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Dienstag, 30. Dezember 2025

30. Dezember 2025 - Neuveröffentlichung aus Dezember 2017 - Neujahr in der Notaufnahme



Neujahr in der Notaufnahme

Die einen trudeln bereits um 0.15 Uhr im Krankenhaus ein, während andere sich noch mehr oder weniger angesäuselt böllernd für die freien Stühle in der Notaufnahme qualifizieren.

Der Nachbar weint um sein Auto, denn ein paar Kracher haben es bis in den Innenraum geschafft - nun ist das Auto kein Nicht-Paffer-Typ mehr und wird sich eines Tages schlecht verkaufen lassen.

Unterdessen wird der schwere Herzinfarkt in der Ambulanz glatt übersehen, denn äußerlich sieht dieser Mensch unversehrt aus, eine seltene Erscheinung an diesem Tag -

im Gegensatz zu denen, die über fehlende Finger jammern oder rußgeschwärzt gar nicht genau wissen, was ihnen fehlen könnte, denn Schmerzen haben sie überall.

Der diensthabende Chirurg richtet eine Sammelstelle für weg-geböllerte Gliedmaßen ein, und man kann nur hoffen,

dass in dieser Nacht alles angenäht werden kann,  und vor allem am richtigen Patienten landet.

Eine Frau trägt ihren achtjährigen Jungen ins Hospital, und den hat es wirklich sehr schwer erwischt. Viel ist an dem Kind nicht mehr dran,

doch da steht bereits die Polizei,

denn für unter 12jährige ist Böllern in keinem Fall und zu keiner Uhrzeit erlaubt. Das wird also Konsequenzen haben. Wie heißt es doch:

Wer den Schaden hat ...

Die meisten jedoch haben Silvester wieder einmal und gerade eben noch überlebt.

Nur eine Frau in mittleren Jahren sitzt gekrümmt vor Schmerzen in einer Ecke und würde so gern die Zeit zurückdrehen -

aber das wird gar nicht erst eingeführt: Erst denken, dann handeln ist die Devise, und die gilt auch für Silvester-Knaller.

Ein völlig Betrunkener steuert die Notaufnahme an und übergibt sich in Fontänen, um dann zu prahlen, dass er

heute keinen Schaden davon getragen hat.

Eine Krankenschwester hängt ein Schild an die Eingangstür: Wegen Überfüllung geschlossen.

Doch das dicke Ende erwartet alle Leicht- und Schwerverletzten ein paar Tage später - denn ihre Krankenkassen werden

für fahrlässig zugefügte Verletzungen keinesfalls aufkommen.

So geht bei einigen schon mal das Geld für die Silvester-Knaller 2026/27 vorab für die Krankenhauskosten drauf. 

Shit happens.

Manchmal kommt es eben ganz dicke.


Guten Tag, Gruß Silvia



Mittwoch, 24. Dezember 2025

24. Dezember 2025 - Heiligabend



Vielleicht sind hier ein paar Autos durchs Land gefahren worden, um Heiligabend den einen oder die andere damit zu überraschen - die Geschenke werden schließlich immer größer?
Aber auch in kleinen Geschenken kann viel Herz stecken - vor allem mehr Fantasie.
Ich wünsche euch einen schönen Heiligabend.


Gruß Silvia



24. Dezember 2025 - Mein Lieblingsdichter Heinrich Heine - Neuveröffentlichung aus 2019



Mein Lieblings-Dichter

Heinrich Heine

Am 17. Februar 1856 (geboren vermutlich am 13. Dezember 1797) starb der in Düsseldorf als Harry Heine geborene spätere Dichter, Denker, Lyriker, Journalist  und auch Polemiker. Heine gilt als Dichter der Romantik, doch wenn man in seinen Gedichten den heute allgegenwärtigen Kitsch sucht,

muss man feststellen: Der ist eher ein Zeichen der Jetzt-Zeit, und Heine hätte sich vermutlich mehr als nur ein simples Magengeschwür geholt, wenn er manche Ergüsse lesen könnte, die derzeit in den sozialen Medien kursieren und mehr Schmalz enthalten als eine Schmalz-Fabrik im Jahr produzieren kann. Kunst kommt eben immer noch von Können - und nicht von Wörtern, die sich auf Teufel komm raus mit anderen Wörtern zu Reimen zusammen setzen - und über die man nur Tränen vergießen kann, weil sie einfach miserabel sind.

