Mittwoch, 17. Mai 2023

16. Mai 2023 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag im Saarland bei Petra


„Hauptsach gudd gess und von allem ebbes“
Vorspeise: Würziges Gegurke mit Meeresgetier
Hauptgang: Deftige Schweinerei mit geformten Kartoffeln sowie Gesundes quer durch den Garten
Nachtisch: Vanille und Schoko treffen auf exotische Früchte


Lebensraum

Die 54jährige Petra und ihr 58jähriger Ehemann Christian leben seit dem Auszug der beiden Söhne allein in einem 400qm großen Haus. Das haben sie sich erarbeitet, das steht ihnen zu ... aber neueste Bestrebungen höchster Güte und Niedertracht wollen Rentnern am liebsten vorschreiben, sich zugunsten jüngerer Menschen zu verkleinern. Ein weites, böses Feld. Petra und Christian sind noch viele Jahre von ihrer Rente entfernt - und wenn sie sich dann irgendwann freiwillig verkleinern möchten, ist das in Ordnung. Aber eine zwangsweise Verkleinerung? Ich mag gar nicht weiter drüber nachdenken, was für Ausfälle Leute haben, die mit guten Einfällen punkten sollten ... aber nur böse Vorschriften rausrücken können.

Es stand auch bereits im luftleeren Raum, dass nur noch in die Höhe gebaut werden sollte ...

Genau das geht mir durch den Sinn, als ich Petras schönes Haus sehe - und ihr gern durch diese Sendung folge.

Sie ist locker, lässig, unaufgeregt, selbstbewusst - und eine große Nachtischfreundin. Alle Handgriffe sitzen, und keine Unsicherheit blinzelt zwischen den Küchentätigkeiten hervor. "Angemeldet" für diese Challenge hat sie ihr Sohn Nick, der heute ein paar Schnibbelarbeiten übernimmt. Bezüglich des Anmeldens: es soll vorgekommen sein, dass nicht jede "Anmeldung" zum Erfolg geführt hat - und jede Bewerbung auch nicht.


Das Menü

Graved Lachs und Gurkenspaghetti-Salat samt selbstgebackenem Brot bilden eine Vorspeise, die die Gäste begeistert.

Schweinefilet mit Zwiebeln und Speck, nach dem Anbraten bei 58 Grad im Backofen gegart, gibt es zum Hauptgang. Kartoffel-Plätzchen und Ratatouille runden den Gang ab.

Eine selbstgemachte Vanille-Creme mit Schokoladen-Soße beschließt das Menü. Für die Gäste ist dieser Gang der schwächste.


Fazit

In bescheidener oder auch bodenständiger Aussage nach Anfrage eines der "Daniels" würde sie sich 8 Punkte für ihr Dinner geben.

Die Bewertung der Gäste: je 8 Zähler geben Laura und Benjamin, je 9 Martin und Jörg.

Mit 34 Zählern könnte sie diese Woche gewinnen.

Die Hälfte eines möglichen Gewinns würde sie spenden - genau wie Jörg es mit einem Gewinn machen würde -, während

Laura auf den Bahamas mit Schweinchen schwimmen gehen würde. Was nicht abzuwerten ist, denn Spenden ist eine Freiwilligkeit, die man nicht einfordern  - und nicht einmal erwarten kann. Benjamins eventuelle Sieg-Prämie käme seiner Urlaubskasse zugute, während Martin dringend eine neue Couch braucht.

Laura kann nun nicht mehr gewinnen, aber sich vielleicht eines Tages ihren großen Wunsch trotzdem erfüllen.


Guten Morgen, Gruß Silvia

Dienstag, 16. Mai 2023

15. Mai 2023 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag im Saarland bei Laura


„Hauptsach gudd gess un getrunk“
Vorspeise: Kürbis-Möhren-Ingwer-Suppe mit Kürbiskernöl und Garnelenspieß
Hauptgang: Hirschgulasch mit Semmelknödeln und Rosenkohl
Nachtisch: Schokoküchlein an Himbeerspiegel, Beeren und Feige


Langeweile, Gummizeit!
- Manfred Hinrich (1926 - 2015), Dr. phil.

