Mittwoch, 1. Januar 2020

1. Januar 2019 - Gastbeitrag von Gertrud Conradt über das "Glück"

Ein Gastbeitrag von
Gertrud Conradt


Mein Glück



Obwohl ich nicht gerade unter einem Glücksstern geboren wurde, ich kam mit einer angeborenen Hüftgelenks-Fehlbildung zur Welt, hab ich insgesamt doch mehr Glück als Pech gehabt.



Nach mehreren Operationen konnte ich ganz normal laufen und zur Schule gehen. Ich lernte lesen und somit ein Glück kennen, das mich durch mein ganzes Leben begleitet: Ich lernte die Welt der Bücher lieben.



Mit ungefähr 10 Jahren brachte ich mir mit dem Kinderrad meines Freundes selbst das Radfahren bei. Mein Onkel schenkte mir ein repariertes Rad. Endlich konnte ich zur Schule fahren, denn laufen ging zwar, aber ich wurde schnell müde. Das Rad war mein Pferd und ich ritt mit Winnetou durch die Prärie, ein großes Glück: Ich hatte Karl May entdeckt.



Mit 17 lernte ich meinen späteren Mann kennen, der genau die gleiche Krankheit in seiner Kindheit durchgestanden hatte. Das bedeutete, wir verstanden uns, so wie gesunde Menschen uns vielleicht nie verstanden hätten. Wir würden unzertrennlich. Hatte ich nicht das große Glück, ihn zu treffen?



Wir heirateten, bekamen 3 gesunde Kinder. In unserer Familie gab es keine lebensbedrohlichen Krankheiten. Wir waren auch freundschaftlich verbunden, brauchten niemanden, waren einander genug. Natürlich gab es auch Differenzen, aber nichts Ernstes. Was das Leben an Kummer brachte, standen wir zusammen durch. Zuerst bekam er neue Hüftgelenke, später ich. Egal, wir wussten ja, was das für den anderen bedeutet.  Das schweißte uns noch mehr zusammen. Ein großes Glück.



Mit 24 brachte ich mir endlich das Schwimmen bei. Mein Mann hatte versucht, es mir beizubringen, aber er schaffte es nicht. So übte ich im Nichtschwimmerbecken,  bis ich es konnte. Ich hatte keine Angst vor dem Wasser. Als ich es geschafft hatte, das Schwimmerbecken zu durchqueren, war ich ausgesprochen glücklich, denn im Wasser hatte ich keine Schmerzen.



Die Jahre vergingen, die Kinder wurden erwachsen und verließen bis auf den Jüngsten die Familie. Sie hatten eine gute Berufsausbildung und einen festen Arbeitsplatz. Beide taten es ihren Eltern nach und suchten sich Partner, mit denen sie heute noch zusammen sind. Ein Enkel kam, der 2020 sein Abitur machen wird, als erster in unserer Familie. Ich glaube, ich kann nur dankbar sein.



Wir waren 45 Jahre verheiratet, und immer noch das gleiche Dreamteam wie eh und je, als mein Mann plötzlich starb. Aber, obwohl es mich sehr getroffen hat, war es doch ein großes Glück, dass er nicht leiden musste.



Ein letztes großes Glück möchte ich noch nennen. Ich bin nicht allein, denn mein Jüngster wohnt bei mir und wir vertragen uns gut. Meine älteren Kinder samt Familien stehen mir bei, wenn ich es brauche und Silvia stellt mir Ihren Blog zur Verfügung, wenn es mir hilft.



Nun sagt doch selbst, ich hatte und habe viel Glück in meinem Leben.

Ein gutes neues Jahr wünscht Gertrud Conradt



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