Samstag, 5. März 2016

3. März 2016 - ARD/Einsfestival - Die Akte General




Die Akte General

Fritz Bauer, Generalstaatsanwalt in Hessen, und Initiator der Holocaust-Aufarbeitung vor Gerichten, ist weitgehend unbekannt.

Unbeliebt war er in den 1950/60er Jahren in Deutschland, als er  - illegal - dem israelischen Geheimdienst den Aufenthaltsort von Adolf Eichmann so nahe brachte, dass dieses Land den Verbrecher an der Menschlichkeit vor Gericht stellte, was schließlich zum vollzogenen Todesurteil führte.

Dieser Film zeigt, wie schwer es Fritz Bauer in der neu gegründeten Bundesrepublik hatte, an die jüngste Vergangenheit zu erinnern - und diese sühnen zu wollen.

Zwar gefiel ihm am Ende nicht, dass Eichmann zum Tode verurteilt wurde, denn er hätte eine lebenslange Gefängnisstrafe bevorzugt - aber immerhin wurde man seinen ständigen und auch ruhig aufdringlich zu nennenden Bemühungen gerecht, Eichmann und andere endlich vor Gericht zu sehen.

Was die Nürnberger Prozesse nicht geschafft hatten, war nun seine Aufgabe. Dass Fritz Bauer im Jahre 1968 Selbstmord beging, könnte auch etwas mit seiner gesamten Lebensgeschichte zu tun haben, die darin gipfelte, sich gegen die alten, zu neuem Karriere-Schwung aufgestandenen Alt-Nazis zu stellen.

Bekannt ist, dass damals bereits wieder Nazi-Größen in hohen Ämtern aktiv auch über Recht und Unrecht zu entscheiden hatten ... klassische Fehlbesetzungen!

Dass Fritz Bauer jüdischen Glaubens war, spielt vermutlich nicht die größte Rolle in seinem Feldzug gegen die Holocaust-Täter. Er war Atheist.

Nicht verdächtig, ein Nazi gewesen zu sein, war Konrad Adenauer, damaliger Bundeskanzler und erbitterter Gegner von den Aktivitäten Fritz Bauers.

Der gemütliche Kanzler, der die Geschäfte gern anderen überließ, war allerdings schon recht betagt während seiner Amtsführung. Und ein gutes Beispiel dafür, dass eine Altersgrenze für diverse Tätigkeiten dringend nötig sind.

Nach dem Erfolg, den Bauer im Falle Adolf Eichmann verzeichnen kann, schreibt das Urgestein Adenauer diesen auf seine eigene Fahne.

Adenauer ist auch derjenige, der die Nazi-Zeit schön redet - und den Deutschen vehement attestiert, keine Nazis zu sein, sondern einer vorübergehenden Verirrung gefolgt zu sein. Seiner Meinung nach gibt es solches Gedankengut nicht im deutschen Volk.

Als 1960 in Köln ein Anschlag auf eine jüdische Synagoge verübt wird, sieht er darin keinen antisemitischen Hintergrund ...

Dieses Schön-Reden von hoch oben und der obersten Instanz hat sich bei den "Enkeln" und "Enkelinnen" Adenauers bis heute fortgesetzt - es ist gleich einem Gen, das immer weiter gegeben wird und mal in der einen und mal in der anderen Richtung prominent hervortritt.

Fritz Bauer erfährt durch diesen Film die Würdigung seines unbeugsamen Charakters, der selbst bei der Enthüllung seiner Homosexualität (damals strafbar!) nicht in der gewünschten Versenkung verschwindet.

Wie so oft gingen auch hier Mut und Kampfgeist und Erfolg von einem Einzelkämpfer aus. Eine eindringliche Studie über einen außerordentlichen und außergewöhnlichen Menschen.

Guten Tag, Gruß Biene


Freitag, 4. März 2016

4. März 2016 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Randersacker/Franken bei Bernhard

Nach der Jagd - in unserem Wald ...
Aperitif: fränggischer Broseggo
Vorspeise: Wildkraftbrühe
Hauptspeise: Rehrücken im Kartoffelnest mit Wintergemüse
Nachspeise: Zwetschgenbrei mit Vanilleeis


Ein Wort zu dem von mir natürlich selbst geschossenen Foto, ohne getötet oder gar Anreize zu solch einem "Hobby" zu hegen:

Einmal im Jahr findet in unserem Wald eine Jagd statt. Dieses Foto ist vor zwei Jahren von mir aufgenommen worden. Die Horde von Jägern haben den Wald von ganzen vier "schädlichen" Tieren des Waldes befreit. So viel zu den Alibis der Jäger ...


