Sonntag, 30. April 2023

30. April 2023 - Hexentänzchen in den Mai



Hexentänzchen in den Mai

Die Besen sind vom Staub der letzten Jahre befreit und in einem Probeflug auf Sicherheit getestet, denn niemand will an diesem wichtigen 30. April auf ungeplante Probleme stoßen. Endlich darf wieder besengeflogen werden, denn auch die Hexenzusammenkünfte auf dem Brocken waren Corona zum Opfer gefallen.

Nun aber ist ein Besen-Parkplatz auf dem Brocken gebucht und fest reserviert, so dass am Ende tausend Besen darum ringen können, wer denn nun der schönste ist, denn Besen ist ja nicht gleich Besen. Wer etwas auf sich hält, hat den Stiel in der Lieblingsfarbe streichen - und gleich noch ein Statement draufpinseln lassen. Früher war nicht so viel Lametta, aber früher war eben nicht alles besser.

Bei 16 Grad werden hiesige Hexen sich heute auf den Weg machen und alle Last und jede Sorge hinter sich lassen, denn im Flug muss man sich auf das Wesentliche konzentrieren und sich den Wind um die Nase wehen lassen, während die Navigation stets im Blick bleiben muss. Denn es wäre fatal, würde man in die falsche Richtung fliegen und somit die hexischste Nacht des Jahres verpassen.

Endlich werden sich alte Bekannte wiedersehen und Neuigkeiten austauschen können. Da gibt es jede Menge zu erzählen und der Tratsch geht durch die ganze Nacht,

in der gefeiert und gejubelt und ausgelassen getanzt wird.

Manche Hexen haben Mitflug-Gelegenheiten für besenlose oder für die Hexen, deren Besen fluguntauglich geworden ist,  angeboten, so dass auch für die Unterhaltung unterwegs gesorgt ist. Laut und hexisch lachend wird es in dieser Nacht sein,

wenn Daheimgebliebene gen Himmel blicken und dem bunten Treiben nur von unten zusehen können.

Auch ich gehöre zu denen, die die Walburgis-Nacht aus sicherer Entfernung betrachtet und den Schwestern einen guten Flug und eine gesunde Rückkehr wünscht. Mein Besen

steht im Keller, und ich habe den Schlüssel verloren, was mir allerdings gelegen kommt. Großveranstaltungen sind mir ein Gräuel. Und so könnte es gut sein, dass ich den Schlüssel nicht wirklich verloren, sondern nur vor mir selber versteckt habe.

Und so hexe ich leise und allein vor mich hin, und wenn ich meine gute Laune bis zur Nacht nicht verloren habe,

wage ich vielleicht ein kleines fieses Hexentänzchen in den Mai.


Guten Tag, Gruß Silvia



Samstag, 29. April 2023

29. April 2023 - Charlie im Verlies

Charlie sieht mich zum ersten Mal an ...



Charlie im Verlies

Es gibt Hunde, die es leichter nehmen, ins Tierheim zu kommen - und es gibt die anderen, die diese Lebensumstellung besonders schwer nehmen. Zu Letzteren hat Charlie gehört. Mindestens zweimal in seinem Leben hat er bereits sein Zuhause verloren, und da seine Lebenszeit bereits weit fortgeschritten war, wurde sie nach hinten hin kürzer und die Zeit, dort wieder herauszukommen, dringender.

Er war der kleine Tibet-Terrier-Mischling, den alle Tierheim-Mitarbeiter als ersten am Morgen gehört haben, denn laut beweinte er sein Schicksal. Er, der eigentlich der geduldigste und liebste Hund der Welt war, fühlte sich überhaupt nicht wohl. Das lag keineswegs an den Menschen, die sich im Tierheim um ihn und sein Wohlergehen kümmerten: sie tun immer ihr Möglichstes und sind alle sehr tierbezogen und tierlieb. Aber kein Tierheim kann ein eigenes Zuhause ersetzen, in dem der Hund der Mittelpunkt ist und nicht mehr nur einer unter vielen.



Charlie war eine besonders empfindsame Seele. Wie in dem vorangestellten Video unseres 1. Treffens am 8. Juli 2021 weinte er täglich, und noch viel lauter, wenn kein Mensch mehr in seiner Nähe war. Am 18. Juli 2021 konnte ich ihn mit nach Hause nehmen, und im Nachhinein bedauere ich, dass durch ein paar widrige Umstände mindestens zwei Wochen verschenkt worden waren, die wir gemeinsam hätten verbringen können.

Charlie war damals bereits herzkrank, und manchmal hatte ich den Eindruck, er hat ursprünglich und wegen seiner schicksalhaften vielen Hundejahre als Lebens-Paket, in denen nicht immer alles glatt gelaufen ist,  unter dem "Broken Heart-Syndrom" gelitten.

17 Monate blieben uns, in denen wir zu einer Einheit herangewachsen sind, zwischen die kein Blatt mehr passte. Das Weinen hat er für immer und bis zu seinem Lebensende aufgegeben, nachdem er etwa zwei Stunden bei mir zu Hause war. Er war angekommen und wusste instinktiv, dass er nie wieder ins Tierheim zurückmusste.

Aber: erst im Nachhinein habe ich den Ort sehen können, an dem Charlie einige Wochen im Tierheim verbringen musste. Denn damals gab es keinen Grund, dass ich diese Örtlichkeiten aufsuchen musste/durfte: erst durch

Momo kam dieser Grund: sie ist ja nicht ein so ganz einfacher Hund wie Charlie es war, und so musste ich sie in ihren Zwinger begleiten, um ihr die Leine abzunehmen. Das war selbst für eine Tierheim-Mitarbeiterin schon zu einem Problem mit Erinnerungs-Biss geworden.


Das Verlies

Mit der Leiterin der Hundeabteilung stiegen Momo und ich die Treppen hinunter in einen großen Raum voller Zwinger, und der Betonboden unter unseren Füßen war nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war alles zusammen: es gibt dort kein Tageslicht, es herrscht dort viel Langeweile, so dass wie in einem Groß-Chor melodisch gebellt wird, sobald man das Haus betritt - und es ist insgesamt wie in dem traurigen Verlies einer alten Burg, die nicht mehr auf bessere Tage hoffen muss. Die Hoffnungslosigkeit wird dort viele Hunde überfallen ...

und mir kam mein Charlie in den sofort auf tiefe Traurigkeit umgeschalteten Sinn: er muss hier besonders gelitten haben. Ich vergaß für einen Moment, dass ich wegen Momo hier war - und sah nur Charlie in einem dieser vielen Zwinger, wie er hin- und herlief und völlig verzweifelt war.

Momo ist viel härter im Nehmen als Charlie es war.

Ich wollte, ich hätte dieses Hundehaus nicht gesehen. Es ist sauber und rein oberflächlich gibt es daran nichts zu kritisieren, aber für einen

sensiblen Hund wie Charlie muss es die Hölle gewesen sein.

In meiner nach wie vor bestehenden Trauer um Charlie - den ich am 12. Dezember 2022 gehen lassen musste - habe ich seitdem ein trauriges Bild mehr in meinem Kopf.

Zum Glück wird das Tierheim in naher Zukunft - die aber noch nicht terminiert ist - an einem anderen Ort neu gebaut, und dann wird man hoffentlich

diese Bunker ohne Tageslicht nicht mehr bauen.

Licht und Sonne und Tageslicht und Mondlicht brauchen nicht nur Menschen, sondern auch Tiere. Sie möchten den Wind und die Blätter rauschen hören und sogar den Regen fühlen,

anstatt den ganzen lieben langen Tag mit künstlichem Licht beflutet zu werden.


Charlie, ich liebe dich für immer.


