Freitag, 17. Juli 2020

16. Juli 2020 - Vox - Das perfekte Dinner - Donnerstag im Ruhrgebiet bei Lea

Vorspeise: Gnocchi mit Steinpilzpesto, dazu ein kleiner Spargelsalat
Hauptgang: Ochsenbäckchen in Rotweinsoße an Risotto mit glasierten Möhrchen
Nachtisch: Herrencreme á la Mama Betty


Das Leben ist unsicher, fang mit dem Nachtisch an - Zitat

Genau so hält Lea es, sie zelebriert zuerst den Nachtisch "Herrencreme" ohne Hilfe aus Bielefeld.

 Die 26jährige Lea gibt auf die Frage, wer sie fürs Kochen begeistert hat, an:

1. ihre Mutter Betty (daher dieser unverwüstliche Nachtisch) und

2. die Sendung "das perfekte Dinner", die sie schon ewig lange guckt. Also vermutlich ihr halbes Leben lang.

Selber verspürt sie offenbar wenig Lust, durch ihr Menü andere zum Kochen zu verführen - um somit etwas an Begeisterung zurückzugeben. Ihre langweilige und hier auch langatmige Performance wird nur durch ihre Menü-Bestandteile getoppt:

Ochsenbäckchen! Ein Selbstläufer! Und einer, um den man sich kaum kümmern muss, weil er vor sich hinschmurgelt.

Spargelsalat mit Erdbeeren muss man mögen, ist aber auch keine Innovation.

Eine Herrencreme wird selbst durch ausführliches Anpreisen kein Highlight. Bestenfalls erinnert es den einen oder die andere an ihre Kindheiten,

aber bewerten muss und wird der erwachsene Kandidat.

Dann erfahre ich jedoch, dass jede Menge - am besten Strohrum - in die Herrencreme mit einfließen muss. Also nicht einmal etwas für Kinder.


Koch-Schule

Neben Sebastian am Dienstag zieht auch heute Lea in die Koch-Schule (irgendwo im Ruhrgebiet?) um, denn ihre Wohnung ist nicht coronaoptimiert. Abstände könnten nicht eingehalten werden usw. ... wie viele Mitarbeiter von itv sind eigentlich vor Ort zu den Vorbereitungen in ihrer Wohnung anwesend? Wie klappt es da mit den Abständen?

Für den Transport zur Kochschule nehmen die Gnocchis samt dem Backblech als Unterlage, aber ohne Abdeckung, auf ihrem Schoß Platz. Na ja, die werden im Anschluss noch gekocht ... aber hygienisch sieht das trotzdem nicht aus.

Zum Countdown zu ihrem Dinner kocht sie an keinem Hochofen, aber auf einem ihr fremden Ofen. Ob es ihr hier und da genau so heiß wird wie damals den Kumpeln an ihren Hochöfen?

Ich weiß es nicht, ich fühle mich ermüdet. Alles läuft ohne jegliche Spannung oder Höhepunkte ab.


Fazit

Lea bekommt 30 Punkte für ihre Darbietung: Je  7 von Christine und Sebastian, je 8 von Christian und Hanna.

Der Sender sollte die Shows wieder auf 60 Minuten kürzen, denn an der Langeweile trägt auch er mit dieser Verlängerung immens bei.

Das kann man wirklich an beinahe jedem Dinner-Tag feststellen. Ausbaden müssen das die Kandidaten, die vielleicht überhaupt nicht so langweilig sind wie sie dann dem Publikum vorkommen.


Guten Morgen, Gruß Silvia

Donnerstag, 16. Juli 2020

15. Juli 2020 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch im Ruhrgebiet bei Hanna

Overseas Highway, Florida-Keys

Vorspeise: Beflügelter Ceasar
Hauptgang: Teres Major-Steak vom Grill mit doppelt gebackenen Ofenkartoffeln, dazu Coleslaw mit Äpfeln und Cranberrys
Nachtisch: Key Lime Pie auf Himbeerspiegel und warme Brownies, dazu Vanilleeis und karamellisierte Pekannüsse


USA-affin

am Herd tätig ist Hanna. Derzeit ist es jedoch die einzige Hommage, die sie den USA bringen kann, ansonsten gilt:

Einreise-Stopp für Europäer.