Natürlich ist aller Anfang schwer und kann nicht immer die Erwartungen erfüllen. Die Kandidaten kennen sich noch nicht so gut, tasten sich mehr oder weniger vorsichtig einander an ... oder wenden sich ab - und doch möchte jeder, dass die Vorschuss-Lorbeeren für die "tolle Gruppe" sich in jeder Woche erfüllen. Ich könnte nach fünf Minuten - wahlweise auch nicht nach fünf Stunden - feststellen, dass mir eine Zusammensetzung der Kandidaten gefällt. Und ich bin nicht langsamer im Denken als andere, sondern eher vorsichtiger und abwartender ...

Laura soll und will heute vier Gäste zufriedenstellen, und ihre Mutter Alice ist zuversichtlich, dass ihr das auch gelingen wird. Immerhin war sie vom Probeessen ziemlich überzeugt. Was also soll schiefgehen? Schiefgehen kann allerdings so einiges ... und genau das passiert heute auch, denn immer noch steht im Sendetitel das Wort "perfekt" - und um das zu erreichen, muss man sich schon ins Zeug legen.

Die 30jährige Laura ist Krankenschwester und Mutter einer 2jährigen Tochter. Beruflich arbeitet sie in einer Schmerzklinik, in der auch palliative Versorgung stattfindet. In Zukunft möchte sie in der häuslichen Palliativ-Pflege tätig sein, die es Sterbenden ermöglicht, zu Hause zu bleiben. Eine wunderbare Aufgabe, wenn sie auch viele Pflegende irgendwann an Grenzen bringt, die sie nicht mehr überwinden können. Oder sie stumpfen ab - aber das möchte Laura auf keinen Fall, lieber gäbe sie ihren Beruf auf.


Das Menü

Manch ein Zuschauer mag die ewigen Kürbis-Süppchen vielleicht nicht mehr sehen - aber heute ist sie zumindest flüssiger als meistens. Auf Lauras Ablaufplan steht eine lange Liste aller Zutaten für die Suppe, als hätte sie Sorge, etwas Wichtiges zu vergessen.

Zum Probeessen hätte sie vielleicht kochtechnisch versierte und nicht nur wohlwollende Gäste einladen sollen: vermutlich wäre das Gulasch dann auch gelungen. Sie brät es an, als sie gleichzeitig die Vorspeise auf die Teller hievt - und dann kommt es noch eine Stunde in den Ofen.

Ein Schokoküchlein mit flüssigem Kern samt ein paar Obstzutaten wie z. B. Feigen müssen es richten. Sie guckt doch so gern diese Sendung: eigentlich müsste sie wissen, dass sie mehr oder weniger bei vielen, vielen anderen, vorherigen Teilnehmern abkupfert ...

Allerdings gibt es heute ein großes Dankeschön: die Alufolien-Industrie ist ihr auf ewig verpflichtet. Alles, was Laura auch anders zudecken könnte, bekommt heute großzügige Alufolien-Kostüme.


Fazit

Es gibt am Ende sehr freundliche Punkte: je 7 geben Benjamin, Martin und Jörg, 8 spendiert Petra.

Als ich es nicht schaffe, schnell den Sender zu wechseln, bleibe ich an der "Vox-Stimme" hängen: es geht um ADHS - und obwohl ich für alle Besonderheiten einen Sinn habe und Verständnis sowieso, geht mir die Moderatorin, die darüber referiert, gehörig auf die Nerven. Außerdem lobt sie sich permanent selber ... keine gute Betroffenheits-Botschafterin.

Da freue ich mich doch noch über die ruhige Runde der Leutchen aus dem Saarland, obwohl sie gern noch ein bisschen Schwung aufnehmen dürfen.