Guten Tag, Gruß Silvia

28. April 2023 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Würzburg bei Lisa Marie


"Herzensküche“
Vorspeise: Heiß trifft kalt
Hauptgang: Rind trifft Rotwein
Nachtisch: Schokolade trifft Beere


Lisa Maries großer Traum von der Sendung  "Das perfekte Dinner"

... hat sich nach vielen Jahren des Zuschauens und Mitwirken-Wollens endlich erfüllt. Die 29jährige Lehrerin darf zeigen, was sie an Töpfen und Pfannen zu bieten hat. Wie schön, dass Schüler

heutzutage ihre Lehrer näher kennenlernen dürfen. Zu meiner Schul-Zeit waren Lehrer eher unergründliche Wesen, die zwar verbindlich, aber nicht auskunftsfreudig waren:

Ich erinnere an Frau Bredemeier in der Grundschule, die von allen geliebt wurde - aber wen sie geliebt hat: ein Rätsel. Herr Dr. Weirich hat zwar einen Mitschüler adoptiert, aber erfahren hat man über ihn so gut wie nichts. Dann gab es noch die weltreisende Frau Pudel (das war ihr Spitzname - an ihren wirklichen Namen erinnere ich nicht, da der durch diesen Kosenamen überdeckt wird) und Frau Sievers, von der ich nie etwas Persönliches kennengelernt habe.

Meine absolute Lieblings-Lehrerin habe ich im Briloner Internat gefunden: sie war Nonne, Engländerin und nannte sich Sr. Immakulata - ihren bürgerlichen Namen habe ich nicht gekannt. Auch sonst habe ich nicht viel von ihr gewusst ... außer, dass sie mich im Unterricht ein wenig bevorzugt hat. Das war allerdings nicht der Grund für meine Sympathie

Lisa Marie und die heutige Welt ist eine andere. Sie zeigt öffentlich, was früher noch gar nicht möglich gewesen wäre, weil es diese Art von Sendungen nicht gab. Sie unterrichtet in einer "Mittelschule", und als sie ihre Wohnung zeigt und auf einen Baumstamm weist, den sie und ihr Freund

selbst gemacht haben wollen - weiß ich: Deutsch unterrichtet sie vermutlich nicht.

Welche Dummheiten wohl meine erwähnten und erinnerten Lehrer und Lehrerinnen im Privatleben von sich gegeben haben? Wir Schüler haben es nie erfahren.


Das Menü

Pastinaken, dieses duftende Gemüse, bildet die Grundlage einer Pastinaken-Maronen-Suppe. 

Rinderrouladen - die "Dinner"-Welt hat schon mehr gestaunt - und Spätzle samt Rotkohl und Rotwein-Soße bilden den Hauptgang.

Joghurt-Törtchen, Heidelbeer-Törtchen und Schokoladen-Mousse sind das Dreiergespann, das die Vierergewalt der Gäste zufriedenstellen soll.

Pustekuchen, was Patrick angeht: "Schade, dass die Törtchen so gar keinen Geschmack haben ..."

Vielleicht hat der Alkohol den Geschmack überdeckt? Eine vorsichtige Analyse.


Fazit

Es punkten:

Yannick, der das Kochen offenbar leichtnimmt und immer wieder laut und dreckig lacht. Inzwischen freue ich mich über seine vollmundigen Lachanfälle.

Patrick, der mit seinem Ehemann zwei Pflegekinder hat, gern süffelt und noch lieber kritisiert.

Anette - anderswo auch Annette geschrieben -, die eine Künstlerin mit Hang zur kritischen Kritik ist

und der Heuler Alexander, der gern sein eigenes Leben unter Tränen bejubelt.

Die Punkte: Alexander gibt 9, je 8 geben Anette, Patrick und Yannick.

Mit 33 insgesamten Umdrehungen dreht sich das Gewinn-Spiel zurück auf Anette, die den Jackpot mit nach Hause nehmen darf.

Mir bleibt, allen Lesern ein schönes Wochenende zu wünschen. In der nächsten Woche werden Kiel-Folgen aus Januar 2021 wiederholt, während es bereits in der übernächsten Woche mit neuen Folgen weitergeht.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Freitag, 28. April 2023

28. April 2023 - Momo, die Einzel-Prinzessin



 
Momo, die Einzelprinzessin

Mitte Oktober 2022 wurde Momo obdachlos, verwahrlost und schwer krank aufgefunden. Mit all ihren zur Verfügung stehenden Kräften wehrte sie sich gegen ihre Rettung, denn sie hat große Schmerzen gehabt. Man hat mir ein Video gezeigt (das Video war nie öffentlich zu sehen), in dem sie sich gegen ihre Helfer zur Wehr gesetzt hat, so dass diese sie mit einem verlängerten Silikon-Arm anfassen mussten. Die Hilfe fand also trotz ihrer starken Gegenwehr und später genau deshalb in Narkose statt, weil selbst kleinere Hilfe-Griffe nicht ohne möglich waren.

Grannen unter ihrer Haut wurden festgestellt und eine dicke, fette Gebärmutter-Entzündung. Nebenher waren noch ihre Augen und Ohren entzündet. Sie wurde von ihrem überschüssigen verfilztem Fell ebenfalls in Narkose befreit. Ihre Zähne wurden saniert. Diese einzigartigen Beißerchen machen sie gefährlicher aussehend als sie in Wahrheit ist.

Doch danach ging es für die taffe Momo nur noch aufwärts: die Tierheim-Mitarbeiter schlossen sie in ihre Herzen und bekamen endlich den Dank für die Rettung, auf die Momo sich nur wenig bereitwillig eingelassen hatte.

Momo blühte auf und liebte die Menschen, die sie im Tierheim umgeben haben. Ihre Liebe brachte sie mit vollem körperlichen Einsatz zum Ausdruck, indem sie den Menschen bis auf ihre Schöße krabbelte und sich eng an sie schmiegte.

Am 10. Januar 2023 lernte ich Momo im Tierheim kennen.

10. Januar 2023 - erster gemeinsamer Spaziergang

Schnell war mir klar, dass, wenn Momo einwilligt, wir in Zukunft unseren Weg gemeinsam gehen würden. Von dieser kleinen Hündin konnte man nur hellauf begeistert sein. Sie ist der Schatz, der von anderen Menschen unerkannt und als wäre sie Müll in der kalten Welt da draußen entsorgt und ihrem Schicksal überlassen wurde.

Am 15. Januar 2023 durfte ich sie zum sogenannten Probeschlafen mit nach Hause nehmen, am 29. Januar bekamen sie und ich vertraglich besiegelt, dass wir nun zusammengehören.



Zum Ankommen ließ ich ihr die Zeit, die sie brauchte. Aber Momo ist intelligent, und sie hat schnell gemerkt, dass es ihr hier gutgehen würde. Natürlich mussten wir gemeinsam ein paar Hürden wie Haare kämmen oder gar Haare abschneiden meistern. Aber das ging alles ziemlich schnell, und ich durfte sie sogar an sensiblen Stellen wie dem Popo reinigen. Ganz am Anfang im Tierheim war es sogar problematisch, ihr die Leine abzunehmen ... geschweige denn den Gurt.

Die Einschätzung der Tierheim-Mitarbeiterinnen, dass sie ein Einzelhund ist, kann ich inzwischen teilen. Zwar mag Momo besonders ihren Cocker-Freund Henry, denn wir gehen beinahe täglich gemeinsam spazieren - und sie mag auch die meisten anderen Hunde, aber zu Hause ist sie wohl doch lieber die Prinzessin, der die alleinige Aufmerksamkeit gilt. Sie ist schon sehr dominant und lässt sich die Butter, sorry, das Futter nicht gern aus dem Napf nehmen. Auch ein Couch- und Bettplatz könnte mit einem anderen Hund zu eng für einen Artgenossen werden, sofern er sich überhaupt dort niederlassen dürfte ...