Kein Orgasmus

zum finalen Freitags-Schuss von Vox. Obwohl Anne vom Menschlichen und gar übermenschlich Guten in Bernhard spricht. Am Ende ist das Reh einen sinnlosen Tod gestorben. Es schmeckt  niemandem so gut wie der Jäger es bei seinem finalen Schuss (hoffentlich final - und nicht, dass er noch fünfmal nach-schießen musste) angedacht hat.

Kaum angekommen an Bernhards Reich, sieht man zwei blanke Schädel, von Blut und Hirn und Haut befreit - dass es einem nur noch übel aufstoßen kann.

Doch dem Winzer ist diese Jagd-Freude vom Lieben Gott geschenkt, so wie der Wald lieber vor den selbstherrlichen Göttern flüchten möchte, sich unsichtbar machen würde, wenn er es könnte - und seine dort lebenden Geschöpfe schützen würde. Der Wald vermag es nicht.

Die Pfanne richtet dann die traurigen Ergebnisse.

Sarah kommt im vermutlich Ozelot-imitierten Lammfell zur Veranstaltung des Jäger-Latein-Abends. Genau so unkritisch sind die anderen Gäste - was die Natur betrifft.

Sie lauschen dem glorifizierten Jägerlatein - und haben keine Meinung, was da wirklich abgeht:

Jäger üben Macht aus! Gegenüber schwächeren Geschöpfen.

Natürlich wären die Auge-in-Auge nicht unbedingt schwächer, aber sie besitzen keine Waffen, sondern sind nur süße Tiere.

Dafür hatte Bernhard eines Tages - irgendwo im Ausland beim Schießen - Angst, sich zu erkälten. Herrje - eine Erkältung ist wohl die schlimmste Krankheit, die einen Mann treffen kann. Da ist jedes Reh während des Sterbens tapferer.

Und all die Toten-Schädel in seinem Haus - was haben die eigentlich vor ihrem Tod im Einzelnen so empfunden?

Schmerzen, Schmach? Wut? Können Tiere überhaupt wütend sein?

Bernhard bekommt dreißig Punkte für sein Jägerlatein in dieser Woche und für sein Dinner obendrein.

Der selbst geoutete Spät-Berufene legt die Waffe an - und verschafft sich seine eigenen Höhepunkte.

Nein - dies alles ist zwar meine Meinung, die habe ich mir jedoch absegnen lassen. Von unserem Förster.

Der kennt diese Pappenheimer.

Und wenn schon niemand der Dinner-Teilnehmer sich als Meckerer outet, so mache ich das heute sehr gerne und aus vollem Herzen.

Mir ist schon klar, dass das meinen Facebook-Freunden nicht gefallen wird.

Aber es musste mal raus. Jetzt geht es mir besser - nach diesem Schädel-Inferno-Abend.

Guten Abend, Gruß Biene


4. März 2016 - DVD-Kritik - "Rosenstraße" - Ein Film gegen das Vergessen


Darsteller:

Katja Riemann
Maria Schrader
Jürgen Vogel

Doris Schade (Lena mit 90 Jahren)
Jutta Lampe (Ruth mit 60 Jahren)

Regie: Margarethe von Trotta

Herstellungsjahr: 2003


Rosenstraße

Im (beinahe) heutigen New York stirbt der jüdische Vater von Hannah. Ihre Mutter Ruth - ebenfalls Jüdin - deckt Fernseher, Bilder und stehende Fotos auf den Kopf, Spiegel und den Fernseher mit Tüchern ab. Das ist eine jüdische Sitte nach einem Todesfall, den die junge Hannah

als weltoffene amerikanische Journalistin nicht in vollem - und wohl überhaupt nicht - Umfang versteht.

Noch weniger versteht sie die plötzliche Abneigung ihrer Mutter gegen ihren nicht-jüdischen Verlobten Louis.

Wie viele Menschen, schweigt Ruth über ihre Vergangenheit - obwohl sie gerade in dieser ihre Prägung fürs Leben aufoktroyiert bekommen hat.

Durch eine ihr bislang unbekannte Cousine der Mutter erfährt Hannah von Lena Fischer, die im Berlin der Nazi-Zeit ihre Mutter gerettet hat.

