Freitag, 7. Mai 2021

6. Mai 2021 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Rosenheim bei Ashraf


Vorspeise:
Linsensuppe mit Topping
Hauptgang: Reis – Huhn – Gemüse – Joghurt
Nachtisch: Pudding – Schokolade – Eis


Wenn du redest, dann muss deine Rede besser sein,
als dein Schweigen gewesen wäre -
- Arabisches Sprichwort

Eigentlich müsste ich folgerichtig heute schweigen, und wenn ich trotzdem rede (schreibe), dann möchte ich betonen, dass man diese Sendung nicht allzu ernst nehmen sollte und hoffentlich auch mehr darüber lächeln kann als sich zu ärgern.

So viele Nicht-Hobby-Köche habe ich hier schon unter der Tastatur gehabt, dass es auf einen mehr oder weniger nicht mehr ankommt.

Ashraf (30) ist gebürtig aus Jordanien und kam vor 15 Jahren nach Deutschland. Vor 10 Jahren lernte er seine Frau Melanie kennen, die ihm heute in der Küche ein wenig zur Hand geht.

Er erinnert sich beim Zubereiten seiner Speisen an seine Oma - hier und da und weltweit sind offenbar gerade die Omas die größten Koch-Vorbilder.

Ein Erinnerungs-Fehler?


Das Menü

Ashraf liebt Rosenwasser, und allein aus diesem Grund habe ich eines meiner Rosenfotos dem Beitrag vorab gestellt. Woran er die Essenz überall dran kippt, weiß ich gar nicht mehr, aber Rosenwasser mag ich auch.

Der gekühlte Kekskuchen ist eine Art von Kalter Schnauze, und dass die und auch der Kekskuchen mächtig sind, kann sich jeder vorstellen. Es gibt meiner Meinung beinahe nichts (zumindest nichts, was mir gerade einfällt), was als Nachtisch-Bestandteil weniger geeignet wäre.

Daher zaubert Ashraf noch einen Grießpudding - und so schön er das Dessert auch anrichtet - essen möchte ich nicht einmal das Eis, das er noch hinzufügt.

Zu der nach seiner Aussage vegetarischen Linsensuppe fügt er 6! Gläser Geflügelfond hinzu. Wer mit falschen Fahnen winkt ...!

Die Reispfanne mit ihren vielen Zutaten möchte ich nicht weiter kommentieren - essen möchte ich davon auch nichts.

Sowohl das Fladenbrot als auch das Brot fürs Suppen-Topping hat Ashraf in Wuppertal bezogen. Warum, wieso, weshalb ... ich weiß es nicht. Besser, er würde beides selbst zubereiten.


Fazit

Ashraf ist vielleicht ein netter junger Mann, aber da ich auch das nicht genau weiß, bleibt meine Bewertung unbeeinflusst von möglichen Sympathie-Punkten, obwohl ich auch keine Antipathie-Akzente feststelle. Völlig neutral muss ich sein Menü negativ bewertet abschmettern.

Wann nur wird es an diesem Abend lustig?

Klar, dafür muss Thorsten ein Döneken aus seinem reichen Erlebnisschatz erzählen, das er sein peinlichstes Erlebnis nennt: es war in Düsseldorf in einem Sonnenstudio. In der Kabine zieht er sich nackt aus ... plötzlich steht dort eine ältere Frau, die ihn von draußen durchs Fenster beobachtet. Thorsten hatte vergessen, das Rollo herunterzuziehen ...

aber: "die Oma hatte die Freude ihres Lebens" ist Thorstens Fazit. Ich gehe sowohl davon aus, dass diese Frau nicht seine Oma (also unterlässt man solche Ausdrücke) war und Thorsten sich in allen wesentlichen Bereichen völlig überschätzt.

Es wird spät an diesem Abend, kurz vor Mitternacht - aber somit hat der Nachtisch jede Chance, über Nacht schwer im Magen zu liegen.

Die Punkte:
8 gibt Matthias (offenbar stört ihn heute die Länge des Dinners weniger als gestern), je 7 zücken Josepha und Petra und 6 ist Thorsten das Dinner wert.

