Sonntag, 31. Mai 2020

31. Mai 2020 - Bienchens Geschichte - 16. Teil

Die Bestattung

meiner Mutter fand in Koblenz nach ihrer Einäscherung statt. Ich weiß gar nicht, ob ihr eine Einäscherung recht gewesen wäre, denn mein Vater wurde von ihr damals, natürlich über ein Bestattungs-Unternehmen,  in einem Sarg beerdigt. Aber ich habe für sie die Entscheidung getroffen, die ich

auch für mich und für irgendwann vorgesehen habe:

Eine Friedwald-Bestattung.

Oft denke ich: Welch weiten Weg sie von Allenstein zurück gelegt hatte, um in Koblenz die ewige Ruhe zu finden.

Die Mosel ist zwar eine schöne Ecke in Deutschland, aber meines Erachtens nach lediglich für einen kurzen Aufenthalt wirklich interessant. Die Region ist ansonsten nicht der Raum, in dem ich leben wollte. Und ich denke, im Gegensatz zu Dortmund, ist Christel an der Mosel nie heimisch geworden.

  (Meine Eltern sind dort hingezogen, weil mein Vater u. a. an einem Lungenemphysem litt - und dort an der Mosel einfach besser atmen konnte. Das Emphysem entstand durch seine Arbeit als Dachdecker mit dem damals als unbedenklich eingestuften Asbest.)

Ein Großstadt-Gefühl wird man nie wieder los. Das gilt sicherlich auch andersherum für ländliche Gegenden.

Wären meine Eltern vor vielen Jahren nicht von Dortmund an die Mosel gezogen ... es hätte mir besser gefallen, Christel in Dortmund zu beerdigen. Auf diese Idee kam ich damals allerdings gar nicht, sonst hätte ich sie dorthin überführen lassen.

Ich war schicht und einfach von ihrem Tod überrumpelt, auch, wenn er für mich nicht so überraschend kam wie er vermutlich für ihre Ärztin war,

die ihren "Vital-Zustand" genau 12 Stunden vor ihrem Tod noch als "stabil" bezeichnet hatte.

Irren ist menschlich. Und Menschen reagieren auf Irrtümer nach ihrem ur-eigenen Schicksal.


Nach Mamas Tod

Ich war noch in der akuten Trauerphase, als in Duisburg etwas geschah, was vieles andere in den Schatten stellte.

Meine Mutter hatte ein oft (nicht immer natürlich, siehe meine vorherigen Erzählungen über sie) gutes Leben gehabt. Das war ihre Aussage. Außerdem war es ihrer Meinung nach auch lang genug gewesen. Für mich bedeutete es, dass sie sich mit ihrem Tod nicht nur abgefunden, sondern auch versöhnt hatte.

Vielleicht sehnte sich ihre Seele auch nach einem immer währenden Frieden?

Mir fehlt sie. Kaum hatten wir uns wiedergefunden, verließ sie mich wieder, und diesmal für immer, unwiderbringlich.

Viel, viel jünger waren alle 21 Todesopfer, die am 24. Juli 2010 in Duisburg infolge der Love Parade starben.


Der Tag der Love-Parade und jener danach ...

Weder durften wir mit dem Auto unseren Stadtbereich verlassen, noch fuhren Busse in der Nähe ab. Mein Mann arbeitete an diesem Tag und hatte seinen Wagen am Tag zuvor in weiterer Entfernung geparkt. Er fuhr mit dem Fahrrad zu seinem Auto.

In der Innenstadt war bereits am frühen Morgen alles abgeriegelt, um den zu erwartenden Strom der Besucher einen langen Weg bis zum Veranstaltungs-Gelände zu schleusen.

Der nahe Park war ebenfalls zum Teil abgesperrt. Er wäre eine Abkürzung gewesen.

Im Nachhinein kann man vieles erklären, aber auch im Vorfeld war der Zugang zum Fest-Gelände jedem bedenklich erschienen, der ihn kannte:

Durch diesen Tunnel mussten alle Ankommenden, aber auch die, die das Festgelände wieder verlassen wollten.

Es hätte einen besseren und kürzeren Weg gegeben:

Dafür hätte man die A 59 teilweise sperren müssen ... dann hätten die Leute auch nicht durch diese Unterführung der Karl-Lehr-Brücke gemusst.

Ich weiß von einem Sicherheitsdienst, der es abgelehnt haben soll, hier die Verantwortung tragen zu wollen  ...

Ein "Chaos-Forscher" der Universität-Gesamthochschule-Duisburg fand den Zugangsweg unbedenklich.

Als ich am Nachmittag dieses von der Temperatur her heißen Tages mit Robin und Bienchen in unserem Park war, sah ich riesige Menschenmassen, die durch die Straßen ihrem Ziel entgegen liefen, eskortiert von der Polizei.

Diese bat in permanenten Durchsagen darum, langsam zu gehen.

Vermutlich war zu dieser Zeit der Tunnel bereits hoffnungslos überfüllt. Auf späteren, auch Zeitungs- Fotos ist erkennbar, was vielleicht auch jeder schon an meinem Foto von dem leeren Tunnel sieht:

Man musste nicht unter Panikattacken leiden, um hier panisch werden zu können.

Es wurde einer der traurigsten Tage der Stadt-Geschichte.


Fortsetzung folgt
Copyright Silvia Gehrmann

Samstag, 30. Mai 2020

30. Mai 2020 - Bienchens Geschichte - 15. Teil


Nachdenken ...

Denn zunächst einmal ging ich davon aus, dass meine Mutter irgendwann in der nächsten Zeit aus dem Krankenhaus entlassen werden würde -

und nun wollte sie sehnlichst ihr Bienchen wieder sehen.

Das musste organisiert werden.

Zwischen meiner Mutter und mir und ihrem Bienchen lagen etwa 300 Kilometer. Also konnte ich nicht mal so ad hock das Bienchen an ihr  Krankenbett bringen.

Und da es Juli war, würde es auch mit Hotel-Reservierungen nicht einfach sein ...

Ich nahm mir vor, an einem Tag hinzureisen, und erst am nächsten nach einem 2. Besuch zurück zu reisen.

Die halbe Nacht machte ich mir Gedanken, wie es zu bewerkstelligen sein, zeitnah nach Trier zu fahren, mit Bienchen als wichtigem Gepäck.

Am frühen Morgen konnte ich alles wieder aus meinem Kopf streichen ... aus der Klinik erreichte mich um 8.00 Uhr am 19. Juli 2010 der

Anruf, dass meine Mutter um 3 Uhr in der Nacht verstorben war.

Nun mussten meine Pläne in eine völlig andere Richtung gehen ... Christel musste beerdigt werden. Ihr Haushalt musste aufgelöst werden. Ich musste mir einen

Erbschein besorgen.

Einen Erbschein benötigt man nicht allein aus dem Grund, Werte zu erben, sondern auch im Sinne der Verstorbenen Entscheidungen treffen zu dürfen.


Mit Hunden kann man keine klärenden Gespräche führen

Ich schnappte mir erst einmal Robin und Bienchen und fuhr mit beiden zum Wald. Dort wollte ich durchatmen und trauern.

Mir war klar, dass meine Mutter das allerwichtigste in ihren letzten Lebenstagen geregelt hatte: Sie hatte Bienchen bei mir untergebracht. Das ließ sie sicher ruhig einschlafen.

Ich dachte an sie wie man an seine Mutter denkt, die einem manchen Schmerz bereitet hatte (ich ihr sicher noch viel mehr) , aber am Ende unendlich fehlen würde. Jeder hat nur eine Mutter - sie ist unersetzlich und nicht

entbehrlich.

Aber wie kann man einem Hund, der immer noch um sein Frauchen trauerte, beibringen, dass dieses nie wiederkommt,

dass es sie nicht schnöde und grundlos verlassen hatte ...?

Das geht überhaupt nicht. Bienchen tat mir unendlich leid. Obwohl sie sich bereits ein wenig an mich gewöhnt hatte,

würde sie mich sofort und unverzüglich und sang- und klanglos hinter sich gelassen haben, wenn meine Mutter wieder käme.

