Freitag, 4. September 2015
4. September 2015 - Geschichten - "Fünf Witwen" - Teil 1
Eine mystische Kurzgeschichte von Silvia Gehrmann (obwohl ich für Übersinnliches genau so wenig übrig habe wie für Esoterik)
Teil 1
Fünf Witwen
Als ich an Claudios Grab stand, fielen mir alle seine Sünden wieder ein. Dieser kleine quirlige Italiener, der so gut kochen konnte - und alle Mädel-Herzen besonders mit seinen kreativen Desserts zum Schmelzen brachte, denn von anderen Dingen mag ich weder reden noch an sie denken. Treue kannte der Typ nur seiner Mamma gegenüber, weil er allen hübschen Frauen mit seinen tiefschwarzen Augen die Köpfe verdrehte. Die Anzahl seiner Eroberungen nimmt der Gute mit ins kühle Grab, mir bleiben die Scherbenhaufen seiner Existenz, denn in einem Anfall von Schwäche hatte er mich vor ein paar Jahren geheiratet.
Man kann wohl behaupten, dass er mich geheiratet hat, denn kaum hatte er diese verfängliche Frage an mich gestellt, war ich dem hoffnungslosen Irrglauben verfallen, die glücklichste Frau auf der Erde zu sein. Zumindest die zwischen Süditalien und Hamburg. Denn diese Entfernungen entsprachen genau seinem Aktivitäten-Radius. Nachdem er für sein Restaurant einen Stern erkocht hatte, reiste er zwischen Italien und Norddeutschland hin und her - immer auf der Suche nach neuen Rezepten und innovativen Zutaten - und zweibeinigen Versuchungen.
Im kühlen Norden, in Hamburg, führte ich sein Restaurant - obwohl ich eigentlich etwas völlig anderes erlernt hatte. Mein Leben war von Claudios Ideen und Befehlen und nicht zuletzt seinen Zärtlichkeiten bestimmt, ohne die ich glaubte, nicht mehr leben zu können. Nur in meinen schlimmsten Nächten, in denen ich die bösesten Träume träumte - war mir klar, dass ich auf einem Holzweg war und mein Erwachen eines fernen oder näheren Tages furchtbar sein würde.
Manchmal erwachte ich schweißgebadet und Angst getränkt in der Nacht, aber er beruhigte mich stets: "Cara mia, Minnie - du träumst allein, aber immer wenn du wach bist, bin ich da."
So war er. So sprach er. Und vielleicht hätte er nicht so gut kochen können sollen - und ich wäre ihm nie verfallen. Oder er wäre als Liebhaber nicht so gewesen, dass seine schönsten Desserts dies nicht übertreffen konnten.
Nun war er tot. Dahingerafft von einem Herzinfarkt, geradewegs ein Synonym-Tod für einen Herzensbrecher, mit nur dreiundvierzig Jahren. Die Menge der Trauernden war unendlich groß - und ich erwartete, dass besonders seine Stammgäste den Koch per Applaus wieder ins Leben zurückholen würden. Sie versuchten es auch - ohne Erfolg.
Ich sah in die Gesichter der vielen Feinschmecker, und ich sah Schokolade und Eiscreme und Vanille und noch tausend andere Dinge in ihren Augen, deren Rezept-Kompositionen nun für immer mit in seinem kühlen Grab verschwinden würden. Da gab es ganz viel Bedauern, nicht mehr diese himmlischen Desserts genießen zu dürfen und zuvor die feinsten Leckereien in die Münder zu schieben, die hoffnungsfroh und nie enttäuscht auf die krönenden Abschlüsse warteten
Und ich sah in die leicht verschleierten Gesichter der vier Frauen, die weitaus mehr als nur den Koch in ihm geliebt hatten. In gewisser Weise machten sie mir den Status als alleinige Witwe streitig und führten allen vor Augen, wie absurd mein Gedanke war, Claudio könnte sein Herz nur einer Frau geschenkt haben. Er beschränkte sich ja auch nicht auf eine Zutat für seine paradiesischen Gerichte. Damit es ein wirkliches Himmelreich wurde, gehörten viele Ingredienzien in eine Speise - und folglich hielt er es mit seinem Leben nicht anders.
