Samstag, 20. Juli 2024

19. Juli 2024 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Zürich bei Ulli



Vorspeise: Kölle - Loup de mer mit Vanillebutter
Hauptgang: München und ein wenig Lyon - Kartoffelbaumkuchen mit Pilzragout, Rinderfilet und schnellem Sößchen
Nachtisch: Küsnacht - Crêpe mit Zitrusfrüchten und Zitronengras-Sorbet


"Ich fahre heute nach Zürich mein Geld besuchen."
- Unbekannt

Jeder, der nach Zürich reist, hat Glück, wenn er dort sein Geld besuchen kann: Die Bahnhofstraße in der beliebten Stadt ist eine der 10 teuersten Einkaufstraßen der Welt. Da nützt es nicht viel, wenn man sein Geld für einen Besuch zusammenkratzen muss.

Wie gut die Vox-Crew vom Sender bezahlt wird, beeinträchtigt bestimmt nicht die jeweiligen Unterkünfte (Sache des Senders), aber sehr wohl die Freizeit-Aktivitäten neben den oft bis in die Nacht dauernden Dreharbeiten in zwei Teams. Jeweils eines muss sich immer durch die Züricher Kostenfallen schleppen ...

Ebenfalls nicht undenkbar ist es, dass die üblichen Aufwandsentschädigungen über die sonst vom Sender gezahlten 800 Euro hinausgehen, weil für die Schweiz andere Maßstäbe gelten.

Der 51jährige aus Sachsen-Anhalt stammende Hochschullehrer für Mathematik lebt in einem alten sanierten Haus, in dem einige Ursprünge 200 Jahre alt sind. Bis nach Zürich muss Ulli 24 km zurücklegen.

Das Haus ist verwinkelt, sieht über den Fernseher dunkel bis ziemlich düster aus - aber er lebt eben nicht so, wie andere es von ihm erwartet haben, sondern ganz nach seinem eigenem Geschmack.


Das Menü

wirft nur zum Teil Rätsel auf: denn was bedeutet "Kölle" in der Vorspeise? Ich wäre nicht drauf gekommen, aber es ist eine Hommage an Alfred Biolek. Loup de Mer mit Vanille soll eines seiner Lieblings-Essen gewesen sein. Alles, was den Gästen seiner damaligen Kochshow nicht so sehr gelungen war, nannte er "interessant". Was er zu Ullis Vorspeise gesagt hätte ... man kann ihn nicht mehr fragen. Leider ist alles, was die dieswöchigen Kandidaten und Gäste sagen - irrelevant.

Der Hauptgang erinnert an Eckart Witzigmann, während die Demi Glace - Lyon - Paul Bocuse ehren soll. Eine sehr hohe Hausnummer, denn die französische Küche im allgemeinen ist sehr anspruchsvoll. Daher lieben auch die meisten eher die italienischen Köstlichkeiten. Die Soße erfährt viel Lob.

Der Baumkuchen im Hauptgang ist ein aufwändiger Bestandteil und sieht hervorragend aus.

Die Demi-Glace wurde mit 7 Litern Flüssigkeit über den ganzen Tag hinweg gekocht: Mathematiker machen keine halben Sachen, auch, wenn es anderen zuuu lange dauert und sie auf das Endergebnis dieser Woche hinfiebern.

In der Nachspeise denkt er in Bezug auf "Küssnacht" an den Schweizer Horst Petermann, einem Koch, der in Hamburg 1944 geboren wurde.


Fazit

Aus langer Erfahrung wissen die Vox-Caster stets, wer den besten Eindruck - es muss nicht immer der Gewinner einer Woche sein, es kann auch sein Haus sein und anderes - für den finalen Dinner-Tag machen würde. Heute langweile ich mich

weniger vor dem Bildschirm als an den vorangegangenen vier Tagen. Obwohl Mathematik und ich ein dunkles Kapitel sind ...

Die ganze Woche über war Ulli der mir sympathischste Teilnehmer, wenn mir auch seine Lobeshymnen teilweise auf den Geist gegangen sind.

