Google+ Badge

Dienstag, 23. Oktober 2018

23. Oktober 2018 - Mein Hunde-Sohn Robin - 12. Teil -



Beliebte Aussagen von Hundehaltern

Der tut nix!
Der will nur spielen!
Das hat er noch nie getan!
Die regeln das unter sich!
Der versteht jedes Wort!

An beinahe jedem einzelnen Tag mit Robin habe ich irgendeinen dieser Sprüche um die Ohren gehauen bekommen und ihn schlucken müssen. Ich wüsste gar nicht, in welcher Rangfolge Leute diese Sätze raushauen, aber, wenn sie besonders begeistert von ihrem Vierbeiner sind, steht

Der versteht jedes Wort!

ganz oben auf der Hitliste. Diesen Satz zu hören, tut zwar keinem Zuhörer weh, aber da unterstellen viele ihren Hunden dennoch ein Sprachvermögen, das sie gar nicht haben können. Immerhin erlernen sie unsere Sprache auch im Laufe der Zeit nicht, sondern beschränken sich unbeeindruckt weiter auf Bellen oder Knurren - und manchmal jammert auch der eine oder andere Hund -

und ich hoffe, nicht aus purer Verzweiflung über seine Halter.

Einzelne Wörter, immer wieder gebraucht und gut überlegt - erlernen sie jedoch durchaus. Nur gesprochene Romane interessieren keinen Hund!

Ein besonderes Exemplar war sicherlich der Filmhund "Lassie". 1943 kam Lassie erstmals auf die Filmleinwand, und bis ins Jahr 2005 entstanden insgesamt 23 weitere Filme über diesen cleveren Hund. 1954 startete die Fernseh-Serie. Der erste Lassie-Darsteller-Hund hieß Pal und wurde 18 Jahre alt. Lassie hat sogar einen Stern auf dem "Walk of Fame".

Klug sind Hunde im allgemeinen und allemal, auch, wenn sie nicht wirklich jedes Wort verstehen. Sie brauchen für ihre Intelligenz einfach nicht die vielen Wörter, die wir jeden Tag in die Welt senden - sie haben ihren Instinkt und können in unseren Gesichtern und von unseren Gesten mehr ablesen, als es einem manchmal lieb wäre, wenn dies ein wortgewandter Mensch könnte.


Der will nur spielen

unterstellen einige Halter ihren Hunden. Doch wenn man genauer hinsieht, ist bereits aus einem angeblichen Spiel bitterer Ernst geworden - und während der eine Hund sich verteidigt und unterwirft, mobbt der andere munter weiter.

Natürlich gibt es Hunde, die wirklich nur spielen wollen. Aber ein Spiel sieht eben auch spielerisch und nicht kämpferisch aus.



Der tut nix!

Zum Glück scheint dieser Satz "ausgestorben" zu sein, denn zumindest ich habe ihn schon länger nicht mehr gehört. In Robins Anfangsjahren kam er mir häufig unter den messerscharfen und ablehnenden Blick, den ich solchen Aussprüchen widme. Ich hätte niemals meine Hand für Robin ins Feuer gelegt und diese kühne Behauptung aufgestellt.

Immerhin mussten schon viele ihre Aussage mit

Das hat er noch nie gemacht!

relativieren, wenn er dann doch mal was "getan" hat.

Ein Hund kann sich hundert Hundebegegnungen gegenüber freundlich zeigen - und dann kommt der eine Hund, der ihm nicht in die Nase passt - und schwupps unterwirft er diesen.


Mein Hass-Spruch ist

Die regeln das unter sich!

Wenn mein kleiner Robin einen Schäferhund angiftet und diesem das so überhaupt nicht gefällt, kann ich Robin nicht die Regelung der Angelegenheit überlassen. Ich leine ihn in solchen Momenten schnell an und passiere das vermutete Unglück noch schneller.

Immerhin stehen wir Menschen den Hunden damit in nichts nach: Auch Menschen können leider nicht alles unter sich regeln.

Aber es sind ohnehin stets die Halter von großen oder viel stärkeren Hunden, von denen man solch einen Spruch um die Ohren gehauen bekommt. Die haben schließlich nicht viel zu befürchten -

und ich hörte von einigen Zwischenfällen, in denen sich solche Leute nach Beißvorfällen mit ihren Reglern aus dem Staub gemacht haben. Der letzte dieser Vorfälle ist erst ein paar Monate her ... der kleine Hund konnte durch eine schwere Operation knapp gerettet werden. Aber auf den Kosten blieben die Halter sitzen.