Mit 28 Zählern liegt Ashraf auf dem bislang vorletzten Platz. Aber auch der bislang letzte Platz hätte gut zu seinem Dinner gepasst.

Guten Morgen, Gruß Silvia


Donnerstag, 6. Mai 2021

5. Mai 2021 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Rosenheim bei Thorsten


Vorspeise: Japanisches Pilzrisotto – Jakobsmuschel
Hauptgang: Heimisches Waygu – Carabineros – Püree
Nachtisch: Tränen von Chios – Ekmek – Gefrorenes


"Bescheidenheit ist eine Zier,
doch es geht auch ohne ihr" - Verfasser (ist mir) unbekannt

Thorsten, 53, liebt seine Komfortzone (eines seiner Lieblingswörter), und er freut sich, diese Zuschauern, TV-Team und ausgewählten Gästen zu präsentieren. Immerhin sind andere Abwechslungen in der Pandemie rar geworden, und eine größere Reichweite als über diese Sendung kann man als Nicht-Promi kaum bekommen. Zwar mag manch ein TV-Neuling glauben, dass er den Status des Nicht-Promis durch diese Sendung schnell hinter sich lässt ... aber ich bezweifle das.

Der Weltenbummler aus Duisburg lebt in einer Villa in der Nähe von Rosenheim, und kaum je habe ich jemanden stolzer über seinen Besitz erlebt als Thorsten. Später begrüßt er seine Gäste mit dem Ausspruch (sinngemäß) an der Tür seiner schicken Komfortzone: "Na, sprachlos? ... Da muss ich ja gar nicht mehr kochen."

Und ob er kochen muss! Am Ende muss er seine Kochkunst sogar bewerten lassen, obwohl das Ergebnis natürlich überhaupt nicht zu seinem Ego passt.

In der Küche lernen wir Marianne, 33, seine Ehefrau kennen, und auf die Frage, was sie verbindet, hat Thorsten eine schlüssige Antwort parat: "Sie lacht über meine Witze."

Möglich, dass hier dem Schnitt weitere Antworten zum Opfer gefallen sind. Der Sender möchte immerhin den Roten Faden dieser Show nicht aus den Augen verlieren, andere Leute so gut wie möglich vorzuführen.

Thorsten führt allerdings seine Frau vor, die ihm jede Kleinigkeit anreichen muss, selbst die Sahne aus dem Kühlschrank kann er sich nicht selber holen. So viel Unterstützung brauchen nicht einmal Chirurgen von einer Op-Schwester.

Menü und Fazit

Mit der Menge an diversen Pilzarten könnte Thorsten einen Marktstand auffüllen, und am Ende des Tages wäre immer noch nicht alles verkauft. In guten Lebensmittelläden kann man durchaus kleine Mengen auch exotischer Pilze kaufen. Aber vielleicht stellt Thorsten sich am Folgetag vor die Villa, um die Erdfrüchte eigenhändig zu verkaufen ...

wovon ich natürlich nicht wirklich ausgehe.

Als die Gäste ankommen, ist Marianne im Hintergrund, und er muss nun allein in der Küche klarkommen. Nachdem endlich alle ihre Aperitifs genießen dürfen, deren Zubereitung bereits auf Applaus aus ist, beginnt das

Küchen-Chaos.

Wie die einzelnen Gerichte schmecken - keine Ahnung. Wer für 3 Gänge allerdings 6 Stunden Zeit benötigt, ist kein versierter, sondern höchstens, wenn überhaupt, ein bemühter Hobby-Koch.

An den Faktor Neid der Gäste glaube ich nicht.

Aber das Ego des Gastgebers ist immer wieder gut zu erkennen. Er lobt seine Menü-Bestandteile stets in den höchsten Tönen ...

und auf die Länge der Zubereitungs-Zeit hingewiesen, denkt er nur an sich, und ihm macht es nichts aus, dass er viel, viel Zeit benötigt.

Dabei zieht er in keiner Minute die Müdigkeit in Betracht, die seine Gäste überfallen könnte - oder gar an Ashraf, der am nächsten Tag früh aufstehen muss, um sein Dinner vorzubereiten.

