Freitag, 13. Februar 2015

13. Februar 2015 - Karneval - Ein Beitrag von ruddon



Ein Beitrag zum Karneval von unserem Rudi

Liebe Freunde des Karnevals.

Nun steht sie wieder an, die verrückte Zeit, die tollen Tage vor der Fastenzeit.
Ich will heute mal u.a. von den Umzügen erzählen, und da gab es einige in meinem Leben.
Die Menschen gehen ausgelassen und voller Hoffnung auf die Straßen.
Ja, früher machten alle mit, da wurde getanzt und gejubelt.
Nun, die hatten es ja auch einfacher: Kaum einer hatte Geld und was sollten sie sonst tun.
Da hat sich doch in unserer Zeit vieles geändert, natürlich nur zum Guten. – Helau und Alaaf -
Heute lässt man feiern, mit Kostümen aus guter Produktion, eine Edelmarke muss schon erkennbar sein. Man will gesehen werden und anderen zu schauen, wie es uns das Fernsehen gelehrt.
Natürlich gibt es auch welche, die den Anschein geben, dass sie feiern, aber da wird sofort gemunkelt, dass das Bühnen-Profis seien.

Aber mal zum Anfang.

Als ich als kleiner Bub ins Rheinland verschleppt wurde, wusste ich nichts vom Karneval.
Die ersten Bürger verbrachten ihren Urlaub am Gardasee, natürlich auf Kredit.
In der Zeit begann auch wieder der Karneval, natürlich erst mal im Rheinland.
Es war schon seltsam für mich, was sich die Leute da anzogen und was sie auf den Straßen vollführten. Doch es sah lustig aus und steckte an. Natürlich wollten wir Kinder da auch mitmachen und uns verkleiden. Einfach mal einer von denen „Von den Blauen Bergen“ sein.
Nun es dauerte etwas, bis sich meine Eltern, besonders meine Mutter dafür begeisterten und so bekamen wir auch eine Verkleidung. Einen Papphut und Revolvergürtel mit Pistole.
Damals gab es die Kaufhalle noch und so konnte man preiswert einkaufen.
Aber welches Kind interessiert schon, was es kostet und damals waren Marken meist unbekannt.
Wir waren dabei und es machte Spaß, auch wenn die Revolvermunition nur aus Papierschlangen mit einer Pulverspur bestand. Es machte Peng, nicht laut, aber es genügte.

Die Jahre gingen ins Land und nicht nur wir veränderten uns.

Als Jugendliche hatten wir ein bisschen Geld, aber für die Sitzungen, die damals aufkamen reichte es noch nicht. Aber für den Straßenkarneval reichte es, natürlich nur für eine Cola als Erfrischung zwischendurch.

Von Altweiber hatten wir schon viel gehört, durch weitersagen und nicht durchs I-Net.
Da wir jetzt etwas länger draußen bleiben durften, wollten wir uns natürlich das Treiben ansehen.
Doch der Begriff stimmte nicht so ganz, denn es waren zwar meist alte Weiber, aber sie hatten Masken auf, in denen sie jünger aussahen. In der Kleinstadt, in der ich damals wohnte, war es ja kaum zu verhindern, dass ich auch meiner verkleideten Mutter über den Weg lief. Die kam sofort auf mich zu und schlug mir die Pritsche, die Gott Lob aus Pappe war, ins Gesicht Da hatte ich über den ganzen Karneval hinweg ein Andenken. Natürlich stellte ich mich an, so ihre Worte im Nachhinein.
Einen Rosenmontags-Umzug gab es ja auch dort. Nun ja, heute würde man sagen, das war mickrig und jeder Stadtteilumzug heute hat mehr zu bieten. Aber für damals war das schon gut.
Herrlich fand ich besonders die Kanone, sie verschoss Papierkugeln, aber so groß wie Fußbälle.
Da splitterte so manche Fensterscheibe. Ob ein Glaser die Kanone bediente, wer weiß.
Aber dennoch hatten wir alle sehr viel Spaß und Freude, fast ohne Geld.


