Donnerstag, 5. März 2015

5. März 2015 - Vox - Shopping Queen: Vom Dinner zum Shoppen: Aus Julia wird Julchen



Motto: Eine Frau für alle Fälle - Verwandel dich von Schwiegermutters Liebling in eine Femme Fatale


Fifty Shades Of Grey

Julchen, die beim perfekten Dinner absolut nicht perfekt gekocht hat, aber sich dort noch Julia nannte - wünscht sich sehnlichst von ihrem Freund einen Heiratsantrag. Der Mann, den man nur via Foto zu Gesicht bekommt - und der eher wie ein Jüngelchen aussieht - hat es gerne "dreckig und schlampig". Das passt dann zu dem Motto, zu der schwarzen Maske, die sie am Abend trägt - und zu dem Film, den sie sich in etwa dreißig Mal ansehen muss, um all die vielen Schatten der Finsternis und des gewünschten schlampigen Drecks intus zu bekommen. Vielleicht klappt es dann ja mit dem Antrag.

Guido seinerseits ist völlig hin und weg von der schrillen Nummer und hält sie für eine ausgeschlafene Maus und eine organisierte Frau. Ausgeschlafen ist sie sicher, Organisieren wird sie ebenfalls beherrschen.

Man sieht es an ihrem Kleider-Zimmer. Der hat keine Ähnlichkeit mit einer Kleiderkammer des Roten Kreuzes, obwohl er auch direktemang in die Armut führen könnte. Doch solange Julchen "für den dritten Weltkrieg gewappnet" ist, wie sie sagt, kann so leicht nichts schief gehen. Und solange es Formate für schrille Weibchen gibt, wird sie mit Sicherheit einmal quer durch gereicht. Hätte sie nur mal das Dinner übersprungen, dann hätte ich mir das jetzt auch nicht angetan ...

Sie geht mit ihrem besten Freund Andrey shoppen, einem männlichen Pendant zu ihr selber. Während Guido sich weiterhin kaum zurück halten kann mit lobenden Worten, kommt er auch langsam wie ein männliches Pendant über den Schirm: Helene Fischer in ganz süß, aber auch genau so überpräsent!

Julchen shoppt bei KL einen Jumpsuit mit einem tiefen, einem sehr tiefen, Ausschnitt. Irgendwie reicht es nicht für einen BH - kann sie nicht so weit denken? Langt das Geld nicht? Bemerkt sie die Schwerkraft nicht, die den Busen zurück zu den Wurzeln von Mutter Erde zieht - oder findet sie das gar am Ende besonders sexy? Diese über-motivierte Blondine wird schon wissen, was sie wann und warum tut.

Von den Konkurrentinnen bekommt sie neunundzwanzig Punkte. Meiner Stimme enthalte ich mich: Aber es könnte sein, dass sie noch keinen Heiratsantrag bekommen hat - weil sie ihrer Schwiegermutter in spe zu auffällig, zu extrovertiert erscheint und einfach von vielen falschen unerwünschten Eigenschaften viel zu viele hat. Da hören manche Jungs  arg auf ihre Mütter.

Guten Tag, Gruß Biene

4. März 2015 - Vox - Das perfekte Dinner - Spezialausgabe: Wunschmenü - Mittwoch in Düsseldorf bei Dominik


Aperitif: "Meeresbrise" (Cocktail mit Gin)
Vorspeise: Kartoffelsuppe mit Krabben aus dem Weckglas
Hauptspeise: Frisch geräucherter Lachs mit selbstgemachten Bandnudeln, geschmorten Tomaten und Feldsalat mit Rucola-Honig-Senf-Dressing

Nachspeise: Milchreis-Parfait mit Rotwein-Pflaumen


Soul-Kitchen

Der Reiseverkehrskaufmann reist heute kochtechnisch auf die Insel Norderney: Cindy, die dieses Menü eingereicht hat, erinnert es in allen Bestandteilen an ihren Lieblings-Urlaubsort. Mich bringt es eher auf die Idee, dass die ehrgeizige Cindy da jemandem ein dickes Ei legen wollte: Und hätte Katharina dieses Insel-Los gezogen, so wäre auch niemandem aufgefallen, wie akzentuiert und trotzig ihre Stiche gesetzt sind.

