Freitag, 24. Mai 2019

24. Mai 2019 - Alternative Fakten: Letztplatzierfähige für den nächsten ESC gesucht





Letztplazierfähige für den
nächsten ESC gesucht:

Schon im Vorfeld war klar, dass die "Sisters" auf dem letzten Platz landen sollten. Das war genau so geplant, denn nur der Letzte wird irgendwann der Erste sein, der sang- und klanglos von der Bildfläche verschwindet (bei dem Überangebot an singenden Leuten ist das dringend nötig).

Dann allerdings ist es den Girlies nicht gelungen, den letzten Platz zu erobern. Sie landeten auf dem drittletzten. Ein Desaster ...

das immerhin ein paar Tage später korrigiert werden durfte:

Die "Sisters" durften mit ihrem Song Sister nach unten weg rutschen und liegen derweil auf dem vorletzten Platz. Hurra, Aufgabe fast erfüllt ...

Doch für das nächste Jahr und das neue Spiel wird nun ein Garant für den sofortigen letzten Platz beim ESC gesucht:

Freiwillige vor!

 Bevorzugt werden gutaussehende Menschen mit dünnen Stimmchen, die ruhig einmal oder einmal mehr und am besten alle Töne versemmeln können.

Und an diesem Punkt halten die Verantwortlichen inne:

Sie sind im Grunde bereits fündig geworden.

Es gibt einen Superstar, der all diese Fähigkeiten für den letzten Platz bereits erfüllt. Ihre Gagen werden im Laufe des Jahres auch noch ins Bodenlose rutschen,

so dass es nur eine einzige Kandidatin

für den nächsten zuverlässig letzten Platz gibt:

Madonna!

Zwar ist sie nicht mehr taufrisch, aber altern wird sie in diesem Jahr auch kaum. Es gibt schließlich die Rundum-Auffrischungs-Kurheime,

und man hat dort schon für Madonna einen Platz gebucht.

Und all das, bevor die Anfrage an die Super-Einäugige überhaupt raus gegangen ist.

Immerhin tut Deutschland alles, alles, um wieder auf dem letzten Platz beim ESC zu landen.

Doch dann ... ein großes ...

Update:

Inzwischen bemüht sich die Germany-Fraktion für den ESC um eine andere Person, mit der sie die Hoffnung auf einen letzten, aber wirklich allerletzten Platz erfüllen kann:

Als es Gott zu langweilig wurde, ließ er die Denker von Pro7 "Germanys Next Top-Model" erfinden, und

in eben dieser Show kreischt sich ein Model in eine keine Peinlichkeit auslassende Euphorie hinein, die den Rückschluss auf jede Menge falscher Töne zulässt. Potenzial, alle Zuschauer zu nerven, hat sie außerdem. Ein wahrer Glücksfall!

Wenn man Heidi zum Singen bringen könnte ... sie wäre glatt noch besser geeignet als Madonna. Als Lockmittel werden über 200 Millionen Zuschauer herhalten ... Das bringt auch Überdrehte zum maximalen Durchdrehen.

Man ist zuversichtlich, dass der Plan gelingen wird - selbst wenn man dafür noch Tokio Hotel als ausgemusterte Beilage in Kauf nehmen müsste (falls die bis dahin noch Kontakt zu ihrer Model-Mutter haben).


Guten Tag, Gruß Silvia



23. Mai 2019 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Regensburg bei Maria

Vorspeise: Spinat-Lachs-Röllchen mit Salat
Hauptgang: Rinderfilet mit Birne und Gorgonzola, Nudeln und Brokkoli
Nachtisch: Geeister Kaiserschmarrn mit Kirschen


Die Punkte auf Nachbars Konten

gleichen am Ende denen, die auch Maria für ihr Dinner bekommt. 32 Zähler bedeuten, sie zieht mit Klaus gleich und liegt jetzt eine "Kirsche" (aber die ist maßgebend) hinter Thorsten und Sina.

