Nach dem furchtbaren Unglück in Crans Montana fühle ich mich getriggert und noch nicht fähig, zur "Tagesordnung" überzugehen. Eigentlich hatte ich für heute etwas Lustiges geplant,
aber weil mich der Tod so vieler junger Menschen bewegt, hier ein kleiner, ein winziger Auszug, wie wir uns als Familie nach dem Tod meines 19jährigen Bruders Heinz gefühlt haben, der durch einen Hotelbrand ums Lebens gekommen ist.
Ein Tod, bei dem jeder Abschied gefehlt hat, jedes liebe begleitende Wort, jede letzte Umarmung - wie es auch bei den Hinterbliebenen des Feuer-Dramas in der Schweiz nun ist.
Meine Mutter konnte mindestens ein Jahrzehnt lang keine brennenden Feuer sehen. Und auch wir anderen hatten lange Zeiten Probleme damit.
Als ich etwa 14 Jahre alt war, war ich fest entschlossen, fünf Kinder zu bekommen. Die Unvernunft dieses Gedanken kam mir natürlich nicht in den Sinn, dazu war ich zu jung - aber nach Heinz' Tod
dachte ich vollkommen anders: und folgerichtig habe ich keine Kinder, nicht einmal eines.
Ich habe das tiefe Leid meiner Mutter gesehen, das bis zu ihrem Tod 2010 nicht geendet hat. Das Leid meines Vaters war still, aber
umso lauter für die, die es unter seiner Fassade bemerkten.
Meine Mutter - überhaupt nicht esoterisch veranlagt - beklagte sogar, dass sie ihrem Sohn den falschen Vornamen gegeben hat,
denn Heinz hatte auch ihr älterer Bruder geheißen, der im Krieg vermisst wurde.
Übers Rote Kreuz hatte sie ihn ewig lange suchen lassen - aber die Nachricht von seinem Tod kam
nur ein paar Wochen nach Heinz' Tod.
Das setzte der Trauer, die sie jenseits von uns allen und allein fühlen musste, noch einmal einen weiteren schwarzen Flor obendrauf. Auf einen Schlag musste sie um 2 Menschen weinen. Und das, obwohl sie natürlich im Stillen gewusst hatte, dass ihr Bruder im Krieg gefallen war - aber es Schwarz auf Weiß zu lesen, war noch einmal eine andere Hausnummer.
Silvia
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