Hannah reist nach Berlin und findet über die Jüdische Gemeinde die 90jährige Lena.

Lena ist eine Geborene von Eschenbach und Baronesse und somit "arischer" Abstammung, eine Pianistin, und sie hat ihren Mann, den Geiger Fabian - später auch mit Zweitnamen Israel - Fischer durch die Leidenschaft der Musik kennen gelernt. Fabian jedoch ist Jude.

Zunächst verrät Hannah nicht, wer sie wirklich ist ... und lauscht den Geschichten der alten Frau.

Lena spricht von ihrem Mann Fabian, der eines Tages - vor seiner und vieler anderer Menschen - geplanter Deportation gefangen gehalten wird. Als ein Mann in einer

"Misch-Ehe" hat es ihn lange nicht getroffen. Andere "Misch-Ehepartner" sind neben ihm ebenfalls interniert.

Nach und nach formiert sich ein Widerstand der "arischen" Frauen gegen die Nazis.

Lena erfährt auf ihrem Weg von "Juden-Huren", "Auf die deutsche Frau und ihre Treue" - und "arische Kanarienvögel dürfen nicht in jüdischen Haushalten leben".

Hier beende ich die Inhaltsangabe des Films und mache dem Frust Luft, der Tränen hervor bringen kann, auch von einer Frau wie mir, die sonst  nie weint.

Reduziert aufs blanke Überleben-Wollen kämpfen die Frauen um ihre jüdischen Männer. In all dem chaotisch Unmenschlichen gibt es die Mini-Helden, die zwar zu feige sind, offen Stellung gegen Unrecht zu zeigen - aber im Kleinen helfen.

Ein zur Deportation inhaftierter alter Mann sagt: "Ich warte, bis die Deutschen zurück kommen. Sie sind irgendwo untergetaucht und werden auch wieder auftauchen."

Ein Film von 2003, der gegen das Vergessen in den Widerstand zieht und die Wertigkeit jedes einzelnen Menschen hervorhebt, das von diesem Unrechts-System in den Dreck gezogen wird und Massenmord begeht.

Es ist bekannt, dass nicht alle Menschen gut sind - welcher Religion auch immer sie angehören - aber es ist eine Vorgabe, dass alle Menschen sich menschlich verhalten sollten und müssten - wem auch immer sie gegenüber stehen. Kein Staat hat zweifelsfrei das Recht, Minderheiten zu verfolgen:

So wie es in diesem 3. Reich passiert ist, das kein Reich war, sondern ein Unrechts-Gebilde mit völlig desolaten und kranken, abartigen Ideen, die verwirklicht wurden.

Wer den Film sehen möchte: Von hier gibt es fünf von fünf möglichen Sternen dafür. Und die Frage, ob die Männer gerettet wurden oder nicht - jeder, der möchte,  darf sich die Antwort darauf selber ansehen. Dass Ruths Mutter nicht gerettet wurde, geht wohl aus dem Beitrag hervor.

Guten Tag, Gruß Biene

3. März 2016 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Würzburg/Franken bei Sarah

Amboseli

Aperitif: Apfel-Ingwer-Spritz
Vorspeise: Silvaner-Crèmesüppchen mit Zimtbröckeli
Hauptspeise: Zander mit Kartoffelhaube, Balsamico-Linsen und Weinschaum
Nachspeise: Fränkische Lust in "Rot und Weiß"


Jung, blond, ledig - kocht

und erkocht sich als Küken der Runde respektable vierunddreißig Punkte.

Zum Einstreichen der Siegprämie reicht das nicht. Vielleicht hat sie geliebäugelt, mit dieser wieder nach Afrika zu reisen. Die sechseinhalb Wochen in Namibia sind unvergesslich und mit einer Fotostrecke an der Wand immer in ihrem Blick.

Africa, mon amour - kann ich gut nachvollziehen.

Möglicherweise wollte sie von dem in Reichweite hängenden 3.000-Euro-Betrag auch neue Faschingskostüme kaufen.

Spaß am Karneval - kann ich wenig nachvollziehen. Vermutlich bin ich in der falschen Ecke aufgewachsen, Westfalen können Karneval nicht so wirklich ...

Sarahs beste Freundin Laura unterstützt sie in der Küche und lauscht ebenso geduldig wie der Zuschauer zwangsweise, ihrem Dauer-Plappern.

