Samstag, 13. Dezember 2014

13. Dezember 2014 - Der Advents-Kalender - Ein Beitrag von Smallwind

Foto und Beitrag von SMALLWIND



Weihnachten in meiner Heimat Namibia



Als ich ein Kind war, glaubte ich ganz fest an das Christkind. Eigentlich glaubte ich ziemlich lange, denn ich hatte eine sechs Jahre jüngere Schwester, die ja auch daran glauben sollte. So wuchs ich ziemlich unbedarft auf und glaubte auch tatsächlich, dass das Christkind meinem Papa beim Schmücken des Weihnachtsbaumes half, während wir zum Spielen in die Natur geschickt wurden.

Das war in einem so warmen Land wie Namibia gar kein Problem. Ich trug ja schon sehr früh eine Armbanduhr und bekam als Ältere immer aufgetragen, wann wir denn wieder heimkommen durften. Manchmal ging Mutti mit uns spazieren, wenn sie so weit alles vorbereitet hatte.

Natürlich durften wir nicht vorne durch die Veranda ins Haus, denn man kam direkt ins Wohnzimmer, sondern wir sind immer hinten herum durch die Küche. Von dort gab es zwei Türen. Die eine führte in einen kleinen Flur und die andere in ein kleines Bad mit Wanne, Toilette und Waschbecken (und mir einen sehr suspekten riesigen Warmwasserboiler, den man immer erst „entzünden“ musste). Vom Flur aus kam man rechts jeweils in die beiden Schlafzimmer (Eltern und Kinder). Und ging man den Flur gerade aus durch, von der Küche kommend, kam man ins Ess- und Wohnzimmer (in der Reihenfolge war es aufgeteilt).

Natürlich durften wir noch nicht ins Wohnzimmer, sondern mussten erst ins Bad zum baden. Dann standen wir aufgeregt, mit hochroten Wangen und von einem Bein aufs andere zappelnd mit Mutti vor der verschlossenen Wohnzimmertüre und warteten auf das „Glöckchengeläut“ (einer kleinen Handglocke). Das erste, was ich immer hörte, waren Glockengeläut eines mir unbekannten Domes, das von einer Langspielplatte knarzte und knackte, dann endlich das erlösende Bimmeln der kleinen Glocke, die Wohnzimmertüre wurde aufgeschlossen und uns schallte Heintjes „Stille Nacht“ entgegen. Mit großen Augen und staunenden Blickes standen wir beide dann da, bewunderten den prächtigen Weihnachtsbaum und wir alle sangen voller Inbrunst mit Heintje mit. Dies war bis vor 2 Jahren auch bei mir noch d a s Ritual schlechthin. Damit wurde immer der Heilig Abend eingeläutet, im wahrsten Wortsinne. Kaum war das letzte Geläut des (mir immer noch unbekannten Domes) auf der Langspielplatte verklungen, lagen wir uns mit Tränen gefüllten Augen in den Armen und wünschten uns erst Mal frohe Weihnachten.

Dann e n d l i c h gab's die Bescherung. Danach gab es Fleischfondue und nach dem Essen saßen wir dann bis sehr spät (meist war es kurz nach 22 Uhr) mit Mama und Papa auf der Couch aneinander gekuschelt (trotz der Wärme, wir wollten einander an diesem besonderen Abend einfach ganz nahe sein) und sie erzählten aus ihrer Kindheit. Erst über Weihnachten, dann den Winter, den Schnee und dessen kindlichen Freuden und dann immer so weiter... ich hätte Stunden-, ach was sag ich, Tagelang (!) den Geschichten lauschen können. Mit leuchtenden Augen und rot glühenden Wangen saß ich dort, atmete den herrlichen Duft meiner Mama (so konnte nur eine Mama duften!) tief ein und lauschte verzückt. Ich sog die alten Geschichten meiner Eltern in mir auf, wie ein Schwamm das Wasser.

Aber auch der Heilig Abend hat sein Ende und so fielen wir meist sehr selig und sehr müde ins Bett und hörten vor dem einschlafen den Grillen zu und vom nahen Wasserloch stiegen die Frösche in die Musik der Grillen mit ein und so sangen sie alle ihr ganz persönliches Weihnachtslied. Ich lag dann meist noch länger wach und kuschelte mich in meine dünne Decke und ließ den Tag noch mal vor meinem inneren Auge vorbei ziehen. Und eines verspürte ich schon damals, dieses ganz besondere innere Zittern, das davon her rührte, dass ich tief in mir dieses Gefühl verspürte, dass es was ganz besonderes ist: Weihnachten! Dieses mir bis heute lieb gebliebene, ganz besondere und allerwichtigste Familienfest....

Ich wünsche allen eine besinnliche, gesunde und frohe Adventszeit. Bleibt Gemach und lasst euch nicht von der allgemeinen Hektik anstecken, sondern geht vielleicht abends in eurem Bett oder auch nachmittags auf dem Sofa oder wo auch immer, einfach mal tief in euch, holt das Kind von früher herauf und saugt dieses Gefühl, das ihr als Kind an Weihnachten, am Heilig Abend verspürtet tief in euch auf. Taucht in diese herrlichen Erinnerungen ein und atmet rief durch... vielleicht spürt dann die Eine oder der Andere den eigentlichen Sinn der Weihnacht: „Liebe und Frieden“. Frieden tief in euch, denn dort beginnt er und Frieden mit euch selbst.