Wie jeder Pudel hat auch sie eine große Affinität zu Wasser: das schließt Regen mit ein, den sie genau so genießen kann wie Sonnenschein. Das allein ist schon mal eine großartige Voraussetzung fürs Glücklichsein. Wetterabhängigkeit kennt sie nicht.




Ich denke, sie ist ebenso so glücklich mit mir wie ich es mit ihr bin. Mein Mann ist geradezu vernarrt in diese süße, selbstbewusste, pfiffige, neunmalkluge und aktive kleine Pudelmischlingshündin. - Und ihre Bedürfnisse, Artgenossen zu treffen, kann sie unterwegs mehr als nur stillen.

Es ist eine tägliche Freude, Momo um mich zu haben.

Sie ist verträglich mit allen Hunden - und macht eher einen Rückzieher als einen Angriffsversuch. Auch, wenn es in dem folgenden Video vom heutigen Nachtmittag vielleicht anders aussieht: Henry und Momo sind beste Freunde. Sie liebt den gechillten Henry - und er liebt ihr Temperament und duldet ihre Dominanz.




Guten Tag, Gruß Silvia

27. April 2023 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Würzburg bei Alexander


„Soulfood“
Vorspeise: Pilze / Tortellini / Kräuter / Parmesan
Hauptgang: Dry Aged Beef / Pastinake / Marktgemüse / Jus
Nachtisch: Schoko / Beere / Crumble / Tonkabohne


Die sentimentale Ironie ist ein Hund, der den Mond anbellt, dieweil er auf Gräber pisst.
- Karl Kraus (1874 - 1936)

Nachdem ich nach der gestrigen Sendung bei Anette die Vorschau auf heute gesehen habe, dachte ich an das Schlimmste ... nämlich an den Tod von Alexanders Ehefrau. Sein jämmerliches den trockenen Tränen nahes Geheule ließ darauf schließen.

Natürlich freue ich mich, dass sie lebt und sogar die schöne Tischdekoration übernehmen konnte, die Alexander voller Stolz auf sie präsentiert.

Sein sentimentaler Durchbruch gilt also zum Glück dem Leben mit seiner Frau, mit der er seit 2005 zusammen ist. Und der Geburt der noch kleinen Tochter; beide bringen sein Herz zum Schmelzen.

Es ist sehr unangenehm, diesem zuzusehen und zuzuhören. Alexander war noch jung, als er seinen Vater verloren hat ... und das soll seiner Tochter nicht passieren - setzt er in seinem Selbstmitleid obendrauf, als könne er mit einer Beschwörung das Schicksal beeinflussen.

Das Wesentliche und in diese Sendung durchaus Passende vergisst er jedoch auch nicht: er hat einen Instagram Food-Blog "eat drink enjoy"

Nach einem Blick ins rosa Kinderzimmer kann er endlich mit dem Kochen beginnen.


Das Menü

Zwei große Tiefkühl-Pilztüten bilden die Grundlage für die Waldpilz-Suppe. Für frische Pilze reichte die Vorbereitungszeit nicht, erklärt er auf Nachfrage. Später am Tisch erklärt er das gleiche Tun anders: "... es ist gerade keine Pilz-Zeit".

Es gibt Millionen anderer Rezepte, die ohne Pilze auskommen ... ist gar nicht so schwer, selbst mit tränenverschleiertem Blick eines zu finden.

Nach dem Köcheln landen die Pilze gnadenlos im Müll. Darüber vergießt er allerdings keine einzige Träne des Bedauerns.

Dry-Aged-Rinderfilet samt Pastinaken-Püree und -Chips neben Brokkoli gibt es zur Hauptspeise. Extra für Alexander habe ich mein Kuschelkühe-Foto herausgesucht.

Die Zubereitung des wirklich hübsch aussehenden Brownies in Zapfenform wird nicht gezeigt, obwohl gerade dies interessant wäre.


Fazit

Die gesalbten Worte des Tages und zur Harmonie in der Gruppe nimmt ihm Patrick ab, obwohl Alexander noch ein paar "Tränchen" obendrauf legt. Das Sensibelchen hat seinen Abend gewuppt und würde sich selber 9 Punkte für das Ergebnis geben.

Hier die bittere Wahrheit: je 8 geben Anette, Yannick und Lisa Marie, während Patrick die glatte 7 zückt.

Ich hoffe, die nur 31 erreichten Zähler machen Alexander nicht allzu traurig.

Berichtigung: Patrick und sein Mann haben nicht drei, sondern zwei Pflegekinder. Ich habe mich an seinem Dinner-Tag verhört, aber heute erwähnt er seine Kinder nochmals.  Eine hohe Hausnummer und eine Herausforderung sind allerdings auch zwei Kinder.


Guten Morgen, Gruß Silvia

Donnerstag, 27. April 2023

26. April 2023 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Würzburg bei Anette


„Farbig“
Vorspeise: Heiße Liebe - Basilikum küsst Tomate
Hauptgang: Ochsenbäckchen mit Süßkartoffelpüree
Nachtisch: Schwarz / Weiß / Pink


"Ich denke an nichts, wenn ich male, ich sehe Farben"
- Paul Cézanne (1839 bis 1906)

Sehr farbenfroh sind auch die Wände in Anettes Wohnung mit ihren eigenen Bildern dekoriert. Die Künstlerin und Dozentin für Malerei ersetzt in ihrer klinisch reinen Küche heute jedoch den Pinsel durch den Kochlöffel. Aber auch in Töpfen, Pfannen und auf Tellern geht es farblich hoch her.

Die Diva in der 60jährigen Künstlerin spricht gern über ihre Kunst, und manchmal steht sie begeistert vor einem ihrer Bilder und sagt: "Oh, das hast du gemacht ...?" Wenn es schon niemand der "Daniels" erwähnt, muss sie das eben selber übernehmen. Man sehe und staune und kaufe ...

Ich sehe sehr schöne und farbenfrohe Bilder und staune, kaufe aber nicht.


Das Menü

Wie hübsch ist dieses Tomatensüppchen auf den Tellern, in das jeweils ein Basilikum-Parfait-Bällchen hineinfällt und mit Gurkenperlen samt einer Korallenhippe getoppt wird? Die Gäste sind rundum begeistert, ihre Superlative kennen tatsächlich kaum Grenzen.

Hübsch angerichtete Ochsenbäckchen mit Süßkartoffelpüree samt Süßkartoffel-Chips und diversem Gedöns finden Fans und Kritiker.

Patrick, der bereits am Montag ein Milchkälbchen als ein in Milch eingelegtes Kalbfleisch vermutete, denkt bei den Bäckchen an einen der "Ochsenknechts" - und das meint er nicht etwa witzig. Man könnte ihm zugute halten, dass dies ein Versprecher ist ... ist es aber wohl nicht. Er weiß es eher nicht besser.

Zum Nachtisch gibt es ein dunkles und ein helles Schoko-Mousse und ein Himbeer-Sorbet. Jetzt wendet sich ihre Speisekarte gegen Anette, denn sie nennt das Ergebnis: Schwarz / Weiß / Pink.

Da hat sie die Rechnung ohne den nicht farbenblinden Patrick gemacht: er besteht auf schwarz, weiß und pink im Dessert. Ihm fehlt offenbar jede Spur von Phantasie ... dafür kritisiert er auf Teufel komm raus.


Fazit

Für seinen Instagram-Papa-Kanal hat oder hätte Patrick heute immerhin jede Menge Fotos machen können, sowohl von den Bildern in der Wohnung als auch vom Essen. Vielleicht unter dem Motto: Papa P. allein unterwegs ... Doch neben diesem ereignis- und bildreichen Abend ergötzt er sich lieber in kleinlicher Nörgelei. Kindisch!

Die Punkte: je 9 geben Yannick, Alexander und Lisa Marie, Patrick gibt 8 Punkte.

Mit 35 Umdrehungen lässt Annette Yannick und Patrick mehr als einen Pinselstrich hinter sich zurück.