Guten Morgen, Gruß Silvia

Montag, 15. Mai 2023

14. Mai 2023 - ARD - Schwarzwald-Tatort - "Das geheime Leben unserer Kinder"



Franziska Tobler – Eva Löbau
Friedemann Berg – Hans-Jochen Wagner
Miriam Schenk – Susanne Borrmann
Paul Wolf – Christian Schmidt
Zoé Wolf – Caroline Cousin
Benno Schenk – Aniol Kirberg
Oliver Schenk – Kai Ivo Baulitz
Marius Ulrichs – Max Woelky
Eileen Gnabri – Dalila Abdallah
Vanessa – Lola Höller


Tatort Schwarzwald
Das geheime Leben unserer Kinder

Das Familiengerüst Wolf/Schenk steht auf wackeligen Beinen, und es ist schwer denkbar, sich hier einen harmonischen Muttertag (Tag der Ausstrahlung) vorzustellen, an dem ein paar Blümchen und liebevolle Worte als Gesten der Verbundenheit zum Einsatz kommen.

Miriam Schenk und ihr Sohn Benno sowie Paul Wolf und seine Tochter Zoe sind keine glückliche Patchworkfamilie mehr: Paul hat ein Verhältnis, während die beiden erwachsenen Kinder wirklich Ungutes umtreibt.

Die Stiefgeschwister sind ein Paar, ohne dass sie ihren Eltern dies anvertraut hätten. Wirklich ersichtlich ist es nicht, dass Miriam und Paul davon nichts wissen sollen. - Zudem  trauern die jungen Leute um die sterbende Umwelt, zocken Krypto-Währungen und wollten als Drogen-Kuriere durchstarten. Das ging schief, als Benno einen Unfall mit dem Lieferfahrzeug hatte - und ihm die Drogen gestohlen worden sind. Nun sind die Drogen-Bosse hinter ihnen her und wollen das entgangene dreckige Geld erstattet haben.

Um die Umwelt trauern, aber Drogen transportieren: wirklich konsequent sind Zoe und Benno nicht. Doch die etwa 24jährige Zoe sagt in ureigener weiser Voraussicht auf eine düstere Zukunft der Welt: "Wir wollten noch ein paar schöne Jahre haben und nach Neuseeland auswandern". Dazu benötigt man nun einmal jede Menge Kohle, und da kann man schon mal beide Augen zudrücken - und auf all die Schicksale und Todesfälle infolge von Drogenkonsum pfeifen. 

Nummer Drei im Bunde war Chris,

der getötet am Rhein aufgefunden wird.

Chris Mutter Eileen Gnabri sitzt im Rollstuhl (hat das für den Krimi eine Wichtigkeit, die mir entgangen ist?), was aber sicherlich nicht der Grund dafür war, dass sie trotz ihres gedachten guten Verhältnisses zu ihrem Sohn rein gar nichts über ihn wusste. Vielleicht wollte er die kranke Mutter schonen? - Sie wusste nicht einmal, dass er seine Ausbildungsstelle in einer Autowerkstatt geschmissen hatte - und schon gar nichts von seiner Karriere als Drogenkurier. Dass er ein verhängnisvolles Verhältnis zu einem Mann hatte, blieb ihr ebenso verborgen wie die Tatsache, dass er sie schnöde verlassen und nach Neuseeland abdampfen wollte.

Um es kurz zu machen: Chris wurde von seinem Liebhaber getötet. Die Tat gehört vermutlich in die Kriminal-Statistik "Totschlag". 


Toblers Nichte

macht den düsteren Film ein wenig heiterer, obwohl Vanessa ebenfalls in die Rubrik der jungen Leute gezählt werden kann, die weniger durch Bildung als durch innovative und manchmal krude Ideen zu Reichtum kommen wollen.

Influencerin will sie werden - und riskiert in spektakulären Einsätzen auf Autobahnen oder Brückengeländern nicht weniger als ihr Leben, um ihrem Ziel näher zu kommen. Frau Tobler bemüht sich, die Nichte auf den Boden der Vernunft zurückzubringen,  empfiehlt ihr jedoch, einen Business-Plan zu erstellen ... und "droht" ihr als Influencerin bereits eine 7-Tage-Woche an. Als ob Vanessa das nicht besser wüsste als ihre etwas altbackene Tante ...


