestern behauptet hat - sondern dass sie selber ihren ganz eigenen Kulturkreis bildet, der sich dann von dem vieler anderer Menschen unterscheidet.

Zaghaft formuliert der eine männliche Kandidat, während der zweite ihm nickend sein Einverständnis gibt:

"Patricia redet gerne. Sie nimmt schon viel Raum ein."

Man möchte also gar nicht wissen, wie viel ungezeigtes Wort-Material es von Patrizia gibt ... also weiter mit dem heutigen Abend.


Das Menü

Lobster, Hummer und Kaviar vom Stör: die Überzeugungstäter, die wie Magneten für Feinschmecker wirken können.

Mit Lobster sind die Ravioli gefüllt, obendrauf ein paar Hummerstücke samt dem echten Kaviar, untendrunter die Hummersoße.

Bäckchen, hier vom Iberico-Schwein, gehören auf die Beliebtheitsskala der Dinner-Teilnehmer. Und Möhren? Möhren sowieso!

Der "umgedrehte" Apfelkuchen - Tarte Tatin - ist in meinen Augen hier kein Highlight. Und die seit ewig beliebten Streusel bleiben eben nur Krümel, auch, wenn sie Crumble genannt werden.


Fazit

Wenn man den Wasserhahn abdreht, kann eine Überschwemmung verhindert werden. Im übertragenen Sinn hat Vox nicht nur vermutlich viele, viele Patrizia-Szenen rausgeschnitten.

Michelle ist als Kandidatin angenehm anzusehen und anzuhören. Hier die

Punkte für sie: je 9 geben Patrizia, Riccardo und Kilian, und sogar 10 kommen von Elena.

Mit insgesamt 37 Zählern ist sie am 2. Tag auf dem bislang 1. Platz ... den ihr so leicht niemand streitig machen kann, obwohl noch 3 weitere Menüs folgen werden.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Dienstag, 8. September 2026

7. September 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Zürich bei Patrizia



"Miss B‘s Frühlingsgruß"

Vorspeise: Frühlingsraviolo - Ricotta / geröstete weiße Mandel / Zitronen-Thymian / Erbsentupfer / Wermut-Beurre-Blanc
Hauptgang: Geschmorte Bäckchen, französisches Kartoffelpüree / Spargelspitzen, Rotwein-Madeira-Jus
Nachtisch: Whisky Parfait - flambierte Orange / karamellisierte Pekannüsse, kubanischer Kakao


"Jeder setzt die Grenze zwischen
Selbstbewusstsein und Arroganz selber!"

- Fuemido (*1979)

Huch, wer kommt denn da reingeschneit? - Aber ich habe Glück, denn Patrizia steht nicht vor meiner Tür, ich nicht vor ihrer,

sondern ich sehe sie nur via Bildschirm. Jetzt werden allerdings trotzdem aus einer entspannten Stunde 75 lange Minuten, die zum Glück durch einige Werbesequenzen unterbrochen sind.

Die 54jährige Direktionsassistentin (wäre sicher gern selber Direktorin) stammt aus Fulda und ist vor vielen, vielen Jahren der Liebe wegen in die Schweiz gekommen. Die Liebe ist zerbrochen, Patrizia ist geblieben und will dort auch nie wieder weg. Und das, obwohl sie

sagt: "Schweiz - ein ganz anderer Kulturkreis als Deutschland."

Echt? Ganz anders? Meine einzige Züricher Bekannte habe ich vor vielen, vielen Jahren (nicht online) kennengelernt und uns haben keine Kulturschluchten getrennt. Wir sprechen dieselbe Sprache und müssen auch sonst keine Hürden überwinden, um einander zu verstehen.

Doch sicher kann Patrizia das besser einordnen als ich. Und wer würde sich schon gern mit ihr in

irgendeiner Frage streiten? Ärger mit Patrizia? Besser nicht!

Doch die Vox-Crew scheut sich trotzdem nicht, auch von ihr verbotene Ecken zu filmen ... die, je näher der Abend sich dem Ende neigt, je chaotischer aussehen.