Eine faire Bewertung! Warum macht sich besonders einer am heutigen Abend so unbeliebt, wenn er am Ende trotzdem eine akzeptable Bewertungs-Tafel zieht?

Woher soll ich das wissen?


Guten Morgen, Gruß Silvia

Mittwoch, 26. April 2023

25. April 2023 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Würzburg bei Patrick


„Gib dem Produkt eine Bühne in drei Akten“
Vorspeise: Erster Akt - Süßkartoffel auf hoher See
Hauptgang: Zweiter Akt - Karotte „küsst“ Schwein
Nachtisch: Dritter Akt - Kamille auf italienischer Rundreise


Solange man im Theater saß, vergaß man das Theater. Erst am anderen Tage, mit der ersten Kritik, fing das Theater an.
- Friedrich Kayssler (1874 - 1945)

Diese Sendung ist zwar keine Theatervorstellung - aber die Kritiken können allemal mithalten, und sie werden auch nicht erst am nächsten Tag durch die Gemeinde geschleudert, sondern zeitgleich mit der Ausstrahlung. Manche Kritiken sind fair, manche emotional, andere rein aus einer eigenen, mal guten, mal schlechten Laune heraus geschrieben. Und jeder darf seine Meinung zu der Darstellungs- und Kochkunst der Mitwirkenden entwickeln.

Heute kocht und präsentiert sich der 31jährige Polizeibeamte Patrick. Er ist verheiratet mit einem Mann namens Marcel, den wir ebenso wenig zu sehen bekommen wie die drei Pflegekinder des Paares. Drei! Pflegekinder sind schon eine Hausnummer. Alle Achtung!

Ob man die Gesichter der Kinder auf Patricks Instagram-Kanal sehen kann, weiß ich nicht. Es ist lediglich bekannt, dass er dort sein Familienleben präsentiert - und anderen damit beweisen will, dass auch zwei Väter ein gutes Elternpaar abgeben können.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit und der sicher vielen Arbeit mit drei Kindern spielt Patrick in der Passionsspielgruppe seines Wohnortes. Immerhin können jeweils 2.000 Zuschauer dem Bühnen-Spektakel zusehen.


Das Menü

präsentiert er im 1. Akt als Süßkartoffel-Suppe mit Garnelenspießen, während Akt Nummer 2 mit einem Schweinefilet punkten möchte, das von einem Möhrensalat unterstützt wird.

Der Nachtisch erfährt den meisten Zuspruch, und Süßkram ist auch genau Patricks Lieblingsding in der Küche:

ach ja, genau ... und tatsächlich sind allerdings heute der größte Star des gesamten Abends. Nicht nur Patrick bemüht sich dieser an den meisten Stellen überflüssigen Worte, sondern auch seine Gäste. Ich traue mich bald gar nicht mehr, diese Wörter einzusetzen, wenn sie auch in meinen schriftlichen Beiträgen sowohl sinnvoll als auch nicht im Überfluss vorkommen.

Der Nachtisch und finale Akt dieses Spiels mit fünf Leuten, die sich stets und schnell und zumindest ihrer Aussage nach nahekommen, besteht aus

einer Panna-cotta mit Schoko-Erde und karamellisierten Kamillenblüten.


Fazit

Passend zu seiner Passion für die Passionsspiele gibt es ein großes Wort zum Mittwoch von Patrick: "Mein Gewinn sind die anderen Kandidaten."

Aus der Ferne und den angebotenen Momentaufnahmen kann ich das schwerlich selber beurteilen. Die Erfahrung sagt mir allerdings, dass bei einem gleichzeitigem Kennenlernen von jeweils vier anderen Menschen einem nicht alle vier gleichermaßen sympathisch sind, weil man eben die Auswahl hat ... und abstufen kann. Trotzdem darf man natürlich froh über die jeweilige Runde sein - es kommt eigentlich nur auf eine faire Wettbewerbsteilnahme an. Die zeigt sich dann am Ende.

Die Punkte für Patrick: je 8 geben Yannick, Alexander und Lisa Marie, 7 gibt Anette.

Mit 31 Zählern liegt er am 2. Tag auf dem bislang1. Platz. Das war zwar knapp, aber verdient. Im Gegensatz zu Yannick hat man ihm seine Freude am Kochen angesehen.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Dienstag, 25. April 2023

24. April 2023 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Würzburg bei Yannick



Vorspeise: Garnelen Dumpling / Iberico Chorizo
Hauptgang: Milchkalb / 15h-Kartoffel / Lauch / Béarnaise
Nachtisch: Vanilleeis / Apfel / Streusel


Und plötzlich lacht er laut

und ziemlich dreckig.

Dieses Intervall-Lachen begleitet Yannicks gesamten Show-Auftritt, während er halbherzig versucht, zu kochen. Man könnte beinahe denken, dass hier eine Wette unter Kumpeln der Antrieb war, sich für die Sendung zu bewerben. Gewinnen würde er allerdings gerne, denn wer wirkt schon mit, wenn er nicht die 3000-Euro-Kasse mit nach Hause nehmen möchte? Yannick nach eigenen Angaben zumindest nicht.

Darum fällt die Eigenbewertung von Yannick für Yannick am Ende ziemlich großspurig aus: 9 Punkte würde er sich geben, aber mindestens 8. Darüber lache ich jetzt einmal dreckig. Er ist eher der typische Teilnehmer, der "mal ins Fernsehen will" - und dafür nicht genug Singstimme hat, während es mit dem modischen Gefühl ebenfalls nicht weit her ist, und für eine Hochzeitssendung ist es noch ein bisschen zu früh - er muss zunächst seinen Antrag stellen - aber geneigte Zuschauer werden ihn dort sicher bald wiedersehen können. So kann man eine Fernseh-Karriere in Angriff nehmen, obwohl alle TV-Sender bereits mit diesen Leuten geflutet sind.

Eher selten sind wirklich gute Hobby-Köche beim "perfekten Dinner".


Das Menü

Der Aperitif schmeckt laut Yannick nach "Split-Eis". Dann würde ich allein dafür schon mal höchstens ein Pünktchen geben, denn die Gläser müssen schließlich vorher gespült werden, was ja durchaus dieses Pünktchen rechtfertigen kann.

Die 15-Stunden-Kartoffeln verlangen einen gewissen Arbeitsaufwand, aber hier sind sie vorbereitet. Natürlich, kann man sagen, denn die Zeit ist für diese Kartoffelart zu kurz. -  Es bleibt trotzdem die Frage, von wem? Vielleicht von seiner Bald-Schwiegermutter Christiane, die so "wertvolle" Tipps fürs Backen der Nachtisch-Streusel zum Besten gibt und damit per Foto ebenfalls Platz in dieser Yannick-Show findet?

Beim Frittieren der Kartoffelscheiben setzt das Versagen ein. Vielleicht hätte er sie nicht in Öl schmeißen und anders erhitzen sollen? Das Wort "schmeißen" passt hier, hineingleiten lassen wäre ein falscher Begriff.

Schließlich kippt er erhitzte Butter in den Abfluss, weil er mit ihrem Aussehen nicht zufrieden ist. Wenn sein Vermieter dies sieht, hat er bereits den Verursacher der nächsten Verstopfung ausgemacht und weiß, an wen er die Rechnung schicken kann.

Milchkälbchen - Yannick erwähnt noch, dass dies ethisch umstritten ist ... stört ihn aber nicht.

Das Eis für den Nachtisch ist ein gekauftes.

Alle drei Gänge erscheinen in blassen Farben  und haben durchaus das Potenzial, schnell dem Vergessen anheim zu fallen.


Fazit

Vermutlich verwechselt Yannick Äpfel mit Birnen: er denkt, er kann gut genug kochen für solch ein Sendeformat, will aber in Wahrheit nur ins Fernsehen und verwechselt seine gute Laune mit einer wirklichen Mühe, gut zu kochen, die hier allerdings völlig auf der Strecke bleibt. Ich sehe nämlich nicht einmal ein bisschen Mühe, sondern viel Gleichgültigkeit.