Fortsetzung folgt


Copyright Silvia Gehrmann


22. Oktober 2018 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Bamberg bei David

Braukessel

Vorspeise: Geflammtes Holzofenroggenbrot mit Zwiebelmarmelade und Zwetschgenbaames, dazu fränkisches Gartengemüse
Hauptspeise: Bierige gerupfte Sau im Burgerbrötchen mit Bamberger Kimchi-Wirsing, Schweinepopcorn, Bamberger Hörnlachips und Sour-Cream-Trüffel-Dip
Nachspeise: Craft-Bier-Sorbet mit Motorölaufguss und Knuspermalz


Achtung! - Dauer-Werbesendung!

Man kann es drehen und wenden, wie man will - aber Davids Bewerbung (oder war es gar keine, sondern eine Beziehungs-Tat?) fürs perfekte Dinner dient nur dem einen Zweck: Seine Brauerei bekannter zu machen.

Es ist die kleinste Brauerei Frankens, erzählt David. Das Attribut "klein" hat schließlich auch etwas Magisches. Bei all den Brauerein, die es in Franken gleich flächendeckend geben soll, sticht sie somit hervor.

Und groß muss nichts sein, um via Fernsehen am Ende groß rauszukommen.

David erzählt auch nicht wirklich, er palavert laut und schrill, und ist zudem ein Extrem-Lacher. Sein Leben im Dunst der selbst gebrauten Biere muss absolut lustig sein.

Die Küche übernimmt er heute von seiner Mutter, die dort ansonsten das Zepter führt und niemanden hinein lässt. Das Brot für die Vorspeise und die Buns fürs Hauptgericht stammen von einem Bäcker - denn warum um Himmels Willen soll er das selbst backen,

wenn der Bäcker das viel besser kann?

Das Fleisch sieht am Ende trocken aus. Und die Mini-Nachtisch-Blechdöschen möchte ich selber lieber nicht auslöffeln.

Dafür gibt es nach dem Nachtisch noch ein wichtiges Feierabend-Bier: Das erhitzt er mit einem Stab (ich komme auch aus einer Bierstadt, aber so was kenne ich natürlich nicht) - und die Gäste sollen schnell, schnell davon trinken.

Eigentlich schmeckt erhitztes Bier überhaupt nicht. Doch hier handelt es sich schließlich um ein sehr besonderes Bier,

dem auch ich mich am Ende nicht entziehen kann.

Entziehen kann ich mich, als 20.00 Uhr angezeigt wird, und ich mich frage, wie viel eine 45minütige Werbesendung im TV eigentlich kosten würde?  Und wer die überhaupt sehen wollte, wenn es sich nicht um eine getarnte

perfekte-Dinner-Sendung handeln würde?

David bekommt 30 Punkte. Die entsprechen in etwa der Länge seiner Menü-Karte, ansonsten sind sie ziemlich großzügig.

Abgesehen davon, kann die eine oder andere Sorte seiner angepriesenen Biere natürlich sehr gut schmecken. Auf eine lauthalse Anpreisung könnte dann eigentlich verzichtet werden.

David ist jedoch derart enthusiastisch bei dieser Bier-Sache, dass er das nur in voller Lautstärke vermitteln kann. Mir jedoch platzt fast das Trommelfell.


Guten Morgen, Gruß Silvia

Montag, 22. Oktober 2018

22. Oktober 2018 - Mein Hunde-Sohn Robin - 11. Teil -

Robin mit seiner geliebten Lotte


Läufige Hündinnen

sind eine heiße Sache. Spätestens in 2005 begann Robin den blutenden Girls nachzustellen. Im Vorfeld hatte ich mich gegen eine Kastration entschieden. Es gibt jedoch ebenso viele Gründe, die für eine Rüden-Kastration sprechen wie jene, die dagegen sprechen. Also war es eher eine Bauchentscheidung, und ob meine nun richtig oder falsch war, darf jeder für sich entscheiden.

