Dienstag, 15. April 2025

14. April 2025 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Ostfriesland bei Marta


Foto: Silke B.


"Besuch bei polnischen Nachbarn"
Vorspeise: Ostern – Sauermehlsuppe
Hauptgang: Weihnachten – Pierogi mit drei verschiedenen Füllungen /​ Sauerkraut /​ Wurst /​ Kartoffeln
Nachtisch: Namenstag – Käsekuchen mit Heidelbeeren


Mit Quälgeistern und Nervensägen angemessen und richtig umzugehen – das ist Lebenskunst.
© Siegfried Santura (*1945)

Wie gut, dass Marta von sich selber preisgibt, eine Nervensäge zu sein und synonym dazu den Begriff "Nervenziege" erfindet, denn

so muss ich mich in keine Nesseln setzen und kann locker mit ihr konform gehen.

Hübsch ist sie - aber mich als Frau kann das natürlich überhaupt nicht überrumpeln und zu einem anderen Ergebnis gelangen lassen. Sie wirbelt herum,

als wolle sie einer verstaubten Sendung zu neuem Glanz verhelfen ... und als hätten alle nur auf eine wie sie gewartet.

Ich stelle mir gerade vor, ich müsste mit ihr Silvester feiern - am Ende schlafen alle und Marta quasselt immer noch, denn schließlich sind noch längst nicht alle Wörter aufgebraucht. -  Manch einer wäre am Neujahrsmorgen urlaubsreif, manch einer würde den Wunsch "Ein frohes neues Jahr" als Bedrohung ansehen.

Die 37jährige Hausfrau und Mutter Marta ist Polin und vor 7 Jahren nach Ostfriesland gekommen. Mit einem Mann namens Maikel ist sie verheiratet, hat ein kleines Kind und eine Malteserhündin namens "Sado". Bedeutet dieser Name das, was ich denke ... oder ist es der polnischen Sprache entnommen und lässt sich völlig anders übersetzen?

In Polen hat Marta als Moderatorin bei "Viva Polen" gearbeitet - und bereits diverse andere Sendungen durchlaufen, so auch die

polnische Ausgabe vom "perfekten Dinner". In dem kurzen Ausschnitt höre ich den Namen "Marta" gar nicht ... aber es ist auch egal oder wurscht (die gleichnamige erwähnt und verbraucht sie heute sehr gern und häufig), wie sie in ihrer Heimat heißt.


Das Menü

Ein vor Tagen angesetzter Sauerteig ist die Grundlage für die Sauermehl-Suppe: Speck, polnische Weißwurst (ist die anders als die in Süddeutschland beliebte?) und in der Mikrowelle aufgewärmtes Kartoffel-Püree sowie gekochte Eier bilden die Einlage.

Diese Suppe sei in Polen ein Snack zum Oster-Frühstück - immerhin sind ja auch Eier involviert, die den österlichen Touch so richtig hervorheben.

Ich bin kein bisschen mäkelig beim Essen - aber diese Vorspeise ... wäre eine Herausforderung, als müsste ich über einen Schatten ins kalte Wasser springen ...

Jeder Gast und auch sie selber bekommt drei verschieden gefüllte Teigtaschen, und die jeweils im Trio auf je drei Tellern: die Füllungen bestehen aus von Marta selbst gesammelten Pilzen, polnischen Würsten, Sauerkraut und Kartoffeln -

ein Offenbarung sähe anders aus.

Sehr, sehr hübsch sieht der Nachtisch aus, wirklich hübsch: trotzdem ist ein Kuchen kein Nachtisch, und zudem soll er recht trocken sein.


Fazit

Dass in Polen Namenstage gefeiert werden, wenn die Geburtstage in höhere Zahlen abdriften (und die Kerzen auf keine Torte mehr passen), ist Martas Definition ... eher werden in Polen auch Namenstage begangen, weil die Bevölkerung größtenteils katholisch ist.

Marta quasselt pausenlos und ist ein Frontal-Anschlag auf meinen Gehörgang. Langsam und kurz vor Ende der Sendung frage ich mich,

ob sie auch im Schlaf endlos redet ...

Die Punkte: je 8 geben Dörte und Philipp, 7 gibt Andrea.

Sie sind sehr freundlich, ihre Gäste - oder von Martas redseliger Freundlichkeit einfach überrumpelt ...

Mit 23 von 30 möglichen Zählern darf sie in diese Woche starten.

Voller Freude schalte ich um 20.15 Uhr auf ZDFneo um, damit mich ein klug-witziger Barnaby-Krimi wieder auf ein Normallevel bringt, und das, obwohl 9 Skelette in einem Bergtunnel gefunden werden ...

