Wir brauchen neue Grenzwerte der geistigen Umweltverschmutzung.
© Helmut Glaßl (*1950)
© Helmut Glaßl (*1950)
Wenn Männer einkaufen gehen ... hat man sie zumindest für eine Weile aus dem Haus.
Es geschah vor ein paar Tagen bei Edeka:
Der Mann ist das Oberhaupt der Familie war gestern, denn mancher ist das Oberhaupt der allgemeinen Bestimmung über
Plastiktüten. Und die, gelinde gesagt, gilt es um jeden Preis zu verhindern.
Plastiktüten verringern das Selbstwertgefühl, das man voll und ganz der ewigen Nachhaltigkeit widmet.
Es gibt Tage, da feiern Möhren und Äpfel und Birnen ein Fest - und auch Möhren, Birnen und Äpfel möchten Individuen bleiben
und sich nicht in Tütchen aneinander quetschen.
So ein Kerl stand vor mir an der Kasse - während ich lediglich ein einziges Teil aufs Band gelegt habe, das er vor mir vollgestopft hatte mit
Salaten, Gemüsen und allem gesunden Kram - angeordnet wie Soldaten im persönlichen Kopf-Heer, bereit zum Angriff auf alle Widerständler -, den man sich kaum vorstellen kann, um am Ende
knapp 130 Euro zu löhnen.
Das ist ein Anhaltspunkt dafür, wie lange ich warten musste - mit meinem bescheidenen einzigen Teil, das ich am Vortag vergessen hatte einzukaufen.
A b e r : das ist nicht die Krux!
Die Gesinnung auslöffeln, die dieser Kerl hat, musste die Kassiererin:
etwa 1 Kilo oder mehr Möhren - jene ohne Grünzeug und nicht in einem Bund - legte er aufgereiht neben ebenfalls viele einzelne Äpfel und Birnen korrekt aufs Band, während sich anderes Gemüse bis zum Ausreizen des Bandes stapelten. So sieht übrigens gesundes Leben aus,
präsentiert von einem Typen, der in seinen Nächten sicherlich Albträume von Plastikverpackungen hat. Gut, dass wir gerade keine Kirschenzeit haben ...
Es hat ihn nicht daran gehindert, ein Päckchen Zigaretten zu verlangen, das sich von Plastik umwickelt langsam den Todsünden nähert, denen er in seiner selbst geschaffenen Hölle eigentlich entkommen will. Er würde wohl die Zigaretten lieber einzeln kaufen.
Die Kassiererin: "Also wirklich - es geht ja gar nicht, alles einzeln aufs Band zu legen .. Es gibt Netze ..."
"Es gibt auch andere Geschäfte ...", orakelte der Verbissene, der wohl auch dort genau so über seine Gesinnung stolpern würde oder bereits gestolpert ist.
Möge ihn der Frust zuhause mit Voodoo-Puppen samt passender Nadeln und ewiger Nachhaltigkeit treffen, denn alleine lebt wohl keiner, der für
130 Euro
Obst, Gemüse und Salate in Mengen einkauft, das bisschen Käse (für die kleine Sünde zwischendurch) nicht zu verschweigen.
Am Ende hat er zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Öko-Terrorismus gegen "Unbelehrbare", der zu verhindern gewesen wäre, indem er die wiederverwendbaren Netze gekauft hätte, die es im Laden gibt -
und jeglichen Frust hat er obendrein abgelassen, als gäbe es dafür keinen besseren Ort als die Kasse eines Supermarktes.
Anstatt ein Foto von der Misere zu machen, habe ich an Popcorn gedacht. Popcorn wäre das Richtige für dieses Schauspiel gewesen.
Ich hätte es mir glatt vom Band gemopst, aber so etwas hatte er natürlich nicht draufgelegt.
Auch keine Schokolade, denn die macht ja glücklich.
Aber von A wie Auberginen bis Z = Zitronen war alles vorhanden, was jeden Gemüse-, Salate- und Früchtejunkie in den
7. Himmel treibt. Und alle anderen in den Wahnsinn, die
jedoch sofort wieder zufrieden sind, wenn sie solch einen nicht zu Hause haben und zum Einkaufen schicken müssen.
Im übrigen schätze ich Nachhaltigkeit sehr, aber es gibt Alternativen, die es verhindern, dass jemand an der Supermarktkasse zum
nervigsten Kunden des Tages wird.
Jedenfalls war die Kassiererin frohen Mutes, dass sie den Stinkstiefel für diesen Tag hinter sich gelassen hat - und ihr fortan nur noch gutgelaunte Kunden gegenüberstehen würden.
Offenbar hat sie hierin Erfahrungen ...
Guten Tag, Gruß Silvia

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