Mancher Leute Gesichtsfeld ist stark eingeschränkt.

Die Punkte:
8 gibt Josepha, 7 Petra und je 6 Ashraf und Matthias.

Es ist schon klar, dass sich die Bewertung von 27 Gesamt-Zählern nicht allein auf das Essen beschränken, sondern das Gesamtpaket, inklusive der Langeweile beim Warten, berücksichtigen.

Guten Morgen, Gruß Silvia



Mittwoch, 5. Mai 2021

5. Mai 2021 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Rosenheim bei Josepha


Vorspeise:
Ziegenkäse – Apfel – Krokant – Geflügelpraline – Wildkräuter
Hauptgang: Lamm – Jus – Grüner Spargel – Artischocke – Kartoffel
Nachtisch: Passionsfrucht – Sauerrahm – Schokolade


Alles in Butter!

Während Josepha in Butter schwelgt, fällt mir das Klopapier-Desaster aus dem letzten Jahr ein: ist, nachdem sie in ihrem ländlichen Ort nahe Rosenheim die Butterregale leergeräumt hat, nun die Butterversorgung in Gefahr?

Butter mag viel für den Geschmack, aber wenig für die Figur tun. Dennoch ist solch ein möglichst perfektes Dinner natürlich eher eine Angelegenheit der Gaumengenüsse - und fasten kann jeder Teilnehmer dann ab der nächsten Woche. Oder auch nicht.

Josepha, die Betriebswirtin, wird in der Küche von Michael, ihrem Mann, unterstützt, und es sieht beinahe so aus, als würde er dort auch zwischen den Gängen klar Schiff machen. Ist schließlich nicht verboten. Die beiden 31 und 32 Jahre alten Ehepartner sind ein eingespieltes Team, seit 14 Jahren ein Paar und seit 2019 verheiratet.

Vox muss natürlich herausstellen, dass sie ihrem Michael einen Heiratsantrag gemacht hat, als wäre dies in der heutigen Zeit überhaupt eine besondere Erwähnung wert. Manchmal bekommt man kostenlos erklärt, warum viele Leute noch immer in alten Gefängnissen verweilen ...


Das Menü

Die Vorspeise würde ich - als Nicht-Bayerin - als Brotzeitteller einordnen. Und obwohl Matthias auf die Frage, ob die Entenleber-Praline von genudelten Enten stammt, von Josepha eine Negativ-Meldung bekommt, bin ich nicht ganz sicher, ob das den Tatsachen entspricht.

Im Hauptgang stecken all die Kalorien, die manch einer später bereut.

Im Nachtisch finden sich diverse Fertig-Fruchtpürees, die ich nicht kenne, und daher auch nicht beurteilen möchte, wie viele Stoffe sich neben einem puren Obst-Stampf noch darin befinden. Insgesamt gefällt mir der Nachtisch gut.


Fazit

Ein für die Gäste schöner Abend geht mit hoher Belohnung zu Ende.

Zwar vermisst Thorsten "Frankreich" im Menü, denn Josepha hat es als ein französisches deklariert (was auch die Frage nach der Entenleber nochmals aufwirft),

aber man weiß, irgendwas ist immer!

Die Punkte:
8 gibt Thorsten, je 9 Matthias und Ashraf, und Petra drückt ihre Begeisterung durch die Zahl 10 aus.

36 Umdrehungen wollen getoppt werden. Die Zuschauer würde es freuen, endlich einmal perfekte Menüs bestaunen zu dürfen - um sie eventuell nach zu kochen.

Man darf ja sonst nicht viel in dieser Pandemie.

Wie werden eigentlich die Folgen gedreht, die in die allgemeine nächtliche Ausgangssperre fallen? Bekommt Vox eine Sondergenehmigung, damit ihre Kandidaten nach 22.00 Uhr auf ihren Heimwegen unbestraft nach Hause gelangen dürfen?