Darum würzten posthum fünf Witwen sein Begräbnis, wobei nur ich alleine einen amtlichen Stempel für diesen Status besaß. Doch was bedeuteten Urkunden und Stempel und eine gemeinsame Adresse, wenn ein Kochgott zur Letzten Ruhe getragen wurde?
Plötzlich spürte ich einen Windhauch, der mir etwas vor die Füße geweht hatte, und als ich mich danach bückte, fand ich eine Rose. In einer Art von Zeitlupe richtete ich mich wieder auf, von einer Möglichkeit kalt erfasst, die sich sogleich als Tatsache heraus stellte: Auch die anderen vier hielten jetzt je eine Rose in ihren Händen. Mir wurde eiskalt ...
Fortsetzung folgt.
Copyright: Silvia Gehrmann
3. September 2015 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag im Allgäu bei Kely
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| MadameTussauds/London/Puppenwerkstatt |
Aperitif: Oliven Spritz
Vorspeise: Belugalinsen an Lachstatar und Safranschaum
Hauptspeise: Zarte Entenkeule an Pflaumensoße, geschmorten Aprikosen und Kartoffelmuffins
Nachspeise: Crema Volteada
Gäste . Grusel . Gabriele
In einem wild umblüteten, märchenhaften Haus lebt Kely mit ihrem Lebensgefährten Jochen. Einst kam sie als Patientin in seine Dermatologen-Praxis und ihm entfuhr die Aussage: Mit dieser Frau fängt mein Leben noch mal an!
Ob er damals noch mit der Hüterin des Puppenmuseums verheiratet war, die jetzt in der anderen Hälfte des verwachsenen Hauses lebt, wird nicht gesagt. Vermutet werden kann, dass Gabriele solche Dreier-Konstellationen ebenso fremd sind wie alles Essbare, das nicht von der Kuh kommt oder geknödelt ist.
Zu ihrem Unglück gibt es kein Meerschweinchen, das in der Heimat Kelys, Peru, durchaus gern auf die Tische kommt: Sie hätte noch weniger als die erbärmlichen fünf Punkte geben können.
Hat Gabi am Anfang noch gemeint, sie möge Lachs-Tatar - so ist es dann doch nicht so ganz "ihres", denn sie mag keine Linsen oder stößt sich den Kopf an dem Wort Beluga. Und für die Liebe Jochens auf den ersten Blick kann sie noch ein Pünktchen abziehen: So was gab es bei ihr nicht, und sie sagt selber: Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht ... Und in der Liebe verliert er vermutlich auch nicht so schnell den Kopf.
Hier in Kelys Zuhause muss sie so einiges schlucken, das sie nicht kennt: Das Puppenmuseum gehört Jochens Ex-Frau, und es ist in der Tat eine Kammer des Schreckens und sieht zum Teil aus, als wäre es aus kruden Gedankengängen im Laufe der Zeit gewachsen.
In dieser Umgebung wirkt die quirlige, tanzende Kely wie ein Fremdkörper, der sich integriert hat, obwohl die Frau aus dem Nachbarhaus, die wie ein Gespenst kurz ins Bild kommt, noch immer die Fäden zieht ...
Für ihr Dinner bekommt Kely neunundzwanzig Punkte, und wie sie darauf kommt, sich selber neun Punkte zu geben - obwohl sie auch mit Zählern gegeizt hat - ist vielleicht ihrer unbefangenen Art geschuldet.
Einzig Lars gibt ihr die gewünschte Bewertung.
Eine schwierige Woche mit einer Gabriele, die an ihrer ureigenen "Ehrlichkeit" beinahe erstickt und alle aufkeimende Lebensfreude in einer interessanten Woche, die es auch in ihrem Leben hätte werden können, tötet. Grusel hier und Grusel dort.
Hier habe ich ein Gericht, das
vielleicht ganz in Fräulein Rottenmeiers Sinn ist:
Donnerstag, 3. September 2015
2. September 2015 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch im Allgäu bei Lars
Aperitif: Duett von Rosenblüten- und Löwenzahnblütenwein
Vorspeise: Wertacher Topfenknödel mit Ziegenbergkäse umrahmt von Bärlauchsoße
Hauptspeise: Gesmoktes Roastbeef vom Wertacher Rind auf Kartoffelgratin mit Beilage
Nachspeise: Geeister Kaiserschmarrn
Das bisschen Haushalt
Heute ist für jeden etwas dabei: Für die Fremdschämer, die öffentlich und romantisch absolut nicht gleichsetzen bei einem Heiratsantrag, für die Romantiker, die nicht oft genug Heiratsanträge sehen können, für Lars' Nachbarn, die den Dreharbeiten zusehen und sich nun auch mal im Fernsehen bewundern können, ohne gleich dafür kochen zu müssen - und für Gabi die Alphornbläser, die so ganz nach ihrem Geschmack sind. Man stelle sich vor, sie hat ihren Mann in einem Festzelt kennen gelernt - und die Bläser gaben ihr Okay dazu. Von da an zählte aber nur noch der Marsch, den sie bläst.