Ein auch nur annähernd perfektes Dinner habe ich bei Marta nicht gesehen - aber ein perfekter Cosy-Krimi im Anschluss

erfreut mich - und die Synchronstimme von John Nettles entschädigt meine angegriffenen Gehörgänge.


Guten Morgen, Gruß Silvia



Samstag, 12. April 2025

12. April 2025 - Das Internet frisst ruckzuck die Zeit ...


Das Internet frisst ruckzuck die Zeit ...

und fasziniert die Leute selbst noch auf ihren Wegen durch Stadt und Land, denn ohne das kleine Gerät, in dem das Wissen der ganzen Menschheitsgeschichte gespeichert ist ... neben vielen falschen Stories und nur vermuteten ... geht niemand mehr aus dem Haus. Da spielt es keine Rolle, dass der glückselige Internet-User

keinen Stolperstein erkennt oder oft nur noch im letzten Moment, bevor er vor Laternen läuft, die Kurve kriegt. Manche kriegen die jedoch nicht, und dann gibt es

Kopfschmerzen oder leichte Zertrümmerungsbeschwerden. Kein Problem,

im Netz erfährt man auf ein Stichwort hin unverzüglich, wo sich die nächste Apotheke befindet. Und wenn man dem Apotheker

keinen Glauben schenken möchte, fragt man eben mal Google nach dem besten Medikament gegen selbst herbeigeführte Schmerzen:

dagegen gäbe es eine einfache Prophylaxe, aber niemand will hören, dass er unterwegs sein Handy in der Tasche lassen sollte ...

Auf Spielplätzen toben Kinder, während ihre Mütter wie hypnotisierte Kaninchen in ihren Smart-Phones versinken. Manch ein Kind hätte zwar jemanden gebraucht, der es

auffängt, bevor es vom Klettergerüst fällt - aber die Mamas möchten lieber neue Selfies auf

Instagram hochladen.

Bei Familienfeiern gibt es immerhin weniger konfliktreiche Streitereien, was viele als angenehm empfinden. Denn, wenn alle nur in

ihre Mobiltelefone gucken, kann es erst gar nicht zu heiklen Diskussionen kommen. Eine

gute Erfindung, meinen daher viele, die das noch aus früheren Familientreffen völlig anders gekannt haben.

Auf Bänken in Parks sitzen selbst hochgradig Verliebte ... eng aneinander gekuschelt kleben ihre Blicke auf den Handys, und man

möchte gern wissen, was die jetzt faszinierender finden als sich selber. Aber hier heißt es:

Bitte nicht stören!

Eines jedoch ist sicher: die frische Verliebtheit ist immer gefährdet, vorüberzugehen - die Liebe zum Smart-Phone wird jedoch bleiben, ist sie doch inzwischen ein Lebensprojekt,

so dass viele nicht einmal mehr die Zeit finden, arbeiten zu gehen - und sicher gibt es im Netz auch Gruppen, die

Ratschläge erteilen, wie man ohne Arbeit durchs Leben reisen kann.

Nur ohne Smart-Phone will niemand mehr reisen, klebt es doch beinahe an vielen Leuten wie ein drittes Auge oder eine dritte Hand oder beides - eben wie ein Gerät, geradewegs aus einem düsteren Spuk entsprungen.

Es gibt bereits erste Restaurants, in denen die Benutzung der kleinen Geräte für den großen Blick in die weite Welt

verboten sind. Wie lange diese Läden sich halten ... ist mir nicht bekannt.

Und in den anderen gibt es zwar zwischen Menschen, die gemeinsam essen, keine peinlichen Gesprächspausen mehr, denn gesprochen wird ohnehin nicht mehr viel,

wenn man stattdessen seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen kann.

Ruckzuck frisst es aber nicht nur seine Benutzer mit Haut und Haaren auf - sondern es frisst auch

Zeit, unheimlich viel Zeit. Und die frisst es in rasanter Geschwindigkeit, weil die Zeit eben viel zu schnell vorübergeht, wenn man im Netz blättert, kommentiert, sich aufregt über andere Posts oder auch drüber lacht ...

Wie wäre es als Alternative, einmal nur Löcher in die Luft zu starren und auf ein Glücksgefühl zu hoffen. Immerhin

vergeht die Zeit bei solch einer Beschäftigung viel langsamer ... so dass endlich (wieder) die zur Verfügung stehende

Zeit der normalen Zeit entspräche.

Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich Leute

nerven, die mir - tief in ihren Handys versunken - entgegenkommen und es dauernd zu einem Beinahe-Zusammenstoß kommt:

beinahe nur deshalb, weil ich schnell und vor allem laut rufe:

"Vorsicht Lebewesen!"

Aber selbst das bekommen manche Handy-Junkies nicht mit ...


Guten Tag, Gruß Silvia


11. April 2025 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Ulm bei Sabine


Vorspeise: Trilogie - "Feige Ziege" / Schinken / Walnuss / Frischkäseterrine / Tomate und Kürbis / limettiger Linsensalat
Hauptgang: Der schwäbische Klassiker einmal anders interpretiert - Rostbraten / gerollte Kartoffel / mediterranes Gemüse / Sößle
Nachtisch: 66,6% Heidelbeere - Lockere Heidelbeer-Biskuitrolle mit Quark / geeiste Heidelbeere / Knusperkeks


Finale in Trachten

Bevor der Auf- und Einlauf der mehr oder weniger in Trachten gewandeten Gäste stattfindet, gilt es zunächst für die letzte Kandidatin dieser Ulmer Woche,

sich der Lebensmittel anzunehmen und sie in einen ansprechenden und gut schmeckenden Zusammenhang zu bringen.

Noch davor begrüßt Sabine das TV-Team an der Haustür, in freundlich wedelnder Begleitung ihres Hundes (Husky). Der Blick auf den Hund ist nur kurz, denn noch bevor er sein Willkommen-Ritual wirklich vollziehen kann,

landet er ausgeschlossen auf der Terrasse.

Warum? Wieso? Bislang hat sich das Vox-Team immer sehr tierlieb gezeigt.

Und mir fällt das Reh wieder ein, das sie am Montagabend versehentlich überfahren und mit keinem einzigen Wort bedauert hat - im Gegenteil war ihr war dieser Unfall nur lästig. - Für das Reh war es weitaus tragischer, weil es auf jeden Fall nach diesem Unfall sein Leben verloren hat - und vielleicht genau so traurig für ein Partner-Reh aus dem Wald, das es nun vermisst.

Ich kann und will es nicht verbergen, dass sie nicht meine Lieblings-Teilnehmerin einer von mir gern gesehenen Sendung ist.

Immerhin liegt ihr Husky später heimelig in ihrer Nähe - und sieht aus wie jemand, dem es stetig zu warm in diesem Land ist, und der über sein Leben nachdenkt.

Liebend gern verbringt die 55jährige Verwaltungs-Angestellte der Universität Ulm ihre Wochenenden in der Küche. - Und dann? Was macht ihr Hund?

Hoffentlich ist er dann mit ihrem 2. Ehemann Armin (die beiden haben sich über Paarship kennengelernt) unterwegs und hat auch jede Menge Spaß.

Paarship: ist es eine von den Internet-Seiten, warum man von Leuten mit Handys vor den Augen unterwegs beinahe umgerannt wird oder sie vor Laternen laufen, weil

sie ihre reale Umwelt völlig vergessen?


Das Menü

kann man oben ablesen. Lt. Chefkoch.de hat es allerdings die höchsten Zubereitungs-Zeiten, die ich in den vergangenen Wochen dort gelesen habe:

100 Minuten werden allein für die Trilogie vom Ziegenkäse veranschlagt. Der Schwierigkeitsgrad wird allerdings als "normal" angegeben - und die Zubereitungszeit - u. a. für die Terrine aus Frischkäse - beinhaltet sicherlich Ruhezeiten.

Mathias, der die 10er-Tafel abonniert hat, findet nicht alles geschmacklich gut - aber irgendwie muss er seine Benotungen schließlich erklären und redet sie handwerklich gut gemacht.

Wären alle Teilnehmer wie er - es hätte sich schnell erledigt mit dem "perfekten Dinner".


Fazit

Sabine ist eine Kandidatin, von denen es viele gibt, und die an ihren eigenen Dinner-Tagen selbstverständlich freundlich und den Gästen zugewandt rüberkommen.

Sie zeigt von sich weder Höhen noch Tiefen.

Als ich sie in ihrem Dirndl sehe, denke ich jedoch nicht, dass sie gerade eine Maß Bier auf dem Oktoberfest genossen hat,

sondern eher, dass sie soeben aus einem Stall vom Melken kommt.

Mathias nehme ich nicht ernst - in meinen Augen hat er kein einziges der Dinner fair und ehrlich bewertet.

Georg erheitert mich, während Kinga ebenso für gute Stimmung sorgt, und das nicht nur heute, sondern an jedem Tag dieser Woche.

