Dienstag, 23. Januar 2024

22. Januar 2024 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Bonn bei Niklas



"Herbstzauber auf dem Teller"
Vorspeise: Gebackener Hokkaido-Kürbis mit Rucola-Pesto und gebratenen Garnelen
Hauptgang: Herbstlicher Rehrücken an Rübenrelish, einem „blauen“ Kartoffelpüree, karamellisiertem Rosenkohl & einer Brombeersoße
Nachtisch: Gebratene, karamellisierte Pflaumen auf Kürbiskern-Parfait und Rosmarinstaub


Kommen Männer, kommen Geschichten ...
- Manfred Hinrich (1926 bis 2015)

Fürs TV ist Niklas nur bedingt geeignet, solange er das verständliche Sprechen nicht gelernt hat, denn immer dann, wenn ich verstehe, was er sagt,

fällt mir die Kinnlade runter: so viel geballte Männlichkeit trägt der 33jährige Caterer Niklas vor sich her, dass vermutlich jede Kritik an ihm abprallen würde. Gut denkbar wäre er im derzeit laufenden "Dschungelcamp", in dem all die Unbekannten ums Lagerfeuer sitzen und sich ihre Lebensgeschichten um die Ohren hauen. Allerdings muss Niklas, um fürs Camp engagiert zu werden, noch eine weitere Sendung im Vox/RTL-Kosmos bestreiten, damit ihn der Sender etwas besser einschätzen kann. Bislang würde ich sagen, dass er

sowohl ein Langweiler als auch ein Angeber ist:

Kurz ist seine Lebensgefährtin (oder Ehefrau?) Florencia zu sehen, die in der Küche darauf wartet, vom Team abgelichtet zu werden: sicher hat Niklas sie genau dort platziert ... Kurze Zeit später erzählt er: "Ich habe sie mit nach Deutschland gebracht ..." Und das klingt sehr, sehr gnädig, als hätte er für sie eine Rettungsaktion in Gang gesetzt.

Obwohl seine beste Aussage - diese Sendung betreffend - am Schluss kommt, meint er zwischendurch in seinem unerschütterlichen Selbstbewusstsein: "Ich bin der geborene Gastgeber."

Das Gegenteil kann ich ihm von der reinen Ansicht her nicht beweisen, aber es ist immer sympathischer, eine Nummer kleiner aufzutreten ...


Das Menü

muss ich nicht weiter aufbröseln, denn es ergibt sich dankenswerter Weise aus der umfangreichen o. a. Speisekarte.

Vermutlich stimmt es, dass die Garnelen so lange in der Pfanne Hitze bekommen haben, bis sie übergart auf die Teller kommen.

Schön anrichten kann Niklas - und erwähnt gern seinen Stiefvater, der ein Restaurant hatte oder noch hat ... ich verstehe diesen jungen Mann nicht wirklich gut, er bekommt die Zähne oft kaum auseinander.

Vielleicht hat er sogar mal eine Kochausbildung gemacht? Es ist ja nicht selten, dass Leute das Wesentliche gern verschweigen.


Fazit


Die Punkte der reinen Männer-Runde: je 8 geben David und Thomas, je 9 Max und Marc. Das ergibt die nette Summe von

34 Zählern.

Niklas hat natürlich auch eine eigene Meinung zu seinem Dinner: "Ich denke, jetzt ist (für die anderen) ein bisschen Ehrfurcht im Spiel ..." Welch

große Worte für einen hoffentlich schönen Abend, der den anderen höchstens in der immerwährenden Erinnerung bleibt, weil er unter Kamerabegleitung stattgefunden hat.

Niklas, der den anderen Ehrfurcht einflößen möchte, sollte mal an seiner Demut arbeiten ...

Ich schalte jetzt zu "Midsomer Murders": dort glauben auch alle einfallsreichen und oft sehr phantasiebegabten Mörder, sie hätten Inspektor Barnaby Ehrfurcht eingejagt - und werden am Ende doch von genau ihm gefasst. Dass der

Vergleich hinkt, ist mir egal.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Samstag, 20. Januar 2024