Die Physiotherapeutin Maria weiß, wie man durch einen schweren Tag kommt: Mit der Hilfe ihrer Mutter Waltraud. Wer jetzt was und warum an Küchendienst leistet, verschwimmt vor meinen Augen, weil mein Gehör etwas überstrapaziert wird.

Doch zunächst trudeln die Gäste ein, allen voran Sina inklusive dem unfertigen Bild-Machwerk, über das König Ludwig sicher not amused wäre ... und ihrem Tätowier-Besteck. Waltraud hat drei Töchter, und Maria ist eine davon, was es nicht völlig unlogisch macht, dass sie sich von Sina ein Tattoo stechen lässt, das simpel (aber unschön geschrieben)

1/3 lautet.

Dies ist für meinen Gehörsinn jedoch noch völlig irrelevant. Denn dieser wird mit einem

3/3

strapaziert:

Ähm! Genau! Tatsächlich!

Manche sollten vielleicht vor ihrem Kochtag einen Video-Tag einlegen, mit den Ergebnissen arbeiten, um dies und das abzulegen, was im Anschluss störend über den Sender kommen könnte.

Egal. Auch am Menü hapert es ungemütlich:

Es ist Maria bekannt, dass drei ihrer vier Gäste nicht gerne Fisch essen. Das wäre der Zeitpunkt, diesen aus der Vorspeise zu streichen. Warum sie das nicht macht, ist so unklug wie ihr neues Tattoo unschön ist.

Der Hauptgang leidet unter trockenen und allzu harten Nudeln. Aber das ist nicht der einzige Schönheitsfehler. Die sogenannte "Jus" sieht wie ein Brei aus oder auch so, wie es aussieht, wenn einer meiner beiden Hunde mal Durchfall hat.

Tatsächlich sammeln sich genau 32 Zähler an. Ähm?

Manchmal kann man sich nur wundern und darf dieses Wundern keinesfalls hinterfragen. Es ist wie es ist, und es soll für die Gäste am Ende

ein schöner Abend gewesen sein, in dem die Gläser nie leer wurden.

Ich bin jetzt leer, mehr fällt mir zu diesem Maria-Tag nicht ein. Abgehakt!


Guten Morgen, Gruß Silvia

Donnerstag, 23. Mai 2019

22. Mai 2019 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Regensburg bei Klaus


Vorspeise: Zweierlei Mezzelune an Nussbutter und Salat im Körbchen
Hauptgang: Sizilianischer Farsumagru, Rosmarinkartoffeln und Zucchini
Nachtisch: Rosmarineisblume, erblüht an Torta di Mele


Es sollte eine Gaudi werden

... und dann wird es nur ein langer Abend. Er beginnt mit Weißbier als Aperitif, und direkt danach werden die Gäste für eine lange Zeit sich selber überlassen. Beschwerdeführerin erster Güte ist Maria. Fast möchte ich sagen: Hoffentlich wird Maria an ihrem Dinner-Abend "Maria, ihm schmeckts nicht ..." ernten.

Ich kann mich an Dinner-Abende erinnern, die sich deutlich länger hingezogen haben. Mindestens ein Kandidat war dabei, der von der Filmerei überhaupt nicht genug bekommen konnte und seinen ganz speziellen Tag bis zum frühen Morgen um 4 oder 5 Uhr hingezogen hat. Irgendwann hat das Dreh-Team versucht, den episch langen Abenden einen Riegel vorzuschieben. Mit Droh-Klausel im Vertrag?

Trotzdem gibt es auch hier eine ziemlich lange Wartezeit zwischen Vorspeise und Hauptgang. Hieß es am Montag optimistisch, dass ihnen die Gesprächsthemen nicht ausgehen ... kann man heute fragen: Ist das wirklich noch immer so?

Und: Bekommt Maria auch genug Alkohol? Sie macht heute einen nüchternen Eindruck im Gegensatz zu Montag und Dienstag. Da geht schon mal eine Menge an Gaudi flöten.