Das Menü

Über den grünen Klee lobt sie die eigenen Kochkünste. Die haben ihr wohl auch zugeflüstert: "Du musst unbedingt einen Supper-Club ins Leben rufen."

Vielleicht sieht Patrizia dies als eine Art Generalprobe - und da man in z. B. Theaterkreisen durchaus von vergeigten Generalproben spricht, die bei der Premiere in einem Erfolg münden ...

Ich war noch nie in einem Supper-Club, also nehme auch ich das als Probesehen dafür: und ich sehe eine mehr und mehr im Chaos versinkende Küche, eine Gastgeberin, die sich oft die Finger abschleckt, und ich sehe, wie die Zeit verrinnt ... und Mitstreiter bereits gähnen.

Für ihre Gäste bedeutet das vor allem, dass sie manchmal auf ihre Gastgeberin verzichten müssen: zur Vorspeise vergisst sie

die Erbsentupfer - und eilt in ihre unübersichtlich gewordene Küche, um die Kleckse irgendwann nachzuliefern.

Ungemütlich!

Bei den Rinderbäckchen fällt mir das nahe Halloweenfest ein: die Bäckchen bilden die Handballen, je vier grüne Spargel die Finger, die obendrein verbrannt aussehen. Einer fehlt also schon ... vermutlich abgehackt. - Ich glaube nicht, dass diese schräge Ansicht von Patrizia gewollt ist.

Der Nachtisch verursacht ebenso wenig Jubelrufe wie der Hauptgang. Aber sicher ist es wichtig, dass der Kakao aus Cuba stammt.


Fazit

Am Ende sehe ich diese Ausgabe der Sendereihe als Spaß, denn, wenn ich mich ärgere, bringt es mich nicht weiter. Jeder Jeck ist eben anders, ob er aus Köln, Fulda oder Zürich stammt.

Die Punkte für Patrizia sind sicherlich liebgemeint:

je 8 geben Michelle, Riccardo, Kilian und Elena.

Summiert = 32 Zähler.

Plus ein paar Stunden Arbeit, um ihre Küche wieder auf Vordermann zu bringen.


Guten Morgen, Gruß Silvia



Sonntag, 6. September 2026

6. September 2026 - Für Robin


Robin: 13. Januar 2004 in Unna - 6. September 2019 in der Kaiserbergklinik Duisburg

























"Trauer ist wie ein großer Felsbrocken. Wegrollen kann man ihn nicht. Zuerst versucht man, nicht darunter zu ersticken, dann hackt man ihn Stück für Stück kleiner.

Und den letzten Brocken steckt man sich in die Hosentasche und trägt ihn ein Leben lang mit sich herum." - Verfasser unbekannt



Samstag, 5. September 2026

5. September 2026 - F e u e r w e r k



Feuerwerk


Die Natur freut sich, Tiere springen vor lauter Quatsch im Dreieck.

Feuerwerk klingt wie eine kleine kitschige Bombe mit tausend lustigen Farbsplittern,  als müsste man sie einfach nur mal probeweise in die Luft jagen und ihre Wirkung dann an sich abprallen lassen -

und lustig sein.

Der welterfahrene Rabenkrähen-Papa breitet über seine Brut die Flügel aus und vertröstet sie auf den nächsten Morgen. Auch Menschen-Väter kennen dies: zu spät, zu müde, zu fern, aber anwesend in der Not.

Das Rehkitz springt ein letztes Mal über einen tiefen Graben und bricht sich beide Beine. Niemand wird ihm helfen, es verschwindet ohne Zeugen im Dickicht.

Der Hahn in Nachbars Garten kräht, als gelte es, die ganze Welt auszuschimpfen - und nicht nur seine Hennen bei Laune zu halten. Die flattern wild umher - und stellen ab morgen ihre Eierproduktionen vorübergehend ein. 

Der Hund des Freundes bekommt den Schrecken seines Lebens, das er kurz danach aushaucht. Sein schwaches Herz war schuld, nicht die

Freude der Menschen.