20. Januar 2024 - Henry, Charlie und Momo - Teil 4



Henry, Charlie und Momo

Während ich mich täglich als hundelose Hunde-Mama an Silkes Cocker Spaniel Henry erfreut habe, wartete im hiesigen Tierheim bereits Charlie auf mich ... wir wussten nur noch nichts voneinander. Aber das sollte sich schnell ändern, denn Charlie war zwar nicht in der öffentlichen Galerie des Tierheimes zu finden, durch die viele Tiere mit ihren neuen Freunden zusammenfinden konnten,

aber da ein Interessentenbogen meinerseits vorlag, bekam ich eines Tages einen Anruf ... und die Frage gestellt, ob ich Charlie kennenlernen möchte. Sein trauriges Schicksal - er hatte bereits mindestens zum 2. Mal sein Zuhause verloren - rührte mich, aber andererseits war er bereits etwa 11 Jahre alt, wobei seine bestehende Herzkrankheit mich weniger abschreckte als das hohe Alter. Doch nachdem ich ein paar Fotos von Charlie gesehen hatte,

war ich bereit, ihn kennenzulernen. Später konnte ich mein anfängliches Zögern überhaupt nicht mehr verstehen ...


Das vorstehende Video zeigt unser erstes Zusammentreffen im Auslauf des Tierheims. Gleich danach sind wir miteinander spazierengegangen, und ich war schnell gefesselt von diesem wunderbaren Hund, der keinerlei

Aufhebens um sich selber machte, der nichts forderte, der aber im Tierheim einer derjenigen war, der mit der Situation dort massiv überfordert war: er weinte den ganzen Tag, als hätte er damit die kleine Chance, dass jemand auf ihn aufmerksam wird ... andererseits hätte er sich auch in den Tod weinen können. Er fühlte den finalen Glockenklang des Schicksals und spürte, dass ihm die Zeit davonrannte und dass er sich vielleicht an seiner Endstation befunden hat. Trotzdem lernte ich auf ein paar Spaziergängen einen

gechillten, entspannten und lauffreudigen Hund kennen. Wie hätte ich mich nicht für ihn entscheiden können? Dennoch sollte er die Entscheidung treffen, und ich meine, er hat sie mir leise zugeflüstert. Leise, wie es seine Art war. Am

18. Juli 2021 nahm ich Charlie endgültig mit nach Hause - und nachdem er dort noch ein oder zwei Stunden geweint hat, hörte er bis zu seinem

Lebensende mit dem Weinen auf. 

Und wenn ich alle, alle Hunde auf der ganzen Welt kennen würde ... könnte ich niemals einen lieberen als Charlie finden. Davon bin ich felsenfest überzeugt und das bezieht auch auf meine verstorbenen Lieblinge Robin und Bienchen mit ein. Niemand war je so lieb wie Charlie.

Sein Abschied vom Tierheim war ein sehr ruhiger. Und ganz anders als später der Abschied von Momo, die mit einem großen Getöse das Heim verließ, ganz so, als würde eine Königin abdanken und in ein neues Leben weiterziehen.


Henry und Charlie

Die beiden Hunde hatten sich bereits während der Spaziergänge, die für jeden Tierheim-Hund eine Vorschrift sind, bevor sie zum Probeschlafen in ein neues Zuhause ziehen - kennengelernt. Zwei Seelenhunde, die schnell die besten Freunde wurden ...

und es war für Charlie gar nicht selbstverständlich, dass er sich überhaupt für andere Hunde interessierte. Allerdings gefiel ihm der gute Henry - und oft genug tobten sie auch miteinander durch die Gegend und teilten sich den Spaß am Leben, um am Ende doppelten Spaß zu haben.



Die meisten anderen Hunde interessierten Charlie nicht - in der Beziehung war er anders als Henry, der gerne mal hier und da einen kleinen Schau-Kampf austragen will.

Charlie interessierte sich auch nur für eine Handvoll Menschen. Auch hierin war er völlig konträr zu Henry, der gerne von jedem Menschen,

den er am unbeachteten Vorübergehen hindern kann, gestreichelt werden möchte.


Charlies Herz

Ich konnte Charlies Herz schnell erobern, und er "erzählte" mir von den Dingen, die er in seiner Vergangenheit nie gedurft hatte, die man ihm abgewöhnt hatte - und auch von den wenigen Spaziergängen seines Lebens. Hunde können durchaus etwas über ihr Vorleben verraten ... man muss nur genau hinhören ... und hinsehen ...

