Mittwoch, 10. Dezember 2014

9. Dezember 2014 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Potsdam bei Christian

Aperitif: Apfel
Vorspeise: Zwiebel, Rind
Hauptspeise: Süßkartoffel, Kürbis, Lamm
Nachspeise: Schokolade, Lavendel, Zucker, Salz


Forever Young

ist bei Christian schwer vorstellbar. Noch jung an Jahren, wirkt er älter und gesetzter. Die Vorstellung, er war mal zwanzig Jahre alt und hat dumme Sachen gemacht - undenkbar!

Mit einem Hund haben er und seine Frau Alexandra das "Eltern-Sein" geübt, dann kamen die Kids: Sebastian und Emilie. Ein Hund ist kein Kind, und ein Kind ist kein Hund. Soviel dazu. Man kann auch sagen: Ein Hund ist kein Kindersatz - und ein Kind ist kein Ersatz für einen Hund.

Bei der Präsentation seiner edlen Küche kommt der Verdacht, er könnte beruflich Küchen verkaufen, so sehr preist er seinen Schatz an. Aber auch eine Küche ist kein Ersatz für irgendwas. Versenkbare Dunstabzugshaube und Schubladen mit Softeinzug und auch sonst noch allerlei Kram, um seinem Hobby, dem Kochen, gerecht zu werden. Wer hier das Sagen hat, steht außer Frage. Alexandra steht schüchtern in seiner Küche und ist eigentlich recht überflüssig, denn ihr kocherprobter Mann will und duldet offenbar kaum Hilfe. Ein bisschen ziemlich unten angesiedelte Tätigkeiten darf sie schließlich doch erledigen - und er lobt sie wie man jemanden lobt, der eigentlich von nix eine Ahnung hat. Eine Frau ist eben auch kein Ersatz für eine Küche.

Nach vierzig bis sechzig diversen Kochkursen hat Christian seine Leidenschaft bis zur Fernseh-Reife perfektioniert. Sehr gut vorstellbar, wie er sich, akribisch Kochbücher wälzend und Restaurants besuchend auf sein Dinner vorbereitet hat.

Wie immer trudeln die Gäste ein, als wären es alte Freunde. Uwe ist wohl der älteste Freund, denn ich sehe kein Gastgeschenk. Aber in einen Friseurbesuch hat er das überschüssige Geld auch nicht gesteckt. Der gebürtige Bielefelder bewertet jedoch streng nach seinem eigenen Geschmack. Dass dies keine Strategie ist, konnte man an den Punkten für Adina sehen - und auch an der Vorschau für Diego: Ihm gibt er zehn Punkte.

Sven und Adina sitzen ineinander verschlungen, als würden sie am nächsten Morgen zum Standesamt gehen oder zumindest die Nacht miteinander verbringen wollen. Irgendwie liebt der Regisseur unangebrachte Kuschelbilder von einander fremden Leuten. Er hat vielleicht selber ein Kuschel-Defizit?

Die Vorspeise begeistert. Es muss am Geschmack liegen - das Aussehen allein bringt den Genuss nicht über den Schirm. Beim Hauptgang müssen einige wegen der traurigen Verlorenheit der einzelnen Komponenten auf dem Teller erst mal schlucken. Und auch, wenn noch Nachschlag bereit steht: Dies ist ein minimal gefüllter Teller für ein mindestens sechs-Gänge-Menü und nicht für einen Hauptgang im Trio.

Als optisches Highlight kommt der Nachtisch auf Schiefer-Geklapper auf den Tisch: Hat er das Eis gekauft? Habe ich das richtig verstanden? Egal: Wo bitte kann man Lavendeleis kaufen, wer bringt es ganz schnell ins Ruhrgebiet?  - das brauche ich dringend! In Lavendel könnte ich mich verlieren. Ist aber auch kein Ersatz für irgend was.

Auch Diego hat einiges auszusetzen an den perfekt aussehenden Speisen, gibt trotzdem neun Punkte. Uwe hat noch mehr zu meckern - und gibt nur sieben dürftig-mickrige Punkte.

Nachdem Adina vor der Kamera sich dem fröhlichen Busen-Wackeln-Wiegen hingegeben hat, um manchen das Fremdschämen auch nicht zu ersparen - gibt sie acht Punkte.

Insgesamt bekommt Christian vierunddreißig Punkte und die freundliche Bestätigung, dass die vierzig bis fünfhundert Kochkurse nicht erfolglos geblieben sind.

Mir kommt er dadurch nicht näher.

