Freitag, 15. Mai 2026

15. Mai 2026 - Peinlichkeiten




Peinlichkeiten

sind heute nur so selten geworden, weil kaum jemandem noch irgendetwas peinlich ist. Öffentliche Schlammschlachten scheinen sportlichen Hochleistungs-Ereignissen gleichzukommen, von denen unbedingt jeder erfahren sollte - ob es sie interessiert oder nicht, spielt keine Rolle. Hauptsache öffentlich!

Peinlichkeit ist natürlich sehr subjektiv. Was für den einen peinlich ist, wäre für einen anderen nicht schlimmer als auf der Straße auf einer Bananenschale auszurutschen und sich mit halsbrecherischer Sicherheit an die nächste Laterne als Rettungsanker zu klammern.

Der Begriff "privat" gilt lange nicht mehr für jeden, seit sich Privat und Öffentlich zu einem Einheitsbrei vermischen und sogar mit Likes und erhöhter Reichweite honorieren lassen.

Vor vielen Jahren ist mir etwas sehr Peinliches passiert, ohne dass ich es steuern konnte - oder gar verhindern. Lange habe ich mich wirklich tiefgehend dafür geschämt, und erst viel später konnte ich

darüber leise, sehr leise lächeln, denn vor allem wie das Umfeld mit meinem Ausrutscher umgegangen ist, war einfach wunderbar. Und dabei waren es hauptsächlich mir völlig fremde Menschen.

Die Sache selber bleibt mir für immer als peinlich im Gedächtnis hängen ...


Es passierte an einem Sonntagmittag ...

und auf dem Weg zu einem Termin in Düsseldorf wollten wir im "Füchschen" in der Altstadt etwas essen.

Das Lokal war so gut gefüllt wie wir es kannten, wann immer wir eingekehrt sind. Aber an einem längeren Tisch, an dem bereits zwei Personen gesessen haben,

fanden wir zu Zweit noch Platz.

Wir bestellten, ich weiß nicht mehr, was - aber es lag ganz sicher nicht am Essen, was dann passierte, denn die Übelkeit hatte ich importiert und simpel ignoriert -  doch nach ein paar Bissen

wurde mir speiübel. Ich musste würgen und wollte meine Beine schnell in Richtung Toilette bewegen, die natürlich, es ist ja immer so, wenn man irgendetwas dringend braucht,

so weit weg von unserem Tisch lag, dass ich das Gefühl hatte, Astronauten kommen schneller vom Mond auf die Erde zurück ... als ich auf eine rettende Toilette.

Doch ich versuchte es wirklich. Meine Beine jedoch gaben nach, als bestünden sie aus Pudding - und ich schaffte keinen Meter zum ersehnten Ziel:

In einem unkontrollierbaren Schwall musste ich mich übergeben, und die gesamte Chose landete zum Teil auf meinem Teller, zum größeren jedoch auf dem Tisch ...

Unfähig, mich zu bewegen, wollte ich augenblicklich im Erdboden versinken ... er sollte mich bitte einfach schnellstens verschlucken ... Natürlich passierte nichts dergleichen ... aber ich blieb absolut handlungsunfähig. 


Hilfe nahte

Sofort eilten zwei Kellner an unseren Tisch und einer reichte mir eine Rolle Zewa (wisch & weg), als könne ich damit meine

Scham eliminieren. Nicht einmal fürs Wegwischen dieses Peinlich-Dramas reichte es. Ich war eingefroren zu einem Stein, der allen, allen nur im Weg herumstand - und am liebsten weggerollt wäre.

So dachte ich. Mein Hautfarbe muss tiefrot gewesen sein, denn mir wurde heiß, sehr heiß. Die Nebenwirkung von Scham als körperliches Symptom.

Dann nahm mein Begleiter das Papier und wischte die Spuren meiner Blamage weg, während ein Kellner alles in einem Eimer fortgetragen hat.

Mein Begleiter bekam sehr viel Zuspruch und Lob. Niemand am Tisch oder in der Nähe hat mich schief angesehen. 

Und ... die beiden Personen an unserem Tisch haben nach Beseitigung des Dilemmas einfach und wie selbstverständlich weitergegessen.

Inzwischen ist diese Peinlichkeit mehrfach verjährt ...  Es war und bleibt jedoch mein unangenehmstes Erlebnis in aller Öffentlichkeit.


Guten Tag, Gruß Silvia



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