Doch in Dominik hat sie bereits ihren Meister gefunden, der es  beherrscht, ein Überraschungs-Menü kreativ umzusetzen, an dem sie selber schon einige Male gescheitert ist.

Dominik lebt mit seinem Ehemann zusammen in einer Art Penthouse-Wohnung, und er musste diesen schönen Kerl mit seinem Heiratsantrag unbedingt vom "Markt nehmen" wie er sagt. Derweil kursieren Geständnisse eines anderen ehemals sehr gutaussehenden Mannes (Helmut Schmidt), der auch verheiratet war. Das Leben bleibt also unberechenbar ...

Falsch berechnet hat Cindy ihr Dinner, das sie in der Video-Botschaft dem Hobby-Koch wie mit Peitschenschlägen vorträgt als gelte es, Fifty Shades of Grey zu kopieren. Auch im folgenden lässt sie die Wichtigtuerin in sich außer Kontrolle geraten: Der Gin muss unbedingt ein blauer sein (den man nur schwer bekommt), der Lachs muss geräuchert sein (hat auch noch nicht jeder gemacht) und überhaupt schraubt sie ihre Ansprüche in die Höhe anstatt mal auf dem Sandteppich ihrer Lieblings-Insel zu bleiben.

So steht Dominik auch erst einmal vor dem Dilemma: Woher einen Räucherofen nehmen und nicht stehlen? Da kommt Vox mit einem nagelneuen Grillgerät um die Ecke, mit dem man auch räuchern kann. Zum Glück hat er für dieses Prozedere wenigstens einen Balkon - sonst sähe es ganz ganz düster aus.

Telefonieren darf er ebenfalls mit der Menü-Geberin, die sich auch in dem Gespräch ziemlich wichtig nimmt, wichtiger als es der Situation angemessen ist. Es handelt sich schließlich nicht um geheime Staatsakte, sondern um ein kleines Dinner.

Ideenreich wie Dominik ist, kreiert er die Farbe Blau im Getränk mit blauen Eiswürfeln. Da ist aber eine von den Socken, die wohl auf der Suche nach blauem Gin sonst durch halb Düsseldorf tourt. Bei der Vorspeise ist sie geradezu hin und weg, als die Weckgläser auf Paniermehl präsentiert werden, was den Nordsee-Sand darstellen soll.

In der Zwischenzeit hat sie vermutlich auch noch die dramatische Krankheit vergessen, die Alkohol bei ihr verursacht. Hoffentlich schafft Cindy es überhaupt noch, zum nächsten Dinner anzutreten!

Aber dass sich Fehler finden lassen, auch wenn sie sonst niemand bemerkt, zeigt  Cindy beim Hauptgang, mit dem sie ihm ein Kuckucksei ins Nest legen wollte - das aber in der Folge  im eigenen Nest ein Zuhause findet: Der Lachs ist innen noch glasig (wie er sein soll!)! Herrjemineh, ein Drama!

Schlimm trifft es auch die "angeordneten" Tomaten: Mit Kleinmädchen-Verschwörungs-Verstörten-Stimme meint sie, dass diese Tomaten eigentlich zur Soße werden sollten. Nun, das konnte wirklich keiner ahnen, weil die Hellseher-Runde beim Dinner noch nicht stattgefunden hat - die kommt vielleicht noch.

Dominik bekommt reichlich Punkte: Von Pietro sogar zehn! Insgesamt sind es fünfunddreißig. Leider bringt Cindy zu der hohen Punktzahl selber nur sieben ins Spielchen, was man irgendwie nicht wirklich anders erwartet hat nach ihrem Mittwochs-Auftritt. Es hilft ihr zum Glück trotzdem nicht. Dominik führt die Düsseldorfer Runde an. Und er kann sich das Buch "Was ich noch sagen wollte ..."  von Helmut Schmidt kaufen, in dem dieser ein Geständnis ablegt.