Oder müssen nun alle bei ihren Gastgebern übernachten? - Scherz, denn natürlich könnte ein Praktikant die Hobby-Köche antreiben ... oder man beginnt mit dem Dinner bereits am frühen Nachmittag (was jedoch kontraproduktiv für die vielen Vorbereitungen wäre).


Guten Morgen, Gruß Silvia

Dienstag, 4. Mai 2021

3. Mai 2021 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Rosenheim bei Matthias


Vorspeise:
Saibling - Birne - Radieschen - Blauschimmelkäse
Hauptgang: Injera - Doro Wot - Shiro
Nachtisch: Schokolade - Schokolade - Schokolade


Ein Pferd hat viel Macht
und viel Recht:
es wirft zur Erde den
Prinzen wie den Knecht
- Deutsches Sprichwort

Matthias führt mit seinem Mann Stefan einen Ponyhof, und den Pferdeverstand hat Stefan in die seit 15 Jahren andauernde Beziehung gebracht. Wie es derzeit in der Pandemie für ponybegeisterte Gäste aussieht, weiß ich nicht - aber ich befürchte, dass auch dieser Betrieb weitgehend still liegt. Vielleicht ist aber Einzelunterricht unter Corona-Bedingungen erlaubt.

Bleiben die Streichelzoo-Tiere, die auf ihrem Gelände leben, momentan auch ungestreichelt?

Antworten auf meine Fragen habe ich nicht.

Matthias und Stefan geben ein harmonisches Paar-Bild ab, und sie passen schon rein optisch ausgesprochen gut zusammen. Kennengelernt haben sie sich vor 15 Jahren auf einem Online-Portal.

Nach und nach hat Matthias die Herrschaft über den Küchenbereich übernommen, aber Stefan darf heute spülen und schnibbeln, bevor er seinen Mann wieder allein und dessen Gästen überlässt.


Das Menü

beschreibt Matthias als eines ohne "roten Faden", angelehnt an sein Leben, das bisher ebenfalls ohne verbindenden Faden ausgekommen ist. Er kocht, was ihm selber gut schmeckt.

Für die Vorspeise brutzelt er u. a. Radieschen an, um sie zu einem Salat zu verarbeiten. Ich kann mir leider nur schwer vorstellen, wie die knackigen Gemüsekugeln schmecken, nachdem sie Hitze abbekommen haben.

Zum Hauptgang gibt es gehäutete Hähnchenkeulen mit vielen Gewürzen ... dennoch ist es einigen seiner Gäste nicht würzig genug.

Ich sehe, wie er an einen Dip eine Menge an Salz schüttet, dass mir angst und bange wird, dieser könnte ungenießbar werden.

Selber brauche und verbrauche ich nur wenig Salz, einfach, weil es meinem Geschmack entspricht. Jeder, für den ich je gekocht habe, musste dringend nachsalzen. Daher kann ich seine verbrauchten Salzmengen wohl nicht wirklich beurteilen.

Der Nachtisch ist für Matthias' Gäste das Highlight.


Fazit

Es ist ein schöner Wochenauftakt in der Nähe von Rosenheim. Noch sehe ich keine Probleme auf die Wochen-Harmonie zusteuern.

Die Punkte: Je 8 geben Josepha, Thorsten und Petra, 7 gibt Ashraf.

Somit liegt der rote Faden beinahe durchgängig in der Hand der Gäste.

Mit insgesamt 31 Umdrehungen geht Matthias ins Rennen um den Wochen-Sieg.

Guten Morgen, Gruß Silvia

Montag, 3. Mai 2021

2. Mai 2021 - ARD - Tatort Münster: Rhythm and Love


Foto: S. B.


Tatort Münster:
Rhythm and Love

Nach "Limbus", der mir rundherum gefallen hat,  habe ich einen Münsteraner Tatort übersprungen, weil mir seit längerer Zeit klar ist, dass man (mit Münsteraner Verhältnissen) einen wie Limbus kaum toppen kann. "Rhythm and Love" fügt sich dann auch leider in die Riege der Münsteraner-Krimis ein, die von einem bisschen Klamauk und viel seichtem Humor leben. Leider gehöre ich nicht zu den Leuten, die über alles lachen können ... und insgesamt zieht sich die Münster-Komödie langatmig dahin und wird schnell wieder aus meinem Kopf verschwunden sein. Nix Neues in der Mord-Szene Münster.