Die "Experten"-Punkte: je 8 geben Alexander und Lisa Marie, je 7 Patrick und Anette.

Mit 30 Zählern könnte er im äußersten Notfall sogar wirklich gewinnen, aber das will ich doch nicht hoffen.


Guten Morgen, Gruß Silvia

Montag, 24. April 2023

23. April 2023 - ARD - Tatort Dortmund - "Love is Pain"


Peter Faber – Jörg Hartmann
Rosa Herzog – Stefanie Reinsperger
Jan Pawlak – Rick Okon
Dr. Leitner – Sybille Schedwill
Mia Pawlak – Jana Giesel
Mike Majewski – Nils Hohenhövel
Beate Gräske – Sar Adina Scheer
Sandra Heinrich – Silke Geertz
Tanja Zietmann – Johanna Polley
Susanne Bütow – Esther Zschieschow
Enise Sahnintürk – Pinar Erincin
Melek Arkadas – Aylin Öcal
Hamza Arkadas – Mehmet Daloglu
Britta Tremmel – Angelika Bartsch
Staatsanwalt Matuschek – Moritz Führmann



Tatort Dortmund
"Love is Pain"

Dass Liebe Schmerz bedeuten kann, weiß Peter Faber, der parkatragende Proll-Kommissar nur zu genau: nach dem länger zurückliegenden dramatischen Tod seiner Familie ... ist kürzlich seine neue Liebe Martina Bönisch im Polizeieinsatz ums Leben gekommen.

Da passt der eine andere Liebe rächende Fall ins Bild und befreit Faber vor weiteren eskalierenden Kapriolen. Sehr gelassen und beinahe in sich selber ruhend nimmt dieser es sogar hin, dass seine Kollegin Rosa Herzog die vorübergehende Leitung der Mord-Kommission übernimmt. Wenn es so weiter geht, wird Faber am Ende noch ein Vorzeige-Kommissar, obwohl sein bisheriges Verhalten eher zu einer Dienstbefreiung geführt hätte. Denn tickende Zeitbomben braucht die Polizei nicht. Also eine halbe Rolle rückwärts im Figuren-Profil?

Stattdessen zeigt er seine Trauer mit einem Kaktus, den auf auf Martina Bönisch Gedenkplatte in einer Kirche hinterlegt. Jede andere Pflanze hätte auch nicht zu ihm gepasst.

Mike Majewski, dessen Identität trotz hervorragender Tatort-Fotos und bewiesenen Morden, erst ziemlich am Ende des Krimis aufgedeckt wird, wandelt hingegen messermordend durch Dortmund. Das erste Opfer ist Hamsa Arkadas, ein Straßenbahnfahrer. Erst ein zweiter Mord bringt das mögliche Motiv Mikes der Aufklärung ein wenig näher.

Einst gehörten Täter und Opfer und eine junge Frau, die ebenfalls auf der Liste des rächenden Mörders steht,  der selbsternannten "Scharnhorst-Bande" (Scharnhorst ist ein Vorort von Dortmund) an.

In einem Wettlauf gegen die Zeit und gegen das Schweigen der jungen Frau wird am Ende ihr Leben gerettet, doch zumindest ist sie mit-verantwortlich, dass der zweite Mord überhaupt geschehen konnte.

Sie hätte den Täter identifizieren können und durch ihre Aussage das Leben des 2. Opfers schützen können.

Zwei Männer der Scharnhorstbande und die junge Frau, die als "Zuschauerin" teilweise anwesend war - haben eines ihrer Mitglieder bis zum Wachkoma gequält. In diesem verharrt der junge Mann seit ein paar Jahren - und Mike, vor kurzem aus einem Gefängnis in Norwegen entlassen, nimmt nun das Racheschwert für seinen Geliebten in mordbereite Hände. Seine Liebe zu dem anderen Mann ist derart groß, dass es ihm nicht darauf ankommt, ungeschoren mit den Morden davonzukommen. Jeder soll wissen, warum seine Opfer sterben mussten.


Fazit

 Während Rosa Herzog und Jan Pawlak als Kollegen von Faber die persönlichen Dramen am Rande innehaben, bleibt Faber beinahe wie strombefreit. Die Probleme von Herzog und Pawlak sind nicht ohne Sprengstoff: Pawlak verliert vorläufig das Sorgerecht für seine kleine Tochter - und Herzog lässt ihre Mutter, eine ehemalige RAF-Terroristin, festnehmen, um ihr zu helfen.

So hat hier jeder sein Päckchen zu tragen - und für manche sind es sogar Pakete. Das betrifft sowohl alle Ermittler, aber auch den Täter und seine Opfer. Besonders die Opfer wollten ihre damalige Tat durch ein bürgerlich-bescheidenes Leben kaschieren - aber der Rachengel bringt den Bruch.

Ich gebe vier von fünf möglichen Sternen für einen Rachefeldzug, der selbstverständlich keinem Menschen zusteht, weil für Vergeltung die Justiz zuständig ist.

Aber was kümmert es den so traurig Liebenden, der die Liebe nur als Schmerz erfährt?


Guten Morgen, Gruß Silvia


Samstag, 22. April 2023

22. April 2023 - Schuld sind immer die anderen ...



Schuld sind immer die anderen ...

Vermutlich gibt es mehr "schuldlose" Leute als man denkt, und jeder kennt zumindest eine Person, die in jeder misslichen Lage nur eines macht: alle Schuld von sich weisen. Tief im Selbstbetrug verankert, sehen sie überall Schuldige - nur sie selbst sind so unschuldig wie ein kleiner blanker Babypopo, der noch lange braucht, um zu einem Arschloch zu mutieren.

Das schuldlose Grundverhalten kann schon im ganz Kleinen passieren und ist sicher teilweise noch völlig harmlos: zum Beispiel im Straßenverkehr. Alle anderen Autofahrer machen alles verkehrt, nur er - der von seiner Natur aus Unschuldige - macht alles richtig und wird lediglich durch andere in Bedrängnis gebracht. Selbst im Falle eines von ihm verschuldeten Unfalls ist dann trotzdem der andere Beteiligte schuld, weil die Bewertung des Unfalls falsch erfolgt ist ... eine schwierige Natur, solch ein Unschuldiger.

Und er ist ja schließlich nicht nur an allem unschuldig, er ist auch das Opfer von allen anderen, die in einem Zusammenspiel mit ihm in eine wie auch immer geartete Schieflage gekommen sind. Die anderen sind schließlich immer die Dummen, während er selbst nur in einen Schlamassel hineingezogen worden ist.

"Die Komfortzone ist der Wellness-Bereich des Selbstbetruges"
- Andrea Mira Meneghin (* 1967)

Lebt es sich gut in diesem Wellness-Bereich oder ist der nur die Mauer, die der Selbstbetrüger um sich herum gebaut hat, um sich für nichts verantwortlich fühlen zu müssen?

Ein Selbstbetrüger wird dies nicht akzeptieren, denn er ist schließlich der absoluten Meinung, nie an irgendetwas irgendeine Art von Schuld zu tragen.

Das ist schwer zu verdauen, wenn jemand sich niemals für einen Fehler entschuldigen kann, weil er in dem Glauben lebt, keine Fehler zu begehen.

"Selbstbetrug - das älteste trojanische Pferd."
- Vitautas Karalius (1831 bis 1919)

Mit dem metaphorischem und mit Unschuld gefüllten trojanischen Pferd springen diese Menschen durch ihr Leben und hinterlassen nicht selten verbrannte Erde. Manche sind irgendwann völlig einsam, weil sich niemand auf Dauer mit ihnen arrangieren kann.