Sein Dinner gefällt mir am besten. Ein Mathematiker weiß eben, wie er Rezepte in die Töpfe, Pfannen und auf die Teller transportieren kann.

Am Ende trägt er nicht den Gewinner-Jackpot vor sich her, weil er stets zu großzügig gepunktet hat. Ein mathematisches Desaster. Und Ulli scheint enttäuscht ... obwohl er maßgeblich am Ergebnis mitgewirkt hat.

Eine insgesamt eher triste Dinner-Woche ist zu Ende, und sie endet mit den Punkten, die Ulli bekommt:

je 9 geben Ornella, Stella und Tim, 10 gibt Kira.

Mit 37 Punkten endet die Züricher Woche, und es gewinnt die, die ständig

gelächelt hat - vielleicht, weil sie ständig gelächelt hat?: Stella.

Mir bleibt, allen Lesern ein schönes Wochenende zu wünschen. Nach einer tropischen und teilweise schlaflosen Nacht (tropische schlaflose Nächte sind kein Gewinn, denn sie bringen keine neuen Erkenntnisse, sondern Tagesmüdigkeit) erwarten wir heute 30 runde Grad mit 15 Sonnenstunden.


Guten Morgen, Gruß Silvia



Freitag, 19. Juli 2024

27 Grad im Schatten ... Hund am Fahrrad ...



27 Grad im Schatten - Hund am Fahrrad

Manchmal sind zunächst unschöne bis ärgerliche Begegnungen am Ende ein Anfang.

An diesem Sommertag vor vielen Jahren war es heiß wie in der Vorhölle, und selbst im recht schattigen Wald fehlte es am Wohlfühlklima. Ich schlich mit Robin und Bienchen durch ihren Lieblingswald, und auf jeder Bank - und davon gibt es dort viele - machten wir eine Regenerations-Pause. In diesem gemäßigten Tempo und mit vielen Unterbrechungen war es einigermaßen erträglich. Besonders Robin verzichtete schließlich ungern auf seinen täglichen Waldspaziergang - und Bienchen mochte alles, was Robin mochte.

Kurzum war es kein geeigneter Tag, einen Hund neben seinem Fahrrad laufen zu lassen ... aber genau das geschah:

Eine Frau ließ ihren kleinen Mischlingshund neben ihrem Fahrrad laufen. Sie passierte unseren Weg als sei sie hitzeunempflindlich, was jedoch keineswegs für ihren Hund galt. Bei solchen Begegnungen kommt mir stets eine bittere Galle hoch, und es ist mir völlig gleichgültig und war es auch in diesem Fall, dass ich mich unbeliebt mache.

"Haben Sie schon mal auf ein Thermometer geguckt", fragte ich sie, "bei 27 Grad lässt man keinen Hund am Fahrrad laufen ..." Während ich die Worte noch recht freundlich formulierte, legte sie bereits viele Meter zurück. Der Hund hechelte ihrem Rad und ihrem Willen hinterher ... Abrupt hielt sie ihr Fahrrad an und blickte zu uns zurück.

Es gab einen wirklich sehr unschönen Wortwechsel, der damit endete, dass die Frau - in etwa meinem Alter - sich wieder auf ihr Rad schwang und ihren Hund weiterzog.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit viel Mitleid für das kleine Tier: wer radfahren will, soll das tun - aber ein Hund will bei hohen Temperaturen sicherlich nicht wie ein drittes schachmattes Rad neben dem Fahrrad laufen.


Ein paar Tage später

trafen wir uns zufällig wieder. Sie hatte ihr Rad wiederum dabei, aber diesmal schob sie es und der Hund musste nicht nur in einem Fahrtempo laufen, sondern durfte auch schnüffeln.

Als wir auf einer Höhe miteinander waren, blieb sie stehen ... und,

manchmal geschehen Wunder,

sah sie mich - trotz unserer beider heftiger Worte von vor ein paar Tagen - freundlich an:

"Sie haben ja Recht", sagte sie, obwohl ich dem "Braten" noch nicht wirklich traute, denn immerhin hatte sie ihr Fahrrad dabei.

