Dienstag, 11. Februar 2020

10. Februar 2020 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Lübeck bei Annelie





Vorspeise: Wildes Dreierlei auf Grün gebettet (Hirschtatar mit Wachtelei, Entenbrust in Speck, Bratwurst mit Chutney), dazu Wildes Pesto
Hauptgang: Rehrücken in Maronenkräutermantel mit Wildkräuter-Ravioli, Jus und Herbstgemüse
Nachtisch: Mascarpone-Creme mit Vogelbeerenmousse


Eine Werbesendung fürs Jagdwesen

Eigentlich wollte ich für die heutige Folge des "pDs" das Thema Jagd außen vor lassen, denn ich habe schon oft darüber geschrieben. Allerdings kann ich eine

Werbesendung am Ende nur als das beschreiben, was sie ist: Eine Werbesendung, in der auch noch ein bisschen gekocht wird.

Die 27jährige Annelie möchte mit ihrem Auftritt in der Show beweisen, dass Jagen modern und jung ist!

Die Einrichtung ihres Hauses gleicht allerdings auch denen von älteren Jägern: Man hat sie hier vor dem TV-Gerät schon oft genau so erlebt: Überall Geweihe, hier selbst auf dem Tisch im direkten Auge zum Gast. Man hat Sorge, wenn einer stolpert, verletzt er sich die Augen.

Überall Ausgestopftes, inklusive einem einst süßen Waschbären, der jetzt den Teil des Bodenbelags geben darf. Das Leben ausgehaucht und zweckentfremdet!

Die leidenschaftliche und ins Jagen völlig vernarrte Schießerin Annelie kennt vielleicht nicht den Spruch:

Früher jagte der Mensch, um zu leben –
heute, um zu erleben.
© Stefan Rogal (*1965)

Das trifft es vermutlich, und vor allen anderen Motiven ist das Erleben das gültigste.


Anmerkungen

Ich bin mit einer Jägerin befreundet, die ein Jagdrevier hat. Der sie u. a. auch vor Jahren (in der Hege) ausgebildete Förster hat zum Jagen eine zwiespältige Position: Er selber schießt nur in Notfällen (wenn ein Tier schwer verletzt aufgefunden wird).

Außerdem meint unser Revierförster, dass die Tiere in privaten Revieren unter permanentem Stress leiden, weil sie - unter hoffentlicher Beachtung der Schonzeiten - dauernd gejagt werden.

In unserem Wald findet einmal im Jahr eine Jagd statt. Dann haben die Tiere wieder ihre Ruhe.

Meine Freundin hat zwei Jagdhunde, von denen der eine zwar die Jagdhundeprüfung bestanden hat,

aber überhaupt nicht schussfest ist. Ich durfte das einmal während eines Gewitters selber erleben. Ich habe mich sehr über diese Tatsache gefreut (und es ihr auch gesagt). Schadenfreude eben. Ich wusste ja, dass sie die Bracke trotzdem behalten würde.

Unser Förster hat auch für die meisten Hobby-Jäger ein Urteil parat. Das erspare ich meinen Lesern jetzt, ich habe schon mal darüber geschrieben. Hobby-Jäger denken hingegen:

"Jäger sind Menschen, denen niemand ausreden kann, dass es für einen Rehbock kein größeres Vergnügen gibt, als von einer Kugel getroffen zu werden." - Brigitte Bardot


Das Dinner

findet natürlich auch statt. Vier Gäste, von denen sich keiner vom Hobby der Gastgeberin oder von ihrer Umgebung sonderlich vor den Kopf gestoßen fühlt, dürfen am Ende ihr Menü bewerten.

Den Hauptgang vergeigt die Jägerin absolut. Daher werden am Ende nur 29 Punkte raus geschossen.

Beinahe so erfolgreich ist der Mann von Annelie, ebenfalls Jäger: Er kommt am Abend nach Hause und erzählt stolz den Gästen seiner Freundin,

dass er 28 Enten geschossen hat.


Damit ist die Werbesendung quasi am Ende, und ich auch.

Ich gucke jetzt lieber Barnaby: Dort wird auch getötet, aber niemand stirbt wirklich. Und alles ist derart skurril, dass man seine Freude daran haben kann.

Anders ergeht es manch einem mit sehr skurrilen Hobbies, die dann noch als leidenschaftlich ausgeübt deklariert werden. Ist schon klar, dass beim Töten Adrenalin ausgeschüttet wird ... von manchen.


Guten Morgen, Gruß Silvia


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