Ihre Trauerzeit war nicht vorbei. Im Nachhinein denke ich, dass es etwa ein halbes Jahr dauerte bis sie mich als "Ersatz" vollkommen akzeptierte.

Heute bin ich ihr Herzblatt, soviel steht fest - damals war ich lediglich auf dem ehrgeizigen Weg,

ihr Herzblatt zu werden.


Die unangenehmen Dinge

... die man nach einem Todesfall erledigen muss, konnten nicht warten. Eigentlich braucht man Zeit zur Besinnung, zum Andenken an den Verstorbenen und zum Trauern - in Wirklichkeit muss man sich um viele Dinge kümmern, die gleichzeitig so banal wie auch notwendig sind.

In Trier fand ich ein Beerdigungs-Institut, das ausschließlich von Frauen geführt wurde, und der erste Eindruck täuschte am Ende nicht:

Sie haben alles bestens und in meinem Sinne getan, was nötig war ... ohne, dass ich persönlich bei ihnen vorbei kommen musste.

Mehr noch: Sie haben mir am Ende mehr geholfen, als es der Beamte vom Amtsgericht tat, bei dem ich den Erbschein beantragen musste.

Immerhin war meine Mutter der erste Mensch, dessen letzten Weg ich allein gestalten musste - mitsamt allem, was sonst noch daran hing.

Im übrigen musste ich etwa 6 Wochen auf den Termin bei diesem Beamten vom Amtsgericht warten. Er war angeblich gerade im Urlaub ...

Seltsamer Weise ist der Mann wohl oft verreist, denn später hat jemand anderer aus meiner Bekanntschaft genau dieselbe Erfahrung mit dem Amtsgericht Duisburg gemacht.

Zu diesem Erbschein erzähle ich später mehr.

Für mein schönstes Erbe brauchte ich zum Glück keinen besonderen Schein:

Mein Bienchen war ohne weitere Formalitäten in meinen "Besitz" übergangen ... Halt, eher war ich in ihren Besitz übergegangen.

Mamas größtes Geschenk an mich.

Fortsetzung folgt
Copyright Silvia Gehrmann


Freitag, 29. Mai 2020

29. Mai 2020 - Bienchens Geschichte - 14. Teil


Bienchen, das Moppelchen

Sie war nicht nur moppelig. Sie war simpel fett (als das obige Foto entstand,  hatte sie bereits abgespeckt). Daraus resultierte ihre relative Bewegungsunfreundlichkeit. Eine Kastration ist natürlich nicht gerade das probate Mittel, einer Fettleibigkeit zu Leibe zu rücken. Allerdings gab es zu der Kastration keine Alternative.

Fressen war ihr größtes Hobby. Spazieren gehen? Na ja, gerne, wenn sie Bedarf hatte. Für sie hätte ein Gassi-Gehen ausgereicht.

Das allerdings war nicht machbar, weil Robins Bedürfnisse gestillt werden mussten - und die ihr auch gut zu Gesicht standen.

Anfangs plante ich, mit Robin allein zum Wald zu fahren - und mit Bienchen nur eine kurze Runde zu drehen. Aber diesen Plan ließ ich schnell fallen ... sie sollte sich ruhig etwas anstrengen müssen. Sie musste endlich das richtig gute Hundeleben kennen lernen ... auch, wenn sie anfangs denken mochte, das sei Tierquälerei.

Bei meiner Mutter hatte sie das tolle Hundedasein leider nicht kennen gelernt. Christel hatte sich Bienchen geholt, als sie 74 Jahre alt war und auch nicht mehr freudig Kilometer um Kilometer runterriss. Bienchen verbrachte ihre schönsten Stunden hauptsächlich im Garten. Als ob je ein Garten allein einem Hund genügt hätte!

Langsam gewöhnte Bienchen  sich an lange Spaziergänge ...

aber gleichzeitig geschah etwas, das ich der kleinen Malteserin  nicht vermitteln konnte, und auf das ich mich selber erst einmal einstellen musste ...

15 Jahre ohne Mutter - und dann einen Monat mit Mutter, die mich für immer verließ.


Der Anruf der Ärztin aus dem Klinikum Mutterhaus Trier

erreichte mich am Sonntag, dem 18. Juli 2010, um genau 15.00 Uhr.

Hier an der Ruhr auf der A 40 gab es an diesem Tag das sogenannte Ruhr-Stillleben der Kultur-Hauptstadt Europas. Auf dem Ruhrschnellweg zwischen Dortmund und Duisburg ruhte der Verkehr - die Strecke wurde für Fußgänger und Feste freigegeben. Das wurde ausgiebig genutzt.

Warum ich die Uhrzeit nicht vergessen habe, weiß ich nicht. Aber genau 12 Stunden später ...

Die Ärztin leitete die Palliativ-Station, auf der meine Mutter inzwischen lag. Hauptsächlich rief sie an, damit ich meiner Mutter einen Wunsch erfüllte:

Christel wollte ihr Bienchen wiedersehen!

Wer nun einwendet, dass dies in Krankenhäusern nicht möglich sei, sollte sich einmal erkundigen, ob es er es nicht einfach pauschal aburteilt, dass Tiere in Kliniken unerwünscht und nicht erlaubt sind.

Auf der Palliativ-Station im Trierer "Klinikum Mutterhaus" war dies möglich - nach Absprache natürlich.

Während die Ärztin mit mir sprach, schwirrten mir Gedanken durch den Kopf, die sich um Bienchen drehten:

Sie war nun seit einem Monat bei uns, und inzwischen konnte ich sie auch ohne Leine laufen lassen, denn sie unternahm keine Fluchtversuche mehr.

Selbst an unseren Kater Lucky

Lucky wurde 20 Jahre, drei Monate und einen Tag alt, gestorben 2012

hatte sie sich gewöhnt, und sie hatte jede Menge Respekt vor dem alten Katzen-Kerl, der diesen auch stetig einforderte. Wenn es ihm danach gelüstete, legte er sich mitten in einen Türrahmen - und niemand durfte mehr den Raum wechseln, weder Bienchen noch Robin.

Außerdem hatte Bienchens permanente Angst vor jedem anderen Hund, dem wir draußen begegneten, nachgelassen. Sie war insgesamt

entspannter.

Ein Besuch bei meiner Mutter würde sie zurück werfen.

Natürlich berichtete die Ärztin mir auch vom allgemeinen Gesundheitszustand meiner Mutter: Dass sie ziemlich krank war, wusste ich,

aber dennoch war die Medizinerin sicher, dass meine Mutter die Klinik noch einmal verlassen würde.

"Der Zustand Ihrer Mutter ist stabil!" sagte sie.

Genau 12 Stunden später, um 3 Uhr morgens, starb meine Mama.


Fortsetzung folgt

Copyright Silvia Gehrmann


Montag, 25. Mai 2020

24. Mai 2020 - ARD - Tatort Stuttgart - "Du allein"



Tatort Stuttgart
"Du allein"

Bereits der Titel suggeriert, dass hier ein Plot ablaufen wird, der etwas mit Liebe zu tun haben könnte. Den Titel vergisst man eine kleine Weile wieder,

als die Kommissare Bootz (Felix Klare) und Lannert (Richy Müller) einen Brief bekommen, der an die ermittelnden Kriminalbeamten der Mordkommission gerichtet ist - und nur die Ziffer 1 enthält. Noch ist an diesem Tag kein Mord geschehen ...

Doch der Tag ist noch lange nicht zu Ende, und so wird eine Journalistin das erste Opfer. Kurz darauf bekommen die Beamten einen Erpresserbrief, der als

von einem muttersprachlich Deutschen verfasst wurde, mit mittlerer oder höherer Bildung, identifiziert wird. Zu 54 Prozent handelt es sich bei dem Täter um einen Mann, zu 46 Prozent um eine Frau.

Erste Ermittlungen ergeben, dass hier jemand ohne eigenen Bezug wahllos Menschen erschießt, und dass einer Ziffer 1 unweigerlich die 2 und weitere folgen werden.