Da Lars und seine persönliche Julia schon ein paar Jahre zusammen leben und zwei Kinder haben, nennt Jens dies ein "schlampiges Verhältnis". Ob das jetzt wirklich sein völliger Ernst ist, kann er gut verbergen - während Gabi dem eindeutig beipflichtet. Jede Form von Unordnung ist ihr zutiefst zuwider - und darf gerne nördlich vom Allgäu stattfinden, aber nicht hier in dieser ihrer heilen Welt, wo man nur Kühe von ihren Kindern trennt, aber ansonsten alles Friede, Freude, Langeweile sein soll.
Lars Idee, den Heiratsantrag in einer Sendung zu machen, könnte auch Julias Wunsch nach etwas Besonderem geschuldet sein, man weiß es nicht. Und so tragisch ist das jetzt auch nicht, denn ich bin sicher, in der Hochzeitsnacht wird kein Kamerateam dabei sein.
Es gibt gar liebliche Gründe für Lars, ihr den Antrag zu machen: Sie putzt so gut! Hält das Haus tipptopp in Ordnung! Traum-Worte für jede Frau, die auf einen Antrag wartet - und dann solch eine Begründung geliefert bekommt. Man kann nur inständig hoffen, dass Vox hier das Entscheidende weg geschnitten hat, das gelautet hat: Ich liebe sie über alles, sie ist mein Sonnenschein, mein Leben und die Mutter, die ich immer für meine Kinder haben wollte!
Oder so ähnlich kitschig. Stattdessen konzentriert sich Lars heute auf seinen Kochtag, nicht auf den gesamten Haushalt. Den erledigt die fleißige Julia später. Nach einer kleinen Plauderei zum Topfenknödel, an der nur Gabi sich nicht beteiligen kann - weil sie schwer aufs Mampfen konzentriert ist, geht die Stimmung den Berg runter. Davon gibt es ja jede Menge hier.
Sagen wir mal so: Ich habe mehr Action und Unterhaltung, wenn ich mich bei Edeka ärgere, dass dort nichts, aber auch gar nichts so ist wie in deren lustigen Werbespots.
Gabriele zieht weiterhin Schnute, während wohl bei ihr Zuhause die Absagen von diversen Touristen eintrudeln, die auf ihrem Hof urlauben wollten. Wie trudeln die wohl ein? Per Internet etwa? Könnte sein, wäre aber ein Zugeständnis an ihren Betrieb und keines an die moderne Welt. Denn dass das Bald-Ehepaar sich im Internet kennen gelernt hat - pfui Deibel, solange es noch Scheunenfeste gibt!
Lars bekommt ein Ja auf seinen Antrag und dreißig Punkte von seinen Mitstreitern.
Und als am Ende die Punkteübersicht mit den Konterfeis der Kochenden gezeigt wird, steht direkt über Fräulein Rottenmeiers Antlitz "MURDER". Also, Vox - das ist aber wirklich stark übertrieben!
Schnepfe hätte auch gereicht.
Mittwoch, 2. September 2015
1. September 2015 - Vox - Goodbye Deutschland - Malek und Gabi
| Berlin/Foto: I. N. |
Achtung: Dauerwerbesendung
Auf den ersten Blick denke ich, dass Vox die Zuschauer verärgern will - und völlig normal tickende und reflektierte Leute über den Schirm schickt.
Denn sowohl Gabi als auch Malek sind keine eindeutigen Traumtänzer, die plan- und geldlos auswandern, um dort zu leben, wo andere Urlaub machen: Wie der Sender es gerne und immer wieder runterleiert. In Berlin hat Gabi einen Club, den sie auch nicht aufgibt. Und der einstige Student der Zahnmedizin hat sich auf eine Etage tiefer verlegt und designt seit ein paar Jahren Hemden.