Einige Jahre danach zog ich nach Köln. Das war ja was: Die Hauptstadt der Karnevals. Nervös fieberte ich schon dem Karneval entgegen. Dann war es soweit, es ging los. Menschen über Menschen, Uniformen ohne Ende, bunte Wagen und schreiende Leute. Ich fand´s einfach toll. Allerdings sah man sehr wenig, man kam ja kaum in die Nähe des Umzugs.
Nun kennt ja fast jeder den Karnevals-Schlager aus Köln „Trink doch ene mit ….“! Ich also anschließend in diverse Kneipen. Ich wollte nichts auf lau, sondern hätte gerne auch etwas ausgegeben, denn Geldmangel hatte ich da nicht mehr. Wie es immer so ist, die Realität ist ganz anders. Man erkannte mich als Immi, also einer der nicht dazugehörte. Ja der weltoffene Kölner!

Erst Jahre später, ich hatte Freunde, bzw. Saufkumpane gefunden, änderte es sich. Es gibt genug Kneipen in Köln, wo nicht nur gebürtige Kölner verkehren, man muss sie nur finden.

Ab dann war es wirklich schön in Köln, der Hauptstadt des Treibens. Wenn ich die ganzen Volksmusiker, wie „de Höhner“, die „Black Föß“ usw. im TV oder Radio höre, denke ich mir immer: „Es ist halt Karneval und da darf man auch lügen.“

Irgendwann verschlug es mich also nach Düsseldorf, der Beamtenstadt am Rhein. Hier gibt es sogar einen Stadtteil, der „das Tintenviertel“ genannt wurde, weil dort nur Beamte wohnten.

Die Zeiten hatten sich weiter geändert, alles wurde größer und dem Kommerz unterworfen.

Nun egal, man hatte es ja, und mal ein paar 100 DM ausgeben war nicht so schlimm.

Da rannte ich zu diversen Sitzungen in den Stadtteilen, davon gab es damals viel mehr und es machte wirklich Spaß. Mit den Frauen steigen die Bedürfnisse, welcher Mann kennt das nicht.

Als ich meine Frau kennenlernte, waren natürlich die großen Sitzungen für mich Pflicht.

Nee was habe ich gegähnt und ohne Alk wäre ich glatt eingeschlafen. Über Geld will ich gar nicht sprechen, das gehört eben dazu. Eintritt mind. 50 DM, Garderobe 12 DM, 1 Flasche Wein ab 32 DM, 1 Fässchen Bier (10 L) ca. 100 DM usw.. Nee was war das alles eine Freude. – Helau -

Später bekam ich eine Einladung zu einer Kölner Karnevals-Sitzung im Satory.

Wie es der Teufel manchmal so plant, musste ich einen Tag vorher zum Zahnarzt-Notdienst und mir wurde ein Zahn ausgegraben. Natürlich blutet das lange und Alk kann man für ein paar Tage vergessen. Egal, hin nach Köln. Eine wirklich schöne Sitzung und wir haben viel gelacht. Die anderen tranken Wein und ich Traubensaft, denn es blutete immer noch leicht. Dann der Schock des Abends. Auf der Bühne stand gerade der von der blauen Partei und war echt lustig. Da kam ein Ordner auf die Bühne und holte ihn runter, denn Kurt Lauterbach war eingetroffen und hatte wenig Zeit. Also wurde er vorgezogen. Die Buhrufe der Zuschauer interessierten niemanden vom Festkomitee. Die Stimmung war im Eimer. Ich war echt sauer und am nächsten Tag hatte ich Durchfall vom Traubensaft. Herrlich, so eine Stimmung mit Folgen – Alaaf

Aber ich wollte eigentlich von den Rosenmontagszügen erzählen.

Nun ist es ja schon lange so, dass Düsseldorf die besseren Motto-Wagen hat.

Die muss man doch mal aus der Nähe sehen und nicht immer mit dem Holländer, dem Jan Wellem, im Blick. Also frühzeitig in die Stadt und einen guten Platz aufsuchen.

Der Düsseldorfer Rosenmontagszug zieht ja immer durch die Altstadt. Da gibt es fast nur Fußgängerbereiche und entsprechend breit ist es dort. Besonders am Rathaus, wo auch eine Bühne für die Honoratioren aufgebaut ist. Auf der anderen Straßenseite, da ist der Rathausplatz und da würde die Bühne nicht stören. Aber welcher Politiker oder Beamte stört nicht gerne.