Endlich gab es regelmäßiges Glück in seinem Leben, und das begann natürlich mit täglichen Spaziergängen, die für sein seelisches Gleichgewicht sorgten und ihn rundum zufriedener machten. Und jeden Tag gingen Charlie und Henry Seite an Seite durch den Wald:



 
Bereits als ich Charlie "adoptierte", war er herzkrank. Aber er war fit, er war munter, er freute sich des Lebens - und wir beide zusammen waren

fest entschlossen, seiner Herzkrankheit die

Zunge rauszustrecken ... und sie mit Hilfe der verordneten Medikamente ruhig zu stellen, damit er seine neu gefundene Lebensfreude noch lange genießen konnte.




Fortsetzung folgt


Guten Tag, Gruß Silvia




19. Januar 2024 - Vox - Das perfekte Dinner - Freitag in Berlin bei Josipa




"Eine kleine Reise durch zwei Kulturen"
Vorspeise: Meze
Hauptgang: Peka
Nachtisch: Zweierlei Süßes


"Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen ..."
- aus einem Liedtext

Auch ich habe Sommersprossen, die ich von meiner Mutter geerbt habe. Verflucht habe ich sie und gehasst, bis ich dahin gekommen bin, sie wirklich phantastisch zu finden ... aber der Zahn der Zeit hat meine bereits ziemlich verblassen lassen. Ein klein wenig Make-up - und niemand sieht mehr diesen "Himmel voller Sterne" - wie mein Vater unsere Gesichter einst genannt hat - und damit vorrangig meine Mutter, aber auch mich gemeint hat.

Josipa hat "ihre" ureigenen Sommersprossen in ihrem Herkunftsland Kroatien gefunden und erweitert

durch das Ursprungsland ihres türkischstämmigen Ehemannes (leider habe ich seinen Namen auf die Schnelle nicht mitbekommen).

Von ihrem neuen Heimatland Deutschland ist kaum die Rede, denn die "Reise geht nur durch zwei Kulturen".

... und dann gibt es noch etwas Deutsches, denn das "Feigen-Eis" stuft sie als solches ein. Allerdings wachsen Feigen nicht üppig und süß überall im Land wie z. B.

Äpfel oder Birnen.

Aber klar: wäre ich in die USA ausgewandert, würde ich nicht die Burger hochhalten - oder bei einer Auswanderung in die Türkei sicher nicht den Döner zu meinem Favoriten küren. 


Das Menü

Die umfangreiche Vorspeise, auf vielen Tellern serviert, gefällt Josipa ausgesprochen, denn es sei "komplett wie zu Hause". Und damit meint sie Kroatien.

Schade, dass es manche Menschen, die lange hier leben, nicht schaffen, sich hier zu Hause zu fühlen, sondern immer noch mehr an früher denken ...

Den Hauptgang mit Kalb und Gemüse, der eher kantinenmäßig aussieht (was natürlich kein Indiz für den Geschmack ist) redet Josipa sich schön - die Augen haben weniger Freude an diesem Gang. 

Walnuss-Eis und Engelshaar mit Pistazien bilden nicht nur den heutigen letzten Gang, sondern beenden auch diese Woche.


Fazit

In der Tat bin ich heute ziemlich mäkelig - denn diese Berlin-Woche hat mich irgendwie angekratzt. Jetzt ist die Chose zu Ende, und ich kann sagen: 

ich mag Matthias, den Mann, der hier überflüssigerweise seine sexuellen Präferenzen mehr erklären musste als es nötig war ... aber am Ende hat er das schließlich freiwillig getan.

Und: hier wundere ich mich über mich selbst, denn die Werbebonzen mag ich eigentlich selten: aber Piran gefällt mir. Auch, falls ich völlig auf ihn hereingefallen sein sollte ... kommt er für mich authentisch rüber.

Er hat etwas, und sei es nur der gesundheitlich gefährliche Tatbestand,  dass er für die Arbeit lebt und ein Workaholic ist, der immer im Dienst und auf der Suche nach dem

Geld ist. Da könnte es sogar trotz aller Werbeabsicht sein, dass er in dieser Woche mehr und mehr den privaten Piran entdeckt hat. Kann nicht schaden,

sich selbst zu entdecken.

Die Punkte: je 8 von Elisabeth, Andrea und Piran, 7 von Matthias.

Sie gewinnt natürlich nicht mit den insgesamt 30 Zählern,  a b e r:

sie hat gezeigt, in welcher Kultur sie - nach eigenem Dafürhalten -  in den letzten 13 Jahren gelebt hat.

Von der deutschen Kultur ist keine Rede ...