Klaus müht sich redlich ab, doch so recht will es dem Druckermeister und Hobby-Schauspieler nicht gelingen, sein Essen zügig auf den Tisch zu bringen. Immerhin ist Thorsten von der Vorspeise derart geflasht, dass er unbedingt Nachschlag haben möchte - die Mezzelune (gefüllte Nudeln) schmecken ihm phantastisch. Ist eine gute Idee mit dem Vorspeisen-Nachschlag:

So kann Thorsten dem Hunger entgehen, bis der Hauptgang servierbereit ist.

Andererseits lahmt die Runde vielleicht auch deswegen, weil Klaus nicht mit oder nicht oft mit am Tisch sitzt. Auf Dauer reicht der offenherzige Anblick von Sina (in einem Karnevals-Dirndl) nicht, da muss man die inneren Werte wie Konversation hinzufügen können.

Klaus kann ich mir gut in den bayrischen Laientheatern vorstellen. Wenn er eine Bühne betritt, dann bekommt er das Publikum sicher schnell in den Griff.

Ganz im Griff hat er natürlich nicht die Punkte, die er für seinen Abend bekommt: Hätten die Gäste untereinander ein bisschen mehr Spaß gehabt - abseits von der Weiterbepinselung dieses Ludwig-Bildes (albern, oder erkenne ich einfach nicht den intelligenten Hintergrund?) - ja, dann wäre es im Rahmen der Möglichkeit gewesen,

dass er Thorsten und Sina um ein Pünktchen überholt. Hier bleibt er mit 32 Umdrehungen einen Punkt hinter den beiden.

Was mir noch zu sagen bleibt:

Anna-Maria, die Autorin von Fantasy-Romanen (habe ich mir das richtig gemerkt?), erinnert mich ein bisschen an eine recht seltsame Teilnehmerin im Dschungelcamp vor einigen Jahren: Ramona Leiß.

Ansonsten: Nach der vortägigen Aufregung ist es mir lieber, ein Abend zieht sich (für die Darsteller) in die Länge,

denn für mich beginnt der Dinner-Abend um 19.00 Uhr und endet um 20.00 Uhr. Egal, was in der Zwischenzeit alles passiert ...

und ob ich mehr oder weniger Futter für den Blog bekomme.

Immerhin versuche ich, auch aus dürftigen Zutaten einen Beitrag zu backen.


Guten Morgen, Gruß Silvia 



Mittwoch, 22. Mai 2019

21. Mai 2019 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Regensburg bei Sina




Vorspeise: Grießnockerl-Affäre auf bayrischer Langspielplatte
Hauptgang: Die Sau treibts bunt
Nachtisch: Sweets, Fruits & Bayrisch Creme


Gedankenlos, sinnlos, völlig daneben!

Am Montagabend dachte ich noch, welch hübsche Frau Sina ist, die auch zudem noch viel jünger als 41 Jahre aussieht. Zwar sind Tattoos nichts für mich selber, aber an anderen können sie mir durchaus gefallen ... weil ich sie schließlich nicht mit mir rumschleppen muss. Sicherlich erzählen Sinas Tattoos nicht nur ein paar Geschichten, sondern gleich ein ganzes Buch. Es wäre interessant, die einzelnen Bedeutungen kennen zu lernen.

Allerdings interessiert mich an ihrem Dinner-Abend kein einziges Kapitel mehr, und insgesamt rudere ich mit meiner Meinung, von ihr selber verursacht, zurück. Via Bildschirm befinde ich mich plötzlich in einem Event,

das nur den Zweck erfüllen soll, Sina nicht zu vergessen. Immerhin hat sie Dienstleistungen anzubieten, die vermarktet werden wollen. Durch gute Kochleistungen kann sie das nicht stemmen, da muss ein kleines

Ferkelchen herhalten, um den Erinnerungseffekt am Leben zu erhalten.

Das Ferkelchen ist natürlich nicht mehr am Leben. Aber auch posthum hat es keine Tätowierung an seinem Köpfchen verdient. Genau so sieht es mit dem Namen aus, den sie dem Tier-Kind gibt: Charlie. Unnötig! Diese Veralberung und Zurschaustellung eines toten Tieres ist seiner unwürdig. Um das abscheulich zu finden, muss man kein Vegetarier oder Veganer sein.

