Vor ein paar Monaten bin ich im TV-Programm auf dem Parkett des Universums des Katzenberger-Cordalis-Clans ausgerutscht - und es hat sich angefühlt, als wäre ich eine Gafferin bei einem Unfall, die das Wegsehen außer Acht lässt, sobald sie lustlos in anderen Programmen nicht fündig wird - oder mit sich selber nichts anzufangen weiß.
Greifbar simpel sind die Werte, die diese Leute vertreten, denn es dreht sich alles darum, einen verblassenden Ruhm aufzuhalten, der ohnehin niemals wirklich verständlich gewesen ist, aber dennoch absolut real war.
Hineingezogen wird ein Kind, 10 oder 11 Jahre alt, bei dem sich die Frage stellt, welche Werte es auf seinen bisherigen Lebensweg mitbekommen hat. Den Wert, zu spielen, den Wert einen
kleinen Hund geschenkt bekommen zu haben, von dem dann gar keine Rede mehr ist, weil er nur den Reiz eines Vorbeigehenden hatte, der unwichtig war - und schnell missachtet wurde? Wie ein lebloses Spielzeug!
Da hält der Traum des Kindes vom Catwalk sicherlich länger als die Zuneigung zu einem Lebewesen, das in seinem kleinen Leben dringend
Werte und Beständigkeit brauchen würde.
Klar, dass die heute 11jährigen vermutlich nicht mehr (unbedingt) mit Puppen spielen, denn sie sind oft bereits winzige Erwachsene, die sich in ihrem eigenen Universum um sich selber drehen - eben genau so, wie es ihnen die Eltern vorleben. Oder eben so wie es viele Eltern ihren Kindern g a n z anders vorleben.
Klar, dass ein Kind wie das der Katzenberger und des Cordalis in 3, 4 oder spätestens 5 Jahren erwachsen ist - und sie sich in vielleicht
50 Jahren fragt, warum sie eigentlich keine wirkliche Kindheit gehabt hat.
Und traurig, dass solche Kindheits-Werte von einem Privat-Sender vermarktet werden, als zeigten sie die normale Welt auch vieler anderer Kinder,
die aus ganz anderen Gründen ebenfalls keine Werte kennen.
Werte bedeuten:
Zuwendung, Zuhören können, Kind sein, wenn man Kind ist, sich erwachsen verhalten, wenn man es ist, Empathie, Verantwortung, Nachsicht, Einsicht, Niederlagen, Erfolge, und mit beidem klarzukommen. Lernen, lernen, lernen und alles Gelernte aufzusaugen wie einen Schwamm,
ohne ein Schwamm zu sein, der alles Widerwärtige einfach wegwischt.
Früher war nicht alles besser, aber vielleicht war die Tatsache, dass es früher so viel weniger Möglichkeiten gegeben hat, für viele der normale Anstoß, Kinder das Kindsein genießen zu lassen, während man sie im Erwachsenwerden nach ihren eigenen Sternen greifen ließ, und auch ein Scheitern in Kauf genommen hat, ohne dass das Leben
dadurch gleich sinnlos geworden wäre.
Im übrigen gibt es genug und andauernde Warnungen, sein Kind nicht öffentlich zu präsentieren, denn wer weiß, in welchen dubiosen Kanälen seine Bilder
landen - und was dort damit veranstaltet wird.
Traurig!
Und doch nur e i n trauriges Kapitel im heutigen Reality-TV.
Guten Tag, Gruß Silvia

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