Fazit

Der Mord oder der Totschlag ist nur ein Nebenschauplatz, weil es üblich ist, dass in einem Tatort gemordet wird. Hauptsächlich dreht sich alles um Benno, Zoe und deren Verfolgern ... so wird Benno am Ende von ihnen gekidnappt.

In einem dichten Showdown wollen Bennos Eltern, Miriam und Oliver Schenk, Bennos leiblicher Vater, den Sohn auslösen. Da ist es ziemlich naheliegend verrückt,

dass Oliver plötzlich eine Waffe zieht und auf die Schwer-Kriminellen schießt. Aber es braucht eben einen Dummen, wenn das Finale spektakulär sein soll: Oliver stirbt, einer der Gangster stirbt (glaube ich) - und Benno wird schwer verletzt.

Warum müssen solch nervenschwache Leute wie Oliver auch immer eine Waffe parat haben?

Von mir gibt es drei gute von fünf möglichen Sternen.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Samstag, 13. Mai 2023

13. Mai 2023 - Momos Geheimnis



Momos Geheimnis

Wenn sie sprechen könnte, würde sie es mir vielleicht in einer besonders anlehnungsbedürftigen Minute, die sich sicher über Stunden hinwegziehen würde, erzählen. Aber natürlich kann sie nicht sprechen, und so bleibt ihr früheres Leben auf immer ein Geheimnis für mich - und allen anderen, die sie inzwischen lieben und gern mehr über ihre Vergangenheit erfahren würden.

Warum sie in der Obdachlosigkeit gelandet ist, würde ich im Falle, dass sie es mir erzählen könnte, ebenso erfahren wie den Grund für ihre körperliche und gesundheitliche Verwahrlosigkeit, mit deren verheerenden Folgen  sie Mitte Oktober 2022  aufgegriffen worden ist.

Ihren Kämpfergeist hat sie selbst in ihrem körperlich bösen und schmerzerfüllten Zustand nicht verloren und sich gegen die Rettung mit Zähnen und Pfoten und aller Kraft, die ihr noch zur Verfügung stand, gewehrt. Und ihre Kraft war noch immens - in ihren Augen war die Gegenwehr das letzte, was  sie selber für sich tun konnte.

Sie wusste schließlich nicht, dass sich Hände nach ihr ausgestreckt haben, um ihr zu helfen - und nicht, um ihr weiteren Schaden zuzufügen, sondern Beistand und Liebe zu geben. Die Polizei brachte sie ins Tierheim.

Von dort aus wurden alle notwendigen - und das waren nicht wenige - zunächst körperlichen Behandlungen in einer Tierklinik durchgeführt: Augen und Ohren waren entzündet, Zähne wurden saniert, Grannen befanden sich unter ihrer Haut (Grannen sind extrem gefährlich - und können bis in die inneren Organe vordringen), das Haarkleid war total verfilzt - und die schmerzhafte Gebärmutterentzündung kam, als wäre es noch nicht genug Leid, obendrauf.

Sie wurde recht schnell wieder gesund und konnte endlich das liebenswerte Wesen zeigen, das sie ohne Schmerzen ist.

Wo kam sie her? Wer hat sie ausgesetzt? Wer hat sie erbarmungslos  einem furchtbaren Schicksal überlassen? Denn ...

manche Hunde verstecken sich schwerkrank lieber, als sich einfangen zu lassen. Und sie sterben, oft völlig ungesehen von Menschen, die ihnen helfen würden.


Momo scheint nicht völlig unerzogen zu sein 

Das habe ich schnell gemerkt, als ich sie vor fast vier Monaten bei mir aufgenommen habe. Sie kennt die gängigen Wörter wie "Pfui", "Bleib", " Wir gehen rüber" (über die Straße) - und einige andere sind bereits hinzu gekommen, die sie blitzschnell verinnerlicht hat, wenn sie ihnen auch nicht immer folgt ...

Auch "Sitz" und "Platz" funktioniert problemlos ... "Leckerchen" sowieso.

Nun weiß ich leider nicht, wie viel von ihrem Wissen sie im Tierheim erworben hat - und welches Wissen sie bereits aus einem eventuell früher vorhandenen und vielleicht gutem  Zuhause mitgebracht hat.

