Samstag, 24. November 2018

24. November 2018 - Mein Hunde-Sohn Robin - 36. Teil

Boomer

Zwei ganz besondere
Menschen

und sie möchte ich gesondert erwähnen, denn der eine war mir so ans Herz gewachsen wie die andere. Und beide haben mich verlassen:

Franz B. ist verstorben, und meine Freundin Hanna ist nach Österreich, in ihre Heimat, zurück gekehrt.

Ich hatte Franz B. schon öfter mit seinem Hund gesehen - und eines Tages, ich saß auf einer Bank, denn es war heiß und Robin wollte lieber öfter eine Pause einlegen, da gesellte er sich zu mir, und wir kamen ins Gespräch, das bis zu seinem Tod nicht mehr abreißen sollte.

Sein Hund hieß Boomer, war ein verwegen aussehender Mischling - und als Hund ein ziemlich ungelernter Kamerad.

Seine Frau hatte sich einen Hund gewünscht - und egoistisch wie sie war, schenkte sie Franz diesen Fratz zu einem seiner Geburtstage.

Franz, im Alter meiner Mutter, kannte noch das Wort Pflichtbewusstsein - und ergab sich in sein Schicksal, nun einen Hund an der Backe zu haben. Er führte ihn regelmäßig aus, gab ihm zu Fressen und streichelte ihn auch. Aber von Hundeerziehung hatte er keinen Plan und auch das Interesse daran fehlte.

Und ... Boomer war der erste Hund, den ich kennen lernte, der das Wort "Leckerchen" nicht kannte. Zwar bekam er auch von seinem Herrchen hin und wieder etwas Leckeres zwischendurch, aber wortlos.

Inzwischen erfuhr ich mehr über Franz B. Wie siezten uns meistens, außer manchmal zwischendurch, ... da rutschte uns auch mal das "Du" heraus.

Wie ich war er viel in der Welt herum gekommen. So hatten wir schon mal Gemeinsamkeiten und gemeinsame Gesprächsthemen.  Die vielen Reisen machte er mit seiner ersten Ehefrau, die mit 56 Jahren und plötzlich in der Wohnung verstorben war, während er arbeitete. Sie hatten noch am Vortag irgendein Fußball-Europa- oder Weltmeisterschaftsspiel gemeinsam angesehen ...

und es war der Schock seines Lebens, sie nach Feierabend tot im Badezimmer aufzufinden.

Inzwischen waren einige Jahre ins Land gezogen. Irgendwann hatte er gedacht, dass er nicht allein bleiben wollte ... gab eine Annonce auf, und fand seine damalige Frau.

Diese hatte Haare auf den Zähnen. Ich habe sie natürlich auch bald kennen gelernt, aber warm werden konnte ich nie mit ihr. Ich glaube,

Franz B. auch nicht. Aber einmal eine Entscheidung getroffen, machte er sie nicht wieder rückgängig.

Wie meine Mutter stammte auch er aus Ostpreußen. Irgendwann waren wir so gut miteinander befreundet, dass wir uns auch zu Weihnachten eine Kleinigkeit schenkten - und zu den Geburtstagen.

Da er seine Ursprungsheimat so sehr vermisste, erstand ich zu einem Weihnachtsfest einen bebilderten Kalender über Ostpreußen. Natürlich freute er sich darüber sehr (war mir klar), aber die Freude wurde noch viel größer als er sich die Kalenderblätter näher ansah:

Auf einem der Fotos war das Haus zu sehen, in dem er aufgewachsen war. Wer konnte schon mit solch einem Zufall rechnen?

Vielleicht wollte der Himmel diesem guten Menschen auch nur eine Freude bereiten? Wer weiß schon, wie es um Zufälle wirklich bestellt ist?

Doch kleine Streitigkeiten blieben ebenfalls nicht aus: Er erzählte gerne aus der Vergangenheit, von seinen Eltern und sogar von seiner Oma ... und erwähnte er "meine Frau" ... meinte er immer die erste, nie die jetzige (zumindest nicht, wenn es um positive Dinge ging).

Manchmal ging mir dieses Leben in der Vergangenheit schon ziemlich auf den Senkel, und ich sagte nicht nur einmal:

"Wenn ich heute eine Geschichte höre, die älter als 7 Jahre ist, dann ... explodiere ich"

Er hielt sich dann eine Weile daran, er war mir nicht böse oder zumindest zeigte er es nicht.

Doch mein Hauptbestreben war es, ihn seinem Hund ein bisschen näher zu bringen, denn so ganz hatte er diesen nie angenommen, sondern nur die Verantwortung übernommen (wie schon gesagt).

Es sollte mir am Ende gelingen, diese schwierige Aufgabe zu bewältigen. Denn das hinter ihm liegende nicht gerade einfache Leben hatte ihn recht hart werden lassen.


Fortsetzung folgt - denn über Franz gibt es noch mehr zu erzählen.

Copyright Silvia Gehrmann







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