Donnerstag, 6. November 2014

5. November 2014 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Dortmund bei Malte

Aperitif  "Ruhr-Royal"
Vorspeise: Konfierter Saibling mit gegrillter Wassermelone und Feigencreme
Hauptspeise: Rosa gebratene Entenbrust an Granatapfeljus mit Zuckerschotencreme und getrüffeltem Kartoffelpüree
Nachspeise: Butterkeks-Eis mit marinierten Erdbeeren und Macadamia


Gaudeamus igitur

Dem Studenten Malte hier ein Studentenlied von einem bisschen mehr Freude. Malte gelingt es nur schwer, anderen in die Augen zu schauen - und gleichzeitig flüssig zu reden. Wenn er nicht direkt angesehen wird, klappt es viel besser mit dem Formulieren. Ein Genie der Worte wird er vielleicht nicht werden, aber etwas mehr Lockerheit dürfte ihm besser zu Gesicht stehen. Das kann man üben, üben, üben - wie das Kochen.

Seit er zehn Jahre alt ist, wohnt er in Dortmund-Barop. Einmal durch den Wald "Bolmke", und schon ist er am Signal-Iduna-Park und kann die Borussen unterstützen, die das jetzt dringend brauchen. In der anderen Richtung geht es zur Universität Dortmund in Eichlinghofen. Aber Malte studiert Industrie-Design in Darmstadt und lebt nur sporadisch noch bei seiner Mutter. Seine Schwester Madleen kommt vorbei und unterstützt den schüchternen Bruder in der Küche. Hündin Malou kommt aus Spanien und ist neu in der Familie, auch sie ist noch ein wenig schüchtern - oder eingeschüchtert vom Leben auf spanischen Straßen?

Voller Stolz und mit relativ vielen Wörtern führt Malte die Fernseh-Crew durch den idyllischen Garten. Einmal noch tief durchatmen, denn er hat eine lange Nacht vor sich. Es gibt viel zu tun, und er geht die Sachen in aller Seelenruhe an.

Während Malte sich in seinem Tun kein bisschen beirren lässt, wird Lothar ein bisschen irre, wenn er Matteo zuhört. Hoch oben auf dem Florianturm faselt der was von einem Kilo Trüffeln, die er gerade erstanden hat. Matteo ist ein Kindskopf und durchschreitet gerade die letzten Ausläufer seiner Pubertät. Lothar erzählt von einer "Kalten Schnauze" (die kann man nach dem Originalrezept nicht wirklich essen!) einst bei seiner Omma, aber so einen Trüffel-Erwerb kann er selbstverständlich nicht toppen. Das hindert die beiden nicht, Best Buddies - zumindest auf Zeit - zu werden. Wenigstens sind sie nicht so dröge wie der heutige Gastgeber.

Im Garten reicht Malte Ruhr-Royal, und die Grundlage ist natürlich fast schwarz, damit auch niemand vergisst, wo er sich hier befindet. Schwarzer Humor wäre mir da lieber, aber den Gästen schmeckt der Aperitif. Nur Nathalie empfindet ihn als zu stark. Ja, wir sind hier auf keinem Kindergeburtstag, auch wenn es manchmal so scheint. An der Vorspeise gibt es einiges auszusetzen, denn es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Aber Malte wird den Weg zum Meister-Hobby-Koch noch finden, zumindest eher, als aus ihm ein Sprach-Akrobat wird.

Erst einmal verliert und verirrt er sich jedoch in der Zeit. Von Ruhelosigkeit oder Nervosität deswegen? - keine Spur! Malte ruht ganz tief in sich selbst. Gut Ding will eben Weile haben. Und aus purer Langeweile haben Matteo und Nathalie ihren großen Auftritt als Al Bano und Romina Power: Ein Highlight des Abends, denn danach geht es nur noch bergab ...

Zumindest für Nathalie, die zwar nach eigener Aussage mit Frauen nicht so gut klar kommt, aber mit den schmatzenden Männern hat sie es auch nicht gerade leicht, und womöglich geht ihr das Geschwätz von dreien ihrer Mitstreiter auch gehörig gegen den Strich: Plötzlich überkommt sie eine Übelkeit vom Feinsten, und der Abend ist für sie gelaufen.

