Dienstag, 6. August 2024

5. August 2024 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Frankfurt a. M. bei Joanna



"Als Fremde kommen, als Freunde gehen"
Vorspeise: Trüffel küsst Knolle – Trüffel /​ Sellerie /​ Baguette
Hauptgang: Kälbchen im Gemüsebeet – Kalb /​ Soße /​ Gemüse
Nachtisch: Pinke Sauerei an eisiger Schote – Rhabarber /​ Erdbeere /​ Vanille


Frankfurt, Bankfurt, Punkfurt, Krankfurt, Zankfurt, Frankfurz, Francopianofore, Dribbdebach, Mainhattan, Bankrottfurt.
© Ulrich Erckenbrecht (*1947)

Während vor der Frankfurter Börse die Skulpturen Bulle und Bär das Auf und Ab der Börse verkörpern, ist der weltweite Börsenhandel in starke Turbulenzen geraten.

Aber hier geht es nicht um die Schieflagen, die manchem Aktionär Bauchschmerzen verursachen - sondern um die Sendung "Das perfekte Dinner", die

in stillen Gewässern ruhig, aber inflationär bewertet, vor sich hin dümpelt. In dieser Sendung kann man noch Gewinne machen ... und zwar, ohne dabei die Nerven zu verlieren.

Die erste sogenannte "Hobby-Köchin" ist Joanna, die gebürtig aus Polen stammt. 2010 ist sie nach Deutschland gekommen, um hier eine Ausbildung zur Hotelfachfrau zu machen. Sie ist geblieben, hat einen Mann namens Alex geheiratet und eine kleine Tochter bekommen.

Vielleicht brauche ich noch Zeit, um mit dieser Frankfurter Gruppe "warm zu werden", und vielleicht schickt

Vox auch nicht die interessantesten Dinner-Ausgaben gegen so viel übermachtigen Sport wie bei Olympia ins Rennen.


Das Menü

beginnt mit einer Selleriecremsuppe samt Trüffeln. Sie hat Baguette gebacken ... aber auf dem Tisch sehe ich es nicht.

Der Teig fürs Brot ist ohnehin vorbereitet - und ich höre die Nachtigall, die trappst, denn ihr Mann ist Koch ...

Ebenso ist die Linsenbratlingmasse als vegetarische Alternative für Jessica längst vorbereitet und muss nur noch in der Pfanne gebraten werden.

Sie ist nicht so überbeschäftigt, dass diese Vorarbeiten nötig gewesen wären.

Die anderen Gäste bekommen Kalb-Tafelspitz, die ewig beliebten Möhrchen, ziemlich schlapp aussehenden grünen Spargel - und alles nimmt Platz auf einer Ausgabe der bekannten Frankfurter Grünen Soße.

Die Kräuter dafür will sie durch den Fleischwolf jagen - anstatt sie kleinzuschnibbeln. Zu sehen bekommen wir diesen Akt nicht - vielleicht aus gutem Grund.

Vanille-Eis mit Kristallen sowie eine Rhabarber-Erdbeer-Mischung, die sie erhitzt, bilden den Abschluss. Ach ja, ein bisschen Crumble darf auch noch sein.


Fazit

Der geringe Unterhaltungswert wird durch das Gekochte nicht aufgefangen.

Die Punkte-Einschätzung der Gäste: je 8 geben Jenni, Jessica und Christoph, 9 gibt Marc.

33 Umdrehungen sagen nichts für die nächsten Tage aus, rein gar nichts.

Und ein bisschen Sorge habe ich vor der nächsten Koch-Ausgabe mit Jenni: ich verstehe kaum, was sie in ihrem wellenartigen Singsang erzählt.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Samstag, 3. August 2024

3. August 2024 - Philippe und ich


Philippe und ich

Unsere gemeinsame Geschichte war intensiv, kurz, losgelöst von allem Drumherum, aber sie war ohne Happy End, denn sie hatte nicht einmal ein wirkliches Ende, weil sie jäh von meinen  aus heutiger Sicht unberechtigten - Gewissensbissen unterbrochen worden ist.