Soll man die Bevölkerung aufklären? Soll man Angst und Schrecken verbreiten? Zumindest Kommissar Bootz entschließt sich, seine geschiedene Frau und seine Kinder in eine sichere Abgeschiedenheit zu schicken.

Es wird zunächst vernachlässigt, im Umfeld der Opfer ausführlicher zu ermitteln - und dem 1. Mord folgt der 2. In dessen Umfeld wird gar nicht ermittelt ...

Das liegt natürlich auch an der Zeit, die ein Tatort zur Verfügung hat: Zumindest sichern die Kommissare alle Unterlagen der ersten beiden Opfer.

Sie finden eine klitzekleine Gemeinsamkeit: Beide waren zur selben Zeit vor 3 Jahren im selben Kino und haben "Fluch der Karibik 5" gesehen ...

Zum Glück wird dieser Fall nicht zum Fluch der Kommissare, die zunächst an ein zufälliges und grundloses Töten geglaubt hatten. Durch kriminalistisches Graben haben sie nun die Chance, den Täter oder die Täterin einzugrenzen.


Sterben in einem Bank-Vorraum

In der 2. Hälfte des Krimis bekommen die Zuschauer nicht nur einen Blick auf die Täterin, sondern auch auf ihre Motivlage.

Drei Jahre zuvor ist ihr verheirateter Geliebter in einem Bank-Vorraum bewusstlos zusammengebrochen, neben ihm eine Flasche Bier ... die ihm wohl zum Verhängnis geworden ist. Denn 4 Leute gehen achtlos an ihm vorbei zum Geldautomaten und denken: Nur ein Betrunkener!

Seit wann man Betrunkenen in einer Notlage nicht helfen muss, ist mir nicht bekannt. Allerdings werden die (im Film) später wegen unterlassener Hilfeleistung aus dem Grund freigesprochen, weil sie glaubten, es handele sich um einen Betrunkenen ... der seinen Rausch ausschläft.

Der Mann in der Bank war allerdings nicht betrunken, sondern hatte einen Herzinfarkt - mit schneller Hilfe hätte man ihn womöglich retten können.


Parallelen

Genau solch einen Fall - ohne Selbstjustiz - gab es vor einiger Zeit in unserer Stadt. Ein älterer Mann lag bewusstlos - oder vielleicht sogar bereits tot - in einem Bankvorraum,

als mehrere Menschen, durch Überwachungskameras am Ende überführt, interesselos an ihm vorbei gingen.

Diese Leute wurden später wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt - und meines Wissens auch verurteilt.


Die Täterin

Für sie gilt "Du allein". Für sie gilt, mit dem Tod ihres Geliebten ist auch sie gestorben. Nur bei einem der in ihr Visier geratenen Opfer zögert sie - den Inhaber eines Zeitschriftenladens kennt sie persönlich, und er ist stets sehr freundlich zu ihr ...

Aber auch ihn will sie am Ende nicht verschonen. Nur ist ihr hier die Polizei endlich einen Schritt voraus und überwältigt sie in seiner Wohnung.


Fazit

Ein Tatort, wie man ihn gern ansieht.  Keine Spur von Langeweile fördert das frühzeitige Einschlafen vor dem Bildschirm.

Dennoch: Taten, die man nicht nachvollziehen kann. Ihr 3. Opfer, eine Frau, erschießt Tamara vor den Augen derer eigenen Tochter,

obwohl sie als selbst Traumatisierte wissen müsste, wie sich das auf das spätere Leben des Kindes auswirkt.

So könnte man irgendwann nach Tamaras Freilassung eine Fortsetzung dieses Krimis drehen -

das dann erwachsene Kind erschießt die gerade aus der Haft entlassene Frau,

die damals ihre Mutter so brutal vor ihren Augen getötet hat.

Knapp 4 von 5 möglichen Sternen für diesen spannenden Krimi-Abend.


Guten Morgen, Gruß Silvia

Samstag, 23. Mai 2020

23. Mai 2020 - Bienchens Geschichte - 13. Teil



Von Allenstein nach Dortmund

Nun stand Christel mutterseelenallein in Dänemark, wo sie niemand wollte. Das einzige, was sie spürte, war Ablehnung. Ein unbequemer Flüchtling ... nein, das brauchte man in Dänemark nicht.

Die folgenden Ereignisse, die sie zuerst nach Bochum und dann nach Dortmund verschlugen, bekomme ich weder zeitlich noch chronologisch aneinander gereiht. Außer, dass sie zuletzt nach Dortmund kam und dort später meinen Vater kennen lernte.

Ich weiß nicht mehr, wann sie vom Tod ihres Vaters und zwei ihrer Brüder erfuhr. Lediglich weiß ich, dass sie hoffte, dass ihr Bruder Heinz überlebt hatte - diese Hoffnung wurde erst 1976 vollständig zunichte gemacht. Das Rote Kreuz arbeitete zuverlässig, und es verfolgte auch lange zurückliegende Spuren erfolgreich.

Obwohl ihr natürlich klar war, dass er in 1976 bereits seit langem tot war.  Und sie auch seit vielen Jahren zuvor  keine Hoffnung hatte, nach so langer Zeit ein Lebenszeichen anstelle einer Todesnachricht zu bekommen.


Bruno

hieß ihr Vater. Christel hing mit inniger Liebe an ihm. In dem Verhältnis zu ihr, seiner einzigen Tochter, war er der liebevollste Vater und überdies auch Mensch, den sie je kennen gelernt hatte.

Daher brachte sie seine Tätigkeit in Norwegen nicht überein mit dem ihr bekannten Menschen, dem sie nichts Böses zugetraut hätte. Aber irgendwann war ihr klar:

Er musste ein Nazi gewesen sein. Einerseits war es ihr bewusst, andererseits leugnete sie es. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf ...

Später in ihrem Leben sammelte und las sie unendlich viele Bücher über das 3. Reich, auch in der Hoffnung, darin eine Entlastung für ihren Vater zu finden ... irgendeine Erklärung, die ihr den geliebten Vater in dem Licht erscheinen ließ, in dem sie selber ihn sah.

Ich weiß nicht, ob sie diese Erklärung je gefunden hat. All die vielen Bücher habe ich am Ende zusammen gepackt und sie von Paul an Leute verschenken lassen, die sie lesen wollten.


Mamas Waldo




Waldo war ein Langhaardackel - und wie Pünktchen gehörte ihr auch dieser Hund nicht. Er gehörte dem Geschwisterpaar Möllmann, bei dem sie in Dortmund Unterkunft gefunden hatte. Allerdings wusste Waldo nicht, dass er nicht ihr Hund war:

Er benahm sich eher so, als wäre sie sein Eigentum.

Als ich auf die Welt kam ... begann er, mich zu hassen. Nein, Hass ist ein zu großes Wort, denn es war Eifersucht. Schlimm gebissen hat er mich, als ich ein Kleinkind war. Bis heute trage ich dem nur einer Person treuen Dackel nichts nach, er ist in meinem Gedächtnis geblieben,

als wäre er mein eigener Freund gewesen.

Ich kenne viele Geschichten über Waldo. Denn er muss großartig gewesen sein.

Irgendwann wurde der arme Kerl von einem Auto überfahren und starb.

Durch dieses Geschwisterpaar lernte sie später auch meinen Vater kennen. Er war leider viele Jahrzehnte kein besonders tierlieber Mensch, und Waldo bedeutete ihm rein gar nichts. Nach all diesen Jahren und viel später verdrehte ihm der Pudel

"Panni"

den Kopf und polte ihn zu ihren Gunsten zu einem großen Hundefreund um.

Bienchen hat er nicht mehr kennen gelernt. Er starb 1994.

Doch mit ihrem liebevollen, aber auch sturem Wesen, hätte sie ihn sicher ebenso verzaubert wie sie es mit meiner  Mutter tat ...

und schließlich hat Bienchen auch mich mit dem bestem Charakter, den man sich denken kann, überrumpelt ...