Was ich noch sagen wollte: Man sollte nie die Dinner-Runde vor dem Freitag loben. Doch seiner Soul-Kitchen gebe ich neun satte Punkte.

Guten Morgen, Gruß Biene

Mittwoch, 4. März 2015

3. März 2015 - 3 SAT - Erlkönig



Erlkönig

Wer freut sich nicht, mal einen schnellen Blick auf einen sogenannten Erlkönig werfen zu können, einem Auto, das noch in der Testphase ist und vermutlich genau wie in dem Film - mit einem Affenzahn an allen vorbeirauscht. So schnell, dass man vermutlich gar nicht mitbekommt, über was man sich gerade geärgert hat.

Katrin Tries, eine Frau mit vielen Problemen und einer frisch abgeschlossenen Risiko-Lebensversicherung lässt sich von einem mit 300 km/h drängelnden Erlkönig nicht auf die andere Spur zwingen - und verliert so die Kontrolle über ihr Auto und damit auch über ihr Leben. Schwer verletzt überlebt ihr Kind, stirbt aber später.

Die Versicherungs-Summe von 250.000 Euro bringt die kühl rationale und den Zahlen mehr als den Menschen zugeneigte Versicherungs-Mathematikerin Marlies (Silke Bodenbender) auf den Plan: Sie will Suizid nachweisen, um der Versicherung die Auszahlung zu ersparen.

Doch die Ereignisse überschlagen sich: Äußerst korrekt, aber eben auch in eine andere Richtung denkend und ermittelnd, als ihr Chef dies gern hätte - findet sie Hinweise für einen Totschlag, verursacht durch einen Erlkönig-Fahrer. Derweil gehen ihre Beziehungen allesamt den Bach runter: Die zum Ehemann, die zum Chef und den Kollegen. Hochschwanger findet sie nicht einmal einen Anwalt, der die Tat vor Gericht bringen will.

Til Fuchs, der Unfall-Verursacher, will sich seiner Verantwortung nicht stellen. Schließlich zahlt die Versicherung an die Mutter des Opfers, damit Still-Schweigen herrscht. Kein Blut darf an der Karosserie eines neuen Autos kleben - es lässt sich dramen-befleckt nicht verkaufen und würde enorme Verluste nach sich ziehen bei den immensen Entwicklungskosten. Dass die Autoindustrie nicht allein korrupt ist, zeigt das Verhalten der fiktiven Versicherung: Hier treffen sich kapitale wirtschaftliche Interessen auf Augenhöhe und kooperieren - der Verlierer ist der Kleine Mann.

Doch mit ihrer beharrlichen Zivilcourage zeigt es Marlies den Goliaths, die nicht nur in der größten Not vor nichts zurück schrecken. Längst plagen den Autobahn-Drängler selber Gewissensbisse.  Es macht nichts wirklich wieder gut. Aber es zeigt, dass es möglich ist, auf der menschlichen Ebene so gut es geht Gerechtigkeit herzustellen, indem Verantwortung übernommen wird.

Dieser TV-Film entstand nach einem wahren Fall, in dem ein Erlkönig-Raser eine Frau in den Tod gefahren hatte.

Guten Tag, Gruß Biene

3. März 2105 - Vox - Das perfekte Dinner - Spezialausgabe: Wunschmenü - Dienstag in Düsseldorf bei Cindy


Aperitif: "Istanbul Nights" mit türkischem Tee
Vorspeise: Türkische Linsensuppe
Hauptspeise: Gefüllte und überbackene Hackfleischschiffchen mit Bulgur und kalter Gurkensuppe
Nachspeise: Teigbällchen mit Kokos mit Sahne und Pistaziengarnitur


Besser geht's nicht

bei dieser minimal-innovativen Vorlage. Und am besten ist die Unerschrockenheit, mit der Cindy sich ans Werk macht, ein Dinner zuzubereiten, dass eigentlich keine Chance auf einen Sieg hat/hätte - und dank ihrer Liebe zum Kochen wie ein Phoenix aus der Asche steigt.