Kennenlern-Foto


Kennenlern-Foto



Denn Momo ist superintelligent (das ist keine Übertreibung einer liebenden Hunde-Mutter, sondern entspringt ihrem Pudel-Wesen) - und lernt unheimlich schnell.

Daher möchte ich gerne glauben, dass sie vor längerer Zeit ein wirklich gutes Zuhause gehabt hat. Immerhin hat sie ihren Glauben an die Menschen nicht verloren und ist ihnen sehr zugewandt. Vielleicht hat sie bei einer Frau, einer jüngeren, mittelalten oder älteren, gelebt - und diese Frau ist

plötzlich verstorben, während sich niemand aus der Verwandt- oder Bekanntschaft fand, der Momo aufnehmen wollte. Oder Momo vorübergehend aufgenommen hat -

und falls doch, vielleicht mit ihrem riesigen Temperament  und auch ihrem Ego überfordert war, was dann am Ende der Grund fürs Aussetzen war. Sie hat nämlich jede Menge Power und man muss schon mit ihr mithalten können ...


Dazu schweigt Momo 

... obwohl sie das eine oder andere sicher gern erzählen würde. Manchmal kann man einem Hund an seinem Verhalten einiges aus seiner Vergangenheit ablesen (so war es bei meinem Tierheim-Hund Charlie) - aber hier kommt mir natürlich Momos schnelle Auffassungsgabe dazwischen, und ich weiß nicht, ob sie vieles von früher oder erst aus dem Tierheim oder gar aus ihrem Umgang mit mir kennt.

Auch versuchen viele Hunde, die es immer in ihrem Leben gut gehabt haben, Müll von der Straße zu fischen und wie von einem öffentlichen Buffet zu schnorren. Dass sich auch Momo darum bemüht, sagt also nicht viel aus.

Aber manchmal kaut sie auch auf blanker Erde (mit Insektenbeilage?) herum ... das kannte ich noch gar nicht. Hat sie in der Zeit der Obdachlosigkeit ihren Magen damit gefüllt, damit sie nicht verhungert?  Ich arbeite daran, ihr das abzugewöhnen, weshalb das Wort "Pfui" eine sehr wichtige Position einnimmt - und sie zum Glück sehr positiv darauf reagiert.

Und was würde ihr früheres Frauchen oder auch Herrchen denken, wenn sie oder er sehen könnte, wie schnöde sie einst nach draußen gejagt wurde, ohne Mitleid, ohne Gefühl? Würden er oder sie sich im Grabe herumdrehen ...

oder war er oder sie es selber, der ihrer überdrüssig geworden ist und munter weiterlebt mit diesem Wissen?

Alles ist möglich. Aber es ist müßig, länger darüber nachzudenken.

Jetzt geht es ihr gut, und wir sind die besten Freunde. Zwischen uns passt kaum noch ein Blatt - und wenn, dann ein ganz kleines, denn wir vertrauen einander.

Aber über ihrer Vergangenheit liegt ein Nebel:



 


Guten Tag, Gruß Silvia



12. Mai 2023 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Hamburg bei Marie



„Rot-Grün-Weiß in Hamburg“
Vorspeise: Schaumige Meerrettich-Oase mit Roter-Bete-Insel und Schnittlauch-Brise
Hauptgang: Pasta-Schatz im Salbeisee
Nachtisch: Apfelbötchen nimmt Kurs auf kaltes Franzbrötchen


Was unterscheidet Journalisten von Psychiatern? Journalisten machen aus einer Mücke einen Elefanten, bei Psychiatern ist es umgekehrt.
- Axel Thorn

Marie studiert erst Publizistik/Journalismus und muss noch erfahren, welchen Einfluss sie nehmen kann und welchen nicht, welchen sie vermeiden sollte, und wie sie sich überhaupt neutral verhalten kann. Das erfordert am Ende mehr als nur ein Studium, das erfordert Feingefühl.

