Donnerstag, 21. Januar 2016

20. Januar 2016 - Vox - Das perfekte Dinner - Zwischen Elsass und Schwarzwald - Mittwoch in Oberkirch bei Elise


Champagner

Rote-Bete-Carpaccio mit karamellisiertem Ziegenkäse und Trüffel

Blanquette de veau (=Kalbsfrikassee) mit Nudeln und Bohnen im Speckmantel

Himmlische Tarte Tatin mit Vanilleeis


Die Kirche bleibt im Dorf

Dafür rollt Matthias eine rote Decke aus, auf der er und Petra einen Kniefall machen - denn Elise sagt, sie habe den Blätterteig für die Tarte Tatin selber zubereitet.

Den Nudelteig rührt sie auch selber zusammen und knetet ihn - doch die schwierige Aufgabe des dünnen Ausrollens übernimmt ihre Mutter Carmen. So ähnlich wird es sich mit dem Blätterteig, der am Tag zuvor gefaltet wurde, auch verhalten haben.

Das Fleisch schmurgelt ebenfalls bereits vor sich hin - und für mein Dafürhalten am Ende mit drei Stunden zu lange. Es handelt sich schließlich nicht um einen zähen Ochsen, sondern um ein zartes Kälbchen, von dem Stücke in einer Soße - nein, eher in einer Suppe garen.

Natürlich ist Elise erst zwanzig Jahre alt, und ich würde das gern berücksichtigen. Aber warum sollte ich? Wenn junge Leute Köche oder Köchin werden möchten, entscheiden sie sich dafür in den meisten Fällen in noch jüngeren Jahren.

Keinen Kükenbonus von hier.

Aber auch sonst keinen Bonus für eine nervige Stunde, in der ihre monotone Stimme kaum mal die Ebene verlässt und sich gefühlsmäßig in Höhen oder Tiefen schwingt. Immer auf einem Point Zero plätschert die Stimme dahin - und der Dialekt erledigt sein übriges: Ich verstehe nur die Hälfte.

Vor- und Nachspeise sind obendrein kein Hexenwerk, abgesehen natürlich von dem Blätterteig im Dessert. Schön sieht aber auch anders aus. Obwohl es sicher gut geschmeckt hat.

Matthias, der Kniefallende, gibt nur sieben Punkte.

Peter, der Karnevalist, zeigt mal wieder, wie ernst der Karneval eigentlich ist. Bislang suche ich erfolglos jeden Anflug von Humor in seinem Wesen.

Petra, die so gern Froschschenkel isst, ist auch nicht zimperlich mit ihrer Kleidung: An der Strickjacke baumeln ein paar echte Fell-Fetzen. Wenn man all diese kleinen Fetzen und Bommel an Mützen addiert, ergibt sich daraus großes, überflüssiges Tierleid. Wobei Leid natürlich immer überflüssig ist.

Von hier aus bekommt Elise acht Punkte. Mehr nicht. Sie ist über kein Kuckucksnest geflogen oder hat die Gäste in schwindelerregende Höhen kulinarischer Genüsse mitgenommen.

Die Gäste geben ihr dreiunddreißig Punkte. Und da ist sicher hier und da ein Kükenbonus inklusive.

Mir graut vor dem nächsten Abend bei Peter und den zu erwartenden Jubelrufen "Hurra, lasst uns lustig sein".

Bis jetzt hat mich diese Woche und haben mich diese Teilnehmer noch nicht sehr belustigt.

Guten Morgen, Gruß Biene

2 Kommentare:

  1. Die irgendwie elegische Elise erstaunte gestern ihre Gäste mit ruhigem und solidem Können.

    Nicht, dass es ihr übermässig was gebracht hätte -

    verbale Hymnen, ok, die kosten ja nix, dem naiven Mädchen in`s Gesicht geschleimt, dass sie verlegen errötete - mei, wie niedlich und hintenrum werden die Klappmesser der Besserwisser gezückt.

    Von denen aber keiner Nichts weiss, nicht was Kalb auf Französisch heisst, nicht was eine Tarte Tatin darstellt, alles Klassiker der französischen Küche...

    Und dann noch mit Punkten geizen!
    Klar, war das nicht "perfekt", aber alle-Achtung-8-Punkte hat sich die junge Elise schon locker verdient.

    7 Punkte zu ziehen ist absolut unfair, sowohl von Peter als auch von Mathias, ich vermute, sie haben Angst um ihre künftigen Ergebnisse....

    Aber zurück zum Mittwoch:

    Die Vorspeise gefiel mir sehr, auch gerade weil die Rote Bete lediglich schlicht mit Fleur de Sel gewürzt war.

    So kam ihr intensives Eigenaroma bestens zur Geltung und ergänzte sich mit em samtigen Ziegenkäse.

    Dessen karamellisierte Süsse kontrapunktierte wiederum das edle Salz und dann kam noch der Trüffel in`s Spiel:

    Ich hätte Spass gehabt an diesem Gang und seiner stillen Raffinesse.
    Ein Stückchen vom selbstgebackenen Baguette wär allerdings noch schöner gewesen dazu.

    Der Hauptgang war nicht ganz so gelungen, manche Gerichte brauchen altersreifere Köche, gerade was ein delikates Würzbalancieren betrifft.

    Aber auch von Anfang an kenne ich das Blanquette anders (meine Schwester war 1978 als au Pair in Frankreich und brachte u.A. dieses Rezept mit):

    Ich koche dafür separat einen Kalbsfond, für das Frikassee würfel ich Kalbsschulter würze und mehliere das Fleisch, brate es an, giess mit dem Fond auf und schmore das Ganze 90 min auf kleiner Flamme mit Karottenscheiben und Bouquet garni.
    Champignons und Zwiebeln in der Pfanne kurz vorm Servieren, wie Elise es auch tat, aber die Mehlschwitze muss richtig satt und sämig sein und bekommt schlussndlich durch Ei und Cremefraiche nur Extrapolitur - bei Elise war das leider Plörre.