Gisa versucht am letzten Tag das Endergebnis zu ihren Gunsten zu beeinflussen, denn sie

gibt

6 Punkte, während Georg 7, Kinga 8 und Mathias seine üblichen 10 in Richtung von Sabine wirft.

Es gewinnt Kinga. Mit Hähnchen und Baklava ...

Mir bleibt, allen Lesern ein schönes Wochenende zu wünschen. Wir erwarten heute 13 Sonnenstunden und maximal 23 Grad.

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Die Ulmer Dinner-Woche erinnert mich an Professor Friedrich Pieper, der in Ulm gelebt hat und damals ausgesprochen empathisch und kochtechnisch versiert das "perfekte Dinner" im ursprünglichen Vox-Forum - abseits von Facebook und Instagram - kommentiert hat (im Internet gibt es noch seine Koch-Homepage). Die Sendung hat er

stets gemeinsam mit seiner Frau Maria gesehen (ihre Meinung hat er häufig neben seiner eigenen erwähnt).

Am 10. Januar 2024 sind beide mit ärztlicher Begleitung (in hohem Alter) in den Freitod gegangen.

Dass sie eine große Liebe verbunden hat, konnte man beim Lesen seiner Kommentare spüren.



Guten Morgen, Gruß Silvia


Freitag, 11. April 2025

10. März 2025 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Ulm bei Gisa

Frischer Kurkuma


"Tropische Inspiration, europäisch verfeinert"
Vorspeise: Bunter Salat mit Wrap /​ Lachs /​ Tahini /​ Guacamole
Hauptgang: Fisch in Kokos-Kurkuma-Soße mit knackigem Gemüse und Reis
Nachtisch: Schoko-Apfel-Beeren-Crumble mit Stracciatella-Bananen-Tahini-Eis und Maracuja-Mango-Soße


Die lachende Nervosität

Liegt die Betonung eher auf dem Lachen oder auf der Nervosität? Lachen wäre gesund und würde in Gisas Konzept als Ernährungsberaterin passen - passt dann die Nervosität zu ihrem recht einfachen Menü, das eventuell sogar ihren eigenen Gaumen unterfordern könnte ... falls sie Gast und nicht Gastgeberin wäre? Immerhin

arbeitet sie sich bereits seit Montag kritikfreudig an den einzelnen Gängen ihrer Mitstreiter ab (und damit meine ich keinesfalls ihre Bewertungen), so dass sie meine Erwartungen als Zuschauerin besonders hoch geschraubt hat ... obwohl die Erfahrung des langjährigen Zusehens eine andere Sprache spricht, denn die größten Kritiker sind selten die größten Könner am Herd und in der Küche.

Eigentlich heißt die 44jährige Gisa mit vollem Vornamen Gislaine - der Name sei in ihren Augen jedoch zu kompliziert ... Kompliziert für wen? Für die Mit-Kandidaten? Für die Zuschauer? Für künftige Kunden ihrer Kochkurse zum Thema "gesunde Küche". Ich fühle mich von ihr

intellektuell in die Ecke gestellt, als könnte ich mir keinen Namen merken - und wenn es an solchen Kleinigkeiten bereits hapert: was kann ich mir dann überhaupt noch merken?

In der Folge nenne ich sie weiterhin Gisa, nicht, weil Gislaine zu kompliziert ist, sondern man sie als Gisa kennt - was hilfreich für spätere Versuche sein kann, sie auf meinem Blog wiederzufinden ... zum Beispiel, wenn diese Ulmer Woche wiederholt werden sollte.

Vor 20 Jahren ist Gisa aus ihrer Heimat Brasilien nach Deutschland gekommen, um hier ein Praktikum zu absolvieren. Worum es dabei gegangen ist, wird nicht erwähnt. Aber vermutlich ist sie aus Liebe zu ihrem heutigen Mann Thomas geblieben ... vielleicht war auch alles völlig anders.

Völlig anders gibt sich heute Mathias in dem Vorab-Interview, in dem er sich gemeinsam mit Kinga über das Dinner schon mal warm lästert. Der reinen Ansicht der Speisekarte nach entspricht es nicht beider Geschmack und ist insgesamt viel zu einfach ...

Am Ende des Dinners verwundert mich Mathias' Höchstbewertung: seine übliche 10, die er vermutlich auch am letzten Tag bei Sabine ziehen wird, verliert mehr und mehr an Wert - und dient einem Zweck, den zwar nur er selber kennt, der aber leicht zu durchschauen ist: er möchte freundlich über den Bildschirm kommen. - Traut er sich nicht, ehrlich zu sein? Befürchtet er bei mehr Wahrheit um die positive Werbung für seinen Gastronomie-Betrieb?


