Montag, 27. April 2015

26. April 2015 - ARD - Tatort Leipzig - "Niedere Instinkte"



Niedere Instinkte

Der letzte Tatort aus Leipzig mit den Ermittlern Keppler und Saalfeld - und die Frage, warum zwingen die ARD niedere Instinkte, dieses Team fortan nicht mehr ins Rennen zu schicken? Martin Wuttke ist ohnehin einer der besten Schauspieler und steckt jeden Til Schweiger sowieso in die Tasche. Eine viel gescholtene Simone Thomalla hat er locker mit gezogen, und möglicher Weise hat sie sogar ein bisschen gelernt von ihrem Kollegen.

Und so gibt es zum Abschied ein paar klare Worte in Richtung Sender und Zuschauer: Keppler wendet sich direkt ans Publikum, durch die Kälte eines Kühlschrankes spricht er es an: "Die Frage ist doch: Soll das Ganze ein Scherz sein. Oder eher eine Tragödie?" Und: "Heute ist Sonntag, und es geschieht nichts ohne Grund."

Ein Kind wird entführt. Die Eltern, ganz in ihrer sektenähnlichen Religiongsgemeinschaft gefangen, bemerken die Abwesenheit des Mädchens erst ziemlich spät. Und in ihrem grenzenlosen, absurden Gottvertrauen sind sie sicher, dass Gott es richten wird und Blablabla.

Derweil bleibt der Zuschauer nicht im Unklaren über die Täter: Ein kinderloses Ehepaar, das gemeinsam am Rande des Wahnsinns spazieren geht - und er seiner Frau diese Entführung zum Geburtstagsgeschenk macht. Das ist schon eine gruselige Angelegenheit. Da hilft auch das viele Beten und Gott-Anflehen der Eltern und ihrer Glaubensbrüder und -schwestern nicht aus dem unglücklichen Dilemma heraus. Immerhin reizen die Szenen, in denen die sich in einem Kreis anordnen und Hände in den Himmel Gott um Gnade bitten, zu dem einen oder anderen Lachflash.

Unterdessen sind Saalfeld und Keppler noch mit einer anderen Baustelle befasst: Mit sich selber, der Eifersucht, der Liebe und dem Hass, der direkt nebenan wohnt. In der Kantine des Präsidiums kommt es zu einem großen Krach - unter den Augen aller Kollegen und Kolleginnen. Sie schlägt ihn dann zuerst ins Gesicht, er schlägt zurück.

Die Frau des Entführers jagt ihren Mann per Gasheizung in die Luft, während sie selber nur leicht verletzt wird. Das kleine Mädchen kann sich am Ende selbst befreien, während die an diversen psychischen Krankheiten leidende Frau in dem Keller-Verlies gefangen bleibt. Ob sie dort der gerechten Strafe Gottes entgegensieht?

Keppler und Saalfeld fischen erst das Mädchen von der Straße auf, und bringen es den christlichen Jüngern nach Hause zurück - welch ein Zuhause! Eine andere Art der Gefangenschaft für das Kind. - Danach kümmern sie sich um sich selber: "Mach mir ein Kind", sagt die fünfzigjährige Saalfeld. Worauf er in einem Hechtsprung, der einen Til Schweiger neidisch werden lässt, in ihr Bett springt.

Ein würdiger Abschied für das Team aus Leipzig. Mit ein paar (oder auch vielen) Seitenhieben gut bestückt und mit viel Spielfreude über den letzten Vorhang gebracht.

Schade!

Guten Morgen, Gruß Biene

1 Kommentar:

  1. Was für ein Wahnsinns-Tatort. Endlich wieder einmal fasziniert, amüsiert, gefesselt und gebannt vor der Sonntags-Glotze gesessen.
    Eine tolle Geschichte voller Witz, Fantasie, Abgründen, Kapriolen, gut besetzt bis in die kleinste Rolle (ich denke z.B. an Pelle, diesen süssen dicken Assi, der unter dem Schreibtisch seinen Kuli suchte)
    Toll auch Frau Thomalla wie sie, böseböse das Blümchen in der Nebenbuhlerinnen Vase knickte, und um ihr empfangsbereites Alter würde ich mir keine Sorge machen, B.B., Eva Saalfeld ist gut 10 Jährchen jünger als Simone T....ist halt Kino.
    Diesen Tatort werde ich mir sogar als Wiederholung noch einmal angucken, so viele Kleinigkeiten, die man beim ersten Mal bestimmt übersehen hat, lohnen das.


    Schön, dass Andreas und Eva sich kriegen, schön dass sie ein Ende in Würde kriegten,
    Ich mochte sie aber auch so immer und trauere ihnen schon ein bißchen nach.
    Liebe Grüße Susi

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