    Meine Schwester gab am Schluss noch einen Schuss trockenen Sherry an`s Frikassee, etwas schwarzen Pfeffer: Köstlich!

    Bandnudeln hätte ich sogar passend gefunden, wenn denn die Sosse eine Sosse gewesen wäre...
    Aber toll, wie Elise auch diese Teigware routiniert wie eine Alte abgearbeitet hat, obwohl sie mit 20 für so etwas wie Routine ja noch gar keine Lebens-Zeit hatte.

    Das Dessert kenne ich eigentlich mit Mürbteig, so finde ich es aber ungleich feiner.

    Ich gehe mal im Zweifel FÜR die Angeklagte aus und denke, dass Elise den Blätterteig von A-Z selbst gemacht hat.

    Die karamellisierten Äpfel flutschten ihr auch gut aus der Pfanne - das Dessert sah grandios lecker aus.

    Beim Eis verwunderte mich der Eischnee? Dem Eiskristallgemecker hingegen kann ich nur entgegenhalten:

    Löffel nehmen, einmal rühren, geniessen, Klappe halten.
    Herrgottsakra!

    Bisher die beste Leistung der Woche.

    Schnee, Schnee, Schnee, - 6° bibber SSSSussssiiii

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  2. Moin @ zusammen.

    Elise, die Zweisprachig aufgewachsen ist und einen Doppelpass besitzt, erstellte ein ordentliches pD, welches fast perfekt war. Für den Einkauf benötigte sie nur noch Gemüse, da das Fleisch schon seit dem Vortag köchelte.
    Ihre Mutter half ihr bei den Vorbereitungen. Ja Elise hatte gut aufgepasst bei Oma und Mutter und setzte es gekonnt um. Aufregung beim Kochen kennt sie anscheinend nicht, denn sie kann es.
    Auch machte sie alles was ging selber, ohne Fertigprodukte. Auch kam Elise ohne viel techni-sches Gerät aus. Ein Dreimix reichte ihr vollkommen aus.

    Aperitif: Champagner, der auch noch vom Gast geöffnet wird, ist ja keine Leistung. Allerdings wird der Aperitif ja nie gewertet.

    VS: für jemanden der Rote Bete mag war das sicherlich gut. So kam der Geschmack der RB auch gut zur Geltung. Auch fand ich, es muss nicht alles mit einer Vinaigrette erschlagen werden. Allerdings auch nicht mit Balsamiko. Den Ziegenkäse fand ich gut gemacht. Trüffelscheiben geschnitten, damit es schöne Scheiben ergibt, toll. Petra war es zu wenig Trüffel. Genau, wenn etwas teuer ist und umsonst, so kann nicht genug da sein. Ich fand die Trüffelmenge mehr als ausreichend. Es sollte ja kein Trüffelsalat sein. Allerdings fehlte mir, das in Frankreich übliche Brot dazu, egal welches.

    HG: die Bandnudeln hat sie sauber erstellt. Mit der Soße hatte sie etwas Pech, sie war einfach zu flüssig. Warum Kalbfleisch, ein zartes Fleisch, so lange köcheln musste, hat mich gewundert.
    Gelungen war diese Art Ragout aber schon. Was aber an einem französischen Gericht verwun-derte, es war kein Wein darin. Die Bohnen im Speckmantel kennen wir ja mehr als Zuviel, aber auch sie wurden belobt.

    DS: gut, ohne Eismaschine hat man gerne Eiskristalle. Aber das ist ja keine Leistung, wenn eine Maschine etwas macht. Ich habe nicht gesehen, dass das Eis von jemandem verschmäht wurde.
    Die Tarte kam bei allen sehr gut an. Den selbstgemachten Blätterteig konnte man nur loben. Dass Matthias und Petra eine Wette abgeschlossen hatten, ob Elise den Blätterteig selber macht, fand ich lustig. Es sah alles nicht nur lecker aus, sondern war es anscheinend auch.

    Elise machte ein gutes Dinner, war immer freundlich und bemüht um die Gäste. Allerdings hätte auch sie auf die Schürze am Tisch verzichten sollen. Sie war eine ruhige und geübte Köchin, was man in dem Alter sicherlich nicht erwartet hatte. Natürlich gibt das keinen Kükenbonus. Dass sie noch zu Hause bei Mutter und Bruder lebt, ist verständlich, da sie noch kein eigenes Geld verdient.

    Na toll, Kniefall für den selbstgemachten Blätterteig auf einem roten Handtuch und sonstiges Lob, reichten für Matthias nur zu 7 Punkten. Hatte Matthias die ganze Woche von zu großen Portionen gesprochen, so blieb heute kein Krümel auf seinen Tellern übrig.
    Peter fehlte noch einiges zum pD, aber weitere Erklärungen fehlten. Also auch 7 Punkte.
    Das Rumgeschleime von Beiden am Tisch war ja schrecklich. Wie sonst auch immer, hielt das alles bis zur Wertung. Fair war das von beiden nicht, aber wir werden sie ja bald selber am Herd erleben.
    Die 9 Punkte von Petra hätte ich jetzt nicht erwartet.
    Mögen die 10 Punkte von Gerd auch zu hoch gewesen sein, aber im Vergleich zu ihm vollkom-men verdient. Gesamt gesehen erhielt Elise 33 verdiente Punkte, für das bisher beste Menü der Woche.

    LG rudi - Sonne über Sonne und kaum kalt

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