Ist es also ein Sehnsuchts-Kochen in dieser Corona-Zeit? Und musste sie dafür Rindfleisch aus Nebraska kaufen?

Wie ist das derzeit eigentlich mit den Importen aus den Staaten?

Doch wie auch immer das momentan geregelt ist: Man kann Rindfleisch ebenso gut bei einem Bauern um die Ecke kaufen. Dort wird man in etwa - auch nie ganz genau - wissen, was man bekommt. Was aus den USA eingeflogen wird, ist nicht wirklich zu überprüfen. Regional ist ohnehin das Bestmögliche.

Hanna ist Bankkauffrau und lebt seit 2015 mit ihrem Mann Philip in ihrem Elternhaus. Wo ihre Eltern nun leben, wird nicht thematisiert - und das ist auch gut so, es geht uns nichts an.

Traurig ist es, als ein Mitbewerber um die dieswöchige Dinner-Krone im Esszimmer ein Schild mit den

Wünschen für 2020 

entdeckt. Darauf steht auch der Wunsch nach "Reisen". Das ist erst einmal voll umfänglich nicht möglich,

und daher begibt sich Hanna auf eine Reise ins TV-Business.

Neben ihrer Affinität zu den USA hat sie auch eine zu den Kameras, mit denen sie sofort verschmilzt. Voller Freude stürzt sie sich in die Aufgabe, für ihre Gäste ein amerikanisches Menü zuzubereiten. Es gelingt ihr weitgehend, wie die Gäste feststellen. Kleine Kritikpunkte, die kaum der Rede wert sind, bescheren ihr am Ende

36 Zähler.

8 Punkte gibt Sebastian, je 9 geben Christine und Christian - und die 10 zieht Lea aus dem Ärmel.

Diese hohe Punktzahl wird schwerlich zu toppen sein. Einen möglichen und nun in greifbarer Nähe befindlichen Gewinn würde Hanna in ihre Urlaubskasse legen.

Reisen bildet, obwohl diese Weiterbildung im Moment sehr schwierig ist. Falls sie noch lange nicht in ihre geliebten USA einreisen darf, habe ich hier eine Art von Trost-Spruch:

"America: self-fulfilling paranoia"
Peter Rudl (*1966), deutscher Aphoristiker

Fazit

Nach einem angenehmen Abend und Dinner sind die Punkte verdient.

Weiterhin muss jedoch Abstand zueinander gehalten werden, was eventuelle freundliche oder gar überschwängliche Umarmungen für die Dinner-Gewinnerin (oder toppt Christian sie doch noch?) oder den Dinner-Gewinner am Freitag ausspart.

Nur Christine fällt es offensichtlich schwer, Abstände einzuhalten. Kein Wunder: Sie kommt aus der Stadt, in der ich lebe - und hier scheint Abstandhalten ziemlich verpönt zu sein. Wie sie wohl den Punkte-Abstand zwischen sich und Hanna aufnehmen wird?


Guten Morgen, Gruß Silvia


Mittwoch, 15. Juli 2020

15. Juli 2020 - Für Heinz zu seinem Geburtstag


Für Heinz zu seinem Geburtstag

Vielleicht ist es so für Atheisten:

"Wenn, was uns den Tod so schrecklich erscheinen lässt, der Gedanke des Nichtseins wäre, so müssten wir mit gleichem Schauder der Zeit gedenken,

da wir noch nicht waren. Denn es ist unumstößlich gewiss, dass das Nichtsein nach dem Tode nicht verschieden sein kann von dem vor der Geburt, folglich auch nicht beklagenswerter."


Arthur Schopenhauer (1788 - 1860), deutscher Philosoph



"Der Tod hat keinen Kalender" - deutsches Sprichwort


Niemand weiß, was der Tod ist. Nicht einmal, ob er nicht für den Menschen das größte ist unter allen Gütern. Sie fürchten ihn aber, als wüssten sie gewiss, dass er das größte Übel ist.