Obwohl diese unvergessene Story Potenzial hatte, das aus ihr mehr hätte entstehen können, wurde am Ende gar nichts daraus. Wie aus so vielen hoffnungsvollen Geschichten nichts wird, obwohl sie die besten aller Anfänge nehmen, und das heißt so viel, als wären sie im wahren Sinne des Wortes eine Liebe auf den ersten Blick gewesen, die dann

in der schnelllebigen Zeit unter die Räder gekommen ist.

Ich hatte vor kurzem über meine einzige Liebe in dieser Größenordnung erzählt - und Philippe kam ihr ein paar Jahre später als einzig weitere bis heute sehr nahe.

Dennoch war unsere Begegnung zu kurz, zu überwacht, zu different ... denn er sprach damals kein Deutsch oder kein Englisch -

und ich kaum ein paar Worte Französisch.

Er ist nämlich Franzose.


Vorankündigung

Mein damaliger Freund - heutiger Ehemann - war zu der Zeit als Musiker unterwegs. So hatte ich ihn kennengelernt, und dieses Kennenlernen ist eine völlig andere Geschichte, die ich vielleicht in ein paar Jahren mal erzähle, so wie ich auch

Jahre gebraucht habe, um diese rund um Philippe und mich zu erzählen.

Damals war mein heutiger Mann zu TV-Aufnahmen im Hessischen Rundfunk in Frankfurt - und als er mich anrief, erzählte er mir von Philippe, von dem er annahm (er war damals sehr eifersüchtig, heute nicht mehr - denke ich), dass er

mir sehr, sehr gefallen würde. Er war einer der Stars der Sendung - und ich war geplant auf dem Weg von Dortmund nach Frankfurt. Weil ich

bodenständig berufstätig bei der Stadt Dortmund war, konnte ich ausschließlich an den Wochenenden zu TV-Aufzeichnungen oder anderen Auftritten nachreisen. Aus dem

Showgeschäft habe ich mir nie viel gemacht.

Später habe ich das Showgeschäft eher verachtet, aber an diesem langen Wochenende in Frankfurt und während der Proben zu einer Show

lernte ich Philippe kennen, der ebenfalls - damals zumindest - vom Show-Biz offenbar völlig überrollt von seinem plötzlichen Erfolg stand. Er war der Star der damaligen Show,

aber so eingeschüchtert wie ich selber - von diesen vielen Selbstdarstellern.


Festhalten

Jeder muss sich an etwas, irgendetwas, festhalten. Manch einer an einem Stuhl und manch einer an der Versuchung, durchzudrehen, weil plötzlich alle Welt und sogar die direkte Umwelt einen für den Größten hält.

Philippe hat sich nicht für den Größten gehalten. In den Proben zur Show habe ich ihn und er mich zum ersten Mal gesehen. Ich fühlte mich unwohl in dieser Welt,

und er hat irgendwie das gleiche empfunden. Wir 

haben uns aneinander festgehalten. Nicht wörtlich, aber mental.

Er hatte den schüchternsten Blick dieser Welt ... und sein Blick hat sich an meinem so festgeklammert, dass ich diese Intensität niemals vergessen werde.

Viele damals bekannte Show-Größen waren um uns herum, aber Philippe hat nur mich gesehen, fast so als wäre ich der einzige wirkliche Mensch in diesem Zirkus.


Sein Auftritt

Die Show wurde an zwei aufeinanderfolgenden Tagen aufgezeichnet. Später wurden die besten Szenen für den TV-Auftritt zusammengeschnitten.

Vor seinem Auftritt stand er mir gegenüber: in einen Smoking gekleidet, ich in eher Straßenklamotten. Inmitten anderer  Prominenz standen wir - und

hatten nur Augen füreinander.

Als er sich ans Klavier gesetzt hat, saß ich in der ersten Reihe. Die wurde mir zugewiesen, ohne mein Zutun.

Philippe hat seine damals und bis heute weltberühmte Melodienfolge auf dem Klavier abgespult - und dabei nur Augen für mich gehabt.

