Freitag, 6. November 2015

6. November 2015 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Wien bei Gerhard

Gerhard Mercator
Claude Monet hätte das Menü vor hundert Jahren geben können ...

Aperitif: Himbeer-Minz-Bowle
Vorspeise: Vichyssoise mit provenzalischem Brot
Hauptspeise: Roastbeef mit getrüffeltem Erdäpfelgratin und bordelaiser Gemüse
Nachspeise: Schoko-Orangen-Kuchen mit Nougateis und Himbeeren


Das Beste kommt zum Schluss

... und nebenher kommt ein "gesammeltes" Leben ins Fernsehen und übermittelt Bilder von einem Wiener via Television, der sich eine Woche lang sehr freundlich und großzügig gezeigt hat. Am Ende gibt es weder einen Mangel an Zufriedenheit bei den Gästen noch einen Mangel an Punkten, denn er sahnt die volle Vierzig ab. Das ist in den knapp zehn Jahren erst sechsmal passiert.

Gerhard ist nicht Gerhard Mercator wie auf dem Foto - aber ein Künstler ist er durch und durch. Er lebt im noblen 1. Bezirk Giverny und bringt durch die Präsenz seiner Umgebung sogar eine Frau wie Bernadette zum Schweigen, obwohl sie bei der Punktevergabe mit einem letzten Anflug von Bewerbung für die schönste Wienerin die Augen verdreht.

Immerhin leckt sie sich die Finger ob der guten Suppe, obwohl Jonathan dies sicher kritisiert hat (insgeheim). Denn seinen Pan-Tau-Hut - wo immer der auch her kam - gehöre sich nicht, bei einem Dinner auf zu behalten. Gute Kinderstube hat noch niemandem geschadet, aber wir leben nicht mehr zu Zeiten Monets und müssen mit den Hippstern der Gegenwart zufrieden sein, wenn es denn nett aussieht ...

Nett sehen heute alle aus. Beeindruckt sind auch alle. Von der Wohnung und vom Gastgeber. Sogar die im Auftrag von Vox angereisten Daniels sind beeindruckt und anstatt Ironie zu verfeuern, graben sie tief bei Google und

geben hier und da das Erklär-Fernsehen.

Unterdessen richtet sich der Blick der Konkurrenz, die langsam alle Felle davon schwimmen sieht, auf die dominanten Bücherregale Gerhards. Zu Lasten des Internets wird es in Zukunft gehen, dass kaum noch ein Mensch so viele Bücher ansammeln wird ...

denn die Zeit wird fehlen, diese alle zu lesen.

Für Gerhards Suppe reicht die Zeit allemal, denn Smart-Phones und Nachrichten an die übrige Welt über das gerade Genossene verbieten sich bis zur Ausstrahlung von selbst.

Sein Roastbeef mit dem Gratin! Ja, ich bin keine gute Köchin - aber das Fleisch sieht bei mir rosiger aus und das Gratin auch irgendwie schmackhafter.

Dann kommt der Nachtisch als Knaller auf die Teller, die besser weiß als farbig gewesen wären, denn es hätte den Effekt erhöht.

Aber was kann ich bei vierzig Punkten noch bemängeln?

Jonathan, Mesi und Gerhard sind die Teilnehmer an der ersten Wiener Runde, denen ich die allerbesten Absichten unterstelle. Es wäre indes schön gewesen, in dieser "First-Visit-Vienna"- Runde fünf Kandidaten gefunden zu haben, die so wohnen und so kochen wie Gerhard.

Am Ende küsst Bernadette ihren Matthias, während Sohnemann mit Häppchen abgespeist wird. Carmen hat gesehen, wie man auch plötzlich Köchin werden könnte, wenn man es denn könnte - und Jonathan wird doch wohl nicht ebenfalls einen Food-Blog unterhalten? Mesi herzt ihren Mops, und damit hat sie genug zu tun - bis sie außer Mopsi die große Liebe findet, so ganz ohne Kamera-Begleitung.

Und wen Gerhard herzt, wenn er gerade nicht kocht - wer weiß?

Guten Abend, Gruß Biene

3 Kommentare:

  1. Danke BB für die umfangreiche Zusammenfassung.
    Hatte mich auf den Abend bei Gerhard gefreut, daraus wurde leider nichts, ich
    konnte nur die Punktevergabe schauen.

    Was ich da sah, hat mich jedenfalls sehr erfreut.
    War doch Gerhard aufgrund seiner in der Woche gezeigten Fairness und auch
    der Kochkenntnisse, mein absoluter Wunschkandidat für den Sieg.

    Mit Mesi , die auch gute Leistungen zeigte, war das endlich mal eine Woche
    nach meinem Geschmack.

