Aperitif: Moscow Mule
Vorspeise: "Geschredderte Stulle", pochiertes Wachtelei, Rindertatar, Trüffelbutter
Hauptspeise: Konfiertes Rotbarbenfilet, Kaisergranat, Pulpo, Grapefruit, Mohn, Safransoße, Blütensalat
Nachspeise: Eispralinen, Kamille, Gurke, Cayenne Pfeffer, Butter Scotch
Der Himmel über Berlin
verdunkelt sich schlagartig, denn die vier aus dem Männer-Ballett schlagen auf und um sich. Anstatt die vielleicht erregendste und anregendste Stadt der Welt zu genießen. regen sie sich auf und haben giftige Anregungen nur für die jeweils anderen parat. Manuel, seit gestern mein Hauptverdächtiger, der Koch zu sein (es gibt ja mehr Loser als Top-Köche), nimmt seine Schlappe noch immer nicht cool. An den Berlinern und ihrem Flughafenprojekt könnte er sich locker ein Beispiel nehmen: Aber der unsmarte Kerl hat sich ein Beispiel an Dirk genommen, ist bei ihm in die Schnellschuß-Ausbildung gegangen - und kritisiert, was das Zeug hält.
Sven steht der Neid ins Gesicht geschrieben, und der steht ihm überhaupt nicht gut. Auf die Art sieht er bald nicht mehr aus wie der junge Boy George, sondern wie der alte, wenn der denn unoperiert wäre.
Dirk als einziger gibt sich ein klitzekleines bisschen zahmer, denn ihm steht vermutlich die Frage näher, wo die nächste Kanne Alkohol ist - als das umfangreiche Wissen über Lebensmittel zu transportieren wie Dirk es in seinen Koch-Balladen frei Haus, ungefragt, und daher selbst viel kritisiert, liefert.
Dirk, der Chef-Lebensmittel-Sachverständige, hat heute nur Angst, bei Julius dem bösen Hund von Baskerville zu begegnen. Die Attacke eines "Listen"-Hundes hat er weder vergessen noch verarbeitet. Doch selten ist ein Hund der wirklich Schuldige, wenn er angreift - es ist der Mensch, der ihn dazu bringt. Und im Fall von Dirk ist es im Rahmen der Möglichkeiten, dass er den Hund einfach dermaßen zugequatscht hat, dass diesem die Ohren und die Seele weh taten - und schnapp! - hat er das getan, was viele Zuschauer auch gern tun würden.
So marschiert Dirk, der moderne Hauptmann von Köpenick, der viel redet, und den Beweis noch schuldig ist, ob seinen Worten auch Taten folgen - mit den drei anderen trüben Männerherzen bei Julius ein. Attacke eröffnet!
Im übrigen ist Julius Hund eindeutig ein Boxer und keine Kampfmaschine wie Dirk, das wandelnde Kochbuch-Gewissen.
Julius lebt in einer Wohnung mit seiner Frau Sarah und den Kindern Magnum und Mathilda. Er sammelt Dinge, die andere weg geworfen haben, aber in einer einst ergatterten Urne ist keine Asche eines Verstorbenen: Makaber ist das dennoch. Die kleine Küche ist ziemlich zugestellt, was für manch Kochenden bereits eine Qual darstellen würde. Julius hingegen hantiert gekonnt, routiniert und an allen Ecken und Enden. Sein Menü ist ziemlich umfangreich, wenn auch nur kleine Häppchen davon auf die Teller kommen.
Doch von den kleinen Häppchen wird noch ein jedes in seine Atome zerteilt und genauester Prüfung unterzogen. Herr, lass Freude vom Himmel regnen über diesem Berlin an diesem Abend - möchte man den Kerlen am Ende der Geduld zurufen. Nix da, keine Freude! Kein Frieden! Und Eierkuchen gibt es sowieso nicht.
Dafür fünf verdammte Punkte von Manuel, der vermutlich Koch in Hintertupfingen ist. Insgesamt bekommt er siebenundzwanzig Punkte, von Frohnatur Dirk sogar acht. Das Leben ist eben eine Baustelle, und vier haben noch ordentlich zu tun, um aus einer Baustelle ein vernünftiges Gedankengebäude zu erstellen. Für Uwe ist das schon ziemlich spät, seine Baustellen noch zu beackern und ein freundlicher, gütiger Herr zu werden. Der gern über die Fehler anderer hinweg sieht und ihnen dann überraschender Weise und ohne viele Worte zeigt, wie man es besser macht. Wenn er es denn besser macht. Die Hoffnung, dass er mal so richtig abstürzt, bleibt mir als letzter Akt der Schadenfreude.
Gimme Five fröhlich-freundliche Kandidaten nächste Woche, Gruß Biene
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| Schnapp den Uwe! |


