Donnerstag, 9. April 2026

8. April 2026 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Bremen bei Anastasia



"Balance der Aromen"

Vorspeise: Rote-Bete-Carpaccio mit Burrata, Avocado-Limetten-Creme, Granatapfel und Kakao-Salz
Hauptgang: Zitronen-Thymian-Lachs auf Süßkartoffel-Kokos-Püree mit Vanille-Karotten in Mandelkruste
Nachtisch: Avocado-Schoko-Mousse mit Himbeer-Sorbet, Chili und Meersalz-Crunch


Auch Atmen soll gesund sein ...

Also bitte tief durchatmen für die Nachlese zur Anastasia-"Show", auch, wenn man das Gefühl hat, über ihrem gesamten Dinner-Tag läge ein eisiger Wind, der direkt aus Sibirien hereinfegt - und alles wegbläst, was irgendwie auch nur schön aussieht oder Wärme vermittelt.

In Sibirien ist die heute 39jährige Anastasia geboren, und ihre Eltern kamen mit ihr nach Deutschland, als sie 11 Jahre alt war. Von etlichen Geschwistern erzählt sie - ein Teil sei in Sibirien geblieben, ein Teil mit nach Deutschland gekommen. Jetzt lebt sie mit ihrem Mann Dennys in einer Wohnung, die sie als

sehr klein bezeichnet: seltsam ist nur, dass in dieser Mini-Wohnung ein ganzer Raum für ihre vielen Klamotten reserviert ist, während alle Wände so kahl und weiß sind wie Sibirien in langen Wintern.

Ach nein, es gibt etwas Lebendiges: den affektiert frisierten Yorkshire-Terrier. Und wen wundert es, dass das Wesen "Gucci" heißt?

Ich war bis zum 6. September 2019 die glückliche Hundemama meines Yorkshire-Terriers Robin, der ein ganzer Hundekerl mit einer feschen Jungs-Frisur war - und der seine Rute stets hocherhoben getragen hat und im übrigen ein richtiger Draufgänger war. Man kann den angeborenen Charakter fördern - oder eben bremsen.

Anastasia, die gelernte Kosmetikerin, die heute als Ernährungsberaterin und Fitnesscoach tätig ist, ist nicht einmal beim Eindecken ihres Tisches draufgängerisch: es steht nur drauf, was unbedingt benötigt wird: schmucklos, uninspiriert, und offenbar uninteressiert,

einem faden Essen ein paar Farben an die Seite zu geben.

Stattdessen predigt sie ohne Unterlass vom gesunden Essen und vom großen Spaß daran ... der heute allerdings ausfällt.


Das Essen

Sie preist ihr Essen als ausgewogen und gesund an.

Und sie kocht die Rote Bete sogar selber anstatt die vorgekochten, verpackten zu kaufen. Halleluja, das ist mal ein Lob wert. Selber erzählt sie von einer aufwendigen Arbeit, als sie die Bete in dünne Scheiben fürs Carpaccio schneidet.

Das Ganze mit Tüpfelchen von Avocado landet völlig ungewürzt auf die Teller - aber sie verkauft das als Philosophie. Hier balancieren bereits kaum noch Aromen.

Lachs aus Supermarkt-Verpackungen ist der Star des Hauptganges, und natürlich lobt sie den als gesund. - Wirklich gesünder soll Wildlachs sein, der auch weniger mit Schadstoffen belastet ist.

Die Schoko-Mousse entthront dann das gesamte Abendessen: sie besteht beinahe komplett aus Avocados, nur der Farbe wegen mit Kakao aufgepimpt.

Die Gäste und sie prosten sich am Ende mit Wasser in den Gläsern zu. Ein trauriger Abend.


Fazit

Der Nachbar rutscht auf einer Schneedecke aus, und man möchte gar nicht hinsehen, kann aber nicht anders: bevor man ihm auf die Beine hilft oder einen Krankenwagen ruft,

steht man gaffend da und freut sich klammheimlich, denn er ist einem nicht der liebste Nachbar.

So oder ähnlich lauft Anastasias Spiel vor meinen Augen ab, während die Punktevergabe nur noch der Höflichkeit geschuldet ist:

je 6 geben Hülya und Annett, 5 Mette-Lina.

Gut, dass sie am 2. Tag mit 17 von 30 möglichen Zählern hinter Hülya aufschlägt und keine Chance auf das Krönchen hat.

"Das perfekte Dinner" erleidet einen deutlichen Tiefpunkt. Man lege es zur Genesung ins Krankenbett.


Guten Morgen, Gruß Silvia


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