Gibt es mehr Männer oder Frauen, die an dieser Selbstbetrugs-Masche erkrankt sind? Ich weiß das nicht, und ich möchte auch niemanden näher kennenlernen, der am Ende noch

seine größte Schuld auf mich abwälzt, weil ich gerade in seiner Nähe und dadurch greifbar bin.

Wenn ich Fehler begehe, gestehe ich sie ein - vor allem auch mir selber. Das macht mich frei und zufrieden, weil am Ende sowieso niemand von mir

Fehlerlosigkeit erwartet.


Guten Tag, Gruß Silvia 

Freitag, 21. April 2023

21. April 2023 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Berlin bei Steffi

Fotos zum Dinner finde ich an allen Wegrändern - dieses jedoch habe ich extra und für heute fotografiert, obwohl eine Küchenrolle eigentlich kein Foto rechtfertigt - und schon lange nicht zu einem perfekten Dinner gehört

 „Deutsch-Vietnamesisch“
Vorspeise: Goi cuon / nem ran / Sup / Nuoc cham dau phong / Nuoc mam dam
Hauptgang: Roulade / Kraut / Omas Klöße
Nachtisch: Trai cay / Kaiserschmarrn / Nuoc sam


Der eigene Horizont ist die Schnittstelle
zwischen Wissen und Nicht-Wissen
- Helga Schäferling (* 1957)

Von wegen, hinterm Horizont gehts weiter - wie Udo Lindenberg meint. Hier und heute bei Steffi geht gar nichts weiter, sondern höchstens den sprichwörtlichen Bach runter.

Die Optometristin ohne jeden Durchblick beim Selberkochen konnte in den vergangenen Tagen andere aburteilen, ohne heute zu einer Rechtfertigung über all ihre Urteile über die anderen zu kommen. Sie kann ja nix - außer dummschwätzen.

Ihr Freund ist Vietnamese, und daher stammt ihre Affinität, die durch nichts untermauert ist, für ihr Dinner, das sie präsentiert, als handele es sich um ein anonymes Menü, zu dem Nachfragen nicht erwünscht und auch nicht erwartet werden.


Das Menü

Wie ein montägliches Abendessen in einer lange eingeschworenen und innigen  oder wahlweise auch langweiligen Paar-Gemeinschaft kommen heute die Servietten für besonders Einfallslose auf den Tisch: lieblos abgerissen von der Küchenkrepp-Rolle ... auch Klopapier hätte den gleichen Zweck erfüllt und wäre zudem noch sanfter zur Gesichtshaut.

Zum Aperitif gibt es vietnamesischen Kaffee, ohne dass sie fähig ist, etwas zu diesem Kaffee zu beschreiben. Hoffentlich stammt er nicht aus Affenärschchen, das wäre traurig, aber ihr vermutlich völlig gleichgültig. Fast so traurig wie ihr Statement zum Kaffee - es hört sich an, als hörte sie ihrem vietnamesischen Freund überhaupt niemals zu oder hat innerlich längst den Abmarsch angetreten.

Besser sollte sie sich von Herd und Küche trennen.

Sie liebt Rotkohl aus dem Glas, versucht sich heute aber an einem frischen. Hineinjuppeidi mit der Fertigbrühe, während alles ohne Fertigkeiten der Gastgeberin auskommen muss.

Die Fischsoße ist nicht vegetarisch - sorry, Reva, Stefanie kann nun mal nicht mitdenken.

Die Teller sehen - um es freundlich auszudrücken - bescheiden aus. So bescheiden wie die Tischdeko in diesem kalten Raum. Natürlich kann man den Raum nicht kurzfristig ändern, aber die Deko und - vor allem ... das Gastgeberinnen-Verhalten.

Erklärungen zum Essen, vielmehr zum Aufgetischten? Kann Stefanie nicht liefern. Sie war eine

begabte Kritikerin, aber ist eine völlig überforderte Gastgeberin und Köchin.

Das sogenannte "Menü" läuft unter der Traurig-Nummer: "der Hunger treibt es rein".


Fazit

Nach einer viertägigen "Schonzeit" gegenüber der talentierten Kritikerin, aber minderbegabten Koch-Künstlerin Stefanie muss ich heute einsehen:

sie ist weder eine Bereicherung für diese Sendung noch läuft sie freundlich nebenher mit - wie viele andere. Sie ist die reinste Zumutung für jeden, und wäre sie nicht so offensichtlich untalentiert, könnte man beinahe denken, sie verarscht die Zuschauer.

Die Punkte fürs Dilemma sind viel zu großzügig und resultieren aus einem vorsichtigen Verhalten ihrer Gäste gegenüber den Zuschauern?

Je 7 geben Lela, Reva und Dary, 6 gibt Marion.

Mit 27 Punkten liegt sie so was von negativ, aber viel zu gut belohnt,  auf dem letzten Platz. Diese Position  hat sie sich sogar vor vielen anderen Letztplatzierten dieser Sendung mehr als verdient.

Am Ende muss ich meinem kleinen Gefühl für Dary Ausdruck verleihen. Am Montag gefiel sie mir nicht so gut wie an den restlichen Tagen in dieser Woche. Und zumindest hat sie das Leben ihres

italienischen Mannes - sogar sprachlich - entsprechend angenommen. Was man von Stefanie in Bezug auf ihren vietnamesischen Freund nicht sagen kann.

Mir bleibt, allen Lesern ein schönes Wochenende zu wünschen. Und vor allem keine Einladung bei einer Frau, die Stefanie ähnlich ist. Dann ist das Wochenende so gut wie geritzt.


Guten Abend, Gruß Silvia


21. April 2023 - Bauchgefühl



Bauchgefühl

Das vielleicht schönste und eindeutigste Bauchgefühl zeigt sich durch die bekannten "Schmetterlinge im Bauch". Unmissverständlich deuten sie auf einen atemberaubenden Ausnahmezustand hin, der sich zu einem schönen Lebensziel verfestigen könnte. Doch manchmal verschwinden die Schmetterlinge für immer und kehren auch in keinem anderen Gewand wie etwa der ruhigeren Liebe wieder.

Doch es gibt andere Bauchgefühle, die weniger eindeutig, nicht auf Erfahrungen begründet sind, aber ebenso dringend gehört werden möchten. Das Bauchgefühl kann jeden ergreifen und manchen überzeugen, auf eben dieses ungewisse und undefinierte Gefühl zu hören.

Man lernt einen Menschen kennen - und der Bauch sagt: "Bring dich in Sicherheit". Ich lasse mir dann sicher nicht seinen eventuell atemberaubenden Lebenslauf auftischen und wische die Einmischung eines nicht rationalen Gefühls achtlos beiseite.

Ich höre darauf, obwohl ich eher ein Kopfmensch bin.

Es gibt Situationen, in der sich das Bauchgefühl als Geheimwaffe erweist. Ohnehin wird dieses Gefühl nur zu bestimmten Fragen die Antwort übernehmen und nicht das ganze Leben bestimmen wollen. Meistens kommt der Bauch überhaupt nicht zu Wort, was sicherlich oft genug auch richtig ist ...

und überlässt der Vernunft die Treibkraft.

Es kann aber gut sein, dass Kopf und Bauch ein reges gemeinsames Kommunikationszentrum haben und sich gegenseitig unterstützen. Ein doppelter Boden.

Besonders im Internet ist das Bauchgefühl stark gefragt: man soll nichts Unbekanntes (oder Verlockendes) anklicken, sagt es vielen und vielen Leuten vergeblich, und sich verführen lassen. Etwas Gutes kommt selten dabei raus.

Warum sollte ich also in meiner Mailbox eine "Zahlungserinnerung" von irgendeinem Betrüger öffnen, obwohl ich weiß, dass ich keine ausstehenden Zahlungen habe ... aber das ist

dann nur insofern dem Bauchgefühl unterworfen, als dass es einen davon abhält, solche und ähnliche Mails aus reiner Neugierde zu öffnen.