Die Menü-Geberin Leyla (so hieß meine allererste Puppe!) gibt zu, überhaupt nicht türkisch kochen zu können. Na, das wäre was geworden, wenn sie ihr eigenes Dinner gezogen hätte! Da sie nun am Donnerstag ein derb-deftiges deutsches Menü zubereiten darf - wird sie das sicher ohne Probleme wuppen und in den Koch-Olymp aufsteigen - falls ihr nicht doch noch ein kleines Hindernis dazwischen kommt - in der Art, nicht kochen zu können vielleicht?

Cindy backt gern und beinahe täglich, ist verheiratet, liebt Norderney, ihre Schwiegermutter und Tattoos. Ihr Traum wäre ein Cup-Cake-Cafe in eben der Form eines Cup-Cakes, in dem Kellnerinnen auf Rollschuhen die zahlreichen Gäste bedienen.

Heute kommt auch ihr Nachtisch besonders gut an. Dass Vox irgendwie verhindert hat, dass Cindy mit Leyla die erlaubten sechzig Sekunden telefonieren darf, um Nachfragen beantwortet zu bekommen - kommt dem Menü nur zu Gute. Vermutlich hätte Leyla die Kinderpflegerin nur irritiert. Ganz allein auf sich und Herrn Google gestellt, klappt beinahe alles hervorragend.

Es war das vielleicht beste türkische Menü, das jemals beim Dinner gekocht wurde. Wenn auch die von Leyla überstrapazierten Schiffchen aus Hackfleisch und Hackfleisch-Schiffchen allgemein eher als Schiffchen aus Auberginen, gefüllt mit Hackfleisch - bekannt sind. Am Ende sehe ich nur noch aus Hackfleisch geformte Schiffe vor mir, die an den Nerven sägen, weil Leyla nicht müde wird, ihre vermutlich geringen Koch-Kenntnisse unters Volk zu mischen. Ach nein, sicher kein gemischtes Hackfleisch. Was eine von mehreren Erklärungen dafür ist, dass die Schiffchen am Ende ein bisschen trocken sind.

In der Tat gelingt Cindy der Hauptgang nicht wirklich so wie sie es sich vorstellt und es ihrem Küchen-Ehrgeiz entspricht.

Immerhin erhält sie vierunddreißig satte Punkte, die sogar den Sieg bedeuten könnten. Mit den 3.000 Euro hätte sie dann den Grundstein für ihr Wunsch-Cafe gelegt. Zwar nur ein Tropfen auf den heißen Traum-Stein, aber immerhin.

Von hier aus acht Punkte. Und das, obwohl mich lediglich die Linsensuppe anspricht.

Guten Morgen, Gruß Biene

Dienstag, 3. März 2015

2. März 2015 - Vox - Das perfekte Dinner: Spezialausgabe: Wunschmenü - Montag in Düsseldorf bei Katharina


Aperitif: Bitterspritz on the Rocks
Vorspeise: Graupen-Waldpilz-Risotto
Hauptspeise: Ossobuco auf getrüffeltem Kartoffelpüree
Nachspeise: Zartbitter-Schokoladen-Mousse


She Works Hard For The Money

und gerät dabei ebenso Out of Control wie Töpfe, Pfannen, Schüsseln und alle Lebensmittel, die sich über den Herd ergießen, als wollten sie weglaufen bei soviel Gequetsche, Gemansche und der Unfähigkeit, nichts weiter erledigen zu sollen als mal etwas anderes zu kochen als üblich. Das ist kein Hexenwerk, und viele machen es tagtäglich, ohne dabei für etliche Stunden am Herd zu stehen: denn Zeit für die Vorbereitung gibt es beinahe endlos bei einem Dinner, das am Ende ein perfektes werden möchte/sollte/könnte.