Wieder ergab ein Wort das andere, aber diesmal in einem völlig anderen Tonfall: sie hätte nicht wirklich nachgedacht und ihr Hund müsse nun nicht mehr am Fahrrad laufen. Jetzt erst bemerkte ich den Hundekorb, den sie am Rad angebracht hatte, und den es vor einigen Tagen noch nicht gegeben hatte.

Sie meinte, sie würde das Rad nur fahren, wenn sie den Wald verließen, um schnell nach Hause zu kommen  - und ihren Hund zuvor in den Korb setzen.


Wir wurden beinahe noch Freundinnen

Zumindest wandelte sich unser Verhältnis in diese Richtung, das zunächst von beiderseitiger Wut geprägt war ... und nun mehr und mehr wohlwollend wurde.

Rein zufällig trafen wir uns öfter und gingen - zu Fuß - gemeinsam durch den Wald - und wurden zumindest gute Bekannte.

Irgendwann habe ich sie aus den Augen verloren, aber nicht vergessen.

Sie war ein netter Mensch, der dazu fähig war, einen Fehler einzusehen. In der Regel ist es nämlich von Erfolglosigkeit gekrönt,

wenn man jemanden auf diesen Fehler gegenüber seinem Hund aufmerksam macht.

Zwingt eure Hunde bei diesen hohen Temperaturen auf keinen Fall, seine Anhänglichkeit mittels eines Nicht-anders-dürfen beweisen zu müssen.

Es könnte böse enden! Manch ein Hund ist schon kollabiert. - Und auch, wenn es nicht böse endet, wird der Hund im Laufe der Zeit nicht mehr freudig erregt sein,

sobald es raus geht - und er wieder Höchstleistungen an einem Fahrrad vollbringen muss.

Vielleicht hört solch ein Hund überhaupt auf, seinen Menschen zu mögen und anhänglich ihm  gegenüber zu sein,

denn, wer liebt schon den, der einen ständig durch die Hölle treibt?

Selbst die unendlich scheinende Liebe eines Hundes darf man nicht überstrapazieren.


Guten Tag, Gruß Silvia


18. Juli 2024 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Zürich bei Ornella


"Kindheitserinnerungen / Heimatgefühle / Fernweh und viel Amore"
Vorspeise: Frucht auf Sauerteigbrot / cremiges, kaltes Süppchen / heiße sizilianische Extrazutat
Hauptgang: Pasta - what else? mit Ricotta-Pecorino-Sauce Manzo / grünes Extra fürs Gewissen
Nachtisch: Nussiger Crunch / beeriges Kühles / käsiges Küchlein aus Ornellas Liebling


verliebt sein:
eine Brille für Zwei
- Anke Maggauer-Kirsche

Die 36jährige Ornella ist schwer verliebt in ihren Freund-Schrägstrich-Verlobten (ihre Status-Erklärung) Olli. Mehrfach gibt es Küsse zwischen dem Paar - und dann klebt sie sich wiederholt in seinen Armen fest, dass man als Zuschauer das Gefühl hat,

jetzt überflüssig zu sein und fortgehen zu müssen, um nicht weiter zu stören.

Aber die Zuschauer sind schließlich nicht vor Ort und in Ornellas Küche, so dass die Sendung letztendlich und zum Glück ohne Olli fortgeführt wird.

Ornella mit den sizilianischen Wurzeln ist der Typ Mensch, der sich lt. eigener Aussage selber keine Fehler verzeiht: sie gehört der Spezies Perfektionistin an, die vielleicht immer mit gleich vier Schwestern konkurrieren musste. Heute hilft auch keine

ihrer Schwestern, die Schnibbelarbeiten zu übernehmen, sondern ihre Freundin Nina.


Das Menü

Es ist unterschiedlich, wer was als Fehler ansieht - und es gibt größere und kleinere, aber keinen Grund, den Kochlöffel in die Schublade zurückzulegen:

Die Tomaten-Creme-Suppe ist mehr ein Baby-Brei und könnte meiner Meinung nach hervorragend auf die Salsiccia verzichten, die sie erst in der Pfanne "ankocht" und später stückchenweise noch einmal anbrät.

