Samstag, 10. November 2018

10. November 2018 - Heimweh




Heimweh

ist das Gefühl, das uns an einem Ort verweilen und in andere nur ausflugsweise eintauchen lässt. Denn Heimweh kann verdammt bitter sein und ein unbestimmtes Grummeln in der Magengegend verursachen, manchmal von Appetitlosigkeit begleitet. Und von einer tiefen Sehnsucht.

Hanna, eine Freundin, die mehr Zeit ihres Lebens im Ruhrgebiet als in ihrer Heimat Österreich verbracht hat, musste gewisser Umstände wegen wieder nach Innsbruck ziehen.

Nun ist sie vom Heimweh geplagt und ruft mich öfter an als zu Zeiten, in denen wir noch in derselben Stadt lebten (wir mussten damals auch nicht telefonieren, denn wir hatten fixe Treff-Zeiten). In ihren Worten klingt die Wehmut, die Heimat verlassen zu haben. Jede Kleinigkeit, die hier passiert, wird für sie in der Ferne interessant, sogar, ob die Stadt-Park-Neugestaltung abgeschlossen ist  - oder wie es dem Nachbarn Herrn Sowieso geht, den sie so gerne nun auch nicht hatte.

Für Hanna ist nichts mehr wie vorher und sowieso nichts so schön wie im Ruhrgebiet.

Gestern habe ich beim Waldspaziergang mit den Hunden einen anderen Österreicher getroffen, der Hanna flüchtig kennt - und ich habe ihm von ihrem Heimweh erzählt:

Er stammt aus Kärnten, lebt auch länger hier als er dort gewohnt hat. Und obwohl er die Kärntner Landschaft - natürlich - schön findet ("aber irgendwann guckt man gar nicht mehr so wirklich hin"), gefällt ihm die Vielfalt des Ruhrgebietes einfach besser.

Sagt es und düst auf seinem Fahrrad und mit seinen Hunden weiter durch den Wald ... 

Vor vielen Jahren zog ich - freiwillig - von Dortmund in eine nur 50 km entfernte andere Großstadt - und lernte ebenfalls das Heimweh kennen. Zwar könnte man davon reden, dass es hier ähnlich ist wie in Dortmund - aber es ist eben nur ähnlich und nicht genau so. Während Dortmund auch westfälisch ist, ist Duisburg auch niederrheinisch.

Inzwischen würde es mir wohl so ergehen, wenn ich von hier weg und nach Dortmund ziehen würde, obwohl ich niemals niederrheinisch geworden bin und nur Ruhrpott-Tendenzen oder mehr noch westfälische habe.  Dortmund ist meine Heimatstadt, aber sie ist mir ein bisschen fremd geworden.

In einem Urlaub am anderen Ende der Welt:

Es war Ende September. In einem schicken Laden gab es bereits weihnachtliche Dekoration und mehr. Ich kaufte mir dort eine Zeitschrift über Weihnachten und setzte mich

damit an die Pool-Bar.

Obwohl ich überhaupt keine Heulsuse bin - ich weine so gut wie nie - spürte ich plötzlich ein paar Tränen laufen. Und die konnte ich sofort einordnen:

Es war Heimweh. Es tat weh.

In diesem Fall war es auch das Heimweh nach vier Jahreszeiten, denn nur mit einer wäre ich nie zufrieden. Da bin ich gierig.  Aber genau nur diese eine Jahreszeit gibt es dort ... an jenem Ende der Welt.

Nicht meine Welt.

Hanna und ich bleiben in Kontakt, und so bekommt sie mit jedem Brief und jedem Anruf ein Stück ihrer geliebten Heimat

Ruhrgebiet

zurück. Ob das reicht, wird die Zeit zeigen.

Aber:

"Die Zeit ist ein gnädiger Verräter, der uns lehrt, mit Verlusten zu leben (Autor mir unbekannt)".


Guten Tag, Gruß Silvia 


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