Diese Blicke werde ich nie vergessen. In jenen Momenten war ich mehr als nur sein Halt in all den Rumstehpausen zuvor. Es war,

als hätte er diese Ballade nur für mich allein gespielt. Und es war nicht allein in meinem Kopf so, es war wirklich so,


Wenn man nur mit Händen, Füßen und ein paar Wortfetzen miteinander reden kann

Vielleicht war das Wortkarge zwischen uns auch eine Art von Zauber, denn Wörter hätten uns niemals voneinander trennen können,

weil wir in zwei verschiedenen Sprachen unsere Heimat hatten. Die Worte zwischen uns waren so sparsam, dass sie keinen Zauber hätten zerstören können. 

Aber mit diesen Wortfetzen und Händen und Füßen trafen wir eine Verabredung; wir haben Telefon-Nummern ausgetauscht,

der  junge Mann auf dem unaufhaltsamen Weg zum Star im Smoking und die junge der Öffentlichkeit unbekannte Frau in Straßenklamotten.


Dortmund

Er und ich hatten in beinahe sprachloser Weise beschlossen, einander wiederzusehen. Er wollte mich anrufen, wenn er in der Nähe von Dortmund oder Duisburg sein sollte.

Etwa ein bis zwei Monate später war es soweit. Philippes Hit hatte inzwischen noch mehr Fahrt aufgenommen. Er gastierte in Dortmund.

Und er rief mich in Duisburg an.

Jeder kann sich vorstellen, wie holprig eine Konversation verläuft, wenn man am Telefon  nicht einmal Hände und Füße zu Hilfe nehmen kann -

denn damals gab es noch kein Facetime - (nutze ich bis heute nicht),

aber niemand kann sich vermutlich vorstellen, wie man sich dennoch verständigen kann, wenn der eine kein Englisch oder Deutsch und die andere nur Brocken Französisch spricht.

Wir haben damals eine Verabredung an einem bestimmten Ort in Dortmund gehabt.


Das Ende unserer nie erfüllten Love-Story

Da gab es  damals und es gibt ihn auch heute noch: den Mann, durch den ich Philippe überhaupt erst kennengelernt habe. Und der damals viel für mich empfunden hat - ich befand mich in einem Gefühls-Chaos, dem ich nicht entrinnen konnte.

Zu der Verabredung mit Philippe bin ich nicht hingegangen.

Denn ich befand mich zusätzlich in einer Verantwortung, so dachte ich, für meinen heutigen Ehemann. Ich konnte ihn doch nicht derart enttäuschen ...

Selbstverständlich habe ich keine Ahnung, was aus Philippe und mir geworden wäre - und das ist auch unerheblich, und ich bereue auch keine Entscheidung, die ich jemals getroffen habe - allein, weil mich das niemals weitergebracht hätte und mir nur die Enttäuschung vor mir selber zu sehr bewusst geworden wäre.

Heute denke ich an Philippe, der für die Öffentlichkeit einen anderen Namen trägt, mit viel Freundlichkeit zurück.

Was wäre, wenn ... war noch nie mein Ding.


Guten Tag, Gruß Silvia





3. August 2024 - Tief drinnen denke ich rosa ... Neuveröffentlichung aus 2018


Foto: Marianne Mossel


Tief drinnen denke ich rosa

... und möchte mich wie das Kätzchen Jollie auf dem Foto in eine rosa Decke wickeln, auf ein rosafarbenes Sofa begeben und den Fernseher anstellen, der mir nur rosa Nachrichten vermittelt. Dann lasse ich mir einen rosa Kuchen servieren und muss bemerken,

dass der nur von außen rosa ist, und innen ist er schwarz wie die Nacht oder wie die Schokolade, aus der er gebacken wurde.

Okay, ganz in Rosa ist die Welt dann doch nicht. Ich streife meine rosa Decke ab und ein rosafarbenes Sofa besitze ich gar nicht. Und selbstverständlich sind die Nachrichten überhaupt nicht rosa, sondern schlimm. Hat "Schlimm" einen Farbton?