Ich wollte doch eigentlich keinen zweiten Hund.


Fortsetzung folgt
Copyright Silvia Gehrmann


23. Mai 2020 - Mit einem Apfel fing alles an ...



Mit einem Apfel fing alles an ...

und jetzt haben wir den Salat.

Als Erstes kam die Neugierde in die Welt, vielmehr ins einstige Paradies, und Eva outete sich als erstes Bad-Girl der Geschichte. Diese  Eigenschaft vererbte sie nach dem Apfelklau an nicht wenige Nachfahrinnen.

Dabei hätte sie es so leicht gehabt, das Paradies zu erhalten. Doch bereits ihr Schöpfer muss ihr einen Mechanismus eingebaut haben, der in direkter Verbindung mit Adams

Rippe

nichts Gutes verheißen ließ.

Neben der Neugierde war es das unbedingte Verlangen, etwas Verbotenes zu tun. Sie hat wohl geglaubt, Detektiv Gott bemerke es nicht, und somit hätte sie auch die erste Ordnungswidrigkeit begangen, die beinahe nicht geahndet worden wäre.

Nicht überliefert ist, wie Adam das dringende Verbot, von diesem einen Apfelbaum zu pflücken eingehalten hätte - und wie lange er standhaft geblieben wäre.

Forsch wie Frauen sind, ist sie ihm vermutlich nur einen Schritt voraus gewesen. Warum dieser Schritt im Folgenden begründete,

dass die Frauen den Männern untertan wurden, ist unklar. Aber so blieben es die Frauen für eine weitaus größere Zeit als die,

in der sie sich endlich erkämpften, den Männern zumindest einigermaßen gleichgestellt zu werden.

Im Grunde wusste Gott natürlich, welch unvollkommene Geschöpfe seiner darstellenden Künste ihm aus seinem Atelier entfleucht waren. Dennoch wollte er ihnen nicht den kurzen Blick ins Paradies verwehren,

und sie sollten diesen Blick an ihre Nachfahren weitergeben: Alle Nachfahren sollten eine kleine Ahnung davon bekommen, was ihnen für immer versagt bleiben wird.

So zeigt sich Gott nicht großmütig und ist eindeutig der Meinung, dass ein jeder für die Sünden seiner Vorfahren bezahlen muss.

Er ist eben ein ziemlich altmodischer und konservativer Mann.

Überdies ist er sich nicht sicher, dass sein Kreativ-Direktor, der Heilige Geist, versehentlich anstelle des Gesellenstücks das Übungsstück namens Adam im Paradies ausgesetzt hatte.

Das würde immerhin erklären, dass wir

noch heute von allen guten Geistern verlassen sind.


Guten Tag, Gruß Silvia

Freitag, 22. Mai 2020

22. Mai 2020 - Bienchens Geschichte - 12. Teil


Von Allenstein nach Dortmund

Geboren wurde meine Mutter als Edith Margarete Christel Gehrmann, Rufname Christel, am 4. Februar 1930 in Allenstein/Ostpreußen.  Ich stelle mir vor, wie ihre Eltern und ihre drei Brüder das neu geborene und heiß ersehnte Mädchen staunend begrüßt haben.

Es lebte in einem starken Familienverbund. Leider habe ich keinen einzigen von ihrer Ursprungsfamilie je kennen gelernt. Sie sind allesamt im Krieg "geblieben". Die letzte Nachricht über den Tod ihres Bruders Heinz kam 1976 über das Rote Kreuz. Er war kurz vor Kriegsende gefallen - im doppelten Sinn gefallen in der Brutalität des Krieges, und dem ewigen Gefallen und der tiefen Liebe seiner Schwester, die dies nie verwunden hat.

Als meine Mutter etwa 14 Jahre alt war, drang der 2. Weltkrieg auch in Ostpreußen ein. Zuvor war der Landstrich weitgehend verschont geblieben, aber jetzt wurde die Erde unter den Füßen der Menschen zu heiß. Meine Großmutter packte ihr jüngstes Kind,

und sie flohen auf dramatischen Wegen über die Ostsee nach Dänemark.

Was derweil aus Pünktchen wurde ... entweder habe ich es vergessen, oder meine Mutter hat es mir nie erzählt. Möglich ist es  auch, dass ich nie nach dem Hündchen gefragt habe: Aus Angst vor der Antwort? Aus Sorge? Aus damaliger Gleichgültigkeit? Ich weiß es nicht mehr.

In Dänemark kamen Mutter und Tochter in ein Lager. Darin waren hauptsächlich Frauen, Kinder und alte Männer untergebracht. Die unbeliebten Flüchtlinge wurden nicht gut behandelt

- meine Mutter hat später jahrzehntelang keine Produkte aus Dänemark gekauft,

so tief saß dieses Trauma.

Derart musste meine Mutter bereits als Halbwüchsige, die eigentlich eine "Karriere" als Prinzessin vor sich gehabt hätte, erfahren,

wie bitter das Leben unerwartet zuschlagen kann.

Die miese Behandlung durch die Dänen war allerdings nicht das Schlimmste (verunreinigte Speisen waren u. a. auch an der Tagesordnung), denn schnell breitete sich im Lager Typhus aus.

Auch Christel und ihre Mutter erkrankten daran. Ihre Mutter Alma starb an der Krankheit.

Nach Almas Tod passierten ein paar Dinge, die ich als solche zwischen Himmel und Erde einnordnen muss. Aber ich lasse sie erst einmal  - vielleicht auch für immer - unerwähnt.

Etwas frappierend Ähnliches geschah nach dem  Tod meiner Mutter in 2010 ... ob ich darüber schreibe, weiß ich noch nicht. Vielleicht lasse ich es meine Leser auch zwischen den Zeilen vermuten.

Meine Christel war jahrzehntelang Dauerausscheiderin des Typhus-Erregers und wurde später ständig vom Gesundheitsamt Dortmund kontrolliert. Auch wir als Familie mussten Stuhlproben abgeben -

aber da sie in allem sehr sauber, fürsorglich und vorausschauend war, wurde nie jemand von uns infiziert.

Unterdessen - lange vor meiner Geburt - war ihr Vater und der Mann meiner Großmutter in Norwegen. Dies führte später zu einer großen Irritation meiner tief demokratischen Mutter,

denn er leitete dort eine Fabrik. Irgendwann nach dem Krieg hatte Christel Kontakt zu der norwegischen Sekretärin ihres Vaters. Der dauerte eine lange Zeit und soll sehr herzlich gewesen sein.

Auf die Irritation komme ich später zurück ...

Der Tod ihrer Mutter wurde ihr erst spät, genau eine Woche danach,  mitgeteilt. Denn in der Krankheit hatte man Mutter und Tochter voneinander getrennt.

All dies und das im nächsten Teil Folgende fiel mir in 2010 wieder ein, als ich ihre Malteser-Hündin Bienchen zu mir nahm.

Bienchen war vielleicht Christels letzte Brücke nach Allenstein und zu Pünktchen. Zuvor - in den vielen Jahren nach Pünktchen - hatte sie auch Hunde gehabt, aber immer Pudel.

Es war, als ob sie nicht an Pünktchen erinnert werden wollte und sie sich deshalb nie einen Malteser ins Leben geholt hat - so wie gewisse Ähnlichkeiten  manche Menschen an schlimme Erlebnisse erinnern ... ich weiß es nicht.

Ob Bienchen sie dann doch sehr an Pünktchen erinnert hat? Ob das schmerzlich war?

Man fragt viel zu wenig. Auch ich habe so viele Fragen nicht gestellt. Zu spät, Versäumtes nachzuholen ...

Fortsetzung folgt
Copyright Silvia Gehrmann

Donnerstag, 21. Mai 2020

21. Mai 2020 - Christi Himmelfahrt vs. Vatertag




Christi Himmelfahrt
vs.
Vatertag

Für Google steht fest: Heute ist Vatertag. Damit es niemand übersieht, wird das angezeigt, sobald man seinen Computer startet. Christi Himmelfahrt wird sang-, klang- und erwähnungslos ausgesperrt.