Hauptsache, es sind - wie Sina bereits wiederholt palavert - keine Spießer in der Runde. Selber jedoch frönt sie der Fäkalien-Sprache, was sie auch zugibt. Und Altherren-Witze sind für sie auch kein Problem - wenn das mal nicht spießig ist. Volltätowierte Menschen sind eben nicht zwangsläufig das Gegenteil von Spießern.

Dann ist sie fertig mit ihrem Machwerk der Tätowierung, und es ist nicht nur ein Rechtschreibfehler in den drei kleinen Wörtern enthalten neben all der bösen Absicht, das Ferkelchen posthum einem großen Publikum vorzuführen,

sondern der Schriftzug insgesamt ist auch noch völlig misslungen und stümperhaft.

Im Anschluss daran verhunzt sie auch noch die Klöße, die im Wasser zu einer Kloß-Suppe werden und nicht servierbar sind.

Der Nachtisch reißt es nicht raus: Selbst Pipi Langstrumpf wäre der zu farbenfroh gewesen. Eine einzige Kleckserei, als gelte es, alle verfügbaren Farben auf einen Teller zu bringen.

Thorsten denkt an seine Frau, die Vegetarierin ist, als er den Schweinekopf sieht. Auch Anna-Maria fällt es schwer, in diese (einst klugen) Augen zu sehen. Nur Maria findet das wohl große Klasse (warum?) ... ich fürchte mich bereits vor ihrem Dinner-Abend.

Hoffentlich wurde der Rest von dem Ferkel wenigstens noch im Nachhinein gegessen und nicht im Müll beerdigt.

Diese Provokation bekommt 33 Punkte. Vermutlich sieht sie sich auch als Künstlerin ...


Guten Morgen, Gruß Silvia


Dienstag, 21. Mai 2019

20. Mai 2019 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Regensburg bei Thorsten


Vorspeise: Feldsalat mit pikanten Bratkartoffelwürfeln und Speck mit Kürbiskernöl-Dressing, gerösteten Kürbiskernen und Baguette
Hauptgang: Butterweich gegrillte Spare-Ribs mit Kräuter-Kartoffelspalten, Coleslaw, BBQ- Soße und Sour-Cream-Dip
Nachtisch: Apfelküchl im Bierteig mit Vanilleeis


Hochprozentig . Hochgepunktet

Niemand soll durstig nach Hause gehen, ist die Devise von Thorsten. Einen langen Abend hingegen verspricht er nicht, eher geht alles

Zack, zack! Zack, zack ist ein Lieblingswort, mit dem ein Ex-Vizekanzler Knall auf Fall zum Beispiel einige Journalisten in den Ruhestand schicken wollte, in dem er sich nun selber wiederfindet.

Doch Thorstens Veranstaltung ist total unpolitisch und dient höchstens Werbezwecken: 4000 Essen schicken er und seine Mitarbeiter täglich in Schulen und Kindergärten im Landkreis. Hat er noch Kapazitäten frei? Ich gehe davon aus.

Thorsten selber geht davon aus, dass er nicht das perfekte Dinner zubereiten und servieren wird - und so geschieht es auch. Ich gehe davon aus, dass er die größte Liebe an diesem Abend in sein Kürbiskernöl-Dressing steckt, und dafür holt er sich sogar einen Assistenten an die Seite, der diese Vinaigrette erfunden? hat. Am Ende hilft sie dem Feldsalat beim schnellen Verwelken.

Gäste und Gastgeber sind allerdings montagsfroh: Das bedeutet: Runde bestens zusammengewürfelt, kein Nörgler oder einer mit einem "Stock im Arsch" dabei und sowieso versiegen die Gesprächsthemen nicht ... man hört es immer wieder an Montagen, bis es sich manchmal und bis Freitag ins völlige Gegenteil verkehrt. Muss hier nicht passieren, denn wenn es mit viel Alkohol weiter geht,

bleiben die Zungen gelockert, und die Laune könnte ebenfalls gut bleiben. Es sei denn, dass der tägliche Kater dem einen oder der anderen einen Strich durch die Rechnung macht.