Ich gehe zum Weihnachtsmarkt und hoffe auf rosa Erlebnisse: Glockenläuten und den Duft von Mandeln. Stattdessen Gedränge, Anti-Terror-Hindernisse, Enge, der Glühwein (auch nicht in rosa, aber beinahe) schmeckt wie Plörre - und ich bezahle mit harter, ebenfalls nicht rosa Währung.

Wo ist die Welt überhaupt noch rosa?

Tief in mir drinnen - oder wenn meine Hündin mir beim Leben zuguckt, einfach nur so, und mit abgründig-dunklen Augen, die mir dennoch rosa erscheinen.

Es gibt viele rosa Momente.

Wenn ein Fremder auf der Straße grüßt, einfach nur so, dann wird es rosa. Wenn endlich ein Brief kommt, auf den man lange gewartet hat (nein, keine schnelle Mail), dann ist das rosa.

Wenn jemand etwas Freundliches sagt - und es zudem auch noch wirklich so meint, dann ist das rosa.

Man muss diese rosa Momente nur erkennen - und das ist manchmal nicht so einfach.

Doch tief drinnen denke ich rosa - und lasse es mir nicht nehmen.

Draußen ist es grau in grau? Egal, es kann trotzdem einer der schönsten Tage überhaupt sein.

Schwarzmalen kann jeder, ich male heute mal rosa.


Allen ein rosa Wochenende, Gruß Silvia

2. August 2024 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Bielefeld bei Vesna


Vorspeise: Kleiner Balkanteller Gibanica | Palatschinke | Joghurt
Hauptgang: Klassiker nach Bielefelder Art Rind | Spätzle | Gemüse
Nachtisch: Kuchenvariation Apfelkuchen | Brownie | Čupavci


Die letzte Seite im dieswöchigen "Buch" schlägt Vesna auf ...

Ihre Eltern stammen aus Serbien (Vater) und Montenegro (Mutter) und kamen vor 50 Jahren nach Deutschland. Die 47jährige Vesna

ist gelernte Rechtsanwaltsgehilfin, jetzige Assistentin einer Geschäftsführung, Trau-Rednerin und, was mit dieser Sendung kompatibel ist/wäre

eine Liebhaberin der Konditor-Kunst. Hier kommt das "wäre" ins Spiel - und ich werde gleich erwähnen, warum.

Vesna kocht "Heimatküche" - und wenn ich das übersetze, dann wird zusammengerührt, was sich nicht wehren kann - mit diversen Zutaten, die es aus Fabriken zu kaufen gibt.


Das Menü

Der Begriff "Menü" ist hier ziemlich hochgegriffen. Sie benutzt liebend gern Vegeta, das keinen Deut besser als M...-Fertigpulver ist, ohne den Hauch eines schlechten Gewissens zu haben. Die Geschmäcker vieler Menschen

sind ohnehin durch diese Produkte richtig verdorben.

Zur Vorspeise gibt es herzhaft gefüllte Palatschinke und Joghurt-Auberginen-Creme. Die Teller-Inhalte sehen wie hingeklatscht aus. Leider.

Aber besonders Bettina fühlt sich bereits wie im "Kroatien"-Urlaub. Sie ist eben der Sonnenschein in dieser Woche.

Als ich als junge Frau die ersten Kochversuche gemacht habe, kam als Premiere ein Gulasch auf die Teller: einfacher geht es nicht. Da es mich nie in die Küchen meiner Oma und meiner Mutter gezogen hat, habe ich nicht bereits als Kind gekocht ... meine Interessen lagen anderswo.

Zu einem angeblich perfekten Dinner ein Gulasch zu servieren, wie Vesna es macht - ist möglich, aber kaum spektakulär oder auch nur interessant.

Die Konditor-Kunst will es Vesna angetan haben: ehrlich? Ich sehe den Bielefelder Dr., der samt seiner Tütenproduktion bei diesem "perfekten Dinner" mitwirkt. Ich sehe Fertig-Filo-Teig. Gut, der ist auch nicht ganz einfach in einer eigenen Herstellung. Ich sehe viel Ergebnis nach ganz wenig Mühe:

und die Teller sehen extrem überladen aus.