Das nehmen die Männer zum Anlass, es sich bei einem Männer- oder Jungsabend mal so richtig gut gehen zu lassen. Nebenbei wird das Menü ein wenig bekrittelt, um am Ende wieder als lecker da zu stehen (so unentschlossen, diese Kerle!).

Die leidende und den Nachtisch nicht anrührende Nathalie zückt neun Punkte, denn ihr Unwohlsein soll die Bewertung nicht beeinflussen (und tief im Herzen möchte sie auch als eine ganz Liebe gesehen werden).

Insgesamt bekommt Malte trotz oder wegen der späten Stunde dreißig Punkte und zieht mit Jens gleich. Für Nathalie gute Besserung - und die Schmatzenden sollten Besserung geloben.

Guten Morgen, Gruß Biene

Mittwoch, 5. November 2014

4. November 2014 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Schwerte im Ruhrgebiet bei Lothar

"Ruhrgebiet trifft Vietnam"
Aperitif: Blütenstaubsekt
Vorspeise: Sommerrolle mit Garnele
Hauptspeise: Schweinerippchen mit Sate und Currywurst
Dessert: Grüner Duftreis mit Flankuchen in Kokossoße


You Were Always On My Mind

Lothar ist der größte Elvis-Fan von Schwerte, und der King ist immer in seinen Gedanken, wenn er ihn auch als Radio-Moderator heute nicht mehr allzu oft "spielen" kann. Es kommen ja immer wieder Elvis-Gedenktage, da darf der King mal so richtig abrocken.

Durch eine Begegnung mit Peter Maffay kam er zu World Vision Deutschland, und seitdem hat er ein Patenkind in Vietnam. Tue Gutes und sprich darüber! Sei noch besser und fahre mal eben nach Vietnam. Und dann gehe hin und verbrate das Ganze beim perfekten Dinner. So ist die Reihenfolge. - Manch einer besucht nicht mal sein Patenkind, das drei Straßen weiter wohnt. Nicht so Lothar: Er ist mit dem Motorrad 15.000 Kilometer nach Vietnam gedüst, um das Kind einmal zu sehen. Nicht erwähnt wurde, mit wem und wie vielen Leuten zusammen er diesen Trip gemacht hat.

Mitgebracht hat er viele Fotos, ein Buch daraus gemacht - und eine Affinität zur vietnamesischen Küche. Wobei ich hinter dem Wort Küche ein Fragezeichen gesetzt haben möchte.

Der in Schwerte ansässige Lothar hat eine Frau und einen Sohn - und Geckos und Schlangen und den Hund Jacky. Die Schlangen gefallen besonders Nathalie, denn ein jeder reiht sich dort ein, wo er hingehört. Ach nein, das wäre vielleicht ungerecht den Schlangen gegenüber.

Damit sein Menü authentisch Ruhrpott trifft Vietnam wird, hilft ihm die Vietnamesin "Gottes Wille" (ihren vietnamesischen Namen habe ich mir leider nicht merken können). Und so schleichen die beiden durch die Küche auf dem Weg hin zur totalen Entschleunigung. Man könnte denken, die ganze Küchen-Arie sei in Zeitlupe gedreht worden.

Nathalie beklagt Matteos laute Stimme, während Malte die Stimme versagt, sobald er nach Wörtern sucht und Jens plaudert einfach locker vom Hocker. So trudeln die vier Konkurrenten in Schwerte ein, sicher ein unvergessliches Erlebnis.

Matteo mit dem obligaten Designer-Täschchen am Gürtel und kurzer gelber Hose. Ihm steht das. Und egal, aus welcher Design-Schmiede das Täschchen nun wirklich stammt - es baumelt an ihm wie sein Markenzeichen. Manch einer setzt Zeichen, andere setzen auf Marken. Er könnte aber ein ganz Netter sein, man wird sehen. Und manch eine junge Dame vor dem Bildschirm könnte das bald in Natura feststellen: Matteo ist auf der Suche nach einer hübschen Frau. Wer sich für hübsch und vorzeigbar genug hält, darf sich sicher gern bei Vox melden.