Schnell zieht Thorsten sein Ding, sein Dinner, durch. Und zack, zack müssen die Gäste bewerten. Auch im Nachhinein bemerkt Thorsten ganz bodenständig und selbstkritisch, dass es kein perfektes Dinner war,

doch 33 Punkte sprechen dem ein wenig entgegen. Vielleicht ist es jedoch nicht nur ein hochprozentige Woche, sondern auch eine, in der hoch bepunktet wird.



Dann findet noch eine traurige Nachricht die Weltöffentlichkeit: Niki Lauda ist mit 70 Jahren verstorben.

Wenn ich zufälliger Weise etwas von Formel 1-Rennen mitbekommen habe, fand ich es immer höchst erfrischend, ihm zuzuhören.

Guten Morgen, Gruß Silvia

Montag, 20. Mai 2019

20. Mai 2019 - Die Geschichte einer Facebook-Freundin, die anonym bleiben möchte. Ich weiß natürlich, wer sie ist.


Die Geschichte einer Facebook-Freundin, die anonym bleiben möchte.
Ich weiß natürlich, wer sie ist.



Der Tod


Wäre der Tod eine Person, dann eine mit einem sehr schrägen Sinn für Humor, oder wie soll ich das beschreiben, was mir gleich zweimal widerfahren ist? 

Am 12. März 1962, eine Woche vor meinem 7. Geburtstag, sah ich, wie mein Vater an einem Herzinfarkt starb. Er wurde 54 Jahre alt.

Am 17. März 2019, zwei Tage vor meinem 65. Geburtstag, starb schnell und unvorhersehbar mein Mann. Er wurde 68 Jahre alt. Die Notärzte versuchten noch eine halbe Stunde, ihn zu reanimieren, aber es war zu spät.

Inzwischen waren unsere Kinder eingetroffen, die ich benachrichtigt hatte. Wir alle standen unter Schock. Ich hatte Schüttelfrost, eine körperliche Reaktion auf das Unfassbare. Nach einem so unvorhersehbaren Tod ohne Vorerkrankung wird der Leichnam beschlagnahmt. Es erschienen zwei Polizisten, die meinen Mann in Augenschein nahmen. Wir mussten das Zimmer verlassen. Danach konnten wir uns verabschieden. Er lag auf dem Boden vor dem Sofa, mit seiner Decke zugedeckt. Er wurde dann abgeholt. 

Die Nacht war grauenvoll. Ich schickte die Kinder nach Hause, unseren Jüngsten, der noch bei uns wohnt, ins Bett. Ich fror noch immer. Auch im Bett wurde mir nicht warm. Am Morgen bin ich wohl eingenickt. Als ich wach wurde, dachte ich, er liegt neben mir. Mir wurde schnell klar, das alles nicht nur ein böser Traum war. Ich brach zusammen. Aber ich nahm mich für meinen Sohn zusammen. Er litt schon genug. Mittags kamen wieder alle. Wir besprachen, was nun zu tun ist. Die Bestattung war zu organisieren.

Die Sterbeversicherung musste benachrichtigt, der Rentenvorschuss, die Witwenrente und die Betriebsrente beantragt werden. Dafür brauchten wir aber eine Sterbeurkunde. Diese bekamen wir dann vom Bestatter, nachdem der Leichnam freigegeben worden war. Am nächsten Tag hatten wir einen Termin beim Bestatter. Ich hatte ziemlich genaue Vorstellungen davon, was ich wollte und vor allem, was ich nicht wollte. Zum Glück war meine Familie der gleichen Ansicht. Mein Mann und ich waren uns einig, wir wollten keine Grabstelle, die gepflegt werden muss und nur eine Belastung für die Hinterbliebenen ist.