Die Gastgeschenke bekommt sie zum Hauptgang überreicht - und da ist ein sehr großzügiges Mehrteiliges von Anne dabei, während Kristian ihr lediglich eine Postkarte mit einem Spruch überreicht. Bernhard schenkt wie üblich eine Flasche Wein aus eigenem Betrieb.

Die Harmonie der Runde geht in die Verlängerung ...  da kommt vermutlich ein Daniel auf die Idee, dass man endlich mal ein bisschen meckern lassen müsste, und so sind Kristian und Lutz halbherzig dabei, die Kartoffelauflage auf dem Zander ein wenig auseinander zu nehmen.

In dieser Woche zeigt sich das Dinner ein bisschen so, wie es vielleicht ursprünglich gedacht war: Als Kochsendung. Kleine Nebenschauplätze und Plaudern über dies und das am Rande inbegriffen. Wohnungsbesichtigungen fallen völlig weg. Kein Fläzen in fremden Betten ist zu bemängeln. Die meisten Worte und Taten und Gesten sind wohl überlegt.

Das wird auch am letzten Abend bei Bernhard nicht anders sein: Hat er doch endlich die Chance, sein Weingut einem breiten Publikum anzupreisen.

Hier kann man eigentlich nur noch übers Kochen schreiben - aber das hat auch jeder einzelne selber gesehen und seine eigene Meinung dazu, die ich ohnehin nicht imstande bin, zu korrigieren oder gut zu heißen oder sonst was.

Bei jedem der Hobby-Köche, die sich in ihre Küchen gestellt haben, sah es recht appetitlich aus - die Leute hinter den Kochenden habe ich weniger entdeckt. Wobei dieses Entdecken in der Regel mein größter Fun-Faktor ist. Am liebsten ist mir ein Querschnitt von guten bis außergewöhnlichen Menüs und sich outenden Darstellern.

Mir steht der Sinn nun nach einer ordinären Curry-Wurst - und dieser Heißhunger überfällt mich nur ungefähr einmal im Jahr.

Guten Morgen, Gruß Biene

Donnerstag, 3. März 2016

2. März 2016 - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Margetshöchheim/Franken bei Kristian


Aperitif: Sektvariation (mit Weinbergpfirsich oder Granatapfel)
Vorspeise: Kürbissuppe mit karamellisiertem Apfel und Ingwer-Crunch an verschiedenen Aromen
Hauptspeise: Pulled Pork fränkisch mit Semmelknödel und Wirsing
Nachspeise: Geeiste Zitrus-Terrine mit Dulce de Leche-Soße und kleinem Schokokuchen


Slow Food und Fast Wedding

Am 9.9.1998 haben Kristian und Natascha in Las Vegas spontan entschlossen, zu heiraten. Sie suchten sich eine kleine Wedding-Chapel und ohne Vorbereitungen und die übliche Mindestausstattung wie zum Beispiel Ringe wurde "Ja" gesagt. Da Kerzenbeleuchtung 50 Dollar zusätzlich gekostet hätte, verzichteten sie darauf.

Heute muss auf nichts verzichtet werden.

Kristian lebt mit seiner Familie, zu der auch zwei schon größere Kinder gehören, nicht mehr in Hessen, sondern in einem kleinen Ort in Franken. Seinem Anwesen fehlt es nicht an Beleuchtung, gerade jetzt gibt es noch eine zusätzliche durch Scheinwerfer. So wird alles ins rechte Licht gerückt.

In ein seltsames Licht rückt das üppige Blumengesteck, mit dem Natascha den Tisch schmückt - ein übereifriger Vox-Probe-Arbeiter sollte vermutlich ein blumiges Lied zu dem Geschehen heraus suchen. Was er fand, war das Anti-Kriegs-Lied "Sag mir, wo die Blumen sind ...".

Selten passte ein Lied so wenig. Dafür passt die Runde um so besser zueinander. Keine Niedertracht säumt die Wege und Interviews. Kein böses Wort fällt. Dafür wird durch die Bank gut gekocht.

In seinem Backhaus stehen Sous-Vides-Gerät und Eismaschine, um dort ihre Dienste zu verrichten.

Den Aperitif serviert Kristian in seiner "Scheune", einem schönen Refugium. Der Sekt stammt von einem befreundeten Winzer, und während Christian meint, dies sei ein sehr, sehr guter -

hat Profi-Winzer Bernhard das Attribut "solide" parat. Und was bedeutet in der Winzer-Sprache "solide"?