Der Hauptgang sieht blass und nicht einladend aus: die Nudeln empfindet Ornella selber als zu dick geraten.

Als der Käsekuchen im Ofen eine braune Farbe bekommt, schlägt ihr Herz schneller. Und kein Olli ist da, um sie in den Arm zu nehmen. - Daraufhin erst einmal ein Frust-Bier. - Die Besänftigung kommt von Nina, die - wie ich auch - weiß, dass sich Käsekuchen manchmal auf der Oberfläche bräunlich verfärbt.

Für Kira ist dieser Käsekuchen der beste, den sie je gegessen hat ... Superlative sind in dieser Woche ausgesprochen beliebt. Am Ende ist es eben ein Käsekuchen - und den empfinde ich als nicht passenden Nachtisch. Aber es gibt schließlich noch Mandelkekse obendrein und Mascarpone-Joghurt-Eis.


Fazit

Der Hochschullehrer Ulli kann nicht anders: er lobt seit Montag jedes Dinner in den höchsten Tönen, als hätte er seinen guten Ruf mit diesen Überschwänglichkeiten zu verteidigen. Aber auch von den anderen Kandidaten tanzt niemand wirklich aus der Reihe, und es

tanzen ganz sicher keine Zuschauer vor lauter Vergnügen oder auch nur Kurzweiligkeit auf den Tischen.

Die Punkte: je 9 geben Kira und Ulli, je 8 Stella und Tim.

Mit 34 Punkten liegt Ornella auf dem bislang 3. Platz.

Aber was bedeuten schon Bewertungen, die besonders in dieser Zürich-Woche absolut gar nichts aussagen?


Guten Morgen, Gruß Silvia


Donnerstag, 18. Juli 2024

17. Juli 2024 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Zürich bei Kira



"Dinner am Wasser"
Vorspeise: Jakobsmuschel / Kartoffelpüree / Miso / Topinambur / Haselnuss
Hauptgang: Kalbsbäckchen / Polenta / Spargel
Nachtisch: Tarte Tropézienne / Himbeeren / Meringues


Liebe ist die größte Herausforderung.
- Manfred Hinrich (1926 bis 2015)

Wie wahr! Die Liebe soll wachsen, aber auch auf ewig frisch sein, sie soll berauschen, aber nicht blind machen und vor allem soll die Liebe ein großes Glück sein. Kiras Liebe mündete vor einem Jahr in einer Hochzeit, deren Organisation sie als Herausforderung angesehen hat. Die Challenge, wie sie es nennt, war umso größer, weil ihre Feier in St. Tropez stattgefunden hat.

Damit die Zuschauer das nicht vergessen, erwähnt sie die Cote d'Azur so oft, dass ich einmal erzählen muss: ich habe an der

Mosel geheiratet, obwohl ich dort auch niemals zu Hause war. Die 36jährige Kira, in Sachsen geboren, in Bayern aufgewachsen, lebt nun mit ihrem Schweizer Mann Olivier am schönen Zürichsee. Zwar hat sie den quasi direkt vor der Haustür, muss aber eine steile Treppe auf die Dachterrasse nehmen, um den von ihrer Wohnung aus sehen zu können.

Natürlich muss die Dinner-Crew hinaufklettern, um den Blick einzufangen - und auch den Gästen bleibt dies nicht erspart. Leider serviert sie nicht einmal den Aperitif dort oben.


Das Menü

- zubereitet für die Sendung "Das perfekte Dinner" - bezeichnet sie als ihre diesjährige Challenge, nachdem die Hochzeit die Herausforderung des vergangenen Jahres gewesen ist. Sie braucht jedes Jahr ein neues Highlight. Ihr wird schon etwas fürs nächste Jahr einfallen ...

obwohl ihre präsentierte Küchentätigkeit nicht gerade einfallsreich ist. Oder ist genau das der Hochzeitskuchen, den sie

heute nachbackt? Die aus Brioche-Teig gebackene Tarte Tropézienne sieht ein wenig aus wie der allbekannte Bienenstich. Ein paar Himbeeren und ein wenig Baiser komplettieren den Kuchen, obwohl das Plastik-Brautpaar obendrauf definitiv fehlt.

