Koch allein und bleib dabei,
viele Köche verderben den Brei.
- Deutsches Sprichwort
viele Köche verderben den Brei.
- Deutsches Sprichwort
Man könnte denken, dass das Schlafzimmer im Leben eines Paares der explosivste Ort ist, denn dort brodelt es vor Lust und Leidenschaft, und es fliegen Herzchen und Sternchen durch die Luft. Dann, nach ein paar Jahren vielleicht,
hat dieser Ort noch immer etwas Explosives, das aus vollkommen anderer Richtung kommen kann: Lust und Leidenschaft sind irgendwo zwischen dem Betreten des Raums und dem Versuch gestorben, einschlafen zu können, weil jeder den anderen im Schnarchen derart übertrumpfen will, dass an erholsame Ruhe nicht mehr zu denken ist. Den beiderseitigen Unmut trägt man am Morgen hinaus aus dem Schlafzimmer und mitten hinein ins gemeinsame Leben ... das geht nicht immer gut aus und kann böse enden.
Zwei Schlafzimmer wären die Lösung - aber nicht jeder hat das Privileg der räumlichen Unendlichkeit. Das
gilt auch für das Badezimmer, in das am frühen Morgen zwei verknittert und schlechtgelaunte Menschen gleichzeitig hineinstürmen: hier wird nicht gewürfelt oder eine zeitliche Absprache geführt, hier wird gekämpft. Ein 2. Badezimmer
würde hier ebenfalls Abhilfe schaffen können.
Der schlimmste und am nachhaltigsten jede Beziehung gefährdende Ort ist jedoch die Küche: und da spielt es überhaupt keine Rolle,
ob sie klein ist oder so groß wie ein Tanzsaal im Buckingham Palast. Hier!!!
ist niemals Platz für zwei Personen, niemals!
Unstimmigkeiten beginnen jedoch bereits beim gemeinsamen Einkauf, und ebenfalls anwesende Supermarkt-Kunden haben den Eindruck, das Geschäft liege auf einem in fünf Minuten ausbrechenden Vulkan: so fliegen die Fetzen des Paares in hohen Wellen über die Gemüseregale, während sich andere über ihr
harmonisches Leben mit ihren Partnern hämisch freuen dürfen. Aber vielleicht haben diese anderen auch noch nie miteinander gekocht.
So wie es unser Paar macht, obwohl vor den Nebenwirkungen gewarnt wird: sie sind besonders tapfer und glauben keinen Unkenrufen, und gewappnet in
unsichtbarer Montur, die einem Ritter große Freude machen würde, begeben sie sich in ihre Küche, unwissend, dass sie sich auf einen Kampf einlassen werden, den keiner gewinnen kann.
Beide haben Kochpläne im Kopf gespeichert, die ungefähr so weit voneinander entfernt sind wie ein Ozean zwischen zwei Kontinenten, wollen sich aber von ihrem Programm kein Stück weit abbringen lassen. Der eine
schnibbelt die Möhrchen in Streifen, während die andere lieber Scheibchen hätte. Der eine möchte dem Kartoffelpüree am liebsten
Leberwurst zusetzen, weil er es vor kurzem im TV bei einem hauseigenen prominenten Sender-Koch gesehen hatte. Die andere ist die strikte Anti-Freundin von diesem Koch - und seinen Gerichten.
Einigung ist auch bei anderen Zutaten nicht in Sicht, und es ist wahrscheinlicher, dass sie sich scheiden lassen, noch bevor sie die Küche verlassen.
In den Töpfen brodelt das Wasser, in der Pfanne zischt das Öl, der Mixer gibt seinen Geist auf, während die Küchenmaschine im Takt der
Streitigkeiten vollkommen durchdreht, was lauter als jedes nächtliche Schnarchen ist und schnell zum Hass führt, der wie ein loderndes Feuer geschürt wird. Sie
werden sich entscheiden müssen: gemeinsam weiter kochen und dabei jede Kleinigkeit, die der andere je verbockt hat, hochkochen zu lassen -
oder
von ihrer Ehe zu retten, was noch zu retten ist ...
Manche schaffen es, zu erkennen, dass Einsamkeit in der Küche doch besser ist als zweisame Geselligkeit, die genau dort zerbricht, wo es ums gemeinsame leibliche Wohl gehen soll.
Und wer möchte schon den Kampfmittelräumdienst anrücken sehen, um alle Zünder und Zündstoffe zu entfernen?
Mein Beitrag dient nur der Unterhaltung und ist nicht durch Statistiken bewiesen ... aber man hört hier und da dieses und jenes ...
Guten Tag, Gruß Silvia