"Meine" Rabenkrähen
Sie kamen unzertrennlich immer zu Zweit zu mir, manchmal mit ihren Küken, etwas später mit den inzwischen heranwachsenden Jungtieren.
Vor vielen Jahren habe ich den 1. Murphy ein wenig gezähmt, weil ich gemerkt habe, dass er mich wiedererkennt, diese unglaublich intelligente Rabenkrähe.
Ihn habe ich vor etwa 10 Jahren tot aufgefunden.
Doch das Krähenleben ging weiter wie zuvor. Und dieses Zutrauen wird mir von allen - meistens insgesamt 6 bis 7 Vögeln einer Familie - entgegengebracht als läge es inzwischen in ihren Genen.
Gibt es eine neue Brut, wird die alte fortgeschickt.
Eindringlinge derselben Art werden gnadenlos vertrieben. Hier ist Murphys-Revier.
Vor Fremden fliegen sie nach wie vor weg, ebenso vor vermeintlichen Gefahren - z. B. vor dem Klicken meiner Kamera, wenn ich sie filmen will.
Das hat mich gefreut, denn ich habe nicht gewollt, dass sie fortan allen Menschen vertrauen. Meiner Kamera hätten sie ruhig vertrauen dürfen ... aber sie bleiben i m m e r vorsichtig.
Vor knapp 2 Wochen hat eine Nachbarin einen der Vögel, denen ich den "Familiennamen" Murphy gegeben habe, krank aufgefunden - und in eine Tierklinik gebracht.
Auf ihre telefonische Nachfrage hat sie von einer Rezeptionistin nur eine pampige Antwort bekommen: es gehe sie nichts an, der Vogel sei ein Fundtier ... und "gehöre" der Stadt.
Unabhängigere und keinem Menschen und schon gar nicht einer Stadt wirklich zughörigere Vögel gibt es kaum. Sie sind einfach wunderbar. Und sämtliche trüben Geschichten über schwarze Raben sind nur gaga.
Nach dem Motto "man kennt jemanden, der jemanden kennt usw." habe ich
herausfinden können, was mit "meiner" Rabenkrähe passiert ist:
Die Dame von der Rezeption ist ungehobelt frech (aus eigener Erfahrung kann ich das bestätigen) - aber es gibt es eine vogelkundige Tierärztin in dieser Klinik, die Murphy helfen wollte.
Sie hat ihn mit nach Hause genommen, damit er sich von seinem vermutlichen Schädel-Hirn- und weiteren Traumata erholen konnte.
Das sah anfangs auch gut aus.
Dann ist "Murphy" trotz ihrer Mühen gestorben.
Sie hat ihn als wunderschönes Tier beschrieben.
Nun fliegt der partnerlose Vogel wieder hinter mir her, geht auch gern mal mit Momo und mir ein stückweit spazieren, denn er hat die neue Brut zu versorgen.
Rabenkrähen bleiben ein Leben lang zusammen. Und nun ist sie - ich denke, dass e r gestorben ist - ganz allein mit all der Verantwortung.
Der verstorbene Murphy fehlt mir, ich habe ihn sehr gern gehabt.
Keck ist er oft gegen meinen Hinterkopf geflogen, wenn ich ihn nicht sofort bemerkt habe - beim ersten Mal dachte ich sogar an einen menschlichen Überfall ... und dann wurden die Anflüge immer sanfter, fast liebevoll, intelligent geübter eben,
so dass ich selbst dieses tierisch-übergriffige sehr vermissen werde.
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