Die Abzocke
Anderen ist die ja schon immer bekannt, aber ich bin neu hier, mich abzocken zu lassen,
jedoch ohne sogleich in ein Abhängigkeitsverhältnis zu einem bösen Spiel zu geraten.
Dabei hätte ich die 5.000 Euro monatlich und insgesamt 180.000 Euro wirklich gut brauchen können, die Vox
mittels einer Telefon-Nr. und der Nennung des Lösungswortes "Dinner" versprochen hat.
Doch: ich komme nicht einmal in die Auslosung,
und das ist genau der Trick, mit dem man auch bei insgesamt geringer Zuschauer-Beteiligung die Profi-Spieler anlockt, die selbst nach dem 20. Mal immer wieder nur hören, dass sie nicht in die Auslosung gelangen - und sich immer weiter in den Ruin telefonieren.
Selbst mir ist natürlich nicht entgangen, wer hier das kürzere Ende der Kerze in Händen hält.
Meine Ideen, was ich mit all dem Geld machen könnte, haben sich schneller in Luft aufgelöst, als die Atmosphäre sie wieder zurückbläst. Immerhin hatte ich Ideen dazu ...
Dann stehe ich vor der Kasse, hinter der mir eine augenscheinliche Multimillionärin, die hier nur aus reinem Versehen einem normalen Job nachgeht,
erklärt, dass ich eine Birkin-Bag nicht einfach bezahlen und mitnehmen kann, sondern mich in aller
Demut anstellen - und Referenzen einreichen muss, die jedem Gerichtsvollzieher
helfen würden, versteckte Vermögenswerte aufzudecken.
Ich erwache aus meinem Traum, dass ich den Jackpot gewonnen habe, fühle mich wie einmal eiskalt geduscht -
und möchte nur noch dem wirklichen Gewinner der 180.000 Euro gratulieren - finde ihn aber nirgendwo. Nicht einmal, um ihn anzupumpen. Vermutlich weiß ich nur nicht, wo ich ihn suchen sollte.
Die Verkäuferin indes zieht ihr dominant hervorspringendes Schnütchen verächtlich in die Höhe und verweigert mir den Champagner, der eigentlich Usus in solchen Läden ist,
während ich sowieso nur versehentlich eine Einlasskarte für den Tempel der Begehrlichkeiten bekommen habe, die
jenen vorbehalten ist, denen man schon rein äußerlich ansieht, dass sie
ihre teuren Chirurgen bar bezahlen können, während ich Sorge vor der nächsten Tierarzt-Rechnung habe.
Aber wir springen ja über Hürden, wenn wir müssen.
Und was soll es: auch eine Birkin-Bag erkennt nicht jeder, dem ich vor seiner Nase damit herumspiele, als ein Must-Have, damit er endlich weiß, was ich mir leisten kann ...
was ja nun leider nicht der Fall ist, denn ich könnte ... unter Umständen ... und ganz vielleicht ...
selbst mit 180.000 Euro nicht glücklicher werden als ich es bin ... aber vermutlich habe ich ohnehin nichts verloren, höchstens eine
teure Handtasche. Für eine Birkin-Bag kann man auch schon mal mehr als 180.000 Euro hinlegen.
Guten Tag, Gruß Silvia
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