In diesem Sinne... Smallwind



6 Kommentare:

  1. Hallo Smallwind,

    Danke für deine sehr gute und emotionale Geschichte übers Weihnachten als Kind.
    Ich hatte auch immer schöne Weihnachten, auch wenn es anfangs recht ärmlich zuging, so kurz nach dem Kriege. Dennoch spielten die Erinnerungen und das Miteinander eine größere Rolle, als die späteren Geschenke. Natürlich waren die Erinnerungen meiner Eltern mehr mit den Schrecken des Krieges erfüllt. Ich habe es bei meinen Kindern auch immer in der Art versucht, natürlich mit Erinnerungen aus einer besseren Zeit. Heute ist es leider zu sehr zu Kommerz verkommen.
    Danke nochmals für deine schöne Geschichte.

    GlG rudi Wichtel

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  2. Danke Smallwind für Deine Erinnerungen an die schönen Weihnachtsfeste in der fernen Heimat *schnief* wohl dem, der eine so behütete Kindheit hatte und sein Leben lang davon zehren kann :-) DANKE !

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  3. Danke Smallwind für diese Extradosis Weihnachtsgefühl. Und weisst du, was wirklich seltsam ist? Ich kann dieses Gefühl bei deiner Biografie, deiner Kindheitsschilderung, deiner liebevollen Familie zu 100 % nach vollziehen. Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich drei Jahre alt war, sie gingen nicht gut auseinander und für meine Schwestern und mich war Weihnachten lebenslang ein Loyalitätsproblem. Einer (der Eltern) fühlte sich immer verletzt, das war schon so, als wir noch klein waren. Später dann war Weihnachten wegen meines autistischen Sohnes ein Problem, die Großeltern hingegen erwarteten ein echtes Enkelkinderfest.
    Also - du siehst, Adventszeit, Heiligabend, Weihnachtstage - Minenfelder für mich.
    Einerseits - Andererseits verspürte ich immer, als Kind und auch jetzt noch als Erwachsener, jedesmal genau dieses Gefühl, das du beschreibst, so eine Art inneres Fest, das irgendwie durch nichts zu zerstören ist - ist das nicht wirklich merkwürdig? Ich habe das nie gelernt durch schöne Traditionen so wie du, und trotzdem wirkt so eine Art Zauber. Ohne deinen Beitrag wäre mir das nie bewußt geworden, deshalb 1000 dank, schönen 3. Advent wünscht dir und allen anderen, Susi

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  4. Ich glaube, smallwind kann gerade nicht online gehen. Aber sie wird es in ein paar Tagen nachlesen, liebe Petra Silie und Susi.

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  5. Hier der Kommentar von SMALLWIND:

    Vielen lieben Dank lieber Rudi, liebe Petra Silie und liebe Viktualia für eure so lieben Kommentare, mir sind die Tränen gekommen. Zum einen, als ich meine Geschichte noch mal las bei den Erinnerungen und dann den lieben Worten.

    Ja, das müssen damals sehr harte Jahre gewesen sein, lieber Rudi. Ich bin froh ein Kind der 60ger zu sein. Meine Mutter (Jahrgang 05/43) wurde damals mit 1 Jahr mit ihrer Mama, Oma und Schwester aus dem Sudetenland vertrieben und kamen nach langer harter Zeit in den Taunus. Mein Papa (Jahrgang11/39) wuchs am Fuße des Westerwaldes (direkt an der Lahn) in einem kleinen Dorf auf und kann sich recht gut an die Bombardierung der Amerikaner des Marmorsteinbruchs erinnern und dann wie die Amerikaner einige Zeit später durch den kleinen Ort fuhren und ihm Kaugummi und Schokolade schenkten. Diese Erfahrungen waren immer wieder Teil der Geschichten, die dann so am Heiligabend erzählt wurden.

    Petra Silie: du hörst dich auch wehmütig an, scheinst auch nicht so eine schöne Kindheit gehabt haben, oder habe ich das falsch heraus gelesen?

    Es tut mir besonders für dich, Viktualia, leid, dass du keine so unbeschwerte Kindheit erleben konntest, durch die Scheidung deiner Eltern (ich kann das gut nachempfinden, wie das gewesen sein muss, die Zerrissenheit und all der Kummer), aber meinem Sohn geht es leider auch aweng so, so als Scheidungs"kind" (er war zwar "schon" 14 als sein Vater zurück in die USA ging (nach einem Jahr im Irakkrieg), aber eigentlich war sein Vater nie so richtig anwesend, bzw. hat sich nicht für seinen Sohn groß interessiert).

    Ich weiß, ich war besonders privilegiert so behütet und geliebt aufgewachsen zu sein. Nun ja, meine Schwester und ich natürlich.

    Ich wünsche euch allen einen schönen 3. Advent.

    Lieber Gruß, smallwind

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  6. Hallo smallwind,

    ja das waren harte Jahre so direkt nach dem Kriege. Meine Mutter wurde auch aus dem Sudetenland ausgewiesen, mit 3 Kindern. Nun will ich das aber nicht ganz so arg ansehen, wie es andere, die richtig flüchten mussten erlebt hatten. Mit dem Zug nach Nürnberg war gegen das Schicksal anderer wie eine Urlaubsfahrt. Aber mein Vater war ja noch in Gefangenschaft. Ich bin ja erst 48 zur Welt gekommen. Nur mussten wir lange darunter leiden, wie verroht die Männer aus dem Kriege kamen. Sie waren brutal zu Frau und Kindern. Dazu kam ja noch, dass Wunden und Krankheiten nicht wirklich auskuriert waren. Erst viel später begann ich die Zusammenhänge zu verstehen und glaube mir, ich hatte wirklich Mitleid mit diesen Menschen, auch wenn ich leider auch oft Opfer von Wutausbrüchen war. Mein Vater war 3 x in Gefangenschaft. Ich habe es ja gut überstanden und es geht mir gut.

    GlG rudi Wichtel

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