Es gewinnt Piran, obwohl das kein wirklich fairer Gewinn ist. Eher hätte Matthias gewinnen müssen.


Sommersprossen

sind am Ende auch keine perfekte Zier, aber ein Zeichen dafür, dass die Haut ausbrechen kann und eigene Merkmale setzt.

Wunderbar war in dieser Berlin-Woche kaum etwas: womöglich wurde Matthias sogar ein wenig diskriminiert, weil er ein anderes Leben lebt als die meisten ... denn wer um Teufels willen stellt so viele Fragen zu einer bekannten Lebensweise, die nicht zuletzt von jedem Privatsender ausführlich beantwortet worden sind?

Mir bleibt, allen Lesern ein schönes Wochenende zu wünschen, das wir heute mit minus 3 Grad beginnen, Steigerung in den Minus-Bereich ist möglich. Immerhin erwarten wir 7 Sonnenstunden.



Guten Morgen, Gruß Silvia



Freitag, 19. Januar 2024

19. Januar 2024 - ZDF-Mediathek: Julie & Julia





Julie & Julia

Ein bezaubernder Film über die Selbstverwirklichung einer Frau in einer Zeit als Frauen eigentlich nur als Anhängsel ihrer Männer präsent - und deren schöne Aushängeschilder sind. Julia, die Amerikanerin, lebt im Jahre 1948 mit ihrem amerikanischen Mann in Paris - liebt das Essen, das Lachen und ihn - und sucht nach einer Aufgabe. Da unterscheidet sie sich wesentlich von ihren Lands-Frauen.

Sie mag Hüte und versucht sich unter anderem in der Kunst des Hutmachens. Aber ihr Ding ist weder das noch das Kartenspielen. Kochen wäre ihre Leidenschaft - obwohl zu der Zeit die Amerikaner in der Position ihres Mannes für diesen Job Angestellte hatten.

Julie, ist die junge Amerikanerin im Jahre 2002, die sich als Call-Center-Angestellte im öffentlichen Dienst um die Belange von Menschen kümmert, die von Nine-Eleven betroffen sind. Nach einem anstrengendem Tag am Telefon nach Hause düsen und irgendwas in die Pfanne werfen und möglichst viel Butter dazu geben - ist ihr Ausgleich.

Auf einer der regelmäßig veranstalteten Salat-Treffen mit ihren Freundinnen in einem Restaurant, wird ihr klar, dass sie die meisten ihrer Freundinnen hasst. Sie sind erfolgreicher und wichtiger und zeigen das gerne. Wem würde so ein Verhalten nicht den letzten Nerv rauben?

Und da Julie noch nie etwas in ihrem Leben zu Ende geführt hat, stößt sie auf der Suche nach einer Idee, sich selber am eigenen Schopf aus dem Versager-Sumpf zu ziehen, auf ihre Lieblingsköchin Julia Child. Nicht nur die Lebenslust dieser Frau imponiert ihr, sondern auch ihre Kochkünste.

Die hat sich Julia mühselig in Paris in ihrem Cordon-Bleu-Kochkurs (der auch alles andere abdeckt) angeeignet. Nach hunderttausend Kilo Zwiebeln und den sonstigen Mühen - landet Julia Child mit ihrem Kochbuch in Amerika einen Hit und hat eine Fernsehsendung, die so gut ist, dass sie sogar noch im Jahre 2002 parodiert wird.

In der Zeit um 2002 eröffnen sich Julie ganz andere Möglichkeiten - und sie startet einen Blog: In 365 Tagen will sie Julias 524 Rezepte nachkochen.

Der Film springt hin und her zwischen Julie und Julia - und ich weiß nicht, welche Passagen mir besser gefallen. Julia verliert nie ihren Humor, während Julie manchmal im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen verliert.

Julie kocht um ihre Selbsterkenntnis, und dabei setzt sie beinahe ihre gute Ehe aufs Spiel. Sie kocht, um sich etwas zu beweisen. Und nachdem der Blog am Anfang wenige Leser hat, kommen im Laufe der Zeit so viele hinzu, das am Ende ein Film dabei heraus kommt.

Kochen bedeutet den 7. Himmel und die letzte Ausfahrt zur Hölle gleichermaßen - wenn man es mit der Leidenschaft betreibt, die diese beiden Frauen an den Tag legen. Kochen ist Leben - und Sterben und Aufgeben und neu anfangen.