Ihr Anruf bei Schatzi gegen die Nervosität - hilft überhaupt nicht! Und nur weil sie ein hübsches Äußeres vorweist, muss sie ja nicht ins Fernsehen: Sie kann auch über die Düsseldorfer Kö flanieren, um es allen zu zeigen.

"Ich bin so doof" - diese Selbsterkenntnis kommt häufig, mit schriller Stimme vorgetragen, und mit dem Wunsch nach Widerspruch. Von hier kommt zu ihrer eigenen Einschätzung kein Widerspruch.

Das Dinner geht einen anderen Weg: Ein jeder reicht einen Menü-Vorschlag ein, alles kommt in die Lostrommel, es wird kräftig durchgemischt - und dann darf jeder ein Löschen ziehen - und muss kochen, was der Kandidat, der auf dem Zettel steht, eingereicht hat.

Katharina bekämpft somit Pietros Menü und stürzt sich kopflos in das Gefecht. Eine Menge Kochbücher, das Internet und selbst ein kurzes Telefonat mit dem Menü-Geber helfen ihr nicht auf die Sprünge. Es ist einfach so, dass sie nicht kochen kann, will oder sich vielleicht auch nicht traut: Denn wenn jemand, während sie kocht, an der Wohnungstür klingelt, steht er unverzüglich in ihrer Küche - und sieht, was sie so alles neben der Pfanne hat.

Sie schreckt Kartoffeln im Eiswasser ab! Die Schokoladen-Mousse klammert sich an das Rührgerät und pappt dort fest, als wollten auch Kakaobohnen nicht völlig umsonst versterben. Bei einem einfachen Schmorgericht verduftet die Soße vollends. Das Graupen-Risotto - in Speck angeschwitzt: Dabei hatte Kandidatin Leyla im Vorfeld gesagt, dass sie kein Schweinefleisch isst.  Kochlöffel, die sie ableckt - und dann wieder in den Brei versenkt.

So versenkt sie auch ihr gesamtes Dinner. Wofür sie siebenundzwanzig Punkte erreicht, ist das Ergebnis der Höflichkeit mancher Montage. Von hier bekommt sie drei Pünktchen und den Rat, es mit dem Kochen doch lieber sein zu lassen. Bei Shopping-Queen wäre sie in der Tat besser aufgehoben gewesen - aber das kann ja noch kommen.

Guten Morgen, Gruß Biene

Montag, 2. März 2015

1. März 2015 - ARD - Polizeiruf 110/Team Rostock - Sturm im Kopf


Sturm im Kopf

Ganz Mainstream weicht auch der neue Polizeiruf 110 ab vom seichten Sonntagabend-Krimi, verursacht bei einigen Film-Figuren Stürme in den Köpfen, und letztlich wirbelt es auch in vielen Zuschauer-Köpfen. Ob dies ein angenehmer Wind ist oder doch eher einer mit Schnee und Hagel - liegt in den Augen der Betrachter.

Ein Mord, eine Sporttasche, ein Mann ohne Gedächtnis, der sich aber für den Mörder hält - und am Ende selber per Kopfschuss hingemetzelt wird - solch einen finalen tödlichen Schuss beherrscht  kein Laie. Doch leider wird der Täter von den beiden arg gebeutelten Ermittlern kurz darauf auch erschossen.

Damit der Titel überein kommt mit den inneren Vorgängen in Köpfen, muss auch das äußere Bild angepasst werden: Es geht um eine Windkraft-Firma, und es geht natürlich um immense Summen Geldes. Und um Gier und Korruption, an Stellen, an denen man diese Negativ-Kombination erwartet: In der Wirtschaft und in der Politik. Da ist ja per se schon mal ein jeder verdächtig, ein Schwein zu sein: Weil: du musst ein Schwein sein in dieser Welt.

In den Nebensträngen geht es um die Ermittler selber: Bukow, von seiner Frau mit seinem Kollegen betrogen und verlassen worden - schläft nun in seinem Auto, gibt sich am Ende die Kante mit Wodka, den er wie Wasser trinkt - was bedrohlich auf künftige weitere Probleme hinweisen könnte.