Inhalt

Ein nackter Mann wird tot aufgefunden. Er gehörte einer Kommune an, die sich der nach allen Seiten offenen freien Liebe verschworen hat. Das Wort Polygamie allerdings ist out,

denn heute heißt das Polyamorie.

In der Landkommune voller Hippies, die Seminare übers Trommeln und die Ekstase halten, werden von Anfang an keine Verdächtigen ausgemacht oder präsentiert. Dafür gerät der

Polizeisprecher in den Fokus der Ermittler. Dieser hatte ein Verhältnis mit dem Toten, ist außerdem verheiratet und hat zwei Kinder.

Damit die Welt am Ende rund ist, hatte auch seine Ehefrau mit dem Ermordeten ein Verhältnis. Diese hegt ihm unbekannte, mörderische Gedanken gegen ihren Mann. Am Ende verlässt sie ihn mitsamt ihren Kindern, denn eine der polyamoren Trommlerinnen meint, die Kinder hätten es gut im Wohnwagen-Camp, denn sie könnten Kartoffeln überm Feuer rösten und am Lagerfeuer sitzen ... für Kinder, die bis dato in einem großen Haus wohnten, ist das allenfalls für ein paar Wochen interessant. Und wie das wohl die Schulkameraden der Kinder sehen werden?

Der Mörder ist der Vater des Polizeisprechers, ein ehemaliger Kriminalbeamter. Ihm ging die Affäre seines Sohnes mit einem Mann gegen den Strich. Hätte er, falls er unentdeckt geblieben wäre, fortan jeden Lover seines Sohnes ermordet? Das ist regelrechter Quatsch!


Fazit

Boerne muss sich einen Plagiats-Vorwurf gefallen lassen, der schließlich völlig simpel aus der Welt geschafft wird.

Frau Haller verschlampt eine DNA-Probe, und das ist der Hauptstrang dieser Folge, der sich unnötig in die Länge zieht.

Den Schauspielern kann ich allen eine große Spielfreude bescheinigen. Die Freude vor dem Bildschirm ist getrübt. Das Spiel zieht sich in die Länge, obwohl jeder dieser Krimis gleich lang ist und in der 89. Minute endet. Ob man den Krimi mag oder eher nicht, liegt daran, wie

einfach man zum Lachen zu bringen ist. Was jeder einzelne unter Humor versteht, unterscheidet sich schließlich.

Ich finde gewollten, aber nicht gekonnten Humor. Leichte und schnell verdauliche Kost an einem Sonntagabend ist allerdings nicht zu verachten, besonders in dieser

schwierigen Pandemie-Zeit. Trotzdem darf auch in der leichten Unterhaltung mehr Sinn und Plausibilität stecken.

Einmal mehr heißt es in Münster: Lachen erwünscht!

Ich lache ebenfalls. Ich lache diesen Film aus.

Aufgrund der guten Darsteller gebe ich dennoch 3 von 5 möglichen Sternen. Sie seien laut herausgetrommelt ...

Guten Morgen, Gruß Silvia 
 

Samstag, 1. Mai 2021

1. Mai 2021 - Kurzgeschichte in 2 Teilen: 2. Teil: Der alte Mann und (s)ein Hund


 2. Teil der Kurzgeschichte:
Der alte Mann und (s)ein Hund



Wem gehört der Hund?

In dieser Nacht konnte John keinen Schlaf finden, denn sehr zu seinem eigenen Erstaunen plagte ihn das schlechte Gewissen. Ein freundliches Lebewesen war ihm tagelang gefolgt, als gehöre es zu ihm, und er hatte es achtlos wie eine beliebige Fundsache in der Tierarztpraxis zurückgelassen. Dass Mutter und Tochter Musebrink und Fengler sich um das Tier kümmern würden, stand außer Frage - insoweit konnte er Menschen durchaus einschätzen. Immerhin hätten beide auch die falschen Berufe, wenn sie den Hund einfach wieder auf der Straße aussetzen würden.