Natürlich sollte Robin seinem Geschlechtstrieb, der jedesmal dann ausbrach, wenn er eine heiße Hündin in der Nase witterte, niemals nachgeben dürfen. Es ist eben anders als bei Menschen und nicht vergleichbar. Falls eine Hündin ihn je "ran gelassen" hätte (die Bereitschaft dafür war durchaus oft gegeben), wäre eine Trächtigkeit die unmittelbare Folge gewesen.

Es wäre mir stets lieb gewesen und ist es bis heute, wenn die Halter von heißen Hündinnen mich jeweils vorgewarnt hätten - dann wäre Robin rasch an die Leine genommen worden, und ich hätte ihn so schnell an ihr vorbeigeführt, dass er höchstens einen Hauch des verführerischen Duftes gespürt hätte.

Aber viele Hündinnen-Besitzer interessiert es nicht. Leider denken die meisten nicht so weit, dass der Geruch dem Rüden einen nachhaltigen Schaden zufügen kann. Sie sind lediglich besorgt, dass ihren Schätzen etwas passieren könnte,

während unsere Rüden-Schätze mit Gleichgültigkeit abgestraft werden.

Die Hündin im Allgemeinen ist davon weitgehend unberührt. In der Zeit von einer etwa dreiwöchigen Läufigkeit, ist sie in der Regel  höchstens drei, vier Tage bereit, sich einem Rüden "hinzugeben" ... in der übrigen Zeit wird der Junge gnadenlos weggebissen.

Bonny


Ein bisschen kann man sich auf heiße Mädchen einstellen - ohne Gewähr - denn die meisten treffe ich stets am Ende eines Jahres und in der Jahresmitte. Hündinnen sind zweimal im Jahr läufig.

Rüden würden in solchen Phasen des Over-Duftes gerne weg laufen, vielmehr, dem Girl hinterher. Dann vergisst auch der treueste Hund alles andere ... obwohl der Geschlechtstrieb nicht bei allen Rüden gleichermaßen ausgeprägt ist.

Ich würde sagen, dass er bei Robin auf einer Skala bis 100 Prozent zu 80 Prozent zum Tragen kommt. Er ist also schon ein sehr aktiver Lover, oder: Er wäre es, wenn man ihn ließe.

Und so kam es irgendwann wie es kommen musste ... der Duft der Hunde-Girls hatte Robin derart den Kopf verdreht, dass die Auswirkungen an seinem Penis zu sehen waren:

An einem Samstagmorgen hatte er statt eines kleinen Dingelchen dort plötzlich einen dicken, sehr dicken Stempel. Der machte ihm offensichtlich auch Beschwerden.

Da unser Tierarzt an Samstagen keine Sprechstunden hatte, blieb entweder der Gang in die Tierklinik oder zu einer Tierärztin, die ich von Spaziergängen kannte, und deren Praxis auch samstags geöffnet war.

Da sie selber immer mehrere Pudel in unterschiedlichen Größen hatte, war man in ihrer Praxis bestens aufgehoben und saß in der ersten Reihe,

wenn man selber einen hatte. Vielleicht ist das ein wenig auf die Spitze hin ausgedrückt, aber mit diesem Eindruck stand ich nicht allein.

Auf jeden Fall stellte sie kompetent die sofortige Diagnose: Robin hatte zu viel des von ihm so begehrten Duftes eingeatmet!

Er bekam eine Spritze, ich bekam Salbe für ihn in die Hand gedrückt - und nach ein paar Stunden war sein Unten-Leben wieder völlig normal.

Im Alter kann sich auch für einen Hund vieles verändern - aber für Robin ist die Liebe zu den läufigen Hundemädchen gleich geblieben. Da wird er jedesmal wieder ein Jahr alt und spielt verrückt und ist vor lauter Seligkeit völlig verwirrt.

Zum Glück hatte er bis heute keine weiteren "Nebenwirkungen" - denn mittlerweile erkenne ich schneller als Robin es erlauben würde selber die läufigen Hündinnen - und bringe ihn in Sicherheit.


Fortsetzung folgt

Copyright Silvia Gehrmann

Sonntag, 21. Oktober 2018

21. Oktober 2018 - Mein Hunde-Sohn Robin - 10. Teil -



Das Ding mit der "neuen" Nachbarschaft

Es gab eine Vorhunde-Zeit und eine Zeit mit Hund, und die unterscheidet sich grundsätzlich in vielen Bereichen. Früher ging ich morgens aus dem Haus, kam abends wieder, traf in der knappen Zeit kaum Leute auf der Straße, kurz: Ich kannte meine Nachbarn überhaupt nicht.