Guten Morgen, Gruß Biene

8 Kommentare:

  1. Morjen,
    Nun, um den Christian gerecht beurteilen zu können, vor allem agierend zwischen den eher grellen Elementen Adina und Diego, da muss man doch erst mal umschalten, von der Welt der schrillen Neonfarben, auf gedeckte Beigetöne.

    Hat man den Dimmer dann einmal erfolgreich auf Christians Welt kallibriert, bemerkt man, dass er durchaus nicht dröge ist, sondern über trockenen Humor verfügt, dass er und seine Alexandra einen gleichberechtigten Ton leiser Selbstironie pflegen, der allerdings Gehör finden muss, das gebe ich zu, aber ich habe ihn deutlich bemerkt.

    Mir machte es Freude, den in sich ruhenden, äußerlich so unscheinbaren Mann, in dieser beneidenwerten Küche ruhig und sicher arbeiten zu sehen. Endlich mal kein blödes Getue, endlich mal keine dodfen Abstreichzettel, Rutschshirts, Flatterhaare, Sabberlöffel, keine Hektik, kein Dreck.

    Die klassische Zwiebelsuppe, wie lange hab ich die schon nicht mehr gemacht, ist eindeutig wieder mal dran, hat er schön gekocht, mit Bilderbuch-Rinderfond, super geliert, die Zwiebelchen in Ruhe gebräunt, ein wenig karamellisiert, wie es sich gehört, ein bißchen Mehl drüber, Weißwein, ein Gedicht. Und alles auf heissen Tellern serviert, großartig!

    Der Hauptgang, auch hier verstand einer sein Handwerk, das sah man schon beim parieren des Lammfilets. Und natürlich der Herstellung der Sossengrundlage mit Fleischresten, Gemüsen, Wein und viel Zeit.
    Wie seine gesamte Vorbereitung geschah auch dieser Prozess überlegt und ganz in Ruhe. Christian war niemals hektisch, auch das fand ich wunderbar erholsam.
    Den Kürbis hätte ich ohne den Tarteteig gemacht, wäre mir persönlich zu viel Kohlehydratanteil gewesen. (Geschmacklich jetzt, nicht diätetisch gemeint)
    Aber die Kombination Lamm/Kürbis/Süsskartoffel finde ich sehr stimmig.

    Dass ein älterer Herr mit unterentwickeltem Kindergeschmack am Tisch sitzt, der seine Urteile auch nach diesem fällt, wer kann das ahnen....

    Christians Dessert bewies in allen Komponenten seine Fähigkeiten. Die üppigen Basiscremes für die jeweiligen Eisvariationen rührte er lässig zusammen, (na gut mit Hilfe seiner Wahnsinns-nur-keinen-Neid-Küchenmaschine).

    Christian hat gut abgeliefert, das wußte er auch. Ich fand er kam trotzdem nicht überheblich rüber, weil es ganz einfach den Tatsachen entsprach.

    7 Punkte für diese Leistung zu geben sind eine Schande, 10 wie er sich selber, hätte ich ihm allerdings auch nicht zugemessen, denn er hat zwar eine raffinierte Kücheneinrichtung, aber sein Menue war, wenn man es mal realistisch runterbricht, doch nicht besonders schwierig. Erst beim Dessert war etwas mehr Kunstfertigkeit von Nöten.
    Aber ein guter Gastgeber war er, die Stimmung war super und sein Dinner ist ohne Patzer auf den Tisch gekommen. 8-9 Punkte sind da schon drin gewesen.

    Mal sehen, wie Christian sich in den nächsten Tagen so verhält, für heute bin ich an seiner Seite, für die Stillen in einer lauten Welt.

    Aus dunkelfinsterem Tal um immerhin 9.00 Uhr !! grüßt euch Susi

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  2. Trockenen Humor und gegenseitige leise Selbstironie zwischen ihm und seiner Frau habe ich nicht gesehen. Eher, dass sie unsicher in seiner Küche stand, irgendwie überflüssig ... als hätte sie ohne Erlaubnis ein Allerheiligstes betreten. - Doch so sieht ein jeder/eine jede es eben anders. - Ich schicke Grüße aus dem Regenland, Silvia

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    1. Weisst du Silvia, genau das finde ich an deinem Blog so toll: Dass hier jeder eine ganz individuelle Sicht der Dinge hat, das verblüfft mich selbst auch jedesmal. Huch, denk ich dann, so hat die/der das wahrgenommen? Man neigt ja immer dazu an zu nehmen, dass jeder die Dinge zumindestens ähnlich sieht, wie man selbst. Umso mehr bereichert es, andere Standpunkte zu erfahren, wie hier jeden Tag möglich.