Sokrates (470 - 399 v. Chr.), griechischer Philosoph






Deine Silvia

14. Juli 2020 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag im Ruhrgebiet bei Sebastian

Bochum, Bergmannsheil

Vorspeise: Quinoasalat, kaltes Gurken-Wacholder-Süppchen und asiatisches Rindertatar
Hauptgang: Surf & Turf: Dry Aged Rind mit Riesengarnele auf einem Kürbis-Süßkartoffelstampf und Portwein-Zuckerschoten
Nachtisch: Marula-Likör-Tiramisu


Realität ist der Zustand, der aus Mangel an Alkohol entsteht - Irisches Sprichwort

Sebastian hat in seiner Wohnung Platz für 500 Flaschen Alkohol - genug Platz, um unter Corona-Bedingungen sein Dinner stattfinden zu lassen, gibt es nicht. Die geltenden Abstandsregeln könnten nicht gewährleistet werden.

Immerhin darf er seine Vorbereitungsarbeiten zu seinem Wettbewerb-Beitrag in der eigenen Wohnung leisten,

bevor es auf die Fahrt zur Schul-Küche geht, in der das Alkohol-Festival stattfinden wird.

Sebastians Beruf ist es, Whisky-Verköstigungen anzubieten. Ob derzeit vielen Leuten der Sinn danach steht, ist fraglich - aber er gibt sein Bestes, Kunden zu gewinnen.

Wie ein Dozent mit ganz eigenem Thema begreift er diese TV-Stunde als Chance, sein Anliegen an die Menschheit voranzutreiben. Ohne Unterlass oder Ermüdungserscheinungen preist er seine Alkoholika sowie hier auch notgedrungen sein Menü an. Irgendwann denke ich, dass Sebastian die Leute besoffen reden kann - da brauchen sie gar nicht mehr viel Whisky.

In der Vergangenheit hat er in Südafrika eine Ausbildung zum Ranger gemacht - und war u. a. für den Wildtierschutz zuständig. Allerdings bemängelt er, dass ein Ranger auf Wilderer nur dann schießen darf, wenn diese das Feuer eröffneten. Wirklich? Darf ein Ranger nicht auch auf Wilddiebe schießen, wenn die auf Tiere ballern?

Heute schießt er nur wie aus zwanzig Pistolen in die Zuschauer-Gemeinde, und auch in der Runde seiner Gäste behält er verbal die Oberhand. Damals hätte er jeden Wilderer ohne Zweifel mit seiner Redegewalt in die Flucht jagen können.

Sebastians Menü ist genau so sprachbegabt wie er selber: Jede Menge an Aromen, Zutaten und weiß der Geier wollen gefeiert werden, wenn es nach ihm geht ...

aber es geht nicht nach ihm. Und so wünscht sich Christine zum Beispiel "mehr Ruhe im Mund".

Ich selber verliere den Überblick. Sowohl über das Gekochte als auch über die diversen Getränke, die er explizit zu jedem Gang serviert. Kopfschmerzen als Nebenwirkung am nächsten Morgen seien jedoch ausgeschlossen, meint er. Mal sehen!


Fazit

Sebastian hofft, seine Konkurrenz auf eine Weltreise mitgenommen zu haben, auf der er ihnen völlig neue Geschmacksrichtungen präsentiert hat.

Das klingt ziemlich überheblich und von gaaanz oben herab: Denn das beinhaltet natürlich auch, dass die anderen keine oder nur wenig Ahnung davon haben, was man alles zusammen mixen kann.

Ich sehe hier eher eine Irrfahrt ins völlig Blaue.

Der Lohn des Kuddelmuddels sind 31 Punkte: Je 8 geben Christine, Christian und Hanna, 7 gibt Lea.

Da herausgestellt wird, wie sehr alle im Ruhrgebiet ehrliche Worte schätzen, ohne gleich beleidigt zu sein, habe ich

hier mal ein ehrliches Wort für Sebastian;

Großkotz!


Guten Morgen, Gruß Silvia


Dienstag, 14. Juli 2020

13. Juli 2020 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag im Ruhrgebiet bei Christine

Duisburg


Vorspeise: Spargelcremesuppe
Hauptspeise: Rinderfilet im Kräutermantel mit Gratin und Gemüse
Nachspeise: Zitronentörtchen, dazu Zitronensorbet mit Prosecco


"Wenn dir das Leben Zitronen schenkt ..."- Zitat

In dieser zitronenreichen Zeit ist es gar nicht so einfach, Dreharbeiten fortzusetzen. Immerhin ist das seit geraumer Zeit wieder erlaubt, und wir sehen das erste Ergebnis vom "Perfekten Dinner" am heutigen Montag, abgekurbelt in Duisburg, Protagonistin: Christine.