Als die Hunde-Zeit begann, fing meine Bekanntschaft mit der "neuen" und dennoch nicht neuen Nachbarschaft an. Die musste nicht gleich so sein wie im Hitchcock-Thriller

"Das Fenster zum Hof" (wer weiß, wer solch eines nutzt?) oder sogar wie in "Rosemaries Baby" - zum Gruseln schön, wenn man selber nichts damit zu tun hat. Auch einen Nachbarn nach Art von "Arlington Road" habe ich zum Glück nicht kennen gelernt.

Erst für diese Geschichte über Robin habe ich wirklich registriert, wie viele Nachbarn wir eigentlich kennen - obwohl wir in einer Großstadt leben.

Gerade eben (Oktober 2018) habe ich erfahren, dass unsere Nachbarin Frau F. in ein Altersheim gegangen ist. Sie war noch nicht wirklich alt, aber sie hatte mehrere Nierentransplantationen. Das weiß ich noch von ihr selber. Aber sie werde ich vermutlich nicht mehr sehen.

Das macht den Unterschied zwischen Freunden und Nachbarn. Wenn jemand - aus welchen Gründen auch immer - wegzieht, sieht man sich höchstens durch Zufall wieder.

Der schöne Robin allein gab genug Anlass, dass tierliebe Leute damals wie heute stehen bleiben, man einen kleinen Plausch hält - und sich über dieses und jenes austauscht. Die Leute, die selber Hunde haben, kennt man ohnehin. Es sei denn, ihre Hunde bekommen keinen Auslauf ...

Robin hatte noch mehr Freude als ich, wenn sich Menschen mit Interesse an seiner kleinen Persönlichkeit ihm zuwandten. Er dankte es ihnen mit stetigem Wiedererkennen, egal, wie lange er sie zuvor nicht mehr gesehen hatte.



Im Jahre 1999 - fünf Jahre vor Robins Geburt - war ein Nachbarschaftsstreit in aller Munde: Regina Zindler verlangte in einer Gerichts-Show, dass ihre Nachbarn einen Knallerbsenstrauch entfernen sollten, der ihren Maschendrahtzaun beschädigte ... Stefan Raab veralberte die Protagonistin der Show für ihren Dialekt und wer weiß was sonst noch ... Damals sollen noch wirkliche Fälle in derartigen Shows verhandelt worden sein.

Zum Glück kenne ich solche Knallerbsen-Verhältnisse hier nicht. Und zu einem noch größeren Glück wohnt auch Stefan Raab nicht in meiner Nachbarschaft.

Es ist schon ein Ding mit der Nachbarschaft. Über manche freut man sich, andere übersieht man einfach. Doch auch hier hat es sich längst eingebürgert, dass man sich grüßt - vor allem, wenn man sich öfter trifft.

Robin hatte in seinen ersten Lebensjahren eine besondere Vorliebe für junge Mädchen und junge Frauen. Im Laufe der Zeit durften die Frauen auch schon mal älter sein, und Männer durften ihn ebenfalls streicheln. Hauptsache: Tierlieb!

In der letzten Zeit flaut sein Interesse an den Bekanntschaften ein wenig ab, obwohl er noch immer mein bester Robin aller Zeiten ist.

Dafür interessieren sich besonders Nachbarn, die ihn länger nicht gesehen haben, für ihn, und fragen nach seinem Alter, seinen Beschwerden ...

Doch ich kann allen sagen: Soweit geht es dem bald 15jährigen Robin gut. Ein bisschen ist es das Herz, ein bisschen das rechte Auge - aber wir bleiben tapfer.

Immerhin ist er medikamentös gut eingestellt und hat keine Schmerzen.

Das freut die Menschen. Und mich erfreuen die Menschen, die daran Interesse zeigen.


Fortsetzung folgt

Copyright Silvia Gehrmann





Samstag, 20. Oktober 2018

20. Oktober 2018 - Die falsche Reihenfolge ... Eine Friedwald-Bestattung



Die falsche Reihenfolge

Wenn es eine falsche gibt, so gibt es auch eine richtige. Mutter oder Vater sterben vor ihren Kindern, und nicht danach. Da ich selber keine Kinder habe, wird mich dieses Schicksal niemals ereilen -

oder doch?

