Als kleines Mädchen habe ich meine Sommersprossen hingenommen wie es kleine Mädchen tun, die noch nicht in Spiegel sehen, um an sich selber Spuren von Unvollkommenheit zu entdecken.
Sie waren da, sie gehörten zu mir, und sie wurden genau so gewaschen wie alles übrige.
Sie wucherten auch nur in meinem Gesicht und auf meinen Armen - alles andere war so wie bei allen anderen. Doch dann fing es an, es begann,
als ich vom Kind zum Mädchen geworden war:
diese hell-hellbraunen Flecken störten. Vor allem mich selber.
Mit gesenktem Kopf schlich ich durch die Gegend, damit niemand meinen Makel sehen könnte.
Geerbt hatte ich diese Flecken von meiner Mutter, die als Mädchen mit allen möglichen und unmöglichen Dingen wie z. B. Zitronensaft
versucht hat, die Merkmale zu vertreiben.
Und das, obwohl ihre Mutter ihr zum Trost den Spruch mitgegeben hat
Ein Gesicht ohne Sommersprossen ist wie ein Himmel ohne Sterne.
Das hört sich so schön an, als würden sich alle anderen Mädchen nach Sommersprossen sehnen und manche sie sich sogar aufmalen.
Es blieb trotzdem für eine lange, lange Zeit ein Makel, der mich
derart behindert hat, als hätte ich etliche Gehirnzellen weniger als andere, aber als Ausgleich dafür eben
diese furchtbaren Sommersprossen.
Gemobbt - so sehe ich das im Nachhinein - wurde ich nie deswegen, aber jede Ablehnung für meine damals noch kleine Person habe ich letztendlich auf diese Sprossen bezogen,
die andere eben nicht wie eine große Prüfung durch ihr Leben tragen mussten.
Heute
sind sie weitgehend verblasst, was ein Prozess von vielen Jahren gewesen ist.
Und ich stehe vor einem Spiegel und sehne mich nach ihnen - sie haben mich ausgemacht, waren ein Teil von mir, der
nun fast verschwunden ist.
Nur ein paar kleine haben den Lauf der Zeit überdauert, und ich creme sie ein, als wären sie nicht nur eine Erinnerung, sondern auch eine Hoffnung, dass sie wieder sprießen.
Werden sie nicht!
Vielleicht sind sie auch nur eine Hoffnung, dass alles noch einmal so wie damals wird - und ich die Chance bekomme,
anders damit umzugehen. Und die Welt ohne gesenkten Kopf ansehen kann, obwohl ich einen vermeintlichen Makel mit mir herumtrage.
Guten Tag, Gruß Silvia
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