Vorspeise: Saibling auf zwei Arten
Hauptgang: Filet vom Hirsch mit Kartoffelrösti, Zuckerschoten und Kestegemüs
Nachtisch: Mohn-Quark-Mousse mit Kronberger Feigen
Stecken Lebenslust und Lebensfreude unter einer Decke, muss der graue Alltag Federn lassen.
© Ernst Ferstl (*1955)
© Ernst Ferstl (*1955)
Wäre der 59jährige Volker Schauspieler, wäre sein Fach am Theater eher das ernste ... oder er würde den Clown spielen, denn denen sagt man nach - ob gerechtfertigt oder nicht -, dass sie in der Realität eher traurige Menschen sind, die die Heiterkeit in der Illusion des Spiels suchen.
An den vergangenen Tagen hat Volker sich als ein Meister der Kritik geoutet, und es ist ihm offenbar nicht gelungen, irgendeinen Minus-Punkt einfach mal unter den Tisch fallen zu lassen. Eine offensichtliche Ehrlichkeit, die nicht jeder vor den Kopf geknallt bekommen möchte - man muss auch mal "Fünfe grade sein lassen" - und den Spaß in den Vordergrund stellen. Stattdessen
ist Volker sehr fokussiert, überaus ehrgeizig, verbissen und einfach uncool.
Letzteres sogar seiner Frau Ulrike gegenüber: nach dem ersten Gericht gefragt, das Volker für sie gekocht hat, erzählt sie, dass es Schweinefleisch in Sahnesoße gewesen sei ...
Damit ist Volker überhaupt nicht einverstanden und hat das völlig anders und vor allem exquisiter in Erinnerung. Es seien Schnecken gewesen ... auf französische Art.
Ich komme nach und nach zu dem Schluss, dass Volker sehr authentisch ist, sich nicht verbiegen oder ändern lässt - und sein eigenes Ding ebenso durchzieht wie er seine eigene Sichtweise behält.
Und daher lässt auch heute der "graue Alltag" keine Federn, und die Lebensfreude bleibt unsichtbar.
Carola
bleibt heute ebenfalls unsichtbar, denn sie musste sich mit einer Erkältung krankmelden. In der Regel dauert diese unangenehme Unpässlichkeit 14 Tage ohne und 2 Wochen mit Medikamenten. Vielleicht wurde der Drehtermin für ihr Dinner um 2 Wochen verschoben,
denn der letzte Tag gehört nach wie vor ihr, und sie wird auftreten.
Das Menü
Volker kann kochen, aber immer wieder verliert er sich in kleinteiligen Korrekturen, um mit den optischen Tellerbildern vollends zu überzeugen, denn hier zählt nur die
Perfektion, nicht die lachende Freude, auch einmal ein Stängelchen von irgendwas schief auf die Teller zu legen.
Für den Nachtisch gelingt ihm offenbar der Schnitt der Feigen nicht präzise genug - ein Chirurg würde glatt sagen: Operation gelungen, aber ein paar zierliche Narben werden bleiben.
Doch Volker entsorgt die Feigen, um neue zu holen und seine Schnitt-Technik an ihnen zu verbessern.
Das gelingt. Alles gelingt. Es fehlt nur eine große Prise Lebensfreude. Schade.
Fazit
Zwischen Vorspeise und Hauptgang unternimmt Ulrike mit den drei verbliebenen Gästen eine Burgführung. Diese Burg wird rein ehrenamtlich geführt, und Volker ist einer der Ehrenamtler, und ich bin sicher,
dass er mit Akribie und Hingabe seine Aufgabe erfüllt.
Und während Ulrike über dieses Ehrenamt berichtet, fällt Kinga ihr ins Wort ... um sich selber zu loben, dass sie in dieser den RTL-Spendenmarathon begleiteten Sendung teilnimmt ... das hört sich an,
als hätte sie höchstpersönlich den Spendenmarathon ins Leben gerufen ...
Mir kommt in den Sinn, was wohl gewesen wäre, wenn nicht nur Carola, sondern die anderen Gäste ebenfalls erkrankt wären ...
und da bleibt nur das "Dinner for One" mit all seinen Phantasien,
während die dieswöchige Ausgabe der Sendung eher ein insgesamt
"Dinner for No One"
ist.
Die vorläufigen Punkte für Volker: 9 von Andi und André, 7 von Kinga ... das ergibt als Zwischensumme 25 Zähler, die
Carola am Finaltag auffüllen darf.
Bezüglich Kingas Lobreden über die Vorspeise und den Hauptgang - beim Dessert habe ich nicht mehr wirklich zugehört - wundere ich
mich über ihre mickrigen 7 Punkte nach so viel Begeisterung.
Sie geizt eben nicht nur beim Kleiderstoff ...
Dafür hat sie 1.400 selbstverfasste Gedichte in petto, die sie gern öffentlich vortragen möchte: am liebsten mit Klavierbegleitung von André ...
André hingegen könnte ihren Gedichten genau so viele Punkte geben, wie sie für sein Menü übrig hatte: 4!
Aber vielleicht sind Kingas Gedichte auch Weltklasse, und er setzt sich gern dafür ans Klavier, um neben ihr die 2. Geige zu spielen ...
Guten Morgen, Gruß Silvia

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