Vielmehr plagten ihn Gedanken, die sich entschieden gegen sein egoistisches Handeln richteten. Ich bin wie ich bin, rechtfertigte er sich vor sich selber, ich bin 75 Jahre alt und werde mich nicht mehr ändern.

Das liebe Gesicht des Hundes ging ihm trotzdem nicht aus dem Sinn. Er selber hatte sich nie als einsam empfunden. Er war allein, das stimmte, aber niemals einsam. Aber konnte er eventuell diese beiden Begriffe überhaupt nicht mehr auseinanderhalten? Und ... war der Hund einsam und wollte seine Einsamkeit nicht akzeptieren?

Widerwillig machte John sich auf den erneuten Weg zu der Tierarztpraxis. Die war noch gar nicht geöffnet, und er nahm auf der Bank im Garten vor der Praxis Platz. Noch war Zeit, sich wieder aus dem Staub zu machen. Was gingen ihn ein fremder Streuner oder die Tierärztin und ihre Mutter an. Sollten die beiden Frauen von ihm denken, was sie wollten ... er würde sie ohnehin nie wiedersehen.

Gerade in dem Moment, als er zögernd wieder nach Hause gehen wollte, kam Sabine Fengler um die Ecke zum Eingang der Praxis. An einer Leine vor ihr her lief der Hund, den er gestern hier zurück gelassen hatte.

"Gut, dass Sie hier sind", sagte die Frau. Der Hund zog kräftig an der Leine, die sie in der Hand hielt, um schnell zu John zu gelangen. Sabine ließ die Leine fallen, und der Streuner sprang seinen wohl "auserwählten Menschen", John, an.

"Sie sehen es", meinte Sabine, "er mag Sie sehr. Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Hund sich sein Herrchen derart nachdrücklich selber aussucht. Das reden sich die meisten Leute nur ein, aber hier sehe ich erstmals, dass es wirklich stimmt: er hat sie ausgesucht."

John brummte: "Ich bin ja nicht mal besonders tierlieb."

"Für einen einzigen Hund wird das schon reichen", meinte Sabine.


Der Hunde-Besitzer wird gefunden

Eine halbe Stunde später wusste Katja Musebrink aufgrund einer Nachfrage, dass der Hund "Eddie" hieß und eine Besitzerin hatte.

"Eddie", brummte John wieder, "also, das passt aber nicht."

Sabine lächelte. Wenn John der Name nicht gefiel, dann war er auf dem besten Wege, dass der Hund ihm gefiel ...

Aber natürlich lief das nicht so einfach ab, denn nun mussten Eddies Besitzer kontaktiert werden. Resolut legte Sabine John die Leine in die Hand und bat ihn, eine Stunde mit dem Hund spazieren zu gehen. Sie wollte sich inzwischen mit dem Halter von Eddie in Verbindung setzen.

John nahm, immer noch widerwillig, die Leine  und ging auf einen Spaziergang mit dem nun nicht mehr namenlosen Hund Eddie in Richtung eines Parks.

Eddie genoss sichtlich die Zweisamkeit mit John und kasperte an der Leine herum. Das führte dazu, dass John sich ein minimales Lächeln abzwingen konnte. Aber er drohte dem neuen Freund bereits, denn: "Du wirst gleich abgeholt. Vermutlich bist du deinen Leuten ausgebüxt."

Der Hund aber lebt dem Augenblick und nicht den vielleicht drohenden Unbillen des Lebens, die im nächsten Moment diesen Augenblick bereits zu einer steilen Auffahrt Richtung Unglück ebnen.

John aber konnte es drehen und wenden wie er wollte, er hatte Freude, mit Eddie durch den Park zu laufen. Und je näher die Rückkehr in die Praxis rückte, um so stärker wurden seine Bauchschmerzen ... das kannte John nicht, er hatte niemals gefürchtet, etwas zu verlieren. Der letzte große Schmerz war der Tod seiner Eltern vor so vielen Jahren gewesen. Dies hier war eine Episode, der Hund war eine Episode. Er hatte ein Zuhause und dahin würde er schnellstens zurückgebracht werden.

