Wir entschärfen Bomben des letzten Krieges anstatt die des nächsten.
© Horst A. Bruder (*1949)
© Horst A. Bruder (*1949)
Genau an dieser Stelle sollte jetzt mein Beitrag über das gestrige "perfekte Dinner" stehen: eine Sendung, die vielen Freude macht und keinem wehtut- und mir Spaß bereitet, darüber zu schreiben.
Stattdessen muss ich berichten, dass ich die gestrige Sendung weder gesehen habe - noch sehen "durfte", denn das
Leben mit all seiner Willkür kam dazwischen: ich musste meine Wohnung verlassen und wurde mit etwa 6.600 anderen Menschen zu einer Flüchtenden im eigenen Bezirk, die in einen anderen ausweichen musste.
Am Dienstag wurde bei Bauarbeiten in unserem Hauptbahnhof eine Weltkriegsbombe gefunden, die entschärft werden musste. Unsere
Wohnadresse lag außerhalb der Evakuierungs-Zone. Das war zumindest ein kleines Glück.
Überhaupt hatte ich noch nie in meinem Leben eine Evakuierung erlebt - was gerne genau so hätte bleiben dürfen.
Am Mittwoch kam eine Nachricht, die absolut gegen meinem frommen Wunsch arbeitete:
Es wurde erneut eine Weltkriegsbombe gefunden, aber diesmal war die Bombe schwerer, sollte kontrolliert
gesprengt werden - und mittendrin in der eingerichteten Evakuierungs-Zone liegt unsere Wohnung.
Warum auch sollte es meinem Mann und mir besser gehen als vielen anderen?
Um etwa 18.00 Uhr klingelte ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes
und hat uns persönlich von der bevorstehenden Evakuierung unterrichtet. Wem aber kommt solch eine Nachricht schon recht?
Unser Nachbar war gerade in einem Online-Meeting. Unsere anderen Nachbarn stecken in Indien fest, da ihr Rückflug über Dubai geht. Dagegen ist die
kontrollierte Sprengung einer Bombe sicherlich nur ein Anlass, mal über Bomben im allgemeinen nachzudenken - und was sie anrichten. Und das noch jahrzehntelang nach ihrem Abwurf.
Wir haben das Beste draus gemacht
und gegen 19.30 Uhr erst einmal einen langen Spaziergang mit unserer Hündin Momo unternommen, um danach eine urige Kneipe anzusteuern,
in der wir die nächsten Stunden verbracht haben.
Nach dem ersten Bier entspannte sich mein Gemüt - und mit anderen Gästen, die ebenfalls als Flüchtende oder auch nur zum Spaß unterwegs waren, entstanden lustige Gespräche.
D i e jedoch waren nur möglich, weil wir alle ganz fest an die
Fähigkeiten der super Mitarbeiter
des Kampfmittelräumdienstes
glauben.
Die Sprengung, die um 21.00 Uhr stattfinden sollte, hatte sich verschoben, weil sich immer wieder Leute im Gefahrenbereich aufgehalten haben. Denen winkt nun
ein Ordnungsgeld.
Wir waren erst spät wieder zu Hause.
Nur aller guten Dinge sind drei
... möchte ich heute sagen, denn zwei Bombenfunde an zwei aufeinanderfolgenden Tagen sind mehr als genug. Bitte!
Guten Morgen, Gruß Silvia

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