Als jüdischer Emigrant musste er nach Paris flüchten, um dem Antisemitismus zu entkommen, aber auch der heimischen Zensur. Später trat Harry Heine, der sich nun Heinrich oder auch Henri nannte, zum Christentum über - aber seine Taufe machte ihn eher zynischer als froh.


"Meine Wünsche sind eine bescheidene Hütte, Milch und Butter, vor der Tür einige schöne Bäume - und wenn der liebe Gott mich ganz glücklich machen will, lässt er mich die Freude erleben, dass an diesen Bäumen etwa sechs bis sieben meiner Feinde aufgehängt werden."


Welchen sechs bis sieben Leuten diese Zeilen gegolten haben, konnte ich nicht in Erfahrung bringen und sie sind wohl ohnehin nur eine sinnbildliche Zahl, die sich beliebig erweitern ließe in Heines umtriebigen Leben. Die Zeilen:

"Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht."

sollen allerdings vor allem seiner in Düsseldorf lebenden Mutter gegolten haben. Dass dies als kleiner Seitenhieb auf politische Zustände verstanden wurde und wird, war ihm vermutlich auch ganz recht. Und dieses Zitat passt in jede Zeit, wenn man es so möchte ... aber eben auch zu der als von ihm als bitter empfundenen Trennung von seiner Mutter.

Narretei

Ich habe sie verlacht, bei Tag und bei Nacht,
So Männer wie Frauenzimmer,
Ich habe große Dummheiten gemacht -
Die Klugheit bekam mir noch schlimmer.

Die Magd ward schwanger und gebar -
Wozu das viele Gewimmer`
Wer nie im Leben töricht war,
Ein Weiser war er nimmer. ...

Um der eigenen Klugheit und dem überspringenden Intellekt und auch seiner durchweg intellektuellen Gesellschaft ein wenig zu entkommen, ging er eine Liaison mit einer eher einfachen Frau ein, deren Name Auguste war, und die er Mathilde nannte. Heine liebte das "dicke, gute Kind" - wie er sie nannte. 1841 heiratete er sie.

Ein Dichter im Freiflug mit einer Phantasie, die er in passende Worte umsetzen konnte.

Verkehrte Welt

Das ist ja die verkehrte Welt,
Wir gehen auf den Köpfen!
Die Jäger werden dutzendweis'
Erschossen von den Schnepfen.

Die Kälber braten jetzt den Koch,
Auf Menschen reiten die Gäule;
Für Lehrfreiheit und Rechte des Lichts
Kämpft die katholische Eule. ...

Germanische Bären glauben nicht mehr
Und werden Atheisten;
Jedoch die französischen Papageien,
Die werden gute Christen.  ...

Und so könnte ich weiter und weiter in Heines Gedichten stöbern - was ich von Zeit zu Zeit auch mache - und kann dort jedes einzelne Gefühl, das auf dieser Welt herumfleucht und glücklich, froh oder auch traurig macht, entdecken. Es war viel los, in diesem Kopf Heinrich Heines - und viel hat sich abgespielt zwischen seinen Gehirnwindungen. Das ist noch heute lesenswert, denn ein jeder wird sich hier und da wiederfinden, ohne jemals die

Schreib-Intensität eines Heinrich Heine erlangen zu können. Aber dafür hat er all das für immer aufgeschrieben: Um andere zu erfreuen, manchmal auch zu ärgern - oder frustriert ein paar Parolen zu schwingen.

Der Brief, den du geschrieben,
Er macht mich gar nicht bang;
Du willst mich nicht mehr lieben,
Aber dein Brief ist lang.

Zwölf Seiten, eng und zierlich!
Ein kleines Manuskript!
Man schreibt nicht so ausführlich,
Wenn man den Abschied gibt.


Und noch ein letztes halbes Gedicht:

Schaff mich nicht ab, wenn auch den Durst
Gelöscht der holde Trank;
Behalt mich noch ein Vierteljahr,
Dann hab auch ich genug.  ...

Harry Heine, ein Dichter der Herzen, der Moral, der Unmoral, der Politik, der Ablehnung derselben und tausenderlei Möglichkeiten. Der Dichter meines Herzens.