Das Menü

ergibt sich aus der obigen Speisekarte und bedarf im Grunde keiner besonderen, näheren Erklärung. "Bunte Teller" seien per se gesund, meint Gisa und greift auf viele farbige oder auch durch natürliche Stoffe wie Rote Bete oder Kurkuma gefärbte Lebensmittel zurück.

Mir fallen dazu die bunten Teller zu Weihnachten und Ostern ein, die insgesamt mehr Freude verbreiten als das heutige farbenfrohe Menü.

Viele Speisen parkt sie unabgedeckt auf der Terrasse - und wehe, eine Taube hinterlässt dort eine Spur ihrer Verdauung: dann wäre natürlich der Vogel schuldig - und nicht etwa die sorglose "Hobby-Köchin".

Zur Hauptspeise bemerkt Gisa, dass das Gemüse nicht mehr bissfest ist: aber falls die Gäste das bemerken, meint sie sagen zu können "das muss so sein", denn die anderen wissen schließlich nicht, wie das sein soll. Auch so eine

"Kiste" wie die mit ihrem Namen: aber die Gäste sind ja nicht naiv und wissen sehr genau, wie Gemüse am besten mundet - und gesund ist.

Allerdings verzichtet Gisa zum Glück auf ihren Spruch.


Fazit

Was mir ein paar Tage, bevor diese Sendung meiner Vergesslichkeit anheimfällt, in Erinnerung bleibt, ist ihr permanentes Lachen, das auch schon mal in Tränen übergeht, wenn sie erzählt, wie sehr sie ihre Mutter vermisst, die in Brasilien lebt. Das Lachen berührt mich ebenso wenig wie die angedeuteten Tränen. Und

das Menü reißt das Manko meiner "Gefühllosigkeit" nicht raus.

Als Gast war Gisa schwierig, als Gastgeberin erfüllt sie ihre eigenen Ansprüche nicht: ob sie das bemerkt, bleibt ihr Geheimnis.

Die Punkte: je 7 geben Kinga und Georg, 8 gibt Sabine und die übliche 10 zieht Mathias.

Zu diesen 10 Zählern habe ich mich bereits geäußert, denn im Grunde machen seine Bewertungen "das Spiel" kaputt und verzerren das Endergebnis.

Auf dem bislang 1. Platz liegt weiterhin Kinga, während Gisa 32 Zähler abgreifen darf.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Donnerstag, 10. April 2025

9. April 2025 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Ulm bei Mathias

Quitten

"Wintersonne"
Vorspeise: Wintererwachen – Pastinaken-Suppe /​ Kohlröschen im Schlafrock /​ Kartoffelfladenbrot /​ Kräuterbutter
Hauptgang: Schwäbische Schlutznudel – Teigtasche mit Grünkohl und Wurzelgemüse /​ Mathias’ Feta /​ Winterkräuter /​ Salzbutter
Nachtisch: Kürbis-Quittentraum


"Die Familie ist in Ordnung, wenn man den Papagei unbesorgt verkaufen kann."
- Will Rogers (1879 - 1935)

Der 36jährige Gastronom Mathias lebt ländlich in einem architektonisch schicken Haus mit vielen Panoramafenstern, die einen Blick auf die Landschaft ringsherum freigeben - und für den, der ums Haus schleichen sollte, natürlich auch einen auf das, was darin passiert. Familiär eng angebunden, führt er gemeinsam mit seiner Schwester ein Gasthaus, während die Gärtnerei, in der er Zutaten für sein

vorwiegend vegetarisches Menü pflückt und einsammelt. unter der Regie seines Vater firmiert.

Das neueste Familienmitglied mittels Heirat heißt Stefan, obwohl sich Mathias als recht frisch verheirateter Mann noch nicht an diesen Status gewöhnt hat und den Ehemann als "mein Freund" bezeichnet. Ist schön, wenn der Ehemann auch ein Freund ist.

Lachend tritt der hübsche Stefan ins Bild, um seinem Mann in der Küche zur Hand zu gehen.

Bisher zweimal hat Mathias den Gastgebern je 10 Punkte gegeben - eine Höchstnote, die grundsätzlich ebenso übertrieben wie eine sehr niedrige Bewertungszahl recht untertrieben sein kann. Die 10 bedeutet schließlich, dass es keine Verbesserungsmöglichkeit im Rahmen des Gebotenen gibt.