Nee, da wollten wir nicht sein, also auf die Kö, die ist schön breit und man sieht wirklich was, dachten wir. Zwei Stunden vor Zugbeginn hatten wir uns mit mehreren dort versammelt, direkt an der Absperrung. Klar liefen auch schon einige Narren  dort rum, aber sie liefen. Als der Rosenmontagszug die Altstadt erreicht hatte, wurde man informiert, und wir  standen nicht mehr in der 1. Reihe, nein in der 12. Als der Zug aus der Altstadt rauskam und für uns in der Ferne sichtbar wurde, standen wir schon in der 20. Reihe. Nun ging es los. Eltern schickten ihre Kinder nach vorne, die Kleinen wollen ja auch was sehen und dann die Süßigkeiten aufsammeln. Fast hatte uns der Zug erreicht, als der nächste Akt kam „Darf ich mal durch zu meinem Kind?“ Nochmals 5 Reihen weiter hinten. Dem Zug voraus reitet immer die Polizei mit Pferden, damit die Straße frei wird. Welch ein Hohn! Als die ersten Wagen uns erreichten, standen rechts und links davon 3-4 Reihen von Leuten. Die Wagen konnte sie höchsten von unten sehen, aber darum ging es denen ja nicht. Raffen, was das Zeug hält, dabei war es egal ob die Bonbons aus Polen kamen, sie waren umsonst. Noch besser waren Leute in teuren Kostümen, die an die Wagen rangingen und ganze Kartons bekamen. Ja die Reichen können sich sowas ja nie leisten. Allerdings wurde da, wo wir standen, kaum etwas geworfen, es war ja keine Kamera in der Nähe. Auf dem Heimweg sahen wir einige volle Mülleimer, wo die ach so schwer erbeuteten Süßigkeiten drin lagen. „Kamelle, der Prinz kommt.“ – Helau -

Fazit dieses und weiterer Umzüge: Wer was sehen will, bleibt zu Hause vor dem Bildschirm. Das Gedrängel, die Brandlöcher in der Kleidung, Würfelhusten-Spuren, von Scherben beschädigte Schuhe, Taschendiebstähle und einiges mehr bleiben einem dann auch erspart.

Durchgefroren und enttäuscht ging es dann auf den Heimweg, endlich konnte man sich wieder bewegen. Man könnte eigentlich unterwegs wo Einkehren, aber die Kneipen sind übervoll, zumindest im Stadtkern, was aber verständlich ist. Ob man in seiner Stammkneipe noch einen Platz bekommt ist auch fraglich, denn die vielen Besucher aus dem Umland haben ja auch Durst.

Also ab nach Hause, Kaffee und Berliner auf den Tisch und die Glotze anmachen, vielleicht sieht man noch etwas von dem, wofür man eigentlich stundenlang am Zugweg stand.

Ich bleibe lieber zu Hause und schaue es mir im Fernsehen an. Von dort aus sieht es auch lustiger aus. Wie ja selber oft erlebt, jubeln und tanzen am Zugweg nur Leute, wenn sie der Kamera gewahr werden. Karneval = lustig? Im Leben nicht, im Leben nicht.

Helau und Alaaf – rudi aus dem Dorf

12. Februar 2015 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Hamburg bei Linda

Foto: M. R.

Aperitif: New York Feeling
Vorspeise: Cremige Apfel-Anis Suppe mit Kürbiskäse
Hauptspeise: Mit Aprikosen gefüllter Portobello zu Camargue-Reis, Koriander-Erdnuss-Chutney und Avocado-Trüffel
Nachspeise: Liebevolles Kürbiseis mit kandierten Pecan-Nüssen


Allein unter Männern

ist Linda in ihrem kulinarischen Foltertempel. Nicht dass ihr Menü vegetarisch ist, bedeutet Folter, sondern die "Auge isst mit"-Devise, die so überhaupt keine Anwendung findet, dass man das meiste nun wirklich nicht essen möchte. Kinder in Sandkästen backen optisch reizvollere Kuchen. Da sie selber Fisch isst, hätte sie durchaus im Hauptgang Fisch reichen können. Wäre nur eine Möglichkeit gewesen.

In ihrer Küche ist sie in voller Seelenruhe tätig, aber hoffnungslos überfordert. Unappetitliches Herumgemansche von diversen Zutaten kann so manchen verleiten, an diesem Dinner-Abend nicht nur den Ton, sondern auch das Bild abzustellen. Nun, das kommt für mich natürlich nicht in Frage.