Selbstverständlich ist es an den Haaren herbeigezogen, dass seine Frau ausgerechnet mit Bukows Kollegen, mit dem er eng zusammen arbeitet, ein Verhältnis hatte: Das ist  härter als hätte sie sich einem Freund der Familie zugewandt. Und in der Zusammenarbeit gibt Bukow dem Konkurrenten Thiesler so richtig einen auf "die Zwölf". Professionelle Zusammenarbeit sieht anders aus, ist aber unter diesen Bedingungen ziemlich erschwert: Aber je spektakulärer, um so erfolgreicher beim Zuschauer.

Ist der Ermittler nun dem freien Fall und Abstieg preis gegeben? Warum muss er in seinem Auto schlafen? Langsam wird er ein Fall für den sozial-psychiatrischen Dienst der Polizei. Denn eine Rettung allein durch seine Kollegin König ist nicht sehr wahrscheinlich - hat sie doch selber jede Menge Probleme und ist eine Einzelgängerin, wie man sie auch nicht oft antrifft.

Es bleibt der Sturm im Kopf - der sich mal zu der einen, mal zu der anderen Seite neigt. So wirklich überzeugend fand ich den Polizeiruf nicht, doch einige Passagen ganz interessant. Zurück bleibt der keimende Verdacht, es werden nur noch Sonntagabend-Krimis mit dem Anspruch auf kommende Fernseh-Preise gedreht.

Guten Morgen, Gruß Biene

Sonntag, 1. März 2015

28. Februar 2015 - Einsfestival - Vorsicht vor Leuten


Vorsicht vor Leuten

Der kleine Alltags-Lügner Lorenz Brahmkamp, der ein schwieriges Verhältnis zur Wahrheit pflegt und auch sonst eher der Loser ist, wird von seiner Frau verlassen. Sie hat die Schnauze gestrichen voll von den dick aufgetragenen Unwahrheiten und vermutlich auch von seinen deprimierenden platten Gedichten, die ihm zu jeder Gelegenheit einfallen.

Auch in seinem Job steht er stark auf der Kippe und ihm droht der Rausschmiss. Gerade kann er den noch abwenden, da bietet sich die größte Chance, die einem Lügner widerfahren kann: Er trifft einen, der noch besser lügen kann als er - und daraus Kapital schlägt. So trifft der kleine Sachbearbeiter Brahmkamp auf den Wichtigtuer Schönleben, der ein wahrlich schönes Leben führt. Für ein großes Bauprojekt sucht er Investoren, und Lorenz als Sachbearbeiter soll die ganze Sache  überprüfen.

Er gerät jedoch in den Sog des schönen Lebens und des Herrn Schönleben, der eigentlich ein Gauner allererster Sahne ist und mit hohen Millionen-Beträgen nur so um sich wirft. Zwei, die einander erkannt haben und die auf ihrem Höhenflug nicht mehr zu stoppen sind.

Charlie Hübner spielt den Gelegenheits-Lügner, der durch den schmierigen Typen Schönleben, von Michael Maertens dargestellt, die wahre Qualität seiner charakterlichen Schwäche erkennt. Die Figuren sind stark überzeichnet, denn im wahren Leben würden sie nur selten auf ein derart williges und zahlungskräftiges Publikum für ihre Lügen treffen. Der Film bietet unterhaltsame neunzig Minuten, und eine eher ernsthafte Abhandlung des Themas "Lügen" würde keinen Funken Sympathie für die Protagonisten übrig lassen. Hier kann man sich an der Spielfreude der Hauptfiguren erfreuen und mit ihnen hoffen, dass ihre Lügen nicht doch noch eine Bruchlandung nach sich ziehen.

Für das wahre Leben gilt natürlich: Immer schön vorsichtig sein, wenn Leute einem etwas vom Pferd erzählen ...

Guten Morgen, Gruß Biene