Allerdings sollen die Kandidaten - so ist die Idee der Sendung - nicht ihren eigenen Geschmack benoten, sondern gelungene oder nicht so gut gelungene Zubereitungsarten bewerten.

Gut, Georg kritisiert die nicht saisonalen Tomaten - das darf natürlich auch in Bewertungen einfließen, denn darauf legen viele Menschen zu recht inzwischen mehr Wert als früher.

Mathias fischt die Tomaten allerdings aus dem Froster: ich bin noch nie auf die Idee gekommen, Tomaten einzufrieren ... und ein leiser Zweifel macht sich breit: will er durch kurzfristiges Einfrieren leidlich unangenehme Diskussionen vermeiden?


Das Menü

Die Pastinaken-Suppe ist leider wirklich breiig, wie man auf den Bildern sehen kann - und wie es die Gäste bemängeln. Kohlröschen kenne ich gar nicht, also macht diese Sendung

hier und da sogar ein bisschen "schlauer". Aber ich habe die hier noch nie gesehen, so dass mir das nicht viel nützt.

Gefüllte Maultaschen reicht er zum Hauptgang: u. a. mit selbst hergestelltem Feta, dem er Lab hinzugesetzt hat - was das rein Vegetarische geringfügig torpediert.

Noch einmal zum Nachtisch gibt es ebenfalls Nudeln: aus u. a. Kürbis zubereitet - Quitten vervollständigen den letzten Gang.


Fazit

Gisa erschmeckt keinen Kürbis im Nachtisch, und das liegt daran, dass der eben kein alleiniger Bestandteil dieses Nudelteiges ist, sondern nur ein Teil des Gesamtgeschmackbildes - aber die Ernährungsberaterin ist schließlich stets dem nächstbesten Kritikpunkt auf der Spur ...

Die Punkte für Mathias: je 8 geben Kinga, Georg, Gisa und Sabine.

Mathias sitzt somit am 3. Tag auf dem 3. Treppchen - und das liegt auch an seinen eigenen Höchstbewertungen der vergangenen Tage.

Nach meinem Dafürhalten ist die 8 eine ausgesprochen gute Benotung. Nicht nur für dieses Dinner, sondern im allgemeinen ...

Übrigens besitzen Mathias und Stefan ganz offensichtlich keinen Papagei ... sonst hätte dieser Mathias unter Umständen von seinem Punkte-Ergebnis berichten können ... oder auch von ein paar Worten, die dazu geflossen sind ...

Ich hatte viele Jahre 2 Beos (Hitchcock und Alf), die inzwischen verstorben sind, vor denen auch kein Wort sicher war ... denn Beos können noch viel besser imitieren als Papageien.


Guten Morgen, Gruß Silvia 



Mittwoch, 9. April 2025

8. April 2025 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Ulm bei Kinga

Gekauftes Baklava - meinem Geschmack entspricht das nicht


"Tellerpoesie – jeder Biss ein Gedicht durch den Orient"
Vorspeise: Ob klare Brühe, fein serviert, oder cremig, was sie inspiriert – Gemüse tanzt, Gewürze singen, die Aromen dir den Himmel bringen:
Pistazie /​ Orange /​ Safran
Hauptgang: So preisen wir das Huhn im Mahl, es schmückt des Tisches Festlokal. Ob schlicht, ob edel – stets bedacht, wird’s mit Genuss zu Ruhm gebracht:
Huhn /​ Tomate /​ Spinat /​ Kichererbsen /​ Pfannenbrot
Nachtisch: Zart und still in schneeweißem Kleid, ein Nachtisch, der Herzen zur Freude bereit. Sanft wie ein Traum, so weich und rein, ein Löffel, und Glück zieht ins Leben ein:
Panna cotta mit Kokosmilch /​ Rose /​ Baklava



Manch einer lässt große Worte gelassen aus.
- Michael Richter (*1952), Dr. phil.

Man stelle sich eine Speisekarte wie die obige in einem Restaurant vor und entscheide dann, ob man es sich dort gemütlich macht, weil man neben großen, in dichterisch epischen und kitschigen Breiten auch ein perfektes Essen erwartet - oder überwiegt hier doch die Furcht vor Hobby-Dichtern?

Was sagt uns solch eine Ankündigungs-Karte, außer, dass auf dem Tisch gleich ein ganzes Festlokal steht und nicht der Tisch in einem Festlokal? Und auch sonst fühle ich mich überfordert wie ein Elefant im Porzellanladen, der darauf bedacht ist, nirgendwo anzuecken - und nur nicht das Gesamtgebilde zu zerstören.

