| Beispiel-Foto: mein Yorki Robin mit einem fremden Hund an dessen Gartentor |
dem man hier im Heim der Gestrandeten den Namen "Bonbon" gegeben hat. Bonbon hört sich süß an, entspricht aber so gar nicht meinem Schicksal, sondern ist ziemlich kontrovers dazu.
Man hätte mich Wanderpokal nennen können, ohne dass ich das beanstandet hätte - und kluge Leute mit dem richtigen Handling und viel Herz dürften mich durchaus genau so rufen,
und ich würde ihnen nach einer Eingewöhnungszeit stolz folgen, als hieße ich King Charles. Da könnt ihr sicher sein!
In meinem früheren Leben war ich jedoch vor gar nichts sicher, denn den Begriff "Wanderpokal" dürft ihr ruhig wörtlich nehmen:
kaum ein Jahr alt bin ich bereits durch fünf Hände gegangen. Hände, in denen ich gelesen habe,
dass ich ihnen nicht genügt habe. Ich war zu laut,
unverstanden, zu verhaltens-auffällig, zu wenig kinderlieb, zu Wenig eben von Allem, was man sich vorstellen wollte. Schnell lästig geworden in jedem der 5 Fälle auf jeden Fall.
Mein letzter Besitzer hat mich glatt verhökern wollen
(dieser Aussage liegt eine wahre Geschichte zugrunde und ist nur ein wenig ausgeschmückt und geändert),
als wäre ich der Joker in dem Spiel, der am Ende feststellen muss, dass
er die ärmste Wurst auf der ganzen weiten Welt ist.
Eine Pokerrunde hat sich wöchentlich getroffen und um viel Geld gezockt, denn Geld
tröstet mehr als eine liebevoll anstupsende Hundenase oder die eigene Nase in das Fell eines Hundes zu halten.
Der 5. Kandidat mit einem Anspruch, mich zu besitzen, setzte anstelle einer Geldsumme mich als Gewinn ein:
Ergebnis?
Alle wollten verlieren! Aber so funktionierte das nicht in diesem
Rat-Pack!
Und so wurde ich dem Besoffensten von allen einstimmig zugesprochen - in Schlangenlinien führte er mich in ein Zuhause, in das ich nicht wollte. Was
hatte ich verbrochen, um zum 6. Mal einen derartigen Tritt in den Hintern zu bekommen und psychisch am Boden rumzukriechen?
Langsam wurde ich wirklich nach und nach und verlässlich bissig ... jeder schräge Blick und jedes Wort triggerte mich.
Ich setzte mich zur Wehr und der Besoffene verlor die Leine aus der Hand, so dass ich flüchten konnte.
Tagelang irrte ich durch die Gegend, immer hungrig: getrunken habe ich aus Pfützen, was mich am Leben erhalten hat.
Denn trotz allem hing ich an meinem Leben. Seltsam? Nein, denn auch der Ärmste hängt an seinem kleinen Leben. Das ist ein Gesetz des Lebens!
Das Tierheim
ist sozusagen die 7. Hand und die 1., die mich hält, Hund sein lässt und mit mir gemeinsam an meinen Defiziten arbeitet, die ich
den Menschen verdanke.
Wenn die 8. Hand nicht die endlich richtige und liebevollste ist, dann weiß ich nicht weiter ...
Aber die Tierheim-Freunde und -Freundinnen werden klug darauf achten, dass
ich endlich das Leben führen darf, das mir zusteht:
aber ich empfinde nicht mehr, dass die Hoffnung zuletzt stirbt,
sondern dass sie bereits gestorben ist.
Euer Bonbon oder treffender Euer Wanderpokal
Guten Tag, Gruß Silvia
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