Die verkauft er im Internet für 150 Euro pro Stück, aber trotz einem monatlichen Absatz von 150 Hemden bleibt dem jungen Kerl mit 4.000 Euro zu wenig übrig. Er will ganz hoch hinaus. Aber so was von hoch.
Nein, dass er wirklich nach Monaco auswandert - glaube ich eher nicht. Mit dem Drang nach oben meine ich die beliebte Fernseh-Sendung, über die wir hier sprechen - und die er geschickt in eine Dauerwerbesendung umwandelt.
Im Mini-Land der Reichen und Schönen und derer, die letzteres verloren haben, aber operiert sind - ist die Versuchung für Malek viel zu groß, eine jüngere zu finden, als dass Gabi das zulassen würde: Immerhin ist sie neunzehn Jahre älter als ihr künftiger "Ernährer". Einst hat sie ihn in einem Supermarkt kennen gelernt, als ihr die Tüte riss ...
Und dann hat er sie getröstet, als ihr Mann plötzlich starb. Und für sie gekocht (oh je, ich ahne da etwas ...), denn darin ist er ein ebensolcher Meister wie im Designen und dem Drang nach Ruhm und Geld.
Money Money sagt sich in Monaco auch der schon bekannte Björn Lefnaer - und nimmt sich der angeblichen Neu-Auswanderer an. Der Gute hat ein 30-Quadratmeter-Appartment. Es ist einfach viel zu wenig Platz für all die Leute, die am sonnigen Glück partizipieren möchten. Oder kann er sich einfach nichts Größeres leisten? Das täte mir von Herzen leid, und nicht nur für ihn -
denn einer muss in diesen Tagen ganz schön schlucken: Roberto Blanco. Bayerns unbelehrbarer Innenminister Herrmann hat sich über diesen so geäußert, wie ihm der Dumm-Schnabel gewachsen ist: "Roberto Blanco war immer ein wunderbarer ..." - Erst einmal lebt der Gute noch, und zweitens tut es mir jetzt für die Leser leid, aber dieses Wort will mir nicht über die Tastatur rutschen.
So knabbert der umtriebige Roberto daran vermutlich weniger, weil es ihn in die Schlagzeilen zurück bringt, als daran,
dass Vox die Drohung ausspricht, bald über die neue große Liebe von Björn Lefnaer zu berichten: Über Patricia Blanco. Welch ein Horror-Paar steht denn da in den Startlöchern?
Und dann laufen Malek und Gabi vielleicht immer noch von Laden zu Laden, um seine Hemden unterzubringen.
In Wahrheit sind die jetzt schon bekannter, als sie es vermutlich noch werden können. Und darum nenne ich auch nicht die Marke. Da bin ich ganz eigen drin.
Guten Tag, Gruß Biene
1. September 2015 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag im Allgäu bei Jens
| "Sex on the beach" - hier nicht zu sehen am Black-Sand-Beach |
Vorspeise: Seeteufel auf asiatischem Gemüse, dazu Kokos-Curry-Süppchen vom Butternusskürbis mit gebratenem Gamba
Hauptspeise: Filet vom Büffel auf gebratenen Bohnen, dazu Balsamico-Grappa-Rahmsoße und Blechkartoffeln
Nachspeise: Das süße Dreierlei
Donnerlittchen
Erst möchte Jens' Frau Diana nicht, dass er sich beim Kochwettbewerb erster Güte, dem "Perfekten Dinner", bewirbt - und dann fuscht ihm eine weitere Frau in seine allerbesten Absichten: Gabi, ein Fräulein Rottenmeier aus dem Allgäu, die besser mal den "Sex on the beach" genossen hätte - es hätte ihrer miesepetrigen Laune enorm entgegengewirkt.
So zückt die strenge Frau am Ende wohl genau die fünf Punkte, die sie ihm zugedacht hat, als sie beim Federvieh in deren Keller-Stall das Lachen vergeblich geübt hat. Zum Glück wird sie sich am Ende allerdings nicht ins Fäustchen lachen, denn Jens ist trotz erheblicher Bemühungen an ihr vorbeigerauscht und liegt bisher in Führung.