Der Kater krallt sich ein letztes Mal in die Arme seines Menschen - und fragt, warum dieser von ihm geliebte Mensch

solche kriegsähnlichen Zustände nicht verhindern kann. Katerchen kennt zwar keinen Krieg, aber er fühlt sofort, dass es etwas sein muss, dass ihn vernichten wird.

Die sehr, sehr alte demente Frau aus dem

Nachbarhaus und aus einer Zeit, als es noch Bomben über der Stadt geregnet hat,

denkt in ihren letzten Minuten,

bevor sie vor den Schrecken der Erinnerung verstirbt:

Nun sind wie wieder da, die Bomben! Als hätte sie irgendwer vermisst!


Guten Tag, Gruß Silvia



4. September 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag im Ruhrgebiet bei Maike

 


"Bunt wie der Frühling"
Vorspeise: Lachs trifft auf Orange, Grün und Gelb - Mango / Avocado / Paprika
Hauptgang: Surf & Turf an Creme, Orange und Grün - Sellerie / Möhre / Spargel
Nachtisch: Heiß & kalt in Gelb, Rot und Orange - Cannelloni / Himbeere / Orange



Ich denke an nichts, wenn ich male, ich sehe Farben.
- Paul Cézanne (1839 - 1906)

Die 56jährige Maike ist zwar keine Malerin wie der begnadete Paul Cézanne ein Maler gewesen ist, aber sie beschäftigt sich beruflich mit der farblichen Umgebung ihrer

Kunden. Die gelernte Floristin ist Raum- und Farbgestalterin - und sie, ihr Mann plus zwei Söhne müssen recht erfolgreich sein, wenn ihr Metier sie alle satt macht.

Irgendwann hat es sie von Dresden nach Herdecke verschlagen. Herdecke hat den Hengstey- und Harkortsee, Dresden anderes ...


Das Menü

Zur Vorspeise gibt es Lachstatar - in seiner gefühlten 7.114 Ausgabe. "Geschmacks-Orgasmus" nennt Maike das. Ich will nicht unken, aber vielleicht hätte der eine oder die andere lieber einen Orgasmus, ohne Lachstatar essen zu müssen.

Doch: alles ist gut, denn man kann die Ernährung nicht neu erfinden. Und gibt es auch eine Milliarde von Rezepten, so kommen die Menschen doch wieder auf den gemeinsamen Nenner, das Übliche anzubieten.

Rinderfilets zum Hauptgang - mit Surf-Beilage. Rubrik: möchte man vielleicht oft und gern essen, aber nicht täglich in dieser Sendereihe sehen. Die ewigen Möhren machen das Filet ein wenig preiswerter ... sie sind beliebter als mancher Dinner-Kandidat.

Alternativ bekommt die Pescetarierin Thunfischfilet: das muss noch viel weniger durchgebraten werden als jeder andere Fisch - doch Franzi ist er zu zäh! - Urteil der gewieften Kennerin des Totgebratenen.

Als Nachtisch gibt es Cannelloni, für deren Füllung sie einen Käsekuchen zerbröselt, zerstört, zerquetscht - damit er in die Nudeln hineinpasst.

Selten bis beinahe nie äußere ich Verbesserungsvorschläge, aber hier kommt einer: eine Käsekuchen-Creme wäre als Füllung optisch und tv-gerechter

einfach schöner. Doch originell ist ihr Gabel-und-Löffel-Krieg gegen den Käsekuchen allemal.


Fazit

Tim freut sich, dass der ganze Stress vorbei ist. Für seinen traurigen Erpel, der erst am gestrigen Abend endlich von relativ Fremden einen Namen bekommen hat - und nun "Kalle" heißt - ist der jedoch noch nicht vorbei,

und er sollte sich dringend überlegen, das einsame Tier abzugeben. Ein Tierheim könnte ihm bei der Vermittlung in ein wirklich gutes Zuhause helfen.

Die Punkte für Maike: 10 von Tim, 9 von Gabriel, 8 von Katrin, 7 von Franzi.

Mit 34 Zählern kann sie den bislang Erstplatzierten Tim nicht übertreffen.

denn er gewinnt den Jackpot. Davon hat "Kalle" allerdings gar nichts!

Ich mag Gabriel.