Apropos Elefant: Kinga erzählt, dass sie einen Elefanten "adoptiert" hat, wobei es sich natürlich nur um die finanzielle Patenschaft eines solchen Tieres handelt, der irgendwo in der Welt als ein gerettetes Lebewesen steht und natürlich versorgt werden will. Das ist eine schöne monatliche Geste, aber weit ab von einer Adoption.

Zu Kingas Person gibt es einige Eckdaten: beruflich ist die 42jährige Personalerin, hat einen 19jährigen Sohn mit ihrem geschiedenen iranischen Mann,

der der gebürtigen Ungarin - die perfekt deutsch spricht - den Orient mit all seinen nicht nur kulinarischen Genüssen näher gebracht hat. Kinga liebt neben dem Essen besonders die Menschen aus dem orientalischen Bereich, der weit gefächert ist.


Das Menü

geht Kinga mit Leichtigkeit an - und sie hätte mit einem wenig mehr Coolness sogar auf die blumige und ins Peinliche abdriftende Umschreibung ihrer heutigen Küchen-Taten verzichten können.

Zur Vorspeise gibt es kurz und knapp Pistaziensuppe mit Baguette - und das beinhaltete Gemüse tanzt genauso wenig wie die Gewürze singen - die fertige Suppe wird schlicht und einfach nur auf Löffeln in die Münder geschoben und gegessen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es eine schmackhafte Suppe ist, aber auch eine sehr gehaltvolle. Kinga hat vermutlich alle Ulmer Pistazien in einem Rutsch aufgekauft, denn selbst auf den Tellern kullern die Nüsse herum. Sind die später noch brauchbar, nachdem Krümel und Suppenreste auf ihnen gelandet sind?

Zum Hauptgang serviert sie vom Knochen ausgelöste Hähnchenschenkel, Hummus und mehr. Sehr hübsch und verführerisch sieht der Gang nicht aus, aber auf meine Meinung kommt es nicht an: die Gäste entscheiden, denn nur sie probieren.

Panna cotta und Baklava runden den Abend ab: Baklava bereitet sie selber, ohne gekauften Blätterteig, auf ihre Art zu. Offenbar ist Kinga in Pistazien geradezu vernarrt.


Fazit

Kinga liebt Elefanten und auch Pinguine - Sabine hat am Tag zuvor auf der Rückfahrt von Georg ein Reh überfahren: leider kann solch ein Unglück passieren, aber zu ihrer Schilderung fehlt mir etwas Wesentliches:

Mitgefühl für und Bedauern gegenüber dem Reh. Und ich glaube nicht, dass solches dem Schnitt zum Opfer gefallen ist.

Stattdessen erwähnt sie nur ihre eigenen besonderen Umstände und die Freundlichkeit der herbeigerufenen Polizisten. Haben diese das Reh erlöst oder ist es bereits beim Aufprall verstorben?

Allerdings kann Sabine aus poetischer Sicht die Speisekarte toppen. Sie lobt die Sendung "Das perfekte Dinner" mit den Worten:

"Eine Erfahrung, die du mit ins Grab nimmst. - Das kann dir kein Geld der Welt geben."

Es ist schon klar, dass eine Teilnahme an dieser Sendung nichts Alltägliches ist, aber es ist doch ziemlich weit hergeholt, dass ein sterbender Mensch in seinen letzten Minuten an diese Sendung denkt, nur, weil er irgendwann dort einmal mitgewirkt hat ...

Große Worte sollten nicht einfach in den Raum geworfen werden! - Und das Leid eines kleinen Rehs nicht übersehen werden!

Die Punkte für Kinga: 8 gibt Gisa, je 9 Georg und Sabine, 10 gibt Mathias (seine 2. Höchstbewertung am 2. Tag, das kann ja heiter werden ...).