Für manche Väter war der ureigene Tag noch nie so dringend nötig und verdient wie gerade in Corona-Zeiten. Endlich einmal weg von zu Hause, die Kinder der dazugehörigen Mutter überlassen,

und schwungvoll den Frust der letzten Wochen von der Seele saufen.

Manche Väter haben in Quarantäne und/oder Home-Office die schul- und kitafreien Zeiten ihrer Kinder nicht nur genießen können,

sondern auch gelernt, was Überforderung sein kann.

Sie haben erfahren:

Die Schule ist nicht nur zum Lernen da, sondern auch gedacht, die Kinder einmal fernab von Zuhause in andere Oberaufsicht abgeben zu können.

Die berufliche Arbeit dient nicht nur dazu, den Lebensunterhalt zu sichern, sondern sich auch täglich verdrücken zu dürfen.

So haben einige heute eine ganz andere Sicht auf Arbeit und Schule.

Heute dürfen sich die allgemein verunsicherten Väter - auf Abstand - zusammenraufen, um auf sicherem Terrain, auf dem der Genuss alkoholischer Getränke eine Hauptrolle spielt,

einander zuzuprosten, welch tolle Kerle sie doch sind.

Bollerwagen werden aus den Kellern befreit, um ihren höchsten Feiertag zu begehen. Ob Planwagenfahrten möglich sind - keine Ahnung. Aber mit Mund-Nasen-Schutz lässt es sich schwerlich aufs Vatersein trinken.

Mir bleibt nur der völlig nüchterne und klare Wunsch, allen tapferen Vätern einen schönen Tag zu wünschen - treibt es nicht allzu



Guten Tag, Gruß Silvia




Dienstag, 19. Mai 2020

19. Mai 2020 - Buch-Kritik: "In Liebe dein Karl" von Ingrid Noll

Einem geschenkten Gaul guckt man
nicht ins Maul?

In Liebe dein Karl

Autorin Ingrid Noll
Eine Sammlung von Kurzgeschichten und autobiografischen Erzählungen. Das Buch erschien 2020.


Eine liebe Freundin hat mir in und wegen Corona-Zeiten dieses Buch in den Briefkasten gesteckt, und ein paar sehr freundliche Zeilen dazu geschrieben. Und natürlich habe ich das Buch gelesen, obwohl ich noch nie ein Fan von Ingrid Noll war ...

und es auch nicht mehr werde.

Ich hoffe, ich darf diesem geschenkten Gaul ins Maul gucken:

Die ersten beiden Kurzgeschichten sind noch ganz passabel, aber danach geht es leider bergab, und die Verfasserin blieb von guten Ideen völlig verschont.

Wenn Langeweile einen Namen hat, dann den von Ingrid Noll. Altmodische Ausdrücke verheddern sich in Geschichten, die am Ende ... ja, zu irgendeinem Schluss führen ... aber erbaulich ist das alles nicht.

Ich erinnere mich vage, vor langer Zeit einen ihrer Krimis gelesen zu haben. Ich wollte, ich hätte ihn derart inhalieren können wie es die breite Öffentlichkeit tat - aber der Roman mit seinen diversen Morden war trotz allem Niederträchtigen von einer Langeweile geprägt, die mich beim Lesen oft genug gähnend überfordert hat.

Dieses Buch aus diesem Jahr toppt das noch. Unentschlossenheit über den Buch-Inhalt kommt hinzu.

Was interessieren mich als Krimi-Leserin Auszüge aus der Biografie einer Ingrid Noll, die im übrigen derart langweilig aufs Papier oder auf den Bildschirm gebracht wurden, dass ich mich frage,

ob sie nicht genügend Krimi-Kurzgeschichten parat hatte?

Ideen-Insolvenz?

Völlig aus der Zeit gefallen ist ihr Bekenntnis zu der Buch-Figur Heidi (jener aus den Schweizer Bergen) - wen verlocken solch banale Geschichten heute noch zu einem Buchkauf? Selbst für einen Blog-Beitrag wäre das von absolut minderster Qualität.

Die letzte Geschichte handelt von Ingrid Nolls "letztem Tag" und ihrem Testament. Keine Sorge, sie lebt noch ...

aber sowohl von ihr und vom Verlag wurde das Buch vermutlich schnell mit einer heißen Noll-Nadel zusammengestrickt,

um den Gewinn aus dem Werk ihrem Testament hinzufügen zu können.

Sorry, dass ich diesem geschenkten Gaul doch ins Maul geguckt habe. Als Geschenk in einer schwierigen Zeit war es ein toller und liebevoller Gedanke,

in dem Buch zu lesen, war leider vergeudetet Zeit.


Guten Tag, Gruß Silvia


Samstag, 16. Mai 2020

16. Mai 2020 - Der außerplanmäßige weltweite Maskenball 2020




Wenn du es nicht mit Humor nimmst,
hältst du es nicht aus - die ersten beiden Fotos zeigen mich, im Hintergrund (oben) mein unvergessener Lucky-Kater




Der außerplanmäßige weltweite Maskenball

Diese Corona-Zeiten sind verdammt hart, also muss man seinen Humor bewahren.

Und vielleicht auch seinen Sinn für Mode?

Ganz modern sind derzeit die hippen Masken, die oft von fleißigen Händen mit viel Liebe selber genäht wurden und werden. Ich habe auch ein paar davon, aber ich möchte den gleich folgenden Facebook-Freundinnen und Freunden und ihren Fotos auf keinen Fall die Show stehlen. Daher habe ich auch auf dem 2. Foto "vergessen", meine Lesebrille abzusetzen. Es zeigt mich vor unserem

Stadttheater. Wie in einem Theater komme ich mir manchmal auch vor, wenn ich morgens wach werde und mir der Schrecken der Jetzt-Zeit ins Gedächtnis sticht: Es ist

unwirklich. Man möchte, dass dieses Theater-Stück endet - und man nach Hause gehen kann.

Stattdessen müssen wir mehr als sonst aufeinander achtgeben. Und damit meine Leser sehen, dass ein Teil dieses Achtgebens durchaus schön aussehen kann, hier die versprochenen Fotos einiger Facebook-Freund*innen mit ihrem neuen Gesichtsschmuck:


Stephan Sulke




Uli Patrunky: "Schützt eure Liebsten."




Marita Jopke

"Ich hab die Masken, die ich in Gebrauch habe, von einer FB-Freundin (Maria-Anna Mossel) geschickt bekommen. Ich bin ihr sehr dankbar, denn sie sind besonders angenehm zu tragen. Ich nutze sie täglich, bis mir gezeigt wird, dass sie überflüssig sind."

Marianne Ortmann

"Ich finde einfach, dass man auch mit Mund- und Nasenabdeckung dafür sorgen kann, dass man gepflegt und eventuell auch lustig aussehen kann!
Ich trage diese Teile auch bei der Arbeit in einem Modegeschäft, und so habe ich sie passend zu meinen Outfits....! Zu den gesundheitlichen Aspekten möchte ich mich lieber nicht äußern, da es dazu doch sehr viele unterschiedliche Meinungen gibt.
Lieben Gruß"


Gertrud Conradt
"Ich bin froh, im Moment zu Hause bleiben zu können. Es laufen mir zu viele Gestörte rum, die anscheinend liebend gern eine 2. Coronawelle haben wollen. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich mal eine brauche, habe ich mir eine Maske aus Baumwolle gehäkelt, mit zwei Lagen Baumwollstoff gefüttert. Ich kann sie abkochen und heiß bügeln.
Bleibt alle gesund."
Sylvia - "Ich trage Maske, weil wir alle gesund bleiben sollen und niemand das Virus weiter tragen soll ..."
Elke Stammberger
"Mit dem richtigen Humor (er)trage ich jede Maske"
Anita Rogatsch


Quittes Freund Andy steht nur Modell für diese von einer Frau vorbestellten Maske


Quitte schreibt:

"Plötzlich war sie da, die Verordnung, überall Masken zu tragen. Obwohl ja vorher noch behauptet wurde, diese Dinger bringen nix.

