Samstag, 5. März 2022

5. März 2022 - Das alte Liebesgedicht ...


Das alte Liebesgedicht ...

Mündlich hatte sie oft schwere Geschütze in ihrer Wortwahl parat, vor deren Spitzfindigkeiten niemand sicher sein konnte. Sie war aber auch die, die jedes Fest mit guter Laune aufwerten konnte, oder die, die für ihre Freunde stets ein offenes Ohr hatte. 

Nur im Schriftlichen brachte sie in Gedichtform ihre zarte Seite zum Vorschein. Sie schrieb viele Gedichte, bereits als Kind. Zum Beispiel über ihre 1. Malteser-Hündin "Pünktchen". Im vielleicht stillen Kämmerchen hing sie ihren Gedanken nach. Und nicht immer waren sie wie in obigem Gedicht der Liebe zugewandt - als 14jährige floh sie mit ihrer Mutter aus Allenstein in Ostpreußen über die Ostsee nach Dänemark. Dort entstanden Gedichte gegen den Krieg - und auch solche, die über das Leid der deutschen Flüchtlinge während der Flucht oder in einem Lager in Dänemark erzählten. 

Zunächst schrieb sie in Sütterlin, später wechselte sie erst zu einem Mischmasch aus Sütterlin und Lateinischer Schrift bis hin zu ausschließlich lateinischer Schrift. Da hatte sie das Dichten längst aufgegeben ... oder es nicht in ihrer Hinterlassenschaft deponiert.

Dass ihre Gedanken, in Gedichte gerahmt, keine große Literatur waren, wusste sie wohl. Aber sie wollte damit auch nie an die Öffentlichkeit gehen.

Wer es dennoch lesen kann, dieses Gedicht, das auf einer 2. Seite (die ich hier nicht veröffentliche, zu privat) weitergeht, der hat das Lesenkönnen dieser alten Schrift sicher durch Omas oder Eltern erlernt. Ich kann es lesen. Schreiben kann ich Sütterlin nicht.

Dieses Gedicht hat sie ihrem späteren Mann zur Verlobung geschenkt. Und sie beschreibt ihren Verlobten darin genau so, wie sie ihn sah - und wie andere ihn sahen: kurz gesagt: auf ihn war immer und in jeder Lebenslage Verlass.

Ich muss es wissen, denn dieses Gedicht schrieb meine Mutter, und sie richtete es an meinen Vater.  Ich habe es in einer alten Fotoschachtel gefunden, die meiner Mutter gehört hatte. Zu beider Lebzeiten kannte ich diese Zeilen nicht.

Ihr gemeinsames Leben haben sie meistens in Harmonie verbracht - wenn es auch eine große Krise gab, als ich 11 Jahre alt war. In meiner Erinnerung hat sie etwa zwei Jahre gedauert. Sie haben sie

überwunden, und sie sprachen nicht mehr darüber.

Es war eine "Sache" zwischen ihnen beiden, und das war in Ordnung. Bis zum Tod meines Vaters lebten sie harmonisch miteinander. Sie starb viele Jahre nach ihm in 2010. Er starb viel zu früh mit gerade einmal 64 Jahren.


Guten Tag, Gruß Silvia 

4. März 2022 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Stuttgart bei Michael


„In (1)80 Minuten um die Welt“
Vorspeise: Leine los in Richtung Vietnam
Hauptgang: Mit Volldampf mediterrane Schätze entdecken
Nachtisch: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten lädt zum Lächeln ein


Intelligenz: natürliche Intelligenz – künstliche Intelligenz –
gekünstelte Intelligenz; letztere ist beim Menschen auf dem Vormarsch.
© Helmut Glaßl (*1950)

Michael ist der Mann mit dem Corona-Frisuren-Knödel auf dem Hinterkopf, denn über alles Geschehen dürfen wir die Pandemie nicht vergessen. Er bekennt sich zur künstlichen Intelligenz, die er nach seinem Gutdünken beeinflusst. Irgendwann wird sie den Menschen übertreffen, aber seine Versuche mit dieser digitalen Klugheit sind noch bescheiden.

