Warum heißt das Rathaus Rathaus?
Guter Rat ist hier teuer, denn zu einem eindeutigen Ergebnis, warum das Rathaus heißt wie es eben heißt, komme ich nicht. Manchmal sieht man ratlose Gesichter, die aus Fenstern des ehrwürdigen Hauses gucken und sich dennoch wie AristokRATen gegenüber den unten vorbeilaufenden Bürgern fühlen. Nicht zufällig, aber völlig umsonst und ungenutzt steht direkt neben dem Rathaus eine Kirche, die zur Buße einlädt, zum Bekenntnis aller Sünden - und gelegentlich zu traurigen Gedenkfeiern. Währenddessen haben sich die in den Sälen ausgedachten Ratschläge
tief in die alten Mauern eingegraben. Man bekommt sie meist nicht mehr unfallfrei hinaus auf die Straße und unter die Leute gebracht. Auch Ratschläge können nämlich Schläge sein, wie ein Sinnspruch vermittelt. Doch in Wahrheit gibt es im Rathaus überhaupt keine Ratschläge, sondern verbindliche Entscheidungen, denen dann alle Bürger und Bürgerinnen verpflichtet sind. Manchmal glauben die Bürger sogar, dass derartige Beschlüsse nicht nüchtern und sachlich, sondern während einer Party getroffen worden sind. Einerseits können die dicken Mauern des alten Hauses leicht depressiv machen, wenn die Ratgeber dort viel Zeit verbringen müssen - andererseits fühlen sie sich jedoch wie in einer Burg mit festen Regeln und einer tief verankerten Uneinnehmbarkeit.
Das Außen bleibt draußen: in Gedanken, Taten und neuen Verordnungen. Es sind oft nicht die gleichen Gedanken, die auf den Straßen durch die Köpfe wandern, es sind erhabene, denn bereits
im Begriff "Rathaus" steckt schließlich, dass hier die tätig sind, die für alles einen Rat haben, während die da draußen dringend auf Ratschläge angewiesen sind. Nicht selten ist der Rat auch VerRAT.
Manchmal kommt dabei AbenteueliteRATur heraus, denn alles wird natürlich schriftlich niedergelegt und von dem Vorsitzenden per Unterschrift abgesegnet.
Doch auch Hochzeiten sind im Rathaus möglich: und für die dürfen sich zwei Menschen ganz allein entscheiden, ohne dass zuvor eine Ratssitzung einberufen werden muss. Die Zwei bekommen auch keine Ratschläge für ihre Ehe, sondern nur ein paar warme Worte und einen Stempel samt amtlich befugter Unterschrift für ihren weiteren kürzeren oder längeren oder sehr langen Lebensweg.
Ähnlich mag es auch mit manchen Beschlüssen sein: ihre Lebenswege können lang und beschwerlich sein oder kurz und knackig wieder eingestampft werden.
Für eine Briefwahlveranstaltung zur Kommunalwahl im Jahr 2025 wurde das Rathaus auf meinem Foto mal eben zur Party für alle angepriesen: eine Bratwurst und ein Bier ... für ein Kreuzchen auf dem Brief-Wahlzettel.
Allein für diese im Rathaus geborene Idee sind im Vorfeld bis zum Reifen des Einfalles und dessen Umsetzung sicher eine Menge Bierchen geflossen - anders ist das nicht zu erklären. Bestechung kann sooo preiswert und sogar billig sein - aber sie hat in diesem Fall gewirkt.
An Karnevals-Donnerstagen dürfen Frauen das Hohe Haus stürmen, um ein bisschen AltweibertRATsch dort abzuladen -
aber direkt danach ist es wieder das Etablissement von Wenigen, die für Viele entscheiden ... manchmal verstehen die Vielen dies jedoch einfach nicht.
Guten Tag, Gruß Silvia
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