Lothars Sommerrolle mit den grob geschnittenen Zutaten wird von ihm höchstselbst hochgelobt. Und seinem Hauptgang widerfährt das gleiche. Ein paar Rippchen mit ein paar einsamen Stückchen Curry-Wurst: So ist es, wenn sich das Ruhrgebiet mit Vietnam paart? Oder auch nicht. Ein Nachtisch kommt in kunterbunt aus der Küche, und Nathalie findet fast nur ganz liebe Worte.

Lothar bekommt neunundzwanzig Punkte. Malte hat sich lediglich zu fünf Punkten durchringen können, womit er sicher nicht ganz falsch liegt. Aber trotzdem: Verliert er außer Wörtern auch Punkte? Taktiert er gar? Und die Frage der Woche: Findet er heute alle verloren geglaubten Wörter wieder?

Guten Morgen, Gruß Biene

Dienstag, 4. November 2014

4. November 2014 - Der Bienen-Stich - Kurzfristig angekündigter viertägiger Streik bei der Bahn

Doch mit den Clowns kamen die Tränen

Größenwahnsinnig verklickert die GDL dem Volke, dass es vorbei ist mit den bekannten Verspätungen bei der Deutschen Bahn: Sie fährt nämlich jetzt überhaupt nicht mehr, und das von morgen bis Montag (Notfallfahrpläne wird es gnädiger Weise geben). Wer mich kennt, der weiß, ich bin nicht grundsätzlich gegen Streiks. Aber wo es um Profilierung einzelner Personen und deren Machtausübung auf ganz Deutschland geht - hört der Spaß auf.

Güter werden als erstes nicht mehr transportiert. Danach kommen die Menschen dran, die nicht mehr befördert werden. Die sich heute schon mal rotierend und telefonierend und twitternd und was-weiß-ich um Alternativen bemühen müssen. Die Rechnung zahlen alle. Insgesamt geht man von einem Betrag von 50 Millionen Euro pro Streiktag aus.

Die Feiern zum Jubiläum des Mauerfalls sind betroffen, weil die Leute nicht per Bahn anreisen können. Aber ebenso wenig Verständnis wie die Feier-Wütigen haben auch Millionen anderer Bahnkunden. Die Bahn selber ist ebenso überrascht über diesen kurzfristig angekündigten Streik wie alle anderen Betroffenen.

Ich wünsche allen einen guten Weg zu einer guten Lösung für diese Streik-Tage. Und keine Tränen wegen der Clowns von der GDL.

Gruß Biene

3. November 2014 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Witten im Ruhrgebiet bei Jens

Aperitif: Schampus und Pilsette
Vorspeise: Weiße Tomatensuppe mit Basilikumschaum und Jakobsmuschel
Hauptspeise: Kalb im Schweinepelz auf Balsamico-Zwiebeln mit Süßkartoffelpüree
Nachspeise: Mango Tango


Little Drummer-Boy

lebt fernab der großen Musik-Schauplätze der Welt, denn Witten liegt verloren, beinahe vergessen und eingequetscht zwischen Dortmund und Bochum. Von hier aus zog es Jens und sein Kuscheltier Lemmy in die weite Welt, in der Lemmy verloren ging. Das ist mal so eine richtige Kerle-Story, die einem die Tränen in die Augen treibt und mütterliche Gefühle auch nicht gerade weckt.

Übrige Ruhrpottler als Gäste sind ihm willkommen - nun ja, vielleicht abgesehen von Gelsenkirchenern. Aus dem Schalke-Land schickt man dem ersten Gastgeber der Woche auch niemanden, Alarm droht eher durch die aus dem Rheinland zugewanderte Nathalie, die sich im Ruhrgebiet noch nicht eingelebt hat. Vermutlich hätte sie es in jedem Gebiet schwer, sich einzuleben.

Hier lebt sie sich erst mal aus. Einerseits ist sie froh, nur von Männern umgeben zu sein, weil sie mit Frauen nicht "gut kann", aber schnell drängt sich der Gedanke auf, dass sie mit Menschen im allgemeinen nicht so "gut kann". Schade, dass Lemmy verschwunden ist. Einem Kuscheltier darf man seine fiesesten Gedanken anvertrauen. Doch die Stofftier-Affinität versteht sie ja auch nicht. Dunkle Wolken zeichnen sich ab im sonst nicht mehr so schwarz-himmeligen Pott. Es könnte auf ein Klingen-Wetzen, besonders mit Matteo, hinauslaufen. Der vermutlich noch mitten in der Pubertät steckt und gerade die Angeber-Phase durchläuft.