Also ran an die Nähmaschine, denn wenn schon, denn schön. Nähmaschine auf den Wohnzimmer-Tisch gewuchtet, Stoff ausgesucht und ein schönes Schnittmuster gefunden. Konnte losgehen. Dachte ich.

Aber die verflixte Maschine gab keinen Mucks von sich. Nähte einfach nicht.  Meine Nachbarin Susi fiel mir ein und ich trabte zu ihrem Gartentor. Zum Glück war sie draußen und wir konnten uns mit dem gehörigen Abstand unterhalten. Ich fragte sie, ob sie mir die alte Nähmaschine, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte, leihen könnte.

Kein Problem für meine Susi. Eine halbe Stunde später stand die alte Quelle-Nähmaschine auf meinem Hof. Mit Gebrauchsanleitung von Anno-Tuck. Der jahrhundertalte Staub musste noch entfernt werden und dann gings los. Dachte ich.

Das Einfädeln war so kompliziert, dass ich sicher 'ne Stunde gebraucht habe, bis ich das Teil zum Nähen brachte.

Die erste Maske war natürlich für Susi.

Als mein Freund die sah, wollte er auch gleich so ein Ding. „Kriegst auch ne Flasche Sekt dafür!“, grinste er.

OK, also noch mal die gleiche Maske, eine Nummer größer.

Langsam kam Routine auf. Die nächste Maske war für mich und ich wollte so gerne noch die Spitze einbauen, damit sie etwas feiner aussah. Das Ergebnis fand ich ganz gelungen und hier seht ihr meinen Freund, der sich als Fotomodell für meine Maske zur Verfügung gestellt hat. Auch Männer können Spitze tragen."


Petra Schweitzer



"Ist ja wohl klar von wem die Maske ist 🙂🙂🙂 von Marianne natürlich."😘. Lg Petra



"Ich trage sie nur, weil wir es müssen. Hoffe, dass der Spuk bald vorbei ist. Kenne bisher nur eine Person, die an Corona erkrankt war." 😘


Ich bedanke mich bei euch fürs Mitmachen und das Zusenden eurer privaten Fotos. Hoffentlich können wir irgendwann - besser früher als später - alle Masken in die Tonne kloppen und brauchen sie nie, nie wieder.

Guten Tag, Gruß Silvia

15. Mai 2020 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Bielefeld bei Svea

Vorspeise: „Brandung und Rasen“ mit Pasta Aglio e Olio
Hauptgang: Loins vom Kabeljau mit Kartoffelstampf und im Ofen geschmortem Fenchel
Nachtisch: Joghurt-Limetten-Pannacotta auf Cantucciniboden und Ingwer-Obstsalat


Am Ende der Woche
wird abgerechnet

und man erkennt, dass das Leben auch im kleinen Rahmen hart, aber ungerecht ist. Wie viel sinnvoller wäre die in leiernder Wiederholung von Vox am Anfang jeder Woche gestellte Frage "Wie findest du die Gruppe", würde man sie am Ende einer jeden Woche stellen?

Dann kämen Wahrheiten auf den Tisch, während an Montagen eher die Hoffnung eine Rolle spielt und zu positiven, aber übereilten Vor-Freuden, Anlass gibt.

Svea, die Juristin, arbeitet für die Bäckerei-Filialen ihres Mannes. Welche Tätigkeit sie dort ausübt, erzählt sie nicht. Sie wird kaum die Brötchen backen,

denn Kochen ist der Mittelpunkt ihres Lebens.

Genau für dieses Kochen wird sie von Oliver und Christian in Grund und Boden gestampft. Man könnte beinahe den Eindruck gewinnen, dass die beiden sich abgesprochen haben,

damit Oliver der Sieg nicht flöten geht.

Oliver ist der hochgelobte Super-Hobby-Koch, der nicht einmal Loins kennt, dem es aber an Selbstbewusstsein nicht fehlt.

Svea, die sonst kein Fleisch isst, bereitet Fleisch zu. Das allein könnten die Kerle schließlich honorieren. Allerdings scheint sie es ohnehin nicht so eng zu sehen, wenn es um Gelatine geht. Heute benutzt sie erstmals eine vegetarische Variante. Und das auch nur, um Güllünaz nicht vor den Kopf zu stoßen,

der es heute trotz Kehlkopfentzündung gut geht. Wenigstens geht es ihr nicht so gut, dass sie weiterhin die Vox-Clownin gibt. Sie ist endlich von 100 auf 50 runter gekommen.

Sveas Punkte: 9 von Anna Sophie, je 7 von Güllünaz und Oliver und nur 5 von Christian. 5 Zähler sind wirklich bitter, und die muss Svea zwar schlucken, aber nicht ernst nehmen. Damit hat nämlich nicht Svea mit nur 28 Punkten den Schwarzen Peter, sondern Christian. Er wird schon auf der Facebook-Senderseite genau für diese 5 Punkte sein Fett wegkriegen.

Es gewinnt - wie von ihm erwartet - Oliver.


Die 3.000 Euro kann er nun in neue Konzert-Karten investieren (falls es irgendwann mal wieder Konzerte gibt) und passende und polarisierende T-Shirts kaufen. Die kann er allerdings jetzt bereits käuflich erwerben. Oder er kauft

jede Menge Steine, um sein Lego-Imperium zu erweitern. Mir wäre es auch egal, wenn er zusammen mit Christian kräftig einen auf diesen Sieg hebt.

Vox scheinen nun langsam die neuen Sendungen auszugehen: Gab es in den letzten Wochen ein über die andere Woche eine Neu-Ausstrahlung bzw. eine Wiederholung,

stehen nun mindestens gleich 2 Wiederholungswochen bevor: Die eine geht ins Rhein-Ruhr-Gebiet, die andere an den Bodensee.

Ich wiederhole mich nun auch, wie an jedem Samstagmorgen, und wünsche allen ein schönes und gesundes Wochenende.


Guten Morgen, Gruß Silvia

Freitag, 15. Mai 2020

15. Mai 2020 - Interview mit Petra über die DDR-Zwangsadoption ihrer Tochter Bärbel

Telefon-Interview mit Petra

Die Geschichte einer Zwangsadoption
in der damaligen DDR

Solch ein Interview kann man nicht mit einem traurigen Unterton oder Mitleid führen, sondern muss es ganz sachlich angehen,

denn Petra hat es stellenweise hörbar schwer, nicht zu weinen. Doch auch sie bleibt sachlich. Wir kennen uns online und vom Telefon seit ein paar Jahren, und wir verstehen uns.

Obwohl?: Allein die Erinnerung an durchgemachte Qualen könnten genau diese traurigen Gefühle wieder hervorholen.

Doch Petra ist heute überglücklich. Ihr Leben könnte nicht besser verlaufen. Sie hat ihre Tochter Bärbel wieder gefunden,

nach vielen, vielen, endlos langen Jahren, in denen die Fragen nach dem geliebten Kind stets präsent waren.

Daher ist es auch ein gut gelauntes Interview.


Im Jahr 1974

begann Petra mit 16 Jahren ihr Studium in Karl-Marx-Stadt. Sie studierte auf den Abschluss einer Diplom-Lehrerin für Polytechnik hin.

Dieses früh angesetzte Studium war in der DDR nach dem Abschluss der 10. Klasse möglich, das Abitur wurde mitsamt dem Studium nachgereicht - und galt ab dem Abschluss des Studiums als vollendet und bestanden.

Diese Erklärung gab Petra mir nebenbei, weil ein Studienbeginn mit 16 Jahren mir aus dem Westen nicht bekannt war. Aber in der DDR war es eine Möglichkeit, besonders begabte Kinder aus z. B. Arbeiterfamilien eben auch besonders zu fördern.

Es ist ja niemals alles nur schlecht ...

Gleichzeitig wurde Petra blutjung in Karl-Marxstadt schwanger.