All die Dinge aufzuzählen, die Gabriele nicht mag, verbraucht zu viele Wörter, aber einigen will ich mich widmen:
Jens hat ein wunderschönes Haus, aber das findet im Neid-Gehabe keinen Anklang bei ihr. Als einzige kommentiert sie es zwar nicht mit vielen Worten wie die Mitstreiter, die es wunderschön finden - aber diese bösen Blicke sprechen Bände. Vielleicht fehlen ihr hier auch nur Jens' Schwiegereltern, während diese in ihrem Hause anwesend sind!
Jens, der in seinem Leben schon jede Menge gelernt, erlernt und gemanagt hat und unter anderem auch eine Discothek besessen hat - und Tauchlehrer ist, bekommt die volle Breitseite hinterrücks verpasst:
Tauchen wäre nichts für Gabriele! Und tanzen würde man heute auch nicht mehr so wie damals! Ja, damals! Abgeschottet von der Weltgemeinde kann ich mir Gabriele sowieso kaum beim fröhlichen Tanz - ob eng umschlungen oder wie auch immer - vorstellen. Tanzen ist ja ein Ausdruck von Fröhlichkeit und Lebensfreude. Und interessiert es jemanden, dass Gabriele nicht tauchen möchte?
Jens Bestreben heute ist es, seine Gäste pappsatt zu machen: Es gab vermutlich nie größere Portionen beim Dinner.
Und bereits in der Vorspeise findet Gabriele den Wurm: Die Suppe ist zu scharf, Gambas sind nicht passend. Ihre Tiraden, ein Menü herunterzupunkten, beginnen zügig und enden spät mit dem Heimweg, der ihr vermutlich zu lang sein dürfte.
Das Filet vom Büffel bereitet Jens haargenau nach Wünschen zu. Gabrieles Wunsch ist es, ihr armes Stück Fleisch quälen zu lassen - sie mag es nur völlig durchgebraten. Und siehe da, genau so mundet es ihr auch. Doch - was kommt dann? Klar, die Soße dazu hätte sie nicht gebraucht. Doch anstatt sie zu ignorieren, freut sie sich über die unmoralische Sache, sich darüber erneut und wieder und wieder auszulassen.
Der Nachtisch ist natürlich wirklich eine Bombe, ein Berg, der schwer zu überwinden ist, der nicht nur der nach eigener Aussage hart malochenden Bäuerin nicht gefällt: Eine kleine große Zumutung auf Tellern. Aber auch hier hätte man passen dürfen ohne zu dokumentieren und offenbaren, dass man selber eine Zumutung ist.
Insgesamt bekommt Jens neunundzwanzig Punkte.
Und Fräulein Rottenmeier die Rote Karte und die Empfehlung, sich einen Sandsack zum Draufeinschlagen zu kaufen. Die Frau ist ja völlig außer Kontrolle. Donnerlittchen!
Dienstag, 1. September 2015
1. September 2015 - Der Bienenstich: "Planet der Affen"
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| Orang Utan - Zoo Duisburg |
Planet der Affen
Die Welt ist ein Jammertal, und nun hat es auch ganz jämmerlich einen Orang Utan aus dem Duisburger Zoo erwischt:
Wie auch immer die beiden Orangs aus ihrem Gefängnis entwichen sind, und ob es Sabotage war oder doch nur die Intelligenz der Tiere, die ihnen ein Leben im Gefangenschaft natürlich noch schwerer macht - sie sind gestern Abend ausgebrochen aus ihrem Gitterkerker.
Ein Großaufgebot an Polizei und Feuerwehr war schnell vor Ort. Schußwaffenberechtigte Zoo-Mitarbeiter ebenso wie wohl jene, die diese Berechtigung nicht besitzen.
Als ich den traurigen Artikel heute morgen in unserer Tageszeitung fand und erst mal bei der Überschrift hängen blieb, dachte ich noch: Gut, dann haben sie die beiden mittels Betäubungs-Gewehren wieder eingefangen.
Pustekuchen! Schit happens! Verdorrie noch eins!
Ein Organ Utan, der sich gerade für immer über einen Zaun aus dem Staub machen wollte - was eigentlich sein gutes Recht als Intelligenzbestie wäre - wurde mit einem oder vermutlich auch mehreren Schüssen niedergestreckt, bis sein wertvolles Leben buchstäblich dort überm Zaun hing, wo es eigentlich sowieso nie was verloren hatte.
Und man redet sich zunächst einmal damit heraus, dass man das Leben der Menschen jenseits dieser Gefängnisgitter schützen musste.