Mir bleibt, allen Lesern ein schönes Wochenende zu wünschen. Wir erwarten heute bei maximal 21 Grad zehn Sonnenstunden und ein bisschen Nieselregen.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Freitag, 4. September 2026

4. September 2026 - Love Story - SWR am 29. August 2026






Love Story

Der Film ist 56 Jahre alt, aber so jung wie die Liebe: sie kommt, sie geht, sie bleibt, sie tröstet, sie macht Mut, sie zerstört jede Hoffnung.

Auch auf seine kess-witzige und unsentimental sentimentale Art ist das Movie zeitlos. Gut, am Ende stirbt Jennifer den schönsten Filmtod, den man sich denken kann - jeder würde sich für sein eigenes Ende einen ähnlich verklärten Tod wünschen: irgendwann, später - und selbstverständlich nicht mit 24 Jahren wie Jenni. Friedlich und im Reinen mit sich selbst diese Welt verlassen ist ein

Synonym für die heile Hollywood-Welt. Die letzte scharfe Pointe Jennis kommt kurz vorm Tod über ihre Lippen - und erhaben geht die selbsternannte "Radcliffe-Zicke" von dieser Welt, auf der sie ohnehin nur gewesen ist, um sich über alles lustig zu machen,  w e n n  es nicht gerade ernst ist:

Ernst ist der Zoff Olivers mit seinem Vater. "Sir" nennt er ihn - was deutlich macht, wie weit er für ihn von einer Vaterfigur entfernt ist.

Da ist Elon Musk Jahrzehnte später seinem Ziel, dem Mars, näher als dieser Sohn seinem Vater.


Eine große Liebe und ein früher Tod

... festgehalten in stimmungsvollen Hollywood-Bildern: im Schnee, beim Schlittschuhlaufen, am Wasser im Sommer, und dazu ein junger Mann und eine junge Frau, die das Leben feiern und sich freuen, weil sie scheinbar alle Zeit der Welt haben.

Doch wesentlich näher als eine rosige Zukunft ist das Schicksal, das jeden jederzeit treffen kann. Doch in der Erinnerung

wird Olivers Liebe zu Jennifer niemals sterben.

Natürlich erlaubt dieser Film kein wirkliches Happy End, denn mit einem solchen beginnt die Geschichte bereits. Auch eine Tränenstory kann ein

Happy End sein, denn ohne Jennifers frühen Film-Tod hätte ihrer Story ein wichtiger Teil gefehlt, nämlich der, der ihn zum Kinoerfolg gemacht hat.



Wie wäre es ohne Jennifers Tod weitergegangen?

Darüber kann man nur spekulieren oder ein paar Statistiken zu Hilfe nehmen: diese sprechen davon, wie viele Ehen scheitern. Aber auch Ehen, die Bestand haben, sprechen keine wirklich deutliche Sprache über ihre Qualitäten.

Vielleicht hätten Oliver und Jennifer sich ein langes, langes Leben lang geliebt, vielleicht hätte sich der tägliche Trott sich ihnen in den Weg gestellt.

Womöglich hätte Oliver der Zynismus von Jennifer irgendwann nicht mehr gefallen, sondern sogar abgeschreckt. Vielleicht hätte Jennifer sich später innerlich von Oliver getrennt - und dann auch rein äußerlich. Manchmal soll eine permanent nicht geschlossen Zahnpasta-Tube reichen, um die Liebe auszuhöhlen. 

Oder sie wären für immer zusammengeblieben.

Jede Möglichkeit ist eine von vielen.

Doch nach einem so frühen Tod einer großen Liebe ist das Loslassen schwer. Man wagt nicht den Blick in die Zukunft, weil man zu sehr mit dem in die Vergangenheit beschäftigt ist.

Es gab einen Nachfolge-Film: "Olivers Story" - ist, soweit ich mich erinnere, nur ein müder Hollywood-Abklatsch der "Love Story".

Manchmal ist ein Zug einfach abgefahren ... und man sollte ihm wehmütig hinterherblicken, aber nicht hinterherlaufen.


Guten Tag, Gruß Silvia