Michael habe ich in den vergangenen Tagen als einen eher ruhigen Menschen wahrgenommen; heute legt er eine Redseligkeit an den Tag, die ihresgleichen sucht. Es ist, als hätte er alle unausgesprochenen Wörter des letzten halben Jahres für diesen Abend aufgespart ... zu viel des Guten. Oder nicht Guten. Manchmal hat derjenige, der viel erzählt, wenig zu sagen - und labert lediglich.

Michael ist zur See gefahren und hat auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet. Die Uniform, die er heute trägt, zeugt von einem hohen Offiziersgrad ... (vielleicht ist das auch ein Karnevalskostüm) vier Streifen bedeuten allerdings nicht vier von fünf Sternen im Koch-Niveau.

Seine Freundin Alina hat er auf dem Schiff kennen- und lieben gelernt. Die Einzelkatze, die bei ihnen wohnt, ist süß ... aber eben allein ... Zwar sind Katzen keine Rudeltiere, aber zu zweit sollte man sie mindestens halten.


Das Menü

Nix gegen den Moscow-Mule als Aperitif: und nichts gegen die Russen in ihrer Gesamtheit. Der Vor-Drink veranlasst mich jedoch zu einem Mini-Statement:

Es ist wenig klug und menschlich, russische Mitbürger pauschal zu verurteilen. Die meisten von ihnen sind Opfer ihrer Heimatland-Politik.

Mein persönliches Desaster ist, dass ich einst Gerhard Schröder gewählt habe - und dieser nun nicht alles in seiner Macht stehende unternimmt, um Putin in die richtige Richtung zu beeinflussen.

Zurück zum Alltagsgeschäft:

Eigentlich will Michael im Hauptgang Puten- und Kalb-Involtini servieren. Beim Putenfleisch verlässt ihn seine Geduld und die Zuversicht - oder seine Nerven versagen. Nervenversagen würde einer künstlichen Intelligenz niemals passieren.

Zur Nachspeise fängt er sich wieder, redet jedoch immer noch wie ein Wasserfall, der in die Tiefe rauscht und alles mit sich reißt. Er reicht, oh Innovation, wo bist du? .... einen

New York-Cheese Cake. Damit ist auf dieser Weltreise auch die USA abgehakt.


Fazit

Bereits im Vorfeld vermisst Kai-Uwe den Roten Faden. Ihm kann man es bekanntermaßen selten recht machen. Während Geraldine bemerkt:

"Michael ist der bunte Vogel unter uns." frage ich mich, welch ein "Vogel" Kai-Uwe ist: der schräge, der, der neben der Spur läuft (siehe seine Haus-Einrichtungs-Deko) oder einfach einer, der sich momentan in einem tiefen, tiefen Tal befindet und bedauert werden sollte. Vielleicht interpretiere ich seine Einrichtung - besonders bezüglich des gehängten händchenhaltendes Paares - auch völlig falsch. Aber unter der Sonne ist für alle Platz, auch für die, die auf dunklen Wegen wandern ...

Mir bleibt, allen Lesern ein schönes Wochenende zu wünschen. Von den Teilnehmern dieser Runde gefielen mir Geraldine und Nicolai am besten - sie haben nicht die Haare, sondern die Highlights

in jedem Gericht gesucht. So geht es auch. So klappt es mit den Mitmenschen.


Guten Morgen, Gruß Silvia



Freitag, 4. März 2022

4. März 2022 - Ein perfektes Dinner in den 1970er Jahren ...



Ein perfektes Dinner in den 1970er Jahren ...

Die 1970er Jahre waren ein Jahrzehnt der Umbrüche, der Krisen und Veränderungen. Hippies, Friedensbewegungen, Anti-Atomkraft-Bewegungen. Männer trugen lange Haare und Plateau-Schuhe, während Frauen gerne in Miniröcken unterwegs waren. Schlaghosen waren beliebt.

Und  wer zu einem perfekten Dinner, das damals noch Abendessen hieß, eingeladen war, konnte eventuell direkt vom Friseurbesuch mit frischer Minipli am Esstisch eintreffen.

Max Inzinger war ein beliebter TV-Koch in den 1970er Jahren. Er kochte allerdings in keiner eigenen Show, sondern in der ZDF-Sendung "Die Drehscheibe". Die Zeit der großen Kochshows, die bis heute anhält, war noch nicht an- oder ausgebrochen. Dennoch wollte man natürlich das essen, was gerade modern und in war ... und sich über den Fernseher oder das Radio oder Rezepten aus Illustrierten inspirieren lassen.