Aber wenn Ralf freundlich meint, dass sie uns ihre Heimatküche nahebringt ... dann ist das sicher so in seinem Universum. In meinem ist das

unspektakuläres Larifari.


Fazit

Lieb gemeint. Mehr nicht! - Aber wie wäre es andererseits, wenn sich nur noch die wirklich guten Hobby-Köche für dieses Format bewerben würden?

Ich weiß es: eine vor mindestens 15 Jahren mangels Kandidaten verstorbene Sendung.

Die Punkte: 7 gibt Ralf, je 8 Georg und Bettina, 10 wirft Gina leichtfertig in den Topf.

Das ergibt die Zahl von 33 Punkten - und ich freue mich über die reelle 7 von Ralf

(denn vor einiger Zeit hatte ich schon vermutet, dass Vox alle Bewertungs-Tafeln von 0 bis 7 einkassiert hat),

während mich die 10 von Gina mit Fragezeichen in den Augen zurücklässt.

Es gewinnt mit 38 Zählern Georg. Und das, obwohl ihm ausgerechnet zum Nachtisch nichts weiter als Milchreis eingefallen ist.

Mir bleibt, allen Lesern ein schönes Wochenende zu wünschen. Wir erwarten hier heute maximal 25 Grad mit einer geringen Regenwahrscheinlichkeit von 5 Prozent.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Freitag, 2. August 2024

2. August 2024 - Der bewegte - gastrosexuelle - Mann: Neuveröffentlichung aus 2014



Der bewegte - gastrosexuelle - Mann

steht heute in einer High-Tech-Küche und manche ihm weg gelaufene Frau nennt ihn warnend "gastrosexuell".

Man trifft ihn nur dann unterwegs an, wenn er unbedingt ein neues Equipment für seine nur höchsten Ansprüchen genügende Küche benötigt. Wenn möglich, bestellt er sich das aber übers Internet.


Das kann er dann gleich von seinem Lieblingsplatz, der Küche, aus erledigen.


Nun sind kochende Männer ja durchaus beliebt bei Frauen. Nach Jahrmillionen an den Kochstellen wurde es Zeit, mal die Plätze zu tauschen.

Wenn die Männer es nur nicht immer gleich übertreiben würden. Selbstverständlich nicht alle: Aber eben diese gastrosexuellen. Seit ein paar Jahren gibt es diesen Begriff, nach dem lange gesucht worden ist.

Und wenn eine Frau nicht gerade diesen Typus Mann sucht, sollte sie vorsichtig sein, wenn der potenzielle neue Partner sie zum ersten Date in seine eigene Küche einlädt.

Wenn er sie auf einen Shopping-Bummel begleiten möchte, könnte es passieren, dass sie in den Feinkostgeschäften der Stadt landen - oder in einem Laden für Profi-Küchen-Ausstattung.

Das war es dann mit einem neuen Paar Schuhe. So schnell lässt sich ein gastrosexueller Mann nicht von seinem Vorhaben abbringen,

seine Kochkenntnisse um weitere Details zu erweitern und auf jeden neuen Quatsch mit Nachkochen zu reagieren.

Nicht bekannt ist, ob solch ein Kerl am Abend todmüde vom Küchendienst nur noch den Schlaf des gerechten Kochs im Bett bevorzugt. Damit er von neuen kulinarischen Abenteuern träumen kann.

Oder ob er Neben-Hobbies abseits vom Kochen frönt.

Doch soviel Leidenschaft auf der einen Seite verhindert meist andere Leidenschaften.

Ein bisschen kochen ist gut - ein Überkochen kann leicht die Luft zum Brennen bringen.

Was es nicht alles so gibt, Gruß Biene

1. August 2024 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Bielefeld bei Georg


Vorspeise: Etwas aus dem Meer – Sellerie / Kräuter / Brot
Hauptgang: Etwas aus dem Wald – Gratin dauphinois / besoffene Schalotten / Brokkoli / Kürbis / Erbse
Nachtisch: Etwas aus Fernost – Kokos / Mango / Passionsfrucht


Zufall ist das bekannte Ergebnis unbekannter Ursachen
- Voltaire (1694 bis 1778), u. a. Philosoph

Wie Irrlichter vom Himmel fallen - purzeln heute wieder einmal die Punkte aus den Händen der Mitbewerber um einen Jackpot von 3.000 Euro, als hätte jeder von ihnen Sorge, sich an diesem Geld die Finger zu verbrennen - und schiebt es deshalb gerne einem anderen Show-Teilnehmer zu.