In stellvertretender Mission?

Es gibt die Co-Abhängigen bei allen Süchten. Gibt es auch die Co-Trauernden?

Mein Mann hatte ein einziges Kind, einen Sohn Michael (er hieß wie sein Vater).

Er, der Sohn, starb Anfang September 2018 - und wie wir erfahren haben, nur drei Tage nach dem

Krebs-Tod seiner Mutter.

Ich lernte meinen Mann kennen, nachdem er bereits von seiner ersten Frau geschieden war - und ich, blutjung und nicht bereit für Kinder

konnte diesen Sohn niemals so annehmen wie es erfahrenere Frauen vielleicht können.

Heute ist die Asche von Michael in einem

Friedwald

beigesetzt worden.

Eine Friedwald-Beisetzung war, seitdem ich davon gehört hatte, mein Wunsch für eine eigene Bestattung - irgendwann.

Daher gefiel meinem Mann die Idee auch für seinen Sohn.

So konnten wir unvermutet und unerwartet und auf alle Fälle unerwünscht

schon einmal mitbekommen,

wie schön solch eine Bestattung sein kann. Falls man in diesem Zusammenhang überhaupt von "Schön" reden darf.

Es war ein harter Tag und dem gingen viele andere voraus, doch man muss mit dem leben, was einem das

Leben beschert.

Michael, dessen Asche nun begraben ist, hinterlässt außerdem eine sehr alte Oma, die mir in der Seele leid tut (innerhalb von ein paar Tagen hat sie sowohl ihre Tochter als auch den Enkelsohn verloren)  - ich kenne sie gut -

und ich schätze sie.

Man muss das Leben nehmen wie es ist. Ich wünsche euch allen viel Trost in jeglicher Art von Trauer und jede Menge Glück

im Leben. Wir haben nur eines, und das muss man behüten wie einen großen Schatz.

So sieht die Plakette für das Friedwald-Grab aus.


Guten Tag, Gruß Silvia




20. Oktober 2018 - Mein Hunde-Sohn Robin - Teil 9

 Sogenannte Zoobrücke zum Wald


Meine Höhenangst - und Robin, mein Therapeut

Die Höhenangst ist sehr schön im Hitchcock-Film "Vertigo" beschrieben. Egal, was passiert, egal, was droht, man fühlt sich unfähig, den Weg zu nehmen, der in die Höhe führt.

Zunächst und viele Jahre in meinem Leben hatte ich überhaupt keine Probleme mit Höhe, sondern stand ihr gelassen und gleichgültig gegenüber. Wie oft war ich zum Beispiel auf unserem Dortmunder Fernsehturm? Unzählige Male!

Irgendwann, ich war Mitte 20, erlebte ich Altbekanntes auf dem Frankfurter Fernsehturm plötzlich völlig anders. Der Turm schwankte (das muss er natürlich, aber man merkt davon in der Regel nicht viel), die Panik wuchs, denn ich war sicher, er würde gleich einstürzen. Dieses Panik-Gefühl war völlig neu für mich. Mein Magen drehte sich um, und ich dachte, ich könne keinen einzigen Schritt mehr machen, weder vor noch zurück ... ich würde einfach dort, wo es mich überfallen hat, stehenbleiben und irgendwann sterben ...

Mit dieser Akrophobie war ich nicht allein, sondern sogar in prominenter Gesellschaft:

Johann Wolfgang von Goethe und James-Bond-Darsteller (man lasse sich das mal wegen der waghalsigen Szenen auf der Zunge zergehen) Roger Moore litten unter Höhenangst. Natürlich hatte Moore einen Stuntman, der die Waghalsigkeit eines Bond, James Bond, stellvertretend übernahm.

Ich hatte keinen Stuntman, und trotzdem versuchte ich mich in der Zeit nach dem Frankfurter TV-Turm sogar am World-Trade-Center und am Empire-State-Building. Es war hoffnungslos. Ich würde heute noch dort stehen (auf dem WTC natürlich nicht, niemand vergisst Nine Eleven), wenn man mich nicht zu den jeweiligen Aufzügen runter auf die Straße regelrecht zurückgeschubst hätte.