Zuvor gibt es in viel Butter geschwenkte Jakobsmuscheln, die, wie es Daniel Werner ihr vermutlich nachquatscht, von jeder Seite 3 Minuten gebraten werden. Eher werden sie jedoch gekocht, und das zu lange. Die überflüssige Butter gießt sie nach dem

Garen in die Spüle. Ein Klempner wird sich freuen, wenn er die Verstopfung beseitigen darf.

Und wieder und zum 3. Mal am 3. Tag in dieser Woche gibt es Kalbfleisch: heute Kalbsbäckchen, ein Schmorgericht. Sie "verfeinert" die Soße mit Fertigbrühe aus 2 Gläsern und Soßenpaste aus der Fabrik.


Fazit

Ich frage mich, wann die Dinner-Kandidaten endlich ihre eigenen Bewerte-Tafeln mitbringen, weil ihnen die mit der 10 nicht mehr ausreichen - aber ganz so schlimm wird es heute nicht, obwohl die Überbewertungen fortschreiten.

Ulli, der stets nur besonders lobende Worte findet, kritisiert am Tisch eine Kleinigkeit. Die ist so klitzeklein, dass ich sie jetzt bereits wieder vergessen habe. Nicht vergessen habe ich Kiras Gesicht, das unschön entgleist.

In einem Wettbewerb ist Kritik gewünscht und angebracht: davon gibt es in dieser Woche so gut wie gar nichts. Diese beinahe völlige

Kritiklosigkeit ist ein Teil der gähnenden Langeweile der bisherigen Züricher Woche.

Die Punkte: je 9 geben Stella, Tim und Ulli, 10 gibt Ornella.

Mit sagenhaften 37 Umdrehungen liegt sie dennoch nur auf dem bislang 2. Platz hinter Stella.

Meinetwegen!


Guten Morgen, Gruß Silvia


Mittwoch, 17. Juli 2024

16. Juli 2024 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Zürich bei Stella


"Una Stella in Cucina"
Vorspeise: Pasta / Crevetten / Cherrytomaten
Hauptgang: Kalb / Aubergine / Tomate
Nachtisch: Dessertvariation: Himbeere / Vanille / Mango-Passionsfrucht / Zitrone


Das Ergebnis einer Bewertung hängt immer von der jeweiligen Gemütsverfassung ab.
© Damaris Wieser (*1977)

Die Bewertungen in der Sendung "Das perfekte Dinner" sind das Salz in der Suppe, und sie entscheiden letztendlich auch darüber, ob ein Kandidat Zuspruch oder Gegenwind bekommt. Leider haben die Bewertungen seit geraumer Zeit überhaupt keinen wirklichen Wert mehr, da sich kein Kandidat traut, weniger als 8 Punkte zu geben. Das heißt im Umkehrschluss, dass das Ergebnis noch mehr als zuvor ein reiner Glücksfall ist.

Das Krumme an diesen neuerlichen Punkte-Verteilungen ist jedoch, dass auch hohe Zähler keinen Kandidaten vor einem Shit-Storm schützen ... der kann trotzdem erfolgen und erfolgt auch regelmäßig. Es ist zuschauer- und quotentauglich eben immer ein kleiner menschlicher Querschläger dabei, der die negativen Gedanken heraufbeschwört.

Ich denke, in dieser Woche könnte alles Negative ausbleiben ... auch am zweiten Tag überschlagen sich die lobenden Worte der Kandidaten und Kandidatinnen, und all ihre Gemütsverfassungen sind ausschließlich auf "Positiv" gepolt.

Heute kocht die 27jährige Stella, die nie ihr Lächeln aus dem Gesicht verliert, was allein für sich schon eine immense Leistung ist.


Das Menü

Ihr gesamtes Menü nennt Stella (übersetzt): Ein Star in der Küche! - Wie passend, dass sie Stella heißt und den Begriff "Stern" somit doppelzüngig verwenden kann ...