Besonders ad absurdum führt die Beschreibung im Nachtisch "... liebevolles Kürbiseis ...". Natürlich kann ein Eis nicht liebevoll sein, höchstens mit Liebe hergestellt - aber selbst das bleibt dem Betrachter vor dem Fernseher gnadenlos verborgen.

Völlig beziehungslos zum Titel der Sendung sind auch Vorspeise und Hauptgang.

In Beziehung zum Chauvinismus treten hingegen Till, Thomas und Marcel ihren Feldzug zum Titel "Clown des Jahres" an. Allenfalls treten bei Männern solche Attribute auf, wenn sie völlig unter sich weilen und mal einer ganzen nicht vorhandenen Welt zeigen möchten, wie toll sie sind. Hier ist jedoch eine große Zuschauer-Gemeinde anwesend. Und vor Ort die von den Menüs der bisherigen Mitstreiter enttäuschte Linda. Es wäre interessant, zu erfahren, wie ihre Kritik ausfallen würde, wenn jemand anderer ihr das vorsetzt, was sie im Rennen um den Geldtopf in die Runde schmeißt.

Doch dann kommt alles anders als gedacht, und ich muss mich ins Reich der Spekulationen begeben. Denn eine Handhabe und Gründe für die Großmänner-Tat, je neun Punkte für Lindas Desaster-Dinner zu geben, sind in keiner Weise ersichtlich - und bleiben selbst im Reich weitläufiger Phantasie-Bemühungen stecken.

Eher war dies eine Regie-Anweisung von Vox, mit entsprechend lockenden Belohnungen hinter den Kulissen. Weiß man in der Redaktion bereits, dass die Ausstrahlung an Altweiber-Karneval läuft, so kommt einem jecken Redakteur diese blendende Idee. Und "Das perfekte Dinner" bleibt im Gespräch.

Eine alternative Möglichkeit ist, dass die Herren selber auf die "glorreiche" absurde Idee kommen. Warum auch immer! Eine Überdosis Testosteron bei allen Kerlen schließe ich aus. Ebenso ausschließen möchte ich, dass ihr Dinner wirklich so hervorragend geschmeckt hat.

Mit insgesamt sechsunddreißig ermanschten Punkten möchte ich Linda demnächst bitte in einer Runde der "Besten der Besten" sehen. Vielleicht an einem 31. Februar.

Helau und Alaaf, Biene

Donnerstag, 12. Februar 2015

12. Februar 2015 - Karneval - Altweiber-Fastnacht


Altweiber-Fastnacht

Ihr alten und jungen Weiber
stürmt Rathäuser
und tragt Narrenkleider.
Entmachtet den Bürgermeister -
denn nicht nur auf die kleine Frau,
da scheißt er sonst, der eitle Pfau.

Dann okkupiert ihr die Kneipen der Stadt,
und es gibt Bützches und Alkohol satt.
Die Kerle auf der Suche nach den närrischen Frau'n
lauern euch auf und tanzen mit euch
durch die Donnerstagnacht -
so ist Altweiber auch gedacht.

Die fünfte Jahreszeit im Undercover-Outfit,
ein Lachen hier und eines da,
ein lautes Lachen gibt es aber nicht erst wieder nächstes Jahr.




Viel Spaß allen, die heute feiern,  wünscht Biene

11. Februar 2015 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Hamburg bei Dominik

Foto: M. R.

Aperitif: Gin Basil Smash
Vorspeise: Black Tiger Shrimps auf Spicy Chili-Minz Bulgursalat und einem Mango Lassi
Hauptspeise: Gerubbte Raz al Halout - Barbarieentenbrust auf Pflaumen-Salsa mit einem Koriander-Maistörtchen an Schwarzriesling-Jus
Nachspeise: Duett von der Mousse an Caipirinha-Sorbet mit Macadamiaknusper


E-Mail für dich

In einem Internet-Forum haben Dominik und Sara sich kennen gelernt, E-Mails flogen hin und her - und zu einem ersten Treffen hat er sie zu einem Picknick eingeladen. Mal schnell ein paar Talente gleich beim Kennenlernen zu offenbaren, ist keine schlechte Idee. Man kann davon ausgehen, dass er alle Picknick-Genüsse selbst zubereitet hat, und sie somit - abgesehen von anderen Vorzügen - von sich überzeugt hat.

