Der Astronaut und der Neurochirurg
Der Astronaut sagt, er habe noch nie Gott gesehen
Wir sehen als Menschen kein ultraviolettes Licht oder auch kein längerwelliges. Und noch vieles mehr ist für unsere Augen unsichtbar. Manchmal sogar das Naheliegende, das wir sehen k ö n n t e n, aber gern übersehen.
Der angebliche Beweis, dass Unsichtbares nicht existiert, ist folglich unbewiesen.
Der Astronaut Juri Gagarin (1. Mensch im Weltall) hat gesagt, dass er Gott im Weltall nicht gesehen habe. Wie auch, denn er war ja nicht an dem Ort, an dem
Gott vielleicht doch existieren könnte, sondern nur in unmittelbarer Nähe zur Erde, die oft recht gottlos erscheint.
Die russische Propaganda hat es jedoch als Beweis genommen, dass Gott nicht existiert, obwohl das von dem Astronauten gar nicht gemeint war.
Gagarin soll ein gläubiger Christ gewesen sein, der nun - nach seinem frühen Tod mit nur 34 Jahren - vielleicht weiß, ob es Gott gibt oder eben nicht. Vielleicht deshalb, wenn es dann noch ein Bewusstsein gibt.
Philosophen streiten über die Existenz Gottes - und mussten oder müssen, wenn sie noch leben, darauf warten, ob ihre jeweiligen Thesen der Wirklichkeit entsprechen. Diese Wirklichkeit kann natürlich
leichter verneint als bejaht werden.
Und es wäre lustig, wenn sich manch einer posthum in den Arsch beißen könnte, weil er der Welt nun nicht mehr mitteilen kann, was er endlich weiß und ihr voraus hat.
Aber wir wissen, dass wir nicht viel wissen. Also - zumindest die halbwegs klugen Menschen wissen das.
Der Neurochirurg sagt, er habe noch nie einen Gedanken gesehen
Hier trennt sich die Geschichte, dass man Gott im Weltall sehen könnte, wenn es ihn gäbe - in einem vergleichbaren
Beispiel, das sicherlich keine Zweifler zu
Gottes Existenz bekehren könnte, aber das auch gar nicht will.
Menschen klammern sich gern an etwas Tröstendes, vielfach auch nur, um schlechte Zeiten besser zu durchleben.
Der Neurochirurg ist kein Philosoph, der in offenen Gehirnen von Patienten nach ihren Gedanken sucht, sondern konzentriert am puren Gewebe arbeitet.
Und währenddessen kann er keinen Gedanken des vor ihm liegenden Menschen s e h e n.
Inzwischen kann er an offenen Gehirnen operieren, während die Patienten wachgehalten werden - und mit ihnen sprechen,
aber das ist nicht das gleiche, als könne er Gedanken sehen.
Vielleicht ist Gott
ohnehin nur ein Gedanke, der in die Welt hineingesetzt worden ist und der tröstet. Dann ist es gut und richtig, an ihn zu glauben. Es tut ja niemandem weh, nimmt niemandem etwas weg und kann beflügeln, wenn es sonst niemanden gibt, der dies übernimmt. Aber auch in guten Zeiten kann dieser Gedanke an Gott vielleicht Wunder bewirken, die es ohne ihn nicht gäbe: und das, ob es ihn gibt oder nicht gibt.
So finden der Astronaut und der Neurochirurg zueinander
... denn der eine kann Gott im Universum nicht sehen - und der Neurochirurg sieht keine Gedanken, obwohl der
"Apparat" dazu direkt vor ihm liegt.
Welches Thema ist schwieriger?
Gott - oder die Gedanken von Menschen.
Hier bin ich eindeutig: es sind die Gedanken von Menschen.
Denn das andere - ob es kommt wie der christliche Glaube es besagt oder ein Nichts sein wird - erkennen wir erst nach dem Tod, oder eben nicht. Vielleicht schlafen wir dann nur ohne Bewusstsein und ohne Erinnerungen. Das wäre auch in Ordnung.
Guten Tag, Gruß Silvia
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