Mit dem gleichen Aufwand, mit dem man aber den sympathischen Orang Utan erschossen hat, hätte man ihn ebenso gut nur mit Medikamenten in einem Gewehr zur Strecke bringen können.
Warum das nicht möglich gewesen sein soll, kann mir niemand so erklären, dass ich es verstehen werde: Ich gehöre nur zum Planeten der Affen, aber so intelligent wie der Orang bin ich leider nicht.
Zum anderen hätte man ihm auch in ein Bein schießen können - dann ab in den Operationssaal, um die Kugel zu entfernen.
Die Sache wird sicher ein Nachspiel haben. Für mich ist der Zoo schon vor Jahren ein No-Go-Ort geworden. Dort habe ich die beiden Fotos gemacht, die die ganze Verzweiflung des Orang Utans zum Ausdruck bringen.
Dieser Affe lebte nur stupide und neurotisch vor sich hin. - Ob es der ist, der jetzt abgeknallt wurde, weiß ich nicht, wobei nicht einmal der Zoo bislang erklärt hat, welcher es ist. Wissen die das denn nicht?
So wertvolle Tiere - und dann so ein unnötiges Ende für das eine. Oder ... war da irgendwas nötig?
Guten Tag, Gruß Silvia
31. August 2015 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag im Allgäu bei Gabriele
Aperitif: Sekt mit Rosensirup
Vorspeise: Kräuter-Käse-Suppe
Hauptspeise: Hirschkeule in Rotwein-Preiselbeersoße mit Apfelspätzle und Rahmwirsing
Nachspeise: Biskuit-Roulade mit Joghurt-Erdbeerfüllung
Working Woman
Gabriele ist Verkäuferin in einer Metzgerei, betreibt einen Hobby-Bauernhof und vermietet außerdem Zimmer an Touristen. Es wird sicher nicht schwierig sein, jetzt noch mehr Erholungswillige in diese ländliche Idylle zu locken.
Auf einer Weide sehe ich eine Mutterkuh mit ihrem Kälbchen, aber ich freue mich zu früh: Gabriele kauft blutjunge Kälber hinzu ... Diese brutalen Trennungen der Babies von ihren Müttern kann ich immer weniger hinnehmen. Sie machen mich traurig.
Gabi ist da aber ganz anders gestrickt, und nachdem sie in dem Metzgerladen, in dem sie auch beruflich tätig ist, eingekauft hat - geht es in ihre heimische Küche, die sie beherrscht wie ein Dirigent sein Orchester. Hier wird noch bodenständige Musik gemacht, und es ist zu vermuten, dass sie etwas kocht, das sie aus dem Effeff beherrscht - und das sie oft hier oben in ihrem ländlichen Paradies auf den Tisch bringt.
Voll des Lobes sind die Gäste über die Vorspeisensuppe: Und auch Gabriele schmeckt es vorzüglich, sie schaufelt sie wie ein hart arbeitender Mensch, der mal eben nebenbei sein Essen verschlingt.
Mit dem Hauptgang finden die "... Aber" ihren Einzug in die stille Idylle. Zu wenig Würze, das Fleisch nicht wie gedacht, die Spätzle sollen nach nichts schmecken ... Sie hätte sich besser für die Landfrauen bewerben sollen - die kochen keinesfalls besser als all die Durchschnitts-Teilnehmer beim Dinner, aber dort gibt es vermutlich die Regieanweisung, dass nur Lobendes erwähnt und das andere unter den Tisch gefallen lassen werden muss.
Der Nachtisch wäre eher eine krönende Beilage zum Nachmittagskaffee. Und er mundet nicht mal allen so gut wie er aussieht.
Insgesamt bekommt sie siebenundzwanzig Punkte. Kely trägt nur sechs Zähler dazu bei. Zeitweise schaufelt Gabi nicht nur, sie spricht auch noch quer über diese Schaufel - und dann steht man jenseits vom Allgäu, und hier im Ruhrgebiet schon mal überhaupt völlig auf dem Schlauch.
Viel Idylle, mir zu viel Stille. Aber von hier hätte sie trotzdem 7,5 Punkte bekommen mit der Tendenz zu acht Punkten.
Ein bisschen mehr darf schon die Post abgehen, dort oben im Allgäu.
Guten Morgen, Gruß Biene
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