Das Menü selber ergibt sich größtenteils aus der Karte, und als Nicht-Nur-Schnibbelhilfe fungiert ihr Bruder Luca. Später bei Tisch erzählt Stella, dass ihr Bruder geschnibbelt und gespült hat ... ein paar Kleinigkeiten vergisst sie dabei geflissentlich.

Zunächst wird in der Vorspeise der Übergarungsgrad der selbstgemachten Nudeln - konsequenzlos - bemängelt.

Kalbskarree bildet den Hauptdarsteller des Hauptganges, während besonders die Parmigiana Di Melanzane gelobt wird -

die aber hat komplett Luca zubereitet. Nein, Halt: sie hat die kleinen Töpfchen in den Ofen geschoben - und erwärmt sie später auf dem Grill.

Schmeckt das beliebte Gericht aufgewärmt besser? Ich weiß das nicht, denn ich mag keine Auberginen.

Zum Nachtisch reicht sie süß aussehende Himbeer-Tartelettes und eine ebenso nette Panna Cotta. Der 3. im Nachtisch-Bund ist

Limoncello. Den will sie vor einigen Monaten in der Heimat ihrer Mutter mit sizilianischen Zitronen selbst zubereitet haben.

Aber da sie äußert, dass alle in ihrer Familie sehr gut kochen können - können ebenso gut auch andere Familien-Kochgötter ihre Hände im Spiel gehabt haben. Die angeblich selbst zubereitete Parmigiana Di Melanzane macht mich skeptisch ...


Fazit

In jedem Scherz liegt ein Körnchen Wahrheit?! Meistens! - Nach diesem Motto bewerte ich ihren Satz: "Heute kocht die Gewinnerin", den sie - natürlich lächelnd - als Scherz abmildert.

Sicher kann Stella kochen, und auch die Bewertung überrascht mich nicht, obwohl sie meiner Meinung nach viel zu hoch ist:

Je 10 Punkte geben Tim, Kira und Ulli, 9 gibt Ornella.

39 Umdrehungen sind selbst in diesen stets hochbewerteten Zeiten des Dinners kaum zu toppen. Ich kann nur wünschen, dass

bald mal wieder fair gepunktet wird.

Mutige Kandidaten vor!


Guten Morgen, Gruß Silvia



Dienstag, 16. Juli 2024

15. Juli 2024 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Zürich bei Tim



Vorspeise: Lachs-Avocado-Mango-Tatar
Hauptgang: Kalbsfilet am Stück, Risotto mit glasierten Karotten und Chimichurri
Nachtisch: Zweifarbige Schoko-Mousse mit frischen Früchten


Die größten Rohstoffvorräte der Schweiz
sind die Berge und die Banknoten
- Otto Baumgartner-Amststad (1924 bis 2022)

Es gibt allerlei geflügelte Worte samt jeglich denkbarer Vorurteile über die Schweiz, denn sicherlich hat die Schweiz mehr zu bieten als nur Berge und Banknoten, immerhin gibt es dort auch guten Käse u n d sogar die beliebten Möhren. Doch im Grunde ist es überflüssig, ob die voxsche Crew in Gelsenkirchen oder in Zürich dreht: am Ende profitiert der Zuschauer nicht von einem Ausflug in ein Nachbarland. Und an diesem Montag schon mal gar nicht. Ein paar Bilder von Zürich und Umgebung machen es nicht interessanter.

Die Sendung, die heute größtenteils von dem 33jährigen Tim bestritten wird, weil er als 1. "Hobby-Koch" an die Küchenmaschinen darf, dümpelt öde vor sich hin. Und ich schreibe bewusst Küchenmaschinen und nicht Kochtöpfe und Pfannen,

denn heute hat neben diesem Schnibbelplastikteil, durch das er sämtliches Gemüse peitscht, der Thermomix seinen großen Auftritt. Die meiste Arbeit hat Tim damit, den Behälter der Maschine nach jeder Benutzung wieder zu säubern, denn alles andere macht der beliebte Küchenhelfer beinahe eigenständig: Tim muss nur den Anweisungen des Küchen-Computers folgen, und schon ...

kann trotzdem etwas danebengehen.