Wenn mein Bauchgefühl sich hin und wieder meldet, bin ich ganz gehorsam und höre darauf.


Guten Tag, Gruß Silvia 




20. April 2023 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Berlin bei Lela


„Gruß aus Georgien“
Vorspeise: Nussiger Gemüsegarten - Auberginen, grüne Bohnen, Rote Bete, Granatapfel, dazu Khachapuri
Hauptgang: Khinkali - Dreierlei: Hack, Kartoffeln, Pilze mit Cremepolenta und Gemüsebeet
Nachtisch: Traubensaft-Tatara-Törtchen mit gerösteten Nüssen


Heimat-Suche am Herd

Die 38jährige Lela schwärmt von ihrer Heimat und ist stolz, eine Georgierin zu sein. Das ist diese Art von Stolz, die hierzulande und bezogen auf unsere Heimat nicht gern gehört und gelesen wird ... zum Glück bin ich nicht stolz auf Deutschland, sondern nur froh, hier geboren worden zu sein. Auch Lela wird Gründe gehabt haben, nicht nach Georgien zurückzukehren und sich hier niederzulassen. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder, aber weder auf den Ehemann noch auf die Kinder gibt es einen Blick. Sie muss sich aufs Kochen konzentrieren und damit ist sie vollumfänglich beschäftigt.

Mit 22 Jahren kam sie nach Deutschland, und während sie früher als Musikpädagogin mit dem Hauptfach Klavier gearbeitet hat, ist sie heute Projekt-Managerin. Ihr genaues "Projekt" ist mir durchgegangen zwischen all diesen Küchen-Momenten.


Das Menü

Als Inhaltsstoffe gibt es viele, viele Nüsse. Wer jetzt - nach einer wiederholten Nuss-Orgie - noch keine mentale Allergie auf Nüsse entwickelt hat, ist immun dagegen.

Über viele andere Handgriffe und Zutaten verliere ich den Überblick: aber warum nimmt sie TK-Bohnen? Und ihr "Zaubersalz", aus Georgien importiert, ist vermutlich nichts anderes als das hiesige von Knorr oder ähnlichen Firmen. Gib dem Kind einen schönen Namen - und alle sind begeistert und schlucken die Kröte.

Der erste Hauptgang kommt getarnt als Vorspeise auf die Teller: ich - und sicherlich bin ich damit nicht allein - wäre bereits satt, aber wäre ich auch glücklich satt oder einfach nur satt? Ich kann das nicht genau beurteilen, denn es ist zu viel Karneval auf den Tellern. Und Auberginen ... die muss man mögen.

Je drei Teigsäckchen gelangen auf die Hauptgang-Teller: gefüllt mit Hackfleisch, Kartoffelbrei und Champignons. Der Teig sieht ziemlich dick aus ... dass mir persönlich die Füllungen nicht zusagen, ist nicht das Problem Lelas.

Final finden Traubentörtchen mit den heute wiederholt unvermeidbaren Nüssen Platz auf den Tellern, und ich lasse trotz Sympathie für Lela die Kirche im Dorf und sage: Beim Bäcker würde mir dieses Törtchen sicher nicht ins Auge springen.


Fazit

Lela ist zufrieden mit ihrem Dinner-Auftritt und würde sich selber 9 Punkte geben. Hier und für dieses Menü sind 9 Punkte eine mutige Hausnummer,  a b e r :  sie wird gezogen:

je 9 geben nämlich Dary und Steffi, während Reva 8 und Marion 7 Punkte gibt.

Mit insgesamt 33 Zählern liegt sie gleichauf mit Dary, aber unterhalb der Ergebnisse von Marion und besonders Reva.

Es ist schön, dass sich die fünf Frauen augenscheinlich recht gut verstehen - aber mir gefallen gemischte Gruppen besser.

Und eine kürzere Sendezeit ... ich werde nicht müde, dies immer wieder zu erwähnen, obwohl ich wenig Hoffnung habe, dass sich mein Wunsch erfüllt: es gibt vom "Dinner" stets genügend gedrehtes Material. Warum also sollte der Sender die letzten 15 Minuten vorm Abendprogramm z. B. mit einem anderen Format füllen, das nur wieder zusätzliches Geld kosten würde?


Guten Morgen, Gruß Silvia

Donnerstag, 20. April 2023

19. April 2023 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Berlin bei Marion


„Irgendwie anders“
Vorspeise: Suppe von kichernden Erbsen / Sumach - Labneh - Gerster
Hauptgang: Lamm im Blätterbett / Fregola Sarda - Salzzitrone - Tahini
Nachtisch: „Mach mal Cheese“ / Labneh - Kumquats - Kardamom


Wir können die Zeit nicht aufhalten, indem wir die Uhren verstecken.
© Walter Ludin (*1945)

Aus einem ähnlichen Gedanken heraus ist vielleicht Marions Sammel-Leidenschaft für Uhren entstanden. Oder möchte sie beweisen, dass man zwar nicht die Zeit, sehr wohl aber jede Menge Uhren kaufen kann? Die gesammelten Zeitanzeiger hängen in großer Gemeinschaft an einer Wand ihrer Berlin-Friedrichshainer Altbauwohnung. Schön sind die Uhren nicht gerade, was aber ganz sicher aus ihrer Betrachtungsweise anders als aus meiner aussieht.

Mir fallen die Zeitumstellungen ein - da hat Marion richtig viel zu tun. Vielmehr hätte ... denn jede Uhr an der Wand zeigt eine andere Zeit (es fehlen vermutlich die Batterien) und für mich als Besucherin wäre dieser Anblick eher irritierend als interessant.

Die 52jährige Heilpädagogin beschreibt sich als "Freigeistin", die auch mal "neben den Regeln" lebt. Was sie genau damit meint, vertieft sie nicht, denn es wird Zeit, sich an den Grund heranzurobben, warum es diese Sendung gibt: ans Kochen.

Es war schon lange Marions Traum, an dieser Sendung teilzunehmen, die mit ihrem äußeren Erscheinungsbild vorgibt, eine Kochsendung zu sein.


Das Menü

Vorbereitet hat sie einen Blätterteig (fürs Lamm und die vegetarische Alternative) - und findet den in der Herstellung gar nicht mal schwierig, sondern nur zeitaufwändig. Auch ein Brot hat sie am Vortag gebacken, damit es "durchziehen" kann. Viele Bäcker verschenken ihre Brote vom Vortag an die regionalen Tafeln ... oder verkaufen sie um die Hälfte billiger. Sie erfrischt das alte "durchgezogene" Brot im Backofen.

Eine wirklich interessant aussehende Kichererbsen-Suppe mit diversen Einlagen und erwähntem Brot bilden die Vorspeise.

Den Nachtisch-Käsekuchen kann ich überhaupt nicht beurteilen, aber das steht auch natürlich vor allem ihren Gästen zu, die den Nachtisch insgesamt als den besten der drei Gänge bezeichnen.


Fazit

Unterstützung erfährt Marion von ihrer Seelenfreundin Liska, die sie durch ihren Lebensgefährten kennen- und lieben gelernt hat. Liska scheint recht resolut, aber ausgesprochen hilfsbereit zu sein. Marions Lebensgefährten bekommen wir nicht zu Gesicht,

denn er befindet sich vielleicht in seinem eigenen Wohnzimmer. Viele Leute haben getrennte Schlafzimmer, sie und ihr Lebensgefährte Michael haben getrennte Wohnräume. Mir persönlich gefallen auch getrennte Wohnungen ganz gut.

Fürs Kochen und für ihre herzliche und verbindliche Art bekommt sie folgende Punkt-Bewertungen:

je 9 geben Reva, Dary und Lela, 8 gibt Steffi.