Julia ist nicht nur Rettung, sondern die heimliche Koch-Geliebte der Nachkocherin Julie.

Julie wird durch ihren Blog berühmt. - Und erfährt, dass Julia ihren Blog hasst. Ob Julia, die inzwischen neunzig Jahre alt ist, deren Inhalte überhaupt kennt, ist fraglich - aber sie weiß von dem Blog.

Vielleicht bedauert die alte Julia, dass sie zu ihrer Zeit nicht die gleichen Möglichkeiten hatte. Vielleicht erkennt sie, dass das Leben sowieso nicht gerecht ist - und vielleicht ist sie auch nicht mehr die fröhliche Frau, die sie einst war. Wer weiß es schon so genau?

Julie, tief enttäuscht von dieser Ablehnung - weiß am Ende aber, dass sie dennoch eine Verbindung zu Julia hat, die ihr keiner nehmen kann: Sie bleibt das Vorbild ihres neu entdeckten Tatendrangs, und ihr allein verdankt sie ihren Erfolg.

Das hätte sicher auch eine Julia Child erfreut - als Lohn ihrer tiefen Begeisterung für das Kochen, das sie in die Welt hinaus getragen hat.

Julie Powell, die Autorin des Buches "Julie & Julia - 365 Tage, 524 Rezepte und eine winzige Küche" ist am 26. Oktober 2022 im Alter von 49 Jahren verstorben. 


Guten Tag, Gruß Silvia




18. Januar 2024 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag in Berlin bei Elisabeth



"Jahreszeitenküche - Spaziergang durch das Jahr"
Vorspeise: Sommer ganz apart - Burrata-Komposition auf gebratenem Römersalat
Hauptgang: Herbstliche Winde - Kartoffel, Brokkoli und was Feines vom Rinde
Nachtisch: Winterimpression zum Schluss - Pastéis de Nata und Schoko-Genuss


Selbstbewusstsein toppt Kochkenntnisse

Die Woche schreitet fort und sie schreit auch nach einem baldigen Ende, das Josipa bestreiten darf/muss/soll. Heute kocht Elisabeth, die einen enormen Vorrat an Selbstbewusstsein besitzt und davon anderen noch etwas abgeben könnte, wenn die es denn gebrauchen würden. Bereits im Vorfeld ist ihr klar, dass sie mindestens 9 Punkte von jedem Gast erwartet, während 7 Punkte sie schwer enttäuschen würden. Nun ja,

mit Enttäuschungen muss man eben umgehen können und drüberweglachen - oder bestenfalls den anderen zustimmen. Die Sendung "das perfekte Dinner" ist eine, die sich immer wieder um ähnliche Kandidaten-Befindlichkeiten dreht, was auch mal ganz amüsant sein kann, aber oft nur langweilig ist.

Wieder einmal muss ich anmerken, dass 75 Minuten - abzüglich der Werbeminuten außerhalb der Sendung - zu umfangreich sind. Meistens schwindet mein Interesse an der Sendung bereits bei den ausführlich gezeigten Kochvorbereitungen - und hier und heute sowieso.

Offenbar kommt die 29jährige IT-Managerin (wieder einmal eine Managerin) nicht so recht zum Zuge, als sie ihr Deko-Start-up vorstellt ... gut so, obwohl sie vielleicht besser basteln als kochen kann.


Das Menü

Eine simple Vorspeise, die für Elisabeth die Krönung in dem angebratenen Römersalat findet ... wird nicht als Highlight in die Annalen der Kochgeschichte eingehen.

Schaffen das die Short Ribs? Die man auch Querrippe nennen darf! Zwar kommen die wirklich nicht oft auf die Tische der gewinnorientierten Kandidaten, aber ein Schmorgericht bleibt ein Schmorgericht und verzeiht manches, das anderes Fleisch übel nimmt.

Jegliche Begeisterung für den Nachtisch geht mir abhanden. Ich war schon mal in Portugal, aber an Pastèis de Nata erinnere ich mich nicht. Dafür erinnert Piran sich gut daran, denn er hat in Portugal wesentlich bessere gegessen

als heute bei Elisabeth.


Fazit

Warum greift er also nach der Höchstbewertung? 10 Punkte sind nur gerechtfertigt, wenn alles, aber auch wirklich alles stimmt, schmeckt, gut zubereitet ist und der Abend insgesamt rund ist.