Zweifelsfrei kann Georg kochen und macht einen sympathischen Eindruck, aber mir bleiben die Ursachen unbekannt, die ihm am Ende seines Dinner-Tages satte 38 Punkte bescheren. Selbst ein Zufalls-Generator könnte das besser ... und fairer.

Der 40jährige Informatiker Georg ist gebürtig aus Kasachstan und lebt schon seit seinem 4. Lebensjahr in Deutschland. Auf dem Land irgendwo in der Nähe von Bielefeld ist er der männliche Part in einer insgesamt 6köpfigen beinahe ausnahmslos weiblichen Patchworkfamilie. Seine Freundin Maria zeigt sich kurz dem Publikum,

während der Besuch bei den vielen Hühnern mehr Zeit in Anspruch nimmt. Die leben in einem recht kleinen Gehege - und dass sie Auslauf in dem gepflegten Garten bekommen, glaube ich eher nicht.

Auch ein Australian-Shepherd/Pudel-Mischling (oder ist es eher eine der neuen Designer-Kreationen?) lebt in dieser Familie.

Georg bezeichnet sich als ausgesprochen tierlieb - dann wird er wissen, dass diese Mischung hochbrisant in Bezug auf die Intelligenz ist: Australian Shepherds sind die klügsten unter den Hunden, dicht gefolgt vom Pudel). Da ist viel Beschäftigung gefragt und täglich gefordertes Programm ... Oft aber fehlt den Hunde-Haltern dafür die Zeit ...


Das Menü

Zur Vorspeise reicht er Selleriecremesuppe mit Jacobsmuscheln und selbstgebackenem Brot. Erwähnenswert ist sicherlich, dass die Suppe wie eine Suppe aussieht ... und nicht, wie so oft, breiartig in die Teller gegossen wird.

Auch erwähnenswert: er stellt die Brühen dafür und für die Hauptgangsoße selber her.

Den Rehrücken gart er zunächst sous-vide, danach kommt das Fleisch in die Pfanne. Das Kartoffelgratin hat er am Vortag zubereitet - und erhitzt es in einer anderen Pfanne.

Kartoffel-Gratin schmeckt am besten, wenn es frisch zubereitet gegessen wird. Punkt! - Doch die hier als recht umfangreich beschriebene Zubereitungsart mit vielen, vielen Kartoffel-Schichten hätte wohl den heutigen zeitlichen Rahmen gesprengt.

Und dann kommt der Nachtisch: dem thailändischen Sticky-Rice nachempfunden serviert er - ja, Milchreis, gegart in Kokosmilch - ich mag gern Milchreis,

sehe es aber nicht als Bestandteil eines perfekten Dinners. Mango und Mango-Espuma und Passionsfrucht-Sorbet ... verbessern

meiner Meinung nach das Dessert nicht.


Fazit

Da offenbar wirklich niemand sonst als Gewinner aus der Bielefelder Runde hervorgehen möchte, schneien Georg die Punkte nur so ins Haus:

je 9 geben Ralf und Gina, je 10 Bettina und Vesna.

38 Zähler und der bislang 1. Platz, der selbst bei allem Überschwang, übersetzt in Punktegefühle, von Vesna, die als letzte Kandidatin kochen wird, kaum zu toppen ist.

Aber wer weiß das schon so genau, denn wenn Vesna Koi-Teich, Hühnerstall, geschenkte bunte Eier als Gimmick an die Gäste und sonst was toppen kann, könnte ihr

der große Wurf doch noch gelingen.