Erst 24 Jahre ist sie alt. Und während andere derweil auf Straßen kleben oder Kunstwerke beschmieren und noch mehr kriminellen Unfug veranstalten, wird sie bald darüber schreiben - und sollte versuchen, eine eigene Meinung hinter den objektiven Berichten zu verstecken.

Beim Poledance-Training kann sie sich austoben und wird durch körperliche Anstrengung die Balance halten lernen. Sport gibt Kraft und verleiht Energie, die sich auch kopfmäßig verankern und verfeinern kann. Manchmal ... manchmal auch nicht ... Max nennt Marie "eine Frau des Geistes". Max ist eben der Mann großer Worte.

Eine zukünftige Meinungsbildnerin trägt heute die Verantwortung an Pfannen und einem Herd sowie dem Wohlbefinden ihrer vier Gäste:


Das Menü

Meerrettich-Schaum-Suppe.

Zweierlei Ravioli, Salbeibutter,

Apfel-Streusel - nicht nur Journalisten machen neuerdings daraus Crumble. Franz-Brötchen.


Fazit

Gregor: sympathische Haut - den es trotz eigener Aussage auch ohne seine Frenchie-Hündin gibt.
Worten kann man selten trauen. Aber manchmal hoffen, dass sie sich durch Ausnahmen durchaus bestätigen.

Maximilian: spricht von Genuss ... obwohl er selber nicht den Eindruck macht, ausge"wogen" genießen zu können.

Lisa - mehr als einen Ticken drüber. Sie nervt und bringt keinen Gewinn für diese Ausgabe der Sende-Reihe.

Die Punkte: je 7 geben Dorota und Lis, 8 gibt Maximilian - und völlig drüber gibt Gregor 10 Punkte, weil es ihm auf keinen Fall ums Gewinnen geht. Er ist einfach glücklich, Teil dieser Sendereihe zu sein.

Mit 32 Punkten unterliegen sie und drei andere Kandidaten der Erstplatzierten Lisa. Als Konditorin mit viel Einblick in Profiküchen - wie Lisa selber erzählt hat - hatte sie durchaus einen Vorteil, der nicht zu unterschätzen ist. Hätte sie von Anfang an mit offenen Karten gespielt, wäre der Topf mit 3.000 Euro Inhalt vielleicht nicht in ihren Händen ... 

Mir bleibt, allen Lesern ein schönes Wochenende zu wünschen. Wir dürfen uns hier auf 13 Sonnenstunden bei maximal 21 Grad freuen.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Freitag, 12. Mai 2023

12. Mai 2023 - "Kulturelle Aneignung"?! Kultureller Austausch?!

Madame Tussauds, London, li. Michael Jackson, als er sich noch nicht kulturell verändert hat


Kulturelle Aneignung? Kultureller Austausch?

Derzeit wird viel von kulturellen Aneignungen gesprochen, und das ist höchst negativ gemeint, wie es das Wort "Aneignung" auch ausdrückt. Da wird nicht einmal ein Auge zugedrückt, sondern beide Augen weit aufgerissen, wenn sich jemand zum Beispiel zu Karneval als ein Wesen aus einem anderen Kulturkreis verkleidet. Als hätte man es hier mit vordergründig bösen Absichten der Verkleideten zu tun.

Und was ist eigentlich eine kulturelle Aneignung? Handelt es sich nicht eher um kulturelle Annäherungen? Und wer darf sich etwas aneignen oder sich ihm annähern - und wer nicht?

Um niemandem auf die empfindlichen Füße zu treten, sollte man also alles genau so machen wie neuerdings vorgeschrieben  - und sich dabei höchstens an die Vorfahren orientieren, aber niemals an die Menschen anderer Länder und Kulturen.

Also sind hier zum Beispiel kein Rasta-Locken erwünscht - während (ein prominentes Beispiel ist Meghan Markle) andere Menschen ihre Haare durchaus glätten dürfen, ohne in ein schiefes Licht zu geraten.

Kulturen verschmelzen eben miteinander, und manch einer guckt sich nur vom anderen das ab, was er selber als hübsch empfindet.

Nicht gewollt! Unerwünschte Aneignung!