Jens ist Schlagzeuglehrer und Leiter einer Musikschule: Die niederrheinische Musikschule in Duisburg wird es nicht gerade sein, aber klein kann ja auch fein sein. Er lebt mit seiner Freundin Carina direkt neben der Schule, und angeblich hat sie ihn für's perfekte Dinner angemeldet. Wo werden hier die Anmeldeformulare verteilt? Nach einer kurzen Vorstellung verlässt sie ihn, denn schnibbeln darf sein Kollege Sven. Nicht identisch mit Sven Underdog-Overkill von letztem Freitag.

Auf Regieanweisung trinkt man dann auch ein Pilsken (Pilsette hätte ich für ein Mischgetränk mit Sekt gehalten) und gibt das Ruhrpottschlachtwort "Boah" zum Besten. Wider alle Erwartungen, die die meisten Zuschauer ins dinner-gebende Ruhrgebiet legen, kann Jens kochen: Er steht nicht zum ersten Mal am Herd. Und gar nicht schnoddrig: Er hat sogar Probe gekocht.

Doch was nützt es, wenn einer sich anschickt, für Nathalie zu kochen: Die Suppe ist verwässert, die Jakobsmuscheln sind gar glasig (so wie sie innen ja sein sollen), Zwiebeln mag sie nicht und Mango mag sie schon, aber doch bitte nicht in drei Varianten. Soviel natürliche und herzliche Ehrlichkeit ist ebenfalls die eine oder andere Variante zuviel.

Jens bekommt dreißig Punkte. Wenn Nathalie zur Hochform aufläuft und später ihre Punkte spärlicher verteilt, könnte das durchaus für einen Sieg reichen. Aber so weit sind wir noch nicht - erst erwarten uns weitere Highlight-Momente der Läster-Hoheit. Sie wäre so eine hübsche junge Frau - wenn sie nur mal die Klappe halten könnte. Ihre "Verteidigung" darf gerne jemand aus dem Rheinland übernehmen - ich bin da raus.

Guten Morgen, Gruß Biene

Montag, 3. November 2014

2. November 2014 - ARD - Polizeiruf 110 - "Familiensache"

Foto: S. B.
Familiensache

ist es nicht mehr, wenn der an allen Ecken und Herausforderungen des Lebens gescheiterte Familienvater versucht, seine Familie an sich zu reißen. Und wenn das nur durch den Tod von Frau und Kindern möglich ist, so muss das so sein - denkt der Familienvater  und handelt also folgerichtig in seiner abgedrifteten Gedankenwelt. Ist das so, dass er seine Familie vor Schlimmerem (einem Leben ohne ihn?) bewahren will, wie es der Regisseur als Aussage beabsichtigt? Muss man zwangsläufig für alles, was im Leben passieren kann, eine psychologische Not-Lösung parat haben? Und ab wann wird die natürliche Hemmschwelle, andere zu töten, überwunden?

Arne Kreuz ist der Verlierer schlechthin: Job weg, von der Bank bekommt er kein Geld für das Haus, in dem er mit seiner Familie leben will - doch seine Frau hat ihn längst für einen anderen verlassen und die Kinder mitgenommen. Es mag in seiner Seele nicht als Tatsache angekommen sein, aber in seinem Kopf müsste es drin sein ...

Als pikanten Nebenschauplatz hält das Privatleben des Ermittlers die andere Seite parat: Seine Frau betrügt Bukow ausgerechnet mit einem Kollegen. Doch er will um sie kämpfen und der große Mann macht sich vor seiner Frau ganz klein, als er ihr seine Liebe ins Gesicht schreit. Am Ende stehen seine Koffer vor der Tür - und er zieht in einen alten Wohnwagen. Die bunten Lichter darin zeigen den verwundeten Kommissar. Dass er zuvor noch seinen Rivalen - unbeabsichtigt? - angeschossen hat, setzt dem Ganzen die Krone auf. Steckt in jedem ein potentieller Amok-Läufer? Nein, zum Glück nicht!