Der unkaputtbare Toast Hawaii wurde gern aufgetischt. Zum Knabbern lieb hatten die Leute damals ihre Käseplatten samt Salzstangen. Oder auch die sogenannten Käseigel.

Aus den großen z. B. Erdbeer- oder Pfirsisch-Bowlen-Behältern konnte sich jeder seine Tässchen mit Alkoholgehalt selber schöpfen. Ein Muss auf jeder Party. Cocktails wurden gern auf Curacao-Basis gemixt.

Fondues erfreuten sich großer Beliebtheit, während es zwischendurch ein Ragout fin sein durfte.

Fette Hausmannskost war angesagt, und die Folgen waren Übergewicht. Diäten feierten Hochkonjunktur. Aber auch Gerichte aus dem Ausland wurden immer beliebter:

Pizza war (und ist bis heute) ausgesprochen populär. 

Nebenbei liebte man Spargel, Spargel aus Dosen oder Gläsern, den man mit gekochtem Schinken umwickelte.

Dazu tranken die Leute gern Coca-Cola oder Fanta. Cola eignet sich übrigens auch hervorragend zum Klo-Putzen. Glaube ich, ich habe das Getränk ja nie im Haus.

Aber ich war jetzt ein wenig (mit kleiner Google-Nachhilfe) in den 1970er Jahren unterwegs: einiges hat sich geändert, anderes ist geblieben. Und vor allem darf jeder das kochen,

was er mag, egal, aus welchen Jahrzehnt das Ursprungsrezept, die Ursprungs-Idee stammt. Man kann ein Jahrzehnt der Vergangenheit mit Wohlwollen betrachten, aber auch mit einem bisschen Verwunderung.

Und eines ist ganz gewiss geblieben: Diäten haben noch immer Konjunktur. Ich habe noch nie eine gemacht, und daher kann ich gar nicht mitreden.


Guten Tag, Gruß Silvia 




3. März 2022 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Stuttgart bei Nicolai


Stuttgarter Kessel-Glück“
Vorspeise: 3G vom Maultäschle
Hauptgang: Deer from the „Länd“
Nachtisch: Süße Kehrwoche


Der Chaos-Akrobat

Wenn die Ordnung versagt, muss man aus dem Chaos ein Konzept machen. Leichtfüßig balanciert Nicolai durch seine kleine Küche, und falls er den Überblick verloren hat, zeigt er es nicht. Das Schlimmste, was er verlieren könnte, behält er: die Seelenruhe. Es ist natürlich gut möglich, dass die Aufräumarbeiten der Küche mehr Zeit in Anspruch nehmen als das Kochen selber. Vielleicht hat er jedoch eine Putzfrau, die sich dann die

5 Etagen hoch in seine Wohnung quält, um dort Hand anzulegen.

Der Unternehmensberater Nicolai zeigt sich als ein angenehmer Mensch. Über welche Themen er nebenberuflich Sachbücher schreibt, weiß ich nicht. Ist auch nicht wichtig. Er ist rundum einfallsreich, und vielleicht ziert demnächst ein Foto seiner

Chaos-Küche eine Wand in seiner Wohnung. Das wäre eine Idee und ein Mahnmal gleichzeitig.


Das Menü

Anstatt normale Tischkärtchen zieren heute Besen und mit Namen beschriftete Schaufeln auf dem Tisch dafür, dass die Gäste ihren Platz finden. Die Kehrwoche ist sein Hauptthema - hat er vielleicht irgendwann in der Vergangenheit genau deswegen Probleme mit den Nachbarn bekommen? Nimmt er den Flurputz deshalb aufs Korn?

Schokoladen-Mousse und Schoko-Crumble symbolisieren den Dreck und das schmutzige Putzwasser. Ein nicht essbarer Mini-Besen fordert die Gäste auf, das Süße schnell wegzuputzen.

Man darf gespannt sein, ob jemand Nicolais Ursprungs-Idee aufgreift ... wenn er oder sie Schoko-Creme servieren, die wie Hundehäufchen aussehen ... (Scherz)


Fazit

Trotz all dem Chaos in der Küche, verliert die Kamera den entspannten Hauptdarsteller dieses Abends nicht aus den Augen. Als Unternehmensberater

bringt Nicolai heute die Sendung im absolut positiven Sinne in die Köpfe der Zuschauer. Ein großartiger Hobby-Koch ist er eher nicht, und das weiß er auch. Daher fiel es ihm leicht, in den letzten Tagen zweimal 10 und einmal 9 Punkte zu vergeben ... Hier und da war das sicher mal ein Pünktchen zu viel, aber er wollte sich nicht lumpen lassen.