Trotzdem zog sich sein Magen zusammen.

Unterdessen hatten Sabine und ihre Tochter Gewissheit über das bisherige Leben von Eddie erhalten., u

Sabine setzte sich mit John auf die Bank vor der Praxis, Eddie war natürlich auch dabei. John dachte für einen Moment, dass sein Herz vor Aufregung schneller schlug ... aber das musste wohl Einbildung sein, beruhigte er sich. Er war es nicht gewohnt, mit Menschen zu kommunizieren, und das war es wohl, was ihn irritierte.

"Eddie hat einem alten Mann gehört, der sich schon länger nicht mehr um ihn kümmern konnte. Dann ist der Mann verstorben, und der Hund kam zunächst, und das war und ist bis heute eine Übergangslösung, zu seiner Tochter. Die Tochter will Eddie nicht zurück haben, oder wenn, dann bringt sie ihn dort hin, wo sie ihn auch letzte Woche hinbringen wollte, als er ausgerissen ist ... ins Tierheim. Eddie ist also herrenlos."

Sollte John nun erleichtert sein oder sich belastet fühlen? Ihm war klar, dass diese nette ältere Dame von ihm erwartete, dass er dem Hund ein neues Zuhause geben würde. Immerhin war er nach seiner gestrigen Flucht heute auch wieder zurückgekommen.

John blickte auf Eddie, Eddies Blick hing an John, und seine Augen flehten und becircten auf eine Art, wie nur Hunde es können ...


Drei Wochen später

Sabine hatte John eindringlich um eine etwa dreiwöchige Probezeit gebeten, in der er sehen sollte, ob es zwischen ihm und dem Hund passen könnte ... John fühlte sich von zwei Lebewesen gleichzeitig in die Enge gedrängt. Jahrzehntelang war er als Einzelgänger prächtig durch die Welt gekommen, und nun sollte er sich um einen fremden Hund kümmern - und auf den Rat einer fremden Frau hören. Es war schon eine ganze Menge, was man ihm abforderte.

Drei Wochen später wartete er wie zuvor auf den Bank, dass Sabine um die Ecke kam, die stets als erste die Praxis betrat und für ihre Tochter alles vorbereitete. Neben ihm lag der Hund zufrieden auf dem Boden.

"Er heißt jetzt Charles", sagte John anstelle eines Guten-Morgen-Grußes. Sabine lächelte: "Ja, Charles passt viel besser als Eddie."

"Charles hieß mein Vater", erzählte er, und stellte gleichzeitig fest, dass er gerade mehr redete, als er in den letzten 50 Jahren an Privatem erzählt hatte, und dass es vielleicht mit seinem Einsiedlerleben

kein gutes Ende nehmen würde.

"Charles und ich verstehen uns hervorragend, wir sind ein Team, und jeden Tag stundenlang in der Natur unterwegs ... aber ich bin hundeunerfahren ... ich weiß nicht, ob ich alles richtig mache ..."

"Charles wird Ihnen zeigen, was Sie wissen müssen", erwiderte Sabine, "er hat sich instinktsicher den richtigen Partner auf zwei Beinen ausgesucht. Und für alle Fälle werden meine Tochter und ich Ihnen gern zur Seite stehen, falls Sie es wünschen. Natürlich in diesem Fall kostenlos, was auch eventuelle Behandlungen betrifft, das sind wir Charles schuldig. Er hat uns nämlich gezeigt, dass es wirklich Hunde gibt, die sich "ihren Menschen" selber aussuchen."

Und John wusste nicht, wie ihm geschah, denn nun war er nicht nur auf den Hund gekommen, sondern auf gemeinsamen Spaziergängen mit Sabine

bahnte sich auch noch sehr langsam und vorsichtig etwas an, das John nie gekannt hatte.