Ob ein Hygiene-Beauftragter anwesend ist? Wenigstens dürfen viele Leute wieder zurück an ihre Arbeit:

Regisseur, Kamera-Leute, Beleuchter, Praktikanten, Drehbuchautor und neben sicher noch vielen anderen der beliebte Kommentator Daniel Werner.

Christine ist gelernte Konditorin und arbeitet als Verkaufsleiterin in einer Konditorei. Die gefühlte Hälfte der Sendezeit benötigt sie für die Zubereitung ihres Zitronentörtchens,

deren Abläufe sie nicht einmal im Kopf hat. Sie muss mehrmals in ihrem Backbuch nachsehen. Sicherlich hat sie früher in einer sehr, sehr kleinen Konditorei gearbeitet ...

Fröhlich füllt sie die 75 Minuten Sendezeit (abzüglich Werbung) mit ihrem stetigen Geplapper. Man merkt auch hier, dass sie im Verkauf besser und umsatzträchtiger aufgehoben ist ... als in einer Backstube.

Vorbildlich legt sie jeden Probierlöffel beiseite, ohne ihn wieder in die Speisen zu stecken. Darauf wird sicher in dieser Corona-Zeit besonders geachtet ...

aber, was ist, wenn doch jemand - aus alter Gewohnheit - seinen benutzten Löffel wieder ins Essen steckt? Wird das raus geschnitten?

Oder muss derjenige mit der betreffenden Zubereitung von vorn beginnen?

Die Gäste trudeln ein, und sie halten vor allem eines: Abstand. Kein Küsschen rechts und links, keine Begrüßung aus der unmittelbaren Nähe voneinander.

Leider funktioniert das hier und im wirklichen Leben überhaupt nicht - Abstand? Was ist Abstand? Für die Sendung und deren Aufrechterhaltung bis ... ja, bis wann eigentlich (niemand weiß es) ... ist das jedoch eine der neuen Vorschriften.

Keine neue Vorschrift gibt es für die stets lobenden Worte, sobald sich alle Kandidaten kennen gelernt haben:

Christine ist sooo glücklich über diese Runde - und schließt sogar frühzeitig irgendwelche Zickereien aus. Ich wäre nur halb so optimistisch,

aber natürlich gönne ich der Fünfer-Gruppe einen Durchmarsch ohne Querelen und persönliche Befindlichkeiten, die sich dann in den Punkten niederschlagen.

Nur getrennt durch ein paar Plexi-Glas-Scheiben kommen sich alle (menschlich) näher und dürfen Christines Menü genießen ... mehr oder weniger.

Besonders der Konditorin Nachtisch erfährt am meisten Kritik.

Die Punkte verteilen sich wie folgt: Je 8 geben Sebastian und Hanna, je 7 Lea und Christian, was in der Summe die runde Zahl von 30 Zählern ergibt.

Christine selber hätte sich 9 bis 9,5 Umdrehungen gegeben. An Selbstbewusstsein mangelt es ihr wirklich nicht.


Guten Morgen, Gruß Silvia

Samstag, 11. Juli 2020

11. Juli 2020 - Bienchens Geschichte - 24. Teil

Fazit

Meine Mutter wäre sehr glücklich, könnte sie sehen, wie gut ihr Bienchen sich in ihr neues Leben integriert hat - und zu meinem Bienchen geworden ist.

Auch hätte meine Mutter sich gefreut, wie souverän ich damals nach ihrem Tod mit den Gegebenheiten umgegangen bin - entgegen meinem manchmal doch leicht aufbrausenden Naturell habe ich mich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Gelassen und abgeklärt habe ich alles hinter mir gelassen.