Die Punkte für Nicolai: Je 7 geben Kai-Uwe und Michael, 8 Martin und 9 Geraldine.

Mit 31 Umdrehungen ist er nach vier Tagen auf dem letzten Platz.

Es wird ihn nicht weiter stören.

Wie ich wiederholt auf der Vox-Facebook-Seite lesen konnte, reicht es den Kommentatoren nun nicht mehr, wenn jemand der Kandidaten die doch ganz gute und neutrale 7 zieht. Das scheint natürlich völlig abhängig davon zu sein, wer die Sympathie der Zuschauer besitzt ... jemandem, der nicht so sympathisch rüberkommt wie Nicolai, darf man dann auch weniger als 7 geben ...

Ausnahmsweise und natürlich nur der Menü-Ansicht nach, vergebe ich heute ebenfalls 7 Zähler, obwohl ich Nicolai sympathisch finde und das Zusehen angenehm war.


Guten Morgen, Gruß Silvia

Donnerstag, 3. März 2022

2. März 2022 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Stuttgart bei Kai-Uwe


„Mir
kennäd älles au kocha“
Vorspeise: A Pabrika-Kirbis-Supp mi dem gradinierde Ingwer Schaum oba druff, on nem Hergottsbscheiserle midda drin
Hauptgang: „Surf & Turf“ – Wirddembergisch inderbrädiert
Nachtisch: En Äbfelbidder zamma mit Stierrum on em Kombod


Eine schräge Kulisse

Kai-Uwe ist nicht allein zu Haus und in dieser schrägen Kulisse, denn neben zwei Katzen beherbergt er das Gruseln in seinem von ihm genannten "Anders-Haus". Wahlweise kann er mit den zwei Katzen kuscheln (wenn sie das zulassen), sich in eine depressive Stimmung hineinversetzen ... oder einfach das Morbide und Andersartige genießen. Eigentlich muss man diese Dinner-Folge gesehen haben, um alles in eigene Gefühle umsetzen zu können:

im Wohnzimmer dominiert eine riesige 3-D-Fratze mit ausgestreckter Zunge die Landschaft. Auch, wenn es sich um eine tote Maske handelt - man möchte nicht seine Finger in den Rachen des Ungeheuers stecken.

Gemalte düstere Bäume und ein erhängtes Paar, Hand in Hand, "zieren" sein Schlafzimmer. Andere hängen sich Traumfänger übers Bett (was natürlich Quatsch ist), während er den Horror stets im Auge behält.

Ich stelle mir gerade den schrägen Professor Boerne (Tatort Münster) vor, der nach einer benebelten Nacht am nächsten Morgen in diesem Zimmer aufwacht - und jede Menge Fragen an sein ES hat ...

Dass Kai-Uwe bei dem gehängten Paar seine Großeltern im Sinn hatte, weil die Oma sich auch nach dem Tod des Opas noch verheiratet fühlte ... ist vermutlich seiner Vorbereitung auf diese Sendung geschuldet: düstere Gedanken zuzugeben, ist eben nicht einfach. Allerdings kenne ich K.-U. überhaupt nicht,

und alles, was ich habe, sind Vermutungen.


Das Menü

Der 48jährige Kai-Uwe kocht am liebsten, wie die Leute vor 60 Jahren gekocht haben. Er hat aber auch bereits Rezepte aus dem 18. Jahrhundert nachgekocht.

Die Suppe besteht aus drei Teilen: Paprika-Creme, Kürbissuppe und Maultaschen. Das alles fügt er ineinander ... und mir fehlt die Vorstellungskraft.

Seine Interpretation von Surf & Turf: Wasserbüffel-Filet und Forelle.

Im ungarischen Apfelkuchen liegt versteckt die von ihm am Montag bei Geraldine gewonnene Königsfigur. Folglich wird sie heute an Nicolai weitergereicht.