Ebenso erging es mir in einem Restaurant im 16. Stock. Dort startete ich einen neuerlichen Versuch: Mit dem Ergebnis, dass wir vor dem Essen alle wieder gehen mussten, weil ich - wie sicher der eine oder andere meinte - herumzickte.

Es war jedoch kein Herumzicken. Es war eine tiefsitzende Panik.

Die begann bereits auf Brücken. Typisch für diese Störung des seelischen Gleichgewichts.

Zu Robins Lieblingswald gibt es einen freien Eingang und zig Brücken-Übergänge. Ich konnte Hochhäuser meiden und vieles andere auch,

aber wie sollte ich es auf Dauer vermeiden, über diese Brücken zu gehen?

Also entschloss ich mich todesmutig, hier und da mal eine Brücke im Laufschritt zu überqueren - nur um im Anschluss daran zu merken, dass mir für zwei Stunden Waldspaziergang speiübel war.

Mir war derart übel, dass der feinfühlige Robin sich ständig mit besorgtem Blick zu mir umdrehte. Dabei sollte ich schließlich auf ihn aufpassen - und nicht umgekehrt.

Ich muss etwas tun, entschloss ich mich ...

und ging fortan langsamen Schrittes und in der sicheren Protektion von Robin über Brücken. Die anschließende Übelkeit kalkulierte ich in einen Heilungsprozess ein,

denn mein Therapeut Robin ließ mich schließlich nicht im Stich. Und wenn er ohne Angst darüber laufen konnte, so sollte ich das auch können.


Es dauerte vielleicht ein paar Wochen und kostete viel eisernen Willen ... und seit diesem Zeitpunkt kann ich jede Brücke überqueren.

Einen Restaurant-Besuch in einem 16. Stock verkneife ich mir trotzdem, denn einen Rückfall möchte ich ungern riskieren,

obwohl ich denke, dass ich geheilt bin.

Dank Robin! Dank meiner Liebe zu ihm!


Und zu diesem schönen Herbsttag ein passendes Foto abseits von diesem Beitrag:



Fortsetzung folgt

Copyright Silvia Gehrmann




20. Oktober 2018 - Mein Hunde-Sohn Robin - Teil 8



Hundefreunde sind allesamt freundliche Menschen!
Sind sie das?

"Krieg der Welten" ist ein finanziell erfolgreicher Film aus dem Jahre 2005. Und ein Krieg der Hundebesitzer ist hier und da durchaus schon ausgebrochen. Da wünscht der eine dem anderen, da hin zu gehen, wo der Pfeffer wächst, nach

"Madagascar"

zum Beispiel, ebenfalls ein Film auf der Hitliste aus 2005.

Insgesamt sind Hundehalter im Schnitt genau so wie andere Leute, nur ein wenig erweitert in ihren Möglichkeiten, an anderen etwas zu kritisieren. Sie - wir - haben ja schließlich noch den Hund, den wir in diverse Handlungen mit einbeziehen können, sollen, müssen, vor allem: wollen!

Seit November 2005 ist Angela Merkel Bundeskanzlerin, und anstatt Geschichte (es hat schon seinen Sinn, dass us-amerikanische Präsidenten maximal zwei Amtszeiten regieren dürfen)  zu sein, wurschtelt sie noch immer herum.

So wie manche Halter herumwurschteln, wenn es um ihre Hunde geht. Man kann oft beobachten, dass Leute ihre Hunde aus dem Haus bringen - und keine fünf Minuten später schon wieder in diesem verschwinden.

Nun könnte man die natürlich irgendwie anschwärzen, aber als Tierfreundin bin ich schon froh, wenn ich keine Spuren von Gewalt an den Hunden feststellen muss. Was also soll es, sich um fehlenden Ausgang aufzuregen?

Na, ich rege mich eben drüber auf!

Mit solchen Menschen kann man leider nicht reden. Ich habe es versucht. Als Ernte habe ich ein paar derbe Beleidigungen hier und eben solche Beschimpfungen dort eingefahren. Mit dem eigenen Blick auf böse gleichwertige Erwiderungen

muss ich noch viel ruhiger werden.