Obwohl ich denke, dass Paul einen nicht geringen Anteil daran hatte, dass meine Mutter über so viele Jahre den Kontakt zu mir abgebrochen hatte (auch zu Verwandten), ohne dass irgendetwas Gravierendes vorgefallen war. Schließlich dachte sie, sie sei alt und auf jemanden angewiesen ... der es jedoch, entgegen ihrer Annahme,  scheinbar nicht nur gut mit ihr meinte - der aber im selben Haus lebte, und den sie vermutlich als eine Art Ersatz-Sohn angesehen hat.  Immer greifbar schien er für sie zu sein -

aber das galt auch umgekehrt. Sie war für ihn ebenso greifbar. Und manipulierbar. Ihre niemals geendete Trauer um meinen Bruder Heinz und schließlich der Tod meines Vaters hatte sie empfänglich für Manipulationen gemacht. So musste sie nicht mehr selber denken und entscheiden, sondern konnte sich fallen lassen. Dass sie in genau die falschen Hände gefallen ist ...

lässt sich im Nachhinein nicht mehr ändern.

Bei all dem war sie Herrin ihrer Sinne, wovon ich mich am Ende ihres Lebens selbst überzeugen konnte. So hat sie auch lieber mir

ihr geliebtes Bienchen

anvertraut als Paul.

Doch selbst in diesem Punkt hatte er noch versucht, meine Mutter davon abzubringen, mir Bienchen mitzugeben. Das hat sie mir selber erzählt - und sie war in den Tagen, in denen ich in Zell war, drauf und dran, Pauls Begehren nachzugeben.

Jedoch blieb ich in diesem Punkt hartnäckig. Ich wusste, dass Bienchen es bei Paul nicht gut haben würde und er sie sowieso weiterreichen würde, als wäre sie ein Wanderpokal.

Noch auf dem Bahnsteig, kurz vor der Rückfahrt ins Ruhrgebiet, versuchte Paul mir auszureden, Bienchen mitzunehmen. Es tat ihm weh, alle Macht aus den Händen geben zu müssen ...

Aber wenn ich mich irgendwann einmal festkralle, dann kommt mir so schnell niemand in die Quere. Und ich hatte die Rückendeckung meiner Mutter.

Ich war jünger und fitter als meine Mutter und gegen Manipulationen bin ich völlig immun. Ich glaube nicht an gute Worte, sondern nur an gute Taten. Worte sind schließlich kostenlos, Taten erfordern den wirklichen Einsatz.

Ein kleines Quentchen Bosheit habe ich ihm am Ende dann trotzdem noch gegeben: Er war von der Beisetzung meiner Mutter ausgeschlossen.


Ein letzter Gedanke

... den ich beim endlich stattgefundenen Wiedersehen hatte, möchte ich meinen Lesern nicht vorenthalten. Stets hatte ich vergeblich nach einer äußeren Ähnlichkeit zwischen meiner Mutter und mir gesucht. An einem ihrer letzten Tage habe ich diese Ähnlichkeit gefunden:

Es war nicht ihre niedliche Nase, die ich nicht geerbt hatte. Die hatte ich aus der Schäfer-Familie, nicht aus der der Gehrmanns.

Es waren ihre Augen, in denen ich wie in einen Spiegel geguckt habe, und die meinen Augen so ähnlich waren. Sie waren noch wach und riesengroß, als ich meine Mama endlich wiedersah, und ich fragte mich:

Warum hast du das nie vorher bemerkt?

Etwas anderes hatten wir abseits vom Aussehen auch gemein: Sie schrieb gerne, ich mache das auch. Sie hat das irgendwann aufgegeben, ich habe irgendwann damit angefangen,

es öffentlich zu zelebrieren. Geschrieben habe ich jedoch, seitdem ich Buchstaben aneinander fügen kann.

Leider hat Mama das nicht mehr getan, nachdem sie 2 Kinder, einen Haushalt und dann auch noch eine Berufstätigkeit hatte. Zumindest habe ich in ihrem Nachlass

nur ihre Gedichte aus den Zeiten gefunden, bevor es meinen Bruder und mich in ihrem Leben gab.



Mit Bienchen durch die Jahre

Bienchen wurde immer freier, auch frecher,  und lebte endlich hundgerecht. Meine Mutter hatte ihr das nicht mehr vollumfänglich bieten können. Natürlich ist Bienchen als Malteserin kein Raufbold wie es Robin zum Teil war. Aber sie guckte sich viel von ihm ab, und so kommt es bis heute vor, dass sie andere Hunde ungefragt in die Schranken weist - auch, wenn diese die gar nicht überschreiten wollten.