    Um eine wenig zu lästern boten uns ja Bernadette und eigentlich auch Carmen
    genug Stoff.
    Also eine gute Mischung.

    So könnte Vox weiter machen.

    Aus dem frühlingshaften Berlin grüßt Anna

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  2. Gerhard das Gesamtkunstwerk - umgarnte die geneigte Gästeschar mit einem Diner, wie Monet es vor hundert Jahren nicht opulenter hätte auftischen können.

    Dabei brauchte der Wiener weder sein kostspieliges Ambiente, noch seine Hightech-Küche, denn:

    Wer so generös versteht, die Arme aus zu breiten, wer so ehrlich zugewandt lachen kann und sein Heim als eine einzige großzügig-einladende Kulisse für jeden Gast präsentieren kann, der hat sowieso schon fast gewonnen.

    Mich persönlich hätte Gerhards Interieur zwar verrückt gemacht - ich bin ein großer Fan ausdrucksvoller Farben, aber das war ein Gemischtwarenladen, wo sich jede Couleur, mit jeder Art extremer Form und Design stritt und schlug.
    Das hätte mich als Gast einigermassen verstört.

    Aber ich bin Gerhards Altersgruppe und die Gäste, durchweg jünger und durch frühes Schauen von buntem Comic-TV zeitig desensibilisiert, waren schwer begeistert, ob des visuellen Overkills.

    So sehr, dass gleich alles nach 10 Punkten schmeckte.

    Und nur das Essen allein gab die maximale Punktzahl gewiss nicht her. Es war anständig, das schon, aber 40 Zähler bekam der Gerhard für Dinner plus den Kessel Buntes, all-together halt .

    Die Kartoffelsuppe, gut mit einer Jacobsmuschel drin, aber ansonsten ist und bleibt die Vichysoisse, auch in heiss genossen, eine mit Sahne gepimte, durchpürierte Erdäpfelsuppe.

    Aber Gerhard servierte dazu ein traumhaftes Brot und stellte jedem ein tiefes Tellerchen mit Knoblauchkräuteröl zum dippen zur Seite - simpel, aber wirkungsvoll und in der Kombination "g`schmackig", der Filou, der...

    Auch sein Roastbeef war eigentlich keine besonders hohe Kunst - lediglich ein erkennbares Prachtstück, schön mariniert mit Kräutern und vor allem Senf, wurde es scharf angebraten und dann 5 Stunden bei Niedrigtemperatur gegart.

    Seitdem ich Roastbeef auf die Art zubereite, weiss ich erst, wie butterzart diese Art von Fleisch sein kann, rosig, aber niemals blutig-suppig.

    Auch das Gratin war raffiniert durch die üppige Beigabe von Trüffelpaste. Wie schön, dass Gerhard auf die Angebernummer verzichtete, bei Tisch frischen Trüffel über alles zu hobeln.
    Auch der Verzicht auf solch großkotzige Gesten machte die herzliche Gastlichkeit des Finalkochs aus.

    Confierte Steinpilze als Gemüsebeilage - da hätte ich gerne mehr drüber gewußt, leider steht Gerhards Rezept nicht im Netz und über die Produktion der kleinen Dinger wurde so schnell hinweg gehuscht - schade.

    Wo kam die dicke dunkle Sosse her? Will man die auf lauwarmem Roastbeef überhaupt haben?

    Die Dessertfertigung war dagegen vollkommen transparent - der Schokoladenkuchen war saftig und dunkel, frische Himbeeren obendrauf, der süsse Culis daneben und das samtige Nougateis mit crunchy Mandelkrokant - da fühlte sich der Gast im besten Wortsinn gebauchpinselt!

    Fazit ist einfach: Gerhard hat mit seinem Dinner das Rad nicht neu erfunden, er hat simple Dinge sehr anständig zubereitet, alles wirkungsvoll veredelt und jedem das Gefühl gegeben, verwöhnt zu werden.

    Und alles ohne eine Spur Eitelkeit, Selbstlob und Angeberei dafür mit jeder Menge echter Freude.
    So etwas gibt es gerade heute extrem selten und ich bin froh, dass auch dafür 40 Punkte zusammen gekommen sind.

    Heute abend gibt es "Grüne Tomaten" in der Glotze, hab ich lange nicht mehr gesehen, meine eigene DVD ist schon ewig im Verleih verschollen (don`t know who, don`t know where) also freu ich mich sehr.
    Liebe Wochenendgrüße wünscht Susi

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    1. Auf dem Blog gibt es einen Beitrag zu "Grüne Tomaten".
      Schönes Wochenende für euch, Gruß Silvia

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