Mit 36 Zählern liegt Kinga am 2. Tag auf dem bisherigen 1. Platz. Meinetwegen.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Dienstag, 8. April 2025

7. April 2025 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Ulm bei Georg



"Here comes he sun"

Vorspeise: Gebeizte Forelle / Forellenkaviar / Mönchsbart
Hauptgang: Zweierlei vom Reh / gefüllte Kartoffel / Rote-Bete-Orangengemüse
Nachtisch: Orangenmousse / Bitterlikör-Spiegel /​ Kumquats /​ gebrannte Pistazien


Gedichte lesen ist wie tanzen im Regen – es macht nur unter gewissen Voraussetzungen Spaß.
- Brigitte Fuchs (*1951)

Nicht jeder Reim ist ein Gedicht, und viele Reime sind lediglich ein Versuch, zu einem Gedicht zusammenzuwachsen und anderen damit eine Freude oder auch nur Langeweile zu bereiten. Die Dinner-Kandidaten lernen sich gerade kennen, und daher lauschen sie noch gern den Worten, die Georg in stillen Stunden oder auch zwischen zwei Kochgängen aufs Papier

gepinselt hat. Womöglich würde es heute vielen Zuschauern besser gefallen, wenn die Gäste samt Gastgeber im Regen tanzen würden ... aber sich pudelnass in die Küche und an den Tisch zu begeben, könnte den Spaß am Essen begrenzen. Dieser ist bei dem einen oder anderen Teilnehmer ohnehin begrenzt ... (dazu später ein wenig).

Der 67jährige Pensionär Georg ist mit einer Frau namens Elisabeth verheiratet, die nur einmal kurz ins Bild tritt, um ihm dann die Show allein zu überlassen. Unter anderem war Georg 16 Jahre lang

Bürgermeister einer Kleinstadt, so dass ihm das Reden und Redenhalten in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Er hätte auch gut einen Pfarrer abgegeben, der seine Schäfchen jeden Sonntag mit selbstgeschneiderten Gedichten versorgt ... okay, dann wäre er nicht verheiratet und Vater und Opa einiger Enkel - und hätte nur eine Haushälterin gehabt, die seine Gedichte entweder absegnen oder im Papierkorb verschwinden lassen würde.

Eigentlich hatte Georg nicht gedacht, dass seine Bewerbung fürs perfekte Dinner erfolgreich sein könnte - aber allein, dass er so lange Zeit Bürgermeister gewesen ist, hat den Sender natürlich sofort zuschnappen lassen ... schließlich ist "das perfekte Dinner" keine Trash-Sendung und möchte mit Niveau punkten, und das steht oder fällt mit seinen Kandidaten.


Das Menü

ergibt sich erfreulicherweise aus obiger Speisekarte, denn wer mag schon diese endlosen und manchmal wirren Menübeschreibungen, die an Tage und Nächte voller Grübeleien mancher Teilnehmer denken lassen - und nicht so kurz und bündig sind wie

Georgs Gedichte.

Der Mönchsbart in der Vorspeise ist ein Küchenkraut, das u. a. in Salzsümpfen wächst: Georg blanchiert es und serviert es als Salat zur Lachsforelle.

Nicht ohne sein Totengedicht auf eine Forelle natürlich. Völlig geschmacksneutral ist keines seiner Gedichte.

Für den Hauptgang bereitet er Rehschulter zu, die dann gewollt zerfetzt auf die Teller gelangt. Muss das sein? Ja, aber nur, weil Georg entscheiden darf, was er wie seinen Gästen serviert. Kurzgebraten kommt für jeden ein Stück Rehrücken auf den Teller.

Als Beilage serviert er heißgemachte Rote Bete und gefüllte Kartoffeln, die man in dieser Sendung nicht so häufig sieht. Da

Gisa Kartoffeln nicht mag, gefällt ihr das nicht ... Natürlich kann niemand es allen recht machen - und vier Unbekannten sowieso nicht. Ein Blick übern Tellerrand wäre hier und da angebracht, und dann darf man als Gast die Zubereitung kritisieren und in "gelungen" oder "nicht gelungen" katalogisieren.


Fazit

Kurz vorm Nachtisch gehen Georg die Gedichte aus,

während die First Kritikerin mit ernster Miene und nur für sich erkennt, dass dass das Motto nicht zum Menü passt,

was vollkommener Bullshit ist: wie ein sonniger Faden zieht sich die Orange durch drei Gänge, und die Orange ist durchaus ein Symbol für "here comes the sun", wächst sie doch in subtropischen Klimazonen.

Hoffentlich verzichten die anderen Teilnehmer auf Mottos, sonst könnte es für Gisa, die offenbar an einem Motto fester klebt als an den Genüssen auf den Tellern ... schwierig werden. Und Gisa könnte für uns Zuschauer schwierig bleiben ...

Vielleicht ist Gisa nicht nur Ernährungs-, sondern auch Erwartungs-Beraterin?

Die Punkte für Georg fallen ziemlich unterschiedlich aus: 7 gibt Gisa, je 8 Kinga und Sabine, 10 Mathias.

Mit 33 Punkten startet diese Dinner-Woche bei Georg.


Guten Morgen, Gruß Silvia