Also beschlossen wir eine Kremierung mit einer Bestattung in einem Friedwald. Zum Glück hatten wir ein Unternehmen ausgesucht, das nicht gierig einem allerlei aufzuschwatzen versucht. Unser Bestatter schlug uns die Bestattung in einem Friedwald in den Niederlanden vor. Dort könnte man sich die deutschen, sehr hohen Gebühren sparen und die Beerdigung ganz in unserem Sinne gestalten. Nach zwei Wochen bekamen wir die Benachrichtigung vom Krematorium. Wir holten die Urne, eine abbaubare Bio-Urne vom Bestatter ab und fuhren nach Venlo zum Waldfriedhof. Wir hatten einen Termin bekommen. Ein Mitarbeiter holte uns ab und führte uns in den Wald. Dort suchte ich eine schöne Stelle aus unter einem Baum neben einem frischen Schößling. Da begruben wir die Urne, nachdem wir alle Abschied genommen hatten. Alle legten eine Blume auf sein Grab.

Es mag Menschen geben, denen unsere Beerdigung zu schlicht, nicht feierlich genug ist. Aber es entsprach dem Wesen meines Mannes. Er liebte seine Familie, aber der Rest der Menschheit war ihm ziemlich egal. Ich bin überzeugt, er wäre zufrieden mit uns. Ich habe in meiner Patientenverfügung festgelegt, das ich genau so beerdigt werden will. Den Nachmittag verbrachten wir alle bei Sohn und Schwiegertochter. 


Die nächste Zeit verging schnell. Manchmal glaubte ich, ihn aus dem Augenwinkel auf seinem Platz sitzen zu sehen, aber diese Schrecksekunden wurden allmählich weniger. Nachdem ich endlich die Sterbeurkunde hatte, konnte ich sämtliche Behördengänge und Anträge erledigen. Den Rentenvorschuss und die Sterbeversicherung bekam ich schnell, die Witwenrente ist noch nicht bewilligt. Aber das ist normal, darum bekommt man ja auch den Rentenvorschuss.

Ich nahm mir nun seine Kleidung vor. Das meiste gab ich weg. Dachte ich am Anfang, ich könnte nie hier wohnen bleiben, habe ich jetzt meine Meinung geändert. Ich habe sein Bett abgezogen und eine Decke über die Matratze geworfen. Das geht, bis ich mir ein neues Bett kaufe. Nun entrümple ich die Schränke, Ballast abwerfen hilft mir. Die Arbeit verhindert das Grübeln.


Es wird langsam besser. Anfangs hatte ich richtige Herzschmerzen. Mein Herz ist gebrochen, egal wie kitschig sich das anhört. Ich habe meinen Mann mit 17 Jahren kennengelernt, geheiratet haben wir, als ich 19 Jahre alt war. 45 Jahre waren wir verheiratet. Wir waren nicht nur ein Paar, wir waren ein Team, wir waren beste - und einzige - Freunde.

Ich vermisse ihn sehr. Ich vermisse unsere Gespräche auf Augenhöhe. Jetzt habe ich keinen mehr in meinem Alter. Nun rede ich manchmal mit mir selbst. Aber ich bin dankbar, das ich meine Familie habe, die mich sehr unterstützt und meinen Sohn, der mit mir jetzt sozusagen in einer WG wohnt. Nix Hotel Mama, wir teilen die Arbeit. Ich möchte mich auch bei Silvia bedanken, die mich oft getröstet hat. Liebe Silvia, allein meine Gedanken aufzuschreiben und Dir zu senden war eine Hilfe für mich. 


Ein Satz zum Schluss. Ich habe meine Geschichte aufgeschrieben, um meine Gedanken zu sortieren und irgendwann damit abschließen zu können. Es wird noch lange dauern, bis aus dem Wir ein Ich geworden ist, aber das schaffe ich. Ich schreibe nicht, um bedauert zu werden, dazu besteht kein Anlass. Ich hatte 45 gute Jahre, das ist nicht jedem vergönnt.