Aber man (welche selbst ernannte wichtige Figuren haben hier ihre Finger im Spiel, über die Aneignungen zu urteilen?) "erlaubt" ja im Gegensatz zur kulturellen Aneignung den  kulturellen Austausch, weil dieser Austausch auf Respekt basiere. Doch: wo fängt was eigentlich an - und wie unterscheide ich im Handumdrehen oder auch nach längerem Überlegen, bevor ich mir etwas aneigne (oder mich nur austausche) das eine vom anderen?

Wie sieht es aus, wenn ich chinesische oder koreanische, italienische oder spanische Küche der hiesigen vorziehe? Ist das eine kulturelle Aneignung im heimischen Bereich oder einfach nur eine Erinnerung an einen letzten Urlaub, ein gelesenes Kochbuch oder simpler Appetit?

In der Not heißt es also kultureller Austausch. Im Zweifelsfall kulturelle und damit böse Aneignung.

Langsam sind wir in der Hoch-Zeit der Kleinkrämer angekommen, die jedes Gramm gesprochener Worte auf die Waagschale legen möchten, um am Ende zu befinden, dass das eine Gramm zu viel  einer kulturellen Aneignung entspricht - und in zu Ende gedachten Fällen irgendwann vermutlich sogar strafrechtlich verfolgt wird?

Inzwischen sind wir umfassend mit englischen Ausdrücken bestückt - kulturelle Aneignung? Kultureller Austausch? Oder einfach nur ein Hinterherlaufen, weil es alle anwenden?

Sind deutsche Pässe für vorherige Ausländer, die ihre eigene Staatsangehörigkeit nicht aufgeben möchten, und den hiesigen nur als Zusatz-Papier ansehen, um doppelstaatig abgesichert zu sein - eine kulturelle Aneignung? Oder gilt das

Gleichheitsprinzip für manche, für andere aber nicht?

Mir fällt Michael Jackson ein, der ein wirklich hübscher, ziemlich dunkelhäutiger Mann war - und in seiner Metamorphose zu der (zugegeben dramatischen) Lachnummer eines weißen Mannes geworden ist: Haut gebleicht, und auch sonst alles Ursprüngliche eliminiert.

Obwohl es den Begriff "kulturelle Aneignung" bereits seit etwa der 70er Jahre geben soll, hat in seinem Fall niemand aufbegehrt und von böser Aneignung anderer Kulturen gesprochen.

Kulturelle Aneignung scheint ganz nach Gutdünken präsent oder abwesend zu sein. Ein Kind, das sich als ein Mensch aus einem indigenen Volk verkleidet, ist für diese "Gerechtigkeits"-Gruppe dann eher

geschmacksverirrt (vielmehr seine Eltern, weil diese es zulassen), während ein Kind sich durchaus als Prinzessin wohlfühlen darf, obwohl das auch eine Aneignung ist.

Mich interessiert dieser ganze Quatsch nicht, denn ich fühle mich in keinem Fall angesprochen, egal, welche Frisur

oder Kleidung ich trage. Da bin ich sehr beratungsresistent.

Und wütend ...


Guten Tag, Gruß Silvia



11. Mai 2023 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Hamburg bei Maximilian


„Wintermenü eines Dibbeguggers“
Vorspeise: Zwiebel mit Mandel
Hauptgang: Sellerie mit Kartoffel
Nachtisch: Birne mit Haselnuss


Monksche genaueste Genauigkeiten ohne Spielraum

Vielleicht sollte ich mir an Maximilian ein Beispiel nehmen und jeden Blog-Beitrag mit der gleichen Anzahl von Wörtern oder besser noch Buchstaben zu verfassen. Das macht das Ergebnis berechenbarer und nicht so völlig beliebig.

"Es ist wichtig, dass die Wahrheit auf dem Teller liegt", doziert der 33jährige Produkt-Manager, und ich sollte mich schämen, dass neben meinen wahren Worten hier auch ein paar durchrutschen, die ihn gehörig auf die Schippe nehmen, denn nicht jeden Tag kocht in dieser Sendung jemand,

der gut und gerne der Küchenchef von Monk sein könnte.