Mehr als 8 Punkte hätte ich Georg nicht geben können, weil ich viel von Ehrlichkeit halte.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Donnerstag, 1. August 2024

31. Juli 2024 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Bielefeld bei Bettina


"Mit Liebe gemacht"
Vorspeise: Ein Schotte auf Risotto – Risotto / Bärlauch / Lachs
Hauptgang: Mein Cape-Town-Favorite – Rind / Butternuss / Spargel
Nachtisch: La Primavera – Tiramisu / Rhabarber


Überhaupt nicht hart, nur herzlich

ist die 52jährige Bettina, die heute zwar nicht wie einst Jonathan und Jennifer Hart in der Reihe "Hart, aber herzlich" einen Kriminalfall löst, aber zu ihrer großen, großen Freude

endlich in der Sendung "Das perfekte Dinner" mitwirken darf. Und in der ist längst gar nichts mehr kriminell, sondern seicht und weichgespült und beinahe ohne Ausreißer und dem Verlangen, auch mal richtig anzuecken. Stattdessen droht hier

seit etwa eineinhalb Jahren eine wahre Überschwemmungs-Flut aller vergebenen Punkte. Die Punkte-Währung ist enorm gestiegen, man hätte rechtzeitig in sie investieren sollen ...

Bettina darf bereits aufgrund ihres den anderen zugewandten und liebevollen Wesens auf viele, viele Zähler hoffen.

Zuvor berichtet sie sehr offen über ihre Magersucht als Jugendliche. Die hat sie offenbar überwunden, aber die Kontrolle über alle verwendeten Lebensmittel und deren Inhaltsstoffe ist bis heute ausgesprochen wichtig für sie.


Das Menü

Ralf, der viel von sich selber und seinen Kochkünsten hält, kommt nicht auf die Idee, dass der "Schotte auf Risotto" ein Lachs aus schottischen Gewässern ist, was den einen oder anderen und auch mich verwundert. Bärlauch mag er nicht so gern, aber am Ende der Vorspeise sind alle Teller, auch seiner, restlos leergegessen.

Gina hat ein anderes Problem mit Bärlauch: sie fürchtet, diesen mit den giftigen Maiglöckchen zu verwechseln. Dann soll sie den im Supermarkt kaufen - obwohl man ihn dort oft gar nicht erwerben kann. Da ich ohnehin jeden Tag

im Wald bin, gehe ich sehr furchtlos in die Bärlauch-Felder und pflücke: und noch nie habe ich gesehen, dass Maiglöckchen auch nur in der Nähe der knoblauchduftenden Pflanzen wachsen. Auch gibt es die Maiglöckchen ein wenig später im Jahr als den Bärlauch.

Rinderfilet - nichts Neues also, auch, wenn es Bettina an Südafrika-Urlaube erinnert.

Mit einem Rhabarber-Tiramisu beschließt sie ihr Menü - und hier kommt ein großes Veto von Ralf, dem ein einziger Nachtisch-Bestandteil einfach zu wenig und nicht schwierig genug ist.

Er darf sich - noch - beruhigen, denn bislang bleibt ihm der vorerst 1. Platz - auch, wenn sein Menü zeitlich gesehen eher der Katastrophen-Liga angehört hat.


Fazit

Einer anderen Liga hat Bettinas Mann Stefan angehört: einst war er Stürmer bei Arminia Bielefeld. Heute serviert er Bettinas Gästen den Kaffee. Einmal kurz gegooglet, bin auch ich als Fußball-Unkundige fündig geworden:

er heißt Stefen (Studti) Studtrucker.

"Studti" ist überdies nicht nur Bettinas Ehemann, sondern auch ein guter Bekannter von Ralf. Vesna wäre schon mit einem Autogramm zufrieden. Ihren Wunsch an den Ex-Fußballer finde ich eher ... peinlich.

Ich freue mich, dass Bettina viel Freude an diesem Tag hat.

Hier die Punkte für sie: je 9 geben Gina und Georg, je 8 Ralf und Vesna.

Das ergibt die Summe von 34 Zählern.

Meiner Meinung nach ist 9 die Bewertung für ein außergewöhnlich gutes Menü, während die 10 nur selten überhaupt erreichbar ist. Heute

gefällt mir zwar Bettina, aber ihrem Menü hätte ich keine 9 Punkte gegeben.


Guten Morgen, Gruß Silvia