Guten Tag sagen die Unbekannte und ich



Samstag, 18. Mai 2019

18. Mai 2019 - In den entscheidenden Momenten war er immer da ...


Josef Schäfer
1928 - 1993

In den entscheidenden Momenten war er immer da ...

Als ich kürzlich die noch aktuelle Edeka-Werbung zum Muttertag gesehen habe, in der Vätern so einiges schief geht, ach nein, eigentlich geht alles schief, was schief gehen kann (Murphys Gesetz eben) ... dachte ich auch an meinen eigenen Vater:

Ihn hätte die Werbung belustigt (zum Weinen würde ihn höchstens der Status Quo seiner heruntergewirtschafteten SPD bringen) Und in der einen oder anderen Szene hätte er sich durchaus wieder erkannt. Aber keine Sorge (falls sich die jemand überhaupt machen sollte),

ich habe meine Kindheit überlebt. Denn ich hatte den besten Vater der Welt. Nur perfekt war er sicher nicht. Oft genug ist er an der Kinderbespassungsfront an seine Grenzen gestoßen.

Wenn ich ihn auf einem ganz bestimmten Foto sehe:

Kippe im Mundwinkel, auf dem Arm seine kleine Tochter ... das wäre heute ein Fall fürs Jugendamt. Huch, noch mal Glück gehabt, dass mein Bruder und ich ohne Jugendamt durch die Kindheit gekommen sind.

Dann gibt es die erste vage Erinnerung, die ich selber habe (und die gilt eindeutig meinem Vater und nicht meiner Mutter):

An den Hundebiss kann ich mich nicht erinnern, auch nicht, was später beim Arzt geschah: Aber ich weiß noch, dass ich auf dem Arm meines Vaters bin, der mich zuvor in eine Decke gewickelt hatte,

und mich im Sauseschritt zur Praxis bringt.

Seine diplomatischen Fähigkeiten waren gefragt, wenn er mal wieder zwischen meiner Mutter und mir vermitteln musste, damit wir uns nicht verbal an die Kehle gingen ... Wir waren schon zwei Teilzeit-Kampfhennen wie sie in jedem Mutter-Tochter-Buch stehen..

Bei Prüfungen war er es, der fest an mich glaubte und auch im Falle eines Scheiterns vermutlich anderen die Schuld gegeben hätte. Na ja, wäre nicht gerecht gewesen ...

denn nicht nur eigentlich besaß er einen großen Sinn für Gerechtigkeit. Dieser Sinn hat ihn auch oft genug belastet ... und ich habe den von ihm übernommen. Ist nicht einfach, wenn man sehenden Auges in viele Ungerechtigkeiten gucken muss.

Er war es, der eifersüchtig auf meinen ersten Freund war - und diesen dann doch leidlich herzlich in die Familie aufgenommen hat.

Aber er war auch derjenige, der soviel gearbeitet hat, dass er oft schmerzlich vermisst wurde.

Er war dann damit einverstanden - und hat natürlich dafür bezahlt - als ich unbedingt in ein Internat wollte.

Seine Bescheidenheit muss er von seiner Mutter, meiner Oma, übernommen haben - aber auf mich übertragen hat er sie leider erst einmal nicht. Inzwischen bin ich jedoch ein bisschen bescheidener geworden, vielleicht auch deshalb,

weil gerade diese zwei Menschen meine Vorbilder sind und ich spät noch ein wenig schlauer geworden bin.

Leider hat er meine Mutter und mich viel zu früh verlassen: Der Tod seines Sohnes saß ihm in den Knochen, die viele harte Arbeit, dann auch noch mit Asbest ... wider klügere Vermutungen galt das damals allgemein als unbedenklich. Passte eben in den Kram ...

Er wurde nur 64 Jahre alt.

Gibt es heute entscheidende Momente, dann denke ich zurück und frage mich, was hätte er mir geraten?

Manchmal befolge ich seinen imaginären Rat, manchmal nicht.

Unvergessen.


Guten Tag, Gruß Silvia