ENDE
Copyright (wie alle meine Beiträge) Silvia Gehrmann 




30. April 2021 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Oberhausen und Umgebung (heute Duisburg) bei Sabine

Duisburg, Königstraße

Vorspeise: Goldgelbes Kartoffelstroh geht eine heiße Liaison mit der fruchtigen Pastinaken-Birnen-Suppe ein
Hauptgang: Zartes Iberico-Schwein, leicht beschwipst, taumelt durch Bella Italia und bleibt an der Steinpilzbar bei einer süßen Versuchung hängen
Nachtisch: Mango und Maracuja sind nicht abgeneigt, mal in die Rolle der Cherry zu schlüpfen


Sabine hat gut lachen

... denn ihr muss spätestens am Donnerstagabend klar gewesen sein, dass sie alle vorherigen Menüs toppen, und wenn ihres fair bewertet wird, ihr niemand den Sieg streitig machen kann. Selbstbewusst würde sie sich für ihr Menü 10 Punkte geben, will dann aber erstaunt sein, dass es beinahe genau so geschieht und ihr dreimal 10 und einmal 9 Punkte zufliegen.

Ihre Menü-Karte hat sie nach eigenen Angaben "verschlüsselt" geschrieben, weil sie eine lustige Person ist. Hier kommt mein Veto, nicht bezüglich ihrer Fröhlichkeit, denn die äußert sie mit zahlreichen Lachern und einem Gekicher ohne Ende, sondern in Puncto des "literarischen" Ergusses: kitschiger geht es nicht! 

Die ehemalige Bodybuilderin und jetzige Kantinenangestellte wohnt in Duisburg, und natürlich kann der Autor der Sendung es sich nicht verkneifen, wenigstens in einem kleinen Nebensatz die Mafia zu erwähnen, denn in 2007 wurden hier vor einem stadtbekannten Restaurant 6 Mafia-Mitglieder von anderen Mafiosis erschossen. Ich hatte das beinahe schon vergessen ...

Nicht vergessen habe ich, dass Sabine in den letzten Tagen zwar sehr kritisch war, aber sie keineswegs in die Top 10 der Dinner-Nörgler gehört. Ob sie mir sympathisch ist, ist eine andere Baustelle, und ich halte mich mit entsprechenden Bekenntnissen eines Fürs oder Widers zurück.


Fazit

Rückblickend hatte Sabine keine Konkurrenz in dieser Woche.

Diesbezüglich hätte sie mit ihren Kritiken ohne Probleme etwas sparsamer umgehen und nachsichtiger sein können. Das hätte der Herzogin-Camilla-Lookalike gut zu Gesicht gestanden.

Einen Kritikpunkt möchte ich äußern: das alternative Rind, das sie Lisa zubereitet und serviert, stammt aus Australien - eine weite Reise in Zeiten der Klima-Bewusstheit vieler Menschen.

Iberico-Schweinchen können auch in Deutschland gezüchtet werden ... aber ich hege die Vermutung, dass es Sabine insgesamt nicht wichtig ist, regional und saisonal zu kochen. Zumindest nicht für diesen Wettbewerb.

Der Nachtisch ist dennoch ein Knaller, obwohl auch die Mango darin nachweislich jede Menge Flugkilometer hinter sich gebracht hat, um hier ein Finale mitgestalten zu dürfen.

Die Punkte: Je 10 geben Lisa und Julia und Julia, 9 fallen dem Messerablutscher Alexander zu dem Menü ein.

Damit und mit 39 Umdrehungen gewinnt Sabine natürlich diese Dinner-Runde rund um Oberhausen.

Ich freue mich, dass Vox es nicht geschafft hat, fürs Ruhrgebiet fünf Larifari-Köche (immerhin waren die Kochergebnisse aber viermal nicht wirklich gut) zu verpflichten, denn oft macht es den Anschein, dass genau solche gesucht werden, wenn der Aufruf für dieses Gebiet erfolgt.

Mir bleibt, allen Lesern ein schönes Wochenende zu wünschen. Fragen, wie der Tanz in den Mai war, muss ich leider nicht. Es ist eben alles gestrichen, aber es bleibt die Möglichkeit, gut bekocht durch dieses Wochenende zu kommen - oder selber gut zu kochen.


Guten Morgen, Gruß Silvia