Sie pinkelt auch meistens wie ein Rüde, nicht in einem großen Bach ... sondern Strahl für Strahl an jedem Grashalm, immer das Beinchen in die Luft hebend.

Meine Freundin Silke meint, ich soll unbedingt erwähnen, wie lustig Bienchen oft ist. Es ist beinahe so, als hätte sie eine Hunde-Art von Humor. Nur Sprechen, sprechen hat sie noch nicht gelernt ... aber ich verstehe sie auch ohne Sprache.





Und eine Weile und aus gutem Grund schon kurz vor Robins Tod übernahm sie die vermutlich sehr wichtige Aufgabe, mich im Aufzug (unseres Hauses)  zu umrunden. Dieses war zuvor Robins Domäne gewesen, und er hatte es mit Begeisterung vollzogen - so wie es Bienchen ihm nun gleich tat und tut. Bis er blind wurde, hat sie diesen Job ihm allein überlassen - was mich vermuten lässt, dass sie gemerkt hat, dass Robin nicht mehr sehen konnte.

Im Wesentlichen erlebte Bienchen natürlich das, was ich in der Geschichte "Mein Hundesohn Robin" beschreibe.  Und auch das Viele, das ich nicht erzähle, erlebte sie selbstverständlich genau wie er - nur natürlich aus ihrer Sicht. Von Natur aus ist sie ein sanftes Wesen, aber die Ausbildung durch Robin hat sie ein wenig krawallig werden lassen. Wenn ihr was nicht passt, muss sie das

sofort zum Ausdruck bringen.

Es gibt auch Gegensätze zu Robin: Er hat sich die einjährige Augen-Behandlung durch seine Tierärztin und mich tapfer gefallen lassen. Vermutlich mochte seine Tierärztin ihn deshalb so gerne.

 Das ist bei Bienchen anders:

Sie lässt sich kaum die Augen säubern. Dann beißt sie sogar in meine Hand (kurz danach tuckelt sie mir vertrauensvoll wieder hinterher), allerdings ohne, dass es weh tut. Manches ist nur mit einem bisschen Druck möglich. Niemals würde ich ihr viertelstündlich - wie anfangs wochenlang bei Robin - Salben ins Auge tröpfeln dürfen. Niemals wäre das möglich, ohne dass wir an unser beider Grenzen stoßen würden.


Nach Robins Tod

Stets hat Bienchen mehr an Robin gehangen als es umgekehrt der Fall war. Robin hat sie akzeptiert, sie in Notfällen (aus seiner Sicht) auch verteidigt,

aber wäre sie vor ihm über den Regenbogen gegangen, er hätte sie nicht vermisst. Da bin ich sicher ... da war ich sicher ... bis

ich bemerken musste, dass Bienchen nach Robins Tod richtig aufgeblüht ist, obwohl ich fest damit gerechnet hatte, dass sie ihr altes Köpfchen traurig hängen lässt.

Sogar ihr immer wiederkehrender Durchfall (ich war deshalb mehrfach ergebnislos beim Tierarzt) ist seitdem Geschichte.

Mit ihren nun 16 Jahren und fast genau 9 Monaten (am 13. Juli 2020) ist sie munter und fit. Natürlich gemäß ihrem eigenen Temperament, das ja nie so überschäumend war wie das von Robin. Sie ist eben eine

kleine Malteserin,

die beste, die ich bekommen konnte, die niedlichste und starrköpfigste.

Sie soll bitte noch lange bei mir bleiben. Da darf meine Mutter gerne noch so sehr auf Bienchen warten - ich musste schließlich auch auf ein Wiedersehen mit meiner Mutter lange warten ...


ENDE
Copyright Silvia Gehrmann


Freitag, 10. Juli 2020

10. Juli 2020 - Bienchens Geschichte - 23. Teil


Ein seltsames Anliegen

Paul wollte alles über meine Bekannte erfahren.

Ein geeignetes Gesprächsthema, wenn es überhaupt eines gegeben hätte,  für den Tag der Beerdigung seiner Lebensgefährtin hätte meiner Meinung nach völlig anders ausgesehen. Ich hätte ihm - und trotz allem - auch gern zugehört, wenn er mir etwas aus seinen Erinnerungen mit ihr erzählt hätte.