Doch Kreuz, der ein großes Kreuz zu tragen hat (wie er meint), mordet weiter. Nur sein Sohn Jonas, der mit dem neuen Freund seiner Frau unterwegs ist, ist bislang verschont worden. Doch er findet auch seinen Sohn. Ein Wettlauf zwischen ihm und der Polizei beginnt. Am Ende wird der Junge gerettet - zumindest vor seinem Vater. Wie viele Jahre Psychotherapie mögen vor ihm liegen? Es ist also kein wirkliches Happy End für den Jungen, der auf einen Schlag durch die Hand des Vaters, den er liebt, seine ganze Familie verliert - und zum Teil noch dabei zusehen muss.

Der Vater verletzt sich am Ende schwer. Warum aber einer von wenigen derart austickt - und andere nicht, wird nicht wirklich erhellt. Doch sicher hat Günter Jauch, der Allround-Man, in seiner Sendung gleich danach die Ursachen heraus gearbeitet. Oder herausarbeiten lassen. Obwohl es beinahe unmöglich erscheint, die Motive eines Täters zu verallgemeinern. Wie gesagt: Der Mensch hätte gern für alles eine Erklärung.

Gute Schauspieler, allen voran Andreas Schmidt als Vater und Ehemann außerhalb der Vorstellungskraft.

Guten Morgen, Gruß Biene

Sonntag, 2. November 2014

2. November 2014 - Das Dschungel-Camp

Das Dschungel-Camp 2015

Nach einem Jahr Rtl-freier Home-Zone schalte ich dann mal wieder zu dem Sender mit der genialsten Trash-Veranstaltung des Jahres. Immer wieder schön, mit anzusehen, wie sich Leute zur falschen Zeit am falschen Ort befinden und jede Menge Läster-Potential bieten. Freiwillig, so könnte man denken, geht doch keiner in den Dschungel. Doch in so manchem Fall ist das auch überhaupt nicht freiwillig, sondern von der Not gedrungen.

Von der bunten Zeitung (und anderen), die wohl eine Freundin von RTL ist, wurden bereits drei Teilnehmerinnen geoutet:

Tanja Tischewitz!? Herrje, wer ist das denn? Angelina Heger!? Auch die ist mir völlig unbekannt. Frei nach dem Motto: Ich bin kein Star, lasst mich da rein! - Da stellt sich mir gerade die Frage, ob der Wendler auch noch mal um Einlass in die Kakerlaken-Hölle gebeten hat?

Die dritte im Bunde ist Rebecca, besser bekannt als Iffi aus der Lindenstrasse. Sie leitet einen Zirkus - und daher ist sie für mich nicht eben die Sympathie-Trägerin schlechthin. Gedrillte und daher gequälte Tiere, die jeden dummen Menschengedanken in die Tat umsetzen, sind mir ein Graus. Zirkus? - Never ever!

Als Iffi hat sie es nicht geschafft, ein Kind von einem anderen als Momo zu bekommen, obwohl sie sich redlich darum bemüht hat. Dann hat sie sich ohne Kinder nach Australien verabschiedet, was einem cleveren Menschen bei RTL zu einer schlauen Assoziation verhalf.

Eigentlich reif für den Dschungel ist Jenny Elvers, nun nicht mehr Elbertshagen als Namens-Zusatz und Lebensend-Versicherung. Alkohol ist dort Mangelware und auch sonst gibt es kein größeres Unglück als Schlangen.  Ihr an die blonde Seite könnte man Jens Büchner stellen, den auch nicht alle kennen, der aber bei Goodbye Deutschland den Deppen gibt und es bis in das bunt-bebilderte Blatt geschafft hat. Vermutlich würde ihm der Ballermann fehlen - aber im Dschungel gibt es ihn auch, den täglichen Irrsinn.

Uli Hoeness wäre mein Traum-Kandidat, aber der hat derzeit andere Verpflichtungen.  Aber Christine Neubauer ist nicht undenkbar. Seit sie ihre Figur korrigiert hat, erscheint sie nicht mehr allwöchentlich im Fernseh-Programm. Im Dschungel könnte sie sich mal wieder richtig satt essen. Falls das Publikum sie zu den Essens-Prüfungen schickt. Ansonsten liegen die Leckereien mehr in den zwischenmenschlich zu erwartenden Abartigkeiten.

