Dienstag, 2. Dezember 2014

2. Dezember 2014 - Der Advents-Kalender - Zimt & Coriander -


Zimt & Coriander

Der wohl erfolgreichste griechische Film (2003) ist ein Juwel für alle in der Kochleidenschaft verwurzelten Menschen. Die Familie des Jungen Fanis lebt in Istanbul, und von seinem Großvater, dem Gewürzhändler, lernt er viel über das Leben, die Gewürze und die Sterne.

Schon der kleine Fanis hat eine natürliche Affinität zum Kochen und zu den Gewürzen. So meint er, an Hackfleisch-Bällchen gehöre immer eine Prise Zimt. Sein Leben erfährt im Jahre 1964 eine Wende: Seine Eltern werden aus der Türkei ausgewiesen und sie müssen den Großvater zurück lassen.

Zum Abschied sagt der Großvater: "Das ist wie beim Essen, es ist nicht wichtig, dass man das Salz sieht - sondern dass es im Essen ist."

Sie werden sich nur einmal kurz wiedersehen.

Der Film ist in Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch aufgeteilt.

Die Vorspeise

Anfang einer Geschichte, die vom Reisen handelt. Kreuzkümmel verschließt die Menschen, Zimt öffnet sie.

Und so wie die Türken die Familie als Griechen weg geschickt hat, empfangen die Griechen sie, als wären sie Türken.

Hauptgericht

Die Hauptgerichte in unserer Küche schlagen eine Brücke zu den Erinnerungen unserer Kindheit. Es folgen opulente Koch-Orgien mit sich berstenden Tischen voller Leckereien und Leben.

Fanis verfeinert nachts heimlich die Gerichte seiner Mutter. Und er lernt in einem Bordell, sein Wissen zu vertiefen.

Nachspeise

Fanis ist als erwachsener Mann, der Astrophysiker (und nicht Koch) geworden ist, erstmals wieder in Istanbul, um seinen Großvater im Krankenhaus zu besuchen. Nach diesem einzigen kurzen Wiedersehen stirbt der alte Mann.

Auf der Beerdigung trifft Fanis seine Kinder-Liebe wieder. Als Junge hat er ihr mit duftenden Gewürzen verfeinerte Postkarten geschickt.

Doch es gibt kein spätes Happy-End zwischen beiden: Das Dessert in einer Küche entspricht dem, was bei einem Märchen das Ende ist. Alte Wunden sind hinterhältig, aber sie werden heilen.

Ein sehenswerter Film, der in die Vorweihnachtszeit passt. Kochen so wie Fanis ... das ist Leidenschaft und Philosophie, absolute Hingabe und auch Diplomatie. Ein Film für  die Seele und die nächste Motivation, sich ins Kochvergnügen zu stürzen.

Hören sich manche Film-Zutaten auch kitschig an: das sind sie nicht. Und am Ende, auf dem Dachboden des Opas, pustet er die Gewürze in die Luft - und da schließt sich der Kreis zu Fanis' Beruf: Wie ein Weltall fliegen die einzelnen Bestandteile durch die Luft. Und wir sind die, die auf den atomisierten Krümeln leben.

Einen schönen Advent-Tag, Gruß Biene

5 Kommentare:

  1. Danke Bienchen !

    Ich hab den Film damals auch gesehen und er hat mich sehr berührt. Du hast mit dem Kalendertürchen die Erinnerung hervorgeholt :-) was für ein schöner 2. Dezember.....

    AntwortenLöschen
  2. Danke Bienchen, kann mich Petra nur anschließen, ist schon ewig her mit dem Film, der mich damals natürlich auch zu entsprechenden Koch und Würz-Arien anregte. Toller Tipp, die DVD liegt demnächst in meinem Kino. (Kann mich leider nur noch lückenhaft erinnern, diese Info- und Bilderflut, da geht soviel verloren) Umso schöner wenn man mal wieder mit der Nase drauf gestupst wird...liebe Grüße Susi

    AntwortenLöschen
  3. Ich freue mich, dass ihr den Film genau so mögt wie ich. Den kann man wirklich öfter ansehen - so wie "Grüne Tomaten" z. B. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich den schon gesehen habe.

    AntwortenLöschen
  4. Danke Biene für die wirklich schöne Geschichte.
    Ich kenne den Film leider nicht, aber sollte er wiederholt werden, so sehe ich ihn mir gerne an.

    Danke und lieben Gruß rudi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Rudi, ich habe den Film auf DVD - kann mich nicht erinnern, ob der schon mal im Fernsehen gezeigt wurde.

      Löschen