Samstag, 9. Mai 2026

9. Mai 2026 - Das Ruhrgebiet ist keine sprachliche Resterampe



Das Ruhrgebiet ist keine sprachliche Resterampe 

und ein Pott für was auch immer, ist es erst recht nicht - oder zumindest nicht mehr. Denn es wird zwar noch Stahl gekocht, aber vorbei ist es mit den romantisierten Bergmannsgeschichten, die in Wirklichkeit so wenig romantisch waren wie das Date eines

80jährigen Millionärs mit einer 24jährigen Aufstreberin.

Und ja, auch im Ruhrgebiet gibt es Millionäre, und manche sind im übrigen viel jünger. 


Den berühmt oder eher berühmt-berüchtigten Regiolekt hört man eigentlich nur noch, wenn sich irgendwelche selbsternannten

Humor-Ruhrgebietler aus dem Comedy-Bereich

über ihre Region lustig machen - und den gewollten Lach-Salven preisgeben, als wäre es der ultimative Kick oder eher Knick, hier geboren zu sein, hier zu leben - und hier bleiben zu wollen.


Da fallen Worte wie Donnerhall als wären alle Menschen hier gleichgeschaltet und würden sich gern der Lächerlichkeit preisgeben, während manch ein Comedian von eigenen Gnaden seine sogenannten Witze mit Wörtern krönt,

die hier kaum noch verwendet werden - und die aus der reinen Erinnerung heraus eher schlecht als richtig wiedergegeben werden.

Dabei sind wir hier als Menschen kaum anders als zum Beispiel die Münchner - gut, nicht ganz so abgehoben, aber genauso selbstbewusst  - und schon trifft es den Kern unserer Region -

aber sprachlich haben wir den Münchnern ohne Frage viel voraus, nämlich ein einwandfreies Hochdeutsch.


Mit einem ironischen Humor bin ich selber gesegnet oder bestraft, denn es ist nicht selbstverständlich, dass in meiner

Region des angeblich abhandengekommenen Humor-Gens jeder mich sogleich versteht, und zwar richtig und ohne Fragezeichen in den Augen.

Hier und da finde ich die spärlich gesäten Gleichgesinnten, die mich lächeln lassen. Denn ich meine, dass Lächeln mehr ist als laut über derbe Witze zu grölen.

Überhaupt sind Witze ziemlich langweilig ... bis zum Gähnen öde.

Was jedoch meine Sprachzugehörigkeit und den Regiolekt betrifft: bei mir sehr vertrauten Menschen lasse ich schon mal

Hochdeutsch Hochdeutsch sein, 

und es entfleucht mir ein "Dat" und "Wat" - ich weiß, das ist nicht viel, aber ein Erinnerungs-Zugeständnis an meine Herkunft.

Und überhaupt sind wir hier keine Prolls, denn wir haben

den größten und schicksten Verkehrsknoten,

den man sich vorstellen kann.

Ansonsten: sind die Menschen hier genau so wie überall - unterschiedlich.

Regiolekt wird zwar von vielen als Dialekt betitelt, aber zu einem wirklichen Dialekt haben wir es im Ruhrgebiet nie gebracht. Und auch mit einem Super-Verkehrsknoten-Netz gehören wir nicht wirklich zu den reichsten Menschen des Landes.

Es reicht daher auch nur für ein paar sprachliche Eigenheiten inmitten einer größeren Region, dem Ruhrgebiet: deshalb hört sich Metrolekt stimmig an.

Trotzdem werde ich leicht entlarvt, wenn mich irgendwo in diesem Land jemand nach meinem Geburtsort fragt und ich

"Dooortmund"

preisgebe - gut,

inzwischen und schon lange hat mein Dortmund ein "O" weniger und manchmal überhaupt nur noch eines. Wie es sich gehört.

Das Ruhrgebiet ist eben keine sprachliche Resterampe.


Guten Tag, Gruß Silvia



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