Kochen sei für ihn Offenbarung, sagt Dominik gleich zu Anfang. Im Gegensatz zu vielen anderen Hobby-Fernseh-Stars lässt er den Worten jedoch Taten folgen. Und da er auch als Survival- und Extrem-Läufer häufig unterwegs ist, kann ihn mental nichts so schnell aus der Bahn werfen.

Eher wird an diesem Koch-Abend Marcel aus seiner Umlaufbahn geworfen, der sich schon auf der Ziellinie zum Sieg wähnt. Mäkelkräftige Unterstützung erfährt er dabei von Linda, die als Fisch essende Vegetarierin? selbstverständlich den vollen Durchblick hat - und kompetent vom Leder zieht. Sorry, nicht vom Leder. Von der Fischhaut?

Während Dominik cool mit zwei Stromausfällen umgeht (Mittwochs grüßt das Murmeltier?), legt Thomas "Hand auf", um Tills Kopfschmerzen zu vertreiben. Nun, schaden kann das ja nicht. Der vermeintliche Nutzen wird von Marcel und Linda mit einem Lachflash gekontert. Damit muss der angehende Schamane leben, es wird nicht die einzige Erwiderung seiner vermeintlichen Kunst bleiben, die ins Lächerliche zielt.

Gar nicht lächerlich macht sich Dominik: Trotz Stromausfall gelingen ihm alle Speisen und werden ausgefeilt auf den Tellern angerichtet. Auch hier sind es kleine Portionen, aber doch keine, die man mit der Lupe suchen muss - und die noch vor dem erlebten angedeuteten Geschmack den Gaumen runter rutschen wie bei Marcel.

Thomas ist hin und weg, und dem heute etwas ruhigeren Till scheint es ähnlich zu gehen. Beide geben je zehn Punkte. Während Marcel und Linda es fertig bringen, sich je acht Punkte abzuringen. Vermutlich zucken die Hände eher bei der Tafel mit der Sieben, doch dazu fehlt ihnen zum Glück ein letzter Rest an Skrupellosigkeit.

Insgesamt sechsunddreißig Punkte verhelfen Dominik zu einem Gleichstand mit Marcel. Das ist schade für den heutigen Gastgeber, aber so ist das Spiel: Gerecht ist es selten.

Heute an Altweiber-Karneval wird Lindas Dinner ausgestrahlt - und wer sich nicht ins Getümmel stürzt, um gemeinschaftlich abzustürzen oder auch nur Spaß zu haben - der hat die Freude, sie kritisch zu bewerten oder sich an ihr zu erfreuen.

Moin Moin, Biene

Mittwoch, 11. Februar 2015

10. Februar 2015 - Vox - Goodbye Deutschland - Ronald Schill in Brasilien


Denk ich an Deutschland in der Nacht

... bin ich um den Schlaf gebracht.

Ronald Schill kennt unseren Heinrich Heine und zitiert ihn mit Freuden, er ist ja kein dummer Mensch. Einst als Richter Gnadenlos in Hamburg stadtbekannt, dann als Senator und Begründer einer eigenen rechtsgerichteten Partei, lebt er nun in einer Favela in Rio de Janeiro. Das ist kein Aufstieg, aber er redet noch immer wie ein dem Volk abgewandter Richter - alles ist wunderbar! Umgebung sicher vor Kriminalität, Sonne satt, genug Kohle. Genug Kohle? Er lebt in einem armseligen Häuschen oberhalb des Luxus von Rio und abseits von Reue über vergangene Taten.

Auf keinem fliegenden Teppich, sondern ganz unspektakulär mit einem Flugzeug reist Janina an, eine ehemalige Verkäuferin, die man in Verbindung mit Bohlen, Teppich und Luder kennen gelernt hat - ob man wollte oder nicht. Seitdem reist sie als Luder durch die Gegend. Wovon sie genau lebt oder wer sie sponsert, um ihr Luxusleben zu gewährleisten - man weiß es nicht. Noch hat niemand sie in eine Sprachschule geschickt, damit sie der deutschen Sprache mächtig wird. Aber das ist es wohl sowieso nicht, was manche an ihr schätzen.

Schill scheint von Intelligenz auch eher abgestoßen als angezogen zu werden. Weibliche Rundungen sind ihm lieber als intelligente Gehirnwindungen. Manchmal leben gleich zwei Frauen mit ihm in seiner Hütte. Jetzt, da Janina Brasilien nervt, hat er die aktuellen zwei Girls auf Tour geschickt.

Zwei Protagonisten, eindeutig von Vox eingekauft - sie trennen Welten, und doch eint sie beide das Schmarotzertum: Schill ging bereits mit 45 Jahren am Ende seiner Zeit als Senator in Pension. Das ist möglich, wenn man politisch tätig war. Janina schmarotzt sich ohne Talente und erkennbare Einsatzmöglichkeiten für richtige Berufe durchs Leben. Der eine hat seine Intelligenz falsch eingesetzt. Die andere wird es mit ihrer Dummheit noch weit bringen: Bis zum  40. Lebensjahr vielleicht? Und dann?

Der eine redet noch immer wie ein Politiker, die andere bringt keinen vernünftigen Satz zustande. Da haben sich zwei gesucht und gefunden - und wieder verloren. Auf Dauer braucht Janina Luxusjachten mit Hubschrauberlandeplätzen und keinen verarmten Richter, der sich nach Brasilien zurück gezogen hat. Man könnte Janina mit Robert Geiss zusammen bringen. Und Ronald Schill mit Carmen Geiss. Einmal kräftig durchmischen, dann stimmt es wieder bei Goodbye Deutschland.

Goodbye, Gruß Biene

10. Februar 2015 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Hamburg bei Marcel


Vorspeise: Kräutersaitling/Fichte/Blüten
Hauptspeise: Schweinebauch/Hummer/Port
Nachspeise: Schokolade/Fleur de Sel/Karamell


Viel Lärm um nichts

und nur ein Hauch einer Idee vom Sattwerden. Der eine lässt sich Parfum-Proben in Reagenzgläschen abfüllen, der andere punktet Essenspröbchen auf die Teller.

Der Barkeeper lebt in einer Wohnung mit seiner Freundin, die sich nicht zeigt. Dafür geht er erst einmal in einen Deko- und Möbelladen zum Einkaufen, um einem überraschten, jedoch bereits vollständig TV-tauglich ausgestatteten Freund zu erzählen, dass er beim perfekten Dinner mitmache - und noch ein paar Ausstattungsgegenstände benötige. Die 120 Euro für die recht geschmacksverirrten Dinge hätte er besser in einen Pizza-Bring-Dienst investiert, der seine Gäste wenigstens gesättigt hätte. Doch so ist das Dinner nicht gedacht, er muss selber ran und Lebensmittel atomisieren.

Im Sous Vide-Gerät soll ein Schweinebauch sich am Ende für sechsunddreißig Stunden geschmacklich zu einem Hochgenuss entfaltet haben. Er nimmt sich einen Hummer vor, den er lieber frischer - sprich lebendig - bekommen hätte und friemelt das Fleisch so weit auseinander, dass am Ende ein winziges Stückchen für jeden übrig bleibt. Ohne Lupe kann man es kaum erkennen. Ein kleiner Baustein in seinem Designer-Werk. Nicht mal Babies würden an diesem Abend satt werden. - Dafür hampelt Marcel in seiner Küche von einem Bein auf das andere und schaukelt wortgewandt seine Speisen genau so hoch. Viel Schaumschlägerei und heiße Luft.

Doch eine böse Schreiberin macht die Rechnung ohne die Gäste auf: Die drohen bereits zur Vorspeise in himmliche Genuss-Gefilde abzudriften, so sehr begeistert sie der eine und einzige Pilz auf ihrem Teller. Immerhin sind die Teller mit je zwei essbaren Blüten dekoriert, die bei weitem die Sättigungsbeilage zum Hauptgericht an Volumen übertreffen.

Unübertroffen kommen drei Tropfen Möhrenbreichen in der Größe eines Ein-Cent-Stückes neben das Würfelchen Bauchfleisch, abgerundet durch den Hauch eines Pinselstriches  Jus. Wer hungrig ist, wird heute nicht mehr satt werden. Linda bekommt alternativ einen kleinen Reis, den ich als Risotto  nicht identifiziere.

Thomas und Marcel haben vermutlich bereits einen Freundlich- und Gefälligkeits-Pakt geschlossen, denn Thomas findet die schönsten Worte für diese teilweise absurden Kleinigkeiten. Mehr gute Worte als gutes Essen - so das Fazit. Als Cliffhanger zur Werbepause hält Thomas eine Überraschung bereit: Er überreicht dem Gastgeber ein Fläschchen mit dem Hauch eines Parfums, das er für ihn als passend empfindet. Dass dies von Marcel mit Begeisterung angenommen wird, passt ins Bildchen.

Der Nachtisch ist ein Schokoladenkuchen, der in einer Mikrowelle hergestellt wird. Ein erster und einziger Anlass zur Kritik der ansonsten wohlwollenden Gäste.

Mit sechsunddreißig Punkten für sechsunddreißig Gramm Essen ist Marcel bestens und überbewertet bedient.  Sie unterstützen den Barkeeper auf dem Weg zu seiner Selbstliebe, der genau mit dieser Punktzahl gerechnet hat.

Jetzt würde mich mal die Meinung von Dirk aus der letzten Woche interessieren. Aber so was von.

Heiliger Strohsack, Gruß Biene

Dienstag, 10. Februar 2015

9. Februar 2015 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Hamburg bei Thomas

Foto: M. R.


Aperitif: Crémant mit Walderdbeerlikör
Vorspeise: Gratinierte Feigen mit Ziegenkäse und Honigkruste im Parmaschinken-Mantel
Hauptspeise: Entenbrustfilet mit Cranberrysauce an karamellisierten Apfelspalten
Nachspeise: Linzer Törtchen an Tonka-Schaum


Ein Leben ohne Mops ist sinnlos, aber möglich (Loriot)

Eines dieser schwer um die tägliche Luft ringende Lebewesen hat Einzug bei Thomas gehalten. Und damit das Tier noch weniger Luft bekommt, transportiert er es auf dem Rücken liegend auf seinem Arm.  Als Krönung heißt der arme Mops "Gucci", ein direkter Hinweis auf den "Verwendungszweck" Modehund. Im übrigen sind Hunde-Namen wie "Gucci" oder "Chanel" und Konsorten etwa so einfallsreich wie Thomas' Menü.

Der Künstler-Coach und Heilpraktiker für Psychotherapie lebt außerdem noch mit seiner Freundin Annika zusammen. Für die unkundigen Zuschauer gibt es eine Einführung in den Beruf eines Heilpraktikers und in die Tätigkeiten des Gastgebers im Besonderen: Er lernt Schamanische Techniken und legt Hände auf, um zu heilen! Die darauf folgende heilende Sanierung erfolgt vor allem zu seinen eigenen Gunsten. In jedem Fall einer psychischen Erkrankung ist es angebracht, einen Psychologen oder einen Psychiater aufzusuchen. Hände auflegen! Frei nach Rudi sage ich jetzt mal SCHREI!

Seine Gäste müssen vor der Wohnungstür erst einmal ihre Schuhe ausziehen, damit sie den Fußboden nicht kontaminieren. Läuft das Aufnahmeteam auch auf Socken herum? Da bin ich echt "von den Socken".

Zur Vorspeise reicht er einen Salat. Und ein Salat ist ein Salat, egal, was er für gekaufte Zutaten enthält. Weder kann man daran viel kritisieren noch vor Begeisterung Freudensprünge veranstalten. Hand auflegen ist sein Ding, Hand anlegen eher weniger.

Die Entenbrust zur Hauptspeise kommt ohne Sättigungsbeilage auf den Tisch, denn der Gastgeber verzichtet seit geraumer Zeit auf diese - und für Gäste eine Ausnahme zu machen, erscheint ihm wohl überflüssig. Dafür gibt es in Zucker gewendete Apfelscheibchen mit Zwiebeln dazu.

Als Nachtisch reicht er Linzer-Torte. Der vermutlich aufwendigste Gang ist jedoch kein echter Nachtisch im Sinne eines abgerundeten Dinners.

Wirkliches Nachdenken setzt bei Thomas auch nicht ein, als er hört, dass die einzige weibliche Teilnehmerin in dieser Woche, Linda, Vegetarierin ist. Immerhin hat er für den Fall der Fälle einen Bratling im Hause. Ist sicher das, was Vegetarier stets vorgesetzt bekommen, wenn jemand sich nicht viele Gedanken machen möchte.

Thomas bekommt siebenundzwanzig Punkte, obwohl er sich selber zehn satte Punkte gegeben hätte. Vermutlich hätte er vorher "Hand auflegen" müssen bei den Gästen, damit sein Wunschdenken mit der Realität konform geht.

Hummel, Hummel, Gruß Biene