Manche Hunde-Leute beziehen das Verhalten anderer Hunde nicht nur auf ihren eigenen Hund - und da ist schon mal Krawall schnell ausgebrochen - sondern auch auf sich selbst. Sofort wird jede Grußformel eingestellt. Fortan gehen die beiden Leute aneinander vorbei wie beleidigte Leberwürste, und nur das gegenseitige Ankläffen ihrer Hunde ist zu vernehmen.

Das ist ziemlich einfältig, aber überhaupt nicht selten.

Auch der alleinige Blick auf den eigenen Hund ist weit verbreitet - und wenn der sich noch so unerzogen benimmt, Fehler machen immer nur die der anderen Leute.

Da ich die Weisheit nicht gepachtet habe, will ich mich hier überhaupt nicht ausnehmen, aber ich bemühe mich  meistens um eine ausgewogene Sachlichkeit, auch den Schwächen des eigenen Hundes gegenüber.

Hier und da kann man sich dennoch und durchaus mitten in dem Film "The Flodders" wähnen.



Verhaltensauffällige Hunde

haben oft verhaltensgestörte Menschen an ihrer Seite. Apollo war ein trauriges Beispiel dafür. Er war ein Schäferhund-Malamute-Mischling (siehe Foto unten, das von H. Z. ist), und sein Herrchen war ein obdachloser Mann in mittleren Jahren, der es einerseits schaffte, sich einzuschleimen (und auf diese Tour manchmal irgendwo Unterschlupf fand) - und andererseits nicht mal bei den Mit-Obdachlosen besonders beliebt war. Sein Pegel muss nach vermutlich langer Gewöhnung mindestens bei stetig 3 Promille, aber eher höher, gelegen haben.


Der Halter war auch beim Ordnungsamt ziemlich bekannt, denn gegen ihn und seinen Hund lagen allein mir bekannte elf Anzeigen vor. Und ich weiß noch lange nicht alles, was sich hier so abspielt.
Will ich auch gar nicht wissen.

Auch ich musste das Ordnungsamt mehrfach anrufen, wenn Apollo meinem Robin und mir bedenklich nahe zu kommen drohte. Der Hund besaß weder Geschirr noch Leine. Und mit meinem kleinen Wüterich an der Seite - blieb mir oft nur noch die Flucht vor Hund und Halter.

Den Angehörigen des Ordnungsamtes reichte allein schon der erste Buchstabe im Hundename, um beinahe in Ohnmacht zu fallen und genau zu wissen, um wen es sich wieder handelte.

Den Hund eines Bekannten hat Apollo - ich war zufällig Zeugin aus der Ferne - durch einen Biss stark verletzt.

Der Bekannte war ein alter Mann, der zudem nicht viel Geld zur Verfügung hatte. Als er den Hundehalter daraufhin ansprach und um Erstattung der Tierarztkosten bat, bekam er lediglich Prügel angedroht.

Die Behörde brauchte trotz vieler Anzeigen wegen Beißvorfällen und Bedrohungen 11 Jahre, um dem Halter den Hund abzunehmen.

Apollo hatte übrigens in der Nachbarschaft eine leibliche Schwester, Dixie. Die wuchs in anderer Umgebung bei anderen Leuten auf, und sie war soweit es mir bekannt ist, ihr Leben lang friedlich.

Daher bin ich skeptisch, wenn es um Obdachlose und Hunde geht. Einerseits können durchaus viele ihre Hunde lieben, andererseits sind nicht alle Hunde geeignet, bei Wind und Wetter auf der Straße zu überleben. Damit hatte Apollo als Malamute-Mischling wohl weniger Probleme als mit dem aggressiven Halter.

Desweiteren fehlen obdachlosen Hunden oft ärztliche Betreuungen, und ich möchte nicht wissen, wie erbärmlich manche dieser Hunde am Ende sterben müssen.

Das Thema werde ich nicht weiter vertiefen. Wie ich hörte, hatte Apollo noch eine schöne und ruhige Zeit bei Leuten, die ihm endlich ein Zuhause geboten haben.

Apollos Herrchen ist inzwischen auch verstorben. Er soll mit Mitte seiner 50er Jahre an seinem eigenen Erbrochenen erstickt sein. So erzählte man es.


Fortsetzung folgt: Teil 9: Meine Höhenangst und mein Therapeut Robin

Copyright Silvia Gehrmann