Herbert Grönemeyer darf nicht in den Dschungel, weil es keinen Tontechniker auf der Welt gibt, der aus seinem Genuschel eine Sprache macht. Daniel Werner darf Deutschland nicht mehr verlassen, weil ohne ihn das perfekte Dinner den Bach runter gehen würde. Ich zittere jeden Tag um ihn, wenn er sich von Krefeld auf nach Köln macht, um neue Bosheiten ins Mikrofon zu sprechen.

Angela Merkel möchte vielleicht mal ein Abenteuer erleben, aber sie traut sich nicht, von ihrem Sessel aufzustehen, weil eine Ulla den okkuppieren könnte. Helmut Schmidt hat auch abgesagt, weil es zu wenig Rauchwaren im Dschungel und zu viele Schlangen gibt. Außerdem ist er in einer neuen Beziehung, die er nicht aufs Spiel setzen möchte.

Aber RTL schafft es ganz alleine, eine Dschungel-Truppe zusammen zu stellen, über die dann vor allem die bebilderte Zeitung täglich bis zum Erbrechen berichten kann.

Einen schönen Sonntag wünscht Biene

Samstag, 1. November 2014

1. November 2014 - Aus dem Bienen-Kästchen - Ein Beitrag von Viktualia zu Allerheiligen



Ruhe sanft - Ein Beitrag unserer Viktualia Suleyka

Ein Elysium ist es, entrückt zwischen Dörfern und Kreisstädtchen, gar nicht weit von der Autobahn: Der Friedhof für Haustiere, 17 Hektar bizarres Gräberfeld mit aufwändigen Denkmalen für Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen und Kanarienvögel. Hier betten Menschen ihre aufrichtig geliebten und tief betrauerten Freunde und Gefährten zum ewigen Schlaf, bereiten ihnen  ein pompöses letzes Bett.

Zwischen messerscharf gezogenen Wegen, sauber gepflastert, besenrein gefegt, liegen penibel eingefasste Grabstellen, hier und da schmücken Ziersträucher. Kleine Abmessungen kennzeichnen dieses Liliput, das mehr kleinkarierter Schrebergarten ist,  als großzügige Parkanlage. Kunterbunt herausgeputzte Parzellchen mit herzigen Hundeskulpturen, Elfen, Engeln:  Verlogener Kitsch drückt ehrliches Gefühl aus. „Hier ruhen unsere toten Freunde“ steht auf einem Findling am Eingang. „Der Hund bleibt dir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde“ salbadert die Stele daneben.

Jedes Jahr müssen eine Million tote Haustiere entsorgt werden. Sie landen in der Abdeckerei, der Tierkörperverwertungsanstalt. Man erhitzt dort die Kadaver in großen Öfen auf 130°, dann zermalmt eine Presse Haut und Knochen. Das austretende Fett kauft die Industrie für Christbaumkerzen, Seife und Waschpulver, die Proteine landen im Kraftfutter von Schweinen und Geflügel. Den verstorbenen Kameraden einfach in die Mülltonne zu werfen, erschiene angesichts dieser vollautomatisierten Ausschlachtung beinah würdevoller.

Welch grausame Abwicklung  des einen Lebewesens, das jemandem  lange Zeit Alles war, da potenzieren sich Trauer und Schmerz. Abfallentsorgung profitabel gekoppelt mit ökonomischer Verwertungsmechanik: Unfassbar für den Menschen, der zurückbleibt. So will man hier nicht umgehen mit seinen Toten: Man beerdigt sie anständig, für viele der Tiere werden regelrechte  Begräbniszeremonien abgehalten, mit allen Schikanen: Satingefütterter Sarg, Ansprache, Kranz und Gesang.

Verhältnismäßig? Richtig? Falsch?  Wer auf diesem Friedhof sein Tier begraben hat, vermisst es oft herzzerreißend und sucht mit regelmäßigen Besuchen immer noch und immer wieder den Kontakt. Anders geht es nicht. Urteile wer will. Zivilisierte schütteln entrüstet den Kopf,  der Tierfriedhof polarisiert. Spott, Empörung, Unverständnis, die aufgeklärten Menschen da draußen haben ihre klaren Standpunkte. Die hier drinnen fühlen miteinander.