Mit ihren Eltern in ihrem Heimatort konnte sie nicht darüber reden, denn diese hatten mit einer großen Kinderschar, Petras Geschwistern,  genug zu tun, und sicherlich andere, eigene Sorgen - Petras Mutter schob außerdem schon immer gerne ihre Probleme beiseite.

Petra fühlte sich nicht nur sprichwörtlich mutterseelenallein.

Petra sollte sich noch wesentlich verlassener fühlen ...


Eine Sozialfürsorgerin

gab Petra zu bedenken, dass ein Weiterstudieren als junge Mutter schwierig würde. Damals lebte Petra von 190 Ost-Mark im Monat.

Die Gespräche mit der Sozialarbeiterin führten bereits zielweisend darauf hinaus, dass Petra ihr Kind besser zur Adoption freigeben sollte - und ein solch junger Mensch ist leicht zu beeinflussen, wenn man ihm nur die richtigen und stimmigen Argumente in die Hand gibt.

Diese Frau ließ Petra auch in ein Krankenhaus einweisen, da die Geburt kurz bevor stand.

Am 24. Dezember kam Petras Christkind zur Welt. Von der übrigen Welt verlassen, wusste Petra beim ersten Anblick ihrer kleinen Tochter, die sie Bärbel nannte, dass sie sie behalten wollte.

 Unbedingt! Allen Problemen zum Trotz!

Aber am 27. Dezember 1974 wurde dem Mädchen Petra ihr Kind sang- und klanglos weg genommen. Sie sah es jahrzehntelang nicht wieder.

Petra fragt sich bis heute, welche Rolle ihre eigene Mutter dabei spielte? Da sie selbst minderjährig war - musste jemand die Einwilligung zur Adoption erteilt haben.

Inwieweit bei anderen Zwangsadoptionen in der DDR Einwilligungen erschlichen wurden, kann man andernorts nachlesen. Es gibt genügend Berichte darüber.

Fortan wurde Petra von den Krankenschwestern der Station wie "der letzte Dreck" behandelt, der sein Kind weg gegeben hatte.

Hatten die Schwestern keine Ahnung von dem wirklichen Geschehen?


Die Jahre danach

ließen Petra permanent an ihr kleines Mädchen denken. Sie fragte sich, wie sie im Alter von einem Jahr war, wie ihr die Einschulung gefallen würde ... und auch sonst ging Bärbel ihr nie, nie aus dem Sinn. Man hatte ihr den wichtigsten Teil ihres Lebens geraubt, und es sah gar nicht gut aus, jemals etwas über

Bärbels Schicksal zu erfahren.

Noch zu DDR-Zeiten versuchte sie vergeblich, ihre Tochter zu finden. Es war aussichtslos. Auch nach der Wende hatte sie kein Glück.

Im Jahre 2012 bekam Petra - inzwischen schon lange verheiratet und Mutter eines Sohnes - Depressionen. Außer mit ihrem Mann hatte sie mit niemanden über ihr verlorenes, geraubtes  Kind gesprochen.

Stattdessen stürzte sie sich in die Position einer Frau, die stetig Hilfe für andere leistete, fast schon zwanghaft  - und auch, um sich und ihrer vermeintlichen Schuld an diesem Verlust entgegenzuwirken und die Schuld abzugelten (die völlig andere Leute für Institutionen leisteten) , mühsam abzuarbeiten.

Wegen ihrer Depression war sie in Behandlung. In einem Gruppengespräch erzählten zwei Mitglieder der Riege, dass sie als Kinder adoptiert worden seien - und was sie von Müttern hielten, die ihre Kinder weg gaben.

Dies war der Knackpunkt für Petra, ihre Schuldgefühle endlich aufzuarbeiten. Und sich mit ihrer traurigen Geschichte zuerst in der Therapie-Gruppe und dann in der Öffentlichkeit zu outen. Sie wollte Schluss mit all den Geheimnissen

um ihr Schicksal machen.

Im Internet gab (gibt)  es eine Gruppe, in der sie ihre Geschichte erzählte - und gleichzeitig nach ihrer Tochter suchte.


Ein Happy End

Über viele Umwege fand schließlich Petras Tochter Bärbel, die immer gesagt hatte:

Wer mich weg gibt, muss mich auch suchen!

ihre Mutter Petra wieder.

Am 31. Dezember 2018 bekam Petra eine SMS mit einigen wenigen, aber den wichtigsten Worten ihres Lebens:

Ich bin Bärbel, die du suchst.

Am 6. Januar 2019 haben Mutter und Tochter zum ersten Mal miteinander telefoniert. Am 21. Januar 2019 haben sie sich endlich wieder gesehen.

Nach 45 Jahren voller Schuldgefühlen löste sich für Petra ein Knoten: Die beiden Frauen verstanden sich auf Anhieb, entdeckten viele Gemeinsamkeiten - sogar ihre Stimmen klingen ähnlich.

Sie sehen sich regelmäßig und wollen bald sogar in eine Nachbarschaft zueinander ziehen, die übrigens in einem anderen Land ist.

Bärbel versteht sich bestens mit ihrem Halbbruder und mit Petras Mann, der sie "mein Mädchen" nennt.

Petra empfindet ihr jetziges Leben als rund und gelungen. Sie könnte nicht glücklicher sein.

Demnächst wird sie auch Bärbels Adoptiv-Mutter kennen lernen.


Vielen Dank, liebe Petra, für dieses offene Interview. Deinen Nachnamen lasse ich außen vor, er ist zweitrangig neben dieser traurigen und doch so glücklich ausgehenden Geschichte,

die das Leben am Ende dann mit einem Happy End gekrönt hat. Du hast es dir mehr als verdient. Und Bärbel kennt endlich ihre Wurzeln.


Guten Tag, Gruß Silvia

14. Mai 2020 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Bielefeld bei Oliver


Vorspeise: Variation vom Lachs an Salat
Hauptgang: Filet vom Borgholzhauser Weiderind mit Rosmarinkartoffeln, Karotten und Erbsenpüree
Nachtisch: Variation von der Schokolade mit Früchten


Das Lego-Museum

Falls die Firma Lego einmal einen Wettbewerb starten sollte, wer ihr bester Kunde ist, könnte Oliver durchaus die Nase vorn haben. Steinchen auf Steinchen gesteckt, hat er sich eine beeindruckende Plastik-Welt geschaffen.

Zeiten ändern sich, aber den Mann als Sammler gibt es noch immer.

Heute offenbart Oliver zusätzlich seine Jagdleidenschaft: Für den Jackpot der Woche liegt er auf der Pirsch. Er weiß ganz genau, dass seine Chancen gut stehen ...

Vor allem gehört ihm dieser Abend zum größten Teil allein, denn die dominante Güllünaz hat ärztlicherseits eine Kehlkopfentzündung attestiert bekommen.

Daher würde ich ihr raten, auch weiterhin ihre Stimme zu schonen. Das kommt nicht nur ihrer Genesung zugute, sondern auch den Ohren der Zuschauer.

Vielleicht hat sie aber zusätzlich  ihr Pulver bereits verschossen. So ruhig war sie in den vorherigen drei Tagen nämlich nicht. Es ist eine reine Freude.

Keine Freude ist allerdings die lange Zubereitungszeit für jedes Dinners, die uns weiterhin von Vox zugemutet wird. Man könnte den einen oder anderen Handgriff durchaus überspringen.

Interessant wird es meistens erst, wenn die Gäste eintreffen. Und eine Gästin kann heute durchaus noch etwas lernen:

Oliver richtet seine Speisen wesentlich besser und attraktiver an als die Food-Stylistin Anna Sophie.

Im Gegensatz zu ihrem Menü scheint Olivers auch geschmacklich mehr zu überzeugen.

Auf die Frage, ob er ein perfektes Dinner zubereitet hat, druckst Oliver ein bisschen herum ... er möchte vermutlich nicht unbescheiden rüber kommen,

aber sein Blick spricht eine deutliche Sprache: Ich habe perfekt abgeliefert!