Zumindest bin ich als Zuschauerin von Piran - bei dem mir nicht mehr die Erweiterung seines Vornamens (Piranhas) in den Sinn kommt - recht angetan, was den Unterhaltungswert anbelangt. Seine Werbung in eigener Sache gefällt mir nach wie vor überhaupt nicht,

aber er ist manchmal eben auch nur der Privatmensch, der einen Fuß ins Fernsehen gesetzt hat - und hin und wieder seine große Mission vergisst.

Die Punkte: 7 gibt Andrea, je 8 geben Matthias und Josipa, 10 gibt Piran.

Unterm Strich - und als es endlich 20.15 Uhr ist - sind das 33 Zähler, die sie vermutlich nicht wirklich zufriedenstellen können. So ist das Leben! Von mir hätte sie ebenfalls 7 Punkte bekommen.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Donnerstag, 18. Januar 2024

17. Januar 2024 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Berlin bei Andrea



"Warm ums Herz"
Vorspeise: Gefüllte Ravioli in Weißweinsoße
Hauptgang: Rindergulasch mit Klößen
Nachtisch: Baumkuchen mit Himbeersorbet und Likörpraline


"Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch, Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen, wo man geht und steht – aber mir tun alle Menschen leid, die nicht hier leben können!"
- Anneliese Bödecker

Ich kenne nicht viele Berliner und war auch erst einmal in der Stadt, aber wenn die Verfasserin dieses Spruches alle Schwachstellen kennt und dennoch nirgendwo anders leben möchte, ist dies als große Liebeserklärung zu werten. Allerdings weiß ich nicht, wann sie diese Zeilen geschrieben hat - und ob die Liebe noch immer gilt.

Selber bin ich eine bekennende Großstadtbewohnerin, a b e r: Berlin wäre mir dann doch zu heftig und mindestens eine Nummer über meinem

seelischen Budget.

Heute sind wir als Zuschauer bei der Berlinerin Andrea zu Gast, die nicht ganz so viel zu bieten hat, wie ihre Vorkocher Piran und Matthias: der erste ist eine lebendige Werbeveranstaltung, der andere muss sich heute bereits wieder über sein partnerschaftliches Leben erklären: Josipa kannte noch niemanden, der polyamour lebt - dann kennt sie auch jetzt niemanden, denn nicht Matthias, sondern sein Lebensgefährte Ben lebt polyamour - Matthias seinerseits lebt in einer

offenen Beziehung mit Ben. Ich hoffe, damit ist nun alles glasklar ... und ich komme auf

Andrea zu sprechen:

Sie lebt mit ihrem ehemaligen Chef Andreas in einer Patchworkfamilie, in die jeder 2 Kinder mitgebracht hat. Von Beruf ist Andrea Finanz (Finance-)-Managerin. Immer mehr Leute managen, immer weniger

reparieren Abflüsse und Klos oder Dächer. Neben den Managern männlicher und weiblicher Gattung tummeln sich nur noch

Köche und vor allem Hobbyköche, von denen es manche sogar ins Fernsehen schaffen.


Das Menü

Die gefüllten Ravioli sehen wirklich gut aus.

Ans Gulasch gibt Andrea viele, viele Zwiebeln - und wurschtelt im Anschluss an den Kochvorgang unappetitlich darin herum: sie fischt die Fleischstücke aus der Soße, um die darin befindlichen Zwiebeln zu pürieren, denn sie mag keine Zwiebeln im Gulasch ... Sachen gibt es!

In den Ravioli stören die Zwiebeln anscheinend nicht.

Einen Baumkuchen habe ich noch nie gebacken und weiß daher auch nicht, ob ihrer gelungen ist oder nicht: die Gäste meinen, der Kuchen sei zu frisch und müsse noch einen bis zwei Tage vor dem Verzehr ruhen.


Fazit

Wie schön, dass die Kandidaten Lachen groß schreiben: sie haben offensichtlich zumindest stellenweise viel Spaß. Allen voran tönt Elisabeth laut lachend ... manchmal erschrecke ich mich, wenn sie loslegt.

Die Punkte sehen heute wie auf einer Karriere-Leiter aus, ohne dass Andrea mit dem Ergebnis Karriere machen könnte: 6 gibt Matthias, 7 Elisabeth, 8 Josipa und 9 Piran.

Das ergibt die Summe von 30 Umdrehungen. Weiterhin auf dem bislang 1. Platz liegt Piran.

Unterhaltungswert? Eher im niedrigen Bereich.