Martha kommt, wenn möglich einmal im Monat her. Unter ihren Füßen knirscht der Kies. Bei jedem Schritt der orthopädischen braunen Halbschuhe vereinigt sich die Melodie des Wegbelages mit dem Räderquietschen eines Einkaufsrollers, den die alte Frau energisch hinter sich her zieht. In ihr singt dieser Rhythmus weiter, melodisch untermalt durch das aufgekratzte Gezwitscher von Spatzen, Amseln, Meisen und einer beharrlichen Feldlerche. Das ist Marthas Ode an die Freude: Heute besucht sie Mimi.

„Ist ja jedes Mal eine Weltreise“, sagt sie, atmet tief durch, und lässt sich  erleichtert auf eine weiße Kunststoffbank fallen. Hier, im Schatten der hohen Eibe kann sie endlich ausruhen. „Drei Stunden bin ich jetzt unterwegs, mit Bus und Bahn“. Langsam und umständlich knöpft Martha ihren Tweedmantel auf, nimmt den viel zu warmen Wollschal ab, schließt die Augen und genießt den Duft von Lebensbäumen und Zypressen. Der leichte Wind schafft es zwar nicht, ihre festen stahlwollegrauen  Locken zu zerzausen, aber die Wangen hat er ihr rosig  gefärbt.

„So! Weiter geht`s, wir haben ja noch einiges vor“, Martha spricht schon lange  mit sich selbst. Seit ihr Mann vor 20 Jahren starb, lebt sie allein in einer kleinen Großstadtwohnung. „ Aber viel zu sagen hatten wir uns eigentlich auch zu seinen Lebzeiten nie. Obwohl wir fast 30 Jahre verheiratet waren“. Nach Herrmanns Tod hat Martha erschrocken festgestellt, dass er ihr nicht fehlte, sie sprach immer noch mit sich selbst - genau so viel und so oft wie vorher. „Und erst da hab ich  gemerkt, dass ich immer schon Selbstgespräche geführt habe“.  Martha kichert.

Verwundert entdeckte die fast 60-jährige damals, dass das Leben auch für sie noch Überraschungen bereithielt: „Meine Nachbarin wurde krank und starb, ich nahm ihren kleinen Pudel Mimi in Pflege, man wusste ja nicht wohin mit dem Tier“. Eine Notlösung für kurze Zeit sollte das sein, aber irgendwie meldete sich nie wieder jemand bei Martha. Und die hütete sich, die Angehörigen anzurufen. So geriet der Hund in Vergessenheit und Marthas Leben in Bewegung. Ganz langsam.

„Einmal bin ich aufgewacht und fühlte mich anders als sonst“, ihre freundlichen hellblauen Augen spiegeln immer noch etwas vom Staunen dieses Morgens, „Ich freute mich auf den Tag, richtige prickelnde Freude, wie früher als Kind am Geburtstag oder Weihnachten“. Martha hatte das Gefühl, als hätte jemand die graue Wehrmachtsdecke weggezogen, die bislang ihr Leben beschwert hatte. „Das kam durch den Hund, der guckte mich an, der stupste mich und war frech, lustig, verspielt, da musste ich einfach lächeln“.

Sorgfältig steckt Martha gelbe Chrysanthemen in eine Vase. Es dauert, bis sie das dicke Blumenbund zufriedenstellend in dem hohen, schlanken Gefäß arrangiert hat. Sie nickt zufrieden, als sie die Blütenpracht exakt in die Mitte des kleinen Grabes platziert, direkt hinter das Porzellanbild ihrer Mimi. „Fast 16 Jahre war sie bei mir“.

Martha ist nach Mimis Tod nicht wieder in die stumme Einsamkeit zurückgefallen, die vor allem ihr Leben in der ehelichen Zweisamkeit kennzeichnete: „Ich habe durch Mimi so viele Leute im Viertel kennengelernt und  gute Freunde gewonnen.“ Und selbst wenn Martha manchmal noch ein bisschen traurig ist, hier an Mimis Grab: Die Freude, morgens beim Aufwachen, die spürt sie immer noch,  jeden Tag.