Das Menü

ist unspektakulär und ergibt sich aus der obigen Karte. Für die Vorspeise muss er überhaupt nicht kochen, sondern nur schnibbeln und schnibbeln "lassen" - nur das Brot dazu ist selber gebacken. Es sieht eher wie ein Stuten aus.

Kalbsfilet und Möhrchen - wo sind die Kandidaten mit Ideen?

Zwei Mousses hat er bereits am frühen Morgen zubereitet - Tims Aussage nach war das leider zu spät ... allerdings meine ich, dass die vom frühen Morgen bis zum Nachtisch am Abend längst festgeworden wären, wenn,

ja, wenn er auf seine Küchenmaschine gehört hätte ... Oder sind diese Geräte langsam teuflisch und geben ihren Besitzern gerne falsche Anweisungen?

Auf jeden Fall ergeben beide Mousses im Zusammenspiel und ungewollt eine hell-dunkle-Schokoladen-Suppe.


Fazit

Die Gäste sind (noch?) recht wohlwollend bis unkritisch. Das alles wirkt farb- und emotionslos, und ist im Endeffekt langweilig.

Ein etwa einminütiges "Highlight" gibt Stella zum Besten: jedes Weihnachten  m u s s   sie eine Auster probieren. Und erstmals nach nunmehr 10 Jahren musste sie danach nicht mehr vor Ekel würgen ... sie empfiehlt somit Ulli, der keine Austern mag, sich an sie zu gewöhnen ...

Dummer Ratschlag! - Und jeder, der die Auster selber öffnet, tötet auch selber das Tierchen.

Die Punkte: je 8 geben Stella, Kira und Ornella, 9 gibt Ulli.

Mit 33 Zählern, die recht hoch gegriffen sind, geht Tim ins Rennen um den Jackpot.


Guten Morgen, Gruß Silvia


 

Montag, 15. Juli 2024

15. Juli 2024 - Für Heinz: zu seinem Geburtstag



Erinnerung

Es zuckt die Lippe und das Auge lacht,
Und doch steigt es vorwurfsvoll empor,
Das Bild aus tiefer, tiefer Herzensnacht –
Der milde Stern an meines Himmels Tor.
Er leuchtet siegreich – und die Lippe schließt
Sich dichter – und die Träne fließt.

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)



Mein Bruder Heinz

Ich hatte meinen Haustürschlüssel zur elterlichen Wohnung vergessen. Warum ich mich daran machte, ein Sicherheitsschloss knacken zu wollen, ist mir bis heute ein Rätsel. Als "Einbrecherin" war ich die absolut falsche Person mit viel zu wenig krimineller Energie. Aber dieser Tag war ohnehin nicht mein Tag, das hatte ich bereits am frühen Morgen  jenes 30. Januars  gewusst. Und als ich fluchend vor der verschlossenen Tür stand, bewahrheiteten sich noch unbestimmte böse Vorahnungen minütlich.

Dass er am Ende der schrecklichste Tag meines Lebens wurde, konnte ich nicht ahnen.

Damit hätte ich auch nicht gerechnet. Aber wer rechnet schon mit dem Unvorhersehbaren? Wer rechnet damit, dass das Leben sich von einer auf die andere Minute total ändert?

Diese Änderung war zu dem Zeitpunkt, als ich einbrechend vor der Tür stand, bereits eingetreten.

Ich wusste nur noch nichts davon.

Anstatt wegen des vergessenen Schlüssels in Stress zu geraten, hätte ich besser noch einige Minuten meine Ahnungslosigkeit genossen. Ich hätte mich auf die Treppe setzen und meine Beine in der Luft baumeln lassen können. Oder anstatt mich über Nonsens zu ärgern, ein paar Luftschlösser gebaut.


Dann kam mein Vater

ins Haus, obwohl es noch gar nicht seine Zeit war. Ich dachte, gut, Rettung naht! Er hat einen Schlüssel. Welche Rettung? Was ist schon ein vergessener Schlüssel? Später habe ich mich genau daran oft erinnert und versucht, mir kleine Hindernisse meines Lebens danach nicht wirklich zu Herzen zu nehmen. Ein wenig ist mir das bis heute gelungen.