Die Weitergabe gefällt besonders Geraldine überhaupt nicht - aber ein Mini-König ist überall besser aufgehoben als in diesem Haus, von dem ich nur einen kleinen Teil beschrieben habe ... das aber weitere Schrecken bereithält.


Fazit

Kai-Uwe mag keinen Mainstream und stemmt sich kräftig dagegen. Mir ist das Gesamtkunstwerk des "Anders-Hauses" zu düster und morbide und zu offensiv negativ. Schwer zu sagen, welche Motive hinter dem Offensichtlichen liegen. Positive Gedanken, umgesetzt in eine Deko, sehen anders aus.

Die Punkte: Je 8 geben Geraldine und Martin, je 9 Nicolai und Michael. 34 Zähler ergeben am dritten Tag den dritten Platz.

Der Schock-Effekt dieser Sendung bewirkt bei mir persönlich, dass ich mich keine Minute langweile. Auf einen Besichtigungs-Termin vor Ort würde ich allerdings verzichten ...


Guten Morgen, Gruß Silvia

Mittwoch, 2. März 2022

1. März 2022 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Stuttgart bei Martin


Vorspeise:
„Jacob Sisters &
Little Prawn Brother“: Gebratene Jakobsmuscheln / Praline von der Garnele / Rote Bete-Tatar / Erbse / Miso-Nage
Hauptgang: „Born to be wild“: Hirschrücken 54° mit Kräuterkruste / Kürbispüree / Portweinbirne / Kräutersaitlinge
Nachtisch: „Velvet Chocolate“: Lava Cake / Pistazieneis / Mango / Shiso


Lachen lernt man nicht, lachen verlernt man nur
- Emanuel Wertheimer (1846 - 1916)

Wer heute in dieser Sendung eine gute Stunde Abwechslung vom Kriegsgeschehen sucht, könnte sie in seinen Träumen finden. Nach einem langen Tag und vor dem Abendprogramm (ob im TV oder sonstwo) ist die Zeit zwischen 19.00 und 20.00 Uhr wie gemacht für einen Durchhänger. Langeweile im Fernseh-Programm beschleunigt den Durchhänger. Aber bitte am Ende der Sendung wieder wach werden - falls ihr etwas Interessantes vorhabt. Es ist Veilchendienstag, und man könnte ein kaltes Pils trinken gehen ...

Immerhin handelt es sich um eine gepflegte Langeweile, die Martin verbreitet, und das Endergebnis kann sich sehen lassen.

5 Jahre war er auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs und hat sich auf einem solchen bis zum Restaurant-Leiter hochgearbeitet. Heute ist er der Chef in seiner häuslichen Küche, und arbeitet seelenruhig vor sich hin.


Das Menü

Ein Abend der Superlative, wenn auch temperamentlos, aber dichterisch in Richtung Kitsch, zusammengefasst von Nicolai:

"Es war ein Erlebnis für die Sinne."

Ich habe nichts, um diesen Satz zu übertrumpfen.

Allerdings fehlen mir an diesem Abend ein wenig das Lachen und die Fröhlichkeit.


Fazit

Mir geht es allerdings wie Kai-Uwe

(mannomann, es fällt schwer, diesen Doppelnamen benutzen zu müssen - es ist mir beinahe so unangenehm wie die gutgemeinten, aber übergroßen GIFs auf meiner Facebook-Seite zu liken, obwohl ich eigentlich Gänsehaut bekomme, wenn ich diese Aufdringlichkeiten sehe),

und z. B. Rote Bete gehören nicht zu meinen Lieblingsbeilagen. Einmal im Jahr bereite ich sie ebenfalls zu, und zwar als Traditions-Heiligabend-Beilage.

Aber der ureigene Geschmack sollte in den Bewertungen keine Rolle spielen: wie K.-U. richtig erkennt, ist es nicht Martin anzulasten, dass er die Vorspeise überhaupt nicht mag.

Die Punkte: 8 gibt Kai-Uwe, 9 Michael und je 10 Nicolai und Geraldine. Bleibt Nicolai der verlässliche 10-Punkte-Typ?

Mit 37 Umdrehungen findet sich Martin am 2. Tag auf dem 1. Platz wieder. Die "Luft nach oben" ist recht dünn geworden.