Leider - und das sage ich, obwohl ich nie Lamm esse - liegt sie mit insgesamt 35 Umdrehungen hinter Reva, die mit ihrer fehlerhaften und teilweise ziemlich rohen veganen Küche mit 37 Zählern so richtig abgesahnt hat.

Aber die Welt dreht sich weiter, die Uhren auch. Nach Wünschen wird nicht gefragt und Gerechtigkeit ist scheinbar eher ein seltenes Zufallsprodukt als die Norm.


Guten Morgen, Gruß Silvia 


Mittwoch, 19. April 2023

18. April 2023 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Berlin bei Reva




 „Eine Ode an den Herbst“
Vorspeise: Herbstliche Bruschetta / Mandeln / Salat vom Feld
Hauptgang: Kohlroulade / Sellerie / Möhre / Schwips
Nachtisch: Tonkabohneneis / Schokolade / Beeren


"Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch- Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen, wo man geht und steht – aber mir tun alle Menschen leid, die nicht hier leben können!"
- Anneliese Bödecker

Diese fünf Berlinerinnen sind weder unfreundlich noch rücksichtslos oder ruppig, sie sind einfach nur froh, durch diese beliebte Sendung eine Reichweite zu erlangen: Dary will bekanntgeben, dass sie mit einem Italiener verheiratet ist, während Reva den Zuschauern die vegane Ernährung nahelegen möchte. Bei Marion habe ich langsam die Vermutung, sie hat eine esoterische Mission ...

Die 26jährige Reva (also ist sie kein Küken, wenn auch die Jüngste in dieser Runde) lebt seit 2017 vegan, und ich kann daher gut nachvollziehen, dass sie - entgegen vielen Zuschauerforderungen, die immer dann wieder aufploppen, wenn ein Vegetarier oder Veganer kocht  - kein Fleisch zubereiten möchte. Es muss schließlich nicht jeden Tag Fleisch auf die Teller kommen.

Die Physiotherapeutin Reva stammt ursprünglich aus Soltau und ist ihrem Berliner Ehemann in die Hauptstadt gefolgt. Dem obigen Zitat gemäß hat sie es also gut getroffen: sie lebt in Berlin, im Stadtteil Wedding.

Beworben hat sie sich für die Sendung, weil sie neue Menschen kennenlernen möchte - als wäre Berlin nicht voll von Menschen, die man kennenlernen kann ... aber gut, irgendeinen Grund muss man offenbar vorschieben. Nebenbei möchte sie diesen neuen Menschen - und natürlich dem Publikum - die vegane Ernährung nahebringen.


Das Menü

ist ziemlich kreativ - doch ist es auch rundum gelungen? Manchmal darf man sich auch von hohen Punkten nicht blenden lassen.

In allen drei Gängen haben Nüsse im Überfluss ihren großen Auftritt. Persönlich wären mir das definitiv zu viele Nüsse.

Das Kürbistopping auf den selbstgebackenen Bruschetta-Scheiben sieht ziemlich roh aus - welchem Genuss soll das dienen? Aber Revas Mutter hatte die Idee, Feldsalat um die Brotscheiben herum zu drapieren - ein "Clou", über den man eigentlich kein einziges Wort verlieren müsste.

Für die Hauptgang-Rouladen hätte sie besser einzelne Rotkohl-Blätter blanchiert anstelle des gesamten Kohlkopfes. Die Mantelhüllen einer Füllung aus vielen, vielen Zutaten - in der Hauptsache Nüsse - sehen ungegart aus.

Den Nachtisch-Brownie zerbröckelt und zerbröselt sie. Kleine Kinder würden so etwas vielleicht mit einem Kuchen veranstalten ... hier soll es die Optik heben. Es hebt sie nicht!

Aber das Eis sieht sehr cremig und gelungen aus.


Fazit

Revas Gäste sind ihr wohlgesonnen und loben sie nicht nur mit Worten, sondern am Ende auch mit Punkten:

8 gibt Dary, 9 Steffi, und je 10 geben Marion und Lela.

Nebenbaustelle des Tages: Dary gibt bekannt, dass ihr Vorname einst (in der DDR) ein bürokratischer Hürdenlauf für ihre Mutter gewesen sein soll, denn dort wollte man den Namen nicht ins Register eintragen. Aber da hatte die Behörde die Rechnung ohne Darys Mutter gemacht. Am Ende besitzt die Tochter also einen Namen mit einem Beinahe-Alleinstellungswert. Wie schön. Und dann hat sie auch noch einen

Italiener geheiratet, der auch heute wieder Erwähnung findet. Das Leben kann so einzigartig sein!

Reva hingegen marschiert mit 37 Zählern nicht nur an die Spitze, sondern ist auch schwer einzuholen.


Guten Morgen, Gruß Silvia 




Dienstag, 18. April 2023

17. April 2023 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Berlin bei Dary



„Berlin Incontra Ischia“
Vorspeise: Vitello tonnato / Rindercarpaccio / Focaccia / Trüffelbutter
Hauptgang: Ischianische Polpetta / Kartoffelpüree / Speckbohnen
Nachtisch: Limoncello Creme / Limoncello Tarte / Limoncello


Mädchen aus Ostberlin
- Udo Lindenberg-Lied

Die 44jährige Dary erzählt, dass sie in Ostberlin geboren worden ist - und erwähnt später noch das damalige absolute kulinarische Highlight ihrer Kindheit, das sie heute nur noch heimlich essen darf - wenn ihr italienischer Ehemann nicht zu Hause ist. Und es gibt sein Verbot, es den gemeinsamen Kindern zu servieren.

Die Staubsaugervertreterin ist nämlich mit einem Italiener verheiratet und erwähnt dies gern und oft, als wäre es die größte Errungenschaft ihres Lebens und viel Grund, an dieser Sendung teilzunehmen. Auf jeden Fall versprüht sie auch ohne seine Anwesenheit jede Menge Lust auf Fernsehen - nicht vom Sofa aus, sondern auf ein selbst mitgestaltetes.


Das Menü

Zum Glück gibt es keine Geheimniskrämerei um das Menü, und das meiste ergibt sich aus obiger Karte. Polpetta muss von den Gästen gegoogelt werden - und erweist sich als ein Hackbällchen-Rezept mit einigen besonderen Zutaten, u. a. Rosinen. Die Bällchen schwimmen in einer Tomatensoße.

Eine Teilnehmerin will herausschmecken, dass die Tomaten aus Italien stammen - das stimmt nicht ganz, denn Dary fügt neben dem tomatigen Erzeugnis ihrer Schwiegermutter noch ein paar Dosentomaten aus einem Supermarkt hinzu. Natürlich weiß ich nicht, welche Tomaten in den Dosen landen ... aber diesen differenzierten Geschmack aus einer gewürzten Tomatensoße herauszuschmecken ... ist schon erstaunlich ... unglaubwürdig.


Fazit

Inzwischen habe ich vergessen, welche Berliner Vororte lt. Dary "in" oder "out" sind, in welchen man leben sollte und in welchen nicht - und wo Spießer wohnen, scheint sie ebenfalls zu wissen. Das bleibt uninteressant für mich, da ich ohnehin nicht nach Berlin ziehen möchte.

Endlich erfahren wir Zuschauer von Darys kulinarischem Ost-Highlight: Schnitzel aus Jagdwurst. Gehörte nicht auch eine Tomatensoße dazu? Kurz Googeln bestätigt meine Vermutung. -  Ist Darys Hauptgang also nicht nur ein italienischer, sondern auch ein entfernter Verwandter ihres Lieblingsgerichts?

Die Punkte für Dary: je 9 geben Reva und Lela, 8 gibt Marion und 7 Steffi.

Insgesamt ergeben sich 33 Zähler rund um eine deutsch-italienische Liebesgeschichte, die von der italienischen Seite dominiert wird und es bis auf die Wettbewerbs-Teller geschafft hat.


Guten Morgen, Gruß Silvia