Aus den Tiefen des Hackenporsches kramt Martha jetzt einen Beutel mit Putzschwämmchen und Reinigungsmitteln hervor. Kopfschüttelnd wischt sie die Hinterlassenschaft einer pietätlosen Drossel von der Grabplatte. Nun blinkt der Schriftzug wieder: „Mimi - unvergessen“, schwarze Buchstaben auf blendend weißem Marmor. Weißer geht`s nicht. Auch die Kiesel, mit denen das gepachtete  Rechteck akkurat aufgefüllt ist, sehen aus wie jeden Tag von Hand geputzt.

Reinlichkeit scheint Gesetz auf dem Haustierfriedhof, verwahrloste Gräber findet man hier nicht. 5000 Seelen schlummern in himmlischem Frieden und fleckenloser Sauberkeit. Alle nur denkbaren Auswüchse deutscher Gartenkultur werten die Beete und Rabatten auf.  Eine hellgraue Steinbank spiegelt griechische Antike vor, ihre beinah Marmorsitzfläche ruht auf zwei gewaltigen Löwenskulpturen. Zwischendrin laden , weniger opulent als praktisch, Plastikbänke zum Ausruhen ein.

Freudig begrüßt Martha ein älteres Ehepaar, man kennt sich von den häufigen Besuchen hier. Anna und Walter schauen alle 14 Tage nach ihrer „Diana“. Die Besuche am Grab der verstorbenen Jagdhündin sind ritualisierte Inszenierungen: So nimmt Anna stets ein aufwändig gebundenes Album aus ihrer großen Tasche und blättert es gemeinsam mit Walter Seite für Seite durch. Diana, vom tapsigen Welpen bis zur Seniorin, festgehalten auf Hochglanzfotos. „Unserer lieben Diana zum Abschied. Von Mama und Papa“, ziert das Vorsatzblatt in Schönschrift.

„Unserem Kind“ ist der Titel eines Videobandes, das Besuche am Grab festhält,  neue Dekorationen und Bepflanzungen dokumentiert. „Diana ist unser liebstes Kind“, betont der 75-jährige Walter mit fester Stimme. Der Mann, mit dem gutmütigen Aussehen eines Bilderbuch-Großvaters sagt plötzlich verbittert: „Ich habe zwar sechs Kinder und drei Enkel, aber zu denen gibt`s keinen Kontakt mehr“. Warum auch immer das so ist, den abgrundtiefen Kummer darüber merkt man Walter und Anna deutlich an. Wer weiß schon, um wen die beiden während ihres autistischen Memorandums  alle 14 Tage wirklich trauern?

Abkehr vom Menschen,  vermenschlichende Zuwendung zum Tier - das scheint gemeinsames Merkmal vieler Grabpächter zu sein. Tieren kann man vertrauen, sie widersprechen nicht, sind bedingungslos treu, ergeben und dankbar bis zum Schluss. Von ihren Menschen werden sie verzweifelt wiedergeliebt, sind keine austauschbare Kuschelware, schnell nachgekauft beim nächsten Megazoo. Jedes dieser Tiere ist gemeint und gesehen worden: “Schlafe, mein kleiner Purzel“ steht auf Terrier Blackys Granitblock, „Deine schöne Seele war wie der Himmel voller Sterne“ lautet die poetische Inschrift bei Katze Tinka.

Wortreiche Tierliebe in vorgefertigte Poesie gepresst, das erzählt vor allem von sprachloser Einsamkeit. Jeder Stein, jeder Buchstabe zeugt bis an die Schmerzgrenze deutlich von Gefühl, von aufrichtiger Liebe, von Treue, Freundschaft und Verbundenheit. Pathos in Stein gemeißelt. Je ausschweifender und verschnörkelter die konfektionierte Lyrik der Inschriften, desto stummer und verschlossener der Mensch, der sie in Auftrag gab?
Drei Gräber rechts von Diana reichen jedenfalls vier Worte aus, um dem verstorbenen Kollegen auf ewig zu danken: „Kaninchen Nicky. Dein Zauberer“.