Wie ich die beiden miteinander erlebt hatte, führten sie eine durchaus gute Beziehung. Natürlich habe ich beide nicht wirklich gekannt, aber dem äußeren Anschein nach war zwischen ihnen alles in Ordnung. Da ich jetzt bei dem Wort Ordnung bin ...

muss ich noch einmal erwähnen, dass diese ihnen beiden sehr am Herzen lag. Ihre riesige, 230 qm große,  Wohnung glich einer Musterwohnung, als hätte sie jemand so hergerichtet hatte, damit sie sich gut verkaufen ließ. Alles war pieksauber. Geordnet bis ins letzte Detail.

Das war schließlich  - und vermutlich - auch der Grund gewesen, warum Bienchen allein in der Wohnung meiner Mutter bleiben musste, als sie ins Krankenhaus kam - und bevor ich die kleine Malteserin  mit zu mir nahm. Jeder kleine Schmutzfleck vom süßen Malteserhündchen hätte sie vermutlich beide an den Rand des Wahnsinns gebracht. Das war sicherlich auch der Grund, warum sie ihren eigenen Hund Jahre zuvor aus vorgegebenen Zeitmangel abgegeben hatten. Denn Zeitmangel konnte ich weder dem persönlichen Ansehen noch ihren Erzählungen nach irgendwo sonst entdecken. Es war ein völlig anderer Mangel ...

Ein Mangel daran, mal Fünfe gerade sein lassen zu können - und einem liebenswerten Lebewesen zu verzeihen, dass es Schmutzwolken mit ins Haus bringen könnte.

Allerdings gab es einen Ort, in dem die pingelige Ordnung nicht herrschte: Ich kam während eines meiner Besuche an einer der zwei Garagen vorbei, die recht vollgestopft war. Das erstaunte mich derart, dass ich etwas näher hinsah:

Ich sah einen alten Grabstein.

Ich sah Pauls Freundin C. fragend an. Was um Himmels willen macht jemand mit einem Grabstein in seiner Garage?

Sie antwortete, dass sie Paul diese Horterei in der Garage noch abgewöhnen wollte. Das sei der Grabstein des kürzlich  eingeebneten Grabes seines Bruders. Und Paul hatte den mitgenommen, weil er glaubte, den irgendwann noch einmal gebrauchen zu können ...

Ich frage mich, ob dieser Grabstein - aufgearbeitet - nun auf ihrem Grab steht?


Aber zurück zu Pauls Anliegen

Er wollte alles über meine Bekannte wissen, was ich ihm erzählen konnte. Perplex erzählte ich einiges Oberflächliches. Sie war Lehrerin und in seinem Alter ... das reichte ihm eigentlich bereits. Nach einem Foto fragte er nicht. Ich hätte es ihm auch nur auf dem Postweg zuschicken können - wenn ich überhaupt gewollt hätte. Ich hätte selbstverständlich nicht gewollt. (Zwar besaß ich damals bereits einen Laptop, aber ich habe ihn so gut wie nie genutzt).

Offenbar vertraute er mir, dass sie kein Quasimodo in weiblicher Ausführung war.

Und er fragte mich, und das allen Ernstes und am Tag der Beisetzung seiner langjährigen Lebensgefährtin,

ob ich ein Treffen arrangieren könnte.

Dieses lasse ich jetzt einfach mal so stehen. Er selber präsentierte sich mir dann noch derart, dass ich auch ihr dieses Treffen schmackhaft machen könnte. Ich hingegen blieb eine Weile sprachlos. Warum habe ich damals nicht

Parship  oder eine Partner-Vermittlung in dringenden Notfällen oder menschlichen Ausfällen ins Leben gerufen? Ich wäre nun ohne Ende reich.


Besser laut drüber lachen als es zu hinterfragen

Natürlich erzählte ich meiner guten Bekannten von Pauls Begehren. Sie wusste ja inzwischen mehr über Paul, als Paul über sie je erfahren würde.

Vor solch einem ungeheuren Vorschlag an einem völlig unpassenden Tag ... konnte man einfach nicht vernünftig reflektieren.

Wir haben also darüber gelacht. Auch noch Jahre später war das oft genug für uns ein Anlass für einen Lacher.

Selbstverständlich hat Paul sie nie kennen gelernt.


Fortsetzung folgt
Copyright Silvia Gehrmann