Wie ein Retter sah mein Vater allerdings überhaupt nicht aus, eher wie ein geprügelter Hund. So tief gebeugt in seiner Körperhaltung hatte ich ihn noch nie zuvor gesehen und erlebt. Er ignorierte meinen Einbruchsversuch, und sagte mit tiefer, aber tonloser Stimme:

Heinz ist tot!

Heinz ist tot? Nein, ich hatte ihn doch noch vor zwei Tagen gesund und munter und lebenslustig und jung gesehen, und ich schüttelte den Kopf. Mein Vater nahm mich in den Arm, er schüttelte mich verzweifelt:

Heinz ist tot!

Daraufhin begann ich zu schreien. Ich glaube, ich habe nie zuvor und nie mehr danach derart geschrien. Mein Vater war nicht allein, aber das bemerkte ich erst, als er zu seinem Freund sagte:

"Um die Ecke ist unser Internist. Bring mein Mädchen dorthin, bitte."

Unter meinem starken Protest gab mir unser Hausarzt zwei Spritzen.


Der Arzt hat mich damit für ein paar Stunden aus dem "Verkehr" gezogen

Eine Nachbarin nahm mich mit in ihre Wohnung, in der sie mich auf ihre Wohnzimmer-Couch verfrachtete und eine Tasse Kakao brachte. Ich trat aber einfach nur noch weg, fiel in einen seligen Schlaf,

in dem das zuvor Gehörte zu einer Illusion wurde.

Als ich wieder wach wurde, glaubte ich noch immer, alles sei nicht wahr, ich müsse mich furchtbar verhört haben ... aber die zwei Spritzen (ich habe nie erfahren, was er mir gegeben hat) taten einen richtig guten Job:

ich war ruhig, sehr ruhig, tief ruhig ... beinahe auch bereits verstorben.


Am Abend dieses Tages 

Inzwischen war auch meine Mutter zu Hause. Meine Oma kam. Und mein Onkel, der Bruder meines Vaters, mit seiner Frau. Ich saß dazwischen wie Falschgeld, kaum fähig, die Münzen zu einem Gedanken zusammenzuzählen.


Heinz

war unser Sonnenschein gewesen. Er hatte die Fähigkeit gehabt, das Leben nicht allzu ernst zu nehmen und er konnte mit seinem Lachen die ganze Welt anstecken.

Er steckte voller Zukunftspläne, aber nahm diese nicht verbissen in Angriff, sondern genau so, wie es sich eben ergeben könnte. Nun ergab sich gar nichts mehr für ihn.

Diese Endgültigkeit ist wohl der größte Schmerz. Und das unvorbereitet für uns alle: denn er starb nicht an einer Krankheit,

sondern in einem Hotelbrand.

Auf seiner Beerdigung war die Trauerhalle nicht nur überfüllt, es war auch draußen kein Platz mehr für die vielen Trauergäste. Er hatte so viele Freunde, und die waren nun ehrlich traurig, betroffen und gewillt, ihn nie zu vergessen.

Das werden viele auch sicher nicht getan haben.

Heinz wurde nur 19 Jahre alt.

Eigentlich sollte dieser Beitrag mehr von Heinz als von mir selber erzählen, und ich hatte einen völlig anderen Text geplant. Aber bis heute fällt es mir schwer, über Einzelheiten seines Todes zu sprechen oder zu schreiben. Genau so schwer fällt es mir, über die tausend Episoden zu schreiben, die mir in Verbindung mit meinem Bruder in den Sinn kommen ... und die seine Einzigartigkeit (für mich) beschreiben.

Ich wollte, er würde selbst dann noch leben ... wenn uns die Jahre irgendwie entzweit hätten ... was nicht wahrscheinlich, aber immerhin möglich gewesen wäre.

Für dich, mein einziger Bruder!

Als Einzelkind danach hatte ich es schwer, weil du mich nicht mehr in meinen Verrücktheiten unterstützt hast - und ich dich nicht mehr unterstützen konnte.


Guten Morgen, Gruß Silvia