Freitag, 14. Dezember 2018

14. Dezember 2018 - Adventskalender 2018 - 14. Türchen - Hitchcock, mein Beo



Hitchcock, mein Beo

Wer schon einmal einen Beo hatte oder immer noch hat, muss voller Freude mit dem Dreck umgehen, denn kaum greifen sie mit ihrem orangefarbenen Schnabel nach Futter - kommt das auch hinten schon wieder raus. Und Beos fressen gern und viel.

Wer schon einmal einen Beo hatte oder immer noch hat, weiß aber auch: Es gibt keinen besseren Sprecher im tierischen Bereich. Beos schlagen Papageien um Längen.

Für mich war das immer ein bisschen so, als würde ich meiner eigenen Stimme zuhören, denn meistens sprach er natürlich mit meiner Stimme. Aber er konnte auch spontan imitieren. Und er pfiff die Erkennungsmelodien der

Lindenstraße und der Tagesschau

als hätte er sie selber komponiert.

Mein Beo kam über eine Ecke zu mir, die jeder Tierfreund kennt: Jemand will sich seines Tieres entledigen, er hat einfach keine Zeit oder keine Lust mehr auf sein Tier ...

So kam er in mein Leben. Mein Mann brachte ihn eines Tages mit. Eine Kundin hatte ihm den Vogel überlassen, da sie ihn - aus welchen Gründen auch immer, die sind vermutlich schadenfeinig gewesen, und ich erinnere mich nicht - nicht mehr "gebrauchen" konnte.

Wie Männer so sind, hatte mein Mann sich bei der Rettungsaktion nicht einmal nach dem Namen des Vogels erkundigt.

Anrufen wollte ich die Vor-Besitzerin nicht, und so gab ich ihm spontan den Namen

Hitchcock,

als Hommage an den Film "Die Vögel". In dem hätte Cocky, wie er dann gerufen wurde, durchaus mitspielen können - aber dazu gleich mehr.

Nach einer kleinen Zeit hatte ich mich an den großartigen Cocky gewöhnt, obwohl man ihn durchaus Dreckschleuder hätte nennen können.

Mein Mann baute ihm eine Voliere. Das dauerte eine Weile, gab aber Cocky tagsüber jede Menge Gelegenheit, seine Flügel auszubreiten.

Sobald ich zu Hause war, durfte Cocky aus seiner Voliere heraus und frei fliegen. Mein Handtuchverbrauch in den Jahren mit dem herrlichsten Vogel aller Zeiten war enorm, denn an all seinen Lieblingsplätzen lagen Handtücher. Und seine Lieblingsplätze wurden mehr und mehr.

Nicht immer war er zur Freude von Gästen ein Freiflieger. Dann konnte es durchaus passieren, dass er in einer Flugattacke direkt und in böser Absicht auf den Köpfen der Gäste landete. Zur Beruhigung:

 Alle haben es überlebt, und alle konnten darüber lachen. Zumindest im Nachhinein.


Mein Herzens-Hitchcock

Als er zu mir kam, soll er sieben Jahre alt gewesen sein. Ob die Vorbesitzerin das so genau wusste, weiß ich natürlich nicht - kann aber durchaus bezweifelt werden.

Ich wurde schnell zu seiner Bezugsperson, und zwar zu seiner einzigen - andere Menschen duldete er, aber er hörte nicht auf sie und sie interessierten ihn auch nicht besonders. Manche Gäste mochte er wohl überhaupt nicht leiden ... daher die Attacken gegen die Köpfe.

Beos sind auch sehr laute Gesellen. Sobald ich morgens meine Augen aufschlug (obwohl in einem anderen Zimmer, registrierte er meinen Augenaufschlag, denn in der Nacht war er in seiner Voliere), palaverte er unverzüglich munter drauflos - und ging ich abends ins Bett, machte auch er sich für den Schlaf bereit. In den Zwischenzeiten gab er etwa eine Millionen Laute und Wörter von sich. Der Beo-Schrei geht übrigens durch Mark und Bein, und ich habe immer auf eine Beschwerde aus der Nachbarschaft gewartet ... Die kam nie.

Selbst dann nicht, wenn er im Sommer auf dem Balkon herum flog (Katzennetz-Schutz - den hätte er eigentlich nicht gebraucht (unsere Katzen hingegen schon) , denn weg geflogen wäre er nicht - doch es drohten Gefahren, zum Beispiel von Elstern). Wenn er in meinen Urlauben bei einer angeheirateten Verwandten war, so gesellte sich stets deren Nachbarschaft hinzu, um Cocky aus der Nähe zu sehen und zu erleben. Alle waren hellauf begeistert von diesem Tier. Die Verwandte konnte es kaum erwarten, dass ich wieder verreiste ...

Damals gab es natürlich auch noch meine zwei Katzen - aber denen gegenüber legte Cocky schnell und despotisch die Rangfolge fest. Ein paar Schnabel-Bisse in die Pfoten, und er hatte für Jahre seine Ruhe.

Cocky besaß mein Tierfreundin-Herz aus tiefster Seele.


Irgendwann ... kurz vor Weihnachten

bekam ich überraschend und 7 Jahre später einen Anruf der Cocky Vorbesitzerin. Das erstaunte mich ziemlich, denn sie hatte sich nie zuvor, auch nicht ganz am Anfang, erkundigt, wie es ihrem Vogel geht.

Die Frau hatte eine - ich sage mal, unanständige - Bitte an mich:

Sie wollte "ihren" Beo zurück haben.

Kurz vor Weihnachten! Warum wollte sie ihn zurück haben? Ich habe das sofort abgelehnt, da gab es keine Frage, keine noch so kleinste Überlegung  - und auch keine Diskussion!

Natürlich hat sie noch - aussichtslos - versucht, mich zu überreden. Sie hatte keine Chance.

Cocky hatte früher bei ihr auch keine Chance bekommen.


Tod

Cocky, mein geliebter Beo, starb 1998 in meinen Armen. Ich hatte seine Gesellschaft 9 Jahre genossen und seinen Dreck mit Geduld ertragen und weg gewischt. Im Gegenteil: Niemals habe ich für ein anderes Lebewesen lieber den Schmutz entfernt als für diesen tollen Vogel.

Das ist nun aber keine Animation und Aufforderung, sich selber einen Beo zuzulegen. Man muss vor dem Einzug eines Beos schon mehr als jede Menge bedenken - die Zeit hatte ich zwar nicht, aber die Situation war auch eine andere.


Einen schönen Adventstag, Gruß Silvia

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