So sehen das seine Gäste auch: Dreimal je 10 Punkte geben Anna Sophie, Christian und Svea, 8 Punkte zückt Güllünaz.

Mit 38 Umdrehungen marschiert er an die erste Stelle dieser Wochen-Challenge.

Svea, die am letzten Tag kochen muss, witzelt über den besonders in Bielefeld weltbekannten Dr. O.:

Nach dieser Vorlage könnte sie es sich einfach machen und mit seinen Produkten kochen.

Da fällt mir die allererste Dinner-Woche ein: Da hat eine Teilnehmerin tatsächlich für ihren Nachtisch Dr. O. zu Werke gehen lassen. Ihre anderen Gänge waren auch nicht besser. Soviel dazu,

dass früher alles besser war.


Guten Morgen, Gruß Silvia

Donnerstag, 14. Mai 2020

14. Mai 2020 - Heiratsmonat Mai





Heiratsmonat Mai

Schon Sokrates stellte fest: "Heirate oder heirate nicht, du wirst beides bereuen."

Heiraten an und für sich ist etwas Wunderbares, Romantisches, Einmaliges. Der Hochzeitstag wird als "der schönste Tag im Leben" betitelt. Und darin liegt schon das ganze Dilemma.

Wenn das der schönste Tag ist, kann es ja nur noch bergab gehen. Und so geschieht es auch in einem Drittel aller Ehen in Deutschland.

Das bedeutet aber nicht, dass zwei Drittel glücklich bis an ihr Lebensende sind. Die einen bleiben zusammen wegen der Kinder, die anderen führen jeder ihr eigenes Leben. Und ein kleiner Teil wird vermutlich wirklich im glückseligen Tal des Glücksstrudels verharren. Und jeder, der sich irgendwie arrangiert, ist sowieso glücklich. Oder zufrieden.

Oder zu faul, sich auf die Suche zu begeben oder alternativ allein weiterzuleben.

Wo liegt der Schlüssel zum Glück? Zumindest ist er gut versteckt, und niemand kann ihn einfach googlen. Aber finden kann man ihn vielleicht doch.

Er liegt zwischen den Zeilen und den Gedanken. Er liegt in etwa zwischen Freundschaft und Begehren. Er ist manchmal verschollen und taucht urplötzlich wieder auf.

Er liegt zwischen Geheimnis und Wahrheit. Und vor allem liegt er für jeden woanders.

Es gibt keine Rezepte und keine Garantien für ein "Gelingen auf den Punkt".

Liebe geht durch den Magen, aber noch viel mehr durch den Kopf.

Zwei Menschen können wie die zwei Schenkel einer Schere sein: ständig auseinander treibend, aber gefährlich für jeden, der dazwischen gerät. - Zitat, Verfasser ist mir unbekannt

Ob man heiratet oder nicht, ist nicht wirklich der Punkt. Eher bleiben unverheiratete Paare freiwillig zusammen. Der Mensch an und für sich ist ein Gewohnheitstier, und er bleibt nicht gern allein. Also suche sich jeder sein passendes Gewohnheitstier und gehe auf die Suche nach dem großen Abenteuer, das sich Leben nennt.

Und am Tag der Entscheidung: Heirat oder nicht. Zusammen bleiben oder nicht. Da sollte man sich Aristoteles Gedanken zu eigen machen:

"So notwendig wie die Freundschaft ist nichts im Leben."

Das Desaster ist leider, dass viele Ehepaare niemals Freunde waren.

Es ist noch nicht zu spät. Man kann immer neue Freunde gewinnen, und wenn es der Ehepartner ist ...

"Nicht die Abwesenheit der Liebe, sondern die Abwesenheit der Freundschaft macht die unglücklichen Ehen." - Friedrich Nietzsche



Eheschließungen in Zeiten von Corona

werden vermutlich nicht zu den schönsten zählen. Zuerst war es nur möglich, zu dritt die Ehe einzugehen: Nein, das ist jetzt nicht dramatisch oder gar heikel, denn der Dritte gehört unweigerlich dazu: Es ist der Standesbeamte.

Nun darf man je nach Größe eines Standesamt-Raumes weitere Zeugen der Eheschließung hinzuladen. Doch die anschließenden Feierlichkeiten gestalten sich ebenfalls schwieriger als je ... zumindest als wir uns alle erinnern können.

Zeit, die Absicht, zu heiraten, noch einmal zu überdenken? Wie viele haben diese Chance genutzt?

Wie viele haben ihre Heirat nicht nur aufgeschoben, sondern gleich aufgehoben?

Corona hat sein Händchen in den hintersten, persönlichsten Winkeln und uns alle voll im Griff.


Guten Tag, Gruß Silvia

13. Mai 2020 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Bielefeld bei Güllünaz

Vorspeise: Zigarren-Böreks mit Schafskäse gefüllt, dazu dreierlei Meze
Hauptgang: Et Sote, dazu Bulgur und Salat
Nachtisch: Kadayif Künefe


Show-Star Güllünaz

Sie nennt sich "Güli" und spricht schon mal von sich  in der 3. Person. Solch ein Außenblick auf sich selber kann generell nicht verkehrt sein,

aber das spielt heute keine Rolle: Sie liefert genau die Show ab, die Vox gerne sendet! Hinweise darauf, dass sie die Show an sich zieht, gab es bereits in den Tagen zuvor.

Jetzt ist die Frage: Will sie weiter als Nageldesignerin tätig sein - könnte im Moment, nach der Lockerung der Kontaktbeschränkungen, ein gefragter Job sein - oder will sie doch ins Show-Biz einsteigen?

Ob sie ihr Tempo bis Freitag durchhält, werden wir sehen. Braucht diese Frau keine Erholungspausen? Braucht sie kein Runterkommen vom Selberhochschaukeln?

Bei der Vorbereitung ihres Dinners kann ich ihr nicht folgen, und will es schließlich auch nicht mehr. Es langweilt mich. Das ist mir alles zu hektisch, zu unübersichtlich, zu aufgedreht. Diese Frau gibt sich nicht mit einer Nebenrolle zufrieden - oder mit der Rolle, eine von Fünfen zu sein: Sie will im Gedächtnis bleiben.

Es ist ihr gutes Recht, diese Chance - auf was auch immer - wahrzunehmen.

Ihren Kochabend beginnt sie, ausgestattet mit einem dicken Pelzkragen. Achtung, ich sehe Tierhaare ins Essen fallen - und dies in einem tierfreien Haushalt! Später zieht sie die Jacke mit Pelz aus, denn vom eigenen Tempo wird ihr schnell selber zu warm.

Dann trudeln die Gäste ein, und es gibt Ablenkung:

Oliver trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck Feine Sahne Fischfilet, und obwohl sich diese Bande angeblich gegen Rechtsextremismus und weiteres Gute einsetzt,

polarisiert sie mit Texten, die mich selber zum Würgen veranlassen.

Zwei Texte habe ich mir angetan und sie durchgelesen. Die hören sich an, als wenn die all die Scheiße aus ihren Hirnen lassen:

Sexistisch, gewaltverherrlichend, tierverachtend!

Sarkasmus finde ich persönlich nicht. Der muss gut versteckt sein. Aber auf Wikipedia lese ich, dass die Jungs sich gerne im Nachhinein für das eine oder andere Publizierte entschuldigen oder sich sogar distanzieren.

Klar: Ich trete Leuten in den Hintern und falls diesen das nicht gefällt, sage ich im Anschluss: Tut mir leid!

Somit hat Güllünaz wirklich ein bisschen Pech, wenn das Hauptaugenmerk auf Olivers T-Shirt liegt. Zumindest ist dies beim Publikum so - denn vor Ort kommt mit keinem gesendeten Wort die Sprache darauf.

Ihre Vorspeise gefällt mir. Hätte ich gern als Abendsnack bei der Ansicht ihrer Show nebenbei gegessen.

Die Punkte fallen unterschiedlich aus: Anna Sophie und Svea geben je 9, Christian und Oliver je 7. 32 Zähler

reichen für die derzeitige Führung.


Guten Morgen, Gruß Silvia