      Aber eines steht fest: Eine(r), der hier von allen gleichermassen negativ gesehn wird, der muss es schon wirklich sehr versaut haben...

      Behaltet euren Regen mal da tief im Wehestehehen, mir reicht schon der doofer Dunkel, wie meine Tochter früher sagte. Liebe Grüße Susi

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  3. Ein schönes Vorabendprogramm wie ich es mag :-)

    Christian hat eine supertolle Küche nach eigenen Entwürfen, ein tolles Haus, eine tolle Familie und einen tollen Hund !

    Ich fand die Einblicke ins Familienleben harmonisch, Frau darf leichte Hilfsarbeiten machen und fühlt sich wohl dabei, er kocht gern - sie ißt gern... da haben sich zwei gefunden. In meinem Umfeld gibt es die gleiche Konstellation ;-) und die Ehefrau genießt es, wenn sie im Campingurlaub beim Zwischenstopp zum Nordkap mit Rouladen, handgemachten Klößen und natürlich selbstgeschnippeltem Rotkraut verwöhnt wird *kicher*

    Endlich gings mal wieder rischtisch ums Kochen ! Und was da gezeigt wurde war sehenswert und hat Spaß gemacht. Na gut die Knusperstange war mir etwas grob, aber das wars dann auch schon an Gemecker von meiner Seite. Alles supi !! An die Schiefertafeln muß ich mich wohl gewöhnen, denn sie kommen in letzter Zeit so oft vor, dass der Flächenbrand nicht mehr aufzuhalten ist.... die Nachtischtriologie kam darauf gut an und ich wäre gern Gast gewesen !

    Die Gäste sind wie gehabt, Adina genießt es, die Henne im Korb zu sein und die Männer ? Da bin ich gespannt auf heute Abend !

    VOX so könnt ihr weitermachen mit dem perfekten Dinner *Daumen hoch* :-)

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  4. Moin @ zusammen.

    Auf zum Kochkurs bei Christian.
    Na toll, ein Unternehmer der am WE frei hat. Dass er gerne kocht, konnte man gut erkennen. Ein Hobby möchte ich es aber bei Michael nicht nennen, das war mehr. Wer ein Haus um die Küche herum umbaut, der ist schon Fanatiker. WZ und EZ lagen etwas verkümmert am Rand. Die Küche war mit fast allem was möglich ist ausgestattet. Sogar eine versenkbare Abzugshaube, bzw. eher eine Miniwand. Mag es auch schön sein, wenn Gäste ihn an einer Theke beobachten können, so fehlte doch eine Wärmebrücke. Aber auf was verzichtet man alles, wenn die Zuschauer zufrieden sind. Rührgeräte schienen auch zu fehlen, denn er rührte immer mit einem Metalllöffel rum.
    Wer und wo eingekauft wurde, wurde nicht gezeigt. Michael der Star, betrat und erklärte die Kü-che. Da das Fernsehen da war, durfte seine Frau ausnahmsweise mit in die Küche, diesmal aber nicht nur zum Putzen. Michael hantierte ganz ruhig und gelassen und seine Frau bettelte darum auch etwas tun zu dürfen. Sogleich erhörte seine Kochgnaden ihr Flehen und gestattete voller Gnaden, dass sie 6 Zwiebeln schälte. Ja Michael kochte nicht einfach, er zelebrierte am Herd.
    Natürlich braucht er für seine Großfamilie, Frau, zwei Kinder und einen Hund, nicht nur zwei Backöfen, nein auch zwei Kühlschränke.
    Bei der Menükarte war Michael sehr sparsam. Aber den Gästen war schon klar, es gibt was zu essen.

    Deko: nun der Esstisch lag außerhalb des Küchenbereichs, somit durfte seine Frau die Deko ganz allein erstellen. Der Maestro begutachtete die Deko und sie fand Gnade vor seinen Augen.

    Empfang/Aperitif: es war ja schon der zweite Tag und somit kamen die Gäste legerer gekleidet. Diego kam entsprechend seiner Herkunft Mexiko sehr bunt. Ob Rosa und Lila in Mexiko sehr beliebt sind, weiß ich nicht. Warum sie draußen auf der Terrasse mit Decken sitzen mussten, war ja klar, da drinnen nur Platz für die Küche war. Der Aperitif war tatsächlich ein Getränk und Svens Befürchtung, dass es einen echten Apfel gäbe, wurde nicht bestätigt. Ob die Menükarte durcheinander gekommen wäre, wenn dort hätte Cidre oder Apfelwein gestanden hätte? Doch die Gäste waren´s zu frieden.

