Lieber Gott, verschone uns ...
Wir hatten doch einst ein recht gutes, ach, zumindest akzeptables Verhältnis zueinander. Gut, als Kind habe ich dich eher zwangsweise bei dir zu Hause besucht und später überhaupt nicht mehr, nicht mal zu Weihnachten. Aber du hattest doch genug Besuch. Ich weiß, der wird auch immer weniger.
Die Menschen scheinen zu glauben, du wärest auch aus der Kirche ausgetreten.
Immerhin habe ich manchmal gebetet. Schon klar, du hast mich durchschaut, denn es waren eher Hilferufe als richtige Gebete. Oder sogar Wutanfälle wie: Herrgott nochmal!
Heute zum Sommeranfang schicke ich dir auch solch ein Stoßgebet und möchte, dass du sofort alle Meteorologen Lügen strafst. Bitte verschone uns vor bis zu 40 Grad in der Stadt ab den nächsten Tagen. Denke doch mal, wenn schon nicht an uns Menschen, an die Tiere. Und die Pflanzen.
Da mein Wunsch vermutlich ins Leere läuft, werde ich heute doppelt kräftig durchatmen und mich für die nächsten Tage rüsten. Vielleicht bilde ich mir dann einfach ein, ich säße am Meer ... aber ob meine Phantasie dazu ausreicht?

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