Verlobt ist Maximilian mit Nora, und ich bin sicher, dass ihr Ring weder drückt noch zu weit, sondern passgenau ist. Ich sehe ihn direkt vor mir, wie er in einer nächtlichen Bett-Aktion ihren Ringfinger abgemessen hat - sich nach vorhandenen Ringen zu richten, wäre ihm sicher zu heikel gewesen.

Nora hilft ihm heute beim Schnibbeln und sie kennt seine Regeln und seine Ticks, soviel ist gewiss.


Das Menü

Ein Dibbegugger ist ein neugieriger Mensch, erklärt Maximilian sein Motto. Selber scheint er jedoch überhaupt nicht neugierig zu sein, wie sein Essen schmecken würde, wenn er nicht milligrammgenaue Abmessungen vornehmen würde.

Diverse Waagen bis hin zur Feingramm-Waage sind sein wichtiges Küchen-Equipment, und mit einer lächerlichen Ernsthaftigkeit geht er ans Werk. Fast nichts ist vor seinen Waagen sicher, nichts schüttelt er einfach aus dem Handgelenk - und wenn er doch einmal wagemutig zum Beispiel zur Muskatnuss greift und ein paar Krümel in die Kartoffeln reibt, ist er sein eigener Held des Tages.

Pennibel kleckert er ein wenig Salz auf die Waage, und die drei Krümel zu viel müssen gnadenlos zurück in die Packung.

Die fertige Kartoffelsuppe wird abgewogen, damit er die Salzmenge berechnen kann: denn die Suppenmenge bestimmt den Salzgehalt: 1 Prozent des Gewichtes darf das Salz ausmachen  ... hier wird nix überdosiert.

Gefangen in der eigenen Verrücktheit. Wenn er die doch nur abschütteln könnte, er wäre sofort ein freier Mensch ...

Zur Vorspeise gibt es eine exakt ausgetüftelte Zwiebelsuppe.

Ein etwas zu dick geschnittener Sellerie bildet den Hauptbestandteil des Hauptganges: hier muss die Vorlage fehlerhaft gewesen sein, sonst hätte er das Gemüse-Steak nachsichtig dünner geschnitten. Oder hat etwa Nora einen Fehler begangen? Ich weiß es nicht,

denn die ganze Show ist wie ein durchgehender Schlag in jedes Kochherz, das sich traut, verwegen zu würzen, abzuwiegen und einfach mal Spaß zu haben.

Ein veganes Nuss-Eis bildet mit einer pochierten Birne den Nachtisch, während er die so beliebten Crumble exakt abgezählt auf die Teller legt.


Fazit

Als die Gäste klingeln, weiß er genau, dass sie zwei Minuten bis zu seiner Wohnung hinauf benötigen. Ein Mann wie ein Schweizer Uhrwerk!

Müsste ich fortan auf die maximilianische Art kochen - ich würde völlig aufhören zu kochen.

Am Ende würde er sich selber 9 bis 10 Punkte für sein Dinner geben, und hier entdecke ich die kleine, aber feine und erste Ungenauigkeit des Tages. Entweder 9! Oder 10! Aber doch keine Bewertung mit Spielraum!

Man kann diese Maximilian-Slow-Show - so rein von außen betrachtet - als witzig ansehen, aber gleichzeitig froh sein, nicht so zwanghaft oder, um es milder auszudrücken, nicht so detailverknallt zu sein.

Und trotzdem: mehr noch als der heutige Gastgeber geht mir die selbstgefällige Lisa auf die Nerven, während ich mit Gregor gern ein Bier trinken gehen würde. Vielleicht sogar mit Maximilian, wenn er nicht auf die Idee kommt, eventuell zu viel oder zu wenig eingeschenktes Pils zu bemängeln ...

Die Punkte: je 8 geben Dorota, Lisa und Marie, 10 gibt Gregor.

Mit 34 Punkten hat er immerhin eine gerade Zahl erreicht, die man locker durch 2 teilen kann.


Guten Morgen, Gruß Silvia