Freitag, 31. August 2018

31. August 2018 - Die Selbsthilfegruppe ... der besonderen Art





Die Selbsthilfegruppe

Ein paar Leute streiten sich darüber, wer eigentlich diese sehr spezielle Selbsthilfegruppe über

"Plötzlich Vegetarier oder Veganer - und die Auswirkungen"

 ins Leben gerufen hat.

Ob sie zu einem Ergebnis kommen, ist zweifelhaft, und bei wem die Not am größten war, um dies in einer Gruppe besprechen zu wollen, bleibt offen. Bislang hat die Gruppe neben anderen im speziellen folgende Mitglieder, die jeweils die Idee zur Selbsthilfe für sich reklamieren - und die alle einen sehr eigenen Leidensweg hinter sich haben:

Die Fleischerei-Fachverkäuferin beklagt immensen Jammer als auch die Idee für sich. Denn seit sie Vegetarierin ist (sie weiß nicht einmal, wie es so weit kommen konnte), fühlt sie sich in der Fleischerei wie ein Fremdkörper - und jeder Griff zum Fleisch ist ein schwerer Gang ins innere Elend. Seit sie sich urplötzlich unfähig fühlt, Fleisch zu essen ... beäugt sie alle Kunden skeptisch, die diese Erfahrung noch nicht gemacht haben. In ihren Träumen sind die Kunden Monster. Jetzt hat sie immense Angst vor Tagträumen, in denen sie diese Monster bekämpfen könnte ...

Ganz anders hat der Vegetarismus den Restaurant-Tester getroffen, denn bei ihm kam es nicht plötzlich und unerwartet, sondern zeichnete sich langsam ab:

All die Köstlichkeiten, die er von Berufs wegen probieren musste, hingen ihm nach ein paar Jahren derart zum Halse heraus, dass er sich bei der nächsten Delikatesse aus Fleisch oder Fisch einfach und ohne weiteres Zutun, aber auch, ohne es verhindern zu können, übergeben musste.

Eine Weile hat er sich durchgemogelt und rein nach dem rezensiert, was er auf anderen Tellern sah (lange konnte er aber nicht hinsehen). während er selber einen Salat gegessen hat. Leider klappte dieses Durchmogeln nur bis zu dem Tag, als ihm selbst beim Beschreiben der fleisch- und fischlichen Speisen übel wurde.

Nun sucht er einen neuen Job.

Der zum Vegetarier mutierte Hamburger-Verkäufer hat seinen Job verloren, denn nachdem er sich Kunden gegenüber zum fünfzigsten Mal als Missionar gegen Tierleid und Abholzung von Regenwäldern geäußert hat,

bekam er die Papiere. Damit nicht genug, hat er jetzt auch noch Ladenlokal-Verbot auf Lebenszeit, und zwar für sämtliche Filialen, so dass weitere Missionen ins Wasser fallen.

Immerhin könnte er potenzielle Kunden vor den Filialen abfangen ...

Ein Sternekoch, der eine Lieblings-Gans besaß, die er nie geschlachtet hätte, sah diese eines Tages aus Versehen durch seinen Sous-Chef hingemetzelt. Der Anblick ließ ihn derart erschaudern, denn Gänserich "Heinrich" war sein Ein und Alles - und nun tot. Unfähig, aus Heinrich etwas sternemäßig Genießbares zu machen,

spürte er letztendlich, dass er überhaupt kein Fleisch und auch keinen Fisch mehr essen wollte, in ewigem Gedenken an Heinrich.

Ein Desaster für einen Koch. Erst verlor er die Kontrolle über seine Sterne und dann auch noch sein Restaurant.

Der letzte, der sich um die Idee zur Gründung dieser Selbsthilfegruppe der zu Vegetariern oder Veganern mutierten Menschen streitet,

ist ein katholischer Pfarrer.

Gefühlte eine Millionen Mal hatte er in einer Messe den "Leib Christi" hochgehalten und das "Blut Christi" getrunken.

Während dessen dachte er an seine Haushälterin, die gerade den Sonntagsbraten vorbereitete, zu dem es einen vorzüglichen Rotwein geben würde -

und ihn überkamen Schuldgefühle. Er dachte an den wundersamen Fischfang, durch Jesus angefeuert, und die Verköstigung von tausenden von Menschen -

und an die aktuell immer weniger werdenden Fische im Meer. Und er wollte nicht den letzten essen ...

Er muss seinen Beruf zwar nicht aufgeben, obwohl er nun Vegetarier ist, denn den Wein ersetzt er seitdem durch Traubensaft und die Hostien werden sowieso vegan gefertigt. Das Wort "Blut" kann er trotzdem nicht mehr aussprechen, das Wort "Leib" ebenfalls nicht.

Er sucht in der Selbsthilfegruppe in erster Linie nach Ersatzwörtern für "Blut" und "Leib" - und nebenher trifft er auf einige Gleichgesinnte,

denen das Leben wirklich schwer mitgespielt hat - und das nur, weil sie nun Vegetarier oder Veganer sind.


Guten Tag, Gruß Silvia






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