Die Kürbis-Suppe ist zu breiig - also eine solide Grundlage für den Abend? Außer Sarah finden alle sie jedoch gut gelungen bis "die beste, die ich je gegessen habe".

Alles andere gleicht einem Träumchen. Und wird schließlich mit sechsunddreißig Punkten belohnt. Das bedeutet Gleichstand mit Lutz' Bewertung.

Damit könnten die Gewinner bereits feststehen. Mehr als neun Punkte für die noch kommenden zwei Dinner je Teilnehmer ist vermutlich nicht zu erwarten. Das wäre dann auch schon ein Traum und kein Träumchen mehr.

Last but not least: Anne wurde - vermutlich von Vox - ausgewählt, die alles entscheidende Frage zu stellen ... Diese Frage ins Blaue hinein zu stellen, wäre unhöflich bis unangenehm.

Und ja, natürlich! Kristian fährt einmal im Jahr nach Peru oder Vietnam, um dort unentgeltlich Lippen-Gaumen-Spalten zu operieren.

Hoffentlich wird Kristian seinen vermuteten Mit-Gewinn nicht spenden wollen - und bringt somit den oder die anderen Gewinner in Zugzwang.

Manchmal reicht es, Gutes zu tun, ohne es in die Welt hinaus zu tragen ... Andererseits brauchen gute Werke auch Zeugen.

Guten Morgen, Gruß Biene




Mittwoch, 2. März 2016

2. März 2016 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Oberichelsheim/Franken bei Lutz


Aperitif: Tante Ingrid - Prosecco mit Ingwersirup, Minze und Himbeere
Vorspeise: Fruchtiger Blattspinat-Salat mit gebackenem Ziegenkäse, (ohne Zimt-Croutons) und Speck an einer Vinaigrette.
Hauptspeise: Frankenburger
Nachspeise: Walnussküchlein mit Apfelhaube und Vanillesoße


Der Kunst-Burger

oder auch die Burger-Revolution - oder einfach ein Sauerbraten mit Beilagen, angerichtet von einem Künstler?

Betritt man das Haus, in dem er sich nach vielen Stationen, die von Gevelsberg in die weite deutsche Landschaft, inklusive unser aller Hauptstadt, führte,

weicht man vor lauter Schreck auf den ersten Blick zurück: Ein riesiges Foto von Lutz und seiner Freundin Angelika

zeigt sogleich jedem, wer hier wohnt:

Die beiden auf dem Foto leiden nicht unter Minderwertigkeits-Komplexen. Oder etwa doch? Vielleicht ist auch nur der Flur zu klein für dieses mächtige Foto.

Kristian entscheidet sich richtig, im Vorfeld keine Spekulationen zum Frankenburger abzugeben - denn Vorsicht ist die Devise des Chirurgen. Nur keinen falschen Schnitt an der falschen Stelle machen ...

Da allein die Beschreibung "Frankenburger" einige Erwartungen herunter schraubt, ist die

Überraschung um so größer.

Nach dem üppigen Salat kommt die Hauptspeise wie ein Burger-Gebilde auf die Teller und den Tisch: Anstatt des Buns gibt es einen aufgeschnittenen Semmelkloß für jeden - und dazwischen liegt ein Sonntagsmittags-Essen von der Oma aus Gevelsberg, neu interpretiert.

Sarah ist hin und weg vom Rotkohl. Der schmeckt ihr sogar besser als der bislang beste von ihrer Oma.

Es überschlagen sich die Kommentare zum Hauptgang, als hätte jemand das Rad neu erfunden.

Und da man voller Überschwang und guten Worten ist, findet Kristian, der Kiefer- und Gesichts-Chirurg, auch noch gleich welche für die medizinische Fachangestellte (Arzthelferin) Sarah: Sie sei eine Zierde für jede Arztpraxis. Oder etwas ähnliches.

Um eventuellen Konsequenzen aus dieser Aussage vorzubeugen, fügt er hinzu, dass er niemals einem Kollegen eine Angestellte abwerben würde ... Ärzte sind in der Regel eben hyper-sensibel, das weiß jeder. Und falls das noch nicht reicht, meint er, sie sei an ihrem jetzigen Arbeitsplatz viel besser aufgehoben als in seiner chirurgischen Praxis.

Hier sind Profi-Gucker vom perfekten Dinner am Start. Soviel Harmonie! Ob die noch ein Mittwoch, ein Donnerstag oder ein Freitag zerstören kann?