    VS: das war also eine Zwiebelsuppe. Dass er die Rinderbrühe selber erstellte war sehr gut. Aber für mich war das eher eine Rinderbrühe mit Zwiebeln und mit Parmesan bestäubt. Handwerklich gut gemacht, auch mit den Crossini ohne Schinken aus fertigem Blätterteig. Aber für einen Brüller sorgte die Suppe nicht gerade. Ich hatte da vom Maestro etwas mehr erwartet.

    Teil 2

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  5. Teil 2

    HG: ein Gruß aus der Sterneküche, bzw. ein übersichtlicher Gang. Dennoch muss ich sagen, Michael hatte bereits zu anfangs einen Nachschlag in Aussicht gestellt. Wer ihn nicht in Anspruch nahm, sollte nachher nicht meckern, wie Uwe z.B.. Mag schon sein, dass es Diego an Tapas erinnerte, so wie es angerichtet war. Michael überzeugte durch sein Können. Das Lammfilet war sehr gut gegart und angerichtet erinnerte es mich an Stonehenge. Zum Warmhalten ist der Herd aber nicht der passende Ort. Einfach Silberfolie und Wärmelampe wären besser. Süßkartoffeltürmchen und Kürbispüree in einer Quicheform dazu passte eigentlich ganz gut dazu. Uwe probierte die Süßkartoffeln nur, denn seins waren sie nicht. Die Soße war sehr gut gelungen und entlockte Freudenrufe, bzw. Stöhnen. Doch das war ein fast perfekter Gang, begleitet von einer Unterhaltung aus Stöhnen und Kichern.

    DS: hier blieb kein Wunsch offen. Sicherlich der mächtigste Gang. Auch hier hatte Michael ge-zeigt, dass er anrichten kann. Das Karamelleis schmeckte jedem. Beim Lavendeleis kommen Un-bedarften immer im Vorfeld Zweifel ob des Geruchs. Selbst Uwe war davon begeistert. Beim Schokosüppchen stieß Diego bereits bei der Betrachtung einen Jubelschrei aus, er hatte Chili erkannt. Ob Diego mehr als Chili und Tequila aus seiner Heimat kennt? Uwe allerdings fand das Schokosüppchen überflüssig.

    Michael wollte sich von Gang zu Gang steigern. Nun nach der simplen VS, die zwar gelungen, war es aber nicht schwer. Das DS war ohne wenn und aber die Krönung. Ob mir die Art von Michael gefallen hatte, ist eine andere Sache. Gekocht hatte er jedenfalls sehr gut. Die Showeffekte allerdings waren unnötig und das Essen wäre auch in einer normalen Küche so zu erstellen gewesen. Als GG war er freundlich und ruhig, keinerlei Hektik. Für ein pD war aber noch Luft nach oben.

    Uwe gab nur 7 Punkte, weil der Abend u.a. zu perfekt war und es nicht seins war. Was war pas-siert, dass er gestern bei Adina 8 und heute bei Christian nur 7 gab? Mir ist Uwe jedenfalls nicht gerade sympathisch.
    Adinas 8 Punkte sind ebenfalls schwer zu begreifen. Wo waren die Hurrarufe während des Es-sens geblieben? Ob da etwa Neid im Spiel war bei den Beiden, kann ich nicht sagen.
    Diego gab 9 Punkte, sicherlich weil zu wenig Chili dabei war.
    Sven war der einzige, der sich an seine Begeisterungen erinnerte und somit 10 Punkte gab.

    LG rudi

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  6. Hi Rudi, ich gestehe ja christian gehört eher dem farbloseren menschentypus an, aber ihn deshalb gleich unterhalb der Überschrift konsequent in den (beigen) Namen
    Michael um zu taufen, finde ich doch ein wenig, na ja...
    Du hättest doch wenigstens die Namen alle paar Zeilen ändern können. Werner? Norbert? Günter? Gerd? Bernd? Nur mal so`n paar beige Vornamen, die mir auf die Schnelle einfallen, du böser Rudi,du. Es grüßt amüsiert, Susi, Moni ,Gabi, Jutta Renate

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    1. Hallo Susi und so weiter, - lol –
      ich glaube ich habe Christian unter seinem Pseudonym Michael erwähnt. - lol –
      Herrlich wie man sich durch Ablenkung vertun kann.
      Meine Frau hat quasi hinter mir die Fensterbeleuchtung erneuert. Von Ruhe konnte ich dabei nicht sprechen. Aber toll wie du aufgepasst hast, es ist sonst niemanden aufgefallen. – lol –
      Ich entschuldige mich dafür und werde das heutige pD im Büßerhemd ansehen.

      LG rudi Büßer

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