Einen schönen Heiligabend, Gruß Silvia



Dienstag, 23. Dezember 2025

23. Dezember 2025 - Neuveröffentlichung aus Dezember 2015 : "Heiligabend in der Notaufnahme"



Eine fiktive Geschichte

Heiligabend in der Notaufnahme

Wer heute hier Dienst schiebt, hat entweder keine Familie mit Kindern zuhause oder will dem Ganzen einmal und gegen alle Regeln gern entfliehen. Dr. Bürger ist unverheiratet, während Sr. Marion nur einen Ehemann dem Heiligen Abend und sich selbst überlässt.

Sr. Kim liebt einfach den Trubel, der an Heiligabend ab dem frühen Abend in der Notaufnahme los geht. Sie harrt bei einer kleinen Vor-Verschnaupause und bei Kaffee und Kuchen ungeduldig der Dinge, die kommen mögen. Dr. Bürger weiß um die blutrünstigen Vorfreuden seiner Kollegin und meint bedächtig: "In diesem Jahr bleibt alles ruhig."

Doch schon gegen 16.00 Uhr trudelt der erste Betrunkene, gestützt von Mutter und Vater, da er erst elf Jahre alt ist, ein. Seine noch um ein Jahr jüngere Sauf-Kumpanin folgt, ihre Eltern ebenfalls im Schlepptau, auf dem Fuße.

Und von da an gibt es kaum eine ruhige Minute mehr: Die schwer von ihrem Mann geschlagene Frau ist ebenso ein bekanntes Heiligabend-Gesicht wie der Mann mit dem Herzinfarkt, der sogleich auf die Intensivstation verlegt wird. Während Sr. Marion sich dann dem Mann zuwendet, der sich mit seinem Punsch verbrüht hat - kümmert sich Sr. Kim um die Frau, die fast bewusstlos am Herd zusammen gebrochen ist.

Seit Wochen stand sie nur noch in der Küche. Hat Plätzchen gebacken, nebenher jeden Tag ein umfangreiches Essen gekocht und auch noch das Haus sauber gehalten und ihren Job ausgeübt. Heute wird es ihr zu viel an Action, und über Gänsekeule und Rotkohl gibt sie beinahe den Löffel ab.

Dr. Bürger verordnet ihr ein ruhiges Zimmer für diese Nacht und verbietet jeden Besuch. Die Frau muss erst einmal wieder zu sich selber finden.

Später kommen die ersten Böller-Opfer, die Heiligabend mit Silvester verwechselt haben (wo sie die nur schon her bekommen haben?) und nun ihre Brandwunden auskurieren müssen. Vermutlich beknallen sie in einer Woche schon wieder den Himmel. Sie kennen jetzt ja die Adresse, falls wieder etwas schief geht ...

Ein Ende der Nacht ist erst absehbar, wenn alle familiären Hürden glücklich umschifft worden sind und nur in Einzelfällen Opfer fordern. Wenn alle zu müde sind, um sich weiter zu streiten oder sogar handgreiflich zu werden - dann kann es passieren, dass ein Polizist in Ausübung seines Dienstes auf eine Krankenschwester trifft und sie sich Knall auf Fall verlieben.


So ist die Stille Nacht gar nicht mal so still wie von allen erhofft, und etwas Heiliges hat sie ebenfalls selten - wenn die Menschen plötzlich so dicht aufeinander hocken. Dann suchen sie zwischen dem Geschenkpapier plötzlich nach Gemeinsamkeiten, die sie nicht mehr haben.

Weniger Erwartungen, weniger Hetze, weniger davon, es allen recht machen zu wollen. Und schon ist die Ambulanz an Heiligabend viel leerer ...


Einen schönen Advents-Tag, Gruß Silvia



Montag, 22. Dezember 2025

22. Dezember 2025 - Neuveröffentlichung aus Dezember 2016 - Heiligabend in einer Polizeiwache




Heiligabend in einer Polizeiwache


In dem kleinen Nordsee-Örtchen Geradewohl ist gleich nach der Dorfkirche die Polizeistation der Dreh- und Angelpunkt der nur 160 Bewohner. Von hier aus sorgen Nik, Paul und die noch sehr junge Birte für mehr oder weniger Ordnung, und manchmal stutzen sie sogar das Recht zurecht.

Heute ist Heiligabend und die verschworene Gemeinschaft der drei Polizisten erwartet keine weiteren Vorkommnisse, als

dass sie Jonas in die Arrest-Zelle sperren mussten, da er wieder und wieder einen Tage-Diebstahl begangen hat. Der Faulpelz braucht einen Denkzettel und darf Weihnachten im Knast verbringen, bei Pfeffernüssen, Gänsebraten und Punsch.

Man mag ihn eben, diesen Tage-Dieb, dem Zeit und Raum egal sind und der sich gern durchfüttern lässt, denn das macht er schon seit sechzig Jahren. Er wird sich auch in seinen letzten Jahren nicht bessern, denn er ist bereits achtzig Jahre alt und

auf seine Weise sehr weise. Mit dieser Weisheit kann der andere Kandidat in der Nebenzelle gar nichts anfangen, ihn gelüstet es nach einem Knochen.

Hund "Bingo" hat die Ruhe des Heiligabend dermaßen gestört, dass er nun bei Wasser und Trockenfutter bis morgen früh hier verbringen darf.

Birte träumt unterdessen von einer großen Hauptstadt-Wache mit riesigen Herausforderungen, die Paul längst hinter sich gelassen hat,

denn als er mehr und mehr auf sein Pensionsalter zuging, hat er um seine Versetzung in ein ruhiges Nest gebeten. Da kam den Vorgesetzten Geradewohl in den Sinn,

denn außer Fahrraddiebstählen oder mal ein Einbruch passiert hier einfach nichts.

Nik hat einen Christstollen für die Kollegen und sich mitgebracht, und als er ihn gerade anschneidet,

gibt es einen Knall an der Wache-Tür. Der Wind, meint Paul. Denn nur Bingo und der Wind unterbrechen in Geradewohl jemals die Stille.

Birte will zur Sicherheit nachsehen und öffnet die Tür, als ihr ein großer Sack direkt vor die Füße fällt. Sie stößt einen leichten Schrei aus, denn auch Polizisten können sich erschrecken - schon eilen ihr die Kollegen zu Hilfe.

Vorsichtig ruckelt Paul an dem Sack, es klimpert, als wären Weihnachtsglöckchen dort drin. Mutig öffnet er diesen -

und zum Vorschein kommt die Beute aus in Geradewohl verübten Einbrüchen. Die Kollegen haben noch die Fotos der gestohlenen Schmuckstücke vor Augen - da sie sonst nicht viel zu erinnern haben, was echte Kriminalfälle angeht.

Sie würden auch jedes gestohlene Fahrrad wiedererkennen ...

Einen Moment später betreten zwölf Einwohner des Ortes leise das Polizeirevier. Die anderen seien in der Kirche, erzählt einer von ihnen, aber

was sie zu beichten hätten, wäre bei der Polizei besser aufgehoben.

Nik schneidet weitere Stücke von seinem Christstollen auf - und verteilt sie an die "Gäste", die, bereit zur Beichte, noch ziemlich schüchtern dreinschauen. Ihnen kann ein guter Happen nicht schaden. Auf dem Herd steht ein leichter Glühwein,

und er schenkt allen ein Gläschen ein. Vielmehr muss es für die meisten ein Pappbecher tun, denn so viele Gläser gibt es nicht in dieser Wache.

Und überhaupt hat man hier noch nie so viele Menschen auf einmal gesehen.

Jeder von ihnen hat etwas auf dem Kerbholz und erleichtert nun sein Gewissen. Der Einbrecher, der den Schmuck gestohlen hat, ist nicht unter ihnen -

aber die alte Frau, die dem Nachbarn eine volle Einkaufstasche, die dieser abgestellt hatte, gestohlen hat.

Der junge Mann, der seiner betagten Nachbarin unter dem Mantel seiner angebotenen Hilfe, Geld geklaut hat, ist ebenso gekommen

wie die reumütige Frau von vierzig Jahren, die manchmal im Supermarkt ihre Hände nicht bei sich behalten kann - aber die genommenen Sachen nicht auf das Kassenband legt.

Am Ende gibt es zwölf Geständnisse -

und zwölf Versprechen, das jeweils begangene Unrecht nie wieder zu begehen.

Wie könnte man ihnen diese Reuen nicht abnehmen?

Nik, Paul und Birte feiern mit allen noch die halbe Nacht lang Weihnachten,

ein Weihnachten, wie es nie gewesen ist und eines,

das auf ein gutes Neues Jahr hoffen lässt.

Einen schönen Adventstag wünscht Silvia