Guten Morgen, Gruß Silvia


Mittwoch, 17. Januar 2024

16. Januar 2024 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Berlin bei Matthias

Foto: Marianne Mossel


Vorspeise: Jakobsmuscheln auf Feigen-Carpaccio mit Espresso-Olivenöl-Vinaigrette
Hauptgang: Turm aus sous vide gegartem Rehrücken an Birnen-Rotwein-Spiegel, Brezenknödel und Wirsinggemüse
Nachtisch: Zweierlei aus Mousse au Chocolat und Passionsfruchtsorbet



Erotik ist Überwindung von Hindernissen. Das verlockendste und populärste Hindernis ist die Moral.
- Karl Kraus (1874 - 1936)

Vielleicht ist es aber auch moralisch, zu sich und seinen Gefühlen zu stehen, sie nicht zu unterdrücken oder mit der Moralkeule totzuschlagen. Ich will das nicht weiter ausführen, denn von öffentlich geäußerten Erotik-Momenten halte ich ziemlich wenig.

Der 58jährige Matthias ist Maler, und seine Motive sollen erotische oder auch sexuelle Szenen zwischen Männern zeigen. Einen Blick drauf werfen kann ich als Zuschauerin nicht, denn diese Art von Malerei gehört wohl nicht ins Vorabendprogramm. Ein wirkliches Interesse habe ich aber auch nicht an einem weiteren Maler und seinen Werken. Matthias' Lebensgefährte

heißt Ben - ob sie gemeinsam in dieser kleinen Wohnung leben, ist nicht bekannt - bekannt ist jedoch, dass Ben polyamor in einer weiteren Beziehung zu einem Mann namens Michael lebt. Matthias selber lebt nicht polyamore.

Ich halte mich aus diversen Beziehungsgeflechten heraus, denn jeder muss selber wissen, wie er leben möchte, was ihn glücklich macht oder unglücklich, was er toleriert oder was ihm unpassend erscheint.

Matthias erzählt von seinem Vater, den er nach dessen Demenz-Diagnose 8 Jahre während einer Auszeit gepflegt hätte. Im Dezember 2022 ist sein Vater gestorben. - Auch diese Geschichte ist unvollständig, denn worin diese Auszeit eines Malers bestanden hat = keine Ahnung. Und hat er den Vater in seiner Wohnung gepflegt? Halbe

Geschichten sind eigentlich gar keine Geschichten, weil ihnen eine logische Basis fehlt.

Aber: kochen kann Matthias, und das beweist er heute:


Das Menü

ist in der obigen Speisekarte gut ablesbar. Eine Kleinigkeit möchte ich bemerken: das Rehfleisch gart er sous vide - und heraus kommt es aus dem Wasserbad, als würde es sich um Leber handeln.

Da die Gäste offenbar dieses und jenes schlecht beschreiben können oder fehlinterpretieren, weiß ich natürlich nicht, ob das Fleisch wirklich wie Leber schmeckt. Auf anderer Leute Geschmack ist eben nicht immer Verlass ... siehe in dieser Woche besonders auf Andrea.


Fazit

Selbstverständlich kocht Matthias besser als Piran Nüsse karamellisieren kann, denn viele weitere Tätigkeiten habe ich am Vortag von dem Geschäftsmann nicht gesehen. Aber einen kleinen Nachtrag habe ich zu seiner

Nuss-Orgie: gerade auf Nüsse reagieren viele Menschen allergisch. Ist es Zufall, dass in dieser Gruppe kein Nussallergiker ist? Oder hat Vox nur Mitkandidaten für Piran ausgesucht, die an seinem Nuss-Menü nicht gleich versterben?

Aber zu gern hätte ich Alternativen zu der Nuss-Schwemme gesehen ... die ihn wohl ins Schleudern gebracht hätten. Aber: Vox hat ihn nicht im Stich gelassen.

Die Punkte für Matthias: 9 gibt Josipa, je 8 geben Andrea und Elisabeth, während Piran die 7 zieht.

Das ergibt 32 Punkte für Matthias, der damit sogar 3 Punkte hinter Piran liegt, der es sich sehr, sehr einfach gemacht hat ... und dessen beste Idee in einem Werbeauftritt besteht, aber in seinen Kochergebnissen nicht zu finden ist.

Schade für Matthias! Er hätte mehr Punkte als Piran verdient.


Guten Morgen, Gruß Silvia