Guten Morgen, Gruß Silvia

Dienstag, 1. März 2022

28. Februar 2022 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Stuttgart bei Geraldine


„Eine kleine,
französische Reise“
Vorspeise: Trilogie der Sinne: Artischocke und Kürbis umarmen Orange
Hauptgang: Kalb und Karotte treffen Kartoffeln
Nachtisch: Der König wird prickelnd gekürt


Französisch, die Sprache mit dem Schlafzimmerblick.
© Elmar Schenkel (*1953)

Schade, dass ich keine Französin bin ... ich nähme jede Hürde mit mehr Leichtigkeit und mein Schreibstil wäre humorvoller, während ein bisschen mehr Gleichgültigkeit mir auch gut zu Gesicht stehen würde. Stattdessen bin ich zielorientiert und passe auf den ersten Blick ganz sicher in Geraldines Klischee über Deutsche. Wer ist wie und warum ist er so, nur weil er in einer bestimmten Gegend geboren ist? Geraldine erklärt es. Sie erklärt gern und ausführlich, und ganz vorne weg, wie toll alles in Frankreich ist.

Geboren ist sie in Nizza (oder Umgebung), verheiratet ist sie mit einem deutschen Soßenliebhaber, denn alle Schwaben mögen Soßen, Soßen, Soßen. Meint Geraldine. Kann stimmen. - Oder - Trifft trotzdem nicht auf alle zu.


Das Menü

Die Fähigkeit des Kochen hat sie nicht erlernt, sondern ererbt: von der Großmutter und vom Onkel ... Neben den Huldigungen alles Französischen, verehrt sie vor allem diese beiden kochbegabten Personen. Sie konnten oder können sich noch ins Essen "hineinriechen".

Vorspeisenmäßig dürfen sich die vier männlichen Gäste auf eine Kürbis- und eine Artischockensuppe freuen. Geraldine will wissen, warum man in Deutschland keine oder kaum Artischocken zubereitet. Ich gebe die Frage weiter ... Doch synthetisches Trüffelöl zur "Verfeinerung" scheint hier und dort üblich?

Zum Hauptgang serviert sie ein Kalbsgulasch mit Rosmarinkartoffeln. Suggestiv fragt sie "Wie schmeckt es euch?" und fügt hinzu: "Habt ihr sowas gekannt?"

Als Französin würde ich sicher lachend über die letzte Frage hinweg gehen, als Deutsche sage ich dazu: nein, solch ein blasses Gulasch kenne ich nicht. Solche dummen Fragen allerdings auch nicht.

Der Nachtisch besteht neben Zabaione aus einem französischen Dreikönigskuchen. In ihm versteckt ist eine kleine Porzellanfigur, die einen König darstellt. Derjenige, der dieses Männlein in seinem Kuchen findet, wird zum König "gekrönt".

Nein, ich möchte beim Essen nicht aufpassen, ob ich auf etwas Hartes, nicht Genießbares beißen könnte.


Fazit

Die Königskrone erringt Kai-Uwe. Besteht er eigentlich darauf, bei beiden Vornamen genannt zu werden? Nun ja, wenn die Namen einen Bindestrich haben - trotzdem hört sich das seltsam an. Ich heiße Silvia Gabriele - ohne Bindestrich - aber meinen zweiten Vornamen kennt eigentlich kaum jemand, weil ich ihn nur sehr, sehr selten erwähne.

Am Ende des Tages weiß ich, dass ich mich mein künftiges Leben lang nach der französischen Mentalität sehnen werde ... nein, das ist gelogen. Ich fühle mich genau so wohl, wie ich nun mal bin.

Viel mehr als ihre Frankreich-Vernarrtheit weiß ich bislang nicht über Geraldine. Aber ich kenne die sagenhaften Punkte, die sie am Ende des Tages erhält:

Je 8 geben Martin und Michael, 9 gibt Kai-Uwe und 10 zückt Nicolai.

Mit 35 Umdrehungen startet Geraldine in diese Dinner-Woche, obwohl sie sowohl zur Vorspeise als auch zum Hauptgang den Wein viel zu spät serviert hat. Dabei ist der Wein doch sehr wichtig für eine Französin. Dachte ich.

Aber sie liebt die Kameras und die Bewunderung, das passt dann wieder. Einen gewissen Charme, der besonders auf Männer wirkt, kann man ihr ebenfalls nicht absprechen.

Ich bleibe dran.


Guten Morgen, Gruß Silvia