Am Ende wird noch Bernhard ein Sieger der Herzen?

Einigkeit herrscht auch in der Bewertung für Lutz: Neun Punkte je Gast ergeben die Summe von sagenhaften sechsunddreißig Punkten.

Lobet den Herrn dieses Hauses - so schreit das überlebensgroße Foto am Eingang. Und alle, alle, sind dem liebend gern gefolgt. Ich frage mich, wo die Teilnehmer ihre Ecken und Kanten für diese Zeit mit den Daniels abgestellt haben. Oder haben sie vielleicht gar keine? Wäre schade!

Guten Morgen, Gruß Biene


Dienstag, 1. März 2016

29. Februar 2016 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Franken/Waldbüttelbrunn bei Anne


Aperitif: Das Vorspiel
Vorspeise: Mausöhrlesalat mit karamellisierten Walnüssen und Speck an fränkischen Bratwurstpralinen mit Senffüllung, dazu selbstgebackenes Baguette
Hauptspeise: Fränkisches Hochzeitsessen - Tafelspitz in Meerrettichsauce nebst Preiselbeerreduktion trifft selbstgemachte Bandnudeln und wird getoppt durch Butterbrösele
Nachspeise: Variationen vom Lebkuchen - Lebkuchen-Panna cotta auf Orangenfilets rockt mit Lebkuchenmousse (hell und dunkel) und Lebkuchen-Karamell-Parfait


Ein Kind, zwei Katzen und ein ehemaliger Kurschatten

Und alle helfen Anne in der Küche, damit ihr Dinner so perfekt wie möglich gelingt. Der Kater checkt von der Arbeitsplatte am Küchenfenster aus schon mal die Lage und zählt alle Daniels, die noch eintreffen könnten - oder die, die gerade im Garten eine Rauchpause einlegen.

Unterdessen schlägt Felix, ihr blond-gesträhnter Sohn, unter anderem Eier auf. Das ist nicht einfach, wenn man es noch nie gemacht hat. Vielleicht hat er sonst eher selten Lust, der Mama in der Küche zu helfen? In der Folgezeit wartet er nebenan auf seine nächsten Auftritte.

Stephen ist der Mann, den sie in einer Mutter-Kind-Kur getroffen hat - und er ist vom Schatten zum Lebensgefährten aufgestiegen. In der Küche bleibt er eher im Schatten der Hauptperson und ihres Kindes. So weiß ich nicht einmal, ob er sich nicht doch "Steven" schreibt.

Viel Zeit investieren inzwischen die vier zu erwartenden Gäste, um die Speisekarte zu lesen: In epischer Breite ist bis hin zu den Bröseln im Hauptgang alles haarklein aufgebröselt.

Sarah bemerkt, dass sie leider keinen Tafelspitz mag - übrig bleibt am Ende, dass sie nur die Meerrettischsauce nicht gerne isst.

Bernhard möchte und mag keine Lebewesen mit vier Beinen, die sich in Küche, Schlafzimmer oder Wohnbereich tummeln. Nun ja, am Ende gesteht er ihnen ein bisschen Wohnzimmer zu ... Und ich frage mich, wie es sich bei ihm mit Schlangen oder Spinnen verhält?

Zur Vorspeise habe ich keine Meinung, denn ich weiß genau so wenig wie die Wurst, der Hauptbestandteil schmeckt, wie Anne  ...

Der Hauptgang kommt ein bisschen blass und nichtssagend auf den Tisch. Dafür gibt es eine umständlich erzählte lange, ganz lange Geschichte von Bernhard über die Entstehung des Bocksbeutels.

Er arbeitet schon am Montag fleißig an seinem Wochen-Werbeprogramm für sein Weingut.

Sehr, sehr schön sieht die Nachspeise aus: Ein bisschen viel Lebkuchen-Geschmack vielleicht, aber vielleicht auch nicht ... und gerade richtig für diesen verschneiten Tag in der Nähe von Würzburg.

Anne bekommt dreiunddreißig wunderbare Punkte, mit denen sie sehr zufrieden sein kann.

Bernhard muss acht geben, dass seine Aussagen nicht zum Teil als Klingeltöne enden. Lutz stammt aus dem Ruhrgebiet, Kristian aus Hessen.

Und daher freue ich mich, dass ich wenigstens alles verstehe, wenn es vermutlich auch sehr weinlastig wird in dieser Woche.

Guten Morgen, Gruß Biene