Donnerstag, 10. Oktober 2019

9. Oktober 2019 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Hamburg bei Luise

Vorspeise: Grüner Spargel mit karamellisierten Haselnüssen und Aprikose, dazu geräucherter Ziegenkäse und Dijon-Dressing
Hauptgang: Saibling mit Poveraden und Kartoffel-Oliven-Stampf an Sauce Rouille
Nachtisch: Karottenkuchen, dazu saure Karotten und Dill-Granité


Was Butter und Whisky nicht heilen, dafür gibt es keine Heilung - Sprichwort

Ich glaube nicht an Karma, weil es eine ausgleichende Gerechtigkeit nie geben kann. Trotzdem ist es immer wieder erstaunlich, wie der Spruch meiner Oma "Die kleinen Sünden bestraft der Liebe Gott sofort" Genugtuung erfährt. Luise, die Marc als einzige am Vortag sehr wenige Punkte gegeben hat,

verliert ihren Schlüssel, muss einen Schlüsseldienst rufen, schläft aus dem Grund fast die ganze Nacht nicht, wie sie angibt (halte ich für übertrieben) und bereut nun halbherzig die 6 Punkte, die sie für Marcs Dinner übrig hatte. Denn Marc hat seine Wohnung auf der Suche nach dem Schlüssel auf den Kopf gestellt. Gefunden hat er den Schlüssel nicht.

Und ich denke, die Punkte zu bereuen, weil er hilfsbereit war, würde ihm auch nicht gefallen. Immerhin hatte Luisa nicht nur ein oder zwei Kritikpünktchen an seinem Menü wie sie es abschwächt, sondern hat es eher in Grund und Boden gestampft.

Heute will sie selber zeigen, was sie drauf hat. Innovation ist ihre Devise, und damit will sie ihre Gäste überzeugen.

Die Vorspeise überzeugt mich persönlich schon mal überhaupt nicht. Der Stampf mit Pelle an den Kartoffeln im Hauptgang  ... muss das so sein? Mir persönlich würde das nicht einmal etwas ausmachen, aber ich kenne einige Leute, denen Kartoffelschalen ein Graus sind.

Über den Nachtisch kann ich nur soviel sagen: Würde ich gerne mal probieren.

Alles in allem: Sehr, sehr viel Butter als Inhalt. Dafür keinen roten Faden (aber der muss ja nicht unbedingt vorhanden sein).

Luisa jedoch verkauft ihr Dinner absolut perfekt: Nebenbei wird ihr bescheinigt, eine gute Gastgeberin zu sein.

Sie sahnt oder buttert 38 sagenhafte Punkte ab: Je 9 von Daria und Marc und je 10 von Bernd und Henning.

Es ist kein Orakel, wenn ich annehme, dass ihr so schnell niemand mehr die Butter vom Brot nimmt.

Mein Kritikpunkt an diesem Abend gilt ihrem unaufhörlichem Geplapper, denn vom Essen kann ich schließlich nichts probieren. Manchmal wünschte ich es mir genau umgekehrt. Oder ich wünschte mir, die Leute würden wenigstens etwas (aus)sagen anstatt nur zu reden.


Guten Morgen, Gruß Silvia 



Mittwoch, 9. Oktober 2019

8. Oktober 2019 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Hamburg bei Marc


Vorspeise: Matjestatar auf Kartoffelrösti mit Mangochutney und Salatbeilage
Hauptgang: Rinderfilet und Süßkartoffelstampf mit Bohnen im Speckmantel und Kirschsoße
Nachtisch: süß, sauer, schok


Ein kunterbunter Punktetanz

Im 7. Stock hat Marc einen guten Überblick. Bis in seine Heimat Ruhrgebiet wird der allerdings nicht reichen, aber wer braucht schon Heimat, wenn er seine Schlager überall hin mitnehmen kann. Marc und seine Frau Angie sind die Schlagerfans schlechthin, aber zum Glück darf er nur ganz kurz öffentlich trällern. Für eine Ballermann-Mitsing-Bude ist sein eigener Gesang durchaus ausreichend, denn die Hauptsache ist, er kommt von Herzen.

Mit Angie steht er nicht nur heute in der Küche, sondern auch ansonsten sehr gerne, und arbeitet die einzelnen Menü-Schritte ab.

Als Deko hat Marcs Bruder ein Treibholzstück aus dem Atlantik mit "Das perfekte Dinner 2019" beschriftet, und es wird prominent auf dem Esstisch platziert.

Unterdessen kommt Bernd heute bereits im Vorabinterview als Samantha Gold um die Ecke, mit riesiger rosa Perücke. Die könnte aus aufgesaugtem Müll aus einem Meer hergestellt worden sein und als Mahnmal gelten. Doch ich will mich über die Drag-Queen gar nicht lustig machen

(ich habe hier eine Malteserin  "Bienchen", die eine Dreck-Queen ist, aber es gibt nur dem Wortlaut nach eine Verwechslungsgefahr),

denn

Samantha gefällt mir einen Ticken besser als Bernd. Woran das liegt, muss ich in den nächsten Tagen herausfinden, und wenn ich es nicht herausfinde, ist es auch nicht tragisch.

Nicht festmachen kann ich schließlich auch die wirklich schlechte Laune von Luise, denn die hatte sie am Montag nicht. Da war sie noch freundlich, falls mir Nuancen nicht entgangen sind ... heute ist sie

die Kritischste am Esstisch und vor allem im Backround, kindisches Schmollen inklusive. Matjes ist ihr Angstgegner, das Menü von Marc ist nicht innovativ, der Hauptgang ist kalt, die Kirschen sind keine Soße, sondern einfach nur Kirschen undsoweiter

So kommt es zu einem Punktetanz, der mir nun gar nichts über den objektiven, aber viel über den subjektiv empfundenen Geschmack verrät:

Diara gibt 10, Bernd 8, Henning 9 und Luise 6 Punkte.

Natürlich mögen bei dieser sehr unterschiedlichen Bewertung auch andere Kriterien als nur der Geschmack eine Rolle spielen,

aber man sieht jedem nur vor und nicht in den Kopf.

Falls mir nicht die Wörter ausgehen, berichte ich weiter über diese Hamburger Woche.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Dienstag, 8. Oktober 2019

7. Oktober 2019 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Hamburg bei Diara Yasmine

Vorspeise: Hausgemachte Salbei-Walnuss-Gnocchi mit Sommersalat
Hauptgang: Kabeljaufilet in Haferflocken-Kruste mit Schwarzem-Reis-Mango-Salat, dazu Pfannenbrot mit Basilikum-Tsatsiki
Nachtisch: Griechisches Joghurt-Eis mit Ouzo und Pistazien-Krokant, dazu Granita aus Zuckermelonen mit Zitrone und Minze


Im verflixten 7. Jahr

... denn erst sieben Jahre nach ihrer Bewerbung bekommt Diara den vielleicht einst heiß ersehnten, aber nun beinahe vergessenen Anruf der TV-Gesellschaft, dass sie beim "perfekten Dinner" eine Rolle spielen könnte.

Was veranlasst einen Sender, in die Mottenkiste zu greifen und nach Uralt-Bewerbungen zu fischen? Haben die vielleicht ein Partner-Programm am Start, aus dem hervorgeht, welcher potenzielle Teilnehmer so überhaupt nicht zu wem passt, und dieses hat erst jetzt angeschlagen? Außer Vermutungen habe ich leider rein gar nichts in der Hand. Daher sage ich mal: Besser eine späte, als überhaupt keine Antwort.

Wie Diara vor 7 Jahren gekocht hätte, kann ich auch nur vermuten, denn jeder entwickelt sich weiter, vor allem im Kochbereich, wenn man sich denn dafür so interessiert, dass man es Hobby nennt. Ob es eines von ihren Hobbys ist, bekomme ich leider nicht wirklich serviert. Sie kocht halt, sie serviert ihr Essen - und ist offensichtlich wesentlich weniger präsent für ihre Gäste als sie es sich am Anfang des langen Tages denkt.

Beruflich ist Diara "Social-Media-Managerin". Sie schreibt auf Facebook, Twitter, Instagram und hasse nicht gehört, Texte für Firmen und ich weiß nicht, was sonst noch - und betreut deren Medien-Auftritte. Sie hat auch ein Studium absolviert (habe leider vergessen, welches), aber ob das dringend nötig für solch einen Job ist, wage ich zu bezweifeln. Gesunder Menschenverstand und die Kenntnis der Netiquette reicht doch meistens. Aber selbstverständlich könnte es sich hier um Fachgebiete handeln, in denen sie internetmäßig aktiv wird - und ich bin auch schon ganz still.

Wenigstens ist davon auszugehen, dass sie in die Schriftform nicht das Virus "Genau, Tatsächlich" transportiert. Das greift in der mündlichen Rede immer weiter um sich, und niemand kennt ein Gegenmittel. Und es lenkt mich heute total vom sonstigen Geschehen ab, da auch einige der Gäste vom Virus befallen zu sein scheinen.

Eine kleine Ablenkung gibt es, als Bernd seinen jetzigen Beruf noch eine Weile geheim halten will. Bitteschön! Verraten wird jedoch, dass er drei Katzen hat - hoffentlich gibt es diesbezüglich keine neuerlichen Katzen-Probleme.

Diara legt am Ende ihrer Veranstaltung mit 30 Punkten vor. Je 8 von Luise, Bernd und Marc und 6 Punkte von Henning. Persönlich halte ich 8 Zähler für ein wenig hoch gegriffen, aber natürlich kann ich weder den Geschmack beurteilen, noch sind mir die Bewertungs-Tafeln in die Hand gedrückt worden, die mich vielleicht milde gestimmt hätten.


Guten Morgen, Gruß Silvia

Montag, 7. Oktober 2019

6. Oktober 2019 - ARD - Polizeiruf 110 - Dunkler Zwilling


Polizeiruf 110
Dunkler Zwilling

Spannung von der ersten bis zur letzten Minute, und das, obwohl es nur zwei Verdächtige gibt. Mir als Zuschauerin brennt die Frage, wem von den beiden ich es wünschen würde, am Ende doch unschuldig zu sein. Resultat: Eindeutig dem später entlarvten Täter.

Zwei Mädchen werden in Rostock brutal ermordet, dem einen wird die Gebärmutter entfernt. Der Tatort selber wird sauber hinterlassen, die Schuhe stehen in ordentlicher Linie neben den Leichen. Dies erinnert Bukow und König an ein Muster und mehrere Fälle aus der Vergangenheit ... und so gerät schnell der Umzugsunternehmer

Frank Kern ins Visier. Doch der ist der liebevoller Vater einer 15jährigen Tochter.

Der andere Verdächtige wird den Beamten nicht per polizeiinternen Unterlagen, sondern durch seine Ehefrau geliefert. Die wesentlich ältere Frau verdächtigt ihren 40jährigen Mann, der Jura studiert, nicht nur des Mordes, sie will ihm beim letzten Mord auch noch "assistiert" haben.

Es stehen sich gegenüber: Eine kranke Ehe und ein gutes Vater-Tochter-Gespann. geprägt von ehrlicher Liebe.

Unterdessen rotieren die Kommissare, nähern sich einander an, obwohl sie bei ganz genauem Hinsehen erst einmal gemeinsam unter einer Dusche verschwinden sollten. Die sind so schmuddelig, dass selbst Schimanski dagegen wie aus dem Ei gepellt erscheint.

Im wahren Leben würde man vielleicht auch eher nach einem medizinisch vorgebildeten Täter suchen, aber auf welche Art und Weise die Gebärmutter entfernt wurde, bleibt ungewiss. Ist sie gekonnt entnommen worden oder doch eher wie in einem Gemetzel?

Obwohl der Täter natürlich ein Ordnungs-Fanatiker ist. In einer langen Annäherung an ihn gelingt es Kerns Tochter Mala, den Vater als das Monster zu entlarven, obwohl er alles unternimmt, damit sie ihm seine Geschichte des angeblich überfahrenen Hundes glaubt. So lässt sich das kluge Mädchen erst einmal aufs Glatteis führen - obwohl, so clever wie sie ist, ihr die Frage nach der Leiche des Hundes (aus Drehbuch-Sicht) nicht in den Sinn kommt. Dann wären Kerns Lügen auch schon einige Sendeminuten früher ans Licht gekommen ...

Das Motiv

kommt genau so wie der Titel, von dem man sich die ganze Zeit fragt, welchen Ursprung er haben könnte und ob die Auflösung am Ende nicht vergessen wird, zum Schluss ans Licht:

Frank Kern wurde als Zwilling geboren, hat aber mit seiner Nabelschnur seine Schwester bei der Geburt "getötet". Das habe ihm seine Mutter oft vorgehalten ... Kern selber sieht es so: Ich wurde schon als Mörder geboren.

Leider spielt dies am Ende nur eine ganz kleine Rolle. Mit etwas Phantasie kann man sich nun denken, warum er seinem Mordopfer die Gebärmutter entfernt - aber so wirklich schlüssig werden seine Taten dadurch nicht.

Es fehlt der Part der Mutter Kerns, die diesem Fall noch einen Kick hätte versetzen können.

Trotz kleiner Schwächen vergebe ich an dieser Stelle 4 von 5 möglichen Sternen.

Wie eingangs geschrieben: Spannung von der ersten bis zur letzten Minute.


Guten Tag, Gruß Silvia



Samstag, 5. Oktober 2019

5. Oktober 2019 - You were always on my Mind - in Petras und meinem ...


Alle Paulina-Fotos sind von Petra Schweizer

Für Paulina
29. September 2006 bis 6. September 2019

Für Robin
13. Januar 2004 bis 6. September 2019


You were always on my Mind

Man teilt gerne gute Erlebnisse und Ereignisse, die so schön sind, dass man sie nicht nur erzählen möchte, sondern sich wünscht, dass der andere sie auch erlebt. Es gibt viele solcher Dinge, aber Petra und ich mussten ein tieftrauriges Ereignis - jeder für sich und miteinander teilen:

Am 6. September diesen Jahres ist sowohl Paulina als auch Robin verstorben.


Am frühen Morgen bekam ich von meiner Facebook-Freundin Petra die Nachricht, dass Paulina über die Regenbogenbrücke gegangen ist. In diesem Moment stand auch meine Welt still, denn einerseits war ich unendlich traurig darüber, dass Paulina verstorben war - und andererseits lag Robin neben mir, und ich musste dringend mit ihm zur Tierklinik fahren. Es sah nicht gut aus ... gar nicht gut. Trübe Gedanken im Kopf fuhr ich zur Kaiserberg-Klinik

und ich erinnerte mich daran, dass Petra mir ein paar Wochen zuvor auf der Durchfahrt zu ihrem Vater ein Foto geschickt hatte - sozusagen ein Winken - als sie an dem Ortsschild Duissern vorbei fuhr. Dort ist die Klinik, in einem Vorort von Duisburg.



Paulina war herzkrank, und sie hatte Wassereinlagerungen in der kleinen Lunge. Robin war zwar auch herzkrank, aber das war nicht sein Problem. Seines waren die Nieren.

Während der Wartezeit in der Klinik ging ich mit Robin noch einmal auf die Wiese davor, und ich werde diese intensiven Momente nie vergessen:

Er tauchte seine Nase tief ins Gras - als wolle er den Geruch für immer mit ins Regenbogenland nehmen. Er wusste, dass er sterben würde ... Sein Arzt hat ihn nur unterstützt, damit Robin es leichter hatte.

Petra und ich fanden in den nächsten Tagen nicht viele Worte füreinander: Denn wie soll man jemanden trösten, wenn man selber ohne Trost ist? Sich gegenseitig herunterziehen will auch niemand. Wir waren ohnehin schon ganz unten im Tal der Trauer angekommen.

Ich habe Petra vor ein paar Tagen gebeten, ihre Paulina zu beschreiben. Es war zufällig der Tag (denn zuvor kannte ich ihr Geburtsdatum nicht) , an dem Paulina 13 Jahre alt geworden wäre, der 29. September 2019. Und sie hat geschrieben:


"Paulina war ein richtiger Terrier,  eigenwillig und stur.

Sie war in jungen Jahren hyperaktiv.  Meine Nachbarin hatte auch einen  Westie namens Biene,  und sie  meinte, Paulina hätte ein Junge sein sollen. Sie war ein richtiges Alphatier,  hatte vor keinem Hund Angst.

Nur Wasser hasste sie.


Aber andere Hunde und auch Menschen musste sie stets auf ihre freundliche Art begrüßen. Sie war lieb zu Mensch und Tier.

Nur ihr Revier, ihren Garten, hat sie verteidigt.

In den letzten Jahren ist sie ruhiger geworden, viel ruhiger, denn sie war herzkrank.



Waren wir für ein paar Tage verreist und sie bei unserem Sohn, war sie bei der Abholung stundenlang bockig.  Aber nach der letzten Reise hat sie mich nicht mehr aus den Augen gelassen, tagelang.

Ihr Lieblingsplatz war bei schönem Wetter der Garten: Dort konnte sie alles beobachten. Abends war ihr Lieblingsplatz in unserem Bett - neben meinem Mann liegend, hatte sie ihre eigenen vielen Kissen und Decken.

Paulina war einmalig."

Auch Robin war einmalig und ein richtiger Terrier, manchmal auch auf Krawall aus, wenn er einen Rivalen witterte. Und er war der größte Küsser, den es in der Hundewelt je gab. Er umgarnte selbst läufige Hunde-Girls nie von hinten, sondern immer von vorn.


Und er war wasserscheu wie Paulina.


Mit unserer Trauer müssen Petra und ich - und unsere Familien - nun leben. Die Erinnerungen werden uns irgendwann helfen, an die vielen guten Zeiten zu rütteln, die wir mit Paulina oder Robin hatten. Noch ist es zu früh, noch schmerzt es zu sehr.

Doch Petra und ich werden diesen 6. September 2019 nie vergessen, der uns beide so unglücklich zurück gelassen hat. Und das bei herrlichstem Sonnenschein draußen ... Für mich war dieser der blanke Hohn.










Schlaft gut, ihr beiden besten Hunde der Welt. Auf der Regenbogentreppe habt ihr euch getroffen, damit niemand allein gehen musste.

"Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr
- und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andren muss man leben!"

Mascha Kaléko



Guten Tag, Gruß Silvia

Freitag, 4. Oktober 2019

4. Oktober 2019 - Alternative Fakten - Das Giftschrank-Dinner - und warum es diese Woche durch eine Wiederholung ersetzt werden musste ...


Fotos: S. B.


Das Giftschrank-Dinner

Urplötzlich kommt es für die Zuschauer, dass Vox schon wieder die Zweitausstrahlung einer Dinner-Veranstaltung zeigt, diesmal aus Amsterdam und Umgebung. Doch bereits in meiner TV-Zeitung ist dies vermerkt, und die ist etwa seit Druckbeginn 3 Wochen alt. Kennen wir Dinner-Wiederholungen nur aus der Sommerloch-Zeit, so verlangt es nach einer Erklärung für diese:

Und, mein Kopfkino ist gar nicht untätig, hat es doch diese:

Eigentlich war für die 1. Oktober-Woche eine Dinner-Veranstaltung aus der schönen Stadt Bielefeld geplant. Von der ist ja nun endgültig bewiesen, dass es sie wirklich gibt, aber etwas anderes fällt dafür flach: Die bereits abgedrehte Dinner-Woche aus dieser Stadt. Sie landet im Giftschrank des Senders, und wer weiß, vielleicht wird sie irgendwann doch aus dem hinteren Schrank raus geholt und gezeigt, doch heute kann ich davon nur in alternativen Fakten darüber berichten:

Es nahmen Teil: Die 22jährige Saskia, die 39jährige Lissy, der 52jährige Robert, der 44jährige Gilbert und die 62jährige Holly.

Die drei ersten Tage gingen mühelos und skandalfrei über die Bühne und wurden von Saskia, Lissy und Robert bestritten. Zwar sind sich alle nicht wirklich grün, aber von grauem Regen ist auch noch nichts in Sicht. Es plätschert eben so vor sich hin, sowohl die Stimmung als auch die wenigen Punkte, die man gegenseitig verteilt. Bis Freitag durchhalten, ist die Parole des TV-Teams. Wenigstens müssen sie niemanden anhalten, kritische Äußerungen von sich zu geben - die kommen mehr als erwartet ganz von selber und wie Wellenbrecher.


Dann soll Gilbert kochen

und Gilbert ist aus Münster immigriert, aber gut in Bielefeld integriert. Der Liebe wegen hat es ihn nach Bielefeld verschlagen,

wobei man schnell denkt, dass er die Liebe zu seiner kochwütigen Schwiegermutter Paula meinen könnte, die schon kräftig in seiner Küche hantiert, rotiert und dies und jenes fürs Dinner vorbereitet. Gilbert stellt sie als seine "Küchenfee" und "der beste Kochlöffel in der Schublade" vor, der Sender freut sich, denn man kennt schließlich die Zuschauer-Reaktionen auf solche Ausdrücke.

Noch hofft das Team, dass Gilbert sogleich die Regie in der Küche übernimmt, aber er lässt sich erst einmal mit der Tageszeitung auf seiner Couch nieder und verlangt nach einem Kaffee. Den bringt ihm seine Frau Adele, und zwar noch, bevor er ein zweites Mal rufen muss.

Ein Schnittchen lässt er sich auch noch rasch schmieren und vertieft sich in seine Zeitung, um im Anschluss daran eine Bundestagsdebatte im Fernsehen zu verfolgen. Das sei schließlich wichtiger als Kochen, meint er auf die Frage des Teams, ob er seinen Hintern nicht mal in die Küche bewegen will.

Paula jedoch hat alles im Griff. Und unter ihren Händen wird eine Erbsensuppe bis zur Vollendung fertig gekocht, während sie auch schon den leckeren Nachtisch von einem bekannten Doktor, nein, keinem Arzt, aus Bielefeld zubereitet.

Als Gilberts Gäste eintrudeln, liegt er immer noch in einem Jogging-Anzug auf der Couch und ist erstaunt, wie schnell die Zeit vergangen ist. Er springt in den Keller, findet eine Kiste Ravensberger. Gut, gekühlt ist das herbe Blonde noch nicht, aber was soll es? Für diese Gäste reicht es allemal, ein pisswarmes Bier zu servieren, meint Gilbert.

Vor dem Servieren wechselt Gilbert noch schnell seinen Jogging-Anzug, und lacht seine Gäste an. Vielleicht lacht er sie auch aus.  Unterdessen serviert Paula die Erbenssuppe mit den Worten:

"Darin ist sowohl die Vorspeise als auch der Hauptgang enthalten."

Und der Pudding schmeckt auch niemandem ...

Man kann sich denken, dass nach diesem Auftritt das Team Überredungskünste anwenden muss, damit man diese Chose überhaupt zu einem sendefähigen Ende bringen kann.

Gilbert bekommt insgesamt 4 von 40 möglichen Punkten, und warum jetzt jeder einen ganzen Zähler gibt, kann niemand schlüssig erklären. Sie seien eben freundlich, heißt  es.


Aber Holly treibt es auf die Spitze

und empfängt das Fernseh-Team in einem Spitzen-Kleidchen, das so durchsichtig ist wie ihre Absichten. Gut, das kann man raus schneiden. Auch ihre anzüglichen Worte würden ohnehin nicht der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden.

Aber es ließe sich kein ganzer Tag einfach wegschneiden, denn an diesem soll immerhin ein Sieger oder eine Siegerin gekürt werden.

Nachdem Holly das Team jedoch zu ihrem Lieblings-Friseur, ihrer Lieblings-Boutique und dem Lieblings-Tätowierer entführt hatte und man hofft, sie

würde endlich kochen,

kommt ihr Lieblings-Caterer um die Ecke und bringt Köstliches mit: Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch, alles vom Feinsten und sicherlich je 10 Punkte wert, keine Frage.

Der Regisseur lässt die Beleuchtungen abschalten und den Praktikanten drei Kisten Whisky besorgen.

So werden die Gäste und die gesamte Crew mit Alkohol abgefüllt, damit man diese Veranstaltung im Rausch zu Grabe tragen kann.

Der Regisseur ist noch heute auf der Flucht vor Holly und ihren Absichten ... an diesem Abend ist er ein paar Mal gestolpert, als er ihr entkommen wollte.


Guten Tag, Gruß Silvia


Donnerstag, 3. Oktober 2019

3. Oktober 2019 - Zum Tag der Deutschen Einheit




Zum Tag der Deutschen Einheit

Vor der Mauer-Öffnung bin ich nur ein einmal, außer auf dem Transit nach West-Berlin, (Januar 1989) durch die jetzt ehemalige DDR gefahren - auf dem Weg zum Flughafen Schönefeld, um nach Moskau zu fliegen. Die Reise verlief so, wie ich es eigentlich nicht gerne habe: Sehr pauschal. Vom Ruhrgebiet aus fuhren wir mit einem Bus nach Berlin. Die Reise hatten wir beim Deutschen Gewerkschaftsbund gebucht.

An der Grenze wechselte ein Schwung Illustrierte die Besitzer: Vom Busfahrer zu den Grenzbeamten. Ob sich unter dem Stapel noch mehr verbarg, weiß ich nicht. Erinnern kann ich mich an die Warnung des Busfahrers, bei der Grenzkontrolle ruhig zu bleiben und keine dummen Bemerkungen zu machen.

Nach dem Rückflug und während der Busfahrt, machten wir eine Pause, um in einen Gasthof gehen zu können. Weil die Pause zeitlich eng begrenzt war, fragte ich den Wirt, wie lange es dauern würde, wenn ich etwas zu Essen bestelle.

Die Quittung kam von zwei anderen Gästen: "Da kommt eine aus dem Westen, und schon soll sich alles nur um die drehen." Danke, mir war der Appetit vergangen. Übrigens habe ich ihnen nicht gesagt, dass ich aus dem Westen komme, das haben sie wohl gemerkt ... obwohl sie den Reisebus gar nicht sehen konnten. Na ja, es gab eben andere Merkmale - Dreistigkeit meinerseits gehörte nicht dazu.


Keine familiären Verbindungen in die DDR

Wir hatten keinerlei verwandtschaftliche Verbindungen in die damalige DDR. Ich kann mich daher zumindest nicht daran erinnern, dass wir Päckchen dort hin verschickt haben. An wen auch? Zumindest blieb uns derart auch jeglicher Stress erspart, wenn mal wieder das Falsche oder zu Preiswertes oder Unbrauchbares in den Päckchen gewesen wäre. Denn die Angehörigen von DDR-Bürgern mussten sich schon anstrengen, genau das zu schicken, was gewünscht wurde. So hörte man es von einigen nach dem Mauerfall - und dass es hier und da ein Päckchen-Gate gegeben haben soll mit anschließender Funkstille.


Erste Reise quer durch die ehemalige DDR

Wir machten sie im Jahr 1994. Immerhin fast 5 Jahre nach dem Mauerfall. Doch wir merkten den Übergang von Westdeutschland nach Ostdeutschland allein schon am Straßenbelag. Mit einem Ruck wäre beinahe unser Auspuff abgerissen. Viel hatte sich noch nicht getan. Die Autobahnen waren auch noch desaströs, aber wir bekamen endlich die Landschaft zu sehen, die uns bislang verwehrt geblieben war.

Wir haben uns viele, viele Orte angesehen und sind geblieben, wo es uns an jedem Abend hingetrieben hat. Manchmal sind wir auch zwei, drei Tage an einem Ort geblieben. Wir waren in Leipzig, in Rostock und Warnemünde, in Bad Schandau oder Zingst, um nur einige zu nennen. Einen kleinen Grenzübertritt in die Tschechei haben wir auch noch unternommen.

Insgesamt waren es interessante 4 Wochen. Zum ersten Mal sah ich zum Beispiel ein "Feierabendheim" - von außen zwar nur, und ich musste kurz überlegen: Ja, es sollte ein Altersheim sein. Hört sich Feierabend jetzt schöner oder doch nicht so schön an? Ich weiß es nicht. Ich glaube, der Name wurde am Ende nicht übernommen. Aber so genau weiß ich das nicht.

In 1994 waren alle Speisen in Lokalen noch lächerlich billig. Das hat sich geändert im Zuge der kommenden Jahre.

Es gab vieles Positives damals in 1994 und auch einiges Negatives. Immer kommt es am Ende schließlich auch darauf an, auf wen man während einer Reise trifft.


Ich wünsche allen einen schönen Tag der Deutschen Einheit.


Guten Morgen, Gruß Silvia