Freitag, 14. Oktober 2016

13. Oktober 2016 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag im Heilbronner Land bei Marcus



Aperitif: Wilde Beeren küssen Eis
Vorspeise: Maronen-Creme-Suppe mit gebratenen Garnelen
Hauptspeise: „Heilbronner Leibgericht“ Medaillons vom Schweinefilet mit einer Sahne-Pilzsoße, dazu Spätzle, Maultaschen und Bubaspitzle
Nachspeise: Schoko-Bananen-Torte und schwäbischer Nusszopf an einem Fruchtspiegel


The Answer Is Blowing In The Wind ...

Marcus macht sich deutlich besser als Gast denn als Gastgeber. Warum das so ist, wird nicht einmal der Wind wissen, denn hier weht kein Hauch von wildem Temperament durch die Räume, und als er - mit seiner süßen kleinen Tochter auf den Schultern - den Kuchen anrührt,

sieht man:

Dieser Mann hat die Ruhe weg! Den kann nichts erschüttern, aber auch nichts auf Trab bringen. Und als er mit seiner dreiköpfigen, blonden Verstärkung von Familie in seiner Küche steht, kann ich nicht dafür,

dass mir in den Sinn kommt, dass genau so ein Werbeprospekt für "Stepford" aussehen müsste, wenn es Stepford denn wirklich gäbe und er nicht nur ein Ort aus einem Roman und Film wäre ... Und am Ende weiß nur der Wind, ob es solche Orte nicht doch gibt.

Unterdessen schickt man Sandra und Kathrin auf ein Schiff, das zum Glück nicht Titanic heißt und die beiden wieder heil an Land bringt. Ebenso heil bleibt der Echtpelz-Kragen von Hundefreundin Kathrin.

Anstatt Vorbereitungen diverser Art in seiner Küche zu tätigen, wischt Marcus lieber jeden noch so kleinen Fleck von Platte und Wand, als gelte es, der neue Meister Propper zu werden. Wie sinnlos das ist, sieht man am Ende: Da steht ein Topf über dem anderen, ein Gemälde von einem Küchenbild ist sichtbar - das muss ihn normaler Weise verrückt machen.

Aber er verliert die Zeit so sehr aus dem Kopf, dass die eigentliche Küche darunter langsam verschwindet und zugestellt nach Hilfe und Putzlappen schreit, während Marcus im Zeitlupentempo weiter arbeitet, um irgendwann in den frühen Morgenstunden noch seine Torte mit Bananen servieren zu können:

Bananen scheinen hip zu sein in der letzten Zeit. Doch teil mal eine Bananentorte in sechs gleich große Stücke - da verlangt es schon einen Einstein. Marcus lässt sich auch damit viel Zeit und hat jede Menge Muße, die Einheiten nach seinen strengen Richtlinien zu berechnen. Servierring drüber, ausgestochen, fertig ... So einfach macht er es sich nicht.

Vielleicht fehlt ihm jetzt die kleine Tochter auf den Schultern, die der männlichen Überschätzung, ein annähernd perfektes Dinner in einer angemessenen Zeit zu wuppen, Schwung geben würde ... Auch das weiß nur der Wind - und Marcus.

Zwischenzeitlich verdursten und verdorren die Gäste. Selbst Sandra fehlen manchmal die bösen Worte, die sie im übrigen alle mehr oder weniger bereits an Kathrin verschwendet hat.

Der Lohn der Nacht sind dreiundzwanzig Zähler.

Neun davon gibt Thomas, der die vielfältigen Bestandteile des Hauptganges damit würdigt. Dass der ganze Aufwand auf Kosten der Gäste geht, ist ihm nicht bewusst ... oder auch schon egal, denn nach der Punktevergabe darf er endlich nach Hause.

Drei Pünktchen gibt Kathrin, während die sonst so großzügige Sandra auch nur vier für den Bilderbuch-Papa übrig hat.

Und ich befürchte, dass diese drei und vier vergebenen Bewertungs-Punkte dem ganzen Abend und auch dem servierten Dinner sehr nahe kommen ...

Nun fegt der Wind über dieses Dinner, während die verunstaltete Küche wer auch immer ausfegen muss. Der Wind hat viel zu tun in diesen Tagen.

Guten Morgen, Gruß Silvia

1 Kommentar:

  1. Nein